Die Liebe und der freie Markt

On 26. Juli 2013, in Gesellschaft und Politik, Ökonomie, by FreiwilligFrei

Lucien Looser (zuercherin.com)

Bei der Partnersuche spielt der freie Markt noch. Es wird fleissigst geworben. Man(n) wird nicht müde anzupreisen, was er kann und was er besitzt. Sie lässt sich schon mal knapp bekleidet ganz genau begutachten. Um besser dazustehen, wird auch schon einmal eine wichtige Information weggelassen oder ein wenig geflunkert. Freundinnen und Familienmitglieder werden als Berater hinzugezogen.

Es wird geflirtet und auf Herz und Nieren geprüft, bis sich die Balken biegen. Neue Kommunikationsmittel erleichtern die Kontaktaufnahme. Erhält man einen Korb, zwitschert man leicht dem Nächsten zu. Dank Facebook und Co sind plötzlich auch unerreichbare nur einen Klick entfernt. Die Sozialen Medien eigenen sich auch hervorragend zu Recherchezwecken, um mehr über seien Traumpartner zu erfahren. Willst du nicht unnötig Zeit verlieren, schlagen dir zahlreiche Online-Partnervermittlungsportale den oder die beste Kandidaten/in vor.

Doch zur Entscheidungsbasis gehören die ganz eigenen Kriterien. Nicht jeder bringt  mit, was gewünscht wird. Gerne ist man bereit für die grosse Liebe ein Risiko einzugehen. Was die Nacht dann so bringt, liegt in der Eigenverantwortung jedes einzelnen.

Sind die Würfel einmal gefallen und das Herz hat sich entschieden, steckt man nicht so schnell auf, sondern man kämpft für das einzig Wahre.

Hat man es dann in eine Beziehung geschafft, belebt die Konkurrenz das Geschäft. Auf der Suche nach dem Glück wird auch schon mal versucht, jemanden, der schon vergeben ist, abzuwerben. Dass das Modell funktioniert und schon erprobt ist, spielt dabei eine wichtige Rolle.

Staatlich reguliert Liebe

Wie gross wäre der Aufschrei, wenn der Staat regulierend eingreifen würde, wenn eine Beziehung zwischen Müller und Meier  plötzlich nicht mehr möglich wäre? Welcher Mann würde es sich gefallen lassen, wenn er satt mit der Schönsten anzubandeln mit der zweit Schönsten vorlieb nehmen müsste? Was würde Sie tun, wenn sie statt dem Besten einen zugeteilt bekäme, nur weil dieser zu den Ärmsten gehört? Natürlich würden die Korporatisten diese Machenschaften des Staates zu ihren eigenen Gunsten ausnützen. Sie würden die Politik dazu bringen ihnen die besten Exemplare zu zuschanzen. Spätestens jetzt würden die Etatisten aufwachen und ihre Freiheit einfordern.

Könnte das, was bei der Liebe funktioniert, nämlich der freie Markt, nicht auch wirtschaftlich und gesellschaftlich ein Erfolgsgarant sein?

Videoempfehlung:

 

4 Responses to Die Liebe und der freie Markt

  1. Zef sagt:

    >Staatlich reguliert Liebe

    BTW:
    „Sozialismus wird zwar nicht mehr durch die Förderung der arischen Rasse zu erreichen gesucht, sondern es wird ein multirassischer Einheitsmensch angestrebt, eine Politik, die eigentlich zu einem Programm nötigt, das in einer expliziten Weise einst in Paraguay unter der von 1814 bis 1840 währenden Diktatur des Jakobiners Rodríguez de Francia praktiziert wurde.

