Wie könnte eine libertäre Privatrechtsgesellschaft aufgebaut sein? Wie läuft das mit den Gefängnissen oder den Gerichten ab?Wie wird sich privates Recht herausbilden?Wie schafft man es ohne staatliche Armee ein großes Gebiet zu verteidigen? Würde nicht einfach das organisierte Verbrechen die Rolle des Staates einnehmen?Wie funktioniert das mit den einzelnen Versicherungen, welche in einer „Marktanarchie“ vermeintlich die Rolle von Polizei und Armee übernehmen sollen?

Die Frage „Wer baut die Straßen?“ geht am eigentlichen Thema vorbei und sorgt für eine Verschiebung von moralischen (Moral = universell bevorzugtes Verhalten) Gesichtspunkten auf utilitaristische Ansätze. Es geht nicht mehr um die Frage, ob ein staatlicher Monopolist gerechtfertigt handelt, wenn er Aggression in Form von Steuern gegen unschuldige Bürger durchsetzt, sondern es wird vom Voluntaristen verlangt, ein möglichst genaues System vorzuzeichnen, das dann gegen alle möglichen Fehler gefeit sein muss. Sicher ist Kritik an Vorschlägen gerechtfertigt, jedoch gibt es keine schlüssige Erklärung dafür, warum staatliche Aggression gerechtfertigt sein soll und das staatliche System anderen Menschen mit Gewalt aufgezwungen werden darf. Zusätzlich kommt hinzu, dass die Maßstäbe, die an die libertären Ideen gesetzt werden, nicht nur völlig unrealistisch sind, sondern auch nicht an das jetzige System angelegt werden. Warum das so ist, wird wohl ihr Geheimnis bleiben.

Aber abseits davon, dass staatliche Aggression nicht moralisch gerechtfertigt werden kann, sind staatliche monopolistische Ansätze immer ineffizient und absolut verschwenderisch. Um ein Beispiel aus dem nachfolgenden Buch zu nennen: Die US Army kauft Toilettensitze für 1000$ das Stück. Diese Ressourcenverschwendung ist nur in einem staatlichen System möglich, das keinem Wettbewerbsdruck unterliegt. Der Bürokratieapparat kann aufgrund des Mangels an Marktmechanismen einfach keine effiziente Kostenrechnung durchführen.

Einfache, praktische Lösungen verpackt in ein nur 54 Seiten langes Büchlein von Robert P. Murphy, übersetzt auf Deutsch. Dieses Buch soll Denkanstöße dafür geben, wie eine „Marktanarchie“ funktionieren könnte. Die Vorschläge stellen jedoch nur Möglichkeiten dar. Wenn die Freiheit bestehen würde, Systeme auszuprobieren, würde es womöglich anders als hier erdacht kommen, der Markt könnte noch viel bessere Lösungen für gesellschaftliche Probleme finden. Man muss ihn nur arbeiten lassen.

Besagter Mann ist außerdem sehr unterhaltsam in seinen zahlreichen Vorträgen auf Youtube(Englisch)

Viel Spaß bei der Lektüre

Julian Schmierer und Erik Vollstädt

Manuell Downloaden( Rechtsklick > speichern unter )

 

Videoempfehlung:


 

23 Responses to Die Privatrechtsgesellschaft im Praxistest – Buchtip !

  1. zapway sagt:

    Super, vielen Dank für den Text.
    gruss zap

  2. Dieter Zakel sagt:

    Ihr braucht euch mit der Privatrechtsgesellschaft nicht mehr befassen wenn Europa muslimisch wird…

  3. Claudius sagt:

    Was mich bei allen Theorien rund um die Privatrechtsgesellschaft immer stört, ist die offensichtliche Trennung von Markt und Gesellschaft. Eine Freie Marktwirtschaft, aufgebaut auf einen freien Wettbewerb, ist im Grunde doch ein elementarer Teil der heutigen Gesellschaft. Nun hat es aber in jeder Gesellschaft seit Menschengedenken freien Wettbewerb gegeben. Und jedes Mal haben irgendwelche Minderheiten die Vorherrschaft übernommen. Das war vor 100.000 Jahren vermutlich nicht anders als heute. warum glauben aber alle Anhänger der Privatrechtsgesellschaft, dass es über einen freien Markt anders laufen würde?
    Der Markt symbolisiert doch lediglich den Tausch von Ressoucen und Leistungen innerhalb einer Gesellschaft. Er ist also keine neue Errungenschaft, sondern er besteht zumindest schon seit Anbeginn der Menschheit.
    Den freien Markt nun als die Lösung aller Probleme schlechthin zu bezeichnen, entfernt sich deshalb komplett dem Bereich meiner Logik.
    Wenn der Staat also das größte Übel der Menschheit ist, wie soll man ihm dann entgegenwirken mit freiem Wettbewerb, aus dem er doch unbestreitbar direkt entstanden ist? Der Staat ist doch nicht gottgegeben, sondern vielmehr ein übermächtiges „Herrschaftsunternehmen“, das sich gegen alle anderen „Unternehmen“ in dieser Branche über den freien Wettbewerb durchgesetzt hat.

    Ich bin auch dafür, dass jegliche Macht einer Tyrannei durch deren tyrannisierte „Untertanen“ zerschlagen wird. Eine Gesellschaft ohne Herrschaftsmonopol ist jedoch utopisch. Denn dafür müsste sich die gesamte Menschheit ändern. Es ist schwierig, jedem ein Leben in völliger Eigenverantwortung vorzuschreiben, wenn doch die meisten Menschen das gar nicht können. Der Großteil braucht die Gesellschaft und jemanden, der sie „leitet“. Es gibt immer Menschen, welche diese Aufgabe übernehmen können und wollen. Herrschaft ist nichts schlechtes, solange ein freiwilliges Verhältnis besteht, die Herrschaft also sowohl von den Herrschenden, als auch von den Beherrschten bewilligt wird. Aber über kurz oder lang wird das „Amt“ des Anführers immer wieder missbraucht und für die eigenen Vorteile benutzt werden.

