Wählen ist kein Kavaliersdelikt

On 21. Oktober 2014, in Gesellschaft und Politik, Wählen, Wählen, by FreiwilligFrei

Ferdinand A. Hoischen

Michael Rozeff: Demokratie ist nicht Freiheit, sondern die Unterdrückung von Freiheit.

Alle vier Jahre wieder wird ein neuer Bundestag gewählt. Und es gibt eine ganze Menge Bewerber um die Sitze im Parlament. Viele wollen gerne Abgeordnete werden. Irgendwie verständlich, hat doch eine Person mit Abgeordnetenmandat, an hervorgehobener Stelle mit Regierungsgestaltung beschäftigt, auch ohne jede persönliche Qualität und berufliche Qualifikation wirtschaftlich ausgesorgt. Sie erhält nicht nur eine fürstliche Abgeordneten“entschädigung“, sondern auch eine Aufwands“entschädigung“, Übergangsgeld, Alters“entschädigung“, Zuschüsse zu den Kosten in Krankheits-, Pflege- und Geburtsfällen und ähnliches mehr. Und das Schöne dabei ist, dass die Abgeordneten sich dies alles selbst zugeschanzt haben, per selbst in die Welt gesetztem Abgeordnetengesetz, ohne dass sie irgend jemanden sonst hätten um Erlaubnis fragen müssen. Das Abgeordnetengesetz ist also nichts anderes als eine von den Abgeordneten sich selbst erteilte Lizenz zur Beraubung der deutschen Steuerzahler. Und diese Beraubung wird verniedlichend „Entschädigung“ genannt – für die von ihnen als herausragende Repräsentanten des Staates mit grossem Einsatz betriebene Zerstörung der persönlichen und wirtschaftlichen Grundlagen des Individuums. Nicht umsonst haben der Wirtschaftsnobelpreisträger Friedrich August v. Hayek und ihm nachfolgend u.a. die Wirtschaftswissenschaftler Hans Hermann Hoppe, Walter E. Williams und Lawrence W. Reed solche Staatsrepräsentanten zutreffend als Abschaum qualifiziert.

Nicht nur in Wahlkampfzeiten, aber besonders dann, wird den Wahlberechtigten immer wieder gebetsmühlenartig erklärt, man solle doch bitte wählen gehen, denn der Abgeordnete/Abschaum habe eine besonders wichtige Funktion zu erfüllen, sei er doch Vertreter des Volkes. Grundlegende Vorschrift für die rechtliche Stellung des Parlamentsabgeordneten ist Art. 38 Abs. 1 Satz 2 GG: Danach sind die Abgeordneten des Deutschen Bundestages „Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen„. Der Abgeordnete soll nach dieser Vorschrift also Vertreter sein, aber zugleich an Aufträge und Weisungen nicht gebunden. Geht das denn überhaupt oder widerspricht dies nicht völlig der rechtlichen Konstruktion der Vertretung? Was sind die charakteristischen Merkmale eines Vertreters? Die Antwort ergibt sich aus den Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB), in denen einheitlich für sämtliche Rechtsbereiche das Institut der Vertretung geregelt wird (§§ 164 – 181 BGB).

Die Befugnis zur Vertretung setzt sich nach der Regelung des BGB aus zwei Teilen zusammen: dem sog. Grundgeschäft zwischen Vertreter und Vertretenem und dervom Vertretenen dem Vertreter erteilten Vollmacht. Das einer Vertretung zugrunde liegende Grundgeschäft ist ein Vertrag, z.B. ein Auftrag. Auftrag ist eine Vereinbarung über die unentgeltliche Erledigung eines Geschäfts für einen anderen. Ich bitte z.B. einen Freund, für mich in einem Baumarkt einen Werkzeugkoffer zum Preis zwischen 500.- und 750.-€ zu kaufen. Durch die Annahme meines Auftrages verpflichtet sich mein Freund, die von mir erbetene Tätigkeit für mich unentgeltlich zu erledigen (§§ 662 ff. BGB). Verlangt er für seinen Einsatz dagegen eine Vergütung von mir, handelt es sich nicht um einen Auftrag, sondern um eine entgeltliche Geschäftsbesorgung (§§ 675 ff. BGB). Beiden Grundgeschäften ist jedoch zu eigen die Abhängigkeit des Vertreters von den Weisungen des Vertretenen (§§ 665, 675 Abs. 1 BGB). Der Vertretene bleibt, weil es um seine Interessen geht, Herr des Geschäfts auch während dessen Ausführung. Dies bedeutet, dass mein Vertreter nicht in meinem Namen alles tun darf, was ihm gerade in den Sinn kommt, sondern sich strikt an den erhalten Auftrag zu halten hat, also den Werkzeugkoffer kaufen muss und nicht statt dessen ein Auto in meinem Namen erwerben darf oder seinem Freund in Spanien mein Geld geben darf, weil der gerade keines hat.

