Hans-Hermann Hoppe

[Text of speech delivered at the 14th Philosophicum Lech, 24 Sept. 2010]

Das Problem gesellschaftlicher Ordnung

Robinson Crusoe, allein auf seiner Insel, kann tun und lassen was er will. Die Frage nach Regeln eines geordneten menschlichen Zusammenlebens stellt sich fuer ihn nicht. Diese Frage kann naturgemaess erst auftreten, wenn eine zweite Person, Freitag, die Insel betritt. Doch auch dann bleibt die Frage so lange irrelevant, so lange es keine Knappheit gibt. Angenommen, es handele sich bei der Insel um das Schlaraffenland. Alle aeusseren Gueter existieren im Ueberfluss. Sie sind “freie Gueter,” so wie die Luft, die wir atmen, ueblicherweise ein “freies” Gut ist. Was auch immer Robinson mit diesen Guetern gegenwaertig anstellt, seine Handlungen haben weder Rueckwirkungen auf seinen eigenen zukuenftigen Guetervorrat, noch auf den gegenwaertigen oder zukuenftigen Vorrat derselben Gueter seitens Freitag (und umgekehrt). Es ist deshalb ausgeschlossen, dass es zwischen Robinson und Freitag jemals zu einem Konflikt hinsichtlich der Verwendung dieser Gueter kommen kann. Ein Konflikt ist erst dann moeglich, wenn Gueter knapp sind, und erst dann wird es zum Problem, Regeln zu finden, die ein geordnetes – konfliktfreies – Zusammenleben ermoeglichen.

Im Schlaraffenland gibt es nur ein knappes Gut: den physischen Koerper einer Person und dessen jeweiligen Standplatz. Robinson und Freitag haben jeweils nur einen einzigen Koerper und Standplatz. Sie koennen nicht gleichzeitig an mehreren Standorten anwesend sein, und sie koennen nicht gleichzeitig saemtliche ihrer Beduerfnisse befriedigen. Vielmehr muessen sie unaufhoerlich zwischen besseren und schlechteren Standorten und vorrangigen und nachrangigen Beduerfnissen waehlen. Doch damit kann es zwischen Robinson und Freitag auch zu Konflikten kommen: Robinson und Freitag koennen nicht gleichzeitig denselben Standplatz einnehmen wollen, ohne dabei in einen physischen Konflikt miteinander zu geraten. Deshalb muss es selbst im allgemeinen Ueberfluss des Schlaraffenlandes Regeln des Zusammenlebens geben – Regeln hinsichtlich der Platzierung und raeumlichen Bewegung von Personen. Und ausserhalb des Schlaraffenlandes, im Reich der Knappheit, muss es darueber hinaus Regeln geben, die den Umgang nicht nur mit Personenkoerpern und ihren Standplaetzen, sondern mit allen knappen Guetern so ordnen, dass saemtliche moeglichen Konflikte ausgeschlossen werden koennen. Dies ist das Problem gesellschaftlicher Ordnung.

Die Problemloesung: die Idee des Privateigentums

Vorschlaege zur Loesung des Problems gesellschaftlicher Ordnung gibt es viele, und diese Vorschlagsvielfalt hat dazu beigetragen, dass die Suche nach einer einzigen, “korrekten” Problemloesung vielfach fuer illusorisch gehalten wird. Und doch gibt es eine seit langem bekannte korrekte Loesung, und fuer einen moralischen Relativismus besteht deshalb keinerlei Grund. Die Loesung des Problems gesellschaftlicher Ordnung ist die Idee des Privateigentums.

Zunaechst formuliere ich die Loesung fuer den speziellen Fall des Schlaraffenlandes und anschliessend fuer den allgemeinen Fall einer Welt, die durch all-umfassende Gueterknappheit gekennzeichnet ist.

Im Schlaraffenland besteht die Loesung in einer einfachen Regel, die bestimmt, dass jede Person ihren Koerper ueberall platzieren und hinbewegen darf, vorausgesetzt nur, dass diese Standorte nicht bereits vorher von den Koerpern anderer Personen eingenommen worden sind. Und ausserhalb des Schlaraffenlandes besteht die Loesung in vier logisch miteinander verbundenen Regeln.

Erstens: Jede Person ist der private (exklusive) Eigentuemer ihres physischen Koerpers. In der Tat, wer sonst, wenn nicht Robinson, sollte der Eigentuemer von Robinson’s Koerper sein? Freitag, oder Robinson und Freitag gemeinsam? Aber dann wuerde Konflikt nicht zweckgemaess vermieden, sondern erzeugt und vorprogrammiert!

Zweitens: Jede Person ist darueber hinaus privater Eigentuemer aller derjenigen natur-gegebenen Gueter (Dinge), die sie zuerst als knapp wahrgenommen und mit Hilfe ihres eigenen Koerpers zu nutzen und bearbeiten begonnen hat, d.i., bevor dieselben Gueter von anderen Personen als knapp wahrgenommen und benutzt wurden. Wer sonst, wenn nicht der erste Nutzer, sollte ihr Eigentuemer sein? Der zweite Nutzer, oder der erste und der zweite gemeinsam? Doch dann wuerde Konflikt wiederum zweckwidrig erzeugt, statt vermieden!

Drittens: Jede Person, die mit Hilfe ihres Koerpers und anderer von ihr “urspruenglich” angeeigneter Dinge (Gueter) dann weitere Gueter herstellt, wird damit zum Eigentuemer dieser zusaetzlichen Gueter, vorausgesetzt nur, dass sie im Produktionsprozess nicht die physische Integritaet des Eigentums anderer Personen unaufgefordert verletzt.

Viertens: Nachdem ein Gut erstmals von einer Person angeeignet worden ist, indem diese, wie John Locke es ausgedrueckt hat, ihre Arbeit mit ihm “gemischt” hat, kann Eigentum an ihm und allen weiteren, mit seiner Hilfe hergestellten Gueter nur noch auf dem Weg einer freiwilligen, d.i., wechselseitig vorteilhaften und konfliktfreien, Eigentumstiteluebertragung von einem frueheren auf einen spaeteren Eigentuemer erfolgen.

An dieser Stelle kann ich mir eine ausfuehrliche, sowohl ethische als auch oekonomische Rechtfertigung dieser Regeln ersparen. Das ist andernorts geschehen. Hier gilt es nur folgendes kategorisch festzuhalten.

Entgegen der vielfach gehoerten Behauptung, es handele sich bei der gerade erlaeuterten Institution des Privateigentums nur um eine Konvention, muss vielmehr dies konstatiert werden: Eine Konvention dient einem Zweck und es gibt zu ihr eine Alternative. So ist zum Beispiel das lateinische Alphabet eine Konvention. Es dient dem Zweck der schriftlichen Kommunikation und es gibt zu ihm eine Alternative, wie z. B. das kyrillische Alphabet. Doch was ist der Zweck von Regeln bzw. Normen? Gaebe es keine interpersonellen Konflikte – d.h. gaebe es aufgrund einer praestabilierten Harmonie der Interessen aller Personen nie eine Situation, in der zwei oder mehr Personen ein- und dasselbe Gut einer unterschiedlichen (inkompatiblen) Nutzung zufuehren wollen – dann benoetigte man keinerlei Normen. Es ist der Zweck von Normen, ansonsten unvermeidbaren Konflikt zu vermeiden. Eine Norm, die Konflikte erzeugt, anstatt sie zu vermeiden, widerspricht dem Sinn einer Norm. Es ist eine dys-funktionale Norm bzw. eine Perversitaet. Hinsichtlich des Zwecks der Konfliktvermeidung ist die Institution des Privateigentums nun aber ersichtlich keine blosse Konvention Denn es gibt zu ihr keine Alternative. Nur privates (exklusives) Eigentum macht es moeglich, dass alle ansonsten unvermeidbaren Konflikte tatsaechlich vermieden werden koennen. Und nur wenn privates Eigentum in letzter Instanz auf urspruengliche individuelle Aneignungsakte zurueckgeht, ist es moeglich, dass jeder moegliche Konflikt von Anfang der Menschheit an vermieden werden kann. Denn nur eine erste Aneignung eines zuvor unangeeigneten Gutes kann konfliktfrei erfolgen, einfach deshalb, weil (per definitionem) niemand zuvor irgendetwas mit dem Gut zu tun gehabt haben kann.

Das Problem der Normdurchsetzung und des Privateigentumschutzes: der Staat

So wichtig die Einsicht in die Alternativlosigkeit der Einrichtung des Privateigentums als Mittel der Konfliktloesung ist, sie reicht doch nicht aus, um auch tatsaechlich soziale Ordnung zu schaffen. Denn auch wenn jedermann weiss, wie Konflikte vermieden werden koennen, so ist es doch moeglich, dass Personen Konflikte gar nicht vermeiden wollen, sondern sich von ihnen persoenliche Vorteile (auf Kosten anderer) erhoffen. In der Tat, so lange Menschen sind wie sie sind, wird es auch Moerder, Raeuber, Diebe und Betrueger geben, die sich nicht an die erlaeuterten Regeln halten. Eine jede Sozialordnung benoetigt darum, um Bestand zu haben, Mechanismen, die dafuer sorgen, dass Regelbrecher erfolgreich in Schach gehalten werden. Doch wie ist diese Aufgabe zu loesen, und durch wen?

Die Standardantwort auf diese Frage lautet: dies, d.h., die Durchsetzung von Recht und Ordnung, ist die vornehmste (und einzige) Aufgabe des Staates. Das ist insbesondere die Antwort, die seitens des klassischen Liberalismus gegeben wird, auch von meinem persoenlichen intellektuellen Lehrmeister, dem grossen oesterreichischen Wirtschafts- und Gesellschaftstheoretiker Ludwig von Mises. Ob diese Antwort zutrifft, haengt davon ab, was der Staat ist. Der Staat ist, dieser Standardantwort zufolge, nicht einfach eine normale, spezialisierte Firma. Statt dessen wird der Staat als eine Agentur definiert, die durch zwei besondere, logisch verbundene Merkmale gekennzeichnet ist. Erstens (und entscheidend) ist der Staat eine Agentur, die ein territoriales Monopol der Letztentscheidung bezueglich saemtlicher Konfliktfaelle ausuebt. Der Staat ist der ultimative Schiedsrichter bei allen Konfliktfaellen, einschliesslich solcher, in die er bzw. seine Agenten selbst verwickelt ist bzw. sind. Es gibt keine hoehere Appellationsinstanz als den Staat selbst. Und zweitens besitzt der Staat ein territoriales Monopol der Besteuerung. Das heisst, der Staat kann einseitig, ohne die Zustimmung saemtlicher Betroffener, den Preis bestimmen, den die auf “seinem” Territorium ansaessigen Personen fuer die Finanzierung seiner letzt-richterlichenTaetigkeit bezahlen muessen.

Der Grundirrtum des Etatismus

So weitverbreitet diese Standardantwort und die ihr entsprechende Auffassung von der Notwendigkeit und Wuenschbarkeit der Einrichtung eines Staates als eines territorialen Monopolisten ultimativer Rechtsprechung ist, so steht sie doch im eklatanten Widerspruch zu elementaren ethischen und oekonomischen Grundsaetzen und Gesetzen.

Zunaechst: Zwei unter Oekonomen und politischen Philosophen nahezu einhellig akzeptierte Aussagen sind diese:

– Erstens: Jedes “Monopol” ist aus Sicht von Konsumenten “schlecht.” Monopol ist dabei in klassischer Weise definiert als ein einem einzigen Dienstleistungs- oder Gueterproduzenten verliehenes Privileg, d.h. als Abwesenheit “freien Eintritts” in einen bestimmten Produktionsbereich. Nur ein Produzent, A, darf ein bestimmtes Gut, X, herstellen. Ein solcher Monopolist ist “schlecht” fuer Konsumenten weil, vor potenziellen Anbieterkonkurrenten geschuetzt, der Preis seines Produkts hoeher und dessen Qualitaet niedriger sein wird als bei freier Konkurrenz.

– Und zweitens: Die Produktion von Recht und Ordnung bzw. von “Rechtssicherheit,” ist die erstrangige Aufgabe eines “Staates” (so wie er gerade definiert worden ist). Sicherheit wird dabei in der weiten, in der amerikanischen Unabhaengigkeitserklaerung verwendeten Bedeutung verstanden: als Schutz von Leben, Eigentum und dem persoenlichen Gluecksstreben, vor innerer und aeusserer Aggression, d.h. Kriminalitaet und Krieg.

Beide Aussagen sind offenkundig miteinander unvereinbar. Doch hat dieser Umstand Oekonomen und Philosophen nur selten Sorgen bereitet. Und wenn doch, so ist es die typische Reaktion, die ausnahmslose Geltung der ersteren, nicht aber der letzteren Aussage in Zweifel zu ziehen. Dabei gibt es schlagende theoretische Guende (und Berge empirischer Evidenz) dafuer, umgekehrt die Geltung letzterer Aussage zu bestreiten.

Als territoriales Monopol der ultimativen Rechtsprechung und Rechtsdurchsetzung ist der Staat nicht nur irgend-ein Monopolist, wie z.B. ein Milchmonopolist oder ein Automonopolist, der Milch oder Autos von vergleichsweise geringerer Qualitaet und zu hoeheren Preisen produziert. Im Unterschied zu allen uebrigen Monopolisten kann der Staat ausser minderwertigen Guetern vielmehr auch Un-Gueter produzieren. In der Tat, er muss erst Un-Gueter produzieren, ehe er irgendetwas herstellen kann, das dann als (minderwertiges) Gut angesehen werden kann.

Wenn eine Agentur Letztentscheidungsbefugnis in saemtlichen Faellen von Konflikt hat, dann hat sie diese Befugnis auch bezueglich aller Konfliktfaelle, die sie selbst involvieren. Dementsprechend muss es erwartet werden, dass der Monopolist nicht bloss als Vermeider und Schlichter von Konflikten taetig wird, sondern dass er insbesondere auch selbst Konflikte herbeifuehrt oder provoziert, um sie dann zu seinen eigenen Gunsten zu entscheiden. Wenn man nur an den Staat appellieren kann, um Gerechtigkeit zu erfahren, wird Gerechtigkeit zunehmend zugunsten des Staates pervertiert. Hieran koennen auch “Verfassungen” und “oberste Gerichte” nichts aendern. Denn es handelt sich hierbei doch immer um Staats-Verfassungen und Staats-Gerichte. Welche “Begrenzungen” diese Verfassungen einem Staat in seinem Tun auch immer auferlegen moegen, die Entscheidung darueber, ob sein Handeln rechtens oder unrechtens ist, wird in allen Faellen von Personen getroffen, die selbst Agenten des Staates sind. Es ist daher voraussehbar, dass die Definition von Privateigentum und Eigentumsschutz kontinuierlich zugunsten der legislativen Gewalt des Staates veraendert und ausgehoehlt wird. An die Stelle eines ewigen, unverrueckbaren – erkenn- und einsehbaren – Rechts tritt willkuerliche Gesetzgebung.

