Eine Macht um alles zu verbieten

On 13. Dezember 2013, in Gesellschaft und Politik, by FreiwilligFrei

Tommy Casagrande

 

Politik ist das Instrument derjenigen, die im Besitz jener Macht sind, um Menschen zu zwingen etwas zu machen. Aus Sicht der Gezwungenen unterliegt man einer Fremdbestimmung, die darauf gründet, dass einem die eigene Macht fehlt um etwas machen zu können, respektive machen zu dürfen. Ist diese eigene Macht an eine übergeordnete Instanz gebunden, so ist sie einem selbst entnommen. Während die zunehmende Macht einer übergeordneten Instanz zur Tyrannis sich entwickelt, die beliebig über das Leben der Menschen entscheidet, bleibt den Menschen zunehmend ein Gefühl der Ohnmacht, sich Kräften ausgesetzt zu sehen, die diffus und mächtiger sind als sie selbst. Kräfte, die sich ihrer konkreten Wahrnehmung entziehen, Kräfte, sich strukturell äußern und in deren eingebettet sein das Gefühl eines Hamsterrades sich entfaltet, in dem man entweder bis zum Burn Out Syndrom, dem Schlaganfall oder dem Herzinfarkt mitrennt oder dem man sich entzieht auf Kosten eines materiell halbwegs aushaltbaren Lebens. Denn der vom Staat finanziell abhängige Mensch ist allseits bedroht durch eine Tendenz steigender Lebenshaltungskosten bei zugleich nicht im selben Maße steigener Transferleistung. Somit wird die Luft recht dünn, umso tiefer man unten ist. Andererseits spielt es aber keine Rolle ob ein Mensch sich dem Wettkampf im staatlich regulierten Arbeitsmarkt entzieht oder nicht, denn selbst wenn alle Menschen gleichsam fleißig wären und nach Arbeit strebten, gäbe es nicht weniger Arbeitslose. Persönliche oder moralische Vorwürfe an arbeitslosen Menschen führen darum in´s Leere. Sie implizieren den Mythos, dass es jeder schaffen könne, wenn er nur will. Dieser Mythos aber ist nichts anderes als ein Mythos, da er sich nur dann verwirklichen würde, wenn der komplette Arbeitsmarkt entstaatlicht wäre, wovon nichtmal in den liberalsten Ländern dieser Welt auf absehbare Zeit auszugehen ist.

Der Staat hat die Macht um die Umwelt der Menschen zu gestalten. Derart werden somit auch nur Lebenswelten und Fantasien von Umweltbedingungen konstruiert, die jenen entgegen kommen, die sie konstruieren wollen. Die Lebensumwelten sind somit nicht Ergebnis eines Wechselspieles tatsächlicher Menschen und ihrer Bedürfnisse, die durch Angebot und Nachfrage auch einem steten Wandel und einer permanenten unvorhersehbaren Entwicklung unterworfen sind. Derartige Lebensumwelten sind somit künstlich, da sie geplant und gesetzt werden qua Macht, dies tun zu können. Es gilt nicht das Wechselspiel freier Individuen, deren freiwillige Tauschgeschäfte jene Zustände kreieren, die nachgefragt und erwünscht werden sondern es gilt das Wechselspiel einer den Menschen übergeordneten Macht und den dieser Macht untergebenen Schachfiguren, die je nach Machtentscheid auf ein beliebiges Feld gestellt werden. Das Mitwirken der Schachfiguren an den Einschränkungen, denen sie unterworfen sein werden verhindert nicht ihre Unterwerfung sondern gestaltet diese lediglich aus. Somit kann ein Kompromiss im demokratischen System als Beschönigung des Häßlichen betrachtet werden. Hat man dereinst tausende von Kompromissen geschlossen, ist die Welt dennoch keine bessere sondern begriffen im langsamen aber steten Gefühl des Niederganges, der meist sogar vom Mainstream auf statistische Weise untermauert wird.

