von Tommy Casagrande

Wer für einen Minimalstaat unter Bezugnahme von Zwang argumentiert, verunglimpft die Minimalstaatsidee als eine ansonsten möglicherweise erstrebenswerte Alternative. Er verunglimpft zugleich all jene Minimalstaatsanhänger, die so tolerant geblieben sind, ihr Modell nicht absolut zu setzen.

Wer für einen (erzwungenen) Minimalstaat, aber gegen die Staatenlosigkeit argumentiert, argumentiert in Wahrheit für staatliche Einmischung und gegen freie Märkte. Man kann keine widerspruchsfreie Position denklogisch einnehmen, so lange man sich in der Rolle eines Zwitters befindet.

Alles was zwingen-wollende-Minimalstaatler als angebliche Argumente gegen die Freiheit anführen, ließe sich in allen Punkten gegen die Freiheit anführen. Waffenbesitz (von vielen minimalstaatlichen Waffennarren, die gerne Cowboy und Indianer spielen wollen) dürfte demnach auch nicht frei sein. Die freie Produktion von Lebensmittel müsste reguliert werden. Die Herstellung von Wohnungen sollte dem Markt nicht überlassen werden. Die Partnersuche dürfte den Menschen nicht überlassen sein. Das Geld dürfte den Kräften des anarchischen Marktes nicht überlassen werden. Die Liste ist beliebig fortführbar und hier darf sich jeder seine Lieblingsbetätigung hineindenken, die dann auch vom Staat verboten werden müsste: xxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Aus dem Minimalstaat entwickelt sich ein Maximalstaat, weil ein Staat ein Gebilde ist, das aus Anreizen besteht, die von der Macht des Gewaltmonopols korrumpiert werden. Aus diesem Grunde kann ein Minimalstaat nicht minimal bleiben. Andernfalls müsste man belegen, dass die Praxeologie von Mises widerlegt wäre und dass die ÖS nur auf Einbildung beruhe.

Weitere ungeklärte Gedanken: Wo beginnt minimal und wo endet minimal? In dieser, unserer Welt ist vieles relativ. Die Möglichkeit, sich vieles vorzustellen, relativiert gegebene Zustände. Es lässt sich der größte Maximalstaat noch um ein vielfaches totalitärer denken, sodass von jenem geistigen Punkt der heutige von uns empfundene Maximalstaat dagegen relativ klein und minimal wirkt. Ist der Minimalstaat dann stets derjenige Staat, der als Utopie zum gegenwärtigen Staat erscheint? Oder lässt sich nicht auch ein weitaus maximalerer Staat noch denken, der den heutigen als maximal empfundenen Staat derart relativiert, sodass er minimal erscheint? Wo sind die Grenzen und wer definiert sie? Es ist schwierig, diese Grenzen zu definieren, somit wurden sie lediglich willkürlich mit der Sicherheit nach innen und außen festgelegt. Wohlgemerkt, willkürlich, denn es gibt keine logische Erklärung dafür, warum ein Gebilde, mit einem Gewaltmonopol operierend, im Innen und Außen, minimal sein soll. Denn diesem Gewaltmonopol bin ich maximal ausgeliefert. Das Monopol nimmt mir – mit seinem Anspruch auf alle Gewalt – im Umkehrschluss meine Gewalt über mein Leben und es duldet meine Gewalt nur noch dort, wo ich mich dafür bedanken muss, dass ich die erlaubte Freiheit leben darf.

Ein weiterer ungeklärter Gedanke ist die Frage, ob ein Maximalstaat, wenn er denn zumindest keine Kriege toleriert, nicht zu befürwortender sei als ein Minimalstaat, der aufgrund von paranoiden Kräften, die den Staat führen, einen Krieg aus Prävention, im Namen des Friedens lostritt, wodurch Menschen zu Krüppeln und Verstorbenen, Frauen zu Witwen und Kinder zu Waisen werden, wenn es nicht gleich die ganze Familie erwischt. Es wäre nicht zu verdenken, wenn es Menschen gäbe, welche die Unfreiheit des Maximalstaates der Freiheit eines todbringenden Minimalstaates vorzögen. Natürlich ließe sich dann auch hier wieder die Gretchenfrage stellen, ob ein maximaler Staat im Frieden nicht eigentlich minimaler sei als ein minimaler Staat im Kriegswahn.