Mehr noch, als Letztentscheidungsinstanz verfuegt der Staat auch ueber territoriale Steuer-hoheit, d.h. er darf einseitig, ohne die Zustimmung aller davon Betroffenen, den Preis festlegen, den die ihm unterworfenen Privatrechtssubjekte fuer das staatlich erbrachte, pervertierte Recht zu entrichten haben. Eine steuerfinanzierte Agentur, die beansprucht, Leben und Eigentum zu schuetzen, ist freilich ein Widerspruch in sich: ein enteignender Eigentumsschuetzer. Motiviert wie jedermann durch Selbstinteresse und Arbeitsleid, aber ausgestattet mit der einzigartigen Befugnis Steuern zu erheben, ist es darum zu erwarten, dass die Agenten des Staates stets versuchen werden, die Ausgaben fuer Sicherheit zu maximieren und gleichzeitig die tatsaechliche Produktion von Sicherheit zu minimieren. Je mehr Geld man ausgeben kann und je weniger man dafuer leisten muss, umso besser dran ist man.

Weitere etatistische Irrtuemer: der demokratische Staat

Neben dem Grundirrtum des Etatismus gibt es noch weitere, spezielle Irrtuemer bezueglich des besonderen Falles eines demokratischen Staates, die hier zumindest kurz angesprochen werden muessen. (Eine ausfuehrliche Behandlung dieses Themas ist ebenfalls andernorts erfolgt.)

Die traditionelle, vor-moderne Form des Staates ist die einer (absoluten) Monarchie. Der Monarchie als Staatsform wurde jedoch vorgeworfen, insbesondere auch von klassisch liberaler Seite, dass sie unvereinbar mit dem ehernen Grundsatz der “Gleichheit aller vor dem Gesetz” sei und statt dessen auf personellen Privilegien beruhe. Darum, so wurde argumentiert, galt es den monarchischen Staat durch einen demokratischen Staat zu ersetzen. Indem man jedermann gleichberechtigte Teilnahme an und Zutritt zu der Staatsregierung gewaehre, statt diese einer privilegierten Klasse von Adligen vorzubehalten, meinte man, dem Grundsatz der Gleichheit aller vor dem Gesetz entsprechen zu koennen.

In Wahrheit ist diese “demokratische Gleichheit” jedoch etwas voellig anderes, und gaenzlich unvereinbar mit der Idee eines universellen Rechtes, das fuer jedermann gleichermassen, ueberall und immer Geltung besitzt. Der vormalige, beanstandete Dualismus des Rechts – eines hoeheren Rechts der Koenige und Adligen und eines niederen Rechts der Untertanen – bleibt unter demokratischen Bedingungen weiterhin in Kraft, wenn auch in anderer Gestalt. Er verwandelt sich nurmehr in einen Dualismus von sogenanntem “oeffentlichen Recht” auf der einen Seite und “Privatrecht” auf der anderen, sowie der Ueberlegenheit des ersteren gegenueber dem letzteren. Unter demokratischen Bedingungen hat jede Person ein gleiches Eintrittsrecht in die Staatsregierung. Jeder kann sozusagen Koenig werden, nicht nur ein privilegierter Personenkreis. Es gibt von daher in der Demokratie keine personellen Privilegien oder privilegierte Personen. Doch gibt es funktionelle Privilegien und privilegierte Funktionen. Solange und insofern eine Person in offizieller (staatlicher) Funktion taetig ist, unterliegt ihr Handeln den Bestimmungen des “oeffentlichen Rechts” und nimmt sie damit eine privilegierte Position gegenueber Personen ein, die unter der Autoritaet des blossen Privatrechtes stehen. Als staatliche Funktionstraeger duerfen Personen Handlungen durchfuehren, die ihnen als blossen Privatpersonen strikt – als kriminell – untersagt sind. Insbesondere duerfen “oeffentlich Bedienstete” ihre eigene Taetigkeit durch Steuern finanzieren oder subventionieren. Das heisst, sie muessen ihr Einkommen nicht, wie bei Privatrechtssubjekten der Fall, durch den Verkauf von Guetern oder Dienstleistungen erzielen fuer die es freiwillig zahlende Abnehmer gibt, sondern sie duerfen einseitig auferlegte Zwangsabgaben erheben. Kurz: sie duerfen als Staatsbedienstete das tun und davon leben, was im normalen Privatrechtsverkehr als Diebstahl und Diebesbeute gilt. Privilegien – und der Unterschied zwischen Herrschern und Untertanen – verschwinden also nicht unter demokratischen Verhaeltnissen. Vielmehr: Anstatt Diebstahl und Herrschaftsausuebung auf nur einen Koenig und wenige Adlige zu begrenzen, wie unter monarchischen Bedingungen, erlaubt es die Demokratie allen Personen, zum Dieb zu werden und sich an der Diebesbeute zu beteiligen.

Unter demokratischen Bedingungen wird sich von daher die fuer ein jedes Monopol der ultimativen Rechtsprechung und –durchsetzung voraussagbare Tendenz, den Preis fuer Recht und Ordnung stetig zu verteuern und Recht qualitativ zunehmend durch Unrecht zu ersetzen, nicht vermindern, sondern voraussehbar nur noch weiter verstaerken. Als Erb-Monopolist betrachtet ein Koenig bzw. Prinz “sein” Territorium und die unter seiner Rechtshohheit stehenden Bewohner als sein persoenliches (vererbliches) Eigentum, und er ist mit der monopolistischen Ausbeutung dieses seines “Eigentums” befasst. Dies Monopol und die Praxis monopolistischer Ausbeutung verschwindet in der Demokratie nicht. Was in der Demokratie vielmehr geschieht, ist dies: an die Stelle von Koenig und Adel, die das Land als ihr Erb-Eigentum betrachten und es entsprechend ausbeuten, treten temporaere und beliebig austauschbare Verwalter desselben Landes. Diese Verwalter sind und begreifen sich nicht als Eigentuemer des betreffenden Landes, aber so lange sie in offizieller Funktion handeln, ist es ihnen gestattet, das Land zu ihren eigenen Gunsten und dem ihrer Guenstlinge auszubeuten. Das heisst: demokratische Herrscher verfuegen ueber ein zeitlich begrenztes Nutzungsrecht bezueglich eines Landes – usufruct – aber sie sind nicht die Eigentuemer des Kapitalstocks, den das Land repraesentiert. Ausbeutung hoert damit nicht auf. Im Gegenteil: die Ausbeutung wird weniger berechnend – weil sich ein  Verwalter, im Gegensatz zu einem Eigentuemer, wenig oder gar nicht um die Rueckwirkungen seiner gegenwaertigen Handlungen auf den Wert des Kapitalstocks kuemmert. Ausbeutung wird kurzsichtig und fuehrt zu erhoehtem Kapitalverzehr.

Die Loesung: Privatrechtsgesellschaft statt Staatsordnung

Wenn der Staat und insbesondere der demokratische Staat nachweislich untauglich ist, soziale Ordnung aufrechtzuerhalten; wenn er, anstatt Konflikte vermeiden zu helfen, selbst Quelle andauernden Konfliktes ist; und wenn er, anstatt Rechtssicherheit zu gewaehrleisten, selbst durch Gesetz-gebung andauernd Unsicherheit schafft und Recht durch Willkuer ersetzt, dann stellt sich unausweichlich die Frage nach der korrekten – offenkundig nicht-etatistischen Loesung des Problems sozialer Ordnung: von Recht und Rechtsdurchsetzung (Sicherheit).

Die Loesung ist eine reine Privatrechtsordnung, d.i., eine Gesellschaft, in der jede Person und Institution ein- und denselben (eingangs erlaeuterten) Rechtsregeln unterworfen ist. Es gibt in dieser Gesellschaft kein sogenantes “oeffentliches Recht”, das Staatsangestellten funktionelle Privilegien gegenueber blossen Privatpersonen einraeumt, und kein “oeffentliches Eigentum.” Es gibt kein ultimatives Rechtsmonopol und kein Steuerprivileg. Es gibt in dieser Gesellschaft nur Privateigentum und ein fuer jedermann gleichermassen gueltiges Privatrecht. Demzufolge ist es niemandem gestattet, Eigentum anders zu erwerben als durch urspruengliche Aneignung, durch Produktion oder freiwilligen Austausch. Und niemandem ist es gestattet, eine andere Person an der freien Nutzung ihres privaten Eigentums zu hindern. Das heisst, jede Person ist berechtigt – mit ihrem Eigentum – bei der Herstellung aller beliebigen Gueter und Dienstleistungen mit jeder anderen Person in Wettbewerb um freiwillig zahlende Kunden zu treten.

Konkret im Hinblick auf unser Problem bedeutet dies: die Produktion von Sicherheit (Recht und Ordnung) wird in einer Privatrechtsgesellschaft von frei finanzierten und im freien Wettbewerb miteinander stehenden Dienstleistern und Dienstleistungsunternehmen erledigt, genauso wie die Produktion aller uebrigen Gueter und Dienstleistungen.

Es waere vermessen, die genaue Struktur der sich in einer Privatrechtsgesellschaft herausbildenden und entwickelnden “Sicherheitsindustrie” voraussagen zu wollen. Doch stellt es keine Schwierigkeit dar, einige zentrale Unterschiede herauszuarbeiten, die eine privatrechtlich organisierte Sicherheitsindustrie ebenso grundlegend wie vorteilhaft von der gegenwaertigen, sattsam bekannten staatlichen Produktion von (Un-)Recht und (Un-)Ordnung unterscheiden.

Obwohl Selbstverteidigung im Rahmen einer komplexen, arbeitsteiligen Gesellschaft nur eine zweitrangige Rolle bei der Produktion von Sicherheit spielen wird (aus unten noch zu erlaeuternden Gruenden), so gilt es doch zunaechst festzuhalten, dass in einer Privatrechtsgesellschaft jedermanns Recht, sich selbst gegenueber Angreifern auf seine Person und sein Eigentum verteidigen zu duerfen, unbestritten ist. Im Unterschied zur gegenwaertigen, etatistschen Praxis, die Buerger zunehmend zu entwaffnen und Angreifern wehrlos auszuliefern (wehrlose Bueger schuetzen schliesslich auch den Staat bei der Steuereintreibung!), ist der private Besitz von Waffen in einer Privatrechtsgesellschaft sakrosankt. Und wie man aus der Erfahrung des keineswegs wilden, sogenannten Wilden Westens sowie einer grossen Zahl neuerer empirischer Untersuchungen ueber den Zusammenhang von Waffenbesitz und Kriminalitaet weiss, ist die Kriminalitaetsrate umso niedriger, je hoeher und weitverbreiteter der private Waffenbesitz ist. More guns, less crime!

Doch so wie man in einer entwickelten Wirtschaft in aller Regel nicht seine eigenen Schuhe, Anzuege, Fernsehapparate oder Telefone produziert, so ist es zu erwarten, dass man sich auch hinsichtlich der Produktion von Sicherheit weitgehend auf die Vorteile der Arbeitsteilung verlaesst, und das umso mehr, je mehr Eigentum eine Person besitzt bzw. je reicher eine Gesellschaft insgesamt ist. Der Grossteil des Angebots an Sicherheitsleistungen wird von daher zweifellos seitens spezialisierter und miteinander im Wettbewerb um freiwillig zahlende Klienten stehender Unternehmen erbracht werden: durch diverse private Polizei-, Versicherungs- und Schlichtungsagenturen.

Wollte man den entscheidenden Unterschied einer privatrechtlich organisierten Sicherheitsindustrie zur gegenwaertigen etatistischen Praxis in einem einzigen Wort zusammenfassen, so waere dies: Vertrag. Der Staat operiert als ultimativer Rechtsmonopolist in einem vertragslosen rechtlichen Vakuum. Es gibt keinen Vertrag zwischen Staat und Buerger. Es ist nicht fixiert, wem was als Eigentum gehoert und was es darum zu schuetzen gilt. Es ist nicht fixiert, welche Leistung staatlicherseits erbracht wird, was im Fall der Nichterbringung dieser Leistung geschieht, noch was der Preis ist, den der “Kunde” fuer eine derartige “Leistung” zu zahlen hat. Vielmehr setzt der Staat die Regeln des Spiels einseitig fest und kann sie waehrend des Spiels, per Gesetzgebung, einseitig veraendern. Ein derartiges Verhalten ist fuer frei finanzierte Sicherheitsanbieter ersichtlich ausgeschlossen. Man stelle sich nur einmal einen Sicherheitsanbieter vor, gleichgueltig ob Polizei, Versicherer oder Schlichter, dessen Angebot darin besteht, zu sagen: ich garantiere Dir vertraglich gar nichts: weder sage ich Dir zu, welche Sachen es denn konkret sind, die ich als “Dein Eigentum” zu schuetzen gedenke, noch sage ich Dir, was ich mich zu tun verpflichte, wenn ich meine Leistung Deiner Auffassung zufolge nicht erbringe – aber ich behalte mir in jedem Fall das Recht vor, einseitig den Preis fuer meine dermassen undefinierte Leistung festzulegen. Ein solcher Anbieter wuerde mangels Kunden sofort vom Markt verschwinden. Jeder private, frei finanzierte Sicherheitsproduzent muss seinen prospektiven Kunden darum einen Vertrag anbieten. Und diese Vertraege muessen, um freiwillig zahlenden Kunden annehmbar erscheinen zu koennen, klare Eigentumsbeschreibungen sowie klar und eindeutig definierte wechselseitige Leistungen und Verpflichtungen enthalten, und sie koennen waehrend ihrer vereinbarten Geltungsdauer nur im wechselseitigen Einverstaednis aller Betroffenen veraendert werden.

Aus diesem Grundvorzug ergeben sich all uebrigen Vorzuege einer privatrechtlich organisierten Sicherheitsindustrie.

So sorgt der Wettbewerb unter frei finanzierten Sicherheitsagenturen zunaechst dafuer, dass der Preis fuer Sicherheit (per Werteinheit) tendenziell faellt, waehrend er unter gegenwaertigen monopolistischen Bedingungen staendig steigt.

Darueber hinaus sorgt Wettbewerb dafuer, dass es weder zur Ueber- noch zur Unterproduktion von Sicherheit kommt, sondern das Gut Sicherheit den Stellenwert einnimmt, den ihm freiwillig zahlende Konsumenten tatsaechlich zumessen. Sicherheitsgueter und –leistungen stehen im Wettbewerb mit allen anderen Guetern und Leistungen. Je mehr Geld fuer die Produktion von Sicherheit aufgewendet wird, umso weniger Geld bleibt, um andere Beduerfnisse, wie z. B. nach einem Auto oder Urlaub, zu befriedigen. Aehnlich sind Sicherheitsleistungen, die einer Personengruppe A zugutekommen, nicht mehr verfuegbar fuer eine andere Gruppe B. Unabhaengig von freiwilligen Konsumentenentscheidungen und frei vom Druck, Verluste vermeiden zu muessen, sind die diesbezueglichen Entscheidungen des Staates (wie viel Sicherheit und fuer wen?) grundsaetzlich willkuerlich. In einem System wettbewerblich betriebener Sicherheitsproduktion verschwindet diese Willkuer. Sicherheit erhaelt die ihr in den Augen der Konsumenten angemessen erscheinende relative Bedeutung, und niemandes Sicherheit wird auf Kosten der Sicherheit anderer beguenstigt. Jeder erhaelt soviel Sicherheit, wie es seiner persoenlichen Zahlungsbereitschaft entspricht.

