Lehrer (L): Und hier nun, Majestät, ein wahrliches Phänomen – ein bemerkenswerter Junge von zehn Jahren. Er ist Historiker und Redakteur unseres Schulmagazins.

Majestät (M): Ah, wirklich interessant!

L: Und nun, Majestät, stelle ich Ihnen Rupert vor, unser junger Redakteur.

M: Guten Tag, Rupert.

Rupert (R): Guten Tag.

M: Setz dich. Und was liest du da gerade?

R: Karl Marx.

M: Aber du bist doch kein Kommunist.

R: Wieso? Lesen denn nur Kommunisten Karl Marx?

L: Rupert!

M: Eine gescheite Antwort. Wenn du also kein Kommunist bist, was dann?

R: Nichts.

M: Nichts?

R: Ich lehne alle Regierungsformen ab.

M: Aber irgendjemand muss doch herrschen.

R: Und ich hasse das Wort „herrschen“.

M: Nun, wenn du das Wort „herrschen“ hasst, nenne es halt „Führung“.

R: Führungsanspruch führt zu politischer Macht. Und politische Macht ist die offizielle Form der Unterdrückung der Menschheit.

M: Was für Bücher liest er denn sonst noch?

L: Kommentare zur aktuellen Tagespolitik.

M: Aber, ähm, mein lieber junger Mann, Politik ist notwendig.

R: Politik sind dem Volk aufgezwungene Regeln.

M: Nun, in diesem Land zählen nicht aufgezwungene Regeln, sondern der freie Wille der Bürger.

R: Sehen Sie sich um und Sie werden staunen, wie frei wir sind.

M: Ja, aber lass dir doch sagen…

R: Sie stecken jedermann in eine Zwangsjacke und ohne einen Pass darf keiner einen Schritt tun.

M: Wenn du mir freundlicherweise…

R: In einer freien Welt vergewaltigen Sie die Naturrechte eines jeden Bürgers!

M: Aber lass mich doch mal endlich ausr…

R: Sie sind die Opfer der Macht von politischen Despoten.

M: Darf ich…

R: Und wenn sie nicht denken, wie die da oben denken, dann nimmt man ihnen den Pass ab.

M: Wenn du mich vielleicht ausr….

R: Ein Land zu verlassen ist, ein Gefängnis zu sprengen. Ein