von Tommy Casagrande

 

„Funktionstüchtigkeit als Grad des zu bevorzugenden Modelles zu erklären, nach der dann jedermann und jederfrau gezwungen werden darf, sich einzugliedern, ist ein faschistisch-totalitärer Denkzugang. Man trifft häufig auf Propganda, die behauptet, dass jener Zwang gut sei, der Menschen zwinge, dort mit zu machen, wo etwas funktioniert. So argumentieren leider auch Minimalstaazis gerne mit dem Begriff „funktionieren“. Der Begriff hat mit der Bedeutung von Freiheit aber nada zu tun. Freiheit schließt ein, dass Menschen freiwillig nach jenen Regeln leben dürfen, von denen andere behaupten, dass es nicht funktioniert. Darum müsst ihr Libertären, falls ihr wirklich welche seid, wegkommen vom technischen und materialistischen Zugang zum Wort Freiheit, da seine immaterielle Bedeutung dadurch verloren geht. Wenn es nur eine Freiheit geben darf, das technisch und materiell richtige und bessere zu tun, so handelt es sich wieder um Zwang und nicht um Freiheit.
Da das einige nicht begreifen, operieren sie utilitaristisch im Sinne der Nützlichkeit. Doch auch das in vielen Augen unnützliche kann für den Exoten nützlich sein und Freiheit erlaubt ihm, danach zu leben. Mit Objektivität zu argumentieren, den Freiheitsbegriff zu technisieren, ihn zu materialisieren, führt dazu, Tür und Tür für Systeme zu öffnen, die alle Lebensbereiche nach und nach objektivieren werden, was nur mit einer Zentralgewalt gelingen wird. Somit sind jene Libertäre auch die Spaliersteher für die künftigen Diktaturen. Die Funktionstauglichkeit eines Systems oder einer Ordnung ist irrelevant. Das einzige unschlagbare Argument, das einzige Axiom der Freiheit lautet Freiwilligkeit. Es schlägt alle Nützlichkeitserwägungen, es lässt jede Diskussion über gelingen und nicht-gelingen, über möglich sein und nicht-möglich sein als irrelevant erscheinen. Und erst durch das Freiwilligkeits-Axiom kann jede Utopie freiwillig gelebt und praktisch erfahren werden.
 
Eine theoretische Diskussion über die Möglichkeiten ein in der Praxis zu verbietendes Abstraktum, nach dem Menschen leben wollen, ist nichts anderes als vergeudete Zeit, denn selbst wenn 1 Million Menschen der Meinung sind, dass ein System oder eine Ordnung nicht funktionieren kann, so haben sie kein Recht der Welt und kein Recht des Kosmos und kein Recht von irgendeinem Gott, jene vielleicht paar Hundert, die TROTZDEM so leben wollen, daran zu hindern. Und darum sind Diskussionen über die Funktionstauglichkeit von etwas manchmal vielleicht ganz nett, sollten aber nur als Ideologiekritik eingesetzt werden, nämlich gegenüber jener Ideologie, die mit Gewalt sich selbst absolut setzt und behauptet, das einzig richtige Modell für alle zu sein, so wie wir gegenwärtig alle unter einem Staat leben. Nur dort haben Diskussionen darüber, dass Gewaltsysteme nicht funktionieren, auch einen moralischen Wert und eine Nüzlichkeit. Diese Diskussionen sind aber unnütz, wenn sie sich auf Modelle der Freiwilligkeit beziehen. Alles das was jemals gegen den Kommunismus/Sozialismus/Sozialstaat geschrieben wurde, hat nur den Sinn, anzumerken, dass diese Systeme in ihrer nicht-funktionstauglichkeit umso moralisch verwerflicher sind, als dass es sich um nicht freiwillige Konstrukte handelt. Würden Kommunismus/Sozialismus/Sozialstaat freiwillig gelebt werden, dann wäre beispielsweise das Buch „Über die Gemeinwirtschaft“ von Ludwig von Mises, nichts anderes als eine nette Spielerei für intellektuell interessierte, aber es hätte keine moralische Bedeutung. Es hätte wohl auch noch die Bedeutung, als Warnung gesehen zu werden, wie Wohlstand verloren geht, aber mein Gott, nicht alle Menschen haben materiellen Reichtum zum Ziel. Insofern wäre das Buch von Mises auch keine Ideologiekritik mehr sondern lediglich ein wissenschaftliches Buch für Menschen, die vorhaben, freiwillig danach zu leben.“

