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Demokraten, insbesondere christliche, verweisen immer wieder während ihres Lobgesangs auf die Demokratie auf den Säkularismus. Nun, was ist das und ist dieser Verweis gerechtfertigt?

Säkularismus bezeichnet eine Weltanschauung, die sich aus der Trennung von Religion und Staat (Säkularisierung) und der Ablösung der weltlichen Macht von religiösen Institutionen (Säkularisation) zusammensetzt. Durch den fortschreitenden Machtverlust der Kirche traten somit zeitliche Werte an die Stelle der ewigen Werte der Religion, was besser bekannt ist als Verweltlichung der Individuen.

Wenn Demokraten nun behaupten säkular zu sein, so wollen sie damit zum Ausdruck bringen, dass durch die Lösung der Bindung zur Religion, es zu einem humanen Fortschritt auf Grundlage der menschlichen Vernunft gekommen ist. Genauer betrachtet wird hier suggeriert, dass die Menschen nun aus dem eng gesteckten Rahmen der christlichen Religion und aus der unbarmherzigen Macht der Kirchen in die Freiheit entlassen wurden.

Bevor wir uns einmal diese neu gewonnene Freiheit anschauen, betrachten wir doch erst mal die Kirchen und die christliche Religion.

Die christliche Religion ist das Bekenntnis zu Gott und das Leben nach seinem Willen, wobei die Kirche als Stellvertreter Gottes den Anspruch erhebt, die alleinige Deutungshoheit des göttlichen Willens zu haben. Dieses Monopol auf die Auslegung des göttlichen Willens führte zu einer unglaublichen Macht über die Menschen und ihrer Konzentration bei der Kirche. So wurde also im Namen Gottes gemordet, geplündert, gebrandschatzt und die Ausbeutung des Menschen vorangetrieben. Aber war es wirklich im Namen Gottes? Das fünfte Gebot lautet: „Du sollst nicht töten“ und das ohne Einschränkung. Das siebte Gebot lautet: „ Du sollst nicht stehlen“. Also eine Aufforderung zur Achtung des Eigentums, einer Grundvorausaussetzung für Freiheit.

Das achte bis zehnte Gebot, beinhaltet die Absage an Verleumdung und den Neid. Ich denke also nicht, dass die Stellvertreter Gottes auf Erden den göttlichen Willen richtig interpretiert haben und das bis heute nicht tun. Und jeder der ihre Deutung kritisierte, wurde eingesperrt, gefoltert, getötet oder geächtet.

Es ging der Kirche und den anderen religiösen Institutionen offensichtlich nicht um den göttlichen Willen auf Erden, sondern einzig und allein um die Macht, Herrschaft und Besitz, sowie deren Mehrung.

Schauen wir doch einmal in unsere heutige Zeit, in eine säkulare Welt. Was hat sich verändert? Während früher der Glaube an Gott als alternativlos propagiert wurde, erklären heute Hosenanzüge die Demokratie für alternativlos. Ohne mich je einem moralischen Vergehen schuldig gemacht zu haben, sondern nur durch die pure Ablehnung der Demokratie, die auch nichts anderes bedeutet, als Herrschaft von Menschen über Menschen, und ich dieses als Voluntarist ablehne, versündige ich mich. Ich bin ungläubig, denn ich glaube nicht an den Götzen, namens Demokratie und lehne sein Ritual der Staatslehre ab, da sie niemals ein Maßstab für Recht sein kann.

Ich werde als Demokratiefeind gebrandmarkt, vielleicht sogar geächtet oder eingesperrt, Was genau hat sich also verändert? Ich denke nichts. An die Stelle von Gott, trat die Demokratie.