    Das „Vernichten“ eines bestehenden Monopols ist also niemals die endgültige Lösung. Es hat sogar Nachteile. Z.B. ist mit dem Ende eines Monopols auch die bestehende Ordnung zerstört. Zuerst einmal entsteht unweigerlich Chaos – eine Zeit, in der alle positiven Entwicklungen zum Stillstand kommen, ja sogar zurückgedrängt werden können. Nachdem die Gesellschaft auseinandergedriftet ist, wird sie aber aus praktischen Gründen schnell wieder zusammenfinden. Wieder wird eine Minderheit für neue Ordnung sorgen.

    Den besseren Weg sehe ich im Versuch, bestehenden Monopolen die Macht weitgehend zu entziehen und sie auf den Part der benötigten Ordnung zu reduzieren. Natürlich wird auch das nicht dauerhaft funktionieren. Immerhin bringt es aber weniger Nachteile als der Versuch einer herrschaftslosen Gesellschaft, für die einfach nicht alle Menschen bereit sind.
    Im Weiteren ist es dringend nötig, dass sich Einflussbereiche wieder zu regionalen – oder gar kommunalen Strukturen zurückentwickeln, da nur so die einzelnen Bedürfnisse berücksichtigt werden können und die notwendige Transparenz bestehen kann.

    • Hermann Messmer sagt:

      „Immerhin bringt es aber weniger Nachteile als der Versuch einer herrschaftslosen Gesellschaft, für die einfach nicht alle Menschen bereit sind.“

      Lieber Claudius,

      Was hältst Du stattdessen davon, diejenigen, die bereit sind ohne Herrschaft zu leben, denen das auch zu ermöglichen.
      Darum geht es nämlich, niemanden zu zwingen.
      Wer freiwillig einen Herrscher haben möchte, genau so wie Du es schreibst, der kann doch gerne seinen Herrscher haben.
      Aber diejenigen, die keinen haben wollen, diejenigen sollen nicht gezwungen werden einem Herrscher zu gehorchen.

      Das ist dann der freie Markt. Wer Kuchen haben möchte, kann sich den kaufen. Wer lieben Obst haben möchte, soll sich Obst kaufen.
      Wer Herrschaft möchte, soll sich einen Herrscher anstellen. Wer keine Herrschaft haben möchte, muß sich selbst um sein Leben kümmern.

      Ich möche mich selbst um mein Leben kümmern. Ohne Zwang eines Herrschers, eines Staates, einer Demokratie, einer sonstigen Zauberformel um mich zu beherrschen.

      Wenn andere noch nicht bereit sind ohne Herrscher zu leben, können sie doch gerne zusehen, wie gut oder schlecht das so ohne Herrscher für Voluntaristen oder Privatrechtfreaks läuft.
      Und dann später selbst entscheiden ob sie es sich auch mal zutrauen würden. Freiwillig.
      Darum geht es. Freiwillig.

      • Claudius sagt:

        „Ich möche mich selbst um mein Leben kümmern. Ohne Zwang eines Herrschers, eines Staates, einer Demokratie, einer sonstigen Zauberformel um mich zu beherrschen.“

        Ich weiß, es klingt paradox. Aber genau dafür sind Grundgesetze nötig. Stell Dir einmal vor, es gäbe nur ein einziges Gesetz, welches besagt, dass jeder Mensch das Recht hat, ohne äußeren Zwang in Eingenverantwortung zu leben. Wäre das Herrschaft? Nein! Ich bin mir sicher, fast jeder denkende Mensch würde einem solchen Gesetz sofort zustimmen. Solange sich dieses Gesetz dann halten würde, könnte sich kein Zwangsmonopol bilden (Natürlich ist auch das nur eine Frage der Zeit).

        An dieser Stelle wird wiederum oft das Gegenargument gebracht, dass dies in einer Privatrechtsgesellschaft ebenso möglich sei und jeder aus reiner Vernunft auf seine Vorherrschaft verzichte, wenn diese nicht von allen Vertragspartnern gewollt ist. Wie kommt man aber darauf, dass die Welt plötzlich so einfach sein soll? Ein machthungriger Psychopath wird auch in einer Privatrechtsgesellschaft mit allen Mitteln versuchen, sein Ziel zu erreichen. Er wird jede „Marktnische“ nutzen, um Macht zu erlangen. Der Markt sowie jeder freie Wettbewerb handelt der Natur entsprechend erst einmal nach dem Prinzip Angebot und Nachfrage. Die Nachfrage nach Herrschaft oder Fremdbestimmung ist, wie ich es schon erwähnt habe, aktuell sehr groß (Beispiel: Mode, Meinungsmache). Glaubst Du nicht auch, dass der erwähnte Psychopath (der ja nicht unbedingt dumm sein muss) dieses Potenzial nutzen würde?
        Und wer soll ihn dann noch aufhalten? Andere Psychopathen? Private Sicherheitsunternehmen? Niemals, die schwächen sich als Konkurrenz ja gegenseitig und würden vielleicht erst dann kooperieren, wenn es schon viel zu spät ist.

        Wie hat es Hitler denn zu seiner Führerposition geschafft und ein ganzes Volk dazu gebracht, ein anderes Volk abgrundtief zu hassen? Durch reine Propaganda! Warum denkt aktuell die breite Masse im „Westen“ völlig anders über den Ukrainekonflikt als die breite Masse der Bevölkerung Russlands? Medienpropaganda!
        Deutschlands Bürger würden sich aktuell vielleicht sogar von einem Fußball-Star führen lassen, obwohl er vermutlich gar nicht die nötige Kompetenz dafür besitzt. Egal, er wird geliebt und ist für viele ein Vorbild. Das genügt schon!

        Du siehst, das funktioniert heute genauso gut wie damals, da brauchen wir uns nichts vorzumachen. Es ist nunmal so, dass die meisten Menschen eher Mitläufer sind. Nur wenige sind Vordenker und „Lenker“. Solange das so bleibt, hilft auch eine Privatrechtsgesellschaft nicht gegen Machtausübung und Unterdrückung. Selbst wenn alle Unterdrücker gegeneinander konkurrieren, es wird immer einen geben, der sich aus der Masse heraushebt und seine Sache „besser“ macht als die anderen.

        Schön zu sehen ist dieses Prinzip bei allen Herdentieren. Meistens gibt es z.B. innnerhalb einer Hirschherde zwei oder mehrere (männliche) Tiere, die gerne die Führung übernehmen würden. Sie kämpfen gegeneinander und wer unterliegt ist „ausgeschieden“. Am Ende setzt sich nur ein einziger Hirsch durch, dem von da an die ganze Herde folgen wird.