Noch ein ungeklärter Gedanke spielt auf die willkürlich festgelegten Aufgaben im Minimalstaat an. Was lässt sich als innere Sicherheit definieren? Wie lässt sie sich auslegen? Ist es kein Akt innerer Sicherheit, einen Sozialstaat heutiger Prägung zu schaffen, bei dem man Bedürftigen Geld gibt? Ist es kein Akt innerer Sicherheit, Arbeitsmärkte zu regulieren und die Menschen vor Gefahren zu schützen? Ist es kein Akt der inneren Sicherheit, wenn den Partikularinteressen in der Demokratie Raum gegeben und somit jedem das Gefühl und die Illusion nahe gelegt wird, dass er an den Zuständen, unter denen er lebt, Teilhabe genießen darf und sie genießen wird, wenn er gut organisiert ist? Auch wenn sich mit libertärer Theorie analysieren lässt, dass sich auf lange Sicht diese Vorstellungen über die innere Sicherheit in ihr Gegenteil verkehren und zu unsicheren Zeiten führen werden, so muss man auch sehen, dass ohne das Gewaltmonopol derartige Entwicklungen und Interpretationen und Auslegungen unmöglich wären, es sei denn, auf freiwilliger Ebene, wo sie, wenn sie fehlschlügen, nur jene träfen, die freiwillig mitmachen wollten.

 

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17 Responses to Ungeklärte Gedanken über den (erzwungenen) Minimalstaat

  1. Nef Robert sagt:

    Es gibt eine beachtliche aber relativ kleine klassisch- liberale Minderheit, die „Weniger Staat“ wünscht und fordert und es gibt eine noch kleiner Minderheit, die einen Minimalstaat wünscht und fordert und es gibt die ganz kleine aber feine Minderheit, welche eine Abschaffung des Staates wünscht und fordert. Sollen sich diese drei Minderheiten gegenseitig bekämpfen oder sollen sie sich gegenseitig unterstützen? Die Grundfrage lautet: Darf man überhaupt „second best“ -Ziele anstreben, oder verspielt man dabei die Chance auf ein „first best“? Wenn die Staatsskeptiker untereinander streiten, freut das die Etatisten aller Parteien. Man kann Kompromisse hassen und trotzdem Koalitionen eingehen.

    • FwF-sandman sagt:

      Es gibt sicherlich Möglichkeiten der Koalition. Zuvor müssen sich aber beide Seiten, sowohl Ancaps als auch Minarchisten bewusst werden, dass es zwei grundlegende Differenzen zwischen ihnen gibt. Die moralische und die strategische Frage.

      Moralisch gesehen haben die Minarchisten das Nachsehen, denn sie billigen ein wenig Zwang für vermeintlich bessere Funktionalität. Da die Stärke des Anarchismus in seinem unerschütterlichen moralischen Fundament liegt und sich die Ancaps dessen sehr bewusst sind, wäre es ein Desaster für die Erfolgschancen einer anarchistischen Welt, wenn sie in der Philosophie schwach würden. Wenn man immer nur maximal 10 kg hebt, wird man niemals 11 kg hochheben. Es muss 100% gefordert werden, und zwar konsequent, sonst wird es NIEMALS eine Chance auf 100 % geben.
      Das, was ich als Ancap von den Minarchisten zumindest erwarte, ist ein Eingeständnis, dass Anarchokapitalismus das Ziel sein muss, weil einerseits Freiheit nicht verhandelbar ist und andererseits im Anarchokapitalismus die Chance auf eine freiwillig kooperative Ordnung am größten ist. Konsensfindung ist das Zauberwort. Wo Zwang ist kann kein Konsens entstehen. Wären sich beide Lager über die Zielsetzung einig, könnte man Problemlos offen über Strategien reden.

