Einst zog der Libertarismus eine klare Trennlinie zwischen dem freiwilligen und dem erzwungenen Weg in eine freiheitliche Gesellschaft. Inzwischen ist die sogenannte „freiheitliche Szene“ vollkommen durchsetzt von anti-freiheitlichen Metastasen des politischen Krebsgeschwürs. Politiker, Parteien, Geringübelwähler, Minimalstaatler usw. die sich als „freiheitlich“ bzw. „libertär“ bezeichnen reden vordergründig über Freiheit und im gleichen Atemzug befürworten sie Gewalt als Mittel zum Zweck.

Selbst mittlerweile fest etablierte und einigermaßen populäre sogenannte „libertäre“ Freiheitsaktivisten, die die Philosophie der Freiheit verinnerlicht haben und ihre Unvereinbarkeit mit politischen Wegen verstanden haben sollten, werden immer wieder rückfällig. Menschen, die freiheitliche Ideen leidenschaftlich und bis auf‘s Blut verteidigen beginnen plötzlich damit, libertäre Politiker zu glorifizieren und Wahlempfehlungen auszusprechen. Wohlwissend, dadurch in eine moralisch relativierende Gewalt-als-Mittel-zum-Zweck-Haltung zu verfallen und den Anschein der Rechtmäßigkeit von Gewalt gegen friedliche Menschen zu stärken. „Ich weiß ja, dass das falsch ist, aber es geht in diesem Fall einfach nicht anders.“ Wölfe im Schafspelz, die eine Feigenblatt-Politik betreiben und dadurch jedem konsequent freiheitlichen Menschen in den Rücken fallen. Besser kann es für jene nicht laufen, die sich wie Parasiten von der Zerstörung der Freiheit friedlicher Menschen ernähren.

Die populärste Rechtfertigung für solches Verhalten ist eine Art gefühlte Merkelsche Alternativlosigkeit. Erzeugt durch Panikreaktionen und Desorientierung, die wiederum durch die Lösungs- und Ergebnisoffenheit ausgelöst wird, die für die Freiheit charakteristisch ist. Menschen, die ihr Leben lang mit fertig ausgearbeiteten Patentlösungen, Heilsversprechen, unbestechlichen Konzepten und Strategien bedacht wurden, reagieren hilflos und werden manchmal sogar aggressiv, wenn sie merken, dass sie selbst gefragt sind, in eigener Verantwortung Lösungen zu entwickeln. Diese Reaktionen wirken genauso unbeholfen und tollpatschig, wie die mittlerweile zum libertären Meme gewordene Frage: „Und ohne Staat, wer baut dann die Straßen?“ – die typische Frage der von den Libertären gerne als „Staazis“ bezeichneten Staatsbefürworter, über die die Libertären selbst gerne so herzlich lachen.

Die Lösungs- und Ergebnisoffenheit, aufbauend auf menschlichen Prinzipien ist das „Konzept“ der Freiheit. Oder wenn man so will: Die Konzeptlosigkeit ist das, was Freiheit auszeichnet. Erst die grundsätzliche Konzeptlosigkeit der Freiheit erschafft den Raum für kreative individuelle menschliche Lösungen.

Unabhängig davon, wie die ganzen Begründungen und Rechtfertigungen der „freiheitlichen“ Gewaltbefürworter konkret ausfallen, bleibt es dabei: Der Widerspruch zwischen freiheitlichen Zielen und dem Anspruch, diese auf dem Weg der Gewalt, also durch Zerstörung von Freiheit zu erreichen, ist und bleibt unauflösbar.

Es gibt eine Reihe von Libertären, die das, was Freiheit auszeichnet, wirklich verstanden haben und – das ist das Entscheidende – ihre persönlichen freiwilligen Entscheidungen auch konsequent danach ausrichten. Diese Menschen bekommen regelmäßig Fremdscham und ein Gefühl der Peinlichkeit, wenn sie mit politlibertären Gewaltbefürwortern in einen Topf geworfen werden. Oder anders ausgedrückt: Einem freiheitlichen Menschen dreht sich beim Anblick dessen, was sich mittlerweile unter den Begriffen „Freiheitlich“ und „Libertär“ tummelt, der Magen um. Es wird ihnen kotzübel.

Die einstige klare Trennlinie des Libertarismus zwischen dem Weg der Freiwilligkeit und dem Weg der Gewalt ist längst verschwunden.

