Heiko Cochius nähert sich diesem gesellschaftlichen Stockholm-Syndrom aus psychologischer Sicht und beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen Kindheitstraumatisierungen und dem Umstand, als Erwachsener staatliche Bevormundung nicht nur zu akzeptieren, sondern es als Bedrohung zu empfinden, sich gegen sie aufzulehnen.

Der Vortrag nimmt Bezug sowohl auf die Entwicklung in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als der absolutistische Staat dramatisch an Unterstützung verlor, als auch auf die These Hoppes, dass durch staatliche Maßnahmen ökonomische Anreize geschaffen wurden, die diese schwindende Identifikation wieder hergestellt haben.

Nach einer kurzen Skizze der Bindungstheorie erklärt Heiko Cochius den Vorgang der Traumatisierung einer Person anhand des Beispiels eines kleinen Kindes, das von seiner Mutter gewalttätig angegriffen wird. Er stellt dann die nach der Traumatisierung bestehende Persönlichkeit mit ihren verschiedenen Anteilen vor und beschreibt ihre psychische Interessenlage. Es zeigt sich, dass die staatlichen Maßnahmen den ständigen Bedarf der posttraumatischen Persönlichkeit decken, sich auf verschiedenen Wegen emotional zu stabilisieren.
Der moderne Staat weist eine gute Passung zum Bedarf einer traumatisierten Bevölkerung auf und findet daher ihre emotionale Zustimmung. Um eine erfolgversprechende Strategie zur Überwindung des Staates zu entwerfen, ist es notwendig, diese Erkenntnisse zu berücksichtigen.

Als Diplompsychologe und Psychologischer Psychotherapeut verfügt Heiko Cochius über viel Erfahrung in der Traumatherapie von Gewaltopfern. Sein Vortrag ist ein weiterer Baustein der Erkenntnis, warum es den Menschen so schwer fällt zu verstehen, dass Kooperation nützlicher ist als Zwang.

 

3 Responses to Kindheitstrauma als Ursache für Staatsgläubigkeit – Vortrag

  1. Habnix sagt:

    Der Zweite Weltkrieg wars so ein Gewaltätiges Trauma für viele Völker und Schwups kommt der Übeltäter eine Regierung daher ,wenn ihr das und das tut dann geht e euch gut.

    Damit es mir schlecht geht, brauche ich keine Regieung,mir geht es auch ohne Regierung schlecht. Allerdings die Wahrscheinlichkeit das es mir ohne Regierung besser geht, steht glaube ich um einiges höher als mit Regierung.

    Wer sagt das Menschen eine Regierung(Vormund)brauchen der hat vor dieser Vormund zu werden.

  2. sniko sagt:

    Chapeau, Heiko!
    Super Vortrag, der (für mich als Laie) fundiert und sensibel einen der missing links zwischen der Staatsgläubigkeit und deren Ursachen zeigt. Nebenbei war er inklusive Diskussion auch unterhaltsam und damit einprägsam.
    Auch wenn die Kausalität in beiden Richtungen „Trauma bedingt Staatsreligion“ als auch „Staatsreligion muss Trauma vorangegangen sein“ nicht 100%ig ist, scheint sie doch plausibel geschildert sehr groß zu sein.

  3. […] Hier der Link zur Seite :  http://www.freiwilligfrei.info/archives/6318 […]

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