von Tommy Casagrande

Heutzutage meint man, es habe die Aufklärung gegeben, die den Westen von anderen Kulturkreisen unterscheidet. Man meint, es war die Aufklärung, die den Zweifel an absoluten Überzeugungen vorantrieb, da, umso mehr man zu wissen begann, zugeben musste, dass man eigentlich nichts weiss, bzw. dass man ein Gefühl dafür entwickelte, wieviel an Unwissenheit wohl noch vor einem liegen möge. Das sollte absolutistische Tendenzen in ihre Schranken weisen, von denen angenommen wurde, dass sie zur Gewalt führen. So stritt der sich für aufgeklärt haltende Mensch gegen die Religion, weil er die all zu überzeugten Menschen als Gefahr für den Frieden ausmachte.

Ich möchte beweisen, dass die Aufklärer sich geirrt haben und dass das Verständnis darüber, was Aufklärung ist, bewusst oder unbewusst falsch gesäht wird.

Aufklärung Heute ist zu dem geworden wogegen sie einst kämpfte. Heutzutage wird sie vom Staat finanziert und mittels des staatlichen Bildungsmonopols jenen Menschen näher gebracht, die unfreiwillig alldem ausgesetzt sind. Die Ideale der Aufklärung bedienen sich der gewaltstaatlichen Mittel und fließen so in die Köpfe der Menschen hinein.

Aufklärung hat einst versucht, die Gewalt zu beseitigen indem sie versuchte, die Überzeugten zum zweifeln an ihren Überzeugungen zu bringen. Doch das war der falsche Denkansatz. Denn wenn man diesen Denkansatz verfolgt, dann wäre es legitim, mit Gewalt, den Zweifel zum neuen Dogma zu erheben. Was wäre damit anders ? Die Gewalt bliebe.

Eine inhaltliche Auseinandersetzung ändert keine Strukturen. Sie belässt die Strukturen und setzt lediglich andere Inhalte an die selbe Stelle. Das jedoch ignoriert die Tatsache, dass Strukturen maßgeblich das Wesen, wie Inhalte sich zeigen, beeinflussen. Das Wasser in einer einer trichterförmigen Kanne hat schließlich auch eine andere Form als das Wasser einer rechteckigen Kanne. Das Wesen des Inhalts passt sich dem Gefäß an.

Heutzutage werden mittels Steuern naturwissenschaftliche Erkentnisse erforscht und vorangetrieben um auf ihnen Gesetze zu erlassen, die das Leben der Menschen verbessern sollen, obwohl es dabei das Leben der Menschen immer weiter einschränkt, was all zu oft nicht als eine Verbesserung empfunden wird, da Menschen tendentiell dann das Gefühl haben, dass sich etwas verbessert, wenn sie merken, dass sie mehr Möglichkeiten haben als zuvor (und nicht weniger).

Die Aufklärung bedient sich in unserem gegenwärtigem System der gewaltmonopolistischen Bildungsstrukturen und des gewaltmonopolistischen Elementes der Besteuerung. Somit wird sie zum Dogma der gegenwärtigen Epoche (und provoziert dabei vielleicht auch eine esoterische Gegenbewegung die den Erkenntnissen der Schulmedizin immer skeptischer gegenübersteht ?). Tatsache ist, die Aufklärung bedient sich unfreiwilliger Strukturen. Derer aber bediente sich einst schon die Religion in Form der Kirche.

