John Taylor Gatto ist ein mittlerweile auch in Deutschland bekannter Autor und Schulkritiker. Eines seiner bekanntesten Werke ist das 1992 veröffentlichte Buch „Dumbing Us Down: The Hidden Curriculum of Compulsory Schooling“. In Deutschland erschien es 2009 unter dem Titel „Verdummt noch mal! Der unsichtbare Lehrplan, oder was Kinder in der Schule wirklich lernen“.

In diesem kurzen Video geht er auf das Wunder des Autofahrens ein und verdeutlicht, wie Menschen unter bestimmten Voraussetzungen wie Freiheit und Selbstbestimmung etwas Hochkomplexes innerhalb kürzester Zeit erlernen und zur Perfektion bringen können. Voraussetzungen, die in der Schule nicht gegeben sind.

Mit elf Jahren habe ich die Kunst des Autofahrens gelernt. Ohne Autofahren würde es die Wirtschaft in der heutigen Form nicht geben. Jeder kann es, unabhängig von seiner Intelligenz. Mit weniger als 30 Stunden einer Kombination aus Training und Erfahrung bekommen hunderte Millionen von Menschen Zugang zu fahrenden Waffen, die tödlicher als jede Pistole und jedes Gewehr sind. Auf sich allein gestellt, ohne Lehrer sozusagen. Warum traut ihnen der Staat das zu? Warum ist sein Vertrauen in die Autofahrer fast uneingeschränkt groß, während der Staat eisern an seinem Monopol der Schulbildung festhält?

Ein Vergleich zeigt, wie radikal dieses Vertrauen wirklich ist. Was wäre, wenn ich vorschlagen würde, dass wir jedem, der möchte drei Stangen Dynamit und einen Zünder in die Hand geben? Die einzige Voraussetzung dafür, es zu bekommen, wäre das Geld, um den Sprengstoff zu bezahlen. Nur ein Idiot würde dem zustimmen – zumindest auf Grundlage der Kenntnisse, die in der Schule über die menschliche Natur und die menschliche Kompetenz gelehrt werden.

Aber Benzin gibt es trotzdem für jeden mit einem Kanister in der Hand. Eine explosive, gefährlich instabile Substanz, die sich bestens als Angriffswaffe eignet, weil sie unter verschlossenen Türen hindurchfließen und kugelsichere Kleidung durchtränken kann. Fünf Liter Benzin haben die gleiche zerstörerische Kraft wie eine Dynamitstange. Der durchschnittliche Tank fasst 60 Liter, aber weder für den Verkäufer, noch für den Käufer ist eine besondere Überprüfung nötig. Solange Benzin frei verfügbar ist, ist jede Diskussion um das Waffenrecht hinfällig. Warum brauchen wir den Zugang zu einer tragbaren Substanz, die Häuser und voll besetzte Theater abfackeln, oder sogar einen Wolkenkratzer in ein Inferno verwandeln kann? Dabei haben wir noch nicht mal die Geschosswirkung von Fahrzeugen betrachtet. Warum wird es zugelassen, dass ungeübte Fahrer eine Tonne Metall mit 200 Sachen über eine Kreuzung an einer Schule jagen können. Warum geben wir allen auf diese Weise die Macht über Leben und Tod?

Es wird sofort klar, dass die offiziellen Annahmen über die menschliche Natur völlig falsch sind. Fast alle Menschen sind kompetent und verantwortlich – der Beweis ist das Autofahren. Wenn die Menschen tatsächlich zum Terrorismus neigen würden, hätte die Effizienz von Kraftfahrzeugen als terroristische Werkzeuge schon lange eine Spur der Verwüstung hinter sich hergezogen. Aber fast alle Zerstörungen durch Autos wurden durch Unfälle oder Pannen verursacht. Die Zahl der Unfälle erscheint hoch, aber gemessen an der gewaltigen Anzahl möglicher Unfälle ist sie recht klein. Ich weiß, es ist schwierig, das zu akzeptieren, weil der Staat das Gespenst des globalen Terrorismus gerne in die Schlagzeilen hebt, aber die Wahrheit unterscheidet sich deutlich von dem, was der Öffentlichkeit verkauft wird. Nach Angaben des US State Department war 1995 nahezu ein Rekordjahr für terroristische Morde. Dreihundert gab es weltweit – zweihundert davon gingen auf das Konto tamilischer Separatisten in Sri Lanka. Kein Vergleich zu den Vierhunderttausend Todesfällen durch das Rauchen allein in den Vereinigten Staaten. Wenn wir uns unsere Annahmen über die menschliche Natur vor Augen führen, die unsere Kinder in einem Zustand der Gefangenschaft und der Einschränkungen festhalten, dann müssen wir auch über das Autofahren und Dinge wie einen fast nicht existenten globalen Terrorismus nachdenken.

Es ist erstaunlich, wie schnell die Menschen gut Autofahren lernen. Fehler werden schnell und effizient korrigiert, in der Regel ganz von selbst, weil die Motivation am Leben und unverletzt zu bleiben jede Verbesserung unterstützt. Wenn die großen Theorien der Gelehrten über das Lernen tatsächlich so bedeutend sein sollen, wie diese behaupten, dann wäre das Autofahren eine nahezu unlösbare Aufgabe.

