von Ferdinand A. Hoischen

Emma Goldman: „Wenn Wählen irgendetwas ändern würde, wäre es schon längst für illegal erklärt worden.“

In diesem Artikel soll aus anarcho-kapitalistischer Sicht der Frage nachgegangen werden, ob man es mit seiner Moral vereinbaren kann, an Wahlen teilzunehmen. Dabei soll es um solche Wahlen gehen, die vom Staat zur Verfügung gestellt werden, also nicht um Wahlen in Vereinigungen, denen man freiwillig beigetreten ist und deren Wirkungen man sich jederzeit durch Austritt wieder entziehen kann.

Staat

Da es vorliegend allein um staatliche Wahlen geht, ist zunächst zu klären, was der Staat eigentlich ist, wo er herkommt und welche Funktion er ausübt.

Eine allgemeingültige Definition des Staates und aller für die Annahme der Existenz eines Staates erforderlichen Bestandteile gibt es nicht. Einig ist man sich jedoch darüber, dass wesentliches Merkmal eines jeden Staates die sog. Staatsgewalt ist. Danach ist der Staat diejenige Organisation, die in einem räumlich definierten Gebiet das alleinige Monopol physischer Gewalt und Besteuerung beansprucht und insofern ein Herrschaftsverhältnis von Menschen über Menschen ist. Dieses Verständnis wird durch die geschichtliche Herkunft des Begriffes „Staat“ gestützt. Er stammt aus dem Italienischen der Renaissanceperiode. Die Herrschenden und ihr Anhang hießen „lo stato“, und dieser Name wurde dann zur Bezeichnung des gesamten beherrschten Territoriums.

Der Staat ist seiner Entstehung nach völlig und seinem Wesen nach auf seinen ersten Daseinsstufen fast ganz eine gesellschaftliche Einrichtung, die von einer siegreichen Menschengruppe einer besiegten Menschengruppe aufgezwungen wurde mit dem einzigen Zwecke, die Herrschaft der Ersteren über die Letzteren zu regeln und gegen innere Aufstände und äußere Angriffe zu sichern. Und die Herrschaft hatte keinerlei anderen Zweck als die ökonomische Ausbeutung der Besiegten durch die Sieger.

Alle frühe Staatswerdung vollzog sich in den 6 Schritten Plünderung, Waffenstillstand, Tributzahlung, Besetzung, Gewaltmonopol, Staat. Wenn man das politische System bis zum Ursprung verfolgt, kommt man zu Eroberung, Raub, Gewalt und Sklaverei. Der Staat ist das Produkt all dieser Handlungen. Tradition, Brauch und Gesetz haben seither dafür gesorgt, die wahre Natur des politischen Systems zu verschleiern, aber eine Veränderung hat in Wirklichkeit nicht stattgefunden. Die Institution des Staates entstand, als Banden freibeuterischer Nomaden auf Gruppen friedlicher, produktiver Landwirte stießen und Sklaven nahmen. Sklaverei ist die ursprüngliche Form wirtschaftlicher Ausbeutung. Wiederholte „Besuche“ dieser Art gefährdeten die Existenz der sesshaften, friedlichen Bevölkerung immer mehr. Deshalb ging die sesshafte Bevölkerung schließlich einen überlebensnotwendigen Kompromiss ein: sie engagierte eine Räuberbande, um sie vor anderen Räuberbanden zu schützen, und zwar gegen Tributzahlung. Über  die Zeit wurde dieser Tribut reglementiert und „Steuer“ genannt. Die Steuerempfänger ließen sich unter Durchsetzung ihres Gewaltmonopols innerhalb der besetzten Gemeinschaft nieder, gingen in dieser auf und wurden zu einer Nation. Aber das System der Besteuerung blieb in Kraft, auch als es den ursprünglichen Charakter des Tributs verloren hatte. Die Bevölkerung blieb ebenso geteilt in Zahler und Empfänger. Diejenigen, die ohne irgendetwas zu produzieren von den anderen lebten, wurden als „Diener des Volkes“ bezeichnet und erhielten so eine ideologische Legitimation.

Alleinige Funktion des Staates, abgesehen von der Sicherung seiner Herrschaft nach außen und innen, ist die Beschlagnahme des Eigentums seiner Bürger und die Umverteilung von Wohlstand. Denn der Staat hat nicht die Fähigkeit zu irgendetwas anderem. Er kann keine Güter produzieren. Also tut er das Einzige, was er kann: den Produzenten ihre Produkte wegnehmen und nach eigenem Gutdünken verteilen, selbstverständlich abzüglich dessen, was er für sich selbst behält.

Staat und Wahlen

Alle Staaten „lieben“ Wahlen und dabei kommt es nicht darauf an, wie sie verfasst sind, demokratisch, diktatorisch oder monarchisch, kommunistisch, sozialistisch, faschistisch oder merkantilistisch. Denn aus Wahlen ziehen alle Staaten gleich welcher Couleur ihre Herrschaftslegitimation nach innen und außen. Die öffentliche Unterstützung durch die Bürger ist gerade die Grundlage der Macht des Regimes.

Übrigens: kapitalistische Staaten gab es nie, gibt es nicht und kann es nicht geben. Bei Staat und Kapitalismus handelt es sich um Formen menschlichen Zusammenlebens, die einander ausschließen. Denn jeder Staat beruht immer auf Kollektivismus, Zwang und Ausbeutung, hingegen der wirkliche Kapitalismus ausschließlich auf Individualismus, Freiheit und freiwilligem Leistungsaustausch.

Auch totalitär/diktatorisch geführte Staaten lassen immer wieder gerne wählen. Nicht umsonst gab es im ehemaligen „Ostblock“ Wahlen mit gesetzlicher Wahlpflicht und in Nazi-Deutschland Wahlen mit faktischer Wahlpflicht. Selbst in totalitären Staaten halten es die Diktatoren von Zeit zu Zeit für notwendig, Wahlen abzuhalten, nur um sich selbst und anderen die Rechtmäßigkeit ihrer Herrschaft zu beweisen. Obwohl das Wählen Pflicht ist und die Wahl völlig einseitig, können sie auf den hohen Prozentsatz der Wählerschaft verweisen, der ihre Herrschaft billigt.

Demokratisch verfassten Staaten ist das Wählen sozusagen angeboren, da es sich ja angeblich um die Herrschaft des Volkes über sich selbst handelt. In der Demokratie ist deshalb das Einverständnis der Bürgerschaft notwendig für den Betrieb des Staates. Und eine hohe Wahlbeteiligung ist der Beweis für dieses Einverständnis. Der gewählte Kandidat kann dann behaupten, ein Mandat der Bevölkerung zu besitzen.

