Hauke Marxen

Es gibt natürlich die normale freiwillige Kooperation (Ich kaufe mir ein Eis).
Dann ist da aber auch etwas, das Max Weber als „jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht. ” definiert, nämlich der Macht-Begriff.

Eine Machtposition ist also von mehreren Faktoren abhängig.

1. Es muss sich eine Chance ergeben. Das passiert in der Regel dadurch, dass sich derjenige, über den später Macht ausgeübt wird, von irgenwas abhängig gemacht hat. Die Chance ergibt sich also eher zufällig.
2. Die Chance muss vom späteren Machthaber erkannt und genutzt werden.
3. Das Ausnutzen durch den späteren Machtausüber muss durch den anderen durch Gehorsam bestätigt werden.

Beispiel: Meine Frau ruft: „Bring den Müll raus!“

Ich liebe meine Frau und möchte, dass sie zufrieden ist. Ist sie das nicht, nervt mich das früher oder später. Ich habe mein Wohlbefinden also an das meiner Frau gekoppelt. Das bietet ihr die Chance, den Müll nicht selbst rausbringen zu müssen. Nun gehört es nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, den Müll rauszubringen. Ich tue es dennoch WIDERWILLIG. Meine Frau nutz also diese Chance, die ich ihr eingeräumt habe. Schon ist sie da, die Machtbeziehung. Durch meinen Gehorsam bestätige ich sie.

Wichtig: Der Ursprung dieser Machtbeziehung liegt bei mir. Ich will, dass sie sich wohl fühlt, damit ich nicht genervt werde. Macht wird also verliehen und kann, was das Wort „verleihen“ bereits impliziert, zurückgenommen werden. An Macht ist also nichts moralisch Verwerfliches.

Herrschaft ist etwas anderes.

Wieder Weber: „Herrschaft soll heißen die Chance, für eine Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden.“

Es ist also nicht mehr jede Chance, die sich eher zufällig bietet, sondern die bestimmte, vom Machhaber gewollte Chance in Kombination mit einem bestimmten Inhalt.

Der Punkt ist der, dass der Machthaber die ihm geliehene Macht nicht mehr zurückgeben will oder sie von vorn herein komplett erzwingt. Dazu wählt er dann Mittel des Machterhalts. Ökonomisch ausgedrückt erhöht er die Kosten des Ungehorsams (denn nur so enden Macht und Herrschaft) oder erhöht den Nutzen des Gehorsams so lange, bis letztlich gehorcht wird.

Würde also mein Nachbar rufen: „Bring meinen Müll raus!“, wäre ich nicht in der gleichen Situation, wie oben. Mir ist mein Nachbar scheißegal. Ich würde also seinen Versuch, eine Chance zu ergreifen, die gar nicht da ist, nicht bestätigen.
Käme er jetzt aber mit seinen Rockerfreunden und würde mich höflich bitten, seinen Müll rauszubringen, sähe das anders aus. Ich würde wohl gehorchen, nicht aber aufgrund von Macht, sondern wegen seines Herrschaftsapparates in Lederkutten.

Selbst ich als Ancap, zahle meine Steuern und spendiere dem Betriebsprüfer einen Kaffee.

Anders als bei der Macht liegt also der Ursprung für Herrschaft beim Machthaber.

 

5 Responses to Unterschied zwischen Macht und Herrschaft

  1. AltFryRhätien sagt:

    Heisst es jetzt „Mach“ oder „Macht“? meiner Meinunung nach nicht dasselbe

  2. nlen sagt:

    „zahle meine Steuern und spendiere dem Betriebsprüfer einen Kaffee.“

    Normalerweise nehmen die keinen Kaffee. Da könnte man ja Schlaftabletten oder sonst was rein tun.

  3. Claudius sagt:

    Den Unterschied zwischen Macht und Herrschaft definieren zu wollen, ist in meinen Augen ein mehr oder weniger sinnfreier Akt. Das ist ein wenig wie bspw. die Frage: „Was ist der Unterschied zwischen dem Mount Everest und einem Berg?“
    Herrschaft ist eine bestimmte Form von Macht.
    Ihre Beispiele beschreiben nicht etwa den Unterschied zwischen Macht und Herrschaft, sondern den Unterschied zwischen legitimer und illegitimer Macht.

    Herrschaft zum Beispiel lässt sich klar und deutlich in den Bereich legitime Macht einordnen. „Im Gegensatz zur Macht setzt Herrschaft nach Weber Legitimität voraus, die erst durch die Akzeptanz der Herrschenden durch die Beherrschten (Legitimitätsglauben) sichergestellt wird.“ (Quelle: Wikipedia). Herrschaft besteht also nur da, wo der Herrscher durch den Beherrschten bewilligt wird.
    Auch der Staat ist zum einen ein legitimes Herrschermodell, denn er überzeugt die breite Masse von seiner (scheinbaren) Legitimität und verschafft sich nur dadurch zusätzlich illegitime Macht über die Menschen, die ihn nicht als Herrscher bewilligen, indem er sie durch die von ihm beherrschten Masse gewaltsam unterdrücken lässt.
    Also beherrscht der Staat die breite Masse und unterdrückt die Menschen, welche ihm nicht gehorchen. Er ist Herrscher und Unterdrücker in einem, wobei seine Herrschaft „legitim“ ist und die Unterdrückung illegitim. Man könnte also auch sagen, dass für die Unterdrückerfunktion des Staates die Mehrheit der Menschen verantwortlich ist und nicht nur der „Machthaber“.

    Ihr Beispiel mit den Rockern trifft ganz und gar nicht auf Herrschaft zu, sondern vielmehr auf Unterdrückung durch Zwang, also die Art der Machtausübung mit der wenigsten Legitimität. Dass der Staat illigitime Mittel benutzt, um „legitim“ herrschen zu können (z.B. Lüge, Geheimhaltung, psychologische Gehirnwäsche usw.), lässt natürlich daran zweifeln, ob das Staatskonstrukt wirklich mit dem Begrifft „Herrschaft“ benannt werden sollte. Diese Tatsache ändert aber rein gar nichts an der Definition von Herrschaft!

  4. Humptidampti sagt:

    Ich liebe meine Frau und möchte, dass sie zufrieden ist. Ist sie das nicht, nervt mich das früher oder später. Ich habe mein Wohlbefinden also an das meiner Frau gekoppelt. Das bietet ihr die Chance, den Müll nicht selbst rausbringen zu müssen. Nun gehört es nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, den Müll rauszubringen. Ich tue es dennoch WIDERWILLIG. Meine Frau nutz also diese Chance, die ich ihr eingeräumt habe. Schon ist sie da, die Machtbeziehung. Durch meinen Gehorsam bestätige ich sie.

    Du hast dich dafür entschieden, dich wie einen Sklaven behandeln zu lassen, statt eine Beziehung auf Augenhöhe anzustreben. Dein devoter Gynozentrismus, solltest du keine BDSM Beziehung anstreben, bringt dich im Widerspruch zu deinen Werten.

    • sandman sagt:

      „Du hast dich dafür entschieden, dich wie einen Sklaven behandeln zu lassen,“

      Nein, ein Sklave wird beherrscht, sein Gehorsam erzwungen. Im Übrigen bringe ich den Müll raus, wenn der Eimer voll ist. Meine Frau tut selbiges, wenn sie es zuerst bemerkt. Dies ist lediglich ein Beispiel für Machtbeziehungen, wie sie sich täglich für jeden Menschen ergeben.

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