      Strategisch habe ich hier beschrieben, warum man Anarchokapitalismus meiner meinung nach nicht mit den Mitteln des Systems erreichen kann.
      http://www.freiwilligfrei.info/archives/4011

      Dennoch würden wir sicherlich jedem zugestehen, trotzdem den Weg über die Politik zu versuchen. Wir wollen ja gerade einen Wettbewerb der Ideen. Wir bitten nur darum, anzuerkennen, dass es nur der Anarchokapitalismus sein kann, der letztendlich angestrebt werden muss, will man wirklich dauerhafte Freiheit.

      • Peter Boehringer sagt:

        „Moralisch gesehen haben die Minarchisten das Nachsehen, denn sie billigen ein wenig Zwang für vermeintlich bessere Funktionalität. Da die Stärke des Anarchismus in seinem unerschütterlichen moralischen Fundament liegt “

        Lieber FwF: Es ist bekannt, dass ihr das ernsthaft glaubt. Es wird aber durch ewige Wiederholung nicht wahrer. NICHT EINMAL innerhalb des Elfenbeinturms der reinen Moral.

        Warum? Weil auch Moral definiert und begründet werden muss. Ihr tut das immer wieder ausgehend vom Axiom „Freiwilligkeit führt zu einer guten Welt, die nicht mehr zu verbessern ist“.

        => Wir aber sehen das anders: Völlige Freiheit können nur die Stärksten und oder Reichsten ausleben. Für alle anderen steht diese Freiheit mehr oder weniger nur auf dem Papier. Ihre theoretische Handlungsfreiheit IST keine – jedenfalls keine hier angestrebte absolute. Und in einem Falschgeldsystem kann das auch nicht anders sein. Was also ist hier nun frei oder gar fair? Wessen Freiheit verteidigen wir hier? Es sollte klar sein, dass absolute (100%ige) Freiheit und Frei-Will-igkeit für alle nicht gleichzeitig erreicht werden kann, sondern dass hier -so leid es mir tut- eine ökonomische Knappheitssituation freiheitsstiftender Güter (bäh, materiell, real…) vorliegt! Und wer je arm war, weiß, dass materielle Unfreiheit die schlimmste Form der Unfreiheit ist – in der „Freiwilligkeits“-Erwägungen komplett irrelevant werden. Brecht (Dreigroschenoper, 1928): „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“ – und da hat auch einmal ein Linker die wahre Natur der Menschen erkannt!

        => Zuallererst (!) muss die Grundungerechtigkeit des alle bis auf die Drucker selbst (0,01%, max 1%, je nach Def) verarmenden Falschgelds beseitigt werden! Erst dann macht es überhaupt Sinn, wieder REGELgerechtigkeit und die Macht des Rechts im Österr. Sinne oder gar die Moral ins Spiel zu bringen! Stellen wir die höchst materiell wirkende QUELLE der Unfreiheit (für 99,99% der Menschen) ab – also das fractional banking der Falschgeldbanken! Bis dahin ist und bleibt euer Moralismus das Gegenteil von Moral (Zitat Schachtschneider), denn die Reine Theorie verschleiert hier leider die wichtigste reale Ursache der Unfreiheit in der Welt – das Geldsystem und eben nicht das (im Minimalstaat minimale) Gewaltmonopol.

        => So leid es mir tut: an diesem Punkt müssen auch die Minarchisten fanatisch und apodiktisch sein: Die angebliche moralisch höhere und unbestreitbare Warte der ACs ist eine Selbsttäuschung und in keinem Fall und mit keinem hochtheoretischen Argument je belegt worden! Jedenfalls dann nicht, wenn man auch materielle, reale Betrachtungen anstellt für 100% der Menschen und nicht nur für eine verschwindend kleine Minderheit, die es sich aus waffentechnischen und damit pekuniären Gründen erlauben kann, zu sezedieren, um die absolute Freiheit zu genießen.

