Das Gewaltmonopol ist Gott

On 9. Juli 2013, in Gesellschaft und Politik, by FreiwilligFrei

von Tommy Casagrande

Die Vertreter der Idee des Gewaltmonopols üben sich dahingehend in Intoleranz, als dass sie die Gewalt (= Kräfte über das Leben) einzig einem Monopol zugestehen wollen, dass sich von jener Gewalt ernährt (und dabei nicht satt werden will), die es den Menschen nimmt.

Das Gewaltmonopol erscheint unter diesem Lichte besehen wie ein Krebsgeschwür, das sich so lange ernährt, bis der Wirt (die Menschen) ausgesaugt sind. Ein solcher Parasit, wie es das Gewaltmonopol ist, lebt davon, sich mit Gewalt zu bereichern. Umso mehr es sich mit Gewalt bereichert, umso mehr Gewalt wird ihm zuteil. Aufgrund der Bereicherung mit Hilfe der Gewalt, wächst die Gewalt, um sich noch mehr zu bereichern.

Früher war das, was man Gott nannte, die Legitimation für Gewaltanwendung. Wer nicht an Gott glaubte, wer sich den göttlichen Regeln widersetzte, wer wagte, sich über ihn lustig zu machen, der bekam es mit dem Gewaltmonopol der Vertreter dieser Idee zu tun, der Kirche. Mehrere Götter nebeneinander existieren zu lassen galt als Frevel. Menschen nebeneinander existieren zu lassen, die an verschiedene Götter glaubten oder vielleicht an gar keinen Gott glaubten, galt als Tabu, welches aufrecht zu erhalten, dem Gewaltmonopol seine Berechtigung verlieh.

Heute sind wir tolerant genug, dass wir zugestehen, dass jeder Mensch an das glauben dürfen sollte, woran er glaubt. Und wir gestehen jedem Menschen zu, auch an nichts zu glauben. Die Paradigmen haben sich jedoch verschoben. Heute ist das, was einst als Gewaltmonopol die Idee Gottes verteidigte, zu einer anderen Idee gewechselt, nämlich der Idee des Staates. Es gibt verschiedene Vorstellungen darüber, wie ein Staat sein sollte und es gibt Menschen, die an gar keinen Staat glauben. Es gibt keine objektiv richtige Lebensweise. Es gibt keinen objektiv richtigen Staat. Genauso wenig, wie es einst einen objektiv richtigen Gott gegeben hat. Auch die Überzeugung, dass gar kein Staat das Beste sei, ist nicht objektiv.

Menschliche Bedürfnisse sind stets subjektiv. Und menschliche Bedürfnisse können sowohl im Bereich der Ideenwelt über die Götter wie auch im Bereich der Ideenwelt über gesellschaftliche Organisationsmodelle unterschiedlichste Formen annehmen. Die wichtigste Errungenschaft hinsichtlich einer Zivilisation ist nicht der Konformismus zum objektiv richtigen Verhalten, sondern die individuelle Freiheit, seinen subjektiven Bedürfnissen zu folgen. Erst dadurch ist es vorstellbar und möglich, dass freiwillig gegründete und freiwillig gelebte staatliche Gesellschaftsorganisationsmodelle neben freiwilligen nicht-staatlich organisierten Gesellschaftsorganaisationsmodellen existieren können (wie beispielsweise die PRG eine solche ist).

Freiheit hat einen Wert um ihrer selbst Willen. Ihr Wert ist zu allererst immateriell. Erst in Folge dessen erweist sie sich auch als materieller Gewinn. Freiheit anzustreben, weil sie Wohlstand fördert, weil sie reich macht, ist ein angenehmer Nebeneffekt, doch es sollte nicht der Grund sein, weshalb man sich für sie ausspricht. Denn im Zeitalter der demokratischen Partikularinteressen ist es möglich, dass manche gesellschaftliche Schichten viel mehr Profit machen können, aufgrund der Unfreiheit der anderen und für sie wäre die Freiheit ein materielles Verlustgeschäft. In einem Zeitalter des staatlichen Geldes indes wird bei breiten Bevölkerungsschichten die Idee des Staates als eine solchartige Illusion konstruiert, durch die, wie einst Frédéric Bastiat schon sagte, jedermann und jederfrau versucht, auf Kosten aller anderen zu leben. Und so lange dieses Pyramidenspiel in den Augen der Beteiligten funktioniert, lässt sich Freiheit aus utilitaristischer Sicht gegenüber der Idee des Staates kaum erfolgreich positionieren.

Das Entscheidende, um zu Freiheit, Frieden und Wohlstand zu gelangen, ist ein Abfall vom Glauben, dass das Gewaltmonopol die einzig richtige Idee sei, die neben sich keine anderen Götter, äh Ideen, existieren lassen darf. Das Zauberwort, womit diesen Großinquisitoren beigekommen werden muss, nennt sich TOLERANZ.

 

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38 Responses to Das Gewaltmonopol ist Gott

  1. Peter Boehringer sagt:

    Wie fanatisch muss man eigentlich sein, um in zwei Tagen drei immer pathetischere Artikel zu schreiben mit der einzigen Botschaft
    a) Ich will meine Freiheit und verlange Toleranz …
    b) … aber böse „Großinquisitoren“ und (ausgerechnet) intolerante „Minimalstazis“ lassen mir diese Freiheit nicht …

    … während man aber das schlichte und völlig unaufgeregte Gegenargument einfach nicht zK nehmen will? Darum NOCHMALS und ganz langsam zum Mitschreiben (Eigenzitat von eben zu einem anderen TC-Artikel http://www.freiwilligfrei.info/archives/4743 ):

    „Wenn die geneigten Leser hier wenigstens die unten verlinkten drei Artikel lesen, dann bitte dabei im Hinterkopf behalten, dass wir nicht ‚intolerant‘ sind, sondern schlichtweg (und wie gefordert in eurem Sinne hoch akademisch!) aufzeigen, was die wahre Natur – nun … der NATUR ist. Ihr kämpft/”spielt” NICHT GEGEN UNS!! Wir sind nur die Boten. Ihr argumentiert gegen die Natur des Menschen.“

    => Man kann zwar in der Tat mit quasi-religiösem Eifer und etwas rhetorischem Talent und philosophischer Energie EWIG gegen diese mE empirisch absolut gesicherte Erkenntnis an-argumentieren [wer sie für nicht gesichert oder gar für änderbar hält, muss den Menschen umerfinden/umerziehen]. Die Natur (ungleich „Gott“) wird es aber wenig jucken. Und es macht auch keinen Sinn, bei Einwänden deren Boten aufzuhängen.

    => Wie schon im anlassgebenden ersten Artikel http://www.goldseitenblog.com/peter_boehringer/index.php/2013/06/24/replik-auf-herrschaftslegitimierung-fuer geschrieben:

    „Macht ist Macht. Sie existiert, sie muss in gewissem Maße immer ausgeübt werden – das sage sogar ich als radikaler Vertreter des Individualismus! … Die Legitimationsfrage ist keine objektiv-zufriedenstellend beantwortbare. Es kann immer nur darum gehen, die existierende Macht (die immer Individualrechte einschränkt) möglichst klein zu halten / sie quantitativ zu begrenzen (Minimalstaat), sie qualitativ zu begrenzen (durch eine Verfassung), sie durch möglichst bürgerverhaftete Gewaltenteilung und durch Mitspracherechte der Menschen zu begrenzen (Direktdemokratie). Sprich: vom vorzivilisatorischen, inhumanen Recht des Stärkeren wegzukommen, wohl wissend, dass das nie vollständig gelingen wird.“

    • michael sagt:

      Die Menschen haben die Fähigkeit zu kritischem Denken verloren – Menschen werden geboren und besitzen die Fertigkeit des kritischen Denkens. Menschen werden jedoch ständig bestraft wenn sie kritisch denken. Wenn man kritisches Denken an die Menschen heranträgt, dann sorgt man im Endeffekt dafür, dass all die Bestrafungen der Menschen die sie als Kinder für wirkliches kritisches Denken erleiden mussten, wieder hochkochen. Wenn die Kinder religös erzogen werden und sie Fragen bezüglich der Religion haben und diese stellen so werden sie angegriffen, ausgelacht, gedemütigt und bestraft für diese Fragen. Ein Kind das von seiner Mutter geschlagen wird mit den Worten „Nicht Schlagen!“ wird einige kritische Fragen an seine Mutter stellen wollen. Das sind Fragen die alle Kinder ihre Eltern fragen wollen. Ich weiß das aus eigener Erfahrtung, weil meine Tochter mir ununterbrochen diese Fragen stellt. Sie ist neugierig bzgl. meiner Integrität und den Werten für die ich einstehe. Wenn ich also zum Beispiel sage “ Wir benutzen keine Gewalt, um das zu bekommen was wir haben möchten“, dann scannt sie mich die ganze Zeit über, ob ich Gewalt anwende. Sie versucht herauszufinden ob ich Integrität besitze oder ob ich einfach nur Regeln benutze, um sie zu kontrollieren. – Stefan Molyneux

    • markus_eserver sagt:

      Ich wollt bloß kurz Mitteilen, dass ich deinen Einwand bezüglich „immer pathetischere Artikel“ ein Stück weit nachvollziehen kann. Ich würde dem Thema ehrlich gesagt auch nicht so einen großen Fokus geben. Es gibt noch genügend Voll-Etatisten…

      • michael sagt:

        markus, kannst du mir bitte erklären, was der unterschied an meinemn tod ist, ob ich von einem voll-etatisten oder nichtvoll-etatisten umgebracht werde, weil ich mich konsequent weigere mich räuberisch erpressen zu lassen?
        wäre ich dann nur halbtot? 🙂

        • markus_eserver sagt:

          Da gibt es natürlich keinen Unterschied. Warum fragst du?

          • michael sagt:

            deshalb:
            „Ich würde dem Thema ehrlich gesagt auch nicht so einen großen Fokus geben. Es gibt noch genügend Voll-Etatisten…“

    • isomorph sagt:

      „Macht ist Macht. Sie existiert, sie muss in gewissem Maße immer ausgeübt werden“

      Jedoch nur, um sich gegen jene zu wehren, die selbst über einen Macht ausüben wollen, was jedoch nur Notwehr ist und gar keine Machtausübung.

      Ich möchte über niemanden Macht ausüben, fwf auch nicht, da sie sich zum NAP(Nicht-Aggressions-Prinzip) bekannt haben. Wie steht es mit ihnen Herr Boehringer? Doch Vorsicht, wer sich zum NAP bekennt, bekennt sich damit automatisch zum Voluntarismus. Müssen sie wirklich, wenn auch nur in gewissem Maße, Macht ausüben, Herr Boehringer?

      lg iso

      • Peter Boehringer sagt:

        Antwort PB: Nein, muss ich nicht. Meine Macht (sofern es sie gibt) resultiert nicht aus Geld, Drohungen, Machtmonopol, oder gar Erpressung und Gewalt. Sie resultiert aus der Überzeugung VIELER Leser durch die Kraft der reinen Vernunft und Realitätssinn – aber natürlich NICHT ALLER Leser. Alles ist völlig freiwillig: sowohl die Zustimmung der follower als auch die Ablehnung der Kritiker. Und nun? Probleme damit?

        Dumm nur, dass die NATUR nicht „PB“ heißt und sich von isomorph oder anderen auch nicht fragen lässt, warum sie der Menschheit so seltsam zwanghaft-kollektivistische Dinge wie „Unfreiwilligkeit“, „Schicksal“, „Macht der Starken und Gerissenen“ und „Unterordnung der Schwachen unter Stärkere“ in die Wiege gelegt hat und wann und warum sie wie viel Gewalt über die doch nur pazifistisch-voluntaristisch-freiwillig leben wollenden ACs ausübt, weil auch die halt dummerweise und nolens volens in ethnischen, militärischen, familiären, kulturellen, sprachlichen, gesundheitlichen, klimatischen, sogar geschlechtlichen Zwangs-Kollektiven und Schicksalsgemeinschaften verhaftet sind, aus denen sich nur die Allerreichsten teilweise herauskaufen können.

        => Fazit NOCHMALS: Die Frage „Wollen Sie, Boehringer, Macht ausüben?!?“ ist völlig falsch gestellt.
        I C H B I N N U R E I N B O T E !!
        Noch dazu ein über vier Artikel nachdrücklich und unfreiwillig hier ins Forum gerufener. Aber eben einer, der dann auch diese natürliche (ungleich „göttliche“) Botschaft klar überbringen muss. Das ist ein innerer Zwang – fast so natürlich wie die Machtpolitik der Natur. Aber trotzdem völlig „voluntaristisch“ empfunden…

        • isomorph sagt:

          Hallo Herr Boehringer, mitten in der Nacht schreibe ich ihnen noch diese Zeilen, als Ausdruck meiner Wertschätzung.

          Macht ist die Möglichkeit, mit angreifender Gewalt Zwang auszuüben. Also Herrschaft. Sie Herr Boehringer üben also keine Macht über mich aus. Mal abgesehen vom Wählen, falls sie noch gehen, was mir jedoch auch egal wäre.

          Es mag ihnen vielleicht entgangen sein, doch ich frage mich sehr wohl wieso, weshalb, warum und bin darauf gekommen, das es höchstwahrscheinlich ein evolutionärer Prozess ist, des menschlichen Geistes, der aus Sklaven Leibeigene und aus Leibeigenen Bürger gemacht hat, doch naturgemäss noch nicht zu Ende ist, sondern erst wenn Herrschaftslosigkeit erreicht ist. Wenn Freiheit erreicht ist.

          Aus der Wiege in die Freiheit!

          http://globalefreiheit.de/evolutionindiefreiheit.htm

          Wenn sie nur ein Bote sind, bitte verzeihen sie mir die Frage, wer hat sie geschickt?
          Bitte nicht falsch verstehen, ich entnehme ihrer gesamten Antwort auch, dass sie keine Macht über mich ausüben wollen oder sonst wen, auch wenn ich mich über ein einfaches Ja oder Nein zu Satzbeginn gefreut hätte, geschweige denn über einem Bekenntniss zum NAP. Wie siehts aus damit?

          wertschätzende Grüße
          iso

          • PB sagt:

            Kurz nur, da eigentlich eher was für eine PN-Antwort (gibt es hier eine persönliche Nachrichtenfunktion?):

            Warum Bote? Steht schon oben: „Noch dazu ein über vier Artikel nachdrücklich und unfreiwillig hier ins Forum gerufener“. Ein Artikel war auf ef (Hoischen) erschienen und drei hier. Zudem wurde gleich zu Beginn hier mehrfach gerufen „der Boehringer sollte hier mal mitlesen und sich mal dazu äußern“, was ich im Interesse der Sache nun auch mache. Inzwischen habe ich übrigens drei Interviewanfragen zu unserer Debatte hier (noch keine angenommen).

            Zum „NAP“: Klar – jederzeit. Wäre es anders und ich wäre auf Angriff aus, würde ich diese Debatte hier (die eh schon viel zu viel Zeit kostet) offen im Goldseitenblog führen, wo sie viel mehr Leute mitbekämen und wo ich die Kämpfe gegen die WAHREN (keynesianisch-totalitären) Gegner führe. Ihr seid eigentlich die völlig falschen Diskussionspartner, da von der Zielsetzung „individuelle Freiheit“ her ja ähnlich gepolt (dachte ich, leider wird dieses Ziel und der voluntaristische, angeblich zwangfreie Weg hier nicht zu Ende gedacht).