Damit mein Freund zu meinem Vertreter wird, d.h. zu jemandem, der mich nach aussen hin vertreten und in meinem Namen Verträge abschliessen darf, muss zum Grundgeschäft (Auftrag oder Geschäftsbesorgung) jedoch zwingend eine Vollmacht hinzukommen. Was ist eine Vollmacht? In der Sprache von James Bond: die Lizenz zum Töten, hier: die durch einseitige Erklärung des Vertretenen erteilte Vertretungsmacht (§§ 166 Abs. 2, 167 BGB). Mit dieser Erklärung erst erlangt der Vertreter die Befugnis, gegenüber Dritten in meinem Namen aufzutreten und für mich bindend Verträge abzuschliessen und Erklärungen abzugeben.

Da haben wir also auf der einen Seite den Parlamentsabgeordneten, den angeblichen Vertreter des Volkes. Er ist an Aufträge und Weisungen nicht gebunden. Und auf der anderen Seite haben wir den Vertreter nach allgemeinem Recht. Er ist an Aufträge und Weisungen gebunden. Das lässt nur den Schluss zu, dass der Abgeordnete gar kein Vertreter ist. Und das führt wiederum zu der Erkenntnis, dass Art. 38 Abs. 1 Satz 2 GG eine bewusst täuschend formulierte Vorschrift ist, gedacht dazu, dem einfältigen Bürger vorzuspiegeln, seine Interessen würden durch die Parlamentsabgeordneten vertreten, wenn in Wirklichkeit die Regelung genau das Gegenteil von Vertretung bedeutet und bewirkt. Mit der Ausfüllung des Wahlzettels beauftragt man nicht etwa einen Vertreter, der an die ihm vom Wähler erteilten Aufträge und Weisungen gebunden ist, sondern man hievt eine Person in ein Amt, das es ihr erlaubt, zu tun was immer ihr beliebt, auch völlig gegen die Interessen des Wählers zu handeln, ihm sogar bewusst zu schaden – Menschen inbegriffen, die sich weder an der Wahl beteiligt haben, noch sonst etwas mit Wahlen und politischen Ämtern zu tun haben wollen. Wählen ist also kein Kavaliersdelikt.

Aber was ist dann ein Abgeordneter, wenn er gar kein Vertreter des ganzen Volkes ist? Er ist eine Strohpuppe der tatsächlichen Machteliten, die im Hintergrund die Fäden ziehen, ein tatkräftiger Förderer der Verbrecherbande namens Staat, ein Vertreter der wahren Inhaber der Staatsmacht, von deren Aufträgen und Weisungen er in Wirklichkeit abhängig ist, ein Mittäter, Beihelfer und Anstifter zu Mord, Sklaverei und Raub und natürlich auch ein moralfreier Vertreter seiner eigenen Interessen.

Nun sagt das Grundgesetz, der Abgeordnete sei an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur seinem Gewissen unterworfen. Na ja, könnte man meinen, wenn der Abgeordnete schon nicht an Aufträge und Weisungen gebunden ist, ist er doch wenigstens seinem Gewissen verantwortlich. Jedoch ist das mit dem Gewissen abstrus und lächerlich, da er als Politiker gar kein Gewissen hat, haben kann, weil er weder ethische Orientierung noch Verantwortung kennt. Denn als Politiker dient er vor allem dem Staat und der Staat ist, wie es Prof. Franz Oppenheimer in seinem herausragenden Werk „Der Staat“ so treffend charakterisiert hat: „… eine gesellschaftliche Einrichtung, die von einer siegreichen Menschengruppe einer besiegten Menschengruppe aufgezwungen wurde mit dem einzigen Zwecke, die Herrschaft der ersten über die letzte zu regeln und gegen innere Aufstände und äußere Angriffe zu sichern. Und die Herrschaft hatte keinerlei andere Endabsicht als die ökonomische Ausbeutung der Besiegten durch die Sieger„. Wer eine solche Organisation nicht nur passiv aufgrund durch Waffengewalt erzwungener Duldung unterstützt, sondern aktiv, der kann kein Gewissen haben.