Doch insbesondere sind die Vorteile einer auf vertraglicher Basis beruhenden Produktion von Recht und Ordnung inhaltlich-qualitativer Natur.

Da ist zunaechst das Problem der Verbrechensbekaempfung. Der Staat ist hier notorisch ineffizient, weil die Bezahlung seiner mit dieser Aufgabe betreuten Agenten aus Steuermitteln, d.h. unabhaengig von ihrer Produktivitaet, erfolgt. Warum sollte man arbeiten, wenn man auch fuer das Nichtstun belohnt wird? Mehr noch, es darf sogar unterstellt werden, dass die staatlichen Verbrechensbekaempfer ein gewisses Interesse an einer hohen Kriminalitaetsrate haben, weil sich auf diese Weise hoehere Budgetzuweisungen rechtfertigen lassen. Und noch schlimmer: bei der staatlichen Verbrechensbekaempfung spielt das Opfer und die Opferentschaedigung keinerlei nennenswerte Rolle. Der Staat entschaedigt Opfer nicht. Ganz im Gegenteil, das Opfer wird noch zusetzlich beleidigt, indem man es, qua Steuerzahler, auch noch zur finanziellen Unterhaltung des eingekerkerten Taeters heranzieht (wenn man ihn denn fasst). Ganz anders dagegen ist die Situation in einer Privatrechtsgesellschaft. Sicherheitsanbieter, namentlich Versicherungen, muessen ihre Klienten im Schadensfall indemnifizieren (andernfalls finden sie schlicht keine Kunden). Sie muessen von daher effizient bei der Verbrechensbekaempfung sein. Sie muessen effizient bei der Praevention von Verbrechen sein, denn wenn sie ein Verbrechen nicht verhindern, muessen sie zahlen. Sie muessen effizient sein bei der Wiederauffindung gestohlener Gueter, denn andernfalls muessen sie diese Gueter ersetzen. Und vor allem muessen sie effizient bei der Aufspuerung der Taeter sein. Denn nur wenn der Taeter aufgespuert wird, ist es moeglich, ihn fuer die Opferentschaedigung heranzuziehen, und auf diese Weise die eigenen Kosten zu reduzieren.

Darueber hinausgehend wirkt sich eine privatwirtschaftlich organisierte Sicherheitsindustrie auch generell friedensfoerderlich aus. Staaten sind, wie schon ausgefuehrt, von Natur aus aggressiv. Sie koennen Konflikte verursachen oder provozieren, um diese dann zu ihren eigenen Gunsten zu “loesen.” Oder anders gesagt: Staaten duerfen die mit Aggression verbundenen Kosten auf andere Personen, d.i., die Steuerzahler, abwaelzen und sind von daher aggressiver, sowohl gegenueber der “eigenen” Bevoelkerung als auch gegenueber “Auslaendern” (in der Form kriegerischer Handlungen). Dagegen sind konkurrierende Versicherungen von Natur aus defensiv und friedfertig. Denn einerseits ist jede Aggression kostspielig, erfordert also hoehere Praemien, und fuehrt somit zum Verlust von Kunden. Und andererseits sind nicht alle Risiken versicherbar. Nur Risiken, die den Charakter von “Unfaellen” haben, sind versicherbar. Risiken dagegen, deren Wahrscheinlichkeit durch individuelle Handlungswahlen beeinflusst werden koennen, sind nicht versicherbar, sondern muessen individuell getragen und verantwortet werden. So ist es z.B. versicherungstechnisch unmoeglich, sich gegen das Risiko zu versichern, morgen Selbstmord zu begehen oder das eigene Haus in Brand zu setzen. Ebenso ist es unmoeglich, sich gegen das Risiko eines Geschaeftsbankrotts, der Arbeitslosigkeit, oder das Gefuehl, seine Nachbarn nicht ausstehen zu koennen, zu versichern. Denn in jedem dieser Faelle hat eine Person individuelle Kontrolle, direkt oder indirekt, hinsichtlich des Eintretens des betreffenden Risikos. Diese nicht-Versicherbarkeit individueller Handlungen und Gefuehle bedeutet konkret, dass keine Versicherung bereit ist, das Schadenrisiko abzudecken, das aus provokanten Handlungen des Versicherungsnehmers resultiert. Jeder Versicherer wird vielmehr darauf bestehen, dass sich saemtliche Versicherungsnehmer verpflichten, auf Provokationen aller Art zu verzichten.

Aus denselben finanziellen Erwaegungen heraus werden Versicherer auch darauf bestehen, dass sich saemtliche Versicherungsnehmer dazu verpflichten, von allen Formen der Selbstjustiz Abstand zu nehmen (ausser vielleicht in ganz exzeptionellen Faellen). Denn Selbstjustiz, auch wenn sie rechtens ist, erzeugt in jedem Fall Unsicherheiten und provoziert moegliche Vergeltungstaten seitens Dritter. Indem Versicherungsnehmer statt dessen verpflichtet werden, sich geregelten und oeffentlich-durchsichtigen Verfahren zu unterwerfen, wann immer sie sich fuer angegriffen und geschaedigt halten, koennen solche Stoerungen und damit verbundene Kosten weitgehend vermieden werden. Schliesslich ist es erwaehnenswert, dass die Verfolgung opferloser “Verbrechen,” wie z.B. die Herstellung oder der Konsum “illegaler” Drogen, die Prostitution oder das Gluecksspiel, im Rahmen einer Privatrechtsgesellschaft keinerlei Rolle spielen wird. Waehrend steuerfinanzierte Agenturen gegenwaertig in grossem Stil und mit riesigem Aufwand gegen solche “Verbrechen” vorgehen, wuerden frei finanzierte Versicherungen sie als nicht-aggressive Privatangelegenheiten ignorieren. Eine “Versicherung” gegen derartige “Verbrechen” wuerde hoehere Versicherungspraemien erfordern. Doch da diese “Verbrechen,” im Unterschied zu einem echten Verbrechen gegen Person und Eigentum, keinerlei Opfer erzeugen, wuerde sich niemand finden, der fuer einen deratigen “Schutz” mehr Geld auszugeben gewillt ist.

Und noch etwas gilt es in diesem Zusammenhang zu konstatieren. Waehrend Staaten, wie schon festgestellt, immer und ueberall darauf bedacht sind, ihre Bevoelkerung zu entwaffnen und somit eines zentralen Mittels der Selbstverteidigung zu berauben, kommt es in einer Privatrechtsgesellschaft zur umgekehrten Tendenz einer systematischen Volksbewaffnung. Man stelle sich nur vor, ein Sicherheitsproduzent mache es zur Bedingung, dass jeder seiner Kunden sich erst vollstaendig zu entwaffnen habe, ehe man ihn zu verteidigen gedenke. Mit Recht wuerde jedermann dies fuer einen boesen Witz halten und das Angebot dankend ablehnen. Im Gegensatz dazu belohnen Versicherungsgesellschaften bewaffnete, und insbesondere in der Handhabung von Waffen ausgebildete Personen mit niedrigeren Versicherungspraemien, genauso wie sie heute schon die Besitzer von Warnanlagen und Safes belohnen.

Schliesslich hat ein System konkurrierender Sicherheitsproduzenten eine zweifache Auswirkung auf die Entwicklung des Rechts. Zum einen erlaubt es eine groessere Variabilitaet des Rechts als es unter monopolistischen Bedingungen der Fall ist. Die Sicherheitsproduzenten koennen nicht nur hinsichtlich des Preises, sondern auch mittels Produktdifferenzierung konkurrieren. Katholische Produzenten bieten kanonisches Recht an, juedische Produzenten mosaisches Recht, moslemische Produzenten islamisches Recht und nicht-religioese Produzenten saekulares Recht. Niemand muss unter einem “fremden” Recht leben.

Zum anderen foerdert dasselbe System privater Rechts- und Ordnungsproduktion gleichzeitig auch eine Tendenz zur Rechtsvereinheitlichung. Denn das “heimische” – kanonische, mosaische, roemische, usw. – Recht findet nur auf diejenigen Personen Anwendung, die es tatsaechlich gewaehlt haben. Das kanonische Recht z. B. wird nur auf bekennende Katholiken und bei intra-katholischen Zwistigkeiten angewendet. Doch kann es z.B. auch zu Streit zwischen Katholiken und Moslems kommen, und beide Rechtsordnungen moegen in bestimmten Faellen nicht zum gleichen Urteil gelangen. In diesem Fall gibt es fuer alle betroffenen Parteien – Versicherer und Versicherte – nur eine Loesung. Fuer diesen Fall muss sich ein jeder Versicherer und jeder seiner Klienten von vornherein dem Urteil eines unabhaengigen Schlichters unterwerfen. Dieser Schlichter ist nicht nur unabhaengig, er ist auch die einhellige Wahl beider Versicherer. Der Schlichter wird gewaehlt, aufgrund der gemeinsamen Erwartung, dass er die Faehigkeit besitzt, wechselseitig annehmbare Loesungen in Faellen von Inter-Gruppen Konflikten zu formulieren. Scheitert er an dieser Aufgabe und verkuendet Urteile, die von der einen oder der anderen Seite als “unfair” angesehen werden, so wird er im naechsten Fall von einem anderen, konkurrierenden Schlichter abgeloest werden. Aus dieser staendigen, sachlich unerlaesslichen Kooperation diverser Versicherer und unabhaengiger Schlichter bei der Behandlung von Inter-Gruppen Konflikten erwaechst so eine stetige Tendenz zur Vereinheitlichung des Eigentums- und Vertragsrechts, sowie der Harmonisierung von Verfahrens-, Beweis-, und Schlichtungsregeln. Jeder Versicherer und Versicherungsnehmer ist Teilnehmer eines integrierten Systems umfassender Konfliktvermeidung und Friedenssicherung. Jeder Konflikt und jeder Schadensanspruch, gleichgueltig wo, zwischen wem und von wem an wen gerichtet, faellt in die Rechtsprechung eines oder mehrerer genau angebbarer Versicherer und wird entweder mittels des “heimatlichen” Rechts eines einzelnen Versicherers geloest oder aber des “internationalen” Schlichter-Rechts, auf das man sich von vornherein vertraglich geeinigt hat.

An die Stelle von Konflikt und Unrecht, wie sie die gegenwaertige, etatistische Situation kennzeichnen, tritt damit Frieden, Recht und Rechtssicherheit.

Bibliographie

Hans-Hermann Hoppe, Eigentum, Anarchie und Staat. Studien zur Theorie des Kapitalismus (1987)

Hans-Hermann Hoppe, A Theory of Socialism and Capitalism. Economics, Morals, and Politics (1989)

Hans-Hermann Hoppe, The Economics and Ethics of Private Property. Studies in Political Economy and Philosophy (1993; erweitert 2003)

Hans-Hermann Hoppe, Democracy the God That Failed. The Economics and Politics of Monarchy, Democrcay and Natural Order (2001)

Hans-Hermann Hoppe, Hrsg., The Myth of National Defense (2005)

Siehe ausserdem meine annotierte Auswahlbiblographie hier:

http://www.lewrockwell.com/hoppe/hoppe5.html

 

 

 

 

 

 

 

 

41 Responses to Staat oder Privatrechtsgesellschaft? — Hans-Hermann Hoppe

  1. Zef sagt:

    Das kann der Staat definitiv besser als die PRG:
    Menschen als Kanonenfutter zu verpulvern.

    Warum wehren sich Etatisten gegen die Sezession? Warum beharren sie auf „Mauer und Schiessbefehl“, wo doch ihr geliebter Staat angeblich so überlegen ist?

    Befürchten sie einen Angriffskrieg seitens der PRG, den Verlust von Kanonenfutter, oder wollen sie vielleicht die armen verwirrten PRGler vor sich selber schützen? Ich bin kein Etatist, ich weiss das nicht.

    Aber eins weiss ich gewiss:
    Die Krankheit wird genährt, wenn die Krankheit selbst das „Heilmittel“ bestimmt.


    Ich erschaffe mich nicht,
    ich wähle mich – absolut

  2. Rosenzierde sagt:

    nun ich denke, dass es die Eigenschaft der Ware Arbeitskraft ist, die zur Ausbeutung verführt. Weil die Arbeitskraft mehr Wert schafft, oder schaffen kann, als sie selbst braucht. und diesen mehr Wert eignet sich dann ein Hab-Süchtiger an.
    Bei den Indianern war Grund und Boden kein Privateigentum – sondern wurde von der Allen genutzt, gemeinsam bewirtschaftet. Diebstahl oder Raum ereignete sich gegenüber anderen Gruppen und es gab auch die Ausbeutung der Arbeitskraft von Gefangenen. Diese Lebensweise hat sehr viel Ähnlichkeit mit der Lebensweise der Clans /Sippen im feudalen Keltentum, wobei diese schon Eigentum an Grund und Boden kennen und feste Grenzen zogen. Erst der Plantagen/Besitz von Grund und Boden brauchte mehr Arbeitskräfte, also Sklaven. So wurde der Menschenhandel geboren. Als das Handwerk, also die Herstellung von Gebrauchsgütern aus der Werkstatt in die Manufaktur umzog und dann in Fabriken – wurde die Ausbeutung der Ware Arbeitskraft immer intensiver. und steht heute am Fließband, wo jede Bewegung der Ware Arbeitskraft kontrolliert wird – also die absolute Ausbeutung.
    Der Sklavenhalter war noch verantwortlich für die Absicherung des Lebens der Sklaven – der Ausbeuter in Industrie nicht mehr. Er zahlte Lohn und der Ausgebeutetete musste sehen, wie er sein Leben damit fristen konnte. Wenn es zuwenig Arbeitskräfte gab, stieg der Lohn auf dem Markt, gibt es AK-Überschuss fällt der Lohn. nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage auf dem Markt.
    Die Absicherung des Lebens bei Arbeitsstellenlosigkeit beruht auf Solidarität der Arbeitskraftanbieter untereinander. Es ist eine gegenseitige Versicherung wie auch die finanzielle Absicherung im Krankheitsfall. Das dies heute wiederum zur Ausbeutung benutzt wird ist der Anonymität der gesammelten Gelder geschuldet und dass nicht mehr diejenigen darüber bestimmen, denen das Geld gehört, sondern Fremde, die da Provision für den Umsatz einkassieren also wieder Profit.
    Auch über Miete, Wasser, Strom ist Ausbeutung möglich sowie auch über die Preise der Gebrauchsgüter. Eine weitere Ausbeutungsmöglichkeit und damit Profit ist zu machen über das Bedürfnis nach Religio – nach Erklärung des Lebens. Hier greift die Machtkirche ins Haben – aber längst nicht nur durch Spenden, sondern auch über Enteignung und Raub – wie in Phasen der Inquisition oder heute der Diagnose von psychiatrischer Störungen. Betreuungen ist nichts anderes als Enteignung/, Entmündigung. Die Ausbeutungsformen sind also immer raffinierter geworden und schärfer. Der Wertschaffende aber ist abhängig und angreifbar wie eh und je.

    Ob sich das ändern kann – bleibt dahin gestellt. Auch wenn wir heute bereits wissen, dass ein reifer Mensch sich weder ausbeuten lässt noch seine MitMenschen ausbeutet. Aber dieses Entwicklungsstadium erreichen nur Einzelne und das nur nach langem Leid.

