9783926396754»In jedem Zeitalter erkennen Menschen, dass das Zeitalter vor ihnen von falschen Glauben besetzt war. Zu gegebener Zeit legen die Menschen diese Glauben nieder, befreien sich davon und halten sich für aufgeklärt. Sie fragen aber nicht danach, was diese Irrglauben in ihnen entstehen ließ und merken auch nicht, dass in der Zwischenzeit längst moderne Irrtümer den Platz beanspruchen, um die alten nahtlos zu ersetzen. Zu jeder Zeit beschäftigt sich der Durchschnitt mit dem, was gerade für den „aufgeklärten Menschen“ angesagt ist, aber bloß nicht mit den modernen verinnerlichten Irrtümern, denn das wäre ja eine Beleidigung für das alte Ego des „aufgeklärten Menschen“.«

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Norbert Lennartz verdeutlicht in diesem Buch, was normatives Handeln bedeutet bzw. warum bei friedlicher Kooperation der Menschen das Handeln die gesellschaftliche Ordnung bestimmt.

Insbesondere beschreibt er die Institution der Gerechtigkeit (Justiz) als ein Mittel des Handelns im Kontext einer friedlichen kooperativen Ordnung, ohne Staat oder sonstige gewaltsame Eingriffe.

Eine staatliche Justiz dagegen kann ohne diese kooperative Ordnung nur zu einer herrschaftlichen Ordnung führen, bei der die jeweiligen Leiter dieser sozialen Struktur im Zusammenspiel mit der Regierung theoretisch jedes durchsetzungsfähige Kommando legalisieren können.

Aus diesem Grund sind Justiz und Gerechtigkeit in »modernen« Staaten stets zwei verschiedene Dinge. In der friedlichen kooperativen Ordnung bilden dagegen Recht und Gerechtigkeit keinen prinzipiellen Widerspruch. Im letzten Kapitel des Buches beschreibt der Autor nicht nur die soziale Bedeutung der individuellen Sezession, sondern analysiert auch den Begriff der Sezession als solchen, um systematisch herauszuarbeiten, welche politischen Anforderungen Sezession tatsächlich stellt.

Zum Geleit

„Freiheit gehört zu den politischen Gütern, die seit der Aufklärung unumstritten sind. Jede Partei bekennt sich zu ihr, Diktatoren geht ihr Name nicht weniger leicht und oft von der Zunge als Demokraten. Wenn dann in Wirklichkeit etwas ganz anderes herauskommt, nämlich Unterwerfung, Knechtschaft und Bevormundung, wird bedauert, die »Umstände« hätten eine Verwirklichung des großen Ideals hintertrieben.

Norbert Lennartz entwickelt die normativen Begriffe des Libertarismus – im Gegensatz zur politischen Freiheit bzw. des englischen liberty bei dem keine metaphysische Frage gestellt wird, ob ein freier Wille oder »vollständige Freiheit« angesichts biologischer, biographischer oder sozialer Einflussfaktoren überhaupt gegeben sei – aus den erkenntnistheoretischen Grundlagen der Praxeologie heraus, der Wissenschaft vom Handeln. Dabei greift er vor allem auf Vorarbeiten von Ludwig von Mises, Murray Rothbard und Hans Hermann Hoppe zurück – ökonomisch unter dem Begriff »Austrian School«, Österreichische Schule, politisch unter dem Begriff »Anarchokapitalismus« bekannt – und entwickelt sie weiter. Während in den Naturwissenschaften Expertenwissen umstandslos Anerkennung findet und so Weiterentwicklung möglich macht, herrscht in den Sozialwissenschaften ein starker Druck zur Vereinfachung. Alle Texte müssen gleichsam bei Adam und Eva beginnen und in ihrem Argumentationsgang den Lesern nicht zu viel Eigenleistung abverlangen. Solange in solchen Texten das Übliche und Konventionelle wiedergekäut wird, ist das zwar langweilig, aber es ergibt sich kein Problem: jeder fühlt sich bestätigt. Werden ungewöhnliche Thesen vertreten und Glaubensartikel in Frage gestellt, wird gehöhnt, dies sei aber »zu simpel und zu wenig differenziert« gesehen. Zwischen »zu schwierig« und »zu einfach« gibt es dann keinen Platz für eine akzeptierte Argumentation.