Betrachten wir nun die geistige Herausforderung des Autofahrens. Es kommt nicht nur darauf an, die Augen, Hände und Füße richtig zu koordinieren. Fahranfänger haben ständig mit Dutzenden, nein, Hunderten von Hypothesen, Plänen, Berechnungen und fein abgestimmten Entscheidungen zu tun.  Sie bewältigen sie gekonnt und routiniert, ohne benotet zu werden, denn wenn sie es nicht tun, gibt es in der Welt des Autofahrens ganz natürliche Konsequenzen. Auf der Straße gibt es kein Gericht, vor dem ihre eigene Dummheit verhandelt wird.

Ich könnte weitermachen mit der Zulassung, Wartung, dem Parken, der Anpassung von Fahrer und Fahrzeug auf die Jahreszeiten und die täglich wechselnden Bedingungen. Genauer betrachtet ist das Autofahren so beeindruckend wie die Fähigkeit zu gehen, zu sprechen oder zu lesen. Aber das offenbart nur die Schwäche der Analyse. Fast jeder von uns kann innerhalb von ein paar Stunden gut Autofahren lernen. Wir könnten wieder die sein, die wir einmal waren: Menschen, die dazu bereit sind, alles zu lernen und gesellschaftliche Grenzen zu überwinden, wenn wir auf die aufgezwungene Schulbildung verzichten. Das Autofahren ist für mich der beste Beweis dafür.

 

 

Quelle:
John Taylor Gatto – „The Underground History of American Education“ (S.26-27)
http://johntaylorgatto.com/chapters/index.htm

Hörbuch (englisch):
http://www.radio4all.net/index.php/program/50300

Originalvideo:
SchoolSucksPodcast – The Art of Driving, by John Taylor Gatto
http://www.youtube.com/watch?v=Bg-DDqn3HT4

Übersetzung, Sprecher, Produktion:
Peter Müller

 

13 Responses to Die Kunst des Autofahrens – terroristische Werkzeuge?

  1. 500ml-Freigeist sagt:

    Das ist alles wahr und stimmig – Kompliment zu dieser klarsichtigen Einschätzung an den Ursprungsautor… ich werd´s mit meinem pubertierenden Sohn mal auf einem Parkplatz ausprobieren, – bestenfalls statt Schule *lol* 😉

  2. Hermann Messmer sagt:

    Hier werden leider zwei bis drei Themen miteinander unglücklich vermischt.
    Das Auto als Terrorwaffe ist nur mit dem Werk von Selbstmordattentätern vergleichbar. Terroristen, die irgendwo ihren Koffer stehen lassen, riskieren nicht die Identität und auch nicht das Leben. Wer mit 200km/h in eine Menschenmenge fährt riskiert beides.
    Diese Waffe ist gegenüber Gewehrkugeln und Dynamitstangen auch vergleichsweise unhandlich.
    Der Vergleich von Benzin mit Dynamik scheint mir aber auch nicht als sehr angebracht zu sein.
    Die Argumentation um damit das Positive im Menschen zu bestätigen wirkt damit insgesamt etwas weit hergeholt.
    Das Menschen bei entsprechender Motivation hochkomplexe Sachen ohne staatliche Schulen lernen können, ist sehr schön einfach und leicht verständlich dargestellt. Bitte mehr davon :-).

  3. Granter sagt:

    Um es mal etwas Spitz zu formulieren, hätte der Autor im Chemieunterricht aufgepasst, würde er nicht Dynamit mit Benzin vergleichen 😉

    Generell ist der ganze Artikel sehr weit hergeholt. Kann es sein, dass der Autor die Fähigkeiten ein Auto zu fahren etwas überschätzt? Autos werden schließlich nach Kriterien gebaut um vom Menschen leicht bedient werden zu können. Es braucht dazu mehr motorisches Geschick als kognitive Höchstleistung. Ganz anders sieht es aus wenn man betrachtet, welche Fähigkeiten es braucht ein Auto zu bauen. Ohne eine solide Grundbildung, sowie ein spezifisches Studium, wird niemand in der Lage sein ein modernes Auto zu designen. Das Wunder ist also nicht, dass man Autos fahren kann, sondern, dass es sie gibt! Oder wollt ihr hier als nächstes die Bedienung einer Computermaus feiern 😉

    • Handwerksmeister sagt:

      Zu Ihrer Eingangsthese, so richtig haben Sie die Argumente nicht
      verstanden, oder? Ansonsten, als ehem. Offizier einer Spezialeinheit
      trete ich aber lieber gegen jemanden mit Dynamit an, als gegen
      jemanden mit Benzin. Mal davon abgesehen wie man Benzin
      mit den Zutaten einer gut sortierten Küche „verbessern“ kann. Vor
      der Druckwelle des Dynamits, kann man sich schützen, ist auch in
      ein paar tausendstel Sekunden vorbei. Vor den sich entzündenden
      Benzindämpfen könnenSie sich nicht schützen.