  4. nlen sagt:

    „Ich weiß, es klingt paradox. Aber genau dafür sind Grundgesetze nötig. Stell Dir einmal vor, es gäbe nur ein einziges Gesetz, welches besagt, dass jeder Mensch das Recht hat, ohne äußeren Zwang in Eingenverantwortung zu leben. Wäre das Herrschaft? Nein! Ich bin mir sicher, fast jeder denkende Mensch würde einem solchen Gesetz sofort zustimmen. Solange sich dieses Gesetz dann halten würde, könnte sich kein Zwangsmonopol bilden (Natürlich ist auch das nur eine Frage der Zeit).“

    Das ist schon im Ansatz völlig falsch. Wenn es nötig wäre ein Grundgesetz zu erlassen, damit sich Menschen vertragen können, dann wäre die Idee einer freien Gesellschaft in der Tat eine Utopie.

    Doch das ist gerade nicht der Fall. Gesellschaftliche Ordnung kann sich immer nur aus 2 Prinzipien ableiten. Entweder aus einer beliebigen Willkür wie Staatten das machen oder aus freiwilliger Kooperation. Freiwillige Kooperation bedeutet auch, dass die Frage der Durchsetzung von kooperativen Normen damit verbunden ist. Kooperativ stehlen und morden geht also nicht. Also wenn man verbindlich kooperiert, dann unterwirft man sich auch einer freiwilligen Justiz für Kooperation, die nichts weiter tun muss als die Widersprüche zur freiwilligen Kooperation aufzulösen. Sonst nichts. Und das ist eine rein logische Angelegenheit.

    Ein Psychopath würde also einfach verurteilt oder ignoriert.

    Und erzähl uns hier keinen Unfug von Hitler.

  5. Claudius sagt:

    „Gesellschaftliche Ordnung kann sich immer nur aus 2 Prinzipien ableiten. Entweder aus einer beliebigen Willkür wie Staatten das machen oder aus freiwilliger Kooperation“

    Dann frage ich: Wer ist wohl verantwortlich für die Staatsmisere. Nur das „Staatsoberhaupt“ oder auch die Untertanen (Volk)?
    Machthaber gibt es in einem Staat nur wenige, meistens einen. Das Volk hingegen besteht für gewöhnlich aus einer Anzahl von mehreren millionen Menschen, von denen jeder einzelne in Kondition und Körperkraft dem Machthaber nicht unbedingt unterlegen sein muss (Bodybuilder oder Kampfkünstler als Machthaber kann es natürlich auch geben. Die zählen dann wie zwei oder mehrere Menschen).
    Wäre die Mehrzahl eines Volkes also nicht einverstanden mit dem Machtstaat und dessen Unterdrückungsmethoden, hätte es so etwas nie gegeben. Die Waffen, mit denen sich das Volk selbst unterdrückt, stellen übrigens nicht die Machthaber her, sondern das Volk.
    Hat es jemals freiwillige Kooperation gegeben, ohne erlassene Einschränkungen durch einen Diktator, Monarch oder Patriarch und wie hoch ist wohl die Wahrscheinlichkeit, dass ein solcher Zustand plötzlich eintreffen würde, wenn es keine Gesetze mehr gäbe?

    „Freiwillige Kooperation bedeutet auch, dass die Frage der Durchsetzung von kooperativen Normen damit verbunden ist. Kooperativ stehlen und morden geht also nicht. Also wenn man verbindlich kooperiert, dann unterwirft man sich auch einer freiwilligen Justiz für Kooperation, die nichts weiter tun muss als die Widersprüche zur freiwilligen Kooperation aufzulösen“

    Aber wie erklärst Du Dir dann, dass die breite Masse heute ganz offensichtlich den Staat toleriert, mehr noch, an ihn glaubt und ihn erhält, obwohl er doch das größte Abbild psychopathischen Abschaums in der Gegenwart ist? Auch der Staat kann nur deshalb Macht ausüben, weil seine Untertanen ihm diese Macht „freiwillig“ verleihen. Nach deinen Theorien würde aber eigentlich kein Mensch die Gesetze des Staats befolgen. Der Staat würde verurteilt und die Verantwortlichen bestraft werden, weil sie die freiwillige Kooperation der Gesellschaft zerstören.
    Ist das der Fall? Wurde der Staat bereits durch freiwillige Kooperation ersetzt? Nein! Und warum nicht? Weil die meisten Menschen gar nicht fähig sind zu bemerken, dass sie betrogen und ausgenommen werden. Erst dann wenn eine Person ihres Vertrauens es ihnen direkt sagt stellen sie es fest. Im Moment vertrauen die meisten Menschen aber vor allem dem Staat, bzw. dem wahren Machtinstrument, den Medien. Um sich vom bestehenden Staat loszumachen bräuchte das Volk einen neuen Machthaber, ein „Vorbild“, dem es vertrauen und der es führen kann. Frei wird die Gesellschaft also niemals werden, solange das Herdenprinzip herrscht.

    Nur allein die Theorie, dass etwas funktionieren würde, wenn die Voraussetzungen anders wären – die Voraussetzungen sind aber nummal nicht anders! – das bringt uns auch nicht weiter. Die Privatrechtsgesellschaft kann derzeit nicht funktionieren. Wären die Menschen aber bereit dafür, hätte ich auch nichts dagegen und dann würde so etwas wie eine Herrschaftslose Gesellschaft ganz von selbst entstehen.
    Ich möchte trotzdem niemanden davon abhalten, die Privatrechtsordnung auszuprobieren.

    „Und erzähl uns hier keinen Unfug von Hitler.“

    Was ist Unfug an dem was ich geschrieben habe? Klär mich auf, ich würde es gerne wissen! 🙂

  6. nlen sagt:

    „Hat es jemals freiwillige Kooperation gegeben, ohne erlassene Einschränkungen durch einen Diktator, Monarch oder Patriarch und wie hoch ist wohl die Wahrscheinlichkeit, dass ein solcher Zustand plötzlich eintreffen würde, wenn es keine Gesetze mehr gäbe?“

    Die hat auch schon TROTZ erlassener Einschränkungen gegeben. Das Lex mercatoria ist ja das beste Beispiel dazu. Daraus ist überhaupt erst das internationale Handels“recht“ entstanden, weil es dann nur okkupiert wurde.