Die Umschreibung der rechtlichen Position des Abgeordneten im Grundgesetz als Vertreter ist eine contradictio in adjecto, ein Widerspruch in sich, ein Schwindel durch Verwendung täuschender Begriffe, die der Staat durch sein Schulsystem ab frühester Kindheit in die Köpfe der Bürger hämmert, bis sie geglaubt werden: rot ist grün, Sklaverei ist Freiheit, Krieg ist Frieden, Lüge ist Wahrheit, die Polizei ist dein Freund und Helfer – und der Abgeordnete ist ein Vertreter des ganzen Volkes. Das ist die gleiche Symptomatik wie beim Staat, der zu dem offiziell erklärten Zweck existiert, die Bürger gegen innere und äussere Gefahren zu beschützen, aber in Wirklichkeit nur existieren kann, wenn und weil er sie ausraubt und genau das auch gnadenlos tut. Folgerung: man sollte alles, was mit dem Staat zu tun hat und was dieser durch seine Lakaienmedien und seine Vorschriften verkündet, keinesfalls glauben. Es spricht vieles dafür, dass das genaue Gegenteil richtig ist. Was der Staat den ihm unterworfenen Individuen auch immer anbietet, es ist eine Mogelpackung; die Aufschrift auf der Verpackung und deren Inhalt stimmen nie überein.

 

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30 Responses to Wählen ist kein Kavaliersdelikt

  1. Infoliner sagt:

    Bisschen komplizierte Begründung für einen einfachen und klaren Sachverhalt. Aber wer weiß vielleicht hilft gerade dieser Weg dem vorletzten Menschen im Lande, die richtigen Fragen zu stellen.

  2. Klasse Beitrag. Sollte man gelesen haben.

    Apropos: die kommenden Wochen werden für das „System Staat“ extrem spannend. Leider Gottes auch für uns Freiheitsliebende.

    Plan A der Staatselite:

    Samstag/Sonntag 31. August/1. September: Abzug UNO-Inspektoren.

    Montag/Dienstag: 2. /3. September: Beratungen, etwas hin und her in irgendwelchen Sicherheitsräten und anderen Gremien

    Mittwoch/Donnerstag/Freitag/Sam­stag: 4./5./6./7. September: Syrien-„Angriff“ (definitiv ohne Bodentruppen) – Börsenausfälle parallel (die bösen Hacker)

    Sonntag/: 8. September: Erste gróssere Stromausfälle (Hacker), Internetprobleme (wird aber nicht abgestellt)

    Montag/Dienstag: 9./10. September: Erste Bankprobleme (Hacker)

    Mittwoch: 11. September: Der grosse Bankhack-alle Guthaben weg

    Donnerstag/Freitag: 12./13. September: Banken schliessen, grosses Chaos – bis ca.

    Mittwoch, 18. September: Banken öffnen wieder inkl. Abhebebegrenzungen etc.

    Was dann passieren wird, kann sich vermutlich jeder selber ausmalen…

  3. Sanne sagt:

    Hallo Herr Hoischen,

    auf den Punkt! Wie immer! Irgendwann wird vielleicht auch dem letzten Staatsgläubigen ein Licht aufgehen in welch dreister Art und Weise er für dumm verkauft wird.
    Viele Grüße
    Susanne Kablitz

  4. zap sagt:

    Ein guter Beitrag, der ein weiteres mal aufzeigt, wie asozial dieser ganze Wahlzirkus ist.

    gruss, zap

  5. Zef sagt:

    Der „Vertreter“ ist kein Vertreter (§§164ff BGB)
    und der „Gesellschaftsvertrag“ ist kein Gesellschaftsvertrag (§§705ff BGB).

    Irgendwie blöd!

    Wie wärs stattdessen mit einem schnellen Rezept für den gepflegten Massenmord:
    Man nehme eine paar Aus-erwählte, packe sie in eine Über-Ordnung und erhitze das ganze kurz mit einem Bündel gemeiner Politaffen. Gelingt immer!

    MfG

    Zef’s Imbiss
    Snacks auf dem Weg

  6. melissa sagt:

    In einer Diktatur kann das Volk keine Kontrolle ausüben, auch nicht über Wahlen. Die Frage ist, wie kommen wir zu tatsächlichen demokratischen Verhältnissen. Erst wenn die Richter, Staatsanwälte und die obersten der Poliziebehörde durch das Volk direkt gewählt werden, ist die Kontrolle durch das Volk gewährleistet. Aber selbst das reicht nicht aus. Der Staatsaufbau der USA wurde von den Irokesen übernommen, mit einem kleinen, aber in seiner Auswirkung, wie wir zu Zeit sehen gewaltigen Unterschied: Die Irokesen hatten vier Staatsgewalten. Die vierte Staatsgewalt ist der Rat der Großmütter, die auf Moral und Nachhaltigkeit achteten und sogar in der Lage waren, den Häuptling abzusetzen.