Die Aufklärung ist gescheitert, so lautet mein Resumee. Denn Aufklärung muss zu aller erst für das Freiwilligkeitsprinzip eintreten. Es steht an erster Stelle. Die Auseinandersetzung mit religiös motivierter Gewalt hätte nicht inhaltlich geführt werden dürfen. Zumindest nicht ausschließlich und ebenso wenig tendentiell. Denn die inhaltliche Auseinandersetzung zwischen aufgeklärten Positionen und religiösen Positionen über die Legitimation von Gewalt, führte dazu, dass die Menschen zwar teilweise zum zweifeln begonnen haben oder auch vom Glauben abfielen, dass aber dadurch kein Zustand der Gewaltlosigkeit gewonnen wurde. Es wurde der Zustand der religiös motivierten Gewaltlosigkeit gewonnen. Aber der Zustand staatlicher Gewalttätigkeit wurde geboren. Man hat einfach nur A gegen B eingetauscht. Die strukturelle Gewalt, der Heute die Menschen unterworfen sind, basiert oft auf naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. Sobald herausgefunden wird, dass etwas schädlich sein kann, wird es verboten. Und die Forschung darüber was alles schädlich ist, kennt kein Ende. Sie kann, je nachdem wie Schädlichkeit definiert wird, immer mehr umfassen, sodass man zum Schluss auch zur Überlegung kommen kann, dass, überhaupt geboren worden zu sein, zu leben, bereits schädlich ist.

Aufklärung kann nur dann sein, was sie meint, wenn Freiwilligkeit das oberste Prinzip darstellt. Nur, wenn ich beharre, dass Freiwilligkeit der moralischte und ethischte Grundsatz ist, den wir Menschen zu leben fähig sind, kann ich sowohl religiös motivierte Gewalt als auch staatlich motivierte Gewalt in seine Schranken weisen. Andernfalls tausche ich stets das eine gegen das andere aus und rechtfertige die neue Gewaltstruktur damit, die andere verhindern zu wollen. Aus diesem Kreislauf gäbe es kein entkommen, es würde sich abwechseln wie die Gezeiten.

 

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2 Responses to Aufklärung – die nicht erfüllte Verheißung

  1. Zef sagt:

    Freiwilligkeit: Jede Geistesbewegung stirbt, wenn Zwang und Gewalt ins Spiel kommen. In der Welt des Geistes ist die Form (das Wie) die Reduplikation des Inhalts.

    Freiheit: Alles Werden geschieht durch Freiheit. Sobald man definitiv auf das Werden und nur auf das Werden reflektiert, kann man verstehen, dass durch Zwang und Gewalt an sich nie etwas ‚wird‘. Das Werden selbst ist stets die Veränderung der Wirklichkeit durch Freiheit. Die Freiheit ist der Pulsschlag des Werdens. Ohne den Würgegriff von Zwang und Gewalt atmet und lebt das Werden auf. So wird’s was.

    Das Bestehende, das Allgemeine vs
    das Andere, das Neue, das Außerordentliche…:

    >… vom Staat finanziert

    Das geht gar nicht!

    Das berechtigte Außerordentliche soll einen neuen Ausgangspunkt für das Allgemeine bringen. (Nur dann ist es „berechtigt“ und nicht nur individuelle Extravaganz). Das berechtigte Außerordentliche soll es daher schwer haben, und das Bestehende soll sich kräftig dagegen stemmen.

    Wenn eine Zeit charakterlos/sophistisch wird, will das Außerordentliche, dass das Allgemeine ihm behilflich ist. Das ist heutzutage der Regelfall: das Allgemeine soll (und will) dafür dasein, dass sich die Ausnahmen immer mehr her-ausnehmen. Beides irrt.

    Berechtigte Ausnahme bedeutet stets:
    „extra ordinem“ auf eigene Verantwortung, aus eigener Kraft, auf eigene Rechnung.

    Was sich so entwickelt, das kann sich als „berechtigt“ erweisen, das kann der „neue Ausgangspunkt“ für das Allgemeine werden: Statt Zwang und Gewalt – FwF

    Kein Rühren im Gewaltsystem, kein Marsch durch seine Institutionen und Subventionen, sondern ein freier Weg durch die Wirklichkeit des Werdens.

    Das wird schon! 🙂

  2. […] Aufklärung – die nicht erfüllte Verheißung […]

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