Das irregeleitete Gehirn und die verbannten Emotionen

Die Fakten:

1. Die Entwicklung unseres Gehirns hängt von dem ab, was wir erfahren haben. Das Gehirn bildet sich in den ersten 4 Lebensjahren aus, je nachdem welche Erfahrungen die Umwelt dem Kind bietet. So entwickelt sich das Gehirn eines Kindes, das vor allem Liebe erlebt hat, anders als das eines Kindes, das grausam behandelt wird.

2. So gut wie alle Kinder unseres Planeten werden in ihren ersten Lebensjahren geschlagen. Von Anfang an lernen sie Gewalt, und diese Lektion ist in ihrem Gehirn gespeichert. Kein Kind wird gewalttätig geboren. Gewalt ist NICHT genetisch bedingt. Sie existiert, weil geschlagene Kinder in ihrem Erwachsenenleben von der Lektion Gebrauch machen, die im Gehirn gespeichert ist.

3. Da geschlagene Kinder sich nicht verteidigen dürfen, müssen sie ihren Ärger verdrängen und ihre Wut auf die Eltern, die sie gedemütigt, ihre angeborene Empathie getötet und ihre Würde beleidigt haben. Später als Erwachsene richten sie diese Wut gegen Sündenböcke und vor allem gegen ihre eigenen Kinder. Da sie keine Empathie empfinden können, richten einige ihre Wut gegen sich selbst (in Form von Essstörungen, Drogenabhängigkeit, Depressionen usw.) oder gegen andere Erwachsene (in Form von Kriegen, Terrorismus, Kriminalität usw.).

 

 

Fragen / Antworten:

F.: Eltern schlagen ihre Kinder, damit diese gehorchen, ohne dies zu hinterfragen. Abgesehen von einer kleinen Minderheit protestiert niemand gegen diese gefährliche Gewohnheit. Warum wird dieser so deutliche Zusammenhang (zwischen betrogenem Opfer und misshandelndem Täter) von der ganzen Welt ignoriert? Warum haben nicht einmal die Päpste, die für das moralische Verhalten vieler Millionen Gläubiger verantwortlich sind, letztere bis heute nie darüber informiert, dass es ein Verbrechen ist, Kinder zu schlagen?

A.: Weil fast ALLE von uns geschlagen wurden und wir alle sehr früh lernen mussten, dass Grausamkeiten normal, harmlos und sogar gut für uns seien. Niemand hat uns jemals gesagt, dass es sich dabei um Verbrechen gegen die Menschheit handelt. Unser sich entwickelndes Gehirn speichert diese falsche, unmoralische und absurde Lektion. Dies erklärt die emotionale Blindheit, die auf der Welt herrscht.

F.: Können wir uns von der emotionalen Blindheit befreien, die wir in der Kindheit entwickelt haben?

A.: Wir können uns, zumindest bis zu einem gewissen Grad, von dieser Blindheit befreien, indem wir es wagen, unsere verdrängten Emotionen zu fühlen, auch unsere Angst vor und unsere verbotene Wut auf unsere Eltern, die uns oft terrorisiert haben in diesen langen Jahren, die die schönsten unseres Lebens hätten sein sollen. Wir können diese Jahre nicht nachholen. Aber indem wir uns der Wahrheit stellen, können wir unser inneres Kind, das voller Angst und Ablehnung ist, in einen Erwachsenen verwandeln, der seine Wahrheit kennt und daher verantwortungsvoll ist, der schließlich seine Empathie wiedergewonnen hat, derer man ihn so früh beraubt hat. Wenn wir Menschen werden, die ihre Geschichte gut kennen, können wir nicht mehr bestreiten, dass Kinder zu schlagen ein Verbrechen ist, das auf der ganzen Welt verboten werden sollte.

Schlussfolgerung:

Sich um die emotionalen Bedürfnisse unserer Kinder zu kümmern bedeutet weitaus mehr als ihnen eine glückliche Kindheit zu bieten. Es bedeutet, es dem Gehirn der zukünftigen Erwachsenen zu ermöglichen, gesund und rational zu funktionieren, ohne Perversion und Wahnsinn. Ein Kind dazu zwingen zu lernen, dass Schläge ohne Zweifel gut für es seien, ist die absurdeste und abwegigste Lektion, die gefährlichste Konsequenzen hat. Diese Lektion, gepaart mit der Tatsache, von seinen wahren Gefühlen getrennt zu sein, bildet die Wurzeln der Gewalt.