    • FwF-sandman sagt:

      Wer ist denn das „Volk“, Melissa? Es gibt nur die Welt und die Menschen, die in dieser Welt leben. Alles Individuen. Wenn Du mir ein Bild vom „Volk“ zeigen würdest, wären auch nur ganz individuelle Menschen darauf zu sehen. Wie also kommt so etwas wie eine Volksmeinung zustande? Wenn ich Schnitzel will und Du Salat, ist dann Schnitzel mit Salat die Volksmeinung? Angenommen wir wären ein Volk aus drei Leuten. Du, Ich und mein Kumpel. Jetzt möchtest Du direkte Demokratie, damit das „Volk“ die Kontrolle hat. Mein Kumpel und ich kommen nun auf die Idee, dass Vergewaltigung doch eigentlich ganz ok wäre. Wir alle drei stimmen ab. Dass Du dagegen bist, wird Dir nichts nützen, denn auch in einer direkten Demokratie gilt das Mehrheitsdiktat. Der Wille der Mehrheit, wird der Minderheit AUFGEZWUNGEN, nötigenfalls mit Gewalt.

      Zwei Fragen, solltest Du Dir einmal durch den Kopf gehen lassen:

      1. Kann eine Mehrheit eine Handlung moralisch „gut“ machen?
      2. Kann man „Rechte“ (was immer das ist) delegieren, die man selbst nicht hat?

  7. […] ist es doch äußerst angenehm als Abgeordneter in Berlin zu leben. Schon mal als Abschaum klassifiziert, wollen viele einfach dazu gehören: […]

  8. karlheinz sagt:

    Habe grade auf recentr von einem angeblich Libertären lesen müssen, wie „scheisse“ fwf sei – facepalm

    Habe geantwortet, sowas sonst nur von den Jusos zu hören.

    Aber es gibt ja auch schon angeblich Voluntäre, die den Krieg gegen Syrien unterstützen – doublefacepalm

    Was wirklich abgeht in Syrien, erfährt man mal wieder hier:
    Syrien: Der totale Krieg für den Weltfrieden
    http://globalefreiheit.de/92.htm

  9. […] Wählen ist kein Kavaliersdelikt …Das Abgeordnetengesetz ist also nichts anderes als eine von den Abgeordneten sich selbst erteilte Lizenz zur Beraubung der deutschen Steuerzahler. Und diese Beraubung wird verniedlichend “Entschädigung” genannt – für die von ihnen als herausragende Repräsentanten des Staates mit grossem Einsatz betriebene Zerstörung der persönlichen und wirtschaftlichen Grundlagen des Individuums. … → den ganzen Artikel lesen bei FreiwilligFrei.info […]

  10. stefan sagt:

    Freiwillig Frei ist wirklich ein sehr gutes Projekt. Ihr und auch ein paar Videos von Larken Rose, haben mich letztendlich von der Anarchie, einer freien und freiwilligen Gesellschaft, überzeugt. An dieser Stelle vielen Dank für eure Arbeit.

    Diesen „Kampf“ fürs Nicht-Wählen allerdings halte ich mindestens für Zeitverschwendung, wenn nicht sogar für kontraproduktiv. Die Argumente diesbezüglich von euch, Larken Rose und Stefan Molyneux, die ich mir bis jetzt angesehen habe, überzeugen mich nicht.

    Ein paar Argumente warum es nichts bringt nicht zu wählen, warum es nicht schädlich ist möglichst liberal zu wählen und warum es schädlich ist, wenn freiheitlich denkende Menschen nicht mehr wählen gehen:

    In der EU haben wir eine Staatsquote von ca. 50%. Also 50% des Geldes läuft über den Staat. Tendenziell würde ich mal schätzen, dass damit auch ca. 50% der Bevölkerung direkt oder indirekt von den Steuergeldern leben. Vielleicht etwas weniger, vielleicht auch sogar etwas mehr. Diese Menschen sind zum Teil oder ganz abhängig von diesem Staatsgebilde. Selbst wenn nur diese Leute wählen gehen haben wir eine Wahlbeteiligung die nur unwesentlich geringer ist, als sie so wie so schon ist. Bei Landtagswahlen oder Europawahlen gab es auch schon Wahlbeteiligungen unter 50%.
    Interessiert das irgendeinen in der Politik oder im Staatswesen? Gehen deswegen die Politiker mit gebeugtem Kopf und sagen: Oh je, ich habe ja gar keine Legitimation. Oder hat schon mal ein zum Sozialismus tendierender Politiker gesagt: Ok, wenn die Wahlbeteiligung so gering ist, dann kann ich die Steuern natürlich nicht noch weiter erhöhen und die Bürokratie kann nicht noch weiter ausgebaut werden.
    Nach meiner Erfahrung interessiert das die Politiker und den Staat nicht die Bohne. Selbst wenn es nur noch eine Wahlbeteiligung von 30% oder weniger gäbe, würden die genauso weiter machen und wenn sich jemand beschwert, würden sie einfach sagen, ihr hättet ja wählen können. Diejenigen, welche von den Staatsgeldern abhängig sind, werden wohl die letzten sein, die man von einer freien Gesellschaft überzeugen kann. Das behaupte ich einfach mal so aus dem Bauch heraus.