Unter dem sozialen Druck zur Vereinfachung ist die Theorie der ökonomischen Freiheit, die Ludwig von Mises begründet und Murray Rothbard zur Sozialtheorie ausgebaut hat, von ihren praxeologischen Grundlagen getrennt worden. Gerade im Kontext des amerikanischen Exils von Ludwig von Mises war es einfacher, auf den schlichten Empirismus eines John Locke zu bauen, im angelsächsischen Sprachraum Allgemeingut, als den Kantianismus zu pflegen, dem Ludwig von Mises zuzurechnen ist. Es ist das Verdienst von Norbert Lennartz, hier wieder auf die Wichtigkeit der Grundlegung der Erkenntnistheorie zu verweisen und eine Weiterentwicklung nicht als Vereinfachung, sondern als Verbesserung der Argumentation zu beginnen. Für die Leser mag manches libertäre Buch der Ausgangspunkt für ein rasantes intellektuelles Abenteuer sein, das ihr Leben verändern kann: die Entdeckung, dass Freiheit, Zivilisation und Recht auf der einen Seite und Staat auf der anderen Seite absolute Gegensätze darstellen. Hier bekommt es auf eine unerwartet gründliche Art nochmals eine Fortsetzung. Dabei erweist es sich als besonders angenehm für den Leser, der mit der Österreichischen Schule oder der Theorie des Anarchokapitalismus vertraut ist, dass nicht das schon Bekannte lang und breit auswalzt wird, sondern der Autor seine Thesen knapp und treffend auf den Punkt bringt.“

Stefan Blankertz, März 2014.

 

5 Responses to Buchtipp: „Praxeologie für Ordnung und Sezession“ von Norbert Lennartz

  1. nlen sagt:

    Sehr schön. Aber Amazon zu bewerben ist etwas kontraproduktiv, weil da verdienen Autor und Verlag fast nichts dran. Bitte hier bestellen:

    http://www.holzinger-verlag.de/praxeologie.html

    http://www.apriorist.de/modx/blog/buch-253.html

    Bei Holzinger sind noch mehr Bücher zu empfehlen, die es wegen Kurt Kowalski in der Art nirgendwo gibt.

    Z.B::

    H-H. Hoppe: »Der Wettbewerb der Gauner«

    Archangeli: »Börsenstrategien zwischen Wunder,
    Wahn & Aberglauben«

  2. Equality 7-2521 sagt:

    Für mich war das Buch und die enthaltenen Verweise ziemlich wertvoll. Auch wenn ich noch nicht alles im vollen Umfang verstanden habe. Hier mal zwei exemplarische Fragen von mir:

    1. Wenn die Handlung als apriorisch erkennbare Struktur der Realität aufzufassen ist, würde die Realität etwas von ihrer Struktur verlieren wenn es in ihr keine Wesen mehr gäbe die selbst handeln würden? Mit anderen Worten: Kann unser Wissen über Handlung/Praxeologie ontologisch sein, wenn es von dem zufälligen vorhanden sein handelnder Entitäten abhängt?

    2. In seinem Buch sagt Herr Lennartz „[…] ohne etwas Zusätzliches Willentliches ist der Verstand und seine Sinne gar nicht in der Lage, mit der Realität überhaupt Kontakt aufzunehmen. In diesem Bild fehlt ein gegenwärtiger Vorgang, den man allgemein Handlung nennt.“[s.15]. (Im Zusammenhang damit warum z.B. Logik apriorisch zu verstehen ist) Hier habe ich mich gefragt: Wenn der Verstand und seine Sinne erst etwas willentliches benötigen um mit der Realität Kontakt aufzunehmen, würde das dann nicht bedeuten das der Wille von den Sinnesdaten getrennt zu verstehen ist? Das wäre für mich aber schwer vorzustellen denn ohne Sinnesdaten könnte der Wille auch auf nichts gerichtet sein, was aber meiner Ansicht nach a priori zu dem Begriff dazu gehört.

    Für manch einen mögen das Spitzfindigkeiten sein, für mich ist so etwas aber wichtig. Eigentlich habe ich noch tausend offene Fragen, z.B. vermisse ich ein klares Werk über Praxeologie im allgemeinen (unabhängig von Ökonomie) … anscheinend ist auch der Libertarismus ein Weg.