Voluntaristen unterscheiden klar zwischen dem freiheitlichen und dem politischen Weg in die Freiheit. Ihr Angriffsziel ist der Anschein der Legitimität des Staates. Ihr Ziel ist es, den Staat als eine unmoralische kriminelle Organisation, die ein Gewaltmonopol in einem geografisch abgegrenzten Gebiet beansprucht, öffentlich bloßzustellen. Die Ablehnung jeder Politik ist eine moralisch begründete: Niemand hat das moralisch begründete Recht auf Gewaltandrohung und –ausübung gegen friedliche Menschen.

Obwohl Voluntaristen am antipolitischen Erbe des ursprünglichen Libertarismus festhalten, sind sie nicht libertär. Unpolitischen oder antipolitischen Libertären machen sie zum Vorwurf, sich nicht ausreichend konsequent von politischen Libertären zu distanzieren und dadurch die Verwässerung des ursprünglichen Kerns des Libertarismus oder sogar dessen Verdrehung in das Gegenteil seines ursprünglichen Wesens zuzulassen. Anders ausgedrückt: Sie ignorieren die Metastasen des anti-freiheitlichen politisch-libertären Krebsgeschwürs, ja manche verteidigen, hegen und pflegen sie geradezu.

Politische Libertäre sind schnell dabei, Voluntaristen irgendwelche Gemeinsamkeiten anzudichten, die es nicht gibt. Sie sprechen ironischerweise dann gerne von einem kollektivistischen „gemeinsamen wir“, in das Voluntaristen ungefragt einvernommen werden sollen. Nochmal: Voluntarismus und politischer Libertarismus sind gänzlich unvereinbar. Sie sind Gegensätze. Es gibt keine gemeinsame Basis.

Vielmehr zählen Libertaristen, die politische Ämter anstreben, Parteien gründen, ihnen zugehörig sind oder unterstützen, „freiheitliche“ Geringübelwähler, Minimalstaatler und sonstige Personen aus diesem Bereich zu den größten Gegnern und schlimmsten Feinden von Voluntaristen. Für Voluntaristen sind politische Libertäre nichts anderes als gefährliche Quacksalber, Hochstapler, Heilsversprecher und faktische Gewaltbefürworter, die freiheitliche Argumente dazu missbrauchen, politische Unterdrückung, Zwang und Gewalt zu relativieren und zu verharmlosen.

Und zum Schluss noch einmal in aller Deutlichkeit, um beim Voluntarismus dem vorzubeugen, was den ursprünglichen Libertarismus inzwischen bis zur Unkenntlichkeit entstellt hat:

Wer sich selbst zur Wahl stellt, eine Partei gründet oder unterstützt, sich an politischen Wahlen beteiligt oder einem sonstigen politischen Aktivismus verfallen ist, ist per Definition kein Voluntarist!

Artikelempfehlung:

Politiksüchtige Libertäre – Augen im Kopf und trotzdem blind

Legitimation des Staates durch Wahlteilnahme?

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18 Responses to Die größten Verräter der Freiheit – Metastasen des politischen Krebsgeschwürs

  1. Frank Goldmann sagt:

    SO IST ES !!!
    Das nächste Mal, wenn Du über dieses Thema schreibst, bitte auch konkrete Namen nennen, damit sich die Leut besser orientieren können.

  2. Christian sagt:

    „Obwohl Voluntaristen am antipolitischen Erbe des ursprünglichen Libertarismus festhalten, sind sie nicht libertär. Unpolitischen oder antipolitischen Libertären machen sie zum Vorwurf, sich nicht ausreichend konsequent von politischen Libertären zu distanzieren und dadurch die Verwässerung des ursprünglichen Kerns des Libertarismus oder sogar dessen Verdrehung in das Gegenteil seines ursprünglichen Wesens zuzulassen.“

    Wie ist denn das gemeint? Voluntaristen sind nicht libertär? Antipolitischen Libertären machen sie zum Vorwurf, dass diese sich nicht konsequent von politischen Libertären distanzieren? Worin drückt sich denn das „Antipolitische“ aus, wenn es sich nicht gegen das „Politische“ richtet?

    • Michael sagt:

      „Vielmehr zählen Libertaristen, die politische Ämter anstreben, Parteien gründen, ihnen zugehörig sind oder unterstützen, „freiheitliche“ Geringübelwähler, Minimalstaatler und sonstige Personen aus diesem Bereich zu den größten Gegnern und schlimmsten Feinden von Voluntaristen. Für Voluntaristen sind politische Libertäre nichts anderes als gefährliche Quacksalber, Hochstapler, Heilsversprecher und faktische Gewaltbefürworter, die freiheitliche Argumente dazu missbrauchen, politische Unterdrückung, Zwang und Gewalt zu relativieren und zu verharmlosen.“

  3. CD sagt:

    Witzig (oder traurig ist), dass offensichtlich Stefan Molyneux selbst auch zu dieser opportunistischen Gruppe zu zählen ist. Oder hab ich da etwas falsch verstanden oder gar übersehen?