    Was eine dumme Frage.

    • Claudius sagt:

      Na die Frage scheint ja nicht dumm gewesen zu sein, zumal Du mit Deiner Antwort ja direkt zugestimmt hast. Ich habe nicht gefragt, ob es jemals freiwillige Kooperation gegeben hat. Dass so etwas funktioniert und der einzig vernünftige Weg für jede zukünftige Gesellschaftsform ist, sollte eigentlich jedem klar sein. Der Alltag eines jeden Menschen basiert seit jeher auf freiwilliger Kooperation!
      Meine Frage war, ob es jemals gesellschaftliche Kooperation gegeben hat, die völligen Handelsfreiraum erfahren konnte und keinen Gesetzen und Einschränkungen eines Machthabers unterworfen war. Du hast dies mit nein bestätigt, folglich gibst Du mir Recht, dass ein solcher Zustand utopisch und schon allein aufgrund dieser Tatsache eine Privatrechtsgesellschaft gar nicht möglich ist.

      • nlen sagt:

        „Meine Frage war, ob es jemals gesellschaftliche Kooperation gegeben hat, die völligen Handelsfreiraum erfahren konnte und keinen Gesetzen und Einschränkungen eines Machthabers unterworfen war. “

        Was ist denn jetzt auf einmal „gesellschaftliche“ Kooperation? Kooperation als Volk?
        Hat es wahrscheinlich noch nie gegeben.

        Ansonsten sind Deine Kenntnisse über die Ethnien wohl begrenzt. Natürlich gab es solche auch ohne Machthaber.

  7. nlen sagt:

    „Die Waffen, mit denen sich das Volk selbst unterdrückt, stellen übrigens nicht die Machthaber her, sondern das Volk.“

    Was ist denn „das Volk“ in dem Zusammenhang? Das sind ja keine Menschen, sondern das ist Dein vermutetes Kollektiv. Ich darf z.B. keine Waffen herstellen, sonst wandere ich sonst wo hin.
    Selbst wenn die Mehrheit das gut fände, wenn ich Waffen herstellen würde, würde das nichts nützen, weil die Mehrheitsansichten eh keine Auswirkung haben wie die elementaren Gesetze erlassen, interpretiert und exekutiert werden.

    Ein Einzelner kann an dieser Gewalt nichts ändern. Dementsprechend gibt es Leute, die sich angepasst haben. Entweder verhalten sie sich passiv wie ich (um nicht in den Knast zu gehen oder erschossen zu werden) oder wissen nicht was sie davon halten sollen und gehen den Weg des geringsten Widerstandes oder sie glauben den Scheiß entweder ganz oder teilweise oder sie leben sogar davon (wie Du) und befördern es. Letztere sitzen auch überall an den Schalthebeln, denn z.B. mit mir ist ja kein Staat zu machen (im Gegensatz zu Dir). Die würden mir sagen: „Wir können Sie hier aber leider nicht gebrauchen.“ Und das ist nur die offene, höfliche Variante.

    Deshalb ist es irrelevant, über die Traumatisierung der Bevölkerung Vermutungen anzustellen, denn diese besteht NUR innerhalb der staatlichen Gesellschaft und nicht in der freien Gesellschaft, die es hier gar nicht gibt.
    Und diese Gesellschaftsstruktur gerät zunehmend in einen labilen Zustand, wenn man nur mal den Mauerfall als Beispiel nimmt.

    • Claudius sagt:

      „Was ist denn “das Volk” in dem Zusammenhang? Das sind ja keine Menschen, sondern das ist Dein vermutetes Kollektiv. Ich darf z.B. keine Waffen herstellen, sonst wandere ich sonst wo hin.
      Selbst wenn die Mehrheit das gut fände, wenn ich Waffen herstellen würde, würde das nichts nützen, weil die Mehrheitsansichten eh keine Auswirkung haben wie die elementaren Gesetze erlassen, interpretiert und exekutiert werden.“

      Du beschreibst ein völlig verzerrtes Realitätsbild. Weißt Du überhaupt wie Hierarchie funktioniert? Das lässt sich am besten anhand einer sogenannten Machtpyramide beschreiben. Der kleinste Teil (die Spitze der Pyramide) hat den höchsten Rang und bildet die oberste Hierarchieebene. Dieser Teil hat den größten Einfluss, aber die kleinste Gewalt, da er gegenüber jeder anderen Ebene der Machtpyramide in absoluter Unterzahl dasteht. Es gibt immer nur eine Person, die diesen Platz einnehmen kann.
      Die zweite Machtebene in der Hierarchie bilden die direkten Untergebenen der obersten Stufe, welche wiederum die nächste Ebene unter sich befehligen. So geht das immer weiter nach unten.
      Umso geringer der Einfluss der verschiedenen Ebenen ist, desto mehr vergrößert sich für gewöhnlich die Anzahl der „Vertreter“ der jeweiligen Ebene – Paradox, aber wahr.
      Jedes Unternehmen funktioniert nach diesem Prinzip. Jedes Projekt und jede Feier wird nach dieser Ordnung organisiert. In jeder Familie und Gesellschaft existiert Hierarchie. Und immer da, wo eine solche Ordnung sich nicht bilden kann, entsteht Chaos. Keine Kooperation kommt dann zustande. Schon allein wenn sich in einem Unternehmen zwei Menschen die oberste Einflussposition streitig machen, geht es diesem Unternehmen gar nicht gut. Auf Dauer wird es Pleite gehen, da jeder der zwei „Anführer“ in beinahe jedem Punkt anderer Meinung sein wird als der andere. Eine Lähmung käme zustande und es könnte nicht mehr auf mögliche finanzielle Gefahren reagiert werden, es sei denn einer der Beiden setzt sich durch, erlangt die alleinige Macht und macht die Gesetze.