            Darum (nochmals Wiederholung): Ein klares „JA“ zum NAP zwischen isomorph, PB, FWF usw. Dumm nur, dass ich nur BOTE bin und dass ihr mit der Natur und ihren Restriktionen keinen NAP abschließen könnt. Und mit allen anderen Menschen, darunter viele macht- und sonst materiell-Gierige auch nicht. Deren Existenz lässt die Minimalstaatler eben über Gegenmächte mit (minimalem aber in den Kernaufgaben wirksamem) Gewaltmonopol nachdenken. Wohl wissend, dass das alles nicht neu ist, seit 5000 Jahren auf dem Weg in die Zivilisation bzw. heraus aus dem Dschungel der Stärksten evolutorisch ohne Plan in fast allen Kulturen umgesetzt wurde – mithin im Gegensatz zur Anarchie bewährt und im Gegensatz zur 100%igen PRG erprobt ist. NICHT bewährt hat sich nur die PERVERSION des Minimalstaats – seit dem 20. Jhdt besonders befördert durch all das Böse finanzierende Falschgeld!

          • isomorph sagt:

            Hallo PB, ich muss eingestehen, die Frage, wer sie geschickt hat war wohl wirklich etwas unsachlich und ausserdem in der Tat bereits zuvor von ihnen beantwortet.

            Ich finde es grosse klasse, dass sie sich hier stellen, allergrössten Respekt dafür. Und ganz besonders freut mich ihr Bekenntniss zum NAP und damit auch zum Voluntarismus. Denn damit sind sie auch kein Minimalstaatler mehr, sondern Anarchist, es sei denn, sie befürworten einen Minimalstaat, der entgegen der Natur des Staates, keinerlei Macht, also Herrschaft über Menschen ausübt. In diesem Falle, würde ich voll hinter ihnen stehen und höchstens noch fragen, ob man das nicht lieber anders als Staat bezeichnen sollte?

            Macht = die Möglichkeit mit Aggression, also angreifender Gewalt, erzwungene Herrschaft auszuüben.

            Kurz zum NAP: das schliesst man nur mit sich selber ab. Man vereinbart mit sich selbst, über niemanden Macht oder Herrschaft oder Gewalt oder Zwang auszuüben. Wogegen man sich nur verteidigt.

            Es geht jedoch nicht darum, bei irgend einem gesellschaftlichem Projekt nicht mitmachen zu wollen, es geht nur darum, nicht mitmachen zu müssen. Es geht darum sich selbst aussuchen zu können wo.

            Desweiteren haben sie nun 4 Anfragen für ein Interview, denn hiermit eine mehr, und zwar von:

            http://globalefreiheit.de/

            Nicht nur zu diesem Thema, denn ich bin mir sicher, Sie haben sicherlich unendlich viel mehr zu erzählen. Also falls Sie mal nach Berlin kommen, über eine Zusage würde ich mich riesig freuen, und unsere paar Leser bestimmt auch. Um ihre Entscheidung zu erleichtern, schauen sie doch bitte mal kurz hier rein, was es so ganz selten zu lesen gibt, genau ihr Fachgebiet ist, und zu einem gewissem Anteil auch von Ihnen stammt, wenn ich mich nicht täusche:

            http://globalefreiheit.de/inflation.htm

            Viele liebe Grüsse aus Berlin
            iso

    • Zef sagt:

      >… die Natur des Menschen

      „Nach der Natur leben wollen, gerade heißt: unethisch leben wollen. Die Natur ist gleichgültig gegen die Unterscheidung, die der Ethik alles ist: die zwischen Gut und Böse“ (Kierkegaard, Entweder/Oder).

      Der „Natur-Gewalt-Monopol-Staat“ ist von seinem Wesen her ebenso primitiv und aggressiv wie die Gefahr, die er zu bändigen vorgibt.

      Jede Ethik, die er im Munde führt, folgt nicht aus seinem Wesen, sondern ist lediglich aufgeschminkt; daher die („empirisch“) kurzen Habwertzeiten.

      Gewalt gebiert Gewalt. Punkt!

      Alles Werden geschieht aus Freiheit – (gerade) auch das Werden der ethisch selbständigen Individualität (nix „Umerziehung“).

      Dass eine Gesellschaft ethisch selbständiger Individuen unter Marktbedingungen mit primitiver Aggression nicht zurande kommt, ist bloße Behauptung.

      Monopole sind nur eins: schlecht und teuer.
      Das ist die Regel.


      „Seine Schrift wird sein, wie sein Leben: Material.
      Vielleicht wird dieses Material Gold wert sein, aber es ist doch nur Material“ (Kierkegaard, Buch Adler).

    • Peter sagt:

      Hallo Peter!

      Du schreibst:
      “Macht ist Macht. Sie existiert, sie muss in gewissem Maße immer ausgeübt werden – das sage sogar ich als radikaler Vertreter des Individualismus! … Die Legitimationsfrage ist keine objektiv-zufriedenstellend beantwortbare. Es kann immer nur darum gehen, die existierende Macht (die immer Individualrechte einschränkt) möglichst klein zu halten / sie quantitativ zu begrenzen (Minimalstaat), sie qualitativ zu begrenzen (durch eine Verfassung), sie durch möglichst bürgerverhaftete Gewaltenteilung und durch Mitspracherechte der Menschen zu begrenzen (Direktdemokratie). Sprich: vom vorzivilisatorischen, inhumanen Recht des Stärkeren wegzukommen, wohl wissend, dass das nie vollständig gelingen wird.”

      M.E. liegt das von Dir geschriebene gar nicht SO weit weg von der Auffassung vieler Voluntaristen oder Anarchisten: Gemeinsam liegt die Auffassung zugrunde, dass durch eine fehlende Machtbegrenzung negative Folgen für andere enstehen können und tatsächlich entstehen. Der wesentliche Unterschied ist m.E., dass Du und viele andere Minarchisten eine Begrenzung der Macht über staatliche Wege (u.a. Verfassung, Gewaltenteilung, Direktdemokratie) als erfolgsversprechend ansehen, während die meisten Voluntaristen und Anarchisten die Macht direkt auf die „natürliche“ Macht des einzelnen Individuums begrenzt halten wollen.

      Wenn man diese zwei verschiedenen Wege weitergehend miteinander vergleicht, können einem weiterere Gemeinsamkeiten auffallen:

      Die von Minarchisten angestrebte Gewaltenteilung (Legislative, Exekutive, Judikative; sowie in einem weiteren Sinne föderalistische Elemente) weist Gemeinsamkeiten auf mit der von Anarchisten ins Extreme gezogene Gewaltenteilung, bei der die „Gewalt“ auf die einzelnen Individuen geteilt wird.

      Eine ähnliche Gemeinsamkeit kann man auch bezüglich der Direktdemokratie erkennen:
      Minarchisten wollen einige oder gar alle Entscheidungen (über ein demokratisches Verfahren) durch die Individuen treffen lassen. Ähnlich wollen Anarchisten und Voluntaristen alle Entscheidungen durch die Individuen treffen lassen; anstatt eines demokratischen Verfahrens bevorzugen diese jedoch (überwiegend) den Weg des Marktes und der freiwilligen Kooperation.

      Ich lasse es erst einmal bei diesen Punkten und würde mich über eine Rückmeldung freuen.

      Grüsse, Peter M.