    Es geht um dieses Video:

    https://www.youtube.com/watch?v=O9go5M0LzKY

    Ich hab es mir noch nicht GANZ angesehen, daher mag ich die Ironie darin noch nicht erkannt haben..

    • rote_pille sagt:

      Sie haben was falsch verstanden.

    • Peter FwF sagt:

      Molyneux bewertet in diesem Video Trumps (angeblichen) Ziele und vergleicht diese mit seinen Vorstellungen und Zielen. Er spricht nicht davon, dass er Trump wählt und er fordert niemanden dazu auf, Trump zu wählen. Insofern hat dieses Video mit dem in unserem Artikel beschriebenen Thema nichts zu tun.

      Wenn er das allerdings in einem seiner anderen Videos tut, dann poste mal bitte einen Link. Dann würde er tatsächlich zu o.g. Personen zählen.

      • AnCappuccino sagt:

        Naja, er redet nur positiv über Trump und bringt auch Argumente die an den Haaren herbeigezogen sind, wie z.B. Trump wäre unabhängig weil er seinen eigenen Wahlkampf finanziert. Molyneux erwähnt mit keiner Silbe die ganzen Verstrickungen mit der Politik in der Trump sein Leben lang verwickelt war.

        Ich persönlich glaube Molyneux hat Geld bekommen. Er eiert bei dem Trump Thema herum, es könnte kaum schlimmer sein. Er versucht ständig postive Dinge über ihn zu sagen, ohne dabei seine libertäre Community zu verprellen.
        Das ist alles sehr seltsam. Für mich persönlich ist der Fall klar. Molyneux ist überraschend ein paar Hunderttausend Dollar reicher geworden.

        Aus dem oben verlinkten Video: Molyneux meint er hätte mit Trump mehr gemeinsam, als mit so manchem Anarchokapitalisten.
        Was soll das bitte?

        Ich persönlich hab mich von diesem Staatsglauben so weit entfernt, dass ich mir über diesen Wahlquatsch gar keine Gedanken mehr mache. In ein paar Jahren weiß ich wahrscheinlich nicht mal mehr, wer gerade den Bundeskasper spielt. Ich wähle selber also gar nicht.
        Aber ich finde z.B. wenn der Michel von Tell (SteuerXL, um den geht es hier doch, oder?) noch daran glaubt mit Wahlen etwas beeinflussen zu können, ist das aus meiner libertären Sichtweise wesentlich weniger schlimm, als das was Molyneux da gerade abzieht.

        Ich finde der Michel von Tell macht das sehr gut. Dieses Wahlthema ist im Grunde gar nicht so wichtig. Viel wichtiger ist wie die freiheitliche Philosophie möglichst effektiv und schnell verbreitet werden kann.

        • Michael sagt:

          eins lasse ich dir…eine rege fantasie hast du jedenfalls…;)

          • AnCappuccino sagt:

            Ja, Phantasie ist doch was schönes 😉

            Aber dass der Molyneux nur positiv über Trump redet ist keine Phantasie. Er hypt diesen Trump doch regelrecht. Sorry, aber ich kann mir das nicht anders erklären, als das was mir meine Phantasie sagt.
            Über Ron Paul hat er doch nur abgelästert (so weit meine Phantasie mich daran erinnert). Der hat aber wenigstens echte libertäre Dinge gesagt, die wirklich zu einer Verbreitung der freiheitlichen Philosophie geführt haben.
            Kannst du mir irgendwie erklären warum Molyneux diesen Trump so abfeiert? Ich versteh es nicht. Die Erklärungen die er in seinen Videos gibt, finde ich absolut lächerlich.

            Zum SteuerXL, war also auch nur Phantasie von mir. Ok, hab mir in letzter Zeit seine Videos angesehen und auch das Interview mit Manuel. Das hat bei mir diesen Eindruck erweckt, der Artikel hätte auch damit zu tun.
            Wegen mir streitet euch halt über dieses aus meiner Sicht unwichtige Thema, aber muss dann immer diese Wortwahl sein („Metastasen“, „Krebsgeschwür“)?