      • Granter sagt:

        Ich weiß ja nicht, welcher Art ihre Spezialeinheit war, aber es wird schon seine Gründe haben warum Sprengstoffe eine weitaus größere Bedeutung in der Entwicklung von Waffen haben, als Treibstoffe. Auch interessant, dass sie es beruhigend finden das Druckwellen nur eine so kurze Dauer haben. Ein Aufprall dauert ebenfalls nur wenige Millisekunden, kann also gar nicht so gefährlich sein von einem Hochhaus zu springen 😉

        Nicht nur an dem Beispiel mit dem Benzin macht sich die schlechte Argumentation in dem Artikel bemerkbar. Aber natürlich kann man sich gegen jede Kritik immunisieren, wenn man einfach behauptet der Kritiker hätte es ja nur nicht verstanden 😉

  4. Hildegard sagt:

    So ein Schwachsinn! Was nimmt der für Drogen? Oder wieviel Geld, um weiterhin Ängste zu schüren, das noch härtere Gesetze verabschiedet werden können im Namen des Terrors um uns noch besser zu kontrollieren! Ich hab schonmal hier geschrieben, das die meisten amerikanischen Verfasser für mich mit ihren extremen Ansichten hier in diesem Forum bewußt bestellt sind, um unsere Reaktionen zu testen! George Orwell hätte sich das nicht träumen lassen, nämlich die Einfachheit das Volk zu steuern!

    • michael sagt:

      idr sind alle kommentare die so anfangen „So ein Schwachsinn!…genau das.

      ich sehe das auch persönlich nicht gerne, wenn man denkt es nötig zu haben, so seine kommentare anzufangen… also bitte unterlassen…danke.

      • Hildegard sagt:

        Danke! Diese Kritik gibt mir ja dann wohl mal recht!

        • michael sagt:

          wenn es dich denn so glücklich macht, recht zu bekommen, anstatt richtige argumente vorzutragen, dann bitteschön… du hast trotz fehlender argumente recht…
          aber bitte nicht mehr hier… dankeschön.

    • Hermann Messmer sagt:

      „Fast alle Menschen sind kompetent und verantwortlich – der Beweis ist das Autofahren.“
      Diejenigen die nicht unter das „Fast alle…“ fallen sind wahrscheinlich resistent gegen logische Argumente. Sie gehen nicht auf die logischen Argumente ein sondern schreiben Verunglimpfungen wie „Schwachsinn“. Der Nachweis für das kompetenete und verantwortliche Handeln von fast allen Menschen wurde argumentativ in dem Artikel sehr schön mit einem Beispiel aus dem realen Leben erbracht. Die allermeisten Menschen gehen mit einem technischem Gerät, welches zum Morden mißbraucht werden könnte, sehr friedvoll und verantwortlich um. Das ist das Argument. Es ist völlig egal, ob das Argument von einem Amerikaner, einem Juden, einem Behinderten, einem Hochbegabtem, einem Nordkoreaner oder einem Oberfranken vorgebracht wird. Nur das Argument zählt. Dieses Niveau hat FwF. Wiederkehrende Kommentare mit „Schwachsinn“ sind Zeitverschwendung. Sie enthalten auch keine Argumente aber eine Arroganz auf die ich gerne verzichte.
      Und Hildegard hat ohne Argumente recht ……….. effektiv unsere Zeit verschwendet. Vielen Dank Michael für die Sperrung.

  5. Individuum Ahimsa sagt:

    NUN….MENSCH braucht kein AUTO….aber…. AUTO braucht MENSCH…Terror üben NICHTMENSCHEN aus….für einen sog. MENSCH ist es unter seiner WÜRDE irgendwelche Gewalt gegen MENSCHEN auszuführen….AHIMSA ist der ( ein) WEG….und AHIMSA ist der (ein) WEG den wir NUR beschreiten müssen…

  6. Kranz sagt:

    Ich habe jetzt einige Artikel hier gelesen, auch diesen. Ich finde den Vergleich vom Erlernen des Autofahrens vs staatliche Schule nicht grade treffend. Und es wurde als Argument das Einsetzen eines Fahrzeugs oder des Treibstoffs als Waffe hergenommen. Das ist Augenwischerrei. Gesagt werden sollte doch eigentlich: Die Erziehung der Autofahrer erfolgt nicht staatlich, die der Kinder schon.
    Es wird aber dabei vergessen, dass die Fahrlehrer Regeln lehrt, die staatlich abgesegnet wurden und nach bestandener Prüfung bekommt man einen staatlichen Nachweis, dass man diese Regeln beherrscht. Nichts weiter als eine staatlich anerkannte Privatschule.
    Der Missbrauch von Autos oder des Treibstoffs als Waffe wurde natürlich auch schon getätigt aber die meisten Menschen sind im Straßenverkehr zum Glück noch weitestgehend eigen- und fremdverantwortungsbewusst und das nicht weil es staatlich vorgeschrieben wurde. Auch wenn leider zurück geht, denn ich erkenne eine immer aggressivere Fahrweise auf dt. Straßen.

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