      • PB sagt:

        Danke fuer die hinweise, Peter. So wie formuliert in Sache und Ton sehe auch ich all diese Gemeinsamkeiten bzw. nur graduellen unterschiede.. Was ja eigentl auch n ueberraschend ist – immerhin stehen wir alle fuer das ziel „moegl viel individuelle Freiheit“, weswegen ich diese Debatten zwischen acs und minimalsraatlern jahrelang einfach ignoriert habe. Differenzen liegen neben dem (inzwischen ja besseren) Debattenton und der behaupteten gefundenen absoluten ac Wahrheit und der moralischen ueberlegenheit v.a.
        a) im Menschenbild (hier unten von simple mal wieder „simplifizierend“ auf den Nenner gebracht „der Mensch ist dumm“, was ja eher Grund waere, ihn zu bevormunden statt ihn voluntaer-eigenverantwortlich handeln zu lassen…)
        b) nochmals im Menschenbild (wir definieren Macht nicht einfach konstruktivistisch weg aus der realen Menschenwelt, sondern wollen sie systemisch eingehen, ohne die enorme natuerliche macht der Staerksten und ggf. boeser kollektive auszublenden, was wiederum eine Rechtfertigung fuer ein SCHLANKES und zu kontrollierenides gewaltmonopol erbringt.
        c) in der Realitaetsbetrachtung: wir muessen von einem zustand extremer machtkonzentration im maximalstaat ausgehen, wobei der TREND gar hin zu noch mehr Totalitarismus geht! Diesen Trend umzukehren hat Vorrang ggü. der postulierung eines (mE unnatuerlichen) maximalziels namens anarchische PRG
        d) in der Ursachenforschung: realistische staatsforscher fuehren die Pervertierung von Politik, Staat, Wirtschaft, recht auf selektive Korruption der Eliten zurueck, welche NUR durch Falschgeld bezahlbar sind. Das staatl gewaltmonopol ist dabei eher sekundär (aber darueber laesst sich debattieren, Geld ist macht – aber macht schafft umgekehrt auch Falschgeld).

        Ergo: deine o.g. Punkte sind weitgehend verstanden u hier gaebe es auch wenig Grund zur Diskussion, denn die Differenzen liegen nur in 10% staatlicher „Zwangs“Handlungen. Diskussionsbedarf gibt es eher bei a) bis d), aber das ist ja nun schon recht ausf hier geschehen.

        • Simple sagt:

          Warum simplifizierend, wenn es auch einfacher geht? 😉

          Warum dumme Menschen bevormunden? Ist das nicht auch dumm?
          Versucht doch auch, etwas dafür beizutragen, daß unser Anliegen einfach und nicht nur freiwillig frei verstanden wird. Lange und elitär anmutende Diskussionen schließen von vornherein einige Freunde von freiwilligfrei aus. Das finde ich schade.
          Der Machtansatz greift zu kurz, wenn die Dummheit grenzenlos ist. Auch die Begriffe von Monopol, Pervertierung und Korruption gehen freiwilligfrei ins Leere, wenn die Dummheit nicht überwunden wird. Basta:-)

        • Peter sagt:

          Danke für die Rückmeldung! Ich versuche einmal, so knapp wie möglich auf die von Dir genannten Punkte einzugehen.
          Zuvor möchte ich jedoch gerne noch schnell einige Beobachtungen mit Dir teilen, die ich bei meiner Beschäftigung mit der Thematik Gesellschaft, Politik, Staatsformen und mit verschiedenen „politischen“ Theorien und Gruppen gemacht habe.
          1. Die Vielfalt der Ansichten ist sehr viel grösser als die Anzahl der Namen für die Gruppierungen und nähert sich eher der Anzahl der Menschen an. Daher gehe ich mittlerweile eher von einem fliessenden Übergang zwischen nur zur Vereinfachung begrifflich getrennten Gruppen aus.
          2. Soweit ich das beurteilen kann, sind alle beteiligten Menschen auf einem Weg, d.h. ihre Ansichten ändern sich. Manchmal nahezu geradlinig in eine bestimmte Richtung, manchmal auch in einer Art „schwanken“. Es ist davon auszugehen, dass viele Menschen in eine heftige Diskussion mit ihrem „früheren Selbst“ kommen würden.
          3. Es gibt bei allen Theorien und Gruppierungen Menschen mit unterschiedlichsten Umgangs- und Ausdrucksformenformen, Menschenbildern, Charakteren, Emotionen, Fähig- und Fertigkeiten. Mit Gelassenheit und Neugier lassen sich nahezu überall Gespräche führen und dabei wichtige Gedanken und Anregungen finden.

          Jetzt zu Deinen Punkten.

          Zu a) Ein solches Menschenbild („der Mensch ist dumm“) konnte ich nicht in einem besonderen Maße in voluntaristischen oder anarchistischen Gruppierungen feststellen. Nach meiner persönlichen Erfahrung würde ich sogar schätzen, dass der Anteil von Menschen mit einer solchen Auffassung in dieser Gruppierung sogar unterdurchschnittlich ist. (Sie wäre, wie Du schon sagtest, ja auch deutlich widerspruchsbehaftet.) Ansonsten siehe auch unter Punkt 3.

          Zu b) Das Thema Macht ist sicher ein zu umfangreicher Punkt für einen Kommentar. Nur kurz ein Versuch: Jeder hat eine gewisse Macht dadurch, dass er Dinge tun kann. Diese Macht wird jedoch auch dadurch beeinflusst, wie andere darauf (mit ihrer eigenen Macht) reagieren. Ich denke, dass diese grundlegende Form von Macht relativ unstrittig zwischen Minarchisten und Anarchisten/Voluntaristen ist. Während viele Minarchisten eher ihre eigene Macht in der Form eines kollektiven Schutzschildes (Minimalstaat) gegen „Machtbesessene“ einbringen möchten, bevorzugen die meisten Anarchisten/Voluntaristen Lösungen ohne Staat, wobei hier deutlich unterschiedliche Ansätze angedacht werden. Neben Formen von eher kollektivistischen Privatrechtsgesellschaften (kollektiv festgelegte Regeln oder private Schiedsgerichts- und Sicherheitsorganisationen) gibt es auch individualistischere Ansätze wie z.B. Boycott-Mechanismen und gezielte Informations- und Aufklärungsarbeit.

          Zu c) Ich lasse hier einmal die moralische Komponente beiseite und stelle fest, dass sowohl Minarchisten als auch Anarchisten/Voluntaristen den Maximalstaat als Problem sehen. Nun möchten Minarchisten den Staat deutlich verkleinern, was aus Sicht der Anarchisten/Voluntaristen ein hoffnungsloses Unterfangen darstellt. Sie selbst möchten den Staat dadurch (auf 0) verkleinern, dass sie die Nachteile des Staats für den Menschen darstellen, an die Menschen vermitteln und Alternativlösungen ohne Staat skizzieren wollen, was wiederum Minarchisten als hoffnungloses oder utopisches Unterfangen ansehen. Mmmh. M.E. hilft es nur, wenn jeder an einer solchen Meinungsverschiedenheit Beteiligte hart an realitätsnahen Umsetzungen arbeitet, zur Diskussion stellt, verfeinert, und irgendwann umsetzt (oder seine Meinung ändert und das bisherige „verwirft“). Mögliche Aufgaben für Minarchisten wären evtl. das gewünschte Parteiprogramm, die gewünschte Verfassung, die angestrebten Ziele klar und deutlich zu definieren/schreiben. Für Anarchisten/Voluntaristen sind denkbare Aufgaben, (technische) Lösungen für die Verbesserung von verschiedenartigsten Kooperationen und Interaktionen von Individuen, neuartige Boycott-Lösungen, neue Tausch- und Währungssysteme für Individuen zu entwickeln und umzusetzen, die ohne zentrale Steuerungsinstanz oder Rahmengebung auskommen. Eine gegenseitige sachliche Kritik könnte bei einer derartigen „Arbeitsteilung“ sicherlich sinnvoll und anregend sein.

          Zu d) Es gibt sicher zahlreiche Ursachen für die problematische Lage: Geldsystem, Währungssystem, Politisches System, der Glaube an Autorität, Rechtssystem, die Inaktivität von vielen Menschen, Medienkonzentration, Monopolisierungen, Bildung/Erziehung, Gutgläubigkeit, … …
          Es fällt mir schwer, da eine Ursache herauszunehmen, die nicht auf eine der anderen Ursachen mit aufbaut.