    Allerdings ist in jeder Gesellschafts/Ausbeutungsform diese Entwicklungschance gegeben. Aber wir erkennen auch, dass die sittlich gereifteren Menschen, diejenigen, die wissen und anders leben wollen immer angegriffen werden und nicht lange überleben – damit sie kein Beispiel geben können, das Leben auch ohne Ausbeutung möglich ist.

    Ausbeutungsgesellschaft steht im engen Zusammenhang mit jeder Form von Sucht. Nur eben geht es weniger um illegale Drogen-Sucht, sondern um die Sucht zu leiden und die Sucht zu herrschen und die Hab-Sucht. Diese Formen der Sucht sind wenig erforscht – weil die Experten selbst exrem süchtig sind und nur in einer Form der Ausbeutung interessiert sind, also ihre Ausbeutung durch Theorien und Hypothesen verkleiden versuchen.
    Ob nun die Ausbeutung am Arbeitsplatz besser ist als seinen Körper für Versuche von big pharma herhalten zu müssen – sei dahin gestellt. .
    Ausbeutung ist immer Gewalt,
    ist immer Unrecht
    ist immer Entwürdigung.

    Fact ist, dass heute ein Leben als Einsiedler, als Robinson Cruso weniger oder nicht mehr möglich ist als noch vor Hundert Jahren. Auch der Lebensbereich von Naturvölkergruppen wird immer mehr eingeengt – bis nur noch in Museen davon berichtet werden wird. und die Formen der Ausbeutung und Entwürdigung des Menschen nimmt ständig extremere Formen an. (Impfungen, chemische Medikamente, Klonen, Genmanipulationen, Wettermanipulationen, Chemtrail, Wasser-Vergiftungen, Nahrungsmittel-Manipulationen)
    Die Ursache bleibt bei der Eigenschaft der Ware Arbeitskraft, mehr Wert herzustellen, als sie braucht und die Aneignung dieses Mehr Wertes durch Einzelne.

    • Rosenzierde sagt:

      Im AT wird durch Abraham die Frage aufgeworfen – darf ein Vater seinen Sohn seinem Gott opfern ?

      http://peter-knauer.de/Opferung%20Isaaks.pdf

      Sind Angestellte eines fictiven Staates berechtigt, ihre Vorstellungen den Bürgern also der Mehrheit des Volkes aufzuzwingen ?
      Dürfen Psychiater ihren Opfern chemische PsychoDrogen aufzwingen oder mit Gewalt injizieren ?
      Dürfen Lehrer ihre Schüler zwingen nur das zu lernen, was sie ihnen vorgeben und dabei eigene Fragen und Bedürfnisse zu ignorieren ?
      Dürfen Bankster mit dem Geld anderer Leute frei verfügen ?
      Sind Kinder Besitz der Eltern ? und dürfen Eltern über ihre Kinder frei verfügen ? Oder gar das Jugendamt (Kinderklau) ?
      Dürfen Politiker 7000 junge Männer deutsch in den Krieg schicken ?

  3. SATAN sagt:

    Man muss ein Argument evtl. noch etwas näher beleuchten: Das des „Findens“ von Rohstoffen. Gehört mir wirklich die Ressource, nur weil ich sie als erster „gefunden“ bzw. gefördert habe? Was sollen dazu die Menschen sagen, die irgendwo in der Knüste leben und nichts „finden“ können? Manche Befürworter des BGE sagen ja, genau an dieser Stelle könne eine Finanzierung desselben einsetzen, weil die Ressourcen der Erde (per Definition) nicht dem „Finder“ gehörten, sondern ALLEN Menschen… hmm?! Das sei hier mal zur Diskussion gestellt!

    • Tob94 sagt:

      Man wird zum Eigentümer einer Ressource, wenn man sie als knapp erkennt und objektiv eingrenzt. Das nennt man eben „ursprüngliche Appropriation“ – auf diese Weise wird im Naturzustand Eigentum angeeignet, bis irgendwann ein Punkt erreicht ist, an dem alle knappen Güter nur durch Tausch erworben werden können.

      Und ja, dir gehört die Ressource, wenn du sie als erster als knapp erkennst. Wem sollte sie denn sonst gehören? Schließlich hätte sie jeder zuvor als knapp identifizieren können, da dies aber nicht der Fall ist, muss man davon ausgehen, dass zuvor sonst niemand ein Bedürfnis danach hatte.

      Ich möchte das mal am Beispiel einer Erdölquelle illustrieren. Ganz früher gab es keine Verwendung für Erdöl. Es war einfach nur dies: Ein dickflüssiger, schwarzer Stoff, mit dem keiner was anzufangen wusste. Es war eben ein „herrenloses“ Gut, bis jemand eine Verwendung dafür gefunden hat. Dieser Jemand hat seine Quelle objektiv eingegrenzt (bspw. mit Einzäunung), das Gut Erdöl als knapp erkannt und es dann mit seiner Arbeit „gemischt“, um daraus dann beispielsweise Benzin herzustellen. Warum sollte ihm die Quelle nicht gehören? Jeder andere hätte dieses Erdöl im Naturzustand aneignen können, um daraus was herzustellen. Das war aber nicht der Fall – niemand fand zuvor eine Verwendung dafür. Daran ist nichts ungerecht.

      Es verhält sich auch nicht anders mit Gütern, die man sofort als nützlich wahrnimmt, beispielsweise mit einem Goldvorkommen. Auch hier gilt: Jeder hätte sich zuvor auf die Suche begeben können und dieses „herrenlose“ Vorkommen aneignen können.

      Irgendwie muss ja im Naturzustand Eigentum appropriiert werden – entweder durch Produktion oder objektive Aneignung im Naturzustand (also ein Gut als knapp identifizieren, eingrenzen, usw.)

      Damit klärt sich auch der zweite Teil deiner Frage. Es ist eben nicht jeder Eigentümer der Ressourcen auf dieser Erde. Das wäre ja auch absurd. Man müsste, bevor man auch nur einTropfen Öl, Wasser oder ein Bröcken Erz bearbeiten möchte, die Zustimmung aller (!) auf der Erde lebenden Menschen erhalten. Das ist geradezu absurd, zumal sich wohl kaum all die Milliarden Menschen jenes Gut angeeignet haben, im Gegenteil. Viele wissen ja noch nicht einmal, ob es eine bestimmte Ressource gibt. Ist dir bekannt, wieviel Gold sich in Afrika befindet? Wieviele Edelsteine? Wieviel Öl? Ganz sicher nicht. Warum sollte jemand, der nicht einmal weiß, ob eine bestimmtes Ressource an einem bestimmten Ort existiert, Eigentümer desselben sein? Es ist doch viel naheliegender, wenn derjenige, der eine bestimmte Ressource findet und als knapp identifiziert, der Eigentümer ist.

  4. Ferdinand A. Hoischen sagt:

    Es ist immer wieder ein Genuss, Hoppe zu lesen!

  5. Reinhard sagt:

    Scharfsinnig, gut und verständlich formuliert. Meine unbedingte Demokratiesympathie beginnt zu bröckeln, erst recht meine ohnehin nicht ausgeprägte Staatshörigkeit 😉
    Was mich noch ein klein wenig zweifeln läßt ist das mit den Privatversicherungen, obwohl ich den Ansatz sehr interessant finde. Aber könnte es sich nicht dahingehend entwickeln, daß die Reichsten die besten Privatschützer dingen können – mehr noch: Auftrags-Erlediger? Ich meine, wer sich eine Privatarmee leisten kann, hätte das Sagen. Wer schränkt deren Macht dann wieder ein? Ist es nicht so, daß immer wieder, Gelegenheit macht Diebe, der Schweinehund durchkommt, wenn die Möglichkeit und mit ihr die Versuchung auftaucht?
    Ich will das nicht zerbröseln. Allein Ihr Denkansatz ist für mich schon originell und überlegenswert.
    Und dann noch etwas. Der Besitzlose wird immer bestrebt sein, entweder selbst zu besitzen oder den Besitzer zu diskreditieren. Am raffiniertesten waren da die Sozialisten. Es wird also nie Ruhe geben: immer ist da Neid, Mißgunst, Versuch, mit allen Tricks zu entwenden, anderen etwas abzuringen. Schutz ist also unabdingbar. Aber da wir auf Erden uns vor jeglicher letzten Instanz hüten müssen, auch an keine höhere letzte Instanz mehr glauben, so daß wir auch unsere Moral und Grundsätze danach ausrichten könnten, wird es immer eine Unbekannte im Leben geben. Darum dachte ich, daß dies der Minimalstaat, durch entsprechende Kontrollen in Schach gehalten, leisten könnte. Mittlerweile habe ich da Zweifel. Denn wie jede Bürokratie wie ein Krebsgeschwür immer weiter wuchern will, gilt das natürlich erst Recht für den Staat, den Vater der Bürokratie.
    Es hilft nichts: die Menschen müssen immer und ewig auf der Hut sein, damit sie nicht von wem und was auch immer reingelegt werden. Allerdings wäre der hier scheinbar verpönte Minimalstaat schon tausendmal besser als der real existierende Maximalstaat, der immer noch weiter alles zuwuchert.

    • FwF-sandman sagt:

      Reinhard, dass der Minimalstaat „besser“ wäre als das, was wir jetzt haben, wird wohl von niemandem hier bestritten, doch darum geht es uns nicht. Wir formulieren ein Ziel, dass formuliert werden muss. Wird es nicht formuliert, besteht keine Chance, es je zu erreichen.

      Voluntarismus/Anarchokapitalismus beschreibt keine Lösungen für bestimmte gesellschaftliche Lösungen, sondern nur die Art, wie nach solchen Lösungen am besten (hier gemeint als am effektivsten und am gerechtesten) gesucht werden könnte. Wir möchten, dass die Suche nach diesen Lösungen nicht auf Zwang basiert, weil Zwang nicht effektiver ist als Kooperation und außerdem moralisch nicht zu rechtfertigen ist.

      Die Lösungen (Versicherungssysteme, usw.) sind lediglich Vorschläge, die wir uns gerade vorstellen können und für praktikabel halten. Sollte einer von den 7 Mrd. Menschen auf eine bessere Lösung kommen, möchten wir, dass er sie auch anbieten un jeder andere Mensch sie nutzen darf, wenn er will. Es gibt für uns keinen Grund, von diesen Prinzipien abzuweichen.

      Ein Minarchist, der den Anarchismus nicht als erstrebenswertes Ziel anerkennt, kann von uns aus freiheitlicher Sicht nicht wirklich ernst genommen werden, weil er eben noch nicht verstanden hat, dass Freiheit nicht verhandelbar ist. Dennoch laden wir gerade diese Menschen ein, sich hier ernsthaft mit unserem Standpunkt auseinanderzusetzen.

      Um nun nach langem Gelaber auf Deine Frage mit den Reichen zu kommen: Versuche doch bitte einmal, dich gedanklich in eine Welt ohne Staat zu versetzen. Du erkennst eine große Sorge bei den Menschen, Reiche könnte dieses und jenes tun. Welche Lösung könntest Du anbieten, um dieses Problem zu lösen und damit ein erfolgreiches Geschäft aufbauen?

      • Tob94 sagt:

        @Reinhard:
        Ergänzend hierzu:
        Kriege sind kostspielig. Der Einwand vom Reichen mit der Privatarmee ist nicht neu. Doch man sollte einen fundamentalen Unterschied zwischen einer Privatarmee und einer Staatsarmee nicht verkennen: Die Finanzierung.

        Während der Staat sich mit Zwangsabgaben finanzieren lässt (und damit relativ unabhängig vom Wohlgefallen seiner „Kunden“ ist), muss ein Privater immer sein eigenes Privatvermögen investieren und ist damit abhängig vom Wohlgefallen anderer. Es gibt für eine Privatperson wirklich keinen (!) Anreiz, einen Krieg auch nur anzufangen. Denn nichts würde eine Privatperson, sei sie noch so reich mehr ruinieren als das. Niemand würde mehr mit einer solchen Person Handel treiben (d.h. sein Vermögen wird eines Tages auf 0 schrumpfen) geschweige denn würde sich eine Sicherheitsagentur wegen drohendem Kundenverlust dazu bereit erklären. Denn im Gegensatz zu einem staatlichen Akteur ist der Reiche dem Privatrecht unterworfen und muss mit anderen Handel treiben. Ein staatlicher Akteur ist nicht von einem Schutzgelderpresser zu unterscheiden: Er kann alle Kosten auf die Allgemeinheit übertragen und die Allgemeinheit muss sie tragen, ob sie will oder nicht.
        Es ist eben ein fundamentaler Unterschied, ob man nach dem Gewaltausschlussprinzip und nach dem Gewaltanwendungsprinzip handelt. Eine Armee, die aus einem Privatvermögen bezahlt wurde, wird höchstens so groß sein, wie es nötig ist, sein Eigentum zu schützen, denn ansonsten fressen die Soldaten ein Loch ins Etat. Eine Armee, die mit Geldern, die zwangsweise eingetrieben wurden, finanziert wird, hat dieses Problem nicht. So eine Armee ist viel gefährlicher für den Frieden als eine Privatarmee. Und noch gefährlicher ist sie, wenn es eine Wehrpflicht gibt (also nicht nur die Finanzierung, sondern die Mitgliedschaft erzwungen wird) und Soldaten so faktisch zum „öffentlichen Gut“ werden. Dann wird mit ihnen umgegangen wie in einem Kriegssimulator (also wie Kanonenfutter) und entsprechend totalitär werden auch die Kriege sein.

        Um ein paar Beispiele zu bemühen:
        Mir ist kein einziges Beispiel bekannt, bei dem ein privates Sicherheitsunternehmen jemals auch nur versucht hätte, einen Krieg anzufangen oder die Umgebung, in die die Bodyguards etc. entsandt wurden, zu terrorisieren. Und gerade in den Villen von Superreichen befindet sich sehr viel Sicherheitspersonal mit hochwertiger Ausbildung und Ausrüstung. Es sind mittlerweile auch nicht nur die Superreichen, die sich privat schützen, sondern auch Mittelständler, gerade in Grenzgebieten von Deutschland. Dort ist es völlig normal, dass die Anwohner mal einen privaten Sicherheitsbediensteten anheuern, um nachts ruhig schlafen zu können, weil die Polizeiarbeit an diesen Ortschaften schlicht mangelhaft ist.
        Hört man von Clankriegen unter Konkurrenten? Von Massakern, die von verschiedenen Sicherheitsagenturen ausgehen? Oder auch nur davon, dass es jemand versucht hätte? Mitnichten! Ich höre nur Gutes, nämlich, dass die Leute dort nun ruhiger schlafen können, da zum Einen die Kriminalitätsrate dort zurückgegangen ist und man sich zum anderen darauf verlassen kann, dass sofort jemand an Ort und Stelle ist, wenn mal was sein sollte.

        Schaut man jedoch mal in eine beliebige Seite im Geschichtsbuch (dafür reicht sogar ein Geschichtsbuch aus einer staatlichen Schule!), findet man viele Beispiele für Kriege und Massenmorde und am schlimmsten sind stets die gewesen, wo Soldaten faktisch ein „öffentliches Gut“ waren (also v.a. in den Weltkriegen), wie oben ausgeführt.