      Wenn Du Dir also eine Privatrechtsgesellschaft vorstellst, einen Markt der ohne Machteingriffe funktionieren soll, dann darf es dort auch keine rechtsprechende Hierarchie geben.
      Das erste Resultat kann dann nur Unordnung sein, Es entsteht Anomie (Gesetzlosigkeit). Der zweite Schritt ist die Machtergreifung des einflussreichsten „Marktteilnehmers“. Jemand übernimmt die Herrschaft über den gesamten Markt und sorgt für Ordnung nach seiner eigenen Willkür. Für echte Anarchie ist bei diesem ganzen Prozess kein Platz. Anarchie gibt es nicht. Das ist eine Erfindung von Träumern und zugegeben, auch ich träume des öfteren auch gerne von einem solchen Zustand.

      Die von Anarchisten immer so verfluchte Polizei – und Militärgewalt, also die Hierarchieebene mit dem größten Gewaltenpotenzial in einem Staat, bildet lediglich die zweitunterste Stufe in der Pyramide. Unter ihr stehen dann nur noch die Untertanen (der „gewöhnliche Bürger“). Die Menschen, welche die Waffen für Polizei und Militär herstellen, sind exakt in diese unterste Stufe einzuordnen.
      Mit „Volk“ meine ich übrigens die heutige öffentliche Definition dieses Wortes im Bezug auf die Menschliche Spezies. Gemeint ist die Masse von Menschen, die einem Herrscher im regionalen oder nationalen Bereich (im Rahmen einer Hierarchie) gehorcht.

      „oder sie leben sogar davon (wie Du) und befördern es. Letztere sitzen auch überall an den Schalthebeln, denn z.B. mit mir ist ja kein Staat zu machen (im Gegensatz zu Dir)“

      Wie kommst Du denn darauf, mich in diese Stufe einzuordnen? Ich selbst könnte mich eher libertär nennen. Ich lehne den Gewaltstaat ab und bin gegen jegliche Art von Gewaltandrohung und den damit verbundenen Zwang. Ich bin auch überhaupt kein Herrscher – oder Anführertyp. Das einzige was ich hier mache, ist zu versuchen, grundliegende Irrtümer aufzudecken, auf denen Theorien entstehen, die in ihrer Praktizierung der Menschheit eher schaden würden, als sie weiterzubringen. Für typische Förderer des bestehenden Gewaltstaats gibt es wohl weit bessere Beispiele als mich. Zum Beispiel die unwissenden 95% der Menschheit, die es noch aufzuklären gilt! 🙂

      • Tom sagt:

        ich glaube du hast ein völlig falsches Bild von einer Privatrechtsgesellschaft. Auch dort gibt es Hierarchien, mit der einschränkung, dass sie freiwillig sind. Ein Angestellter stellt sich freiwillig unter dem Chef. Wenn er das nicht mehr will, dann kündigt er. Aufgezwungene Hierarchie ist immer a priori falsch, unmoralisch und geht immer zum Nachteil der Gezwungenen

      • Hermann Messmer sagt:

        @Claudius

        „Niemals, die schwächen sich als Konkurrenz ja gegenseitig und würden vielleicht erst dann kooperieren, wenn es schon viel zu spät ist.“
        „Jedes Unternehmen funktioniert nach diesem Prinzip…..“

        Ich finde es faszinierend, das Mitmenschen, die kein Unternehmen führen, doch so gut wissen wie Unternehmen funktionieren.
        Die Marktteilnehmer bekämpfen oder schwächen sich. Der Bäcker schwächt den anderen Bäcker. Das eine Autohaus schwächt das andere Autohaus. Das Sicherheitsunternehmen bekämpft das andere Sicherheitsunternehmen, sie schwächen sich bis es zu spät ist. Lieber Claudius, Du bist auf dem Holzweg.
        Ich würde vorschlagen, mal den Kopf einzuschalten und nachzudenken, wie man selbst ein Unternehmen führen kann. Irgendwann, nach langem Nachdenken, wird sich ein Geistesblitz einstellen, der einem sagt, lass den Wettbewerber in Ruhe, kämpfe um die Kunden. So funktioniert ein Unternehmen. Du brauchst als Unternehmer nicht gegen andere kämpfen. Du mußt den ganzen Tag um etwas kämpfen. Um die Mitarbeiter. Um Kunden. Um die besten Ideen. Um Aufträge. Nicht gegen…..
        Lieber Claudius, Du schreibst von Medienpropaganda. Könnte sie an Deinen Gedankengängen etwas manipuliert haben? Könnte es sein, dass Du deshalb ein Grundgesetz möchtest, weil Du noch nie wirklich Kooperation von Personen oder Unternehmen durchdacht hast?
        Die Aufgabe des Staates ist es heute, die Kooperation der Menschen durch Angstmache zu unterbinden.
        Du glaubst, die Unternehmen schwächen sich und siehst gleichzeitig, dass der Staat Preisabsprachen der Wettbewerber und Zusammenschlüsse durch Kartellbehörden zu verhindern versucht. Gib Dir das nicht zu denken?
        Ich hatte vor einigen Wochen einen Studenten hier, der sich um ein Praktikum beworben hat. Linkssozialistische Gedankengänge aber sehr gute Zeugnisse. Ich wollte ihn unbedingt haben. Habe um Ihn geworben. Er hat abgesagt. Es haben in der Vergangenheit auch schon mal Mitarbeiter gekündigt, die ich gerne gehalten hätte.
        Wenn ein Mitarbeiter mir erklärt, er geht jetzt nicht an die Arbeit, obwohl er einen entsprechenden Vertrag hat, was kann ich mit der Hierarchie jetzt machen? Ich kann den Vertrag kündigen. Genau so wie er. Hierarchie? Erklär mir das mit der Hierarchie in Deinem Sinn bitte nochmal. Warum bleiben die nicht, obwohl ich das so will? Hierarchie?
        Glaub dran so wie Du es beschreibst. Aber nenn dich dann bitte nicht libertär. Eine freiwillige Hierarchie ist eine Aufgabenteilung, ein Netzwerk, eine Kooperation.
        Bitte verwechsele Hierarchie nicht mit Herrschaft oder einer Herrschaftsstruktur.

        Ich brauche kein Grundgesetz. Ich komme mit Tom und nlen auch so klar.
        Überlege bitte auch, ob Du nicht einen Gedanken vorraussetzt, der unnötig ist. Es geht nicht um alle. Es geht nicht um „die Gesellschaft“. Es geht nicht um die Menschheit.
        Es geht um eine kooperative Gruppe. Das können auch nur zwei Menschlein sein.
        Durch das kollektivistische Gedankengut wird das ICH nicht mehr ausreichend gedacht. Deine Kommentare haben viel „Menschheit“, „Staat“, „Gesellschaft“. Es hört sich sehr kollektivistisch an. Nicht libertär.