          Danke fürs Durchlesen 😉

          Nur als kleine Schlussbemerkung: An den Texten, Theorien, Entwürfen und Begründungen einiger „Anarcho-Kapitalisten“ finde ich persönlich auch einige deutliche Kritikpunkte. Falls Du noch einmal etwas von einem Anarchisten lesen willst, würde ich persönlich Larken Rose („The Most Dangerous Superstition“) empfehlen. Da kam bei mir nur selten ein „Aber…“ in Gedanken auf.

          Grüsse, Peter M.

  2. Reinhard sagt:

    Ich glaube, daß Macht ein Faktor der Natur ist. Tritt in ihr ein (Macht-)Vakuum auf, wird es sofort durch eine andere Macht wieder besetzt. Die Pflanzen- und Tierwelt ist einem Balanceakt an Machtfaktoren unterworfen. Darum dürfen wir die Macht nicht einfach wegklicken und so tun, als gäbe es die Toleranz wie in einem Machtvakuum. Da Macht als erste Voraussetzung im Dasein existiert, muß sie beim Nachdenken über sie berücksichtigt werden. Insofern stimme ich Peter Boehringer vollkommen zu: er scheint hier als einziger das zu sehen, und er will ja bloß diesen Machtfaktor, dieses drohende Krebsgeschwür bei eintretendem Vakuum, dieses Ungeheuer wie alle hier unter Kontrolle halten. Daher ist nun mal eine Machtausstattung zur Abwehr gegen Machtübernahme nötig! Jedes Tier hat seine Waffen, die komplex zu Gesellschaften verschmolzenen, etwa Ameisenvölker oder auch nur Pavianrotten haben komplexere. Sie erwehren sich NATÜRLICHER Feinde bzw. Machtfaktoren. Würden sie das nicht, würden sie vernichtet. Mehr noch: sie sind gezwungen, Macht über andere Lebewesen auszuüben, weil sie sich, ein Naturgesetz, von ihnen ernähren und leben. Wir Menschen stammen auch nur vom Tier ab und sind deshalb gar nicht so weit entfernt von seinen Gesetzmäßigkeiten. Totale Toleranz zu fordern ist demnach genauso idiotisch wie den totalen Sozialismus zu befürworten. Das Ideale wäre, daß jeder in einem ausbalancierten Machtgefüge leben kann, das aber nie statisch werden darf. Denn, was wäre denn bei absolutem Machtvakuum? Da träte doch naturgesetzlich das Faustrecht ein – der Schwache wäre da das erste Opfer. Machtlosigkeit ist demnach immer nur eine andere Art der Macht des Stärkeren.

    • SATAN sagt:

      Diese Erklärung ist mir ein wenig zu „sozialdarwinistisch“, wenn ich es mal so salopp formulieren darf.

      Das „Machtvakuum“ entsteht ja nicht „naturgegeben“, sondern durch eine KNAPPHEIT in der Natur. Sofern der Löwe nicht hungrig ist, wird er seinem „Feind“ das Territorium nicht streitig machen. Wäre es anders, würden uns die Tiere mit ihren hochüberlegenen natürlichen „Waffen“ (sie können fliegen, haben Zähne mit mehreren Tonnen Beißkraft, sind bis zu 30mal so groß wie wir, haben Riesenarmadas aus Einzellebewesen, haben Hörner so hart wie Stahl usw.) auf der Stelle angreifen und die „Macht“ übernehmen. Kein Tier auf der Erde wird jemals „Macht“ über ein anderes Lebewesen ausüben, sofern es nicht seinem natürlichen Instinkt entspricht, d.h. der Nahrungssuche dient oder seinen sozialen Rang verbessert (und damit indirekt die Nahrungsaufnahme verbessert) oder, und jetzt kommt’s: es ANGEGRIFFEN wird! D.h. in der Natur ist bereits ein Reflex auf INITIIERTE GEWALT angelegt! Aber es ist KEIN natürlicher Reflex, aus reinem Spaß andere Lebewesen zu unterdrücken und „Macht“ darauf auszuüben. Dieses Muster ist menschlich ANERZOGEN (deshalb auch das große Gewicht auf der Kindererziehung hier auf dieser Seite) und NICHT natürlich. Wäre es natürlich, hätten wir ein verdammtes Riesenproblem und könnten eigentlich aufhören, uns weiter zu unterhalten, oder? Es sei denn, Du willst mit einem Triebtäter argumentativ über seine Taten sprechen?!

      • Peter Boehringer sagt:

        „Sozialdarwinismus … Das “Machtvakuum” entsteht ja nicht “naturgegeben”, sondern durch eine KNAPPHEIT in der Natur.“

        => Wohl wahr. Was aber wissen wir über Knappheit – sowohl empirisch als auch wissenschaftlich: sie ist FAST IMMER gegeben – und damit eben auch die materielle Voraussetzung dessen, was hier als „Sozialdarwinismus“ bezeichnet wird. Lesen wir doch mal in einem fast beliebigen Ökonomie-Grundlagenwerk nach :

        „Knappheit ist das Grundgesetz der Ökonomie. [griech Wortursprung oikonomia nicht zufällig: ‚Haushaltung‘]. Weil es Knappheit gibt, gibt es die Wirtschaftswissenschaften [und Wettbewerb/Streit um fast immer knappe Ressourcen]. … Fast immer Missverhältnis zwischen Bedürfnis und Vorrat… Tatsächlich gibt es nur noch wenige Güter, die frei sind.“

        => Damit ist die ANALYSE „Knappheit liegt fast immer vor“ unstrittig. Leider wird damit der Wille zur Macht (als natürlicher Trieb) keineswegs wegdefiniert – ganz im Gegenteil – er wird so plausibel begründet [selbstredend außer bei Soziopathen nicht „aus Spaß“, sondern schlicht aus dem natürlichen Überlebensinstinkt heraus].
        => Es kann folglich immer nur darum gehen, die entweder erzieherischen (heikel, da nahe an Umerziehung des Menschen), moralischen (ebenso heikel) oder eben institutionellen Voraussetzungen zu schaffen, diesen fast jedem Menschen inhärenten Machttrieb (der einem Bedürfnis nach materieller Sicherheit / Überleben entspringt) wenigstens innerhalb des jeweiligen Kollektivs zu zähmen – idealerweise sogar darüber hinaus. Und hier sagen eben Minarchisten (ohne dass sie deswegen Stämme und Kleinstaaten ERFUNDEN hätten; das ging ganz ohne uns): Das kontrollierte Gewaltmonopol mit Sanktionsmöglichkeiten ggü. übertrieben Macht-geilen Individuen ist in SEHR ENGEN Grenzen (der 10%-Staat) sowohl nachvollziehbar als auch rational und auch nicht unmoralisch – insbesondere deshalb, weil es solche Gewaltoligopole und Hierarchien seit archaischen Zeiten ohne zentrale Steuerung und in fast allen Kulturen IMMER gegeben hat. Erst die Neuzeit erfand darüber hinaus die (auch von mir immer SEHR HOCH gehaltenen, wertvollen INDIVIDUALrechte, Menschenrechte): bis ins 18. Jhdt gab es das nie oder nur sporadisch („habeas corpus“) oder nur für wenige Hochstehende, Eliten, Reiche.

        • Peter sagt:

          Hallo Peter!

          Du begründest (wenn ich Dich richtig verstehe) die Notwendigkeit eines Gewaltmonopols eines Minimalstaat mit der Möglichkeit eines solchen Staates, „macht-geile“ Individuen sanktionieren zu können.