        Zu deinen anderen Einwänden:
        Es wird immer Neider und Missgünstlinge geben. Doch das Letzte was man tun sollte, ist wohl, ihnen den Gefallen zu tun und ihnen zuliebe nachzugeben – ganz im Gegenteil hat man sich vor ihnen zu schützen. Darum ist es nur richtig, Wettbewerb um das Gut Sicherheit zuzulassen, damit die Möglichkeiten, ihren Versuchen, anderen etwas „abzuringen“, nachhaltig eingedämmt und letztendlich zerschlagen werden. Innovation und Fortschritt werden dafür Sorge tragen – auf jeden Fall mehr als bei einem Monopol.

      • Zef sagt:

        >Voluntarismus/Anarchokapitalismus beschreibt keine Lösungen für bestimmte gesellschaftliche Lösungen, sondern nur die Art, wie…

        BTW: Über das Wie sagt Stefan Molyneux:
        http://www.freiwilligfrei.info/archives/3854

        „… Beteiligt euch nicht freiwillig an Gewalt. Weder am Versuch sie zu kontrollieren, weil sie nicht kontrolliert werden kann, noch an ihrer Steuerung, weil sie nicht gesteuert werden kann und auch nicht an der Hoffnung, sie könne euch etwas geben, weil sie nur von euch nehmen wird.

        Arbeite nicht freiwillig mit so etwas bösartigem zusammen. Denke nicht darüber nach, wie das Böse, durch deine Gedanken kontrolliert werden kann…“

        Das Böse ist in diesem Denken, anders als im Hegeltum, nicht das „notwendige Andere“ im dialektischen Prozess (Hegels Dreitaktdialektik: Position, Negation, MEDIATION oder These, Antithese, SYNTHESE) sondern etwas klar Auszuschliessendes: ENTWEDER/ODER

        Kierkegaard formuliert das so:
        „Die wahre positive Freiheit hat in alle Ewigkeit das Böse außer sich … und sie wird nicht dadurch vollkommen, dass sie das Böse mehr und mehr aufnimmt, sondern dadurch, dass sie es mehr und mehr ausschließt; Ausschließen aber ist das gerade Gegenteil von Mediation“.

        Die Ausschlußwirkung des Privateigentums bedeutet: „Ich, und nicht du, besitze dies und das. Ich bin berechtigt, dich von meinem Eigentum auszuschließen. Ich kann Bedingungen an deinen Gebrauch meines Eigentums knüpfen..“ (Hoppe, Demokratie, Der Gott, der keines ist)


        „Für die Freiheit kämpfe ich daher, für die künftige Zeit, für das Entweder-Oder. Das ist der Schatz, den ich denen zu hinterlassen gedenke, die ich in der Welt liebe“ (SK).

  6. Peter sagt:

    „Im Schlaraffenland gibt es nur ein knappes Gut: den physischen Koerper einer Person und dessen jeweiligen Standplatz. … Doch damit kann es zwischen Robinson und Freitag auch zu Konflikten kommen: Robinson und Freitag koennen nicht gleichzeitig denselben Standplatz einnehmen wollen, ohne dabei in einen physischen Konflikt miteinander zu geraten. Deshalb muss es selbst im allgemeinen Ueberfluss des Schlaraffenlandes Regeln des Zusammenlebens geben – Regeln hinsichtlich der Platzierung und raeumlichen Bewegung von Personen. Und ausserhalb des Schlaraffenlandes, im Reich der Knappheit, muss es darueber hinaus Regeln geben, die den Umgang nicht nur mit Personenkoerpern und ihren Standplaetzen, sondern mit allen knappen Guetern so ordnen, dass saemtliche moeglichen Konflikte ausgeschlossen werden koennen. Dies ist das Problem gesellschaftlicher Ordnung.“

    Es benötigt keine Regel, damit zwei Menschen nicht auf dem gleichen Platz stehen! Höchstens, wenn man die physikalischen Naturgesetze, die dies verhindern als „Regeln“ bezeichnen will. Hoppe stellt damit eine Behauptung auf, die nicht begründet und zwingend hergeleitet ist. Darüber hinaus stellt er ohne Begründung die Behauptung auf, dass es Regeln geben „muss“, die den Umgang mit knappen Gütern Regeln, damit Konflikte ausgeschlossen werden können. Er verschliesst sich damit vollständig allen anderen möglichen Varianten, wie Menschen mit knappen Gütern umgehen können: Beispielsweise sind hier nur Mechanismen wie Boycott und Ächtung, oder auch andere Konzepte wie z.B. Respekt, sozialer und wirtschaftlicher Druck oder Anerkennung zu nennen. Nur am Rande bemerkt behauptet er auch, dass mit Privateigentum „saemtliche möglichen Konflikte ausgeschlossen werden koennen“. Gewagt, gewagt, und wer die Realität anschaut, eher unwahrscheinlich.

    „… Die Loesung des Problems gesellschaftlicher Ordnung ist die Idee des Privateigentums.“
    Hoppe stellt seine bisher völlig unbegründete persönliche Meinung zunächst einmal als Wahrheit dar.

    Nachdem er erneut bei seiner „Schlaraffenland“-Lösung alle Naturgesetze beiseite lässt und stattdessen diese als „Regel“ postuliert, wendet er sich dem Szenario mit knappen Gütern zu und beginnt dort, nach eigenem Gutdünken 4 Regeln aufzustellen, die die wahre Lösung (s.o.) sein sollen.

    1. Selbsteigentum „begründet“ er mit der Gegenfrage, wer denn sonst „Eigentuemer von Robinsons’s Koerper sein“ sollte. Wie wäre es z.B. mit „Niemand“? Aber, nun gut, auch wenn ich es eher Selbstbestimmung über den eigenen Körper nennen würde: akzeptiert.

    2. Kritischer zu betrachten ist m.E. die Tatsache, dass er die gleiche Begründung („Wer sonst, wenn nicht der erste Nutzer, sollte ihr Eigentuemer sein?“) tatsächlich auch bei anderen Dingen verwendet, die eine Person „zuerst als knapp wahrgenommen und Mithilfe ihres eigenen Koerpers zu nutzen und bearbeiten begonnen hat“. Wie wäre es auch hier z.B. mit „Niemand“?

    3. Analog „begründet“ er auch die Dinge, die durch die eigene Verarbeitung von „angeeigneten“ Resourcen entstehen. Wie wäre es auch hier z.B. mit „Niemand“?

    4. Nun erklärt er (mit Bezug auf die Autorität Locke), dass alle auf diesem Weg „angeeigneten“ Dinge nun nur noch in einer „freiwilligen, d.i., wechselseitig vorteilhaften und konfliktfreien, Eigentumstiteluebertragung“ den „Eigentuemer wechsel kann. Jetzt kann man sich natürlich z.B. in Anlehnung an Proudhon fragen, warum bei den ersten 3 Regeln die Aspekte „freiwillig“, „wechselseitig vorteilhaft“ sowie „konfliktfrei“ denn offenbar keine Bedeutung haben. Nur kurz am Beispiel eines Sees: Jemand (der „Selbsteigentümer“) fängt an, an einem beliebten aber naturbelassenen Teich z.B. eine Fischzucht aufzuziehen. Dadurch, dass Andere diesen Teich vorher nur z.B. zum Erfrischen genutzt haben (ihn jedoch weder als knapp wahrgenommen haben, noch bearbeitet haben), ist der Teich nach Regel 2 noch kein „Eigentum“ von jemand anderem geworden. Also wird der Teich nun zum „Eigentum“ des Fischzüchters. In seiner Eigenschaft als „Eigentümer“ untersagt er nun anderen das Baden im Teich, da dies seine Fischzucht negativ beeinflusst. Die Anderen sind nun selbstverständlich „freiwillig“ damit einverstanden“ auf das Baden zu verzichten, sie finden es unbedingt „wechselseitig vorteilhaft“, dass sie nun dort nicht mehr baden „dürfen“ und sie spüren auch keinen Hauch von Konflikt, der da in der Luft liegt, richtig?

    Um auf solche Widersprüche nicht eingehen zu müssen schiebt er ein: „An dieser Stelle kann ich mir eine ausfuehrliche, sowohl ethische als auch oekonomische Rechtfertigung dieser Regeln ersparen. Das ist andernorts geschehen.“ Natürlich ohne einen einzigen Hinweis auf diesen „magischen“ anderen Ort. Ich persönlich habe ihn trotz gründlicher Suche bisher nicht entdeckt; es tauchen stets nur Fassaden und Trugbilder auf.

    Er lässt sich im Folgenden diesbezüglich nur darauf hinab, zu behaupten, dass diese Regeln und das damit normierte Privateigentum alternativlos sind. (DAS kommt mir irgendwie bekannt vor.)
    Dabei rutscht ihm die folgende Aussage heraus:“Eine Norm, die Konflikte erzeugt, anstatt sie zu vermeiden, widerspricht dem Sinn einer Norm. Es ist eine dys-funktionale Norm bzw. eine Perversitaet.“
    Wie oben am Beispiel des Teichs aufgezeigt, kann die „Norm“ des „Privateigentums“ tatsächlich Konflikte erzeugen, anstatt sie zu vermeiden. Damit ist Privateigentum nach seinen Worten „eine dys-funktionale Norm bzw. eine Perversitaet.“ Also eine alternativlose dys-funktionale Norm bzw. Perversität.

    Derartiges hat er offenbar in seinen Gedanken nicht berücksichtigt, denn er behauptet weiterhin in einer Art crescendo:“Nur privates (exklusives) Eigentum macht es moeglich, dass alle ansonsten unvermeidbaren Konflikte tatsaechlich vermieden werden koennen. Und nur wenn privates Eigentum in letzter Instanz auf urspruengliche individuelle Aneignungsakte zurueckgeht, ist es moeglich, dass jeder moegliche Konflikt von Anfang der Menschheit an vermieden werden kann.“ Nun folgt überraschenderweise doch einmal eine Begründung, die allerdings bei näherem Hinsehen doch nur eine weitere unbegründete Behauptung bzw. Definition ist: „Denn nur eine erste Aneignung eines zuvor unangeeigneten Gutes kann konfliktfrei erfolgen, einfach deshalb, weil (per definitionem) niemand zuvor irgendetwas mit dem Gut zu tun gehabt haben kann.“ Also haben die Leute, die vorher im Teich die Sommerhitze aus ihrem Körper gelassen haben nie „zuvor irgendetwas mit dem Gut zu tun gehabt“? Zudem: Selbst wenn die Aneignung „konfliktfrei“ gewesen wäre, was ist mit den Konflikten, die sich aus dieser Aneignung im Nachhinein ergeben? Ein PAL (Problem anderer Leute)?

    Nachdem das Thema Privateigentum damit für ihn geklärt ist, gibt er im Anlauf zum verbalen „Angriff“ auf den Staat noch zu, dass die Einrichtung des Privateigentums „doch nicht aus[reicht], um auch tatsaechlich soziale Ordnung zu schaffen.“ Das Konzepte wie Vertrauen, Respekt, sowie Mechanismen wie Boycott und Ächtung nicht nur im Hinblick auf die soziale Ordnung, sondern auch im Umgang mit knappen Resourcen in der Geschichte der Menschheit über weite Strecken eine zentrale Rolle gespielt haben, scheint ihm unbekannt zu sein. Da ich den Staat (mit Larken Rose) als gefährlichen Aberglauben ansehe, schreibe ich einmal nichts zu seiner Staatskritik, da ich mir auch eine Kritik des Weihnachtsmanns (Larken Rose) ersparen würde.

    In seiner „Loesung des Problems sozialer Ordnung: … Recht und Rechtsdurchsetzung (Sicherheit)“ fängt er wieder nach dem gleichen Schema wie beim Privateigentum mit Behauptungen an:“Die Loesung ist eine reine Privatrechtsordnung, d.i., eine Gesellschaft, in der jede Person und Institution ein- und denselben (eingangs erlaeuterten) Rechtsregeln unterworfen ist.“ Womit er natürlich seine sauber hergeleiteten und begründeten Regeln zum Privateigentum meint. Und was ist, wenn ich das nicht freiwillig mache, wenn m.E. damit konflikte erzeugt statt vermieden werden, wenn m.E. kein wechselseitiger Nutzen entsteht? Muss ich mich dann trotzdem „unterwerfen“, wie er sagt? Nein, danke! Auf einen solchen Pseudo-Staat mit einem solch unfundierten „Grundgesetz“ möchte ich verzichten.

    Ebenso wie Etatisten sich die Angst vieler Menschen vor ungewissem Neuen zunutze machen, macht sich auch Hoppe die Angst vieler Menschen vor einem einem ungewohnten Leben ohne Eigentumsrechte und feste Regeln zunutze. Ähnlich wie Etatisten macht sich Hoppe damit das menschliche Bedürfnis nach körperlicher, sozialer und insbesondere wirtschaftlicher Sicherheit sowie Stabilität zunutze.

    Seine Argumentation ist schwach bis nicht vorhanden; stattdessen werden unbegründet Behauptungen und Regeln aufgestellt, die die wahre Lösung des Problems der gesellschaftlichen Ordnung sein sollen. Alternativen werden geleugnet.

    Grüsse, Peter

    • Tim sagt:

      Hallo Peter,

      ich halte das Konzept des Eigentums und die Regel der Erstinbesitznahme für eine sinnvolle Lösung zur Konfliktvermeidung. Ob es die einzige mögliche Lösung ist und Hoppe dies irgendwo begründet, weiß ich nicht und möchte es daher auch nicht behaupten. Ich kenne keine bessere Lösung und mir ist das Eigentumskonzept wichtig; ich würde mir wünschen, dass mehr Menschen sich freiwillig an diese Regeln halten würden, daher möchte ich auf einiger deiner Punkte eingehen.