        • Claudius sagt:

          „Die Marktteilnehmer bekämpfen oder schwächen sich. Der Bäcker schwächt den anderen Bäcker. Das eine Autohaus schwächt das andere Autohaus. Das Sicherheitsunternehmen bekämpft das andere Sicherheitsunternehmen, sie schwächen sich bis es zu spät ist“

          Teile und Herrsche! Dieses Prinzip hat immer schon funktioniert, da stimme ich mit Dir überein. Männer gegen Frauen, Juden gegen Moslems, Deutsche gegen Türken, Unternehmen gegen andere Unternehmen. Einem marktwirtschaftlichen Unternehmen geht es normalerweise mehr um die eigenen Vorteile, als um die Vorteile der Gemeinschaft, ansonsten entstünde ja überhaupt nicht der so oft angepriesene Wettbewerb. Wenn ich als Leiter eines Sicherheitsunternehmens nun einen Psychopathen bei seiner Machtergreifung stoppen möchte, bin ich dazu erst bereit, wenn ich feststelle, dass diese Machtergreifung auf eigene Nachteile hinauslaufen würde. Wird mein Sicherheitsunternehmen nun aber von vornherein mit dem Großauftrag konfrontiert, den Psychopathen bei seinem Vorhaben zu unterstützen und ihm sicheres Geleit zu gewähren – im Gegenzug erhalte ich von ihm unendlichen Reichtum und die Zusage, auch in Zukunft in seinen Diensten stehen zu dürfen – dann handle ich mit meiner Zusage zum eigenen Vorteil. Mag sein, dass nicht alle Unternehmer so agieren würden, aber einigen Großunternehmern kann man eine gewisse Gier dieser Art schon vorwerfen!
          Kommt nun also ein anderes Sicherheitsunternehmen mit dem Auftrag von einer freien kooperativen Gesellschaft, den Psychopathen auf seinem Weg zum Thron der Macht aufzuhalten, treffen die beiden Fronten unweigerlich aufeinander. Es geht um viel Kapital und das bedeutet Krieg. Die Unternehmen kooperieren nun nicht mehr, sondern hindern sich gegenseitig an ihrer Arbeit, sie schwächen sich also. Es kann auch sein, dass beide Unternehmen dann sofort ihren Vertrag kündigen, weil sie feststellen, dass ein Krieg keinem Vorteile bringt. Aber der Psychopath kann auch ein großes Idol für viele Marktteilnehmer sein und seine psychopathische Seite verheimlichen (wie das heute meistens abläuft). Dann werden sich ihm auch genügend Menschen freiwillig anschließen. Und auch in diesem Falle werden vermutlich nicht gleich alle Sicherheitsunternehmen kooperieren, da ihre Eigentümer im Detail zuerst einmal ganz verschiedene Ziele und Methoden anstreben. So und nicht anders ist meine Aussage zu verstehen. Natürlich schwächen sich nicht alle Unternehmen. Das habe ich auch überhaupt nicht sagen wollen. Manche schließen sich sogar zusammen und kooperieren, was aber von Anarchisten auch nicht gern gesehen wird, weil sich auch daraus wiederum ein Gewaltmonopol bilden könnte.
          Die These, dass die Bildung eines Monopols in einer Anarchie nicht möglich sei, wage ich zu belächeln und eigentlich geht es mir nur darum in meinen Kommentaren.

          „Du schreibst von Medienpropaganda. Könnte sie an Deinen Gedankengängen etwas manipuliert haben? Könnte es sein, dass Du deshalb ein Grundgesetz möchtest, weil Du noch nie wirklich Kooperation von Personen oder Unternehmen durchdacht hast?“

          Natürlich könnte das sein. Alles könnte sein. Vielleicht bin ich in wirklichkeit auch gar kein Mensch, sondern ein Außerirdischer aus einer Welt, in der alles anders funktioniert.
          Allerdings entstehen meine Gedankengänge vor allem durch Beobachtungen meiner vertrauten Umgebung und der Gesellschaft wie ich sie wirklich wahrnehme. Ich wage es nicht, irgendwelche Logiken und Automatismen mit dem menschlichen Wesen in Zusammenhang zu bringen, noch weniger, Scheinwahrheiten von irgendwelchen selbsternannten Experten einfach bedenkenlos anzunehmen. Aber natürlich muss ich zugeben, dass auch meine Beurteilungen über die beobachteten Begebenheiten in der Gesellschaft durch äußere Einflüsse vermutlich extrem verfälscht sind. Es ist immer schwierig, „die eine“ Wahrheit herauszufinden, besonders dann, wenn sich die Frage nach einer Wahrheit gar nicht stellt.

          „Wenn ein Mitarbeiter mir erklärt, er geht jetzt nicht an die Arbeit, obwohl er einen entsprechenden Vertrag hat, was kann ich mit der Hierarchie jetzt machen?“

          Selbstverständlich. Du kannst ihn nicht zwingen, weil Du nicht die Gesetze des Staates machst. Du hast nicht die Gewaltenhoheit. Aber sehr wohl kannst Du die Regeln innerhalb Deines Unternehmens bestimmen und jeden Mitarbeiter, der für Dich arbeitet und der sich auf Deinem Privateigentum (was ja in wirklichkeit Staatseigentum ist) befindet dazu zwingen, sich an Deine Regeln zu halten. Du bist mit Deinen Gesetzen lediglich eingeschränkt in den Punkten, um die sich der Staat „kümmert“. Du kannst z.B. einem Mitarbeiter damit drohen, ihn zu kündigen, wenn er weiterhin bei seiner Arbeit Pfuscht. Aber jede kleine Hierarchie ist natürlich wiederum nur ein „Zahnrad“ in einer großen, übergeordneten Hierarchie. Die bedeutendste Hierarchie ist momentan der Staat. Alle kleinen Unternehmen müssen im Grunde nach der Pfeife der mächtigsten Person im größten Unternehmen auf dem Markt, dem Staat (Marktvorstand), tanzen und zwar vom Vorstand bis zur Aushilfe.
          Nun gibt es aber keinen wirklich elementaren Unterschied zwischen dem Unternehmen Staat und bspw. dem Unternehmen Bäcker. Beide funktionieren im Grunde nur dann, wenn alle Beteiligten mitmachen. Würden alle Bürger eines Staats „streiken“, weil sie nicht mehr zufrieden sind mit ihrem Machthaber, also auch alle Polizisten und alle Militärs, was glaubst Du wie lange es diesen Machthaber dann noch gäbe, wenn er nicht sofort sein Programm auf „Gerechtigkeit“ umschalten würde?
          Gleich ist das mit einem Unternehmen. Wenn alle Mitarbeiter um höhere Löhne streiken und der Unternehmer nicht reagiert, wird seine Firma nicht mehr lange bestehen. Aber – und das ist beim Staat genau das Gleiche – die Mitarbeiter dieses Unternehmens müssten sich nach dessen „Untergang“ nun einen Arbeitsplatz bei einem neuen Unternehmen suchen, oder selbst eines gründen. Wenn der Staat seine Macht verliert, würden sich die Menschen entweder einem Anderen Staat, bzw. Herrscher anschließen, oder irgendwer würde Initiative ergreifen, ein neues Monopol gründen und sich selbst zur Spitze der Machtpyramide „krönen“.