„Demokratie“ ist in Wirklichkeit jedoch nur eine Abstraktion, die die Eigentümer des Staates benutzen, um die Aufmerksamkeit ihrer Opfer abzulenken, um in den Gehirnen ihrer Untergebenen die Illusion zu erzeugen, nicht die wahren Eigentümer, sondern sie als Bürger hätten über das System zu bestimmen. In dem Glauben, dass der Staat ihre Interessen wahrnehme und dass sie durch den „demokratischen“ Prozess dessen Richtung und Energien kontrollieren, identifizieren sich die meisten Männer und Frauen mit diesem Staat. Das System des angeblich demokratischen Staates beruht auf einer sehr fadenscheinigen Grundlage: den Menschen wird der Eindruck gegeben, dass sie durch den Wahlvorgang das Sagen haben, dass sie selbst es sind, die das Staatsschiff steuern. Aber das wirtschaftliche und politische Establishment, dem das System in Wirklichkeit gehört, hängt dieser Wahnvorstellung nicht an. Die gesamte institutionelle Ordnung, einschließlich Staat, Großunternehmen, Schulen, Universitäten, organisierte Religionen und Mainstream-Medien haben ein gemeinsames Interesse daran, dass die Menschen gegenüber ihrer Autorität und Kontrolle unterwürfig gehalten werden.

H.L. Mencken hat es wie üblich treffend auf den Punkt gebracht: Demokratie ist der erbärmliche Glaube an die kollektive Weisheit individueller Ignoranz.

Die Freiheit des Individuums steht dem Zwang und damit der Versklavung, die in jeder Demokratie auf dieser Welt vorhanden ist, diametral entgegen. Freiheit des Individuums bedeutet das unbeeinträchtigte Recht des Einzelnen, seine eigene Persönlichkeit durch Handeln und Kreativität zu entwickeln. Freiheit der Person ist Lichtjahre entfernt von der „Befugnis“, alle Jahre wieder eine Regierung zu wählen, deren Gewaltausübung ausnahmslos in größtem Umfang und mit weitesten Grenzen selbst dann stattfindet, wenn sie verfassungsrechtlich beschränkt ist. Demokratie ist von Natur aus Individuum-feindlich und deshalb Freiheit-feindlich und Versklavung-freundlich. Die zu wählende Regierung ist keine Lösung für das Gewaltproblem, sie ist selbst personifizierte Gewalt.

Niemand, der an individuelle Freiheit glaubt, kann jemals auf die Idee des Wählens gekommen sein. Per Definition beseitigt das Wählen das Individuum in der Gesellschaft zugunsten des Kollektivs. Individualismus verkörpert Freiheit, Kollektivismus Sklaverei. Deshalb ist Wählen Herrschaft des Pöbels, der Fluch der Freiheit und die Nahrung für eine Gesellschaft auf der Grundlage von Knechtschaft. An Politik durch Wählen teilzunehmen bedeutet, seine Energien bewusst dem Massendenken zu widmen, dem etatistischen Lehrsatz, dass kollektives Denken und kollektives Verhalten dem Willen des Individuums vorgeht.

Wählen eröffnet einer Gruppe die Möglichkeit, legal eine andere Gruppe auszuplündern. Die großen Gewinner der Machenschaft, die man Wählen nennt, sind die Regierung und ihre großindustriellen Förderer einschließlich des Bankensystems. Sie benutzen Gewalt, um Macht zu gewinnen und durch Erpressung das ehrlich verdiente Vermögen anderer zu stehlen. Durch die Machenschaft des Wählens erringen sie das „Recht“, über das Land zu herrschen und werden dadurch in den Augen der Bevölkerung legitimiert.

Durch Wählen sanktioniert man den Raub privaten Eigentums unter Waffenandrohung und die Umverteilung dieses Eigentums an solche, die es nicht verdient haben. Diejenigen, die zur Wahl gehen, legitimieren damit alles, was die Regierung tut.

Manche meinen, wenn „freie“ Wahlen abgehalten würden, hätte man weder eine Tyrannei noch eine Despotie. Das Gegenteil ist richtig! Die Tyrannei der Mehrheit wählt Despoten auf jede Ebene der Regierung. Warum? Weil die Demokratie selbst das Problem ist. Sie zieht die falschen Menschen für Führungspositionen an.

Damit Staatsgewalt existieren kann, muss eine erhebliche Anzahl von Männern und Frauen die Idee, von anderen regiert zu werden, gutheissen. Wenn man an einer Wahl teilnimmt, erklärt man damit seine Unterstützung für das Verfahren, dass einige wenige Menschen alle anderen durch Zwangsmaßnahmen beherrschen. Man sollte jedoch kein gewalttätiges und brutales Zwangssystem dadurch legitimieren, dass man so tut, als ob es freiwillig wäre, als ob man darin etwas zu sagen hätte und dabei gleichzeitig die Kriege, die Gewalt, die Versklavung und Unterwerfung ignoriert. Man sollte nicht der irrigen Hoffnung anheimfallen, dass ein paar Striche auf einem Zettel in einer Kabine etwas zugunsten der individuellen Freiheit im Leben ändern könnten. Das war nie so, ist nicht so und wird auch nie so sein.

Warum sind Schurken besonders in der politischen Arena erfolgreich? Eine Analyse der Natur einer Wahl gibt die Antwort. Die Auswahl der Regierenden durch allgemeine Wahlen macht es praktisch unmöglich, dass gute oder harmlose Menschen jemals zur Spitze aufsteigen könnten. Die Massenwahlen der modernen Demokratie gewähren gerade denjenigen Mitgliedern der Gesellschaft bevorzugt Zugang zur Regierung, die nur geringe oder gar keine Hemmungen gegen das Lügen und das Wegnehmen fremden Eigentums haben. Dies sind diejenigen, die am talentiertesten sind, aus einer Vielzahl moralisch ungehemmter und miteinander unvereinbarer populärer Forderungen Stimmenmehrheiten zusammenzubringen und die intellektuell Unterprivilegierten zu beeindrucken und zu verzaubern. Um eine Wahl zu gewinnen, müssen Kandidaten ihren Unterstützern das Vermögen anderer Leute anbieten und sie überzeugen, an der Wahl teilzunehmen, obwohl die einzelne Stimme keine Auswirkung auf das Wahlergebnis hat. Um diese beiden Ziele zu erreichen, bedarf es der Täuschung. Deshalb haben Kandidaten, die bereit sind, Eigentumsrechte zu verletzen – zu rauben – und zu schwindeln, einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Kandidaten mit festen moralischen Überzeugungen. Diese Kandidaten ziehen durch das Land und versprechen jedem Wähler, was immer er will. Gewinner ist immer derjenige, der das meiste mit der geringsten Einlösungswahrscheinlichkeit verspricht. Somit sorgt die Demokratie effektiv dafür, dass nur schlechte und gefährliche Menschen jemals an die Spitze der Regierung gelangen. Und genau dieses Ergebnis fördert man, indem man zur Wahl geht.