    Warum ist es nicht schädlich, wenn man möglichst liberal wählt?
    In einem Video von Stefan Molyneux erläutert dieser ausgiebig, warum er meint, dass liberal wählen die freiheitliche Bewegung sogar um Jahrzehnte zurückwerfen würde. Dabei versucht er sich auszumalen was passiert wenn liberale Politiker den Staat reduzieren. Er meint es würde zu schlechter Presse kommen. Familien und Mütter würden ihres Einkommens „beraubt“ und täglich würden einen traurige Kinderaugen aus den Zeitungen anblicken. In Folge dessen würde „liberal“ mit etwas ganz Bösem assoziiert werden.
    Stefan Molyneux macht hier meiner Meinung nach ein paar Fehler in seiner Argumentation. Erstens ist es rein theoretisch möglich die Staatsquote zu reduzieren, ohne dass irgendjemand entlassen werden muss. Das würde dann nur über einen längeren Zeitraum funktionieren, indem man die Stellen aller Staatsdiener die in Pension gehen einfach ersatzlos streicht. Nach 40 Jahren wäre dann der Staat theoretisch weg. In Deutschland wurde und wird das mit der Privatisierung der Post gemacht. Es gibt bei der Telekom nach wie vor Beamte, es werden aber keine neuen Beamtenstellen geschaffen.
    Der zweite große Fehler in der Argumentation ist, dass liberale Bewegungen von den Staatsgläubigen immer schlechte Presse bekommen. Es war vollkommen egal ob die mehr oder weniger liberale FDP es tatsächlich geschafft hat den Staat abzubauen. Die schlechte Presse war allgegenwärtig. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert. Schlechte Presse kann einem freiheitlich Denkenden Menschen schlicht egal sein, weil die immer kommt. An diesem Punkt kann man gar nichts noch schlimmer machen.

    Warum ist es schädlich, wenn freiheitlich denkende Menschen nicht mehr wählen?
    Wenn die zur Freiheit tendierenden Menschen nicht mehr wählen gehen, bekommen logischer Weise die Parteien, welche den Staat noch weiter ausbauen wollen, mehr Stimmen. In der Konsequenz würde die Abhängigkeit vom Staat noch weiter ausgebaut werden. Ich kann verstehen, wenn ihr sagt, das bringt wahrscheinlich nichts, weil selbst liberale Parteien es nicht schaffen den Staat abzubauen. Gut, dann hat es eben nichts gebracht. Schlimmer ist es deswegen aber auch nicht geworden. In Neuseeland wurde die Staatsquote mal sehr stark reduziert. Die verantwortlichen Politiker wurden von den Bauern mit Tomaten beworfen, weil diese sämtliche Subventionen gestrichen haben. Das war bestimmt keine einfache Zeit, aber 5 Jahre später gab es in Neuseeland so gut wie keine Arbeitslosigkeit mehr, der Verschuldungsgrad des Staates hat sich in den folgenden 20 Jahren halbiert und der Wohlstand ist stark angewachsen. Also die anfänglich negative Presse wurde durch die Realität eines besseren belehrt.
    Es gibt also eine Chance den Staat mit Hilfe des Staates zu reduzieren. Die Chance mag gering sein, aber wenn sie da ist sollte man sie nutzen.
    Wie im ersten Absatz meiner Argumentation schon erwähnt, glaube ich dass es wesentlich einfacher ist zu einer wirklich freien Gesellschaft zu kommen, wenn möglichst wenig Menschen vom Staat abhängig sind. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir niemals Anarchie bekommen, wenn die Herrschaftsstrukturen nicht schrittweise abgebaut werden. So wie ich euch und andere anarchistische Bewegungen verstanden habe, wollt ihr die Menschen einfach überzeugen und hofft darauf, dass eines Tages einfach alle den Staat ignorieren. Find ich super die Idee. Ich mach da auch in meinem persönlichen Umfeld mit. Aber ich habe auch in meinem persönlichen Umfeld schon die Erfahrung gemacht, dass ich bei Leuten die sehr stark oder komplett vom Staat abhängig sind, eher auf taube Ohren stoße und bei Leuten aus der privaten Wirtschaft auf offene Ohren.
    Also wenn freiheitlich denkende Menschen weniger wählen gehen, werden die tauben Ohren immer mehr.