    Dort war Angehörigen der weißen Oberschicht verboten, untereinander zu heiraten und diese waren stattdessen von Staatswegen gehalten, bei Sanktion Landesverweis, sich Ehegatten unter Indios, Mulatten und Schwarzen zu suchen“
    Josef Schüßlburner
    http://ef-magazin.de/2008/03/31/vergangenheitsbewaltigung-die-wiederkehr-des-verdrangten

    „Die Eugenik (Rassenhygiene) war von etwa 1900 bis in die 1930er Jahre, als man sich dem Vergessen hinzugeben begann, das zentrale politische Anliegen der Sozialdemokratie. Und dies war von der zentralen Erwägung getragen, dass im (angehenden) Sozialismus der Staat die Selektionsmechanismen übernehmen müsse, die Darwin als natürliche Vorgänge beschrieben hatte. Ansonsten drohten gerade die geforderten sozialpolitischen Maßnahmen in eine Degeneration der menschlichen Rasse überzuleiten. Deshalb müsse zum Zwecke der künstlichen Befruchtung das Zellplasma sozialisiert werden (so H. Brewer), um jedem Individuum das Recht zu geben, bester Abstammung zu sein (Julian Huxley).
    Selbstverständlich musste es dann als a-sozial angesehen werden, Eheschließungen als Privatangelegenheit anzusehen“.
    Josef Schüßlburner
    http://ef-magazin.de/2013/05/23/4228-sozialdemokratie-und-nationalsozialismus-heil-dir-lassalle

  2. Reinhard sagt:

    Hm, gerade in der Liebe oder Sexualität läßt sich die Freiheitsfrage doch am heikelsten angehen. Natürlich ist die Präverenz des Individuums das Subjektivste überhaupt – und in nichts wurde brutaler, diktatorischer, herrschsüchtiger eingegriffen, sei es aus wirtschaftlichen, rassistischen, ethisch-moralischen, religiösen, gar wissenschaftlichen oder einfach nur herrschsüchtigen (packe ich den Kerl bei den Eiern, habe ich ihn in meiner Gewalt, grob gesprochen) Gründen. Und was die Einflußnahme betrifft, ist sie bei weitem nicht nur politisch gesteuert, sondern gesellschaftlich, familiär, gar individuell – durch Rollenklischees, Anforderungen anderer, Erwartungen… Und dann gibt’s ja auch noch die Liebe ohne Gegenliebe: ein unerschöpflicher Fundus für Tragödien! Oder die leiblichen Grenzen: einer fühlt sich als Frau, steckt aber in einem Männerkörper. Und dann noch das ganz und gar Unaussprechbare: was machen wir mit denen, die sich von der Schönheit eines Pferdes erotisch angezogen fühlen oder, ganz aktuell, von der Vollkommenheit eines Knaben – Thomas Mann wird seine diesbezügliche Schwäche noch allenthalben verziehen, aber schon keinem Thomas Mustermann mehr! Und wird nicht gerade in punkto Liebe oder auch bloß Begehren von frühestem Individuumbeginne eingegriffen, manipuliert, ausgerichtet, erzogen, vorgelebt etc. bis zum Gehtnichtmehr? Dabei, da lag Freud wirklich nicht daneben, ist doch fast jeder erstmal polymorph pervers, richtet sich dann aber peu à peu in die allgemein vorgepferchten Normen ein, verdrängt also das eine (die heimliche Schwärmerei für den goldlockichten Fritz in der ersten Klasse) und richtet sich auf die strammbusige Silvia aus der Unterstufe aus, was sich dann prägend fortsetzt – wohl den meisten, die das können und über diesen Spielraum so selbstverständlich wie natürliche Verdauung verfügen (wenn auch meist unterbewußt), aber wehe denen, die so eigen sind, daß ihre Natur gar nicht kann, als auf diese Eigenart zu bestehen, und ginge die Welt, nein, die ist tausendmal stärker, also die eigene Persönlichkeit dabei zu Bruch. Abgesehen davon ist ja hier geradezu ein biologischer Zwang vorgegeben, gegen den auch kein freier Wille ankann. Mal ganz radikal gefragt: was ist mit den allgemein (demokratisch?) als die „Perversen“ bezeichneten? 2000 Jahren wurden z.B. Homosexuelle hierzulande heftigst diskreditiert, seit einigen Jahrzehnten stehen sie immer mehr unter staatlichem Schutz, was ich persönlich begrüße. Aber was ist mit den Aussagen von Theologen, Politikern, Wissenschaftlern, Philosophen, Moralisten von einst, die das Homosexuelle an sich verurteilten – alles Makulatur? Ach ja, Beispiel Homosexualität: die meisten Menschen haben immer noch ihre Aversionen gegen diese Spielart der Liebe und würden wahrscheinlich übergriffig gegen deren Protagonisten werden – schützte sie Gesetz und Staat nicht davor. Was machen wir eigentlich mit dieser staatlich garantierten Freiheit? Andererseits, siehe Rußland, wird staatlich brutal homophob vorgegangen…