Solange die Menschen sind, wie sie nun mal sind, wird es in jeder Gesellschaft Menschen geben, die das Eigentum anderer Menschen begehren. Normalerweise lernen Menschen, dieser Begierde nicht nachzugeben. Die wenigen, die dies nicht können, werden von ihren Mitmenschen als Kriminelle behandelt und bestraft. Das alles ändert sich mit der Demokratie. Was zuvor als unmoralisch betrachtet und entsprechend unterdrückt wurde, wird nun als legitime Begierde angesehen. Jeder darf offen das Eigentum eines jeden anderen begehren, solange er sich nur auf die Demokratie beruft. Und jeder darf seiner Gier nach dem Eigentum anderer nachgeben, sofern er nur Zutritt zur Regierung findet. Daher wird unter demokratischen Bedingungen die populäre, wenn auch unmoralische und asoziale Gier nach dem Eigentum anderer Menschen systematisch gestärkt. Und genau diese Gier fördert man, wenn man zur Wahl geht und diesem amoralischen Verhalten das Mäntelchen der Legitimität umhängt.

Diejenigen, die zur Wahl gehen, unterstützen offensichtlich das politische Verfahren im Land und erklären dadurch, mit dem System im Grundsatz einverstanden zu sein. Wer wählt, also an den durch den Staat zur Verfügung gestellten und organisierten Wahlen teilnimmt, denkt und handelt (staats)systemimmanent, stützt damit die Verbrecherbande Staat und verschafft einem verbrecherischen System eine (Schein-) Legitimität, die ihm aufgrund seiner Herkunft, seiner Natur und seines Handelns nicht zukommt. Das ist etwa so, als würde man bei einer bekanntermaßen kriminellen Werkstatt eines großen Autoherstellers seinen PKW warten lassen, so dass diese mit ihren vielen Kunden werben kann, die ihr das Vertrauen schenken, was dann weitere, neue Kunden anzieht, anstatt eine anständige freie Werkstatt zu wählen. Wer zur Wahl geht, akzeptiert den Staat als Institution, schlicht und einfach! Der demokratische Prozess hat sich gerade als Kraft zur Aufrechterhaltung des Status Quo erwiesen, der den Interessen der etablierten Macht dient.

Es ist auch nicht möglich, durch den Vorgang des Wählens Steuern/Raub insgesamt abzuschaffen. Die Abschaffung aller Steuern würde nämlich die Politiker arbeitslos machen und es ihnen verwehren, spezielle Privilegien zu verteilen. Was für einen Grund sollten sie unter solchen Umständen denn noch haben, sich einer Wahl zu stellen? Es ist in diesem Zusammenhang interessant, darüber zu spekulieren, welche Art politischer Kampagnen und Kandidaten es gäbe, wenn jegliche Besteuerung aufgehoben wäre. Wer würde sich für ein Amt bewerben, wenn nichts mehr für ihn „drin“ wäre? Und wenn man sich recht erinnert, hat die Stimmabgabe für das „kleinere Übel“, das den Wählern persönlich und wirtschaftlich freiere Verhältnisse versprochen hat, noch immer dazu geführt, dass dieses angeblich kleinere Übel die Steuern erhöht und den Raub ausgeweitet hat.

Viele Libertäre meinen, dass Wählen dann akzeptabel sei, wenn man für jemanden stimme, der nicht Mitglied einer großen Partei ist. Dem ist jedoch nicht so. Denn selbst wenn ein guter Mann für ein hohes Amt kandidiert, egal nun wer gewinnt, legitimiert jede einzelne Stimme nicht nur das Ergebnis, sondern auch das verfehlte politische System selbst. Um Sy Leon zu zitieren: „Eine Wahlmöglichkeit zwischen Politikern ist keine Wahlmöglichkeit, sondern eine Kapitulation.“ Es gibt nichts Rechtschaffenes an dem Versuch, die Kontrolle über die Waffen zu bekommen und sie in die Hände von Leuten zu legen, die dem Wähler weismachen, rechtschaffen zu sein. Zu glauben, man sei eine produktive Person, die andere produktive Menschen davon überzeugen könne, die richtigen Politiker zu wählen, die dann die richtigen Gesetze machen, ist durch die Geschichte immer als Aberglaube widerlegt worden.

Die Illusion einer kurzfristigen Reduzierung der Steigerungsrate von Staatsgewalt vernebelt den Blick für die langfristigen Konsequenzen, die mit der politischen Teilnahme durch Wählen einhergehen. Politische Systeme beziehen ihre Macht nicht nur aus Gewehren und Gefängnissen, sondern insbesondere aus der Bereitschaft der Regierten, ihre Energien für das System einzusetzen. Die Motivation für eine Wahlteilnahme, selbst wenn sie offen dahingehend erklärt wird, Staatsgewalt zu verringern oder zu beenden, mildert nicht die Tatsache, dass die Energien des Wählers für das destruktive Prinzip eingesetzt werden, wonach Freiheit und soziale Ordnung am besten durch die Zwangsmaschinerie des Staates gefördert werden können.

Wenn jemand einem Anderen aufgrund Gesetzes etwas wegnimmt, was dieser mit seiner Arbeitskraft geschaffen hat, ist das eine Ungerechtigkeit der übelsten Art. Denn die Verneinung des Rechts eines Menschen, das zu behalten, was er geschaffen hat, ist gleichbedeutend mit der Verneinung seines Lebensrechts. Und diese Verneinung des Lebensrechts unterstützt man, indem man zur Wahl geht und damit das Prinzip des legalisierten Raubes gutheißt.

Sind die Menschen durch politische Wahlen freier geworden? Nein! Durch jede Wahl ist die Regierung mächtiger, tyrannischer und autoritärer geworden. Individuelle Freiheit ist so gut wie zerstört und staatliche Aggression die Regel. England als sog. Mutterland der Demokratie mit seiner heute flächendeckenden Video-Kontrolle der Bürger ist ein vielsagendes Beispiel, die USA mit der um sich greifenden Kontrolle durch Drohnen ein williger Nachahmer.

