Der religiöse Glaube an den Staat und an seine Regierungen und Politiker ist eine Epidemie, die die ganze Welt erfasst hat. Aber was kann der Einzelne dagegen tun, um eine freie Gesellschaft zu erreichen? Diese Frage ist Ausdruck der Hilflosigkeit. Wenn die Frage so gestellt wird, muss die Antwort darauf lauten: Der Einzelne kann überhaupt nichts tun.

Bedeutet das, den Kopf in den Sand stecken und aufzugeben zu müssen? Nein. Zuerst muss die Frage gestellt werden, warum Menschen so an das Problem herangehen.

Ein Arzt würde sich bei einer Epidemie auch nicht fragen, wie er das gesamte Land wieder gesund machen könnte. Er allein oder als Teil einer Organisation würde damit beginnen, möglichst viele Patienten zu behandeln. Niemand würde versuchen, im Alleingang eine Epidemie aufzuhalten oder einen Wolkenkratzer zu bauen. Fast jeder würde sich dagegen um die Gesundheit seiner Familie, seiner Freunde, Bekannten und Nachbarn kümmern oder damit anfangen, sein eigenes baufälliges Haus in Ordnung zu bringen.

Allein der Anspruch, sofortige Wunder vollbringen zu wollen, erzeugt Ohnmacht und lähmende Hilflosigkeit.

Wenn du wirklich für eine bessere Welt kämpfen willst, dann identifiziere zuerst das Problem. Der eigentliche Kampf findet auf dem intellektuellen und philosophischen Spielfeld statt und nicht auf der politischen Bühne. Politik ist nur das Symptom falscher philosophischer Prinzipien. Wer nur die Politik bekämpft, wird nichts erreichen. Und wer kein philosophisches Fundament hat, wird auch nichts Besseres zu bieten haben als Politik.

Es bringt nichts, alle bekehren zu wollen. Geschichte wurde immer durch intellektuelle Erkenntnisse von Minderheiten gemacht. Es kommt nicht auf die quantitative Verbreitung dieser Erkenntnisse an, sondern auf ihre Qualität. Ein philosophischer Kampf ist ein Kampf um die Köpfe der Menschen und nicht um deren blinde Gefolgschaft in möglichst großer Zahl. Ist der Kampf um die Philosophie gewonnen, wird der Verstand den Rest erledigen.

In Zeiten eines philosophischen Vakuums, die Angst und Verwirrung stiftet, sind die Menschen empfänglich für Antworten. Kannst du ihre Fragen beantworten? Kannst du ihnen die richtigen philosophischen Grundlagen anbieten? Weißt du, wie man ihnen ihre Irrtümer bewusst machen kann? Bist du immun gegen die ständigen Angriffe auf die Vernunft? Kannst du andere mit den richtigen Waffen versorgen, um sich dagegen zu wehren? Ein philosophischer Kampf ist keine Schubserei auf einem Schulhof. Er ist ein Atomkrieg.

Wenn du dich auf diesen Kampf einlassen willst, dann ist er erste Schritt, deine eigenen Ideen zu ordnen und so gut wie möglich in ein konsequentes und konsistentes Ganzes zu integrieren. Dazu benötigst du keine Allwissenheit, sondern nur Ehrlichkeit und einen aktiven Verstand, der Widersprüche nicht akzeptiert und erst Ruhe gibt, wenn diese korrigiert sind. Eine konsequente und konsistente Philosophie ist die Grundlage der Diskussion aller spezifischen Fragestellungen. Steht das philosophische Fundament, bist du dazu in der Lage, Antworten zu geben.
Der zweite Schritt ist, über deine Ansichten zu sprechen. Und zwar bei jeder Gelegenheit. Ständig sprechen die Menschen wie selbstverständlich über falsche moralische Ideen, als ob diese nicht mehr zu hinterfragende Wahrheiten seien. Mache es dir zur Gewohnheit, zu widersprechen. Ein freundliches „ich bin anderer Meinung“ reicht vollkommen aus. Sei darauf vorbereitet, dass dein Gesprächspartner Erklärungen verlangt. Unterbinde auf diese Weise die Verbreitung moralisch falscher Plattitüden. Verfolgt der Gesprächspartner gute Absichten, wird es ihm helfen. Verfolgt er niedere Absichten, wird es sein Selbstbewusstsein untergraben. Wenn deine Ideen angegriffen werden, dann schweige nicht, sondern wehre dich argumentativ dagegen. Zwinge niemandem eine Diskussion auf, der nicht interessiert ist oder dazu bereit ist, sachlich zu argumentieren. Frage im Zweifel vorher nach. Trete keinen ideologischen Gruppen bei. Vor allem keinen, die irgendein politisches Ziel proklamieren. Du würdest dadurch deine fundamentalen Prinzipien oberflächlichen politischen Handlungen opfern und dadurch das Scheitern deiner eigenen Ideen aktiv fördern.