Wir überfallen heute keine Länder mehr und missionieren sie. Nein, wir überfallen und „demokratisieren“ sie. Wir töten nicht mehr im Namen Gottes sondern im Namen der Demokratie. Wir geben heute nicht mehr jeden Zehnten an die Kirche, sondern geben fast 70% im Namen der Demokratie an den Staat. Im Namen Gottes führen wir keine Kriege mehr, foltern, verschleppen und sperren ein, sondern dieses geschieht für den Götzen Demokratie.

Sind wir also nun wirklich aus der unbarmherzigen Macht der Kirchen in die Freiheit entlassen worden?

NEIN!

Wir sind vom Regen in die Traufe gekommen.

Anstelle der Deutungshoheit des göttlichen Willen durch die Kirche, trat das staatliche Monopol auf Recht und Gewalt, welches ebenfalls keinem anderen Zweck dient, als weiterhin Macht über Menschen zu haben mit dem Ziel, sie beherrschen zu können.

Wenn also die Politiker jetzt darauf verweisen, dass wir durch die Säkularisierung, also der Trennung von Staat und Religion, nicht mehr von der Kirche ausgebeutet werden, so haben sie Recht, denn diese Aufgabe hat jetzt der demokratische Staat übernommen. An die Stelle von Gott trat die Demokratie und an die Stelle von Religion trat die Politik. Es handelt sich somit eben nicht um einen humanen Fortschritt auf Grundlage menschlicher Vernunft, sondern nur um die Verschiebung der bestehenden Macht- und Herrschaftsverhältnisse. Was daran nun genau der Fortschritt sein soll, ist für mich nicht erkennbar. Ist es ein Fortschritt für das Zusammenleben der Menschen in Sizilien wenn sie nicht mehr von der Camorra, sondern von der Cosa Nostra ausgebeutet und beherrscht werden?

Der viel beschriebene Säkularismus ist somit nichts weiter als eine Suggestion, also eine manipulative Beeinflussung unseres Empfindens der Freiheit. Obwohl heute nicht weniger Kriege als zu Zeiten kirchlicher Macht stattfinden, obwohl die Menschen heute unsägliche Abgaben an den Staat leisten und obwohl politisch unliebsame Menschen heute genauso wie „Ketzer“ verfolgt und gebrandmarkt werden, glauben die meisten Menschen in der westlichen Welt, in Freiheit zu leben.

Es ist jedoch kein Fortschritt der menschlichen Gesellschaft, wenn wir die Enden des Glaubensbandes austauschen, also einen Gott durch einen Götzen, die Demokratie ersetzen und die christliche Religion durch die Staatsriten auswechseln. Es macht keinen Unterschied ob wir im Namen Gottes oder im Namen der Demokratie Kriege führen oder Menschen beherrschen, verfolgen und ausrauben.

Wenn wir ernsthaft einen gesellschaftlichen Fortschritt erreichen wollen, dann müssen wir das Band des Glaubens zerschneiden, denn das ist der Sinn einer Säkularisation, nicht der Austausch von Machtverhältnissen, sondern ihre Abschaffung.

Es ist in Ordnung an Gott zu glauben oder auch sein Leben von demokratischen Entscheidungen abhängig zu machen, jedoch nur solange dieses auf freiwilliger Basis geschieht und Unbeteiligte nicht die – zuweilen tödlichen – Konsequenzen tragen müssen – wenn also weder im Namen Gottes noch dem Götzen der Demokratie, Menschen über Menschen herrschen.

Erst wenn wir aufhören, unseren Gott durch einen Götzen zu ersetzen und die Religion durch Staatsriten austauschen, erst dann können wir das Band des Glaubens zerstören und von einem humanen Fortschritt auf Grundlage der menschlichen Vernunft reden, dem eigentlichen Sinn des Säkularismus.

