Tommy Casagrande

Freiwillig frei zu sein ist die Essenz der Freiheit. Denn unfreiwillig frei zu sein schmeckt nach Zwang und riecht nach Gewalt. Was kann Freiheit sein, wenn sie nicht freiwillig gewählt ist ? Was kann Unfreiheit sein, wenn sie freiwillig gewählt ist ? Freiheit ist demzufolge kein Inhalt mit dem sich ein Gefäß füllen lässt. Freiheit und Unfreiheit sind, wenn sie nicht in Bezug zur Freiwilligkeit oder zur Unfreiwilligkeit stehen, leere Worthülsen, die man nach belieben mit Inhalten füllen kann.

Staatenlosigkeit kann Unfreiheit sein während Staatlichkeit ein Abbild der Freiheit ist. Doch auch andersrum ist es denkbar. Genauso denkbar ist es, dass beide Modelle zugleich unfrei oder zugleich frei sind. Ohne Bezugnahme auf die Freiwilligkeit oder die Unfreiwilligkeit, ist jede Struktur menschlichen Zusammenlebens eine beliebige Variable.

In einem Staat zu leben, so lange die Möglichkeit besteht, auch aus ihm austreten und eine eigene Gesellschaft machen zu können, ist Ausdruck von Freiwilligkeit. Sowohl im Bezug auf den Staat als auch im Bezug auf die Staatenlosigkeit. Insofern wären sowohl Staat als auch die Staatenlosigkeit Abbilder der Freiheit. Doch wenn Menschen gezwungen sind, sei es, unter einem Staat zu leben ohne der Möglichkeit, austreten zu können um eine andere Form von Gesellschaft zu leben oder auch die Variante, staatenlos zu leben, ohne der Möglichkeit eine andere Form von Zusammenleben organisieren zu dürfen, so handelt es sich beide male um Unfreiheit. Die Unfreiheit steht im Bezug zur Unfreiwilligkeit während die Freiheit im Bezug zur Freiwilligkeit steht.

Versuchte man Freiheit und Unfreiheit unter Ausschluss von Freiwilligkeit und Unfreiwilligkeit zu definieren, gelangte man willkürlich bestimmten Inhalten, die keine Aussagekraft darüber haben, ob sich Menschen darin frei oder unfrei fühlen. Denn diese Wertung ist subjektiv. Daher müssen Menschen in der Lage sein können, auf diese Subjektivität zu reagieren. Fühlt sich alsdann ein Individuum in einem Staat freier, wäre die freiwillige Wahl des Staates Ausdruck der Freiheit. Fühlte sich ein Individuum indes ohne Staat freier, wäre dessen freiwillige Wahl der Staatenlosigkeit ebenso Ausdruck der Freiheit. Die Verneinung des Freiwilligkeitsprinzips führt in die Unfreiheit, egal ob es sich dabei um eine staatenlose Idee, einen Minimalstaat oder einen Maximalstaat handelt.

 

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6 Responses to Freiwilligkeit = Freiheit & Unfreiwilligkeit = Unfreiheit

  1. Equality 7-2521 sagt:

    „Der Begriff der `freiwilligen` Sklaverei ist in der Tat widersprüchlich, denn so lange ein Arbeiter sich dem Willen seines Herrn freiwillig vollkommen unterordnet, ist er kein Sklave, da seine Unterwerfung freiwillig ist; wenn er hingegen seine Meinung ändert und der Herr sein Sklaventum mit Gewalt durchsetzt, so wäre das Sklaventum nicht freiwillig.“ [Murray N. Rothbard – Die Ethik der Freiheit]

    Freiheit (oder Unfreiheit) kann man nicht wählen, sie wird einem gelassen oder genommen.
    Man kann weder freiwillig unfrei sein, noch kann man unfreiwillig frei sein. Im Gegensatz dazu ist es durchaus möglich freiwillig machtlos bzw. unfreiwillig mächtig zu sein. Die Begriffe `Freiheit` und `Macht` werden gerne verwechselt. Außerdem hört ein Staat genau dann auf ein Staat zu sein sobald ihm jeder unbescholten den Rücken kehren kann … und wie frei oder unfrei sich jemand fühlt hängt damit zusammen inwiefern er seine rechtmäßige Freiheit zu nutzen gesucht. Wenn ich überhaupt nicht vorhabe in den Westen zu reisen, fühle ich mich auch nicht von einer Mauer mit Selbstschussanlage in meiner Freiheit eingeschränkt.

    >>Die Unfreiheit steht im Bezug zur Unfreiwilligkeit während die Freiheit im Bezug zur Freiwilligkeit steht.

    So herum ist es richtig, vertauschen darf man die Begriffe aber nicht. (Ansonsten kommt so ein Unsinn heraus wie: „Gesetze abzuschaffen ist aufgezwungene Freiheit.“)

  2. Zef sagt:

    > Was kann Freiheit sein, wenn sie nicht freiwillig gewählt ist ? Was kann Unfreiheit sein, wenn sie freiwillig gewählt ist ?

