Staat, Regierung und Volk

On 20. Mai 2015, in Gesellschaft und Politik, Voluntarismus, by FreiwilligFrei

Ferdinand A. Hoischen

Der US-Präsident Abraham Lincoln, als Politiker und Jurist für Lügen und Verdrehungen der Wahrheit besonders prädestiniert, tätigte in seiner Gettysburg Rede die berühmte Erklärung, die Regierung des Staates sei eine Regierung des Volkes, durch das Volk und für das Volk. Diese Parole wurde von den Staatsinhabern weltweit begeistert aufgegriffen und seitdem über das Schulsystem und die willfährigen Medien in die Köpfe aller Volksangehörigen = Untertanen implantiert, damit diese sich mit dem Staat und seinem Verwaltungsapparat („Diener des Volkes“) identifizieren. Die Frage ist nur, ob die Behauptung Lincolns einer kritischen Betrachtung standhält.

Jeder Staat hat eine Verwaltung = Regierung, aber nicht jede Verwaltung ist Staatsverwaltung, es gibt auch freiwillige Verwaltung freier Gemeinschaften. Eine Nation, ein Volk oder eine grössere Gemeinschaft von Menschen brauchen keinen Staat, sie können statt dessen ein System entwickelt haben, mit dem sie sich selbst ohne Gewalt- und Besteuerungsmonopol verwalten. Vorliegend geht es aber nur um die in moderner Zeit auffälligste Form der Verwaltung, nämlich die Regierung des Staates, die Regierung, bezüglich derer der Staat den Anspruch erhebt, das letzte Wort zu haben.

Regierung des Volkes: Ist es tatsächlich eine Regierung des Volkes selbst, die den Staat verwaltet? Sind die Staatsfunktionäre und Bürokraten wirklich unseresgleichen, aus unserer Mitte? Äusserlich ja. Moralisch und nach ihrem Verhalten nein! Ihre Absichten und Handlungen weichen drastisch von den unsrigen ab. Der Unterschied ist leicht zu erkennen: sie sind die Herrscher, wir die Beherrschten, sie sind die Fürsten, wir die Untergebenen, sie sind die Herren, wir die Sklaven. Sie geben die Befehle und wenn wir sie nicht befolgen, setzen sie ihren Willen mit Gewalt durch. Die Herrscher haben mit uns nichts gemein und üben eine Macht über uns aus, die uns ihnen gegenüber nicht im Entferntesten zukommt. Man braucht sich doch nur einmal zu vergewärtigen, wie sich die Mächtigen im Strassenverkehr bewegen und welche Rolle in diesem Zusammenhang „das Volk“ spielt. Ergebnis: Die Regierung des Staates erweckt nur den Anschein, aus dem Volk zu stammen, in Wirklichkeit stammen sie aus einem anderen moralischen Universum, in dem böse = gut, schwarz = weiss und unten = oben ist.

Regierung durch das Volk: Wird die Verwaltung des Staates durch mannschaftliche Geschlossenheit aller das Volk darstellenden Individuen und durch Gemeinschaftsentscheidungen umgesetzt? Doch wohl eher nicht! Angeblich schwebt über der Regierung eine schon esoterisch anmutende, mystisch-demokratische Übereinstimmung. Das Volk soll danach Vertreter bestimmt haben, die den kollektiven Willen aller Individuen aufnehmen und verstehen und diesen in Gesetze, Regeln, Steuern, Kriege, Programme, finanzielle Hilfsaktionen für andere Staaten und Schulden zum Wohl des Einzelnen und gleichzeitig der Allgemeinheit umsetzen. Aber eben nur angeblich. In Wirklichkeit ist das alles nur eine wohlfeile Illusion, präsentiert von der Machtelite. Die Wirklichkeit eines Staatsapparates von unbegrenztem, gewalttätigem Despostismus wird hübsch übermalt mit dem Sammelbildchen einer flauschigen Illusion der Selbst-Regierung mit eingeschränkter Macht zum Schutz der Rechte des Individuums. Ändert das Wahlrecht des Individuums etwas daran, macht es aus Illusion Realität? Man wage die Probe aufs Exempel und frage sich, welchen Einfluss die eigene Stimme, selbst in Verbindung mit zahlreichen anderen Stimmen, auf die Gesetzgebung hat, oder auf die Entscheidungen von Bundeskanzlerin und Bundeskabinett oder Bundestag oder Bundesrat oder Bundesverfassungsgericht oder darauf, welcher Bürokrat in der Steuerverwaltung eingestellt wird. Na? Richtig, keinen! Ergebnis: Nicht das Volk regiert, sondern eine Machtelite.