    Ich weiß nicht mehr ob es Gegenstand dieses Buches war, aber Lennartz‘ Kritik an der Lockschen „ Eigentum-durch-Arbeit“ Theorie finde ich auch sehr spannend. Hoppes „objektive“ Verbindung zum Eigentum durch Arbeit ist anscheinend doch nicht so objektiv, da ‚Arbeit‘ ein subjektiver Begriff ist usw. … Diese Theorie wird ja in libertären Kreisen stark vertreten. (z.B. durch Hoppe oder Janich) Hier interessiert mich wirklich ob Hoppe diese Kritik bekannt ist und ob er schon darauf reagiert hat.

  3. nlen sagt:

    „Kann unser Wissen über Handlung/Praxeologie ontologisch sein, wenn es von dem zufälligen vorhanden sein handelnder Entitäten abhängt?“

    Tut es ja nicht. Es ist metaphysisch zu verstehen. Wenn andere Wesen handeln würden, dann unter dem selben Begriff.

    „Wenn der Verstand und seine Sinne erst etwas willentliches benötigen um mit der Realität Kontakt aufzunehmen, würde das dann nicht bedeuten das der Wille von den Sinnesdaten getrennt zu verstehen ist? Das wäre für mich aber schwer vorzustellen denn ohne Sinnesdaten könnte der Wille auch auf nichts gerichtet sein, was aber meiner Ansicht nach a priori zu dem Begriff dazu gehört.“

    Was Hoppe meint, ist m.E. dass der Wille eben zur Handlung dazu gehört. Hat man den Begriff der Handlung nicht, fehlt auch der Wille. Wollen = Handeln.

    „Ich weiß nicht mehr ob es Gegenstand dieses Buches war, aber Lennartz’ Kritik an der Lockschen „ Eigentum-durch-Arbeit“ Theorie finde ich auch sehr spannend. Hoppes „objektive“ Verbindung zum Eigentum durch Arbeit ist anscheinend doch nicht so objektiv, da ‘Arbeit’ ein subjektiver Begriff ist usw. … Diese Theorie wird ja in libertären Kreisen stark vertreten. (z.B. durch Hoppe oder Janich) Hier interessiert mich wirklich ob Hoppe diese Kritik bekannt ist und ob er schon darauf reagiert hat.“

    Er hat ausführlich die Gelegenheit bekommen und die Sache von sich geschoben. Ob das immer noch so ist, müsste man nachfragen. Ich fürchte aber ja, denn sonst müsste er alle seine Bücher umschreiben.

  4. Equality 7-2521 sagt:

    Was sagst du zu diesem Argument von David Hume?:

    1. Von allem was wir sicher wissen können, können wir uns das Gegenteil nicht widerspruchsfrei denken.

    2. Bei Vorgängen in der Natur können wir uns aber ohne weiteres andere Abläufe denken. (z.B. ganz anderer verlauf der Sonne)

    :: Also können wir von Abläufen in der Natur kein sicheres wissen haben.

    Würdest du auch sagen das man durch den performativen Widerspruch nur metaphysisches Wissen erlangen kann? Könnte man so etwas wie das Gravitationsgesetz jemals als sicheres Wissen bezeichnen? Gibt es einen guten Artikel zu dem Thema? Vielen Dank!

    • nlen sagt:

      Ich weiß nicht, was Dich an die alten Zitate treibt. Es gibt dann oft ein sprachliches Problem, weil sich deren Sprache gerne von der Logik entfernt und dann mehr Rätsel aufgibt als nötig.

      „sicher“ ist so kein Wort aus der Logik, sondern aus der Psychologie. Man kann die Sache nur logisch angehen. Oft gibt es nicht nur zwei Optionen, die sich gegenseitig ausschließen, sondern mehr, und dann führt der Weg über das Gegenteil leicht zu einem trügerischen Schluss.

      Selbst wenn man eine empirische Untersuchung anstellt, dann sind die Untersuchungsergebnisse, sofern logisch richtig begründet, wahr, weil sie ja nicht zwingend verlangen, dass das Ergebnis immer auftritt, sondern eben nur zu den gegebenen Umständen des Tests. Das immer noch Wissen. Aber es ist halt begrenzt.

      „performativ“ hin oder her – der performative Widerspruch verhält sich wie jeder Widerspruch.

      Siehe auch:
      apriorist.de/modx/journal/0501-wissen-vandun.html

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