      Zuerst möchte ich Eigentum als negatives Recht formulieren: Niemand hat ein höheres Recht ein Gut zu besitzen als dessen Eigentümer. Es ist also nicht gerechtfertigt dem Eigentümer seinen Besitz gegen seinen Willen (z.B. mit oder unter Androhung von Gewalt) streitig zu machen.
      Daher können Menschen Eigentum nur durch Erstinbesitznahme oder freiwillige Eigentumsübertragungen (tauschen, schenken) erlangen, ansonsten würden die Eigentumsrechte eines anderen verletzt.

      zu 1.:
      Selbsteigentum kann dann dadurch begründet werden, dass ich der Erste bin, der meinen Körper kontrollieren kann, mit ihm Denken und die Bewegungen steuern kann (Erstinbesitznahme). Da mein Körper jetzt zu meinem Eigentum geworden ist bedeutet dies, dass niemand ein höheres Recht auf Besitz an meinem Körper hat als ich und somit ist es nicht gerechtfertigt mir diesen Besitz gegen meinen Willen durch Zwang wegzunehmen.

      zu 2. und 3.:
      Ähnlich verhält es sich mit anderen Knappen Gütern. Wenn ich der Erste bin, der sich diese aneignet, kann ich dies tun ohne die Eigentumsrechte eines anderen zu verletzen. Wenn mir der vorherige Eigentümer die Eigentumsrechte frewillig überträgt, ebenfalls.
      Daraus folgt dann wieder, dass niemand das Recht hat die Güter gegen meinen Willen aus meinem Besitz zu entwenden.

      zu 4.:
      Bei der Erstaneignung haben die Aspekte “freiwillig”, “wechselseitig vorteilhaft” sowie “konfliktfrei” keine Bedeutung, da der Erste keinem Anderen etwas gegen seinen Willen wegnehmen muss (es gab keinen vorherigen Eigentümer).
      In deinem Beispiel mit dem See wäre es in der Tat hilfreich zur Konfliktvermeidung, wenn beide Seiten das Konzept des Eigentums kennen und respektieren würden. Eine Regel, die von einer Seite akzeptiert wird und von der Anderen nicht, hat es natürlich schwer friedliches und konfliktfreies Miteinander zu fördern.
      So hätte der erste Nutzer den See oder eine Badestelle in Besitz nehmen und kenntlich machen können (z.B. durch ein Schild) , dass er dort badet und dass andere Nutzung, falls sie die Nutzung des Erstnutzers einschränkt (z.B. Fischen in Ufernähe, Müllabladung) nicht erwünscht ist und vorherige Absprache erfordert.
      Alle nachfolgenden potenziellen Nutzer werden dann friedliche Lösungen suchen, sofern sie das Eigentumskonzept kennen und respektieren wollen, selbst wenn der Erstnutzer weniger freundlich ist und alle anderen von der Nutzung ausschließen möchte.
      Wenn der Erstnutzer das Eigentumskonzept kennt und respektiert, den See oder die Badestelle aber nicht besitzen möchte, steht die Erstinbesitznahme weiterhin für andere offen. Der Erstnutzer wird dann friedliche Lösungen mit dem Fischer, der den See zu erst in Besitz nimmt, suchen müssen oder den Willen des Fischers akzeptieren, sofern er dort weiter baden und das Eigentum des Fischers respektieren möchte.

      Die Norm vermeidet also Konflikte zwischen Individuen, die sich nach dieser Norm richten und ist daher nicht dysfunktional.

      • Libertarian sagt:

        ”Die Loesung ist eine reine Privatrechtsordnung, d.i., eine Gesellschaft, in der jede Person und Institution ein- und denselben (eingangs erlaeuterten) Rechtsregeln unterworfen ist.”

        M.E. hat sich Hoppe hier doch etwas unglücklich ausgedrückt. Denn eine „Unterwerfung“ (unter diese Regeln) setzt wieder für viele einen „Unterwerfer“ voraus. D.h. die Angst und damit Ablehung gegen einen solchen Unterwerfer (beispielsweise genannt „Staat“ oder ähnliche Institutionen für die Einhaltung dieser Rechtsregel namens „Eigentumsrecht“) wäre nicht aus der Welt geschaffen, da es in diesem Fall wieder ein Monopol bedeuten KANN, weil Hoppe diesen Regeln eine Art „Absolutheitsanspruch“ mitgibt.

        Damit wäre es aber sowohl für die Anarchisten, welche jede Art von Unterwerfung ablehnen als auch für die Minimalstaatler, welche ja „nur“ die Umsetzung des Eigentumsrechts als alleinige Regel wollen, abzulehnen.

        Denn die Befürworter der Eigentumsumverteilung (oder d. simplen Ablehung d.Eigentumsrechtes) hätten leichtes Spiel mit Gegenargumenten aufzufahren: Wenn (absolutes) Eigentums-recht als (Gesellschafts-) Konzept, unter das sich alle zu unterwerfen haben, gelten kann warum dann doch nicht auch Eigentumsumverteilungs-recht unter das sich wie heute bereits alle unterwerfen müssen?

        Ich glaube kaum, dass Hoppe dies so beabsichtigt hat. Daher würde ich noch hinzufügen, dass über der Unterwerfung an solche Regeln IMMER das NAP stehen MUSS und somit kann dann auch ein „Unterwerfungs“ monopol unter solche von Hoppe o.g. Regeln ausgeschlossen werden. Denn die Nichteinhaltung d. Eigentumsrechtes schließt immer das NAP aus, wenn es gegen den Willen des Eigentümers ausgeübt wird!

        • Libertarian sagt:

          „Damit wäre es aber sowohl für die Anarchisten, welche jede Art von Unterwerfung ablehnen als auch für die Minimalstaatler, welche ja “nur” die Umsetzung des Eigentumsrechts als alleinige Regel wollen, abzulehnen.“

          hätte natürlich heißen sollen:

          Damit wäre es aber sowohl für die Anarchisten, welche jede Art von Unterwerfung ablehnen, nicht konsistent, als auch ein starkes Argument FÜR die Minimalstaatler, welche ja “nur” die Umsetzung des Eigentumsrechts als alleinige Regel wollen.

        • Peter sagt:

          Hallo Libertarian!

          Danke für Deinen Einwand! Nach dem obigen Text von Hoppe (und auch anderen) habe ich schon den Eindruck, dass er diese Regeln als absolute Regeln für die Entscheidung in Eigentumskonfliktfällen entworfen hat und ansieht. Ich nehme dabei jedoch an, dass er einer Verfeinerung dieser Regeln nicht in allen Fällen entgegenstehen würde.

          Bei Deinem letzten Absatz bin ich mir nicht sicher, ob ich ihn richtig verstanden habe. Siehst Du das NAP als eine „höheres“ Prinzip an als das Eigentumsrecht? Und siehst Du das NAP gar als Begründung für Eigentumsrechte an?

          Ein Problem, das ich mit dem NAP habe ist, dass es teilsweise so definiert wird, dass als Aggression nicht nur ein Angriff auf die eigene Person, sondern auch ein Angriff auf das eigene Eigentum angesehen wird, und damit zu einer umfassenden Verteidigung per Gewalt „berechtigt“. Bei dieser Definition hat man natürlich wieder einen Kreis in der Argumentation, was einen leider nicht weiterführt. Zusätzlich führt es zu möglichen Situationen, an denen ich ein Handeln im Sinne des NAP für unmoralisch halten würde, und zu Fällen, bei denen ich einen Verstoss gegen das NAP für moralisch vertretbar halten würde.
          Nur zwei extreme Beispiele für die beiden Fälle (man kann sicher graduell die Beispiele soweit abändern bis nach und nach immer mehr Leute die Entscheidung ändern würden):
          Jemand hat einen Lolli (einen Hut/ein Fahrrad/einen Laptop/ein Auto/ein Flugzeug). Ein anderer kommt an und will diesen Gegenstand (unter Androhung von Gewalt/mit leichter Gewalt/mit grober Gewalt und Verletzungen) wegnehmen. Ersterer will diesen Angriff auf sein Eigentum (auf seine Person) nicht hinnehmen und erschiesst (verletzt mit einem Messer/schlägt bewußtlos/würgt) den Aggressor.
          Jemand braucht akut eine für ihn (sein Kind) lebenswichtige Medizin. Da er sie im akuten Notfall nicht auf anderem Weg erhalten kann, geht er in eine Apotheke und stiehlt (raubt unter Androhung von Gewalt/unter Ausübung von leichter oder schwerer Gewalt) das benötigte Medikament (da der Apotheker im das Medikament trotz Notfall nur gegen Barzahlung überlassen will).

          Es gibt da sicher noch zahlreiche andere und bessere Beispiele bei denen deutlich werden kann, wie unterschiedlich derartige Fälle je nach Situation und vor allem je nach beurteilendem Indiviuum eingeschätzt werden. Ein absolutes NAP lehne ich daher ebenso als absolute Regel ab, und halte es auch hier für sinnvoller, diese Beurteilung den jeweils „betroffenen“ Individuen je nach wahrgenommener Situation zu überlassen.

          Grüsse, Peter

          • Libertarian sagt:

            Hallo Peter

            „… dass er diese Regeln als absolute Regeln für die Entscheidung in Eigentumskonfliktfällen entworfen hat und ansieht..“

            Das mag auf den ersten Blick beim Leser so ankommen, aber wer die Schriften von Hoppe kennt weiß auch, dass er ja niemals eine „absolute“ Institution befürworten würde, welche diese o.g. Regeln durchsetzen müsste. Für ihn ist Recht (und Recht-sprechung) dynamisch, d.h. entwickelt sich. Und auch die Schiedsgerichte wären immer im Wettbewerb zueinander, so dass sich das „beste“ Recht immer durchsetzen wird.

            „Siehst Du das NAP als eine “höheres” Prinzip an als das Eigentumsrecht? Und siehst Du das NAP gar als Begründung für Eigentumsrechte an?“

            Ich sehe das NAP nicht als Begründung für Eigentumsrechte an. Das NAP könnte auch gut in einer Gruppe bzw. Gesellschaft als Basis dienen, in welcher kein Eigentums- recht existiert. Genauer: in welcher nur gemeinschaftliches Eigentum vorliegt.

            „Ein Problem, das ich mit dem NAP habe ist, dass es teilsweise so definiert wird, dass als Aggression nicht nur ein Angriff auf die eigene Person, sondern auch ein Angriff auf das eigene Eigentum angesehen wird, und damit zu einer umfassenden Verteidigung per Gewalt “berechtigt”. „

            Frage.: Wenn ich von einem herrenlosen Baum mir Äste nehme und diese zu einem Korb flechte und dieser Korb dann (wegen der Ressource „Äste“) von einer weiteren Person mir aus meinen Händen gegen meinen Willen „gewaltsam“entnommen werden soll, dann siehst du per se keinen Angriff auf dieses „Eigentum“ und für mich wäre auch eine Verteidigung per Gewalt erstmal nicht unbedingt gerechtfertig? Habe ich das richtig verstanden?

            „Jemand hat einen Lolli (einen Hut/ein Fahrrad/einen Laptop/ein Auto/ein Flugzeug). Ein anderer kommt an und will diesen Gegenstand (unter Androhung von Gewalt/mit leichter Gewalt/mit grober Gewalt und Verletzungen) wegnehmen. Ersterer will diesen Angriff auf sein Eigentum (auf seine Person) nicht hinnehmen und erschiesst (verletzt mit einem Messer/schlägt bewußtlos/würgt) den Aggressor.“

            „Jemand braucht akut eine für ihn (sein Kind) lebenswichtige Medizin. Da er sie im akuten Notfall nicht auf anderem Weg erhalten kann, geht er in eine Apotheke und stiehlt (raubt unter Androhung von Gewalt/unter Ausübung von leichter oder schwerer Gewalt) das benötigte Medikament (da der Apotheker im das Medikament trotz Notfall nur gegen Barzahlung überlassen will).“

            Haben Sie mal versucht einem Rottweiler das Stück Wurst vor seiner Nase wegzunehmen? Glauben Sie der reagiert immer „verhältnismäßig“ ? 

            Die Beispiele zeigen m.E. sämtlich, dass hier immer vom „Nicht-eigentümer“ Gewalt ausgeht. Es ist immer die Gewalt-Initiierung von demjenigen, der dem anderen sein vermeintliches „Eigentum“ nicht zugestehen will. Letztlich können alle die Angreifer auf die Eigentümer mit Aggresion losgehen, ABER: Sie haben dann selbstverständlich auch mit entsprechenden KONSEQUENZEN und ggfs. auch mit „unverhältnismäßiger“ Abwehr zu rechnen!Denn sie waren es ja die mit der Agression begonnen haben und somit das NAP durchbrochen haben. Wenn das die Vorstellung einiger Menschen von „Zusammenleben“ ist? OK. Aber die Voluntaristen und AnCaps haben eine andere 

            „ wie unterschiedlich derartige Fälle je nach Situation und vor allem je nach beurteilendem Indiviuum eingeschätzt werden. Ein absolutes NAP lehne ich daher ebenso als absolute Regel ab, und halte es auch hier für sinnvoller, diese Beurteilung den jeweils “betroffenen” Individuen je nach wahrgenommener Situation zu überlassen“

            Dem ist nichts hinzuzufügen!

            Grüße Harry

          • Peter sagt:

            Hallo Harry!

            „Frage.: Wenn ich von einem herrenlosen Baum mir Äste nehme und diese zu einem Korb flechte und dieser Korb dann (wegen der Ressource „Äste“) von einer weiteren Person mir aus meinen Händen gegen meinen Willen „gewaltsam“entnommen werden soll, dann siehst du per se keinen Angriff auf dieses „Eigentum“ und für mich wäre auch eine Verteidigung per Gewalt erstmal nicht unbedingt gerechtfertig? Habe ich das richtig verstanden?“

            Ich würde nicht sagen: „unbedingt gerechtfertigt“, da neben einem von Dir vermutlich angenommenen eindeutigen Fall, die beschriebene Situation durch andere Umstände m.E. nicht mehr so eindeutig zu beurteilen wäre: z.B. wie sieht die Gewalt aus, mit der der „Eigentümer“ sein „Eigentum“ verteidigt? Ist sie in meinen Augen verhältnismässig? Oder: Ist es der einzige Baum, der z.B. als Heizmaterial zu Verfügung steht?
            Du würdest evtl. sagen, dass seien „konstruierte“ Umstände, und dennoch können m.E. auch in der Realität Umstände bestehen, die dazu führen, dass die individuelle Entscheidung, welches Verhalten als moralisch oder „rechtens“ angesehen wird, je nach Individuum unterschiedlich ausfällt.

            „Die Beispiele zeigen m.E. sämtlich, dass hier immer vom „Nicht-eigentümer“ Gewalt ausgeht.“
            Die beiden Beispiele wurden einzig zur Verdeutlichung der Problematik eines strikt angewendeten NAP gewählt.
            Beispiele, die m.E. eine Gewaltausübung durch die Aneignung beschreiben, wären beispielsweise die bereits genannte exklusive Aneignung der einzigen Wasserressource oder die Aneignung von sonstigen für andere lebensnotwendigen Ressourcen.

            „Es ist immer die Gewalt-Initiierung von demjenigen, der dem anderen sein vermeintliches „Eigentum“ nicht zugestehen will.“
            Und es ist immer die individuelle Einschätzung der Beteiligten/Betroffenen, ob sie die Aneignung für moralisch halten oder nicht.

            Daher könnte man Deinen Absatz „Letztlich können alle die Angreifer auf die Eigentümer mit Aggresion losgehen, ABER: Sie haben dann selbstverständlich auch mit entsprechenden KONSEQUENZEN und ggfs. auch mit „unverhältnismäßiger“ Abwehr zu rechnen!Denn sie waren es ja die mit der Agression begonnen haben und somit das NAP durchbrochen haben.“ auch erweitern mit:

            Letztlich können alle die Aneigner die Nicht-Aneigner von Ressourcen aggressiv auschliessen, ABER: Sie haben dann selbstverständlich auch mit entsprechenden KONSEQUENZEN und ggfs. auch mit „unverhältnismäßiger“ Abwehr zu rechnen!Denn sie waren es ja die mit der Agression begonnen haben und somit das friedliche Zusammenleben durchbrochen haben.

            Die Frage ist vermutlich, was individuell als Aggression oder Initiierung von Gewalt verstanden wird. M.E. ist es dabei wichtig, dass dies immer den Individuen überlassen wird.