    Die Wahl (= Handlung) ist entscheidend/konstituierend für den Gehalt der Persönlichkeit. Sie verändert wirklich alles.

    Dieses Selbst ist zuvor nicht dagewesen, denn es ist durch die Wahl geworden, und doch ist es dagewesen, denn es war ja ‚er selbst‘ (Kierkegaard)

    Die _Möglichkeit der Freiheit ist, zu können. Die _Wirklichkeit der Freiheit ist für den Einzelnen jedoch nur da, indem er selbst sie in der _Handlung hervorbringt.

    Nur die Wahrheit, die erbaut [= Handlung, erbaulich] ist Wahrheit für dich (Kierkegaard)

    Die Wahl ist die erste, entscheidende, konstituierende Handlung.
    Das zunächst noch nackte Selbst ist die erste Form des freien Selbst und das Vorantreibende in dem ganzen Prozess der Selbstwerdung.

    Das freie Selbst ist eine _Qualität, die vom Äußerlichen, Komparativen, Relativen unberührt ist. Seine Bild-Logik (die ich nicht als „frommen Spruch“ verstanden wissen möchte) lautet so: „Niemand entreißt mir mein Leben, sondern ich gebe es aus freiem Willen hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen“. Das Entscheidende ist, sich selbst in diesem Selbst ganz gegenwärtig zu werden.

    Die Freiheit, die ich meine, ist eine Aufgabe für das Handeln und keine Frage an das Denken. Das Denken ist eine nützliche Dienerin („Denken hilft“), wenn sie mich zu dem Punkt bringt, an dem ich „springe“, mich entscheide, absolut wähle. Die Wahl selbst ist keine Dialektik, sondern Handlung.


    „Das Wählen ist meine Losung, der Nerv meiner Lebensanschauung“ (SK)

  3. Reinhard sagt:

    Ich weiß nicht, was absolute Freiheit oder, weniger hochgegriffen, freiwillige Freiheit (ein Schimmel, eine Tautologie oder vielmehr Widersprüchlichkeit?) ist. Freiheit ist, für mich, doch in erster Hinsicht ein subjektiver Begriff. Darum auch das Paradox freiwilliger Sklave – nicht absurd, sondern real: sei es in der Liebe (Obsession, individieller Sexualität), in irgendeiner Sucht (Alkoholismus, Nikotinsucht) – was ist denn daran freiwillig und was gezwungenermaßen? Kommt auf die Perspektive an. Nimm dem Trinker die Pulle weg, und du tust ihm Zwang an – andersherum kann man argumentieren, der Saufdruck sei der Zwang, vor dem man ihn schützen will. Darum ja auch stehe ich den Kreuzzügen gegen die Zigarette so skeptisch gegenüber: Zwang Zwang Zwang – für den Raucher. Solange er andere durch Passivrauchen gefährdet, mag das ja angehen. Aber daß er auch noch höchst besteuert und gedemütigt wird durch die blöden Sprüche auf den Packungen, demnächst gar fotografierten Lungenkrebsen, ist pervers. Andererseits ist auch der Krebs pervers. Sei’s drum: seine Unfreiheit darf sich jeder selbst freiwillig wählen dürfen. Freiheit ist kein objektives Gut, sondern schillernd, changierend, äußerst komplex verwoben mit dem Gesamtkontext. Andererseits: ich als ehemaliger Kettenraucher bin froh, mich von dieser „Kette“ befreit haben zu können. Allerdings war das mein selbstgewählter Kampf – Vorschriften à la staatlicher Sanktionen hätten prompt das Gegenteil in mir ausgelöst. Ist die Rauchsucht nun also ein Zwang oder eine Freiheit oder beides oder eine Manipulation von außen (Werbung, Gruppenzwang), also doch wieder eine indirekte Machtausübung von anderen Interessen (ich rauche – die machen ihren Reibach mit mir armem Suchtschwein)? Das Rauchen ist nur ein Beispiel. Es gibt zahllose andere. Freiheit ist für mich, wie gesagt, eine subjektive Größe, und die ist stimulier-, manipulier-, erzieh-, unterdrückbar etc. Also, das fängt ja schon bei der Herkunft, Erziehung, Umwelt etc. an – alles mich zwangläufig Prägende, weshalb es, für mich, Freiheit an sich gar nicht gibt, da sie (und ihr Gegenteil) immer eingebettet im jeweiligen räumlichen, zeitlichen, mentalen, wirtschaftlichen Kontext existiert.