Regierung für das Volk: Wenn es sich bei der staatlichen Regierung schon um keine des Volkes oder durch das Volk handelt, ist es dann nicht vielleicht eine für das Volk? Wenn dem so wäre, müsste die Regierung dem Volk mehr Nutzen bringen als sie schadet. Schon ganz grundsätzlich ist es jedoch völlig unwahrscheinlich, dass eine staatliche Regierung mit Gewaltmonopol, die jedes ihr unterworfene Individuum, das seine mit Zwang erhobenen Steuern nicht bezahlt oder die vom Staat aufgestellten, unübersehbar vielen Regeln nicht befolgt, bestrafen sowie wirtschaftlich und notfalls auch physisch vernichten kann, eine Verwaltung für das Volk ist. Aus dieser Konstruktion muss man vielmehr schliessen, dass die Regierung für ihre eigenen Interessen und die Interessen derjenigen, die sie kontrollieren, handelt. Und darüber hinaus ist es auch nicht so, dass die Regierung dem Volk mehr nutzt als sie schadet. Tatsächlich richtet sie nicht nur mehr Schaden an als Nutzen, sie schadet vielmehr ausschliesslich. Würde sie irgendeinen Nutzen produzieren, bedürfte es nicht der Zwangsabgaben, sondern das Volk würde die nützlichen Dienste freiwillig in Anspruch nehmen und vergüten. Eine Regierung produziert keine Güter, sie ist vielmehr reiner Steuerverbraucher. Sie nimmt der produktiven Bevölkerung etwas weg und verteilt es um. Sie erlässt Regeln, die den Privatbereich und die Wirtschaft in der Entfaltung hemmen und nachhaltigen Schaden verursachen. Und dafür lässt sie sich auch noch fürstlich entlohnen. Gäbe es keine Regierung und die damit einhergehende Bürokratie, würde das Volk zumindest deren Kosten sparen, mal ganz abgesehen von den von der Regierung verursachten Schäden. Ergebnis: Die Regierung arbeitet nicht für das Volk, sondern gegen es, auf dessen Kosten und für die Interessen der Machtelite.

Lincolns Spruch von der Regierung des Volkes, durch das Volk und für das Volk war, ist und bleibt was er war: der Spruch eines Rechtsverdrehers und Roßtäuschers.

 

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4 Responses to Staat, Regierung und Volk

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  2. Ben sagt:

    Unter Kollektivismus wird ein System von Werten und Normen verstanden, in dem das Wohlergehen des Kollektivs die höchste Priorität einnimmt. Die Interessen des Individuums werden denen der Gruppe untergeordnet. Der Gegensatz dazu ist der Individualismus.Da verantwortungsscheue Kollektivisten immer einen FÜHRER brauchen, auf den sie die ihre Verantwortung übertragen können, ist das Wort „Volksvertreter“ nur die logische Folge des eigentlichen Unwortes „Volk“.Warum Unwort? Weil der Mensch ohne seinen Verstand nichts anderes ist, als die billigste Beute – auch wenn er im Rudel auftritt.

  3. Reinhard sagt:

    Jetzt, im dekadenten Endzustand der Staaten Europas, wird immer offensichtlicher, wie an der eigenen Bevölkerung vorbei die jeweiligen Regierungen regieren, die das Ganze noch pervertieren, indem sie eine Metaregierung draufsatteln, die sogenannte Europäische Union, die nun vollends am Einzelnen vorbeigeht: jetzt werden nicht einmal die noch wenigen Aufgaben von Seiten des Staates erledigt, wie Sorge für die eigenen Bürger, Straßenpflege, Ausbildung etc. – vielmehr wird nun in noch größerem Stil umverteilt, werden ganze Volksvermögen einfach verbürgt, später wohl auch entwendet, um sie in schwarzen Löchern, genannt Banken, verschwinden zu lassen, derweil das Individuum in völliger Ohnmacht versinkt. Das ist schlimmer als Orwells 1984. Erste Risse werden bereits sichtbar: die Snowden-Affäre ist dafür nur eine Metapher, die das Gesicht des Staates unter der Maske der Demokratie wirklich zeigt – schaudernd möchte man sich abwenden, allein, das wäre Beihilfe zum Selbstmord.

  4. Zef sagt:

    Selbst eine Generalvollmacht fürs ganze Leben würde immer noch kein D/s-Verhältnis (Dominance and Submission, Über- und Unterordnung) begründen. Ein Vollmacht-Geber ist kein Subbi.

    „Und so war es ja auch einst, als der Mensch für denselben Preis die Freiheit und die Unfreiheit kaufen konnte, und der Preis war die Wahlfreiheit der Seele und das Engagement der Wahl. Da wählte er die Unfreiheit“ (Kierkegaard).

    Und seither verkündet er: Unfreiheit = Freiheit

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