Deine Ideen entwickeln nur dann Kraft, wenn du selbst davon überzeugt bist, dass sie für dich und dein Leben wichtig sind. Wenn du deine Überzeugungen in jeden einzelnen Aspekt deines Lebens integrierst, werden sich unzählige Gelegenheiten ergeben, andere aufzuklären. Das ist anstrengend und erfordert Mut und Überwindung. Und es gibt keine Abkürzung über eine organisierte Bewegung.

Es ist nie zu früh oder zu spät, die richtigen Ideen zu entwickeln und zu verbreiten. Außer in einer totalitären Diktatur. Wenn unser Land jemals dort hineinrutscht, dann nur deswegen, weil es schweigend akzeptiert wird. Wieviel Zeit bis dahin verbleibt, weiß keiner. Aber die Zeit spielt uns in die Karten. Weil wir eine unzerstörbare Waffe und einen unbesiegbaren Alliierten haben, um den philosophischen Atomkrieg zu gewinnen: Die Vernunft und die Realität.


Original:
Was kann man tun? – Ayn Rand, 1972.

Zusammenfassung, Überarbeitung, Ergänzung:
Peter Müller

 

13 Responses to Wie man einen Atomkrieg gewinnt

  1. Old Hemp sagt:

    „Auch die Steinzeit ist aufgrund besserer Ideen zu Ende gegangen, nicht aus Mangel an Steinen“ (Peter J. Preusse: Frei statt Staat).

  2. Christian sagt:

    „Es bringt nichts, alle bekehren zu wollen. Geschichte wurde immer durch intellektuelle Erkenntnisse von Minderheiten gemacht. Es kommt nicht auf die quantitative Verbreitung dieser Erkenntnisse an, sondern auf ihre Qualität. Ein philosophischer Kampf ist ein Kampf um die Köpfe der Menschen und nicht um deren blinde Gefolgschaft in möglichst großer Zahl. Ist der Kampf um die Philosophie gewonnen, wird der Verstand den Rest erledigen.“

    Liegt da nicht ein Widerspruch? Kommt es wirklich nicht auf die „quantitative Verbreitung diser Erkenntnisse“ an, sondern nur auf deren Qualität, egal wie groß oder klein die Quantität der davon überzeugten Menschen ist? Oder zielt die Argument auf die Gewinnung von qualitativ besonders hochwertigen Menschen, die Macht haben, Dinge zu verändern? Da würde aber ein neuer Widerspruch entstehen, denn diese Menschen würden anderen wiederum ihr Denken aufzwingen.

    „Wenn du dich auf diesen Kampf einlassen willst, dann ist er erste Schritt, deine eigenen Ideen zu ordnen und so gut wie möglich in ein konsequentes und konsistentes Ganzes zu integrieren. Dazu benötigst du keine Allwissenheit, sondern nur Ehrlichkeit und einen aktiven Verstand, der Widersprüche nicht akzeptiert und erst Ruhe gibt, wenn diese korrigiert sind.“

    Der erste Schritt… Seine Gedanken zu ordnen ist gut. Und der Wunsch, diese Gedanken in ein „konsistentes Ganzes“ zu integrieren ist verständlich. Nur, wo kommt dieses „konsistente Ganze“ her? Entspringt es meinen Gedanken oder einer Theorie, die andere bereits entwickelt haben, und an die ich dann meine Gedanken anpasse? Sind es dann aber noch meine Gedanken? Diskussionen zeigen vor allem, dass die Vorstellungswelten der verschiedenen Menschen nicht auf einen logischen Nenner zu bringen sind, der alle Gedankenwelten harmonisiert. Selbst wenn ähnliche Ziele vorliegen, können die Vorstellungen über die Wege dorthin weit auseinander liegen. Oder wenn ähnliche Schritte befürwortet werden, kann das angestrebte Ziel sehr unterschiedlich aussehen.