    In dem Artikel oben geht es um die moralischen Bedenken, wenn man sein Kreuzchen alle vier Jahre macht. 1000 mal schlimmer als das Kreuzchen sind die finanziellen Mittel, die man permanent an den Staat abdrücken muss. Also einfach nicht wählen, finde ich banal. Dann lieber versuchen Steuern zu vermeiden wo es nur geht. Mit dem Kreuzchen habe ich dem Staat keinerlei moralische Legitimation gegeben für die ganzen Sauereien die er anrichtet, aber mit den finanziellen Mitteln gebe ich ihm die Möglichkeit dazu seine kranken Phantasien zu verwirklichen.

    • Hermann Messmer sagt:

      Hallo Stefan,
      in vielen Punkten stimme ich Dir zu.
      An einer Stelle erlaube ich mir doch Dir zu widersprechen.
      Ich füttere den Staat durch meine Arbeitsleistung, kein Frage.
      Meine Arbeitsleistung erbringe ich um mir eine Leben zu ermöglichen was nicht von Knappheit und Verzicht geprägt sein soll. Das ich dabei durch Steuern bestohlen werde, ist mir bewußt. Das ich dabei den Staat füttere ist mir schon auch bewußt. Dennoch bin ich konsequenter Nichtwähler. Der Punkt ist, dass es sich um bewußte Entscheidungen für mein eigenes, jetziges Leben handelt. In meinem Leben geht es nicht zuerst darum etwas zu unternehmen um den Staat zurückzudrängen oder abzuschaffen. Es geht zuerst darum, ein Leben zu leben, was den eigenen Ansprüchen nahekommt.
      Zur Wahl zu gehen ist dabei ein Punkt, der keinen Einfluß auf mein jetziges Leben hat.
      Zur Arbeit zu gehen und Geld zu verdienen hat direkten Einfluß auf mein Leben.
      Viele Libertäre stecken viel Zeit in den Kampf gegen den Staat. Manche Minimalstaatler stecken einen ganz erheblichen Zeit ihrer Lebenszeit in Konzepte, Ideen und Politik gegen den Staat. Wenn es das ist was ihr Leben bereichert ist das völlig ok. Wenn es etwas ist, was sie glauben tun zu müssen, sind sie auf dem Holzweg. Tun müssen, ist eine Begrifflichkeit die nicht zu einem selbstbestimmten Leben passt. Müssen, ist Fremdbestimmung. Beantworte Dir selbst was Du tun „mußt“.
      Das zu verstehen entscheidet Dein Leben. Es gibt kein „sollen“ und „müssen“ für jemanden der weiß was er selbst tun möchte.
      Wenn Du der Religion „Staat“ und „Demokratie“ nicht mehr anhängst, weshalb willst Du dann noch in die zugehörige „Kirche“, zur Wahl gehen?
      Selbst für den Fall, dass Du durch Deine Wahl ein Zeichen setzen möchtest, die Beobachter sehen nur das Du zur Wahl geht’s und den ganzen Unsinn Ernst nimmst. So wie Du von den Kirchengängern nur siehst, dass sie in die Kirche gehen. Für wen soll der Kirchgänger ein Vorbild sein?
      Die Menschen, die nicht in die Kirche gehen (zur Wahl) und Ihre Geschichte erzählen sind für mich glaubwürdiger. Bei den anderen hege ich den Verdacht, dass Sie doch nur einen andere Politik wollen und vom Zwang gegen andere Menschen nicht aus tiefster Überzeugung lassen können.

      • stefan sagt:

        Hallo Hermann,
        also man muss ja nicht sein halbes Leben opfern um gegen den Staat zu kämpfen, wenn man sich dafür entscheidet alle 4 Jahre wählen zu gehen (vorausgesetzt man findet eine Partei von der man zumindest erhofft die könnte den Staat reduzieren). Ich verstehe aber nicht warum sich Anarchisten aktiv in Videos und Texte dafür einsetzen, nicht wählen zu gehen. Ich meine das kostet ja auch Lebenszeit um für das Nicht-Wählen zu kämpfen.
        Die meisten anderen Themen hier finde ich sehr interessant und wichtig, egal ob das eher psychologische, philosophische oder ökonomische Themen sind.
        Mit dem aktiven Aufruf nicht wählen zu gehen, kann ich mich nicht anfreunden. Wenn du dich selber dazu entschieden hast nicht wählen zu gehen, ist das ja ok. Aber warum die kostbare Lebenszeit verschwenden andere davon zu überzeugen es dir gleich zu tun?