[ Quelle: alice-miller.com]

 

 

 

 

 

 

12 Responses to Die Wurzeln der Gewalt sind NICHT unbekannt – Alice Miller

  1. böses Schaf sagt:

    Gut an diesem Artikel ist, dass dieses Thema nie vergessen werden darf. Schlecht ist, dass tatsächlich wohl die Mehrheit diese ‚Vergewaltigung‘ der Seele und des Körpers auch heute noch tag- täglich eher zur ‚Normalität‘ gehört.
    Wie krank ist der Mensch als solcher eigentlich? Ich ahne übles. Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich übrigens bei allen Erziehungsberechtigten, der Schule, den Nachbarn für die unzähligen Demütigungen und körperlichen Züchtigungen in meiner eigenen Kindheit recht herzlich bedanken. Fakt ist, es hatte schwerwiegende Folgen – und diese sind noch lange nicht vergessen. (*1956)

  2. Birgit Siegmund sagt:

    Ich glaube, Eltern verabreichen Schläge, weil Sie es selbst oft nicht anders wissen und auch so erfahren haben. In dieser Gesellschaft sind die meißten Eltern gestresst oder überfordert oder unzufrieden- da rutscht auch eher mal die Hand aus oder es wird rumgeschrieen. ( Ich kenne dies aus eigener Erfahrung und es ist sowohl bei den Eltern als auch bei den Kindern traumatisch – die Eltern werden es oft gar nicht so erkennen, besonders nicht, wenn Sie systemkonform und konsumorientiert “ gemacht“ worden sind. Aber es gibt auch zur Genüge subtilere Formen der Gewalt; wenn ich ein Kind um 5 oder 6.00 aus dem Bett schmeiße, es vielleicht noch mit einem lauthals klingelnden Wecker wach mache, dann kann dies ebensolche Traumata hervorrufen wie körperliche Züchtigung. Kinder, welche frühs im Dunkeln weinerlich und quengelig in den Kindergarten abgegeben werden, stelle ich mir auch nicht besonders glücklich vor. Und die Konditionierung geht dann weiter und wir sollten schauen, WAS emphatische Erwachsene ausmacht und welchen Weg sie gegangen sind und Wie Sie sich befreit haben von den gesellschaftlichen Konditionierungen und Indoktrinationen. Darüber kann zum Beispiel ein seehr emphatischer junger Mann berichten, der NIEMALS eine Schule besuchte und meines Erachtens ein Genie ist. ER arbeitet zusammen mit Professor Doktor Hüther , welcher ebenso ein Pionier in der Forschungsarbeit puncto glückliche Kinder in einem neuen Schulsystem ist UND sehr gute Erkenntnisse erzielte und diese auch publiziert.
    Viel Spass bei der Arbeit! und liebe Grüße
    liebe Grüße
    Birgit

    • michael sagt:

      hi birgit,

      wir haben mit andré stern schon ein interview gemacht 😉

      wir haben hier auch eine vortragreihe, die die wissenschaftlichen aspeke der traumatisierung aufzeigt: die bombe im gehirn 1-4

      lg

      michael

    • Thomasch sagt:

      dass sie es selbst nicht anders wissen, kann ich nicht gelten lassen, Birgit.Wenn jemand sehr genau weiß, wie unangenehm, demütigend, verheerend Schläge sind, dann der geschlagene selbst. Daraus ne Legitimation für sich zu ziehen… nenn ich noch immer pervers. Der satz ne Ohrfeige hat noch keinem geschadet“ ist schlicht und einfach ne Lüge…um vor seiner eigenen Verkommenheit abzulenken. Und es gibt gerade auch unter denen als Kind misshandelten und heutigen Erwachsenen sehr wohl noch ganz viele, die gerade deshalb niemals derartiges an ihre Kinder weiter geben…systemkonform und konsumorientiert, ja das scheint mir in vielen Fällen treffend. man kann sicher nicht jedem dieser Zwänge des heutigen Alltages ausweichen, sich nicht jedem dieser alltagsfaschistoiden Erscheinung entziehen… ich finde aber es wär ein erster Schritt für sich festzustellen, dass eine solche Normalität nicht guttut, also auch nicht unbedingt erstbeneswert ist, zumindest nicht dauerhaft. Mit diesem bewusstsein schaut sich mancher vielleicht dann doch mal nach Alternativen um… schon auch um seinen Kindern später mal… wenn sie erwachsen sind noch in die Augen sehen zu können..und sich selbst.
      liebe Grüße
      Thomasch

  3. soenke sagt:

    So gut wie alle Kinder werden geschlagen? Also ich kenne kein einziges und meine beiden werden auch nicht geschlagen.Und in meinem gesellschaftlichem Umfeld ist Schlagen auch absolutes NOGO. In Deutschland übrigens auch gesetzlich verboten. Aus welcher Zeit stammt denn diese Sichtweise? 1960?

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