Die Macht des Verbotes ist ein zentrales Element der sozialtechnischen Steuerung von Verhaltensweisen, aber auch eine damit verbundene Form der Umverteilung von Eigentumstiteln und Eigentum. Wird etwas verboten, so profitiert ausgehend von diesem Verbot derjenige, der dadurch mehr Kunden akquiriert als zuvor. Umso weniger Diversität existiert, umso stärker konzentriert sich das auszugebende Geld bei wenigen. Verbote des Staates schränken Tauschgeschäfte ein die auf freiwilliger Basis zum beidseitigen Vorteil, nämlich jener die miteinander tauschen, stattfinden würden. Durch diese Einschränkung eines ansonsten stattfindenden Tausches, wandert das Tauschmittel zukünftig auf jene Konten, die somit profitiert haben. Derartige Verzerrungen gibt es so lange wie es Herrschaft gibt, die im Stande ist, freiwillige Tauschhandlungen zu sanktionieren. Die Ergebnisse eingeschränkter Tauschhandlungen sind stets solche, bei denen viel Geld sich bei Wenigen konzentriert und wenig Geld sich auf die übrigen Vielen verteilt. Derartige Entwicklungen werden durch das Ausmaß allgemeiner staatlicher Eingriffe gefördert oder, falls sich ein Staat zunehmends aus dem Leben der Menschen verabschiedet, gemildert (wenngleich die Wuchtigkeit der Rückwirkungen übriger Eingriffe in ihrem Wirken nicht zu errechnen ist).

Verboten wird alles mögliche und ein Ende der Verbieterei ist noch lange nicht in Sicht. Unterhält man sich mit Mitmenschen, so findet jeder noch Themen, die ihn oder sie derart empören, sodass der Ruf nach der staatlichen Macht, jeden alternativen Gedanken sofort zum Schweigen bringt. Die Konsequenzen dieser Entwicklungen werden erst klar, wenn es zu spät ist. Womöglich wird der erste Impuls vieler Menschen dazu neigen, die Konsequenzen der eigenen Forderungen, die nicht im Zusammenhang kausaler Ursache- und Wirkungsprozesse gesehen werden, verbieten zu wollen, wodurch sich vielleicht die folgende Formel ergeben könnte:

Die These des Verbotes trifft auf die Antithese die Auswirkungen des Verbotes zu verbieten. Die daraus resultierende Synthese könnte sich in der Forderung, Verbote zu verbieten, manifestieren.

Unglücklicherweise tangiert eine solche Formel nicht die Substanz des menschlichen Miteinanders, nämlich die Frage des Zusammenlebens. Sie tangiert nicht die grundsätzliche Differenz zwischen Zwang und Freiwilligkeit gesellschaftlicher Konzeptionen. Sie tangiert nicht die Unterscheidung zwischen Selbstbestimmung und Fremdbestimmung. Sie tangiert nicht den rechtsphilosophischen Begriff des Eigentums und ermangelt sich darüber hinaus in der Hinnahme, einer Macht, die ihre Opulenz aus der zunehmenden Ohnmacht jener Akteure zieht, die zwar gucken aber nicht anfassen, mitbestimmen aber nicht selbstbestimmen dürfen.

In diesem Sinne wird die Kultur in der wir leben noch weiter geprägt werden von Verboten, deren Auswirkungen absurderweise von vielen Menschen widerum als freie Marktwirtschaft identifziert werden.

 

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One Response to Eine Macht um alles zu verbieten

  1. Zef sagt:

    >zunehmenden Ohnmacht

    Ja, aber auch zunehmende Explosibilität.

    Alles Werden geschieht allein durch Freiheit. Wenn dieses Werden nun gewaltsam festgehalten wird, dann entwickelt sich enorme Druckverhältnisse, die den Betreffenden oder seine Umwelt krank machen können.

    Wie auch immer: es ist ein Halten im Verkehrten.

    Die am Hebel der Macht Sitzenden glauben vielleicht noch lebendig zu sein. Sie sind es aber nicht. Es sind Macht-Zomies, dämonische Gestalten der schieren Verzweiflung. Letzlich werden sie vom Wind des Werdens hinweggefegt werden.

    Darauf einen Ingwertee!

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