 

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9 Responses to Der tödliche Glaube an die politischen Götzen

  1. logine sagt:

    Die Säkularisierung als Trennung von Kirche und Staat ist ein wichtiger Schritt. Der nächste sollte die Trennung von Staat und Individuum sein. Das hingegen ist noch ein langer Weg, weil gerade die weltlichen Christen, die Sozialisten, ihre Lehre vom Dienst am Schwachen (Nächsten) sehr klug nutzen, um die Menschen an den Staat zu binden. Kein selbstbewusster, in sich ruhender und mit einem gesunden Gewissen ausgestatteter Mensch braucht irgendeine Macht über sich, weder Gott noch Götzen. Aus dem Bedürnis nach Gemeinschaft folgt nicht die Notwendigkeit eines Staates. Inhaltlich: Durch die 10 Gebote wurde der Bunde zwischen Yahwe und seinem auserwählten Volk begründet. Diese galten ausschliesslich innerhalb dieser Gruppe. Wer das alte Testament liest findet genügend Stellen, wo zum Mord an Outgroup aufgerufen wird, an Plünderung (Diebstahl) u.v.ä.m.
    Im übrigen: http://www.youtube.com/watch?v=8CbEibSWt_o

  2. Zef sagt:

    > das Band des Glaubens zerstören und von einem humanen Fortschritt auf Grundlage der menschlichen Vernunft reden,
    ———–

    Marx & Co könnten es nicht schöner formulieren.

    Der christliche Glaube, dass der Gott dagewesen ist, verwirrt keinen Gedanken und zerstört keine Begriffe – ganz im Unterschied zu den vielen „reinen“ Vernunftsmythen, die im Laufe der Geschichte ersonnen wurden und die beinahe so gut wie wirklich wissen, über die Maßen und ganz besonders beinahe wissen, was die Wahrheit in Wahrheit und Alternativlosigkeit ist.

    Herrjemineh!

    Der christliche Agnostizist trennt klar zwischen Glauben und Wissen. Er trennt ferner zwischen dem Christen_tum (= Christi Leben auf Erden) und der Christen_heit.

    Christi Leben auf Erden (Christentum) ist unendlich verschieden vom Leben und Schicksal der Christen(heit). Die gesamte Weltgeschichte hat mit Christus nicht das geringste zu tun. Er ist das absolute wesentliche Paradox, das die Geschichte nicht verdauen kann.

    Es besteht ein unendlicher(!), klaffender Unterschied zwischen Gott und Mensch. Gott ist das ganze Andere, das absolut Verschiedene, für das das menschliche Denken (selbst das höchste) überhaupt kein Kennzeichen hat.

    Das Christentum fing an mit dem Gottesverhältnis in dem EINZELNEN. Und jede Nachfolge beginnt hier auch wieder: in der absoluten FREIWILLIGKEIT des EINZELNEN.

    Da das absolute Paradox kraft des Absurden abstößt, ist die Glaubensentscheidung auch NICHT BEDINGT durch vernünftliche Erwägungen (und somit quasi „alternativlos“). Sie ist wirklich FREI.

    Jeder Nachfolger, der weiss, was er tut, muss geradezu auf der Unwahrscheinlichkeit(!) des Christentums bestehen.

    Und er muss sich den Beistand aller theozentrischen Helfer und Helfershelfer, die ihm in das Christentum verhelfen wollen, verbitten. Schon die ersten Bilder aus dem Paradiesgarten zeigen doch, wie das sich in das Verhältnis zwischen Gott und Mensch Einmischende, Ein-Schlängelnde einzuschätzen ist.

    Das Gottesverhältnis eines jeden Menschen ist ein Geheimnis. Das Christwerden muss jeder selber leisten und vollbringen. Der Entwicklungsgang der RELIGIÖSEN SUBJEKTIVITÄT hat die Eigenschaft, dass sich der Weg für den Einzelnen auftut und sich hinter ihm schließt. Dabei ist nicht die Wahrheit die Wahrheit, sondern der Weg, das WIE.

    Christlicher Glaube ist das Festhalten des objektiv Ungewissen mit der unendlichen Leidenschaft der Innerlichkeit/Subjektivität.