          „Bitte verwechsele Hierarchie nicht mit Herrschaft oder einer Herrschaftsstruktur.“

          Ähm, aber genau das ist die Definition dafür 🙂 Hierarchie (zusammengesetzt aus ἱερός, hieros, „heilig“ und ἀρχή, archē, „Führung, Herrschaft) bedeutet direkt übersetzt „heilige Herrschaft“. Sagt zumindest Wikipedia. Ob heilig oder nicht, Herrschaft ist Herrschaft. Oder hast Du eine andere Idee was damit gemeint sein könnte?
          Übrigens ist Herrschaft nichts negatives. Du verwechselst das Wort vermutlich mit Unterdrückung oder Tyrannei. Herrschaft definiert genau das was Du als Unternehmer ständig machst: Die Führung auf frewilliger Basis sowohl der „Führer“ als auch der „Geführten“.

          „Aber nenn dich dann bitte nicht libertär. Eine freiwillige Hierarchie ist eine Aufgabenteilung, ein Netzwerk, eine Kooperation.“

          Warum darf ich mich nicht libertär nennen? Muss jeder Libertäre an Anarchie glauben? Es gibt zum Beispiel auch die Minarchie, zu der ich neige. Soweit ich weiß fällt die Minarchie auch mit unter den Libertarismus, auch wenn sie eher im Zusammenhang mit dem Liberalismus steht. Vielleicht kann man mich auch in eine sozialistisch-liberalistische Ecke schieben, da ich zwar den Machtstaat gerne zum minimalstaatlichen Ordnungsrahmen veringert hätte, aber gleichzeitig auch der Überzeugung bin, dass die Aneignung von Privateigentum nicht der richtige Weg ist, bzw. jemand z.B. ein Grundstück nur besitzen, es aber niemals zu seinem Eigentum machen kann. Aber gegen die skrupellose legale Aneignung von jeglichem Privateigentum sind Anarchisten ja auch, sonst würden sie nicht den Staat ablehnen. Im Rahmen einer Privatrechtsgesellschaft sind wir im Grunde ja alle Eigentum des „Staatsbesitzers“. Aber das will ja eigentlich keiner!
          Eigentlich möchte ich gar nicht gerne in irgendeine Schublade geschoben werden und ich bin auch nicht stolz darauf, wenn jemand mich mit „Sozialist“, „Anarchist“, „Nationalist“ oder sonst einem Begriff benennt. Eigentlich wäre ich gerne ein Mensch und ich glaube diese Ansicht teile ich mit den meisten anderen Menschen.

          Zum Zitat von Tom: „Aufgezwungene Hierarchie ist immer a priori falsch, unmoralisch und geht immer zum Nachteil der Gezwungenen“

          Das sehe ich genauso. Würdest Du meine oberen Kommentare gelesen und verstanden haben, wüsstest Du auch, dass ich nichts gegen eine Privatrechtsgesellschaft einzuwenden habe, im Gegenteil! Vielmehr bin ich der Überzeugung, dass so etwas nicht funktionieren kann und der Versuch einer anarchistischen Gesellschaft uns in noch schlimmere Unterdrückungsmodelle führen könnte. Ausprobiert kann es trotzdem werden. Im Grunde wäre das auch keine Katastrophe.

          An dieser Stelle möchte ich mich von hier gerne verabschieden. Es war eine „nette“ Konversation. Aber jetzt scheint es in eine Diskussion auszuarten und sowas mag ich nicht, weil schlussendlich niemand etwas davon hat.

          • Hermann Messmer sagt:

            Hallo Claudius,

            „Aber gegen die skrupellose legale Aneignung von jeglichem Privateigentum sind Anarchisten ja auch, sonst würden sie nicht den Staat ablehnen. Im Rahmen einer Privatrechtsgesellschaft sind wir im Grunde ja alle Eigentum des “Staatsbesitzers”.“

            Legal?
            Privateigentum?
            Privatrechtgesellschaft?
            Eigentum?
            Staatsbesitzer?

            Wenn Worte keine Bedeutung haben, beliebig ohne Inhalt aneinandergereiht werden, ist ein Erkenntnisgewinn nicht gewünscht. Weder beim gegenüber noch bei sich selbst.

            „Nette“ Konversation?

            Unsinn, es ist Zeitverschwendung.

      • nlen sagt:

        „Wenn Du Dir also eine Privatrechtsgesellschaft vorstellst, einen Markt der ohne Machteingriffe funktionieren soll, dann darf es dort auch keine rechtsprechende Hierarchie geben.“

        Die soll es da ja auch nicht geben. Die Machteingriffe sind durch die Ordnung der Kooperation automatisch legitimiert oder es sind Verbrechen.