        Wenn ich mit anderen Menschen politisch diskutiere versuche ich sie immer davon zu überzeugen, sich für mehr Freiheit zu entscheiden. Mir ist das schon wichtig, dass es wirklich mal passiert, dass diese Herrschaftsstrukturen bald Geschichte sind und dass das Ganze nicht einfach nur bei philosophischen Diskussionen von einer kleinen Minderheit bleibt. Und damit dieser Zwang irgendwann mal ein Ende hat, müssen eben viele Menschen überzeugt werden.
        (PS: Das „muss“ hat hier nicht die Bedeutung, dass du oder irgendwer anderes eine Verpflichtung hat. Das ist mehr ein logisches „muss“. In dem Sinne: Wenn dieses oder jenes passieren soll, muss diese oder jene Voraussetzung erfüllt sein. Hinter so einem „muss“ steckt also keinerlei Zwang ;). Auch in der Anarchie wird es jede Menge „muss“ geben, wenn man bestimmte Dinge will. Wenn ich ein Auto will, dann muss ich eines bauen. Sonst gibt es eben kein Auto.)

        Wenn Du der Religion „Staat“ und „Demokratie“ nicht mehr anhängst, weshalb willst Du dann noch in die zugehörige „Kirche“, zur Wahl gehen?
        Naja, der Vergleich hinkt ein wenig. Aus der Kirche bin ich einfach ausgetreten. Ende. Aus dem Staat kann ich leider nicht einfach austreten. Wenn das möglich wäre, dann wäre ich schon längst ausgetreten. Dann würde ich auch nicht mehr den geringsten Grund sehen wählen zu gehen.

        • michael sagt:

          P.J. O’Rourke: “Don’t Vote, It Just Encourages the Bastards”. Voting tells politicians that they’ve fooled you.

          Most people think they do something honourable and important when voting. They`re nothing but stupid morons!

          • stefan sagt:

            Stefan: „Do vote. If free thinker don’t vote, it encourages the statism Bastards.
            A lot of people think they do something honorable and important, when they don’t vote. ….“

          • michael sagt:

            P.J. O’Rourke: “Don’t Vote, It Just Encourages the Bastards”. Voting tells politicians that they’ve fooled you.

            Most people think they do something honourable and important when voting. They`re nothing but stupid morons!

          • stefan sagt:

            Dieses Video von Larken Rose kannte ich natürlich schon. Unter anderem darauf bezog sich auch mein Eingangsbeitrag.
            Ich glaube er hatte beim Dreh einen schlechten Tag. Es ist ein bisschen wirr und widersprüchlich.

            Bei diesem Thema wurde er auch von vielen amerikanischen Anarchisten kritisiert. Zum Beispiel haben viele davon berichtet, dass sie überhaupt erst über Ron Paul zur Anarchie gekommen sind. Auch Larken Rose selbst sagt, er ist diesen Weg über den Minarchismus gegangen. Also warum sollte man anderen Menschen diesen Weg verwehren?

            Er sagt in dem Video aber auch viele Sachen die ich sofort unterschreiben würde. Der meiste politische Aktivismus ist auch meiner Meinung nach vollkommen sinnlos. Ob der ein oder andere sogar kontraproduktiv ist, weiß ich nicht. Kann sein oder auch nicht. Larken Rose stellt diesbezüglich eine steile These auf, mehr nicht. Diese steile These ist aus meiner Sicht durch Beispiele widerlegt (Ron Paul, Neuseeland, ja sogar die französische Revolution zähle ich dazu).

            Das einzige was ich als Anarchist brauche, ist eine Partei die den Staat reduzieren will. Dann kann ich alle 4 Jahre eine Stunde meiner Freiheit opfern um ein Kreuzchen zu machen. Wenn es klappt, ist man dem Ziel ein Stück näher gekommen, wenn nicht hat man Pech gehabt.

          • stefan sagt:

            Hallo Michael,
            ich antworte hier weil unter dem Kommentar mit den 2 Videos konnte ich nicht auf antworten klicken.

            Auch diese 2 Videos kannte ich schon. Auf dem Kanal von Larken Rose habe ich alle Videos gesehen.
            Ich versuch mal den Widerspruch, in den er sich da verzettelt, kurz und knapp darzustellen:
            Er sagt, jeglicher politischer Aktivismus bringt nichts, er ist sogar schlimmer als wenn man nichts tut. An anderer Stelle sagt er dann, liberal/libertär zu werden ist gut, das ist ein Weg zum Voluntarismus, aber man darf da nicht stehen bleiben.
            Also bringt es doch was, wenn mehr Leute liberaler werden, oder?