Die gewählten Politiker und die politischen Beamten sind vorübergehende Staffage. Die wirklichen Strukturen des Nationalstaates sind in der Erscheinungsform ihrer Bürokratie permanent und machen den Kern dessen aus, was man „Staat“ nennt. Die Vorstellung, dass man die wie eine Krake alles überwachende und regelnde Bürokratie durch eine nur Minuten dauernde Stimmabgabe auch nur marginal ändern könnte, ist komplette Phantasie. Es kommt im Leben jeder Person der Zeitpunkt, wenn man den Tatsachen ins Auge schauen muss und aufhören muss, an den Weihnachtsmann, den Osterhasen, die Zahnfee und den Wandel durch Politik zu glauben.

Genauso wie jede andere Regierungsform übt auch die Demokratie Gewalt gegen Recht und Freiheit aus, beraubt, behindert und zwingt das Individuum zur Befolgung von Befehlen gegen dessen Willen. Geht man im demokratischen System zur Wahl, erklärt man damit zugleich seine Billigung der durch das System ausgeübten Gewalt. Zum einen beruht jede Demokratie auf dem Staat als Gewalt- und Besteuerungsmonopolisten. Zum anderen sind hemmungslose Gewalt sowie die Fähigkeit und Bereitschaft, sie gegenüber jedem anzuwenden, der ihren Interessen lästig ist, das Kennzeichen moderner politischer Systeme. Die perverse Auffassung, das Bombardieren von Städten in fremden Ländern, das Zerstören ihrer Kulturen, das Abschlachten hunderttausender Männer, Frauen und Kinder müsse getan werden, um Demokratie zu fördern, ist eine weitere Veranschaulichung der symbiotischen Beziehung zwischen Demokratie und Gewalt.

Wählen ist unmoralisch, denn es spielt den Einen gegen den Anderen aus. Wählen ermöglicht es einigen, das Schicksal anderer zu bestimmen, und zwar durch den Einsatz von Gewalt. „Mehrheitsentscheidung“ ist nicht nur eine Denkweise, die „Demokratie“ zu definieren hilft, sondern notwendigerweise sozialen Konflikt fördert durch die ihr innewohnende Tendenz, Gruppen gegeneinander auszuspielen – 51 Prozent besiegen 49 Prozent.

Zudem hängt das Vorankommen innerhalb einer totalitären Gruppe wie einer politischen Partei oder der Regierung weitgehend von der Bereitschaft ab, unmoralische Dinge zu tun. Das Prinzip, dass der Zweck die Mittel rechtfertigt, das in der individualistischen Ethik als Verneinung jeder Moral angesehen wird, wird in der kollektivistischen Ethik notwendigerweise der oberste Grundsatz.

Nichtwählen ist nicht etwa bloßes Schweigen zum verbrecherischen und unmoralischen Staat oder eine bloß passive Haltung zum Unrecht. Vielmehr ist es eine positive Erklärung dahingehend, dass man sich für das Individuum, für die Freiheit, für Selbstverantwortung und für freiwilligen Leistungsaustausch entschieden hat. Nichtwählen ist eine stille Revolution ohne Organisation, ohne Gewalt, ohne Finanzierung, ohne „Führer“.

Schlussfolgerung

Wie kann man nur annehmen, dass Wählen moralisch ist, wenn gerade dieses Wählen es legal erlaubt, dass der Eine zum Wohle des Anderen missbraucht wird? Warum sollte irgendein Bürger mit einem Rest an Selbstachtung eine Institution unterstützen, die auf Raub beruht? Denn genau das ist es, was man tut, wenn man zur Wahl geht. Man kann die Institution des Staates genauso wenig durch Wählen moralisch verbessern wie man ein Bordell ausmisten und dessen Geschäft intakt lassen kann.

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18 Responses to Nichtwählen – Warum eine räuberische Institution unterstützen?

  1. Zef sagt:

    Wahrlich, ein Text von seltener Schönheit!

    >Das Prinzip, dass der Zweck die Mittel rechtfertigt, das in der individualistischen Ethik als Verneinung jeder Moral angesehen wird, wird in der kollektivistischen Ethik notwendigerweise der oberste Grundsatz.

    Der Gegensatz zwischen individualistischer und kollektiver Ethik ist dabei so diametral, so feindlich, dass das mindeste Beugen nach der einen Seite, das Gegenteil für die andere Seite ist. Hier gibt es kein Vermitteln, kein begriffslogisches Versöhnen, sondern nur ein klares, scharfes Entweder/Oder. Auch ein „kleiner Adolf“ ist ein ganzer Adolf.


    „Für die Freiheit kämpfe ich daher, für die künftige Zeit, für das Entweder-Oder. Das ist der Schatz, den ich denen zu hinterlassen gedenke, die ich in der Welt liebe“ (Kierkegaard)

  2. Fritz Timm sagt:

    Selten so etwas Schönes gelesen ! Hier wird etwas zum Ausdruck gebracht, das ich selbst nicht äußern dürfte, ohne meine Existenz und die meiner Familie zu gefährden. Es erinnert mich auch an Hans-Hermann Hoppes „Wettbewerb der Gauner“ (über das Unwesen der Demokratie).

  3. Herr SoUndSo sagt:

    Dieser Text ist völlig ausreichend und ausgezeichnet formuliert, dass man auf weitere Lektüre verzichten könnte. Hier ist alles in komprimierter Form enthalten. Es wurde nichts vergessen. Er wird von mir bestimmt weiterempfohlen. „Wählst Du noch, oder lebst Du schon“

  4. Jeli sagt:

    Hi ihr,
    erstmal ausgezeichneter Text!

    Es kann sein dass ich falsch liege, aber ich frage meine Frage trotzdem:
    Wenn die meisten nicht wählen gehen würden, würden zum Beispiel Überzeuge von Rechten Parteien die NPD wählen und somit gewinnen, da keine Parteien wie die SPD oder die Grünen von der Mehrheit gewählt werden würden.

    Somit hätte man eigentlich das Gegenteil von dem erreicht was man will: Freiheit. und man würde alles nur noch schlimmer machen

    Bitte beantwortet meine Frage und sagt mir wo ich falsch liege.

    • Tim sagt:

      Hallo,

      ich bin nicht sicher ob ich deine Frage richtig verstehe. Machst du dir Sorgen, dass bei geringer Wahlbeteiligung die „falschen“ Leute die Regierung bilden und die Lage so noch schlimmer wird?

      Es ist gut möglich, dass die Stimmen bestimmter Minderheiten mehr Gewicht bekommen, wenn die Mehrheit nicht mehr wählt. Entscheident für die Antwort auf deine Frage wäre für mich ob die Menschen diese Regierung dann noch anerkennen würden, wenn die Mehrheit der Menschen nicht am Ritual der Herrschaftslegitimierung teilgenommen hat.

      Eine Regierung dessen Befehlen und Gesetzen niemand folgt ist ungefährlich – egal welche Ansichten die Regierungsmitglieder vertreten.