          • Michael sagt:

            welche trump videos hast du denn gesehen? an welcher stelle, ruft stef zum weählen auf oder redet anarchie schlecht?
            was redet er denn positives über trump? und wirklich nur positives?
            welche lächerlichen erklärungen werden denn gemacht?
            und was zum teufel bedeutet abfeiern?

            hast du überhaupt die ron paul videos gesehen? wenn ja welche?

            deine streitphantasien muss ich leider auch enttäuschen…:)

            wenn es denn für dich so unwichtig ist, weshalb kommentierst du dazu? oder sollte ich sagen, streitest du dich darüber? 😉

          • AnCappuccino sagt:

            Ich will mich mit dir darüber streiten, dass ihr euch nicht immer streiten sollt. 😉

            Aber da ich jetzt nach 2 gestellten Fragen, 5 Gegenfragen bekommen habe, stelle ich lieber keine Frage mehr. Das ufert sonst exponentiell aus.
            Viel Spaß noch

        • rote_pille sagt:

          (E-Mail geändert)
          Trump ist in einer anderen Liga als Ron Paul. Paul konkurriert mit ihm um die wenigen (halbwegs) freiheitlich gesinnten Menschen, Trump spricht die gewöhnliche politisierte Masse an und keine Libertären.
          Das was Molyneux mittlerweile sagt muss bei politischen Menschen als Trumpwerbung ankommen. Warum er das macht, darüber kann man nur spekulieren – wahrscheinlich hat er die Lügen und die PC der dortigen Linksmedien so satt wie praktisch alle und außerdem bekommt er so mehr Zuschauer. Seine Anrufer wollen auch darüber reden. Nach 10000 Stunden gehen einem halt irgendwann die Themen aus.

        • rote_pille sagt:

          Leute, ich habe meine Mailadresse geändert, weil ich ja schon lange kein klassischer Liberaler mehr bin. Gebt meiner neuen Mail (aus dem Kommentar, der noch hängen geblieben ist) bitte wieder so ein rotes Icon, wenn das möglich ist.

  4. CD sagt:

    Dann habe ich dies tatsächlich falsch verstanden, ich dachte er würde sich für Trump soweit aussprechen, dass er eine Art Wahlempfehlung ausgegeben hätte (dadurch). Was sogesehen seltsam wäre, für jemanden der die libertäre Idee vertritt und scheinbar auch verteidigt.

    Ich werde mir das Video zum oben geposteten Link nochmals genauer ansehen.

    Gut, wenn es bloß ein Mißverständnis war. (Auf der anderen Seite könnte ich auch damit leben, würde Molyneux tatsächlich sich widersprechen. Natürlich ist das schade, wenn ein Libertärer oder Voluntarist, dann gegen seine einstigen Überzeugungen redet, aber schädigt das den Libertarismus dennoch nicht).

    • Michael sagt:

      eben…der begriff libertarismus wurde schon so sehr verhausschweint, dass man ihm nicht mehr schaden kann, als es schon wurde.

      freiheit basiert nunmal auf freiheitlichen prinzipien, wenn man einen performativen widerspruch begeht, also sich freiheitlich nennt aber gegenteilig handelt, also etatistisch: ist man nicht freiheitlich, sondern etatistisch.

      wer würde einem 250kg schriftsteller eines diätbuchs, seine super effektive diät abkaufen? …genau…niemand!

      genauso verhalten sich politische libertäre, minarchisten, liberale….etc

      angenommen die diät des buches ist wirklich eine der besten, würde dieser typ der diät nicht mit am meisten schaden?!

    • rote_pille sagt:

      Also mir würde das gar nicht gefallen. Der Mann ist nicht irgendwer, er ist sehr intelligent, rhetorisch sehr begabt, hat auch viel Einfluss auf andere Anarchisten. Er vertritt inzwischen Hoppes Meinung bezüglich der Grenzen – also er meinte die Regierung soll sie schließen mit einer ähnlichen Begründung. Er hat auch einmal behauptet, Trump könnte der libertären Bewegung noch Zeit verschaffen, und es braucht Zeit, weil die Voraussetzung dass das klappt ist, dass eine Generation aufwächst, die nicht mit Gewalt erzogen wurde. Ich glaube das bezüglich Trump ehrlich gesagt nicht. Trump wird seinen „Heiligenschein“ genauso nach einem Tag im Amt verlieren wie Obama und es wird weiterhin vollkommen wurscht sein wer im Amt ist.

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