            Grüsse, Peter

          • Libertarian sagt:

            „Ich würde nicht sagen: “unbedingt gerechtfertigt”, da neben einem von Dir vermutlich angenommenen eindeutigen Fall, die beschriebene Situation durch andere Umstände m.E. nicht mehr so eindeutig zu beurteilen wäre: z.B: Ist es der einzige Baum, der z.B. als Heizmaterial zu Verfügung steht?“

            Wenn das der einzige Baum wäre, der als Heizmaterial zur Verfügung stehen würde, würde ich ja durch die Verarbeitung des Holzes mir meine eigene Lebensgrundlage zerstören 🙂

            „ wie sieht die Gewalt aus, mit der der “Eigentümer” sein “Eigentum” verteidigt? Ist sie in meinen Augen verhältnismässig?“

            Wie ich ja an anderer Stelle sagte, schließt das NAP für mich „Eigentum“ VERTEIDIGEN mit ein (bzw. nicht aus). (Genau genommen heißt ja NAP NichtAngriffsPrinzip)

            „Letztlich können alle die Aneigner die Nicht-Aneigner von Ressourcen aggressiv auschliessen“

            Wenn ich das NichtAngriffsPrinzip als Basis für kooperatives Handeln zwischen Menschen nehme, kann eine Aggression/ ANGRIFF seitens des Erst-Aneigners gegenüber Nicht-Aneignern meiner Meinung nach ausgeschlossen werden. (Vielleicht ist mir auch noch nicht wirklich klar, was du mit „Ausschließen von Ressourcen durch Aggression seitens des Aneigners“) genau meinst. Aber du sagst ja auch (nicht zu Unrecht):

            „Die Frage ist vermutlich, was individuell als Aggression oder Initiierung von Gewalt verstanden wird.

            Offensichtlich ist das so, da wir beide diesbezüglich, wenn auch in Nuancen, unterschiedliche Auffassungen von Aggression, Angriff, Notwehr bzw. exklusiver Kontrolle haben 

            „M.E. ist es dabei wichtig, dass dies immer den Individuen überlassen wird“

            Dito!

            Zur Vereinfachung würde ich die Diskussion hier beenden und in unserem Kommentatorenfaden bei „Die Causa Benesch….) fortführen, ok?

          • Peter sagt:

            Hallo Harry!

            „Zur Vereinfachung würde ich die Diskussion hier beenden und in unserem Kommentatorenfaden bei „Die Causa Benesch….) fortführen, ok?“ (von http://www.freiwilligfrei.info/archives/4823#comment-7413)

            Gute Idee, die vielleicht auch die Möglichkeit eröffnet, einige Gedankengänge und Erkenntnisse zusammen zu führen und zusammen zu fassen. Dadurch, dass ich die nächsten Tage wieder unterwegs bin, bietet sich mir vermutlich auch die Möglichkeit, einige der Gedanken und offenen Fragen wirken zu lassen. 🙂

            Noch der Link zum bisherigen Ende des anderen Diskussionsfadens:
            http://www.freiwilligfrei.info/archives/4795#comment-7415

            Grüsse, Peter

      • Peter sagt:

        Hallo Tim!

        Danke für Deinen ausführlichen Kommentar dazu!

        Du schreibst:
        „Zuerst möchte ich Eigentum als negatives Recht formulieren: Niemand hat ein höheres Recht ein Gut zu besitzen als dessen Eigentümer. Es ist also nicht gerechtfertigt dem Eigentümer seinen Besitz gegen seinen Willen (z.B. mit oder unter Androhung von Gewalt) streitig zu machen.“

        Dazu eine „praktische“ und eine „theoretische“ In-Fragestellung: Wenn Dein Mitreisender durch die Wüste mehr als doppelt so viele Getränkereserven hat, wie er bis zur nächsten Oase braucht, und Du keine. Was machst Du, wenn er diese nicht freiwilig mit Dir teilt? Und, um auf die theoretische Frage überzuleiten: Was denkst Du was recht ist in dieser Situation, und was denkst Du, dass andere denken würden was recht wäre in dieser Situation? Oder theoretischer formuliert: Wer bestimmt, was Recht ist? Ein Richter, ein Gesetz, eine Regel, oder beurteilt dies doch jeder für sich selbst für die Fälle, in die er Einblick erhält? Im Szenario der letzten Wasserreserven in der Wüste würde sicher nicht nur ich es für moralisch vertretbar halten, wenn Du dem lebensgefährdenden Wasser“eigentümer“ die Hälfte des Wassers (notfalls unter Androhung oder evtl. gar Ausübung von Gewalt) wegnimmst.

        Während Du auf die Punkte 1-3 eingehst, wiederholst Du mehr oder weniger die Argumentation von Hoppe, baust jedoch ebenso wie Hoppe leider auf der unbegründeten „Tatsache“ des Eigentums auf (siehe Zitat oben).

        Bei Punkt 4 erkennt man ebenso deutlich, dass Du – wie vermutlich die meisten Menschen – das Konzept Eigentum stets als gegeben und sinnvoll ansiehst. Ein Problem siehst Du dann, wenn manche Menschen dieses Konzept nicht respektieren. Das lässt natürlich die Frage offen, warum alle Menschen das Konzept Eigentum respektieren sollten/müssen (womit wir wieder am Anfang wären), und warum sie nicht beispielsweise Konzepte wie Nutzung oder Besitz bevorzugen und für sinnvoller halten können. Eventuell entsteht der Konflikt ja nicht durch denjenigen, der das Konzept Eigentum nicht respektiert, sondern durch den, der mit seinem Respekt (und der Befürwortung der gewaltvollen Durchsetzung) des Konzepts Eigentum das Konzept Besitz (oder Nutzung, oder …) nicht respektiert.
        Am Beispiel mit dem See: Der Badende hat den See genutzt und einige Stellen davon dazu zeitweise „in Besitz genommen“. Wenn er ein Befürworter des Konzepts der Nutzung (und/oder des Besitzes) ist, und es beispielsweise dazu in der Gegend bekannt war, dass er und ggf. andere diesen See zum Baden nutzen, dann ist das Aufstellen eines Schildes für ihn unnötig; der Konflikt würde dann an der Stelle entstehen, an der jemand („durch ein absurdes unbegründetes Konzept Eigentum“) ihm seine bisherige Nutzung (und zeit- und teilweise Inbesitznahme) des Sees verbieten will. (Relevant ist hier ggf. auch Reinhards Einwand; s.u.)
        M.E. wird durch die versuchte Fixierung eines starren „Eigentumsrechts“ dem „Eigentümer“ gefährlicherweise das „Recht“ gegeben, sich mit seiner Bescheinigung über (fast?) alle anderen Ansichten und Auffassungen notfalls per Gewalt (über staatliche Richter oder private Schiedsgerichte und deren entsprechenden Handlanger) hinweg zu setzen.
        Statt Individuen vor Ort die Lage nach den jeweiligen dortigen Gewohnheiten je nach Situation beurteilen zu lassen, wird versucht, starre Regeln aufzustellen, die dann (private) Richter interpretieren sollen. Damit haben wie bisher auch die einzelnen Menschen nichts in diesen für sie selbst zentralen Angelegenheiten mehr zu entscheiden, sondern sind wiederum auf Regeln (war Gesetze) und Richter (war Richter) und deren „Sachverstand“ angewiesen.
        Weisst Du, was ich meine?

        Grüsse, Peter

        • michael sagt:

          um 21:45 kommt auch so ein „realistisches“ beispiel wie deins vor und es wird darauf geantwortet: http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=uwrsKGzcZLM#t=1306s

          • Peter sagt:

            Hallo Michael!

            Danke für die Video-Links!
            Bisher habe ich nur die von Dir notierte Stelle mit dem Beispiel angesehen. Ich finde es ja auch teilweise unterhaltsam, wie Stefan mit Pointen, Übertreibungen und anderen Stilmitteln seine Meinung zu Themen mitteilt. Leider gehen dabei m.E. manchmal u.a. die Sachlichkeit und die Logik verloren und werden durch ein versuchtes Lächerlichmachen anderer Auffassungen (oder selbstgebauter Strohmänner) ersetzt.

            In Diskussionen um Freiheit und gegen Etatismus wirft er manchmal den Etatisten auf ebenso humorvolle (?) Art und Weise Inkonsequenz und Prinzipienlosigkeit vor; dennoch verwirft er Beispiele, die lediglich auf das Prinzip hinweisen oder einen Ansatz in voller Konsequenz darstellen sollen, als „unrealistisch“ („This is the shit you have to make up“), wenn sie seine Positionen in Frage stellen. Es geht doch nicht darum, Recht zu haben, sondern eher darum, Gedanken über bessere Formen des Zusammenlebens auszutauschen und dabei zu einem besseren Ergebnis zu kommen. Wenn Prinzipien, Axiome oder Regeln als absolut und zentrale Maßstäbe präsentiert werden, ist es doch m.E. nur allzu verständlich und zu erwarten, dass einem dann Beispiele vorgelegt werden, die diese absolutistische Präsentation dieser Sätze als zumindest fragwürdig offenlegen. Wenn dann auf diese Beispiele in dieser unsachlichen Art „eingegangen“ wird, halte ich dies persönlich kaum für weiterführend, erklärend oder kompetent.

            Seine ansatzweise Argumentation überzeugt mich auch nicht:

            Einerseits argumentiert er damit, dass (private?) Gerichte einem Wucherer (er verkauft die Wasserflasche nur für 1Mio. Dollar) nicht sein Geld zugestehen würden, da eine Art Erpressung durch die Notlage vorgelegen hat. Wo stehen diese Regelungen, nach denen eine Notlage vorliegt? In welchem Gesetzbuch (wenn wie bei Hoppe doch NUR die Regelungen zum Eigentumsrecht definiert werden)? Würde er eine zusätzliche Regel hinzufügen, dass das Ausnutzen einer Notlage eine Aggression ist? Welche Regeln würde er noch hinzufügen? Wer interpretiert das Ganze? Entscheidet das der Richter nach seinem (!) gesunden Menschenverstand? Warum soll seine Auffassung von gesundem Menschenverstand ausschlaggebend sein?
            Man könnte jetzt ja argumentieren, dass die Konfliktparteien sich auf einen Richter einigen, dessen gesunder Menschenverstand beiden passt oder der eine beiderseits ansprechende Reputation hat. Wenn sie sich einigen: gut.
            Aber wenn sie sich nicht auf einen Schlichter einigen können? Sollen sich dann die beiden (potentiell) vorgeschlagenen Richter auf einen Kompromiss-Menschenverstand einigen? Was passiert, wenn von einer Seite kein Richter vorgeschlagen wird? Wie soll das erfolgreich funktionieren, wenn z.B. deutliche kulturelle Unterschiede oder strikt unterschiedliche Auffassungen bezüglich der Interpretation einer Situation vorliegen? Ich habe ernsthafte Zweifel, dass auf diesem Weg Lösungen gefunden werden, die ein friedliches Miteinander ermöglichen. Es erscheint mir wie der hilflose Versuch, aus der Vielfalt der individuellen Interpretationen EINE Kompromissinterpretation zu basteln. Es läuft darüberhinaus bei einer Argumentation dieser Art dennoch meist darauf hinaus, dass die Richter durch den Markt (d.h. die Individuen) zu einem bestmöglichen Urteil gedrängt werden. Den Umweg über einen Richter, mit all seinen Problemen könnte ich mir daher eher in besonderen Ausnahmefällen oder als eine Art Berater mit Vorschlägen für individuelle Entscheidungen vorstellen.

            Andererseits bringt er in seiner Argumentation die negativen Auswirkungen auf den Wucherer bezüglich seines Ansehens deutlich zur Geltung. Wie bereits häufiger geschrieben sehe ich dies ebenso als wirksames (wenn nicht sogar das wirksamste) Mittel.
            Ich frage mich nur, warum er die beiden Aspekte (gesunder Menschenverstand sowie Reputation/Boycott) nicht mit seinen ansonsten zentralen Auffassungen wie Individualismus, Freiheit, Märkte und Freiwilligkeit zusammenbringt, und auf das m.E. sinnvollste Mittel zur Behandlung solcher Konflikte kommt: Alle Beteiligten bzw. interessierten Menschen jeweils selbst entscheiden lassen, wie sie die Situation einschätzen und darauf reagieren wollen. Er ist m.E. zu sehr im Paradigma der privaten Schiedsgerichte gefangen und geht nicht (oder zumindest habe ich das noch nicht von ihm gehört) den weiteren Schritt hin zu einer freien individuellen Beurteilung und Handhabung derartiger Konfliktfälle.


            O.K. ich habe mir jetzt doch das erste Video ganz angesehen und ich muss sagen, dass mich die Art und Weise enttäuscht hat, in der Stefan argumentiert hat und auf die Punkte eingegangen bzw. nicht eingegangen ist, die im von ihm kritisierten Text genannt wurden. Ohne mir jetzt die Mühe zu machen, auf die vielen Ungereimheiten in seinen Aussagen einzugehen, kann ich sagen, dass er m.E. damit kein gutes Licht auf freiheitlich denkende Menschen wirft. Nur ein paar Höhepunkte: Nationalismus ist Diebstahl und damit ein Verstoss gegen das NAP. „Schön“ ist auch die Szene ab 11:52. Man beachte das kompetente Ausweichen vom Thema („You’re a dick. YAD“) hin zu einer versuchten Comedy-Darstellung. Ein weiterer Höhepunkt ist die Beschimpfung und Kriminalisierung der aufgeworfenen Fragen in folgender Weise: „..engaging in abstrakt useless bullshit debates while the bodies pile up around us. This is criminal, fundamentaly. It’s not criminal like you’ll go to jail, but it’s a criminal abrogation of moral responsibility if you have the capacity to reason in ethics and you have the capacity to identify the truth in ethics and you have the capacity to change people’s minds about ethics when we live in such an ethical nihilistic moral hellhole [….] we have a huge amount of work to do. And if you sit there whackin off in a goddam corner about once-in-a-thousand-year-scenarios, while humanity falls into a primordia blood-soaked oose (?) of statism. That’s criminal.“ (ab ~ 27:50; Transkiptionsfehler inklusive). Irgendwo sagte er auch noch, dass Leute, die Probleme mit Umweltverschmutzung haben, ja nach Kanada auswandern können 😉
            Eher nebenbei: Er beschwert sich, dass Leute ernsthafte Kritikpunkte vorbringen, die er als unnötige Details abtut (sogar als kriminell einstuft), und bringt als Argument, dass das Leid auf der Welt so groß ist, dass man solche Details beiseite lassen sollte. Stattdessen wundere ich mich, dass er so „unterhaltsam“ und mit dieser flapsigen Art Leute runtermacht, die eben Befürchtungen haben, dass mit seinen Ansätzen das Leid nicht abnehmen wird, sondern u.U. sogar noch größer werden wird. Wenn er es mit der Leidensbekämpfung ernst meint, sollte er m.E. auch ernster mit dem Thema umgehen.