    • Peter FwF sagt:

      Qualität setzt sich gegenüber Quantität durch. Kurzfristig im persönlichen Leben, langfristig auf gesellschaftlicher Ebene. Wäre das Gegenteil richtig, würde sich Freiheit auf der inviduellen Ebene nicht lohnen und sich Gewalt stattdessen auszahlen. Auf gesellschaftlicher Ebene hätten wir noch heute die Prügelstrafe, die direkte Sklaverei, die systematische Unterdrückung der Frauen oder ähnliches.

      Der Ursprung des konsistenten Ganzen ist die individuelle Moral. Die Aufgabe der Philosophie ist es, ob sie auf Vernunft und Logik, letztendlich Menschlichkeit aufbaut oder auf irgendwelchen irrationalen Hirngespinsten.

      So lange keine grundlegenden menschlichen Prinzipien verletzt werden, sind unterschiedliche Ziele und Wege dorthin nicht nur kein Problem, sondern sogar wünschenswert.

  3. rote_pille sagt:

    Sagt mal, wieso werden die Kommentare gelöscht wenn ich eine Webseite mit angebe?

  4. Christian sagt:

    Qualität setzt sich durch. Aber wie setzt sich Qualität durch, wenn sie sich nicht auch in der Quantität durchsetzt?

  5. rote_pille sagt:

    Seht euch mal diesen Verräter an. Ich hatte mich geirrt was ihn angeht:
    https://www.youtube.com/watch?v=HZzeC06hVvA

    Eine total absurde Argumentation, ich hätte gute Lust dort anzurufen.

    • Roberto Solano sagt:

      Molyneux hat viel getan für die Verbreitung des NAP und eine Gesellschaft ohne Regierung. Dafür hat er meine Anerkennung. Er hat mit Freedomainradio eine sehr populäre Plattform aufgebaut und das mit viel Ausdauer und viel Arbeit. Aber leider er ist am Ende und versucht jetzt seine Plattform zu verkaufen und bietet jedem der genug zahlt eine Plattform. Wie so oft können wir die 9/11 Thematik als Lakmustest der Objekivität ansehen und seine 2 Videos die er dazu gemacht hat zeigen seinen Opportunismus. Dort greift er alle Wahrheitssucher an und versucht sie lächerlich zu machen. Seine Frustration äussert sich immer mehr in Hass gegen die libertäre Bewegung. Er unterstützt Trump im Wahlkampf und sucht neue Geldgeber und Themas. Seinen Werdegang kann man mit Alex Jones vergleichen, der auch Jahre lang sehr gute Arbeit für die freiheit geleistet hat, aber auch seit 2 Jahren nur noch von seiner Vergangenheit lebt. Kämpfen für die Freiheit und die Wahrheit ist sehr anstrengend und aufreibend in einer Gesellschaft der Knechtschaft und Lüge , das stehen die meisten, wenn überhaupt nur kurz durch und je verbotener das Thema desto schwieriger ist es für die Wahrheit einzutreten.

      • rote_pille sagt:

        Glauben Sie, ihm geht das Geld aus? Übrigens, FWF, könnt ihr mir bitte den Grund nennen, wieso die Kommentare in denen ich auf meine Artikel verlinke, nicht durchkommen? Ich möchte wissen wessen Idee das war, denn es passiert mir nicht nur auf dieser Plattform.

        • Roberto Solano sagt:

          Ich weiss nicht ob ihm das Geld ausgeht. Das kann natürlich sein, aber was ich meinte war, das er nicht mehr genung Kraft hat, gegen den Strom zu schwimmen und sich langsam aber sicher an den Mainstream anpasst. Um das psychologisch zu rationalisieren kommen dann so Sendungen wie sein 9/11-Müll, Trump- Wahlkampfhilfe, Libertären-Bashing und was da noch so kommen mag …

          • rote_pille sagt:

            Ich kann es gar nicht glauben. Das ist als würde jemand anfangen wieder an den Weihnachtsmann zu glauben. Vor 8 Jahren: Obama. Change. Die Kriege werden aufhören. Bla bla bla. Wann begreifen die Leute endlich dass die Worte von Politikern keine Bedeutung haben.

        • Michael sagt:

          hipille, wir haben auf keinen fall deine kommentare gelöscht…wieso sollten wir?!

          ich schau mal im spam nach.

          • rote_pille sagt:

            Keine Ahnung. Ich sende sie ab und sie werden nicht angezeigt. Vielleicht ist die Software, die ihr benutzt, nicht so vertrauenswürdig.

          • Michael sagt:

            musst du dich an wordpress wenden, denn wir haben nichts damit zu tun.

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