        „Das erste Resultat kann dann nur Unordnung sein, Es entsteht Anomie (Gesetzlosigkeit). Der zweite Schritt ist die Machtergreifung des einflussreichsten “Marktteilnehmers”. Jemand übernimmt die Herrschaft über den gesamten Markt und sorgt für Ordnung nach seiner eigenen Willkür.“

        Das ist exakt die Beschreibung für das was wir heute haben. Es gibt eine rechtsprechende Hierarchie namens Staat. Und das erste Resultat ist nur Unordnung. Es entsteht Anomie (Gesetzlosigkeit). Der Staat ist mit seiner Machtergreifung der einflussreichste “Marktteilnehmer” und übernimmt die Herrschaft über den gesamten Markt und sorgt für „Ordnung“ nach seiner eigenen Willkür. Für Anarchie ist bei diesem ganzen Prozess kein Platz.

        „Anarchie gibt es nicht. Das ist eine Erfindung von Träumern und zugegeben, auch ich träume des öfteren auch gerne von einem solchen Zustand.“

        Anarchie gibt es physisch in der Tat nicht, genauso wie es keinen physischen Äquator oder physischen Meter gibt. Das sind Ideen. Deren Wert ist metaphysisch. Das sind Ideen, die immer noch einen Sinn machen. Genau wie Mathematik. Es gibt auch Ideen die keinen Sinn machen wie staatstheoretische Demokratie oder Konstrukte wie Rechtsstaat. Das sind dann die Utopien. Und genau für die machst Du hier Werbung. Du bist komplett auf dem Holzweg und bildest Dir auch noch ein, „zu versuchen, grundliegende Irrtümer aufzudecken, auf denen Theorien entstehen, die in ihrer Praktizierung der Menschheit eher schaden würden, als sie weiterzubringen“. LOL

  8. NikoN sagt:

    Liebe Community,

    ich bin begeistert von dem Prinzip der Privatrechtsgesellschaft und möchte auch wirklich daran „glauben“, dass es funktioniert. Allerdings gibt es einige Dinge, die ich mir nicht erklären kann. Ich wäre wirklich froh, wenn jemand mir helfen kann!
    Also: Während der Epoche der Industrialisierung ging die Einkommensschere zwischen Unternehmer und Arbeitnehmer immer weiter auseinander. Die Löhne wurden immer niedriger, sodass viele elendig verstarben.
    Meine Frage ist: Warum sollte das in einer PRG anders sein?
    Die Einkommensunterschiede entstehen ja meines Erachtens aus dem Eigeninteresse des Unternehmers: er behält sich mehr Geld vor und gibt den Arbeitern weniger.
    Eigentlich sollten die Arbeitnehmer ja bei einem zu niedrigen Lohn kündigen und einen anderen Arbeitsplatz suchen. Leider waren aber die Bedingungen überall ähnlich.
    Im voraus danke für die Antwort!

    • Claudius sagt:

      Hallo NikoN,

      aus anderen (oben genannten) Gründen glaube ich selbst nicht, dass die Privatrechtsgesellschaft funktionieren kann. Doch zu Deiner Frage kann ich Dir eine Antwort geben 🙂
      Wenn wir einmal ganz ehrlich sind, ist die Lohnsituation im heutigen Staat auch nicht wirklich besser als damals zur Zeit der Industrialisierung. Wenn es da einen Unterschied gibt, liegt das nicht an den besseren Gesetzen, sondern an anderen Dingen wie eine effektivere und günstigere Produktion. Also kann es mit dem Wegfall des Staats nur besser werden, denn es müsste in einer Privatrechtsordnung niemand mehr Steuern abführen.

      • nlen sagt:

        „Während der Epoche der Industrialisierung ging die Einkommensschere zwischen Unternehmer und Arbeitnehmer immer weiter auseinander“

        Der ganze Mythos der „Sozialen Frage“, die in der Literatur bis zum Abwinken immer wieder hoch gekocht und ausgewalzt wurde, ist längst wissenschaftlich widerlegt.

      • Hermann Messmer sagt:

        Hallo NikoN,
        hier ein gutes Statement zu dem Thema.

        http://globalefreiheit.de/article/275

        Liebe Grüße
        Hermann

        • NikoN sagt:

          Vielen Dank für den Link! Wie kommt es dann aber zu einem so konträren Bericht Engels und anderer Autoren (z.B. Marx)?

          • Hermann Messmer sagt:

            Lieber NikoN,
            Ich kann nur Vermutungen anstellen. Die Intellektuellen haben gesehen, dass durch die Ideen (Arbeitsteilung, Dampfmaschine….) einige Wenige davon mehr als Andere profitiert haben. Sie verschweigen das enorme Bevölkerungswachstum zu der Zeit. Die Menschen haben sich in der Zeit mehr als vervierfacht. Das dabei Hunger und Elend keine Ausnahme bleibt, sollte klar sein. Man kann das einfach ignorieren oder aber das Wachstum als Wahnsinnsleistung begreifen. Einige Menschen haben mehr Glück, Ehrgeiz, Beziehungen, Fleiß, Ausdauer … gehabt, die sind reich geworden. Man kann dann auch eine Theorie entwickeln, warum das „ungerecht“ ist. Damit wird dann die Theorie des „Mehrwertes der Arbeitsleistung des Arbeiters“ losgetreten und wem die den nun zusteht. Dem Arbeiter oder dem Unternehmer. Zuvor auf dem Dorf, bei dem Bauern und dem Knecht hat niemand danach gefragt. Mit so einem Bauchgefühl-Wort „ungerecht“ kann dann in der Dichte der Stadt auf Dummenfang gegangen werden. Wichtig dabei ist auch, dass viele Menschen lesen und schreiben gelernt haben. Durch Zeitungen sind viele Menschen schnell erreichbar und verführbar geworden. Die Leute haben aber überhaupt keine Ahnung gehabt, was „Recht“, „Unrecht“ den tatsächlich sein könnte. Sie denken nicht darüber nach. Sie laufen mit der verführten dummen Masse mit. Am Ende füttern sie ihre Verführer noch mit ihrem „Arbeitsmehrwert“ durch. So wie heute. Ob eine Marx und Engels das was sie geschrieben haben selbst geglaubt haben weiß ich nicht. Es ist anzunehmen. Aber auch heute gehen viele Menschen fundamentalen Grundsatzdiskussionen aus dem Weg. Sie spüren die Gefahr, dass sie Ihre liebgewordene Meinung über Bord werfen müssten. Es ist menschlich, am Bisherigen festzuhalten und das Neue abzulehnen. Aber es ist nicht sinnvoll.
            Liebe Grüße
            Hermann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.



FreiwilligFrei.de
Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de