        • FwF-sandman sagt:

          „Ihr tut das immer wieder ausgehend vom Axiom „Freiwilligkeit führt zu einer guten Welt, die nicht mehr zu verbessern ist“.“

          Das ist kein Axiom.

          • Peter Boehringer sagt:

            Nicht-axiomatische Antwort 😉 :
            „Doch, ist es.“ Genau das wird hier ohne Hinterfragungs-Option und ohne Definition latent oder explizit unterstellt. Freiwilligkeit und Freiheit werden gar gleich oder zumindest komplementär gestellt („freiwilligfrei“).

            Dabei bestreite ich gar nicht die ENORME (!) Bedeutung von Freiwilligkeit. Baader erkannte in einem FF „Freiwilligkeit ist die Essenz der Freiheit“.
            Aber sie existiert eben nicht axiomatisch im luftleeren Raum. So wie es (außer auf Leben und auf ehrlich erworbenes Eigentum) keine absoluten Rechte gibt, gibt es auch kein absolutes Recht auf absolute individuell auslebbare Freiwilligkeit ohne Betrachtung der Konsequenzen für Einzelne andere und für die Menschen insgesamt.

            Moralisch ist die „Freiwilligkeit!“-Forderung im luftleeren Raum ohnehin nicht, solange nicht zugleich das Papiergeld als Finanzierungsquelle des Maximalstaats erkannt und als primärer Feind bekämpft wird. In diesem (realitätsbezogenen) Sinn der zu priorisierenden freiwilligen GELDWAHL reklamieren dann die Gutgeldler, Geldwettbewerbler, Minimalstaatler die moralische Hoheit für sich – ohne diese Erkenntnis aber ständig wie eine Monstranz vor sich herzutragen!

        • Equality 7-2521 sagt:

          Mein Vorschlag: einigt euch doch bitte auf eine Definition für Moral und Freiheit und diskutiert dann weiter … sonst wird das nichts.

          • nlen sagt:

            Weder das Wort „Moral“ noch das Wort „Freiheit“ sind wesentlich. Anarchokapitalismus ist keine Aufforderung moralisch zu sein. Es wird dann auch Kriminelle geben. Aber sich hinzustellen und mit Gewalt eine verquerte Verschlankungsideologie von Staat zu fordern, ist in sich natürlich unmoralisch, also eine Position die bereits in sich selbst verwerflich sein muss. Da muss man dann gar nicht mehr debattieren. Es gibt nur zwei Auswege aus solchen Geschichten. Der eine ist Notwehr. Das wäre dann mal was, dass Minimalstaatsfritzen ihre Forderungen als Notwehr bezeichnen. Der andere ist Aggression. Sie stellt die Ausübenden auf eine Stufe mit den anderen Aggressoren. Bezeichnenderweise erscheinen manche Linke toleranter zu sein als manche Minimalstaatsfritzen.

          • PB sagt:

            „Anarchokapitalismus ist keine Aufforderung moralisch zu sein.“

            => Vor Tische (= oben) las es sich anders. Aber umso besser – dann hört die Moralisiererei um das ethisch bessere System auf, die in rationalen Debatten immer schwierig ist.

            „Sich hinzustellen und mit Gewalt eine verquerte Verschlankungsideologie von Staat zu fordern, ist in sich natürlich unmoralisch, also eine Position die bereits in sich selbst verwerflich sein muss. Da muss man dann gar nicht mehr debattieren.“

            => Soso. Verstehen müssen wir (völlig unabhängig von der jeweiligen Moraldefinition) diesen Vorwurf an die Verschlanker nun zwar nicht, denn kaum ein Minimalstaatler würde Gewalt befürworten (nicht einmal gegen die Maximalstaatler) – wir bekämpfen das System mit anderen Mitteln! Aber gut zu wissen, dass nlen aus unverständlichen Vorwürfen heraus auch noch das Debattenende verfügt… Und ja, ich weiß, dass nun wieder kommt „Es ist Ihr Problem, wenn Sie das nicht verstehen.“ Vermutlich sehen das 90% der Mitleser (ungleich -schreiber) anders.

          • nlen sagt:

            „Vermutlich sehen das 90% der Mitleser (ungleich -schreiber) anders.“

            Haha. Jetzt sucht jemand Anhänger. Die Mehrheit hat Recht, also habe ich auch Recht. 1000 Fliegen auf der Scheiße können nicht irren.

            „dann hört die Moralisiererei um das ethisch bessere System auf,“

            Nö.

            „denn kaum ein Minimalstaatler würde Gewalt befürworten “

            Widerspruch in sich. Wo sind denn die Minimalstaatler, die aktiv ein Recht auf Sezession befürworten? Gibt es nicht! Alle sind dabei einen neuen Staat zu installieren, ein neues Monster, zum Glück vergeblich.

        • Apo sagt:

          „Obwohl ich mich den Minimalstaatlern und nicht den Anarchokapitalisten zurechne, gestehe ich freimütig ein, daß Letztere die besseren Argumente haben. Es ist in der Tat so, wie sie sagen: Kein Staat kann jemals ein Rechtsstaat sein. Alle Mittel, die er braucht, muß er seinen Bürgern direkt oder indirekt – und meistens gegen deren Willen, also gewaltsam – wegnehmen; er muß rauben und stehlen und somit die Grundlage allen Rechts, das Eigentumsrecht (das Recht auf den eigenen Körper, das eigene Leben und die Früchte der eigenen Arbeit) systematisch verletzen. Wie könnte er also Garant des Rechtsstaats sein? Jeder Staat ist in diesem Sinne ein Unrechtsstaat. (…) Wenn man streng logische Maßstäbe anlegt – und das sollte man gelegentlich zum Selbstschutz vor Illusionismus tun -, dann kann es einen Rechtsstaat nicht geben, weil jeder Staat durch seine schiere Existenz zum Rechtsbrecher (der Eigentumsrechte der Individuen) werden muß, um sich überhaupt statuieren zu können.“ (Roland Baader, Das Kapital am Pranger, S.50 f.)

          • Peter Boehringer sagt:

            @Apo: ALLENFALLS haben die ACs die REINEREN Argumente. Das sind in einer realen Welt mit unvollkommenen, oft unlogischen Menschen, gegebenen imperfekten materiellen Umständen aber nicht zwingend die BESSEREN Argumente. Auch das hier mal wieder erwähnte Baader-Zitat unterliegt der (sogar ausformulierten) Restriktion „wenn man streng logische Maßstäbe anlegt“. Und „strenge Logik“ führt nicht zwingend immer zu einer besseren Welt. Wenn Eltern Kinder immer nur mit strenger Logik erzögen, würden empathielose seelische Krüppel und/oder geistig-überlegene aber sozialunfähige Nerds rauskommen.

            Und jenseits einiger SPÄTER Baader-Zitate contra Staaten (natürlich veranlasst durch die unbestreitbare Perversion fast aller Staatsmächte besonders seit 9/11/01 – indirekt auch durch den seit etwa 2000 nur noch totalitär verlängerbaren Kondratieff-Spätherbst zur Verzögerung des Überschuldungs-Crashs des Kreditfalschgelds, der sonst längst erfolgt wäre) findet man bei Baader mehrheitlich minimalstaatliche Zitate.

            Baader in Kreide für den Wolf: „Freiheit wirft nicht die Frage auf: wer soll regieren? Sondern: wie kann Regierungsmacht und Herrschaft am besten beschränkt und kontrolliert werden?“

            Baader in Totgedacht: „Liberalismus ist eine sozioökonomische Ordnung, in der das Recht herrscht. Das setzt durchaus einige Institutionen voraus, die das Gewaltmonopol innehaben, dieses jedoch nur im Dienste und zum Schutz der liberalen Prinzipien einsetzen dürfen – als da sind:
            Unantastbarkeit der Person und ihres Eigentums im weitesten Sinne.“

          • Apo sagt:

            „ALLENFALLS haben die ACs die REINEREN Argumente.“
            → Was soll das denn aussagen?
            Ich weiß selbst, wofür Baader stand, ich kenne seine Bücher (und bin ihm unendlich dankbar dafür). Ich wusste gar nicht, dass seine ausformulierten Gedanken hinsichtlich des Nullstaats so oft zitiert werden und wurden. Meist kommt ja nur der Verweis, er „hätte ja selbst gesagt, die Ancaps hätten die besseren Argumente.“ (SEINE eigenen Worte). Mir ging es darum, zwischendurch auch ‚mal seine Begründung mitzuliefern. Mit Einwänden wie „Naja, da hat er halt einfach mal resigniert“ macht man es sich meiner Meinung nach etwas einfach.
            „Wenn Eltern Kinder immer nur mit strenger Logik erzögen, würden empathielose seelische Krüppel und/oder geistig-überlegene aber sozialunfähige Nerds rauskommen.“
            → Hayeks „Two worlds“-Prinzip muss ich Ihnen doch nicht erklären, oder?

            „Baader in Kreide für den Wolf: ‚Freiheit wirft nicht die Frage auf: wer soll regieren? Sondern: wie kann Regierungsmacht und Herrschaft am besten beschränkt und kontrolliert werden?’“
            Ja. Dennoch MUSS die erste Frage logischerweise beantwortet werden, um die zweite angehen zu können. Baader sagte auch: „Herrschaft von Menschen ÜBER Menschen darf es nicht geben.“ Und bei aller Bewunderung für sein Schaffen: Diese Aussage IST einfach widersprüchlich in Bezug auf „Wie kann REGIERUNGSmacht und HERRSCHAFT am besten beschränkt und kontrolliert werden?“

            Nette Grüße,
            Apo

    • nlen sagt:

      Genauso gut könnte man fordern Koalitionen und Kompromisse mit der FDP oder CDU einzugehen oder wie es die Paelo-Libertären eine Zeit lang gemacht haben. (Lew Rockwell hat diesen Ansatz ganz schnell wieder verworfen. Aber der Paelo-Libertarismus bleibt an ihnen kleben wie Hartschaum.)

      Was sind das nun für Typen, die Koalitionen fordern? Unterstützen die in irgendeiner Weise die Bestrebungen von Anarchokapitalisten nach Null-Staat? Nein! Sind sie wenigstens in der Lage es den Anarchokapitalisten angenehmer zu machen? Nein!
      Was diese „Liberalen“ wollen (Minarchisten darf man korrekterweise nicht libertär nennen) ist die Anarchokapitalisten vor ihren eigenen Karren zu spannen. Entweder um Lobreden oder spezielle Vorträge zu halten (natürlich nicht zu extrem!) oder für gepflegte Konversationen oder als zahlendes Mitglied in der PDV oder zum Unterschriften sammeln.

      Was sind das nun für Liberale? Sie stehen bestenfalls in der Tradition der Klassisch-Liberalen des 19. Jahrhunderts, die damals schon kläglich gescheitert sind und sich im Selbstverrat aufgelöst haben. Dann haben sich später einige in der Mont Pellerin Society neu arrangiert. Das Ergebnis ist bekannt. Man stand Pate für einen neuen Staat, der sich heute BRD nennt. Einer dieser liberalen Gründerväter mit dem man gemeinsame Sache gemacht hat, war z.B. Alexander Rüstow. Das ist auf den ersten Blick sicher nichts besonders. aber sein Großonkel Wilhelm Rüstow, ein übler Militärschreiber und gefragter Kriegsberater, stand Ferdinand Lassalle schon als Adjutant zur Seite als man Lassalle (erfreulicherweise) den Hodensack weg schoss. Und so schließt sich symbolisch der Kreis. Dieses Lumpenpack ist personell und inhaltlich untrennbar. Politik ist Politik und bleibt Politik.