    • Zef sagt:

      Hi Jeli

      Kurt Kowalsky hat diese Frage mal aufgegriffen in seinem Text „Durch den Parlamentarismus zur Freiheit?“

      http://www.libertaere-rundschau.de/Durch_den_parlamentarimus_zur_freiheit.html

      Der entsprechende Abschnitt beginnt so:
      „Wenn heute ein gewisser Teil der Wähler sein sog. Wahlrecht nur deshalb wahrnimmt, um linken und rechten Extremisten parlamentarisch Einhalt zu signalisieren, ist dies eine Verkennung der parlamentarischen Orientierung und Blickrichtung“.

      Es lohnt sich, den ganzenText zu lesen.

      Gruss, Zef

      • Jeli sagt:

        Vielen Dank für Eure Antworten!!

        Zef, den Text werde ich mir definitiv durchlesen…!!

        „Eine Regierung dessen Befehlen und Gesetzen niemand folgt ist ungefährlich – egal welche Ansichten die Regierungsmitglieder vertreten.“

        Ich sehe das nicht so. In unserer Welt gibt es viele Regierungen, hinter denen das Volk nicht steht. Die Regierung hat die Befehlsgewalt über das Militär und die Polizei und kann ihre Gesetze nach belieben umändern.

        Würden sich die heutigen Regierungen ihre Macht so einfach wegnehmen lassen?

        Lg Jeli

  5. Marco sagt:

    Logisch inkonsistente Anti-Wahl-Propaganda zum Millionsten. Als Anarchist nervt mich oberflächlicher Anarchismus. Mal ganz davon abgesehen, dass Herr Hoischen aus den Schriften anderer Autoren (z.B. Franz Oppenheimer) wortwörtlich kopiert hat, ohne das kenntlich zu machen, ist es doch geradewegs tragikomisch, dass der Beitrag mit dem Goldman-Zitat „Wenn Wählen irgendetwas ändern würde, wäre es schon längst für illegal erklärt worden.“ beginnt. Hat der Autor den Sinn des Zitates erfasst? Vermutlich nicht, denn schließlich soll die Irrelevanz von Wahlen für die Frage der Herrschaft von Menschen über Menschen zum Ausdruck gebracht werden. Jedoch wird im Beitrag eine völlig andere, gegensätzliche These ausgerollt.

    Darüber hinaus werden zentrale Begrifflichkeiten nicht verstanden. So beispielsweise der Begriff der Legitimität. Legitimität heißt Rechtmäßigkeit. Man kann natürlich niemanden durch Wahl „legitimieren“, etwas zu tun, dessen man selbst zu tun der Legitimität mangelt. Wenn aber davon gesprochen wird, Wähler würden die Herrschaft von Menschen über _andere_ Menschen „legitimieren“, wird hier entweder der Staatspropaganda aufgesessen oder – wahrscheinlicher – die Begrifflichkeit falsch verwendet. Gemeint ist mit „legitimieren“ wohl eher, dass jemand einem anderen den _Anschein_ von Rechtmäßigkeit ermöglicht. Dass ein Wähler durch Wahlteilnahme hilft, dem Regime, den Herrschenden, den Anschein von Legitimität zu geben, ist ja durchaus eine These, die man erstmal vertreten kann. Zentral ist jedoch – wieder auf Emma Goldman zurückgreifend – die Erkenntnis, dass der Wähler durch Wahlentscheidung tatsächlich eben nichts beeinflussen kann, weil ihm die Herrschenden natürlich nicht die Wahl lassen, eine Entscheidung zu treffen, die den Herrschenden nicht passen oder sogar schaden würde. Wahlen sind auch kein Verhältnis von Auftraggeber und Auftragnehmer, schon ganz formaljuristisch nicht (Stichwort: „freies Mandat“), sondern Wahlen sind Meinungsumfragen: „Welchen Vertreter der herrschenden Klasse findest du, Sklave, am sympathischsten bzw. am wenigsten abstoßend?“.

    Letztlich sind es jedoch zwei glasklare Argumente dafür, dass Wahlen irrelevant für die Frage sind, ob Herrschaft möglich ist oder nicht: 1.) Über die allerlängste Zeit der Menschheitsgeschichte sind Staatsregime wunderbar gänzlich ohne jedes Wahltheater ausgekommen. Das hat den Herrschenden das Herrschen auch nicht schwerer gemacht, denn tatsächlich waren die Regime früher sogar viel stabiler. 2.) Die Nichtwähler haben ja bereits gewonnen! In allen westlichen Demokratien sind sie die Mehrheit, manchmal relative, oft aber sogar absolute Mehrheit. Hier in Sachsen-Anhalt sind 2006 zur Landtagswahl gerade mal noch 44% der Wahlberechtigten hingelatscht. Auf kommunaler Ebene bewegen sich die Wahlbeteiligungen mittlerweile Richtung 20%. Zu Kreiswahlen im Norden des Bundeslandes schrammte manche Wahlbeteiligung knapp an einstelligen Ergebnissen vorbei. Und nun die Preisfrage: Haben sich die Herrschenden in Sachsen-Anhalt vom Herrschen verabschiedet? Na?

    Was die Herrschenden brauchen, damit ihre Herrschaft funktioniert, ist nicht Liebe, nicht einmal Zustimmung, sondern nurmehr Duldung, Gehorsam. Der Zweck der Herrschaft von Menschen über Menschen ist die Ausbeutung, also die Aneignung von Gütern gegen den Willen derer, die sie herstellen (müssen)/die Kosten ihrer Bereitstellung tragen (müssen). So lange dieser Zweck verwirklicht werden kann, ist alles andere völlig nebensächlich. Warum also das Wahltheater? Nun, aus keinem anderen Grund, aus dem z.B. Sozialstaatstheater, das Schulzwangtheater, das STaatsmedientheater usw. veranstaltet wird. Es geht nicht darum, Zustimmung zu generieren, sondern potenziellen Ungehorsam zu reduzieren. Nur das ist für die Herrschenden entscheidend. Die Untertanen, die Beherrschten müssen nicht zufrieden sein, ja sie können sogar das Regime hassen. Es wird trotzdem ungestört weitermachen können, wenn die Ablehnung nicht zum Ungehorsam führt, also zur Weigerung strafbewehrte Befehle (wenn keine Strafe droht, ist es schließlich kein Befehl) auszuführen. Wichtig ist für die Herrschenden nurmehr, öknomisch gesprochen, dass die Kosten des Herrschaftserhalt nicht den Nutzen der Herrschaft übersteigen.