          M.E. würden Anarchisten und Voluntaristen Dir zustimmen, dass es notwendig ist, einen Weg zu finden, über den „macht-geile“ (oder in einer anderen Form sich übermäßig negativ auf andere auswirkende) Individuen „unter Kontrolle“ gehalten werden können (soll heißen: deren übermäßig negativen Auswirkungen auf die Freiheit der anderen verhindern zu können).
          Auch hier erscheint es mir so, dass lediglich der bevorzugte Weg ein anderer ist. Während Minarchisten den Weg über einen Minimalstaat und entsprechende (kollektivistische) Exekutivmaßnahmen als erfolgsversprechend ansehen, sehen Anarchisten und Voluntaristen individualistische Mechanismen wie z.b. den individuellen Boycott oder die individuelle Ächtung als zielführende Maßnahmen an.
          In Bezug auf Deinen geschichtlichen Hinweis: Boykott und Ächtung sind für diesen Zweck seit Menschengedenken äußerst wirkungsvolle und auf der ganzen Welt nachweisbare Mechanismen, die nicht zwangsweise auf einen kollektivistischen Rahmen angewiesen sind.

          Grüsse, Peter M.

      • Equality 7-2521 sagt:

        @PB
        Wenn man Macht als den Umfang physischer und psychischer Handlungsmöglichkeiten einer Entität definiert, heißt das noch lange nicht das sich ein eventueller Machttrieb nicht auch ohne Zwangsinstitution befriedigen lassen kann. Macht ist erst mal nichts negatives solange kein Zwang im Spiel ist. Wenn wir den Staat kritisieren, kritisieren wir ja nicht die Macht dieser Institution, sondern die Art und Weise wie diese Macht ausgeübt wird: nämlich durch Zwang und Gewalt.

        Vor dem Hintergrund ist es auch nicht nötig Macht zu begrenzen, sondern Zwang zu verhindern.

        Und Sie behaupten jetzt das etwas Zwang gegen unbeteiligte nötig ist um viel Zwang gegen eben jene zu verhindern … Es wäre nett wenn Sie hier den Kausalzusammenhang erläutern könnten. An dieser Stelle verstehe ihren Gedankengang nicht.

        • michael sagt:

          „Und Sie behaupten jetzt das etwas Zwang gegen unbeteiligte nötig ist um viel Zwang gegen eben jene zu verhindern … Es wäre nett wenn Sie hier den Kausalzusammenhang erläutern könnten. An dieser Stelle verstehe ihren Gedankengang nicht.“
          erinnert mich an : 4 the greater good
          willkommen im sozialismus

          • Peter Boehringer sagt:

            Sozialismus bedeutet willkürlichen menschlichen Zwang in Bezug auf 30+% bis annähernd 100% der wirtschaftlichen oder zwischenmenschlichen Beziehungen. Dies auch noch mit ständiger Rechtfertigung durch den berüchtigten „Gemeinwillen“, den es für die Minimalstaatler nur bei den beiden natürlichen Minimalstaatsaufgaben „Verteidigung“ und „Rechtsdurchsetzung“ geben kann.

            In meiner Antwort an Equality war von nichts davon die Rede. Also bitte keine abwegigen Unterstellungen. Das impliziert immer wieder die AC-Annahme „Auch nur 0,01% Zwang führen irgendwann zwingend zu 100% Sozialismus“. Nun, bei Hayeks Weg in die Knechtschaft war das kein Naturgesetz. Bei mir auch nicht. Aber man kann sich so ein Naturgesetz als AC sicher philosophisch einbilden und folglich jeden minimalstaatlichen Widerstand gegen die Verknechter als „unlogisch“ oder gar als „des Sozialimus´ verdächtig“ ins Lächerliche ziehen.

        • Peter Boehringer sagt:

          „Macht ist erst mal nichts negatives solange kein Zwang im Spiel ist. Wenn wir den Staat kritisieren, kritisieren wir ja nicht die Macht dieser Institution, sondern die Art und Weise wie diese Macht ausgeübt wird: nämlich durch Zwang und Gewalt.“

          => Tja, an dieser Stelle verstehe ICH die Logik nicht: Machtausübung kann zwar manchmal durch Vernunft, natürliche Autorität oder Überzeugungskraft ohne Zwangsanwendung geschehen. Dann unter Appell an die Einsichtsfähigkeit aller, die dann irgendwie (mirakulöserweise in einer von materieller Knappheit geprägten Umgebung und nochmals mirakulöserweise, da doch gemäß Simple fast alle Menschen DUMM sind…) IMMER freiwillig ihre per Definition fast immer unbegrenzten Bedürfnisse zurückstellen zugunsten anderer. DAS aber widerspricht jeder Lebenserfahrung (die ich hier immer und immer wieder anführen muss – ihr könnt das auch als „Natur“ bezeichnen). Es gibt nur selten Macht ohne Zwang. Und darum ist die Begrenzung von (IMMER und natürlicherweise existenter) „böser“ Macht der Stärksten oder der Mafias eben nur mit Gegenmacht und damit Gegen-ZWANG möglich. Ich weiß, dass der Gedanke hier irgendwie allen widerstrebt. Aber er ist völlig logisch und empirisch gut erhärtet.

          Weiterhin habe ich nirgendwo gesagt „Zwang gegen UNBETEILIGTE“. Es ist irgendwie eine fixe Idee hier, von der bereits zu 100% verwirklichten „Sezessionsgesellschaft“ auszugehen, wo jeder, der dies wünscht, erst mal aus allem was die Gemeinschaft angeht, außen vor ist („unbeteiligt“) und dann auch das 100%ige Recht hat, in Ruhe gelassen zu werden.
          => Nun, zum philosophischen „Rechtsanspruch“ aufs „in-Ruhe-gelassen-werden“ will ich nicht schon wieder diskutieren (den erkenne ich durchaus an!). Fakt ist aber, dass diese Individual-Sezessionsoptionen außer in archaischen Zeiten – und selbst da nur bei einigen extrem wenigen stammesunabhängigen Eremiten und Subsistenzwirtschaftlern nie gegeben waren. Heute damit natürlich auch nicht. Die natürlichen Kollektive, damit Zwänge (und seien es nur die der gemeinsamen, nicht-voluntaristischen, nicht-freiwilligen Produktionsgemeinschaft – von Verteidigung ganz zu schweigen) dominieren einfach enorm viel.
          => Damit aber GIBT es keine (fast) keine „Unbeteiligten“ in diesem Spiel. Ihr setzt etwas als gegeben voraus, was erst erreicht werden muss. GÄBE es schon eine kritische Masse an wirklich völlig autarken Individuen, dann gäbe es irgendwann (vielleicht!) auch eine kritische Masse an Sezedierten, die sich DANN freiwillig und rein privatrechtlich gegen die anderen, natürlichen Kollektive verteidigen könnten. Ich füge hinzu, dass der Weg dahin über bitterste Armut führt, denn Subsistenzwirtschaft (eines frisch sezedierten Individuums) zunächst ohne Arbeitsteilung ist extremst (!) ineffizient. Paradoxerweise müssten sich diese Individuen erst eine neue Arbeitsteilungs-Gemeinschaft aufbauen, um wieder einigermaßen gut leben zu können jenseits der Höhle. Also ein KOLLEKTIV suchen. Idealerweise übrigens eines OHNE formalisierte Privatrechts-Bindungen, denn die BWL hat schon vor Jahren festgestellt, dass vertragslose Zustände, die auf Vertrauen und ungeschriebenen Absprachen basieren, im Kleinen viel effizienter sind als ausformulierte und justiziable Vertragsbeziehungen. Dies jedenfalls in KLEINEN Gemeinschaften – und von denen reden wir hier. Die effizientesten Gemeinschaften im KLEINEN (ungleich Hayeks anonymer, GROSSER Welt, wo MARKTbeziehungen besser funktionieren) sind natürliche Schicksalsgemeinschaften basierend auf Blutverwandtschaft, gegenseitigem Kennen, gleicher Sprache, gleicher Kultur usw.) – man kann diese völlig natürlichen Kollektive nicht einfach philosophisch ausblenden.

