Rudolf Engemann


Wenn dich ein Staatsgläubiger, der sich selbst als „Realist“ bezeichnet, mal wieder als „Idealist“ betitelt und du „keine Lust“ mehr auf weitere Diskussionen hast und er dir vorwirft, die Realität nicht anzuerkennen, hier die passende Antwort:

Als Realist bist du mit dem einverstanden, was ist. Als Idealist bist du bestrebt, aus der derzeitigen Situation etwas für die Zukunft zu gestalten. Bei dir klingt das so, als wenn „Realist“ zu sein irgendetwas Erstrebenswertes wäre oder etwas Positives; dabei ist es einfach nur ein Eingeständnis, aufgegeben zu haben. Bei dir klingt auch die Benennung „Idealist“ wie ein Schimpfwort oder als Begriff für jemanden, der den Kontakt zum Realen verloren hätte.
Weit gefehlt! Nur wenn du wirklich die derzeitige Situation erkennst, entwickelst du ein Bestreben, daraus etwas Besseres für die Zukunft zu gestalten. Deine Äußerung, dich zurücknehmen zu wollen, da du „die Schnauze voll hast“, wird in diesem Licht verständlich, denn jemand, der bereits aufgegeben hat und keinen Raum mehr für Zukünftiges und Veränderung in sich trägt, wird auch nichts erreichen können. Und dich ständig auf die von dir offensichtlich so geliebte FDGO (Freiheitlich Demokratische Grundordnung) zu beziehen, macht aus dir vielleicht in den Augen der derzeitigen Politiker einen „guten und gehorsamen Bürger“, auf der anderen Seite zeigt es aber auch, wie wenig du die Demokratie bislang durchschaut hast.
Da du mir als Idealisten vorwirfst, „Utopien“ nachzugehen, habe ich hier für dich als „Realist“ noch einen Text. Allerdings habe ich, wie schon oben erwähnt, wenig Hoffnung, dass er dich erreichen kann. Aber ich bin eben Idealist:

„Das Recht der Mehrheit. Fünf Männer befinden sich in einem Raum. Haben, weil drei Männer einen Standpunkt einnehmen und zwei einen anderen, die drei Männer irgendein moralisches Recht, den anderen zwei Männern ihren Standpunkt aufzuzwingen? Welche magische Kraft kommt über die drei Männer, dass sie, weil sie einer mehr sind als die zwei Männer, plötzlich Besitzer von Geist und Körper dieser anderen werden? Solange sie zwei gegen zwei waren, dürfen wir annehmen, das jeder Mann Herr seines eigenen Geistes und Körpers blieb; aber von dem Moment an, in dem ein weiterer Mann – der Himmel weiß, aus welchen Motiven heraus handelnd – sich der einen oder anderen Partei angeschlossen hatte, ist diese Partei schnurstracks in den Besitz der Seelen und Körper der anderen Partei gelangt.

Hat es jemals einen so erniedrigenden Aberglauben gegeben? Ist er nicht der direkte Nachkomme des alten Aberglaubens über Kaiser und Hohepriester und ihre Autorität über die Seelen und Körper der Menschen?“

Aus „Logik und Moral der Demokratie“ von Auberon Herbert

 

Videoempfehlungen:

 

3 Responses to Demokratie – Besitz der Seelen und Körper anderer Menschen?!

  1. Edgar sagt:

    Das Beispiel mit den 4 bzw. 5 Personen idealisiert die Verhältnisse, die es beschreiben will. Jedes Wahlrecht sieht eine Lösung bei Gleichstand vor, so dass hier kein Machtvakuum entstehen kann. Wenn beide Interessengruppen gleich stark sind, wäre wohl eine GroKo entstanden mit 4 Mann in der Regierung. Die beschworene „magische Kraft“ auf die Seelen der Unterliegenden ist kein Effekt, des einfach aussetzt, wenn sich keine Mehrheit bildet, sondern ein allgegenwärtiger Bestandteil des Systems.

  2. Syntagma sagt:

    Ein sehr schöner Text. Passt zum Buch von Hans-Hermann Hoppe „Wettbewerb der Gauner“, welches ich eben gelesen habe 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.



FreiwilligFrei.de
Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de