            Ich finde Larken Rose ziemlich gut. Seine ganzen philosophischen Videos bringen die Dinge sehr einfach und gut auf den Punkt. Aber an dieser Stelle kommt es mir so vor als ob er sich selbst ein Bein stellt.

          • nlen sagt:

            Die „Liberalen“ hatten schon mal die „soziale Marktwirtschaft“ etabliert.

    • nlen sagt:

      Stefan, man schafft den Staat nicht ab, indem man den Staat oder das Volk darüber entscheiden lässt.
      Es geht auch nicht um „mehr“ Freiheit, sondern um meine Freiheit. Dafür bin Ich bereit, einen ganzen Teil an „Freiheit“ aufzugeben, nur damit Ich Meine Freiheit haben kann.

      • stefan sagt:

        Ich glaube ja gar nicht, dass man durch wählen den Staat abschaffen kann. Bestenfalls kann man den Staat reduzieren.
        Persönlich finde ich die sogenannten westlichen Demokratien schon schlimm genug, aber ich gebe mich nicht der Illusion hin, dass es nicht noch viel schlimmer geht.
        In einer voll ausgebildeten sozialistischen Diktatur könnte man so eine Webseite wie diese gar nicht betreiben ohne dafür den Rest seines Lebens in einem Gulag zu landen. Wenn die Liberalen nicht mehr Wählen erhöht sich der Stimmanteil der Sozialisten.

        „Ich bereit, einen ganzen Teil an “Freiheit” aufzugeben, nur damit Ich Meine Freiheit haben kann.“
        Meine Freiheit wird durch das unfreie Denken der anderen eingeschränkt. Welche „meine Freiheit“ meinst du? Alle 4 Jahre eine Stunde mehr Freiheit, die man sich durch nicht wählen spart?

        • nlen sagt:

          Ich sags mal wie Jesus:
          Meine Freiheit ist nicht von diesem Staat.

          • stefan sagt:

            Ok. Bist du dann rund um zufrieden, wie das alles so läuft hier?

          • nlen sagt:

            Du verstehst mich nicht.

          • stefan sagt:

            So sieht’s aus 🙂
            Glaubst du, dass du mich verstehst?

            Aber gut. Man muss ja nicht alles verstehen oder überall einer Meinung sein. Wie schon im Eingangsposting geschrieben, finde ich so ziemlich alle Themen der anarchistischen Szene interessant und kann mich damit identifizieren. Bis auf eben dieses eine Thema.

  11. AndiDativ sagt:

    Guten Tag,

    nachdem seit Jahren schon, eine mittlerweile schwer zählbare Masse freidenkender Politwissenschaftler vom Schlage eines H.H.von Arnim, Prof. Bontrup, etc.., beinahe Mantraartig Informationen über den Staatsraub des Kapitals vorbetet, scheinen auch WIR langsam zu verstehen.

    Und nun meine ernste Frage dazu;

    Was tun wir dagegen ?

    • stefan sagt:

      Hallo AndiDativ,

      Prof. Bontrup als Freidenker zu bezeichnen war jetzt aber Satire, oder?
      Der Mann ist ein super sozialistischer Etatist, der den Diebstahl des Staates an den Bürger noch weiter auf die Spitze treiben will.

      Wenn du wissen willst was wir dagegen tun sollen, kann man nur sagen: Weitestgehend genau das Gegenteil von dem was Prof. Bontrup sagt.

      • AndiDativ sagt:

        Hallo Stefan,

        gute Gedanken zu den Lösungsansätzen H.J. Bontrup´s.
        Auf diese wollte ich aber auch nicht verweisen, lediglich auf die angesprochenen Problematiken bzgl. der Kapitaleigner, Verwalter und Regulierer, sowie die daraus enstehenden Umverteilungen zu Lasten derer die eben in diesem System diese Last zu tragen haben.

        Bontrups Ideologien zur Lösung der Misere dienen, und da bin ich wirklich absolut bei Dir, ebenso wie die vieler Anderer, lediglich der Beibehaltung des Systems.
        Ein wenig Schminke vom letzten Fasching, ein paar garnichts verändernde Korrekturen und.. Weiter geht es.

        Kurzum, nicht jeder der die, oder einige der Probleme erkennt, wäre auch nur im Ansatz imstande diese zu lösen.

        Bester Gruss und danke Dir, dass ich meine Aussage so etwas differenzieren konnte

        Andi

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