        • Equality 7-2521 sagt:

          @PB
          Nein, Macht wie ich sie inzwischen verstehe und wie ich sie oben definiert habe, kannst du einfach erreichen indem du zahlreiche Kundenwünsche befriedigst: du baust ein Unternehmen auf. Der daraus resultierende Gewinn steigert erheblich deine physischen und zum Teil auch psychischen Handlungsmöglichkeiten. Diese Art von Machtdrang ist absolut ungefährlich und stellt mE sogar die Grundlage der menschlichen Erfolgsgeschichte dar … und diese Art von Macht gibt es auch weitaus häufiger als auf Zwang basierende.

          >>Und darum ist die Begrenzung von (IMMER und natürlicherweise existenter) “böser” Macht der Stärksten oder der Mafias eben nur mit Gegenmacht und damit Gegen-ZWANG möglich.

          Ganz genau … DAS wäre dann aber Selbstverteidigung. Sie behaupten aber das es NÖTIG ist präventiv Zwang gegen die „Allgemeinheit“ zu begehen damit eine Solche Selbstverteidigung effektiv sein kann. Diese Notwendigkeit ist mir einfach nicht ersichtlich. Deshalb habe ich Sie oben an dieser Stelle um eine Erläuterung gebeten. (Unter Zwang verstehe ich die Beeinträchtigung der Freiheit unter Androhung von Gewalt)

          Zur Sezession: wenn sich ein Gebiet von einem Staat loslöst, bedeutet das nicht das die beiden kleineren neuen Staaten nun nicht mehr handeln dürfen. Das gleiche gilt auch für die Sezession von Individuen.

          >>[…]man kann diese völlig natürlichen Kollektive nicht einfach philosophisch ausblenden.

          Tue ich nicht. Solche kollektive halten aber völlig freiwillig zusammen. Wäre dafür Zwang notwendig wären sie nicht mehr natürlich. (an dieser Stelle möchte ich Sie fragen ob Sie unter Zwang das gleiche wie ich verstehen, oder ob sie sich da eher an Hayek halten?)

          Wenn Sie jedem das Recht zugestehen in Ruhe gelassen zu werden, müssten sie ja (zumindest auf der Gefühlsebene) Befürworter der Anarchie sein. Sie zweifeln nur aufgrund ihrer historischen Kenntnisse und ihrer Alltagserfahrung an der Umsetzbarkeit der Gleichen, ist das richtig?

    • Equality 7-2521 sagt:

      Solange die Menschen der Meinung sind jemand müsse doch über sie Herrschen, solange wird sich auch jemand finden der dazu bereit ist. Dein Glaube und der Glaube vieler deiner Mitmenschen das Macht über uns „natürlich“ ist, das ist das ominöse Machtvakuum. Ich gestehe aber jedem Menschen zu zu verstehen das Macht über sie weder nützlich noch nötig ist. Wenn das genug Menschen verstanden haben gibt´s auch kein Machtvakuum mehr.

    • Equality 7-2521 sagt:

      Was vielleicht natürlich ist ist „Hierarchie“. Dazu braucht man aber keine „Superkollektive“. Ein einfaches Familienoberhaupt reicht da auch.

  3. Simple sagt:

    Eure Argumente beachten einen ganz wichtigen hier auf der Erde herrschenden Umstand nicht. Nämlich die kollektive menschliche Dummheit, auch „Schwarmdummheit“ (homo demens) genannt. Der Vergleich mit dem Tierreich ist da ganz nützlich, auch in Hinblick auf Nachhaltigkeit und Vernunft. Wer das mal konsequent beobachtet hat, reibt sich verwundert die Augen und fragt sich nicht mehr, weshalb ihr in dieser Diskussion feststeckt. Die Lösung aller Probleme liegt also in der Beseitigung der Dummheit. Als Beispiel kann man das gut mit den Religionen probieren.
    Aber soviel kindliche Naivität gepaart mit Neugier ist kaum noch vorhanden.
    Als Einstieg eignet sich deshalb auch ganz gut ein Kinderbuch. Es heißt: Wo bitte geht´s zu Gott? fragte das kleine Ferkel. Von Michael Schmidt-Salomon.
    Ansonsten natürlich freiwillig frei;-)
    Salut, Simple

  4. Zef sagt:

    >Das Gewaltmonopol ist Gott

    BTW: Das Freiwillige ist gerade das,
    was selbst Gott dem Menschen nicht nehmen kann.

    In Richtung auf Freiwilligkeit ist der Mensch wahrlich etwas Großes.

  5. Reinhard sagt:

    Der Vorwurf, ich hätte da ein wenig sozialdarwinistisch zu kurz gedacht, ist nicht unbegründet, und ich danke für den Einwand. Trotzdem läßt es mich nicht los, und ich muß noch mal nachhaken. Verlassen wir die Tierwelt und schauen uns die gegenwärtige Menschenwelt an, z.B. den sogenannten „Arabischen Frühling“. Was passiert denn da? Da bricht ein autoritäres Regime aus welchen Gründen auch immer, in sich zusammen, aber statt daß da jetzt wirklich eine Art Menschheitsfrühling aufkommt, droht noch schlimmere Diktatur, Rückfall in die Steinzeit, Talibanismus (hört sich fast an wie Kannibalismus). Die größte Gefahr in den arabischen Regionen ist das Machtvakuum, das eine Diktatur, die schwankt, hinterläßt, was einer Radikalisierung der Krise, Bürgerkrieg, Mord und Totschlag, der Aufhebung jeglicher rechtlicher Strukturen und dadurch nackter Willkür Tür und Tor öffnet. Was ist der eigentliche Grund für dieses Desaster? Erst mal die völlige Unterdrückung aller Menschen zugunsten einer winzigen Elite. Daraus folgt aber auch ein ökonomisches Problem: die meisten haben buchstäblich nichts zu fressen, was letztlich zu Aufständen führt, denn außer Verhungern bietet sich den Verzweifelten sonst anscheinend keine Alternative mehr. Und die Machtinhaber wollen natürlich von ihrer göttergleichen Macht und Herrlichkeit kein Jota abgeben. Wie Brecht schön sagte, erst kommt das Fressen, dann die Moral – setzt sich ein altes Naturgesetz durch, dem auch wir vernunftbegabten Tiere uns nicht entziehen können. Hier haben wir wieder die buchstäbliche Knappheit der Ressourcen und das bedrohliche Machtvakuum. In jenen Regionen ist die Gefahr noch viel explosiver, weil die Menschen dort seit Urzeiten auf ihre Freiheiten gar nicht eingestimmt, geschweige denn vorbereitet wurden. Aus westlicher Sicht sind sie gar nicht „demokratiereif“, was das auch heißen mag – aber sie scheinen es wirklich nicht zu sein, kommen aus ganz anderen Traditionen Denkstrukturen, Kulturen, handeln eher aus dem Zugehörigkeitsgefühl gewisser Volksgruppierungen, Religionen oder einfach auch Clans heraus, haben nie gelernt, „eigenwillig frei“ die Dinge zu betrachten, sind also überfrachtet mit Traditionen, die sie blind für Realitäten, geschweige denn „humanitäres Gewissen“ machen – zumal dort, aus unserer Sicht, von Menschenrechten in weiten Teilen nicht die Rede sein kann. Die Folge ist, daß beim Schwanken eines Regimes ein neues sich installieren wird, watend durch ein großes Blutbad, nie aber sich wirkliche Freiheit etabliert. Hier kann man wirklich studieren, daß „Toleranz an sich“ ebenso eine fixe Idee ist wie „Sozialismus“. Es müßten erst Strukturen, Reifungsprozesse dafür geschaffen werden. Ich bin im Grunde ein ebenso begeisterter Anarchist wie viele hier, mir ist meine persönliche Freiheit das Wichtigste, ich hasse nichts mehr als staatliche Drangsalierung. Stirners „Der Mensch und sein Eigentum“ war mir eine Offenbarung und über Jahre eine Art Bibel (keiner hat’s so radikal formuliert) – und doch: ohne eine irgendwie geschaffene Installierung einer Basis, die PB als Minimalstaat bezeichnet, scheint in der Relität kein Fortkommen möglich, wird nicht Anarchie, also Gewaltlosigkeit, eintreten, sondern Chaos, also nackte Willkür und gegenseitige Unterdrückung bis zum Exzeß. Das Problem scheint nur, daß die heutige Menschheit überall so krank durch sich selber gemacht worden ist, daß sie, werden sie aus ihren unterdrückerischen Staatsverbänden entlassen, wie freigesetzte Irrenanstaltsinsassen Amok laufen. In Ägypten ist z.Zt. die größte Gefahr, daß das Schiff steuerlos wird, also die Macht aus dem Ruder läuft. Dort scheint nur die Wahl zwischen Pest und Cholera gegeben, Scharia oder Militärdiktatur, überspitzt gesagt. Ich bin wirklich verwirrt, was in Libyen passierte, was in Syrien droht, ich hasse die Diktatoren, habe kein Mitleid mit Gadhaffi oder Assat – aber will ich wirklich das Regime der Taliban, will ich wirklich lieber Stalin als den Zar? NEIN!! ich will die alle nicht, sondern absolute Freiheit – allein: wie soll sich das verwirklichen? Die Natur schert sich nicht um meine romantischen Gedankengänge, sie reagiert wie ein breiter Strom nach Gefälle und Steigung, mäandert sich durch die Geschichtslandschaft. Das Schlimme war immer, daß die Raffinierteren oder die mit mehr Macht Ausgestatteten die Minderbemittelten in jeder Hinsicht zu ihren eigenen Gunsten manipuliert, ausgebeutet, gegängelt, unterdrückt, ihnen sogar eingeredet haben, daß es so gottgewollt ist. Heute ist der Demokratiebegriff auch und erst recht in der „demokratischen“ westlichen Welt komplett disqualifiziert, sind die Massen gehirngewaschen und realitätsfremd – dennoch: was ist die Alternative zur individualdemokratischen Möglichkeit, und wie soll diese umgesetzt werden, wenn ihr noch nicht mal zugestanden wird, daß 10 % Selbstbestimmung jedes Individuum zugunsten einer tragbaren Basis, freiwillig abgibt, derweil es 90 % davon behalten und jederzeit diesen Verband wieder verlassen darf? Sorry für meine endlosen Auslassungen.