    Rational betrachtet ist die Sache also klar: Wenn Wahlen irrelevant sind für die Frage, was die Herrschenden tun oder nicht tun, dann kann ein Wähler auch keine Verantwortung für das tragen, was die Herrschenden tun. Warum also der irrationale Anti-Wahl-Furor? Ich spekuliere einmal: Anti-Wahl-Propaganda kostet fast nichts und ist mit keinerlei Risiko verbunden. Nicht an Wahlen teilzunehmen kostet nichts. Hingegen kann man ein psychisches Einkommen Antiwahlkampf ziehen, wenn man zuvor sich die Wahlen zum Existenzgrund der Herrschaft phantasiert, um sich dann heldenhaft gegen Wahlen zu engagieren. Tatsächlicher Widerstand gegen die Herrschenden, z.B. in Form von Steuerzahlungsverweigerung oder dem Brechen sonstiger Gesetze wäre demgegenüber mit erheblichen Kosten und Leid verbunden. Konsequent durchgezogen droht schließlich immer die Inhaftierung.

    • michael sagt:

      mich nerven oberflächliche und inkonsistente kommentare die sich als pro-wahl-propaganda entpuppen.
      und sowas nennt sich dann auch noch anarchist.

  6. Cerberus sagt:

    Zunächst mal, wie ich es sehe:

    1. Die Herrschenden sind keine gewählten Politiker. Die Herrschenden sind ein elitärer Super-Geld-Adel und die Politiker deren Diener.

    2. In allen Gruppen (von der Familie bis zum Staat) nehmen stets diejenigen Führungspositionen ein, die am geringsten unter der Schwäche leiden, die sich „Empathie“ nennt. Also, aus völlig logischen Funktionen heraus, bildet sich die „Elite“ daher ausschließlich aus Psychopathen (und zwar den stärksten Psychopathen, unter allen Psychopathen).

    3. Um dagegen anzukämpfen müsste man Psychopath sein.

    Was die Staatengebilde anbelangt: Ich war mir beim Lesen des Artikels stets unsicher, wessen Geistes Kinder ich da nun lese. Hier lese ich einen „Fluch“ dem Staatsgebilde, das ohnehin nur aus Verbrechern besteht, dort lese ich ein Betrauern wegen dem unsäglichem Umverteilen von Geldern. Ist das also das große Problem? Dass man von denen nimmt, die haben, um etwas denen zu geben, die nicht haben? So also? Sicher, ja, nur eines der Probleme, aber das soll so ein Problem sein?

    Ich kenne dieses Problem eigentlich nur anders herum: die handlangenden Staatsverbrecher nehmen den Armen und Schwachen ihre letzten Würden und ihre letzte Habe und noch den letzten Funken von „Recht“ und überliefern dies an ihre Auftraggeber (die, mit dem ganz viel Geld). Eine andere Form von Umverteilung ist mir bei Staaten unbekannt. Freilich immer in so weit es erträglich ist (würde man die Massen von „heut auf morgen“ alle in Arbeitslager pferchen, bei Suppe und Brot als Bezahlung, würden schnell neue Psychopathen kommen können und auf den Schultern der Masse die alten hinwegfegen). Es braucht einen langsamen Gewöhnungsprozess, in der Ausbeutung und der Entrechtung der Massen – aber sukzessive wird schon werden. Also, darauf dürfen wir wetten, dass heute schon kaum mehr einer begreift, wie weit er in den letzten 20 Jahren entrechtet und entmündigt wurde, ohne es zu merken – so, it works well.

    Nun aber: Also ohne Staat soll’s werden, ja? Da würde mich dann nur noch interessieren:

    – wovon leben die Schwachen und Kranken?
    – wer bezahlt die (und welche?) Schule?
    – wer beherrscht die Polizei und das Militär?
    – .. und ca. weitere 1.000 Fragen.

    Sind dann die Armen und Kranken wohl darauf angewiesen, dass irgendein reicher Herr sich gezielt um sie persönlich kümmert? Dann, so wie eben früher, im Feudalismus (den wir doch ohnedies schon schön anlaufen), oder wa? Gnade und Ungnade nach Gusto des reichen Gutsherren – und so wird dann auch entschieden welche Schule gebaut wird, was dort unterrichtet wird und wer es sich überhaupt leisten kann, seine Kinder in die Schulen zu schicken?

    Auch ist mir aufgefallen, dass in dem Artikel a weng viel „Gerechtigkeitsdenken“ alter Manier auftaucht. Vom „Wert der Arbeit“ (Kumpel Nietzsche) scheint da zumindest nichts im Hinterkopf gewesen zu sein. Also etwas, das daran erinnert, dass niemand mehr leisten kann, als ein anderer, mithin – vom moralischen Standpunkt aus – eben tatsächlich alle Leistungen komplett verteilt werden müssten, zu gleichen Teilen, unter allen. Einzig der allgemeine Wunsch nach Fortschritt ließe es rechtfertigen, dass man denen, die (gezählt) mehr leisten, als andere, höher entlohnt werden, um eben einen Anreiz zu gewährleisten.

    Ich finde es nun schon etwas merkwürdig, dass ich hier wohl tatsächlich daran erinnern muss, dass sich niemand selbst genetisch erbaut, sich nicht selbst unter gegebenen Bedingungen X prägt und sich auch nicht selbst die Hormongelage einstellt, um auf Wunsch, im Moment Y, von träge zu agil zu wechseln usw. (oder noch besser: von dumm auf schlau…)

    Sei’s drum; ich sehe nur einen Schritt, einen nur theoretischen, zur Abkehr vom System der Ausbeutung der „Schwächeren“: Alles Land eines Staates müsste zu gleichen Teilen an alle Einwohner zurückgegeben werden (n.m. logischem Ermessen steht dies jedem Menschen von Geburt an zu). Genau, in dieser Welt, bei diesen Menschen… reine Utopie eingekellerter Gedanken.

    Ansonsten… bin ich recht unsicher, ob ich den Artikel einigermaßen verstanden hatte.

    Cerberus

    • michael sagt:

      „- .. und ca. weitere 1.000 Fragen.“
      da du nicht der erste bist mit solchen fragen, haben wir schon viele artikel und videos zu fast allen fragen, die üblicher weise gestellt werden…
      schau dich einfach mal um.

      anfangen könntest du zb hier:
      http://www.freiwilligfrei.info/archives/1507

    • nlen sagt:

      „Nun aber: Also ohne Staat soll’s werden, ja? Da würde mich dann nur noch interessieren:

      – wovon leben die Schwachen und Kranken?
      – wer bezahlt die (und welche?) Schule?
      – wer beherrscht die Polizei und das Militär?
      – .. und ca. weitere 1.000 Fragen.“

      Du machst es zu kompliziert.
      Der Staat macht ja nichts besser. Er kann nichts, was die Leute nicht von selber können. Er kann nur mittels Gewaltmonopol Zwang anwenden, damit man gehorchen muss. Er kann nur Zwang anwenden.
      Wenn klar ist, dass Zwang anwenden nicht gut ist, dann ist auch klar, dass Menschen ihren Sachen ohne Zwang zu regeln versuchen müssen. Schlimmer kann es ja nicht werden als wie es eh schon ist.