  3. Granter sagt:

    „Könnte das, was bei der Liebe funktioniert, nämlich der freie Markt, nicht auch wirtschaftlich und gesellschaftlich ein Erfolgsgarant sein?“

    Ob jemand aus der Fraktion arm und häßlich der Meinung wäre, der „Liebes“ Markt funktioniert?

    • Sebastian sagt:

      „Ob jemand aus der Fraktion arm und häßlich der Meinung wäre, der “Liebes” Markt funktioniert?“

      „Funktionieren“ ist eine Sache, aber würde er ernsthaft fordern, dass der Staat Frauen zwingen sollte, mit ihm ins Bett zu gehen oder ihn zu heiraten? Ich habe mir den Vergleich auch schon überlegt. Er ist vor allem dahingehend interessant, dass im „linken Spektrum“ ja eben einerseits die Forderung steht, die wirtschaftliche Freiheit einzuschränken, aber die persönliche zu vergrößern. Ich habe noch nie wirklich verstanden, wie man da trennen will.

      Man kann es auch umgekehrt angehen, wie der Protagonist in Houellebecques Roman „Ausweitung der Kampfzone“. Nämlich zu sagen, dass so wie eine totale Befreiung der Wirtschaft dazu führt, dass manche ganz reich und andere ganz arm werden (was ja eher so die linke Mainstream-Meinung ist), eine Befreiung der Sexualität (das ist eine konkrete Kritik an die 68er) dazu führt, dass manche ganz viel und tollen Sex haben, und andere ein einsames Leben in Selbstbefriediegung führen. Es wird ja teils als toller Emanzipatorischer Fortschritt angeshene, dass Mann/Frau ein Recht auf persönliche (auch sexuelle) Erfüllung hat und dafür „Ehe bricht“. Interessanterweise wird dem Liberalismus teils vorgeworfen, er sei „sozialdarwinistisch“. Die gleichen Leute aber sind dann wahrscheinlich auch für freie Liebe, gegen arrangierte Ehen etc. – das aber ist dann ja sogar ganz ursprünlicher Darwinismus (unattraktive MEnschen bekommen keinen Sexualpartner).

      Im Bereich Bezieheung wird auch Diskriminierung vollkommen akzeptiert. Jeder, der nicht Bisexuell ist, handelt bei der Partnerwahl massiv sexistisch. Man wird auch wegen des Aussehens oder sonstiger Dinge diskrimiert. Das wird aber alles akzeptiert, weil da jeder einsieht, dass man niemanden zwingen kann, gegen seinen willen eine Beziehung zu einem anderen Menschen einzugehen. Warum soll dann bei anderen Beziehnung zwischen Menschen (z.B. wenn es um ein Arbeitnehmer-Arbeitgeber oder Anbieter-Kunde verhältnis geht) der Staat eingreifen und Zwang gegen eine Seite ausüben?

      Marktwirtschaft heißt, dass zwei Menschen freiwillig miteinander schlafen, weil beide es wollen. Sozialismus heißt, dass ein dritter einen der beiden zwingt mit dem anderen zu schlafen, weil dieser ja nicht diskriminiert werden darf.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.



FreiwilligFrei.de
Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de