    • SATAN sagt:

      Auch hier wieder ein Einwand! 😉 Deine Beschreibung von Ägypten, Syrien, usw. passt sehr schön auf die Zeit in Deutschland ab 1945. Vergleiche das bitte mal, es hört sich sogar fast an wie eine 1:1-Kopie! Auch damals haben die Leute ganz genau so gedacht wie Du: Hey, wir haben hier ein riesiges Machtvakuum nach der schlimmsten Diktatur aller Zeiten, also müssen wir die freiheitlichen Werte („soziale Marktwirtschaft“, „Wohlstand für alle“, usw.) betonen und möglichst viel persönliche Freiheit zulassen (Stichwort: Unternehmertum und Wiederaufbau). Aber niemals soviel, daß der Staat an sich hinterfragt würde! Hey, sonst würde doch Chaos, Mord und Totschlag ausbrechen… Stellt sich die Frage: Was war eigentlich von 1933 – 1945? Ordnung und Frieden?! Naja, jedenfalls wurde eine Art „Minimalstaat“ erdacht! Man sollte „der Wirtschaft“ weitestgehend freie Hand lassen und den Rest regelt halt Väterchen Staat. Na, wem kommt das bekannt vor? Und wohin hat das geführt? Zu einem europaweiten sozialistischen Super-Staats-Monster… nee, echt, hat sich prima bewährt, diese Methode, ein „Machtvakuum“ zu füllen, das muss man schon sagen… 😉

    • Equality 7-2521 sagt:

      Ich hab nicht deinen ganzen Text gelesen, aber ich kann dir dazu wirklich „Psychologie der Massen“ von Gustave Le Bon empfehlen:

      http://url9.de/GwZ

  6. SATAN sagt:

    @Simple: Ich finde es nicht besonders schlau, wenn man alle anderen Menschen als „dumm“ bezeichnet! 😉 Wie würde das bei Dir ankommen: „Hey, eigentlich bist Du ein Volltrottel, aber ich erklär‘ Dir das mal… pass auf!“ Schätze, auf richtige Begeisterung wird man da, verständlicherweise, nicht stoßen! 😮

  7. Reinhard sagt:

    Satan, das ist mir zu flapsig. Ich glaube nicht, daß die Situationen miteinander vergleichbar sind. Im Gegenteil. Nach dem zweiten Weltkrieg waren sämtliche Staaten vollkommen ausgeblutet, kriegsmüde, zerstört, desillusioniert, traumatisiert, erledigt – von Machtvakuum weit entfernt, bis es dann der Ost-West-Konflikt gefüllt hat: was bekanntlich äußerst gefährlich war: zwei hochgerüstete Supermächte als Konkurrenten und deren Vasallenstaaten im Schlepptau. So betrachtet, war da gar kein Machtvakuum. Was wir in den arabischen Staaten erleben ist ein DAVOR, ähnlich der Situation vor den Weltkriegen, als die Völker regelrecht begeistert in den Krieg hineingezogen sind, weil sie sich wer weiß was für Illusionen machten. Wie ist das dort: die Bevölkerung explodiert, aber die Ressourcen schwinden. Das ist ein gefährliches Gemisch: viele Junge, die was vom Kuchen abhaben wollen, mit zunehmendem Druck aggressiver werden…Da kommt eine gigantische Welle in Bewegung, noch mit der ganzen Wucht ihrer Unverbrauchtheit – im Gegensatz zu den ausgebombten, ausgehungerten, massakrierten, verschleppten, millionenfach ermordeten Menschen. Und als „Sahnehäubchen“ der menschlichen Perversion die beiden abgeworfenen Atombomben, quasi ein Quantensprung in der traumatisierten Menschheit, alles lähmend, bedrohend, angsterstarrend… Also wirklich kein Vergleich!

  8. Gesetzt der Fall, Du findest heraus, dass die Totalität Gottes eben NICHT ein GEWALTMONOPOL ist, sondern dass er oder es, das Unergründbare Wirksame, deinen Erfindungsgeist bevorzugt, d.h. DEINE KUNST STATT GEWALT über die Menschheit ausgießt?
    Denn Gott als das einzige IN ALLER EXISTENZ anwesende hat keine andere Absicht, als Deine KREATIVITÄT zu involvieren, damit Du zusätzlich zu Deinem Anspruch von TOLERANZ ein Wirkfeld schaffst, wo allen Menschen ihr freies Wirken zugestanden wird: Nicht die „Würde“ des Menschen („..würdest Du doch das Konjunktiv anerkennen!“), DAS WERDEN des Menschen ist unantastbar.

    • Zef sagt:

      cosmos b. eitelgoerge:
      >… als Deine KREATIVITÄT zu involvieren

      So verstehe ich das „Seid fruchtbar“.

      >ein Wirkfeld schaffst, wo allen Menschen ihr freies Wirken zugestanden wird

      So verstehe ich das: „Baut dem Herrn eine Straße“ (Jes 40,3)

      > DAS WERDEN des Menschen ist unantastbar

      🙂


      „Das Freiwillige ist das Christliche“ (Kierkegaard)

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