  4. Equality 7-2521 sagt:

    „[…] Wir sahen, daß Robinson – wie jeder Mensch – Willensfreiheit hat, Freiheit, den Gang seines Lebens und seine Handlungen zu wählen. Einige Kritiker haben eingewendet, daß diese Freiheit illusorisch sei, da der Mensch durch Naturgesetze gebunden ist. Doch das ist eine falsche Darstellung – eines der vielen Beispiele für die anhaltende moderne Verwechslung von von Freiheit und Macht. Der Mensch ist frei sich Werte zueigen zu machen und seine Handlungen zu wählen; doch das heißt keineswegs, daß er die Naturgesetze ungestraft verletzen kann – daß er etwa einen Ozean in einem Satz überspringen kann. Kurzum, wenn wir sagen, „der Mensch ist nicht `frei`, den Ozean zu überspringen“, so erörtern wir in Wirklichkeit nicht seine mangelnde Freiheit, sondern die ihm fehlende Macht, in Anbetracht der Gesetze seiner Natur und der Natur der Welt den Ozean zu überqueren. Robinsons Freiheit, sich Ideen zu eigen zu machen, seine Ziele zu wählen, ist unverletzbar und unveräußerlich;da der Mensch andererseits nicht allmächtig ist und auch nicht allwissend, findet er stets, daß seine Macht, all´ die Dinge zu tun die er gerne tun würde, begrenzt ist. Kurzum, seine Macht ist durch Naturgesetze notwendig begrenzt, nicht aber seine Willensfreiheit. Anders gesagt ist es offensichtlich absurd, die Freiheit eines Wesens zu definieren als dessen Macht, eine Handlung auszuführen, die seiner Natur unmöglich ist!“ [Murray N. Rothbard – Die Ethik der Freiheit]

    Die Natur eines Menschen verbietet es ihm allzu lange auf Nahrung zu verzichten, ansonsten stirbt er. Die Natur des Menschen drängt ihn zu Geschlechtsverkehr. Dies geschieht durch die Ausschüttung physisch nachweisbarer Hormone. Die Natur eines einarmigen verbietet es ihm zu klatschen, auch dann wenn er sich selbst den Arm abgeschnitten hat. So wie der einarmige der seinen Arm abschneidet, greift auch der Raucher durch das Rauchen in seine eigene Natur ein. Die Natur eines Süchtigen drängt ihn der Sucht zu erliegen. Dies geschieht durch die Ausschüttung von Hormonen. Ist die Sucht allzu stark, fehlt im die Macht sie aufzugeben genauso wie dem einarmigen die Macht fehlt zu klatschen. Trotzdem bleibt der erneute Griff zur Kippe Ausdruck des freien Willens. Greift er zur Kippe hat er gewählt … das ist Freiheit. Ich gebe zu das das schwer zu verstehen ist, weil wir Freiheit im Alltag nun mal synonym für Macht verwenden. Trotzdem ist hier eine Unterscheidung nötig.

  5. Freiheit

    Welche Münder haben dieses Wort für sich beansprucht,
    in welcher Sprache wurde es noch nicht für sich erklärt?
    Welche Religion, welcher Glaube hält nicht die Waffen hoch,
    für die Freiheit, die man nur für sich begehrt?

    Wir atmen den gleichen Sauerstoff,
    wir essen die gleichen Speisen.
    Wir sehen verschiedenfarbig gleich aus
    und legen den Andersdenkenden in Eisen.

    Wir bauen Mauern, um unsere Freiheit zu bewahren,
    wir werden eingemauert, um ihre Freiheit zu schützen.
    Wir glauben an einen Gott, mit verschiedenen Namen,
    wem soll diese Freiheit nützen.

    Wir schmettern die Neunte, vergehen uns an die Ode,
    „Brüder“ schmettert der Chor in allen Sprachen.
    Große Trommeln ersetzt durch Kanonengroll,
    „Brüder“, wo Schwüre brachen.

    Wir vertragen uns der Verträge wegen,
    schwören auf Wachstum jeglicher Art.
    Papier ist geduldig der Tinte nicht Wert,
    wir suchen überall Vorteile, ohne friedlichen Rat.

    Summen die Neunte mit blutiger Hand,
    stellen uns den Freunden, die uns morgen morden.
    Ihre „Freiheit“ haben wir nicht erkannt,
    mit geschwellter Brust, geschmückt mit Orden.

    Am Anfang es sagen zu dürfen,
    am Ende auf gleicher Höhe stehen.
    Umsetzen zur Freiheit des Anderen,
    Auseinandergehend, Freude auf ein Wiedersehen.

    Vögel fliegen um die ganze Welt,
    wir werden gestoppt für ein falsches Wort.
    Vernichten, was wir zum Leben brauchen,
    um zu wissen, es gibt keinen anderen Ort.

    Frank Poschau
    01.06.11

  6. […] Voluntarismus ist Freiheit und Freiheit steht im Widerspruch zu Politik. Deshalb ist es auch so schwierig, den Voluntarismus im herkömmlichen politischen Spektrum einzuordnen. Aber wo befindet sich der Voluntarismus nun im Vergleich zu den politischen Parteien und ihren Parteiprogrammen? Der Voluntarist Oliver Heuler hat auf seiner Homepage http://www.voluntarist.de anschaulich erklärt, dass die Freiheit als Merkmal zur Einordnung politischer Parteien ausgeblendet wird. Stattdessen wird immer wieder auf das Links-Rechts-Schema verwiesen. Die Ursache dafür ist, dass jede Politik immer gegen die Freiheit gerichtet ist. freiwilligfrei.info […]

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