      Nun auf den Mesias zu warten, der die 1000 Fragen beantwortet, ist sinnlos, weil die Antworten dummerweise in der Zukunft liegen.

      • fredderik sagt:

        Ich finde das Thema sehr Interessant, aber würde gern wissen, wer dann zum Beispiel sich darum kümmert das die Strassen repariert werden oder wer meinen Müll entsorgen würde. Was wäre wenn ich Krank werden würde und eine extrem kostspielige Behandlung notwendig wäre. Woher soll die Entlohnung kommen für die Leute, die sich darum kümmern. Würde dann nicht schon wieder eine Zwangsabgabe entstehen?

  7. Cerberus sagt:

    @ michael,

    was mir ein Text nicht offenbart, dass werden auch kleine Filmchen nicht tun. Ich hatte doch einige klare Fragen gestellt (?) Nicht tausende, nur einige wenige; wenn das nicht mit einigen wenigen Worten beantwortet werden kann, was auch schon zuvor nicht aus dem sonst ellenlangen Artikel hervorgeht…. da brauche ich auch keine noch mehr Filmchen um auch dort keine Antwort auf nur eine meiner Fragen zu finden. Kurzum doch: Ihr schlagt unumwunden den blanken Feudalismus vor. Und dahingehend kann ich jede Ungeduld beruhigen: wir fahren genau in diesen Hafen ein. Die Masse ist eben tatsächlich genau so blöd, wie sie sich auch schon unter den vorangegangenen Herrschaftssystemen gezeigt hat – die wird nicht mal ansatzweise merken, was Phase ist. Und merkt sie es eines Tages doch, dann wird sie sich an anderes nicht recht erinnern und wird – wie elend es auch immer noch kommen wird – glauben, dass die Knechtschaft, in die sie geraten sind, „normal“ sei, wie Rinder, die ihr Nutzviehdasein genauso blöde beim Bauern ableben.

    Cerberus

    • michael sagt:

      wenn dich die inhalte dieser seite interessieren, dann zwingt dich niemand hier zu sein…
      der kommentarbereich ist für die inhalte der artikel gedacht und nicht als seelischer mülleimer von schreiberlingen.

      also bezieh dich auf konkrete inhalte der artikel bitte, danke.

  8. Cerberus sagt:

    @ nlen,

    aber der Raubritter, der ohne den Staat sofort auf dem Plan steht, der erlangt seine Herrschaft nicht durch Gewalt, nein?

    Alles, was auf dieser Erde regiert, tut dies mit Gewalt. Und so wie überall, so auch bei den Menschen – die Stärksten regieren, für ihre persönliche Befriedigung. Für diese Tiere ist das Ausleben von Gewalt / Herrschaft gegenüber Schwächeren überhaupt der einzige Lebenssinn.

    Diesen Staat, den Ihr wohl als Belastung seht, den gibt es – so – ohnehin nicht. Das Kapital regiert. Und heute erleben wir, wie die aus dem Schatten treten und in aller Öffentlichkeit preisgeben, dass sie es sind, die herrschen. Und die, die herrschen, unterjochen eben die, die sie be-herrschen, und dazu gehört das Arm-machen der Unterjochten (arm an Habe und Rechten). Oder was meint Ihr wohl, sei diese „Weltbankenkrake“? Oder das EU-Geflecht? Oder irgendwelche unantastbaren Gouverneursräte…. oder das ganze Gekriege in der Welt, die Hetze, von links nach rechts, von oben nach unten und hinten nach vorne? Meint Ihr wohl, dass z.B. ein Bundeskanzler Schröder eine Aganda 2010 ersonnen hat, zum Wohle des Volkes? Oder überhaupt ein gewöhnlicher Politiker solche Dinge, aus eigenem Antrieb und innerer Überzeugung? Also, bitte, also bitte!

    Das Bild eines Staates, ist nur noch eine hohle Fassade, weiter nichts. Haben je andere regiert, außer die Kapital-Elite? Ich weiß es nicht. Aber heute regiert mal ganz sicher niemand anderer, gleich wo in der Welt. Und ob die nun die Massen ausbeuten, in einem System, das hinter einer Staatsfassade steckt, oder gleich direkt, vor dem zu unterdrückendem Schwächeren einen bezahlten Söldner mit einem Schwert auftreten lassen, um zu regeln, wer wessen Sklave ist… einerlei.

    „Ihr“ seid nicht zufällig im Mittelstand zu Hause? Und meint nun selbst schon zu spüren, wie sich da langsam eine Schlinge um Eure Hälse zuzuschnüren droht? Nun, diese Schlinge wurde bei den Unteren schon vor langem angezogen, natürlich geht das weiter, bis unters Dach der (wahren) Macht-Eliten. Das aber hat nichts damit zu schaffen, dass deren Systembasis sich (noch) Staat nennt. Bsp.: das, was in den letzten Jahren von den „Staaten“ Europas und der „EU“ fabriziert wurde, sind – nach staatlichen Gesichtspunkten – Verbrechen. Da handelt also kein Staat und kein „Wählerwille“, wenn undenkbare Unsummen an Steuergeldern den Banken eingeflößt werden, dafür, dass die die Massen dermaßen ausbeuteten, bis dass eben gar „Staaten“ (wobei hier Staaten schlicht bedeutet: Bürger/Menschen!) daran zu Grunde gehen. Ob solches, oder heuer die absurde Kriegs-vergeilte Hetze gegen Russland – alles das, hat nichts mit irgendwelchen „Staaten“ zu tun. Da kämpfen Feudalherren um die Vorherrschaft, für die keine Gesetze gelten.