            Was er in diesem ermüdenden Video macht ist folgendes: Er liest die Kritikpunkte vor. Die Kritikpunkte sind meist mit Beispielen verbunden, die den theoretisch formulierten Kritikpunkt möglichst bildhaft und deutlich machen sollen. Stefan macht sich dann über das Beispiel lustig, wie konstruiert und realitätsfern dass doch sei. Anschliessend biegt er sich das Beispiel zu zurecht (oder formuliert schnell ähnlich plakative Beispiele), um dann das Beispiel richtig zu „lösen“ und allen, die ihm da nicht zustimmen würden, implizit oder explizit Dummheit vorzuwerfen. Auf den eigentlichen Kritikpunkt geht er nicht ein. Stattdessen viel Fäkalsprache und Worthülsen. Er erkennt nicht oder will nicht erkennen, dass es in den Kritikpunkten fast durchgehend darum geht, dass die Anwendung des NAP in vielen wesentlichen Punkten eine umfangreiche Interpretation benötigt und diese keineswegs so eindeutig ist, wie die an sich einfache Grundaussage des NAP. Auch andere ernsthafte Kritikpunkte, wie z.B. zum Zusammenhang zwischen NAP und Eigentumsrechten werden mit Worthülsen und Klamauk umgangen (ab ~ 11:50).

            Grüsse,
            Peter

  7. Reinhard sagt:

    Hallo Peter, Kritik ist immer gut zum Aufdröseln von Problemen und diesbezüglichen Argumenten. Insofern möchte ich mich da nicht einmischen, zumal durch Deine Zweifel neue Denkansätze in mir entstehen, statt daß ich einer brillanten Vorgabe (Hoppes Text) unreflektiert nachgehe.
    Was das Beispiel mit dem Teich betrifft, ist aber auch Deine Argumentation nicht ganz lupenrein. Dieser Teich wurde ja bereits genutzt, und sei es nur als eine Art Freizeitpark, ehe der Fischzüchter nun auftaucht und ihn für sich beansprucht. Insofern haben die „Badefrischler“ bereits Rechte an diesem köstlich/kostbaren Naß, und umgekehrt müßte nun der Züchter ein Agreement mit ihnen anstreben, wie sie evtl. alle dieselbe Ressource nutzen können, ohne sich ins Gehege zu kommen.
    Allerdings denke ich auch, daß es schlecht angehen kann, daß ein erstmaliger Territorialanspruch absolut gesetzt werden kann – genausowenig wie die behauptete Staats-Omnipotenz oder, vorher, des Fürsten Leibeigen-Besitz seiner Untertanen. Denn beim Territorium wurde der Zeitfaktor vergessen: alles ändert sich in dessen Verlauf, und ein zeitenthobenes Recht zu erheben, kommt mir willkürlich vor.
    Trotzdem, und das Argument ist für mich unschlagbar: ein Monopol, sei’s von Staat, Potentat oder Mafia-Pate beansprucht, leistet definitiv und zunehmend schlechten Service, der bis hin in die Totalversklavung münden kann – schon daher gehört dieser Gedanke auf den kritischen Prüfstand.
    Und was den Minimalstaat anlangt, trägt der in sich auch den Virus zum Selbstläufer, also zur pervertierten Krebszelle, die über kurz oder lang den Gesamtkörper durchwuchert – was wir heute gesellschaftlich erleben, ist das erschreckende Beispiel dafür.
    Vielleicht gibt es ja auch nur den Kompromiß, also das Monstrum zu domestizieren, um es vor den Karren spannen zu können, allerdings unter der Regie eines wachsamen Kutschers mit knallender, nötigenfalls züchtigender Peitsche. Einfache Lösungen scheinen hier Blendwerk.
    Sandmann forderte mich auf: „Versuche doch bitte einmal, dich gedanklich in eine Welt ohne Staat zu versetzen.“
    Das ist für den Normalverbraucher heute vielleicht so schwer wie vor der kopernikalischen Zeit, sich die Welt anders als eine Scheibe vorzustellen, oder vor Nietzsche, sich vorzustellen, daß Gott tot sei. Und in den jeweiligen Zeiten war so etwas auch immer Blasphemie und Ungeheuerlichkeit und „todeswürdig“. Trotzdem wurden diese Blasphemien fortgedacht, auch obwohl sie scheinbar, aus einem konservativen Blickwinkel, unmöglich erschienen. Einstein sagte einmal sinngemäß, daß man, um wirkliche Neuentdeckungen zu machen, erst mal aus der Betriebsblindheit aussteigen muß, mithin wieder die kindliche Naivität, (gedanken)spielerisch, erlangen muß. Wer im System drinbleibt, betrachtet dieses als Kosmos, weshalb es ihm unmöglich ist, je darüber hinaus zu kommen. Ich sehe nur, daß Staatsstrukturen immer schlimmste Kriegsgreuel mit sich brachten. Das hinterläßt in mir zumindest ein unangenehmes Gefühl in Bezug auf „Staat“: es stinkt im Staate – nicht bloß Dänemark, das ja nur symbolisch für alle ist, und dieser „Gestank“ motiviert mich, darüber zu sinnen, woher das kommt. Irgendwas stimmt nicht – vielleicht an dem Gesamtkonstrukt?
    Ich will da raus – fast so schwer wie für den Mittelalter-Zeitler aus der Gottesallmacht-Vorstellung oder der Erde als Sandkörnlein am unendlichen Meeresstrand. Nur – es stinkt halt, und das stinkt mir ganz persönlich!

    • Peter sagt:

      Hallo Reinhard!

      Danke für Deine Einmischung 😉

      Danke auch, dass Du auf die mögliche Lücke in meinem Beispiel in Bezug auf die zweite von Hoppe genannte Regel hingewiesen hast!

      Hoppe: „Jede Person ist darueber hinaus privater Eigentuemer aller derjenigen natur-gegebenen Gueter (Dinge), die sie zuerst als knapp wahrgenommen und mit Hilfe ihres eigenen Koerpers zu nutzen und bearbeiten begonnen hat, d.i., bevor dieselben Gueter von anderen Personen als knapp wahrgenommen und benutzt wurden.“

      Durch den letzten Teilsatz und die und-Verknüpfung („als knapp wahrgenommen und benutzt“) hängt es im Beispiel nun tatsächlich auch davon ab, ob der Badende den See auch als knapp wahrgenommen hat. Dies könnte natürlich durchaus sein, wodurch der Fall entstehen würde, dass der Fischzüchter sich den Teich nach dieser Regel nicht aneignen „dürfte“.

      Deine Zweifel an der Sinnhaftigkeit von starren Festlegungen (wie Eigentumsrechten) in einer sich ständig wandelnden Umgebung, sowie die an Monopolisierungen teile ich.

      Mit Bezug auf den Minimalstaat schreibst Du: „Vielleicht gibt es ja auch nur den Kompromiß, also das Monstrum zu domestizieren, um es vor den Karren spannen zu können, allerdings unter der Regie eines wachsamen Kutschers mit knallender, nötigenfalls züchtigender Peitsche. Einfache Lösungen scheinen hier Blendwerk.“

      M.E. würden auch viele wachsame Menschen ausreichen. Zumindest, wenn sie nicht denken, dass sie das Monstrum brauchen. Dann könnten sie die viele Energie und Zeit, die sie sonst für das Füttern und Bewachen des Monstrums verschwenden, der Aufmerksamkeit für ihre Umgebung widmen und in die Entwicklung anderer Transportmittel stecken.

      Interessant und sehr wertvoll fand ich übrigens auch Deine Gedanken und Zitate zur Veränderung von Ansichten und Weltanschauungen.

      Grüsse,
      Peter

  8. freedomforce sagt:

    So wichtig die Einsicht in die Alternativlosigkeit der Einrichtung des Privateigentums als Mittel der Konfliktloesung ist, sie reicht doch nicht aus, um auch tatsaechlich soziale Ordnung zu schaffen. Denn auch wenn jedermann weiss, wie Konflikte vermieden werden koennen, so ist es doch moeglich, dass Personen Konflikte gar nicht vermeiden wollen, sondern sich von ihnen persoenliche Vorteile (auf Kosten anderer) erhoffen. In der Tat, so lange Menschen sind wie sie sind, wird es auch Moerder, Raeuber, Diebe und Betrueger geben, die sich nicht an die erlaeuterten Regeln halten. Eine jede Sozialordnung benoetigt darum, um Bestand zu haben, Mechanismen, die dafuer sorgen, dass Regelbrecher erfolgreich in Schach gehalten werden. Doch wie ist diese Aufgabe zu loesen, und durch wen?

    Klar, sie haben den Normen gar nicht zugestimmt, darum dürften diese für sie nicht gelten. Was ist an einer Ordnung sozial, die Anderen aufgezwungen wird? Durchsetzbar ist, was ethisch zu rechtfertigen ist.

    Vorschlaege zur Loesung des Problems gesellschaftlicher Ordnung gibt es viele, und diese Vorschlagsvielfalt hat dazu beigetragen, dass die Suche nach einer einzigen, “korrekten” Problemloesung vielfach fuer illusorisch gehalten wird. Und doch gibt es eine seit langem bekannte korrekte Loesung, und fuer einen moralischen Relativismus besteht deshalb keinerlei Grund. Die Loesung des Problems gesellschaftlicher Ordnung ist die Idee des Privateigentums.

    Eine One-Size-fits-all Lösung gibt es nicht. Den Geist Gesellschaft gebührt die Flasche. Was funktioniert muss nicht zwangsläufig die einzig „korrekte“ Lösung sein.

  9. silver price sagt:

    vom 8. April 1983 jeweils entsprechende völkerrechtliche Verträge geschlossen worden, doch ist erstgenannter Vertrag aufgrund der niedrigen Zahl seiner Vertragsstaaten von nur geringer praktischer Bedeutung und ist letztgenannter Vertrag in Ermangelung einer ausreichenden Zahl von Ratifikationen bislang nicht in Kraft getreten.

  10. Im heutigen Sinne bezeichnet Recht meist ein System von Regeln mit allgemeinem Geltungsanspruch, das von gesetzgebenden Institutionen oder satzungsgebenden Körperschaften geschaffen ( Rechtsetzung ) und nötigenfalls von Organen der Rechtspflege durchgesetzt wird ( objektives Recht ). Im Gegensatz zu Moral und Sitte sieht das so verstandene Recht – vor allem das Strafrecht – staatliche Sanktionen für den Fall vor, dass Verhaltensregeln nicht eingehalten werden.

  11. Granter sagt:

    Wie ist es jetzt, wenn im Schlarafenland, wie oben beschrieben, alle Güter zwischen Robinson und Freitag aufgeteilt sind und jemand drittes auf die Insel kommt?

    Da alles bereits schon Eigentum von jemanden ist, außer der Körper des Dritten, so muss der Dritte wohl seinen Körper verkaufen, um überleben zu können. Aber hat er überhaupt die moralische Pflicht zu akzeptieren, dass die, welche vor ihm auf der Insel waren, alles schon als ihr Eigentum klassifiziert haben?

    Müssten Robinson und Freitag nicht erst mit dem Dritten verhandeln, was sie ihm gegenüber als Eigentum bezeichnen dürfen?

    • Grobi sagt:

      Im Schlaraffenland gibt es keine knappe Ressource und darum muss dort auch nichts „aufgeteilt werden“. Wenn, wie du schreibst „alle Güter aufgeteilt sind“, dann heißt das, dass es nur eine bestimmte Anzahl davon gibt, was aber dem theoretischen Konzept des Schlaraffenlands widerspricht.

  12. Libertarian sagt:

    „Müssten Robinson und Freitag nicht erst mit dem Dritten verhandeln, was sie ihm gegenüber als Eigentum bezeichnen dürfen?“

    Gegenfrage: Wenn Robinson und Freitag sowie jeder Erstbesitzer mit jedem potentiellen Nachfolger (ca. 6 Milliarden auf diesem Planeten) verhandeln müssten, würde dann überhaupt irgendjemand Eigentum jemals AUSSCHLIEßLICH für sich beanspruchen können?

    weitere Gegenfrage: Wenn der Dritte tatsächlich seinen vermeintlichen Anspruch verwirklichen kann und nun ebenfalls Eigentümer (zu 1/3 ) wird, dann hätte er auch mit all den nächsten vermeintlichen Anspruchsberechtigten, welche auf die Insel kommen, zu verhandeln, oder?
    Hätten Sie Lust hier überhaupt Eigentümer zu werden? Nämlich letztlich lediglich ein GEMEIN-Eigentümer oder besser gesagt überhaupt kein Eigentümer zu sein?

    • Granter sagt:

      Natürlich hätte ich keine Lust mit allen Menschen in meiner Umgebung immer wieder neu zu verhandeln. Aber das ändert ja nichts daran, dass Menschen akzeptieren sollen, dass ich etwas mein Eigentum nenne, allein auf der Tatsache heraus, dass ich es eben vor ihnen entdeckt habe, mir zu eigen gemacht habe.

      Um bei dem Beispiel zu bleiben, der Dritte, der später auf die Insel kommt sieht einer Situation ausgesetzt, in der er nichts besitzen kann. Meine Vermutung wäre, er würde den beiden den Vogel zeigen und ihnen sagen, ich akzeptiere nicht, dass euch alles gehören soll.

      Also ich finde diese Art der Begründung von Privateigentum nicht sehr überzeugend.

      • Libertarian sagt:

        „Meine Vermutung wäre, er würde den beiden den Vogel zeigen und ihnen sagen, ich akzeptiere nicht, dass euch alles gehören soll.“

        Selbstverständlich kann er das:-) Aber in diesem Falle hat er selbstverständlich auch die Konsequenzen zu tragen, oder?
        (Als da wären Kampf bis hin zum Risiko sein eigenes 🙂 Leben zu riskieren…)

        Wenn er das wirklich will und Privateigentum den anderen Beiden (und somit in Zukunft für sich selbst dann eben auch nicht!) zugestehen will, nur zu….:-)

  13. Purmichel sagt:

    Hier mal ein praktisches Beispiel, was passiert, wenn der Staat sich zurückzieht.
    Passt sicher gut hierher:
    http://www.ef-magazin.de/2013/07/13/4342-usa-der-staat-zieht-sich-zurueck

  14. Molot sagt:

    @Granter
    Wie ist es jetzt, wenn im Schlarafenland, wie oben beschrieben, alle Güter zwischen Robinson und Freitag aufgeteilt sind und jemand drittes auf die Insel kommt?
    Wenn es für Ihr Verständnis der Problematik einfacher ist, dann stellen Sie Sich doch anstatt Robinson und Freitag, Sich selbst und Ihre Frau vor. Und anstelle der Insel, Ihr Wohnzimmer oder Ihren Vorgarten.

  15. SATAN sagt:

    Es gibt mitunter bei sehr guten Seiten auch völlig unterirdische Artikel die sich „gegen den Staat“ richten. http://www.misesde.org/?p=2071

    Was da alles an Gewaltverherrlichung, Schwarz-Weiss-Denken und Ideologieverbrämtheit raus sabbert… hat mich schon sehr gewundert!

  16. […] der Tatsache, dass die neuen Anbieter um Kunden auf einem freien Markt konkurrieren, an dem private Eigentumsrechte respektiert werden, müssen diese Anbieter mit begrenzten Budgets klarkommen und versuchen die Wünsche ihrer […]

  17. curiosa globunznik sagt:

    Naja, Somalia ist das klassische Beispiel für eine staatsfreie Privatrechtsgesellschaft.

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