Die Pflicht, Unrecht zu tun

On 8. März 2014, in Gesellschaft und Politik, by FreiwilligFrei
Rudolf Engemann

Während jeder sich bewusst ist, dass es „Gesetze“ gegen Raub und Mord (außer wenn sie im Namen einer „Autorität“ erfolgen) gibt, weiß die durchschnittliche Person so gut wie nichts von den zehntausenden von Seiten von Gesetzen, Geschäftsordnungen und Vorschriften von Bund, Ländern und Kommunen, die eine „Regierung“ erlassen hat. Doch selbst wenn sie ein wenig Ahnung davon haben, was genau „das Gesetz“ erlaubt und was nicht, halten die meisten Menschen an der Überzeugung fest, dass „Gehorsam gegenüber dem Gesetz“ eine gute Sache und dass „das Gesetz zu brechen“ eine schlechte Sache sei.

Selbst dann, wenn eine Person gegen ein „Gesetz“ ist, weil sie glaubt, dass es Unrecht sei, wird sie dennoch der Überzeugung sein, dass „Gesetze“ eingehalten werden sollten und dass es gerechtfertigt wäre, diejenigen zu bestrafen, die ungehorsam sind. Dieses psychologische Paradox ist weit verbreitet, bei vielen Menschen, die vehement durch Lobbyarbeit versuchen, die „Gesetze“ zu verändern, die sie als „schlecht“ ansehen, während sie weiter der Idee anhängen, dass, solange es „das Gesetz“ ist, die Menschen gehorchen sollten.

Solche geistigen Widersprüche sind in Zusammenhang mit dem Glauben an gemeinsame „Autorität“ häufig. Das Konzept eines „schlechten Gesetzes“ in den Augen eines Menschen, der an „Autorität“ glaubt, beinhaltet das Paradox, dass es auch „schlecht“ wäre, einem schlechten Gesetz nicht zu gehorchen.

Der Etatist, der an „Autorität“ glaubt, mag ein bestimmtes Gesetz, welches von der Regierung erlassen und von den „Gesetzeshütern“ überwacht und umgesetzt wird, als unwichtig, unnötig, kontraproduktiv oder dumm oder sogar ungerecht erachten, während er zur gleichen Zeit glaubt, dass die Menschen immer noch eine moralische Verpflichtung hätten, diesem „Gesetz“ zu gehorchen, einfach, weil es „das Gesetz“ ist.

 

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2 Responses to Die Pflicht, Unrecht zu tun

  1. Reinhard sagt:

    Sehe ich auch so. Erinnert auch an die Reformierer, z.B. die innerhalb einer Kirche, damit diese weiterhin besteht, flexibler wird im Wechsel der Zeit: eigentlich will man Bestehendes erhalten, nur modifizieren um seinetwillen – wohingegen Anarchisten oder Atheisten abschaffen, zerstören, Tabula rasa machen wollen: um was aber dafür hinzusetzen? Ich möchte weder noch, mich einfach nur erheben und – hinfortbegeben: macht doch euern Scheiß allein, ich hab da keinen Boch mehr drauf, grob gesagt. Für mich ist es schlecht, schlechten Gesetzen zu gehorchen, aber gut, mich ihnen, die mich bestimmen, überhaupt zu entziehen. Ich habe die Spielregeln nicht gemacht und lasse mir nicht weiterhin suggerieren, ich müsse sie befolgen. Im Straßenverkehr macht es ja noch Sinn – aber im zwischenmenschlichen Verkehr komme ich dabei aus der Befehl-und-Gehorsam-Falle nicht heraus. Mir geschieht immer häufiger, daß gerade allgemein anerkannte Autoritäten das Gegenteil für mich sind, nicht nur Papst oder Präsident – alle: gerade aufgrund ihrer Autorität mir suspekt.

  2. Chris sagt:

    Ich denke, der Zustimmung zum Gesetzgebungsverfahren liegt der gleiche Geist zugrunde, der uns auch beim Fußballspiel an den Regeln festhalten lässt: der Schiri kann für oder gegen unsere Mannschaft entscheiden, die Entscheidung ob sie uns gefällt nicht oder nicht, wird akzeptiert.

    Ob dem aber auch die Überzeugung zugrunde liegt, dass es ja die eigenen Vertreter sind – die Volksvertreter -, die Gesetze beschließen, und man quasi gegen sich selbst agieren würde, wenn man gegen Gesetze verstößt, da habe ich ein wenig Zweifel… 😉

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