    Und gleich was für ein verdrecktes Treiben ich mir von denen ansehe, es ist – auch wenn es auf mich so billig und dämlich wirkt, wie nur was – offenkundig genial, um die Massen zu bewegen, und zwar in alle Richtungen, sodass nie irgendwo Einigkeit in der Masse entstehen kann und damit immer viele Teile dieser Massen sich gegenüberstehen um sich fröhlich zu bekämpfen, mit irgendwelchen Ideen und Überzeugungen und bla-bla. Tausende Parteien, Vereine, Institutionen aller Arten, Alt und Jung, Gebildet und Ungebildet, vermögend und arm, hier „christlich“, dort „liberal“, dort was sozialistisches, da kommunistisches, dort „neues“, dort „Piratiges“, dort Verschwörungstheorie A, und dort eine B und C….. von A bis Z. Mit „Staat“ hat dieses Elend nur nichts zu schaffen – es ist schlicht das System zur Machterhaltung der Stärksten. Ob man eine Gemeinschaft X nun Staat nennt, oder Rotte, oder Familie, oder Clan, oder was, was macht das? Die Herrschenden werden immer ihre Tribute und ihre Herrschaft einfordern, ob die nun Steuern, oder Beschützergeld, Wegegeld oder was genannt werden. Und immer sind diese gleichen Herrscherklassen es auch, die über Recht und Unrecht und über Strafen für Abtrünnige etc. entscheiden. Der, der das meiste Geld hat (die größte Kraft), der ist der Herrscher, die anderen sind seine Diener und seine Sklaven.

    Denn es geht nicht um Staat oder Nicht-Staat, sondern darum, wer immer nur der Herrscher sein kann und wird: der größte Psychopath; also immer der, bei dem sowohl Intelligenz, als auch unmenschliche Gefühlslosigkeit (inklusive Falschheit udgl.) am edelsten ausgeprägt sind.

    Und das ist unser Dilemma (oder, genauso gut, die Dummheit der Masse) – nicht aber eine Bezeichnung „Staat“ für eine Gemeinschaft. Denn die Gewalt geht nicht von einer Bezeichnung aus, sondern durch die Gewalttätigen – und eben die sind immer (immer, immer) die, die dann auch herrschen, gänzlich unabhängig davon, wie sie (oder sonst wer) das System nennen, in dem sie herrschen.

    Was wollt ihr da noch? Mit einem weiteren vorgeschobenen Problem mit dem Titel „Staat“ von dem eigentlichen Problem (die „Tiere“) ablenken? Reichen nicht schon die bereits vorhandenen hunderte von Pseudoproblemen, mit der die Masse immer schön in Uneinigkeit und Erkenntnislosigkeit gehalten wird, damit ja nie eine Kraft aus der Masse sich gegen die „Tiere“ formieren kann? Also, ich denke ja, dass das nicht nötig ist. Die Masse ist dermaßen blind und dumm gemacht, armselig verwirrt und verirrt und verstrickt, in alle diese vielen Blödheiten… die taumeln doch nur noch. Was da also noch?

    Problem „Staat“… mei, mei, je mehr ich darüber nachdenke, also wirklich…

    Cerberus

  9. nlen sagt:

    Mit Raubrittern werde ich fertig. Wenn die Raubgüter besitzen, dann kostet mich das noch nicht mal was. Aber liefere denen nicht meine Waffen aus, weil ich sage, es wäre ja egal, wer mich beherrscht.

  10. Jörg sagt:

    Der Artikel scheint mir schlüssig, aber dennoch finde ich keine abschließende Antwort. Denn solange nicht auch der letzte die Logik dahinter verstanden hat, wird es ja bis dahin keine Freiheit geben können. Wie lange müsste man noch warten bis die gesamte Menschheit das Prinzip verstanden hat? Und bis dahin kann es keine Freiheit für den einzelnen geben?
    Haben sich nicht aus einer anfänglichen freien Zeit genau daraus die heutigen Zustände entwickelt? Warum sollte sich das dann nicht wiederholen, bei der Annahme, dass in der äußeren, sprich materiellen Welt wieder Freiheit von allem existiert.
    Angenommen, wir hätten wieder freie Märkte, in denen jeder in freier Übereinkunft Eigentum tauschen könnte. Würde das nicht auch bedeuten, dass Eigentum geschützt sein müsste, es sei denn die Menschen wären frei von Neid und Gewalt, sie wären, wie soll man es kurz sagen, erleuchtet? Solange es aber die Menschen nicht sind, ist es doch erforderlich, sein Eigentum zu schützen. Und in freien Märkten würden sich die Menschen aus genau diesen Gründen wieder organisieren und spezialisieren. Menschen, die Kapital akkumulieren sind auf Menschen angewiesen die Eigentum schützen. Die Folge wäre wieder die Bildung von Interessengruppen und somit Bildung von Staaten. Durch Eigentum entstehen Konflikte. Ohne Eigentum kann ich mir aber auch keine Welt vorstellen. Das Leben ist die ständige Veränderung und Konflikte scheinen hierbei die Triebkraft zu sein. Denn ohne Veränderung gibt es keine Entwicklung. Leben ist ständige Veränderung. Zur Zeit bin ich der Meinung, in diesen Punkten irren die Kapitalisten genauso wie die Sozialisten, denn für beides sind Menschen mit einer freien Seele von Nöten. Und sollte das mal irgendwann so sein, dass alle Menschen sich von ihren falschen Vorstellungen befreit haben, gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Kapitalismus und Sozialismus. Beide sind in ihrem idealen Zustand nicht zu unterscheiden. Aber bis dahin muss die Menschheit sich noch entwickeln und so einige Konflikte meistern. Man könnte sagen, mit dem Kapitalismus, also eine „freie Welt“ fängt alles an und mit Sozialismus endet alles und bricht in sich zusammen um dann mit Kapitalismus in Freiheit wieder zu beginnen. Eine ständige Erneuerung, ein Kreislauf. Aber ändert man mal die Perspektive, schaut nicht von oben auf den Kreis, sondern mal von der Seite, so stellt man fest, der Kreis ist eine Spirale. Zur Zeit ist es einfach so, die Menschen können mit Freiheit nicht umgehen, weil sie gar nicht verstanden haben, was das eigentlich ist und auch wenn sie es wüssten, könnten die wenigsten damit etwas anfangen. In Freiheit würden sie umkommen.

    Vielleicht ist Freiheit etwas ganz anderes, als wir uns darunter vorstellen. Ist Freiheit vielleicht etwas, was zu jeder Zeit möglich ist? Etwas, dass nicht nur den Menschen in einer fernen Zukunft vorbehalten ist, oder den Menschen vor langer Zeit vorbehalten war, sondern schon heute und in Zukunft erreicht werden kann und auch gestern schon möglich war und das dies NUR von ihm selber abhängt und nicht von anderen?
    Als erstes muss sich der Mensch von seinen Illusionen befreien. Und das kann völlig unabhängig von den äußeren Zuständen geschehen. Eher ist es noch so, dass die äußeren Zustände ihn genau immer wieder in eine andere Richtung schubsen, weil er vom Weg abgekommen ist, sie also nur die logische Konsequenz sind, dass sie nötig sind, weil sie ihm sogar helfen.

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