    Ich glaube –
    meinem eigenen Verstand und meiner eigenen Erkenntnisgabe zum Trotz.

    Ich wähle das Absolute, das mich wählt.
    Ich setze das Absolute, das mich setzt.
    Was ist das Absolute?
    Das bin ich selbst in meiner absoluten Gültigkeit.
    Was ist mein SELBST?
    Es IST die Freiheit.

    Diese Freiheit ist keine Natur-Kategorie, sondern ein freier Akt des Geistes – durch Geist als Geist gesetzt. Freiheit geht hier aus Freiheit hervor.


    „Ich rede am liebsten mit Kindern; denn bei ihnen darf man noch hoffen, dass sie Vernunftswesen werden können; aber die, die es geworden sind – Herrjemineh!“ (SK)

    • Chris K. sagt:

      Hallo Zef,

      ausgezeichneter Kommentar!
      Hoffe, die Atheisten und Humanisten hier nehmen es sich zu Herzen –
      nicht zum Kopf …
      Halte fest am „Absoluten“!

  3. Geschoepf sagt:

    Wir haben viele Götzen auf Erden, egal ob aus der Poitik, Wirtschaft, Finanzbranche, und noch viele weitere…..alles menschengemachte Götzen. Sie taugen nicht um sich ihnen hinzugeben. Auf Götzendienst steht der Tod, und nicht das ewige Leben mit Gott. Dazu müssen wir IHN anerkennen und nach SEINEN Geboten leben. Gott kam als Mensch in Jesus Christus zu uns Menschen um uns von unseren Sünden zu befreien, die uns von ihm trennen, er hat aber auch seinen Anspruch an uns gestellt:

    „Du sollst den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt lieben“.
    Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich:
    „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“.
    In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.
    Matth. 22,35-40

    Jesus Christus spricht: Ich bin der Weinstock, und ihr seid
    die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel
    Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
    Johannes 15.5

    • FwF-Manuel sagt:

      Hallo Geschöpf,

      Wenn ich lese: denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

      Bin ich erschüttert, allein das ist in meinen Augen die schlimmste Indoktrination.

      Und wer es glaubt fühlt sich alleine hilflos und schwach.

      Ich brauche keinen Gott oder ein altes Buch, was mir so einen Unsinn predigt.

      LG Manuel

      • Chris K. sagt:

        Hallo Manuel,

        Dein Satz „das ist in meinen Augen die schlimmste Indoktrination“
        erscheint wie die Rebellion eines Jugendlichen – Jesus, der jene Worte sprach, ist nicht irgendein Potentat, Er ist Dein Schoepfer!

  4. Michelson sagt:

    „Das siebte Gebot lautet: „ Du sollst nicht stehlen“. Also eine Aufforderung zur Achtung des Eigentums, einer Grundvorausaussetzung für Freiheit.“

    hier riechts stark nach „Normung“… , ich habe das Buch nicht vollständig gelesen, das was ich bisher las erklärte das „Eigentum“ nicht.
    Eigentum ist eine Einbildung des menschlichen Geistes und somit möglicherweise auch wieder ein Irrtum.
    Aber vieleicht sollte ich auch nicht mitreden, ich habe das Internet noch nicht durchgelesen 😉

  5. SATAN sagt:

    „Jesus Christus spricht: Ich bin der Weinstock, und ihr seid
    die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel
    Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“

    Jesus Christus spricht (über Geld und Markt): Ich bin der Weinstock, und ihr seid die Reben. Wer in mir (dem Markt) bleibt und ich (das Geld) in ihm, der bringt viel Frucht (Produktivität), denn ohne mich (Geld) könnt ihr nichts tun.

    Ziemlich easy, oder?

    Vielleicht ist das mit „Dreifaltigkeit“ gemeint = Markt, Eigentum und Geld – Der Markt bringt Eigentum hervor und in allen Tauschgeschäften schwebt das Geld als Essenz dieser beiden elementaren Bestandteile hin und her…

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