      Dem noch nicht genug – diese Liberalen, die heute auch noch vorgeben, Mises gelesen und verstanden! zu haben, geben heute vor, dass praxeologisch gewonnene Erkenntnisse des zwischenmenschlichen Zusammenlebens in einigen, wenigen Bereichen angeblich keine Gültigkeit haben. Und die, die das vorgeben, wollen dann ausgerechnet den Anarcho-Kapitalisten erzählen, wie der Markt und am besten noch das menschliche Handeln funktionieren würde.

  2. isomorph sagt:

    Will man wirklich dauerhafte Freiheit?

    Der minimalstaatler sagt nein. Er möchte nur 99% Freiheit, oder 90% oder nur 75%, je nachdem.

    Trotzdem, besser als Menschen, die sich immer noch über 50% Staat wünschen oder sogar 100, und immerhin schonmal welche, die eingesehen haben, dass weniger Staat besser ist, als mehr.

    Sich zu 100% Freiheit durchzuringen, das kann jeder selbst beurteilen, wie schwer das ist, der es geschafft hat. Weshalb man niemanden be- oder gar verurteilen sollte, der vielelicht grade mit sich ringt. Wer noch`n bis`l Hilfe dabei brauch …

    http://globalefreiheit.de/

    lg iso 🙂

  3. Harald Höppner sagt:

    Zurecht wird angemerk, dass die Grenze zwischen Minimalstaat und Maximalstaat nicht scharf zu ziehen ist. Schon gar nicht logisch.

    Aber die staatenlose Gesellschaft, die von viel Libertären gerne moralisch aus dem Selbsteigentum begründet wird, ohne initiirende Gewalt, aber mit dem Recht der Selbstverteidigung, ist auch nicht scharf.
    David Friedmann führt folgendes Beispiel an:
    Der Eigentümer eines Hauses mit Grundstück, wird in seinen (moralisch begründeten) Rechten verletzt, wenn der Nachbar mit einer 100.000 Megawatt Laserkanone auf sein Haus schießt. Das ist wohl unstrittig. Jetzt reduziert der Nachbar die Leistung des Lasers. Ab welcher Leistung werden die Rechte des Hausbesitzers nicht mehr verletzt?
    Selbst wenn der Nachbar nur eine Kerze anmacht, werden einzelne Photonen unerwünscht das fremde Grundstück durchfliegen.

    Auch wenn das Beispiel konstruiert scheint, macht es deutlich, dass auch ein einfaches axiomatischen Regelwerk, Konflikte nicht vermeiden kann, und sich auch kein logisches Regelwerk ableiten lässt, das scharfe Grenzen setzt. Ein Bewegungsmelder der nachts ständig eine 3.000 Watt Gartenlampe an macht, wird wohl viel Nachbarn stören.
    Wo ist die Grenze, auf die sich der Ancap beziehen darf?

    • michael sagt:

      genau wegen dieser „grauzonen“, bedarf es einer freien gesellschaft, in der diese dinge immer wieder individuell frei verhandelt werden.
      voluntaristen geht es nicht um fertige lösungen, sondern die optimalsten lösungsfindungsprozesse.

    • FwF-sandman sagt:

      Einem Ancap geht es nicht um ein „Rechte“, welche positivistisch gesetzt werden müssen. Vielmehr geht es um gerechtfertigtes Handeln und die Möglichkeit der Konsensfindung, die in einer Ancap-Welt aufgrund des Fehlens eines Gewaltmonopols am größten ist.

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