 

„Kein Zweck heiligt Zwang!“

 
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4 Responses to Funktionstauglichkeit ist ein irrelevanter Denkansatz, wenn es um Freiheit geht

  1. dw-seneca sagt:

    Die Freiwilligkeit wird hier als das allein Richtige betont. Jeder sollte so leben dürfen, wie es ihm gefällt. Dem stimme ich zu. Zu dieser Freiwilligkeit gehört aber auch, daß mir nicht mehr als zwei Drittel meines Einkommens entzogen werden, teils von Zwangsversicherungen, die mehr als ineffizient und ebenso unsozial wie ungerecht sind. Zur Freiwilligkeit gehört eben, daß ich die Wahl habe, wie und wo und ob überhaupt ich mich versichern möchte.

  2. Zef sagt:

    > Freiheit schließt ein, dass Menschen freiwillig nach jenen Regeln leben dürfen, von denen andere behaupten, dass es nicht funktioniert.

    „Für die Sinnerfüllung und Würde des menschlichen Lebens ist es sogar wichtiger, freiwillig ins persönliche Unglück laufen zu dürfen, als ein befohlenes Glück – was auch immer das sei – ‚genießen‘ zu müssen“ (Roland Baader, Die belogene Generation, S. 213)

    >wegkommen vom technischen und materialistischen Zugang zum Wort Freiheit

    „Die Möglichkeit der Freiheit ist, zu können“ (Kierkegaard).

    >Somit sind jene Libertäre auch die Spaliersteher für die künftigen Diktaturen

    Etwa wenn es dann darum geht, die ethisch selbständigen Individualitäten in angeblich notwendig (ergo ewig) seiende „kollektive Schicksals- und Wehrgemeinschaften“ aufzulösen.

    Alles Werden geschieht durch Freiheit, nicht aus Notwendigkeit (das Notwendige ‚wird‘ nicht, es ‚ist‘). Das Werden ist die Veränderung der Wirklichkeit durch Freiheit.

    Kein Mensch ist um eines anderen Menschen willen da (schon gar nicht um ‚aller‘ willen). Jeder einzelne Mensch hat seine Teleologie in sich selbst. Die Vollendung in sich selbst (nicht die Auflösung im Kollektiv) ist zugleich die vollkommene Anteilnahme am Ganzen. Der Einzelne ist mehr als die Art.

    Der Weg (das Wie) ist die Wahrheit – nicht für die ewigen Götter,
    wohl aber für Existierende.

    Entscheidung heisst:
    nur die Wahrheit ergreifen, die Wahrheit für mich ist.


    „Das Wählen ist meine Losung,
    der Nerv meiner Lebensanschauung“ (Kierkegaard)

  3. Wenn ich König wäre, so würde ich dieses Geldsystem machen. Mehr bräuchte ich nicht zu tun. http://vimeo.com/25605881

  4. Zef sagt:

    > Die Funktionstauglichkeit eines Systems oder einer Ordnung ist irrelevant.

    Gerade auch unter dem Aspekt der „Wahrscheinlichkeit“

    „Die Wahrscheinlichkeit – ein Lump, ein Pfuscher und Schacherer, mit der sich keine freigeborene Seele einlässt; ein Taugenichts, der eher ins Zuchthaus gesperrt werden sollte als kluge Männer und Frauen, denn die Wahrscheinlichkeit prellt die Menschen um mehr als nur um Geld und den Wert des Geldes“ (Kierkegaard).

    Das Ethische schwadroniert nicht von „Millionen“
    und qualitative Dialektik nicht von „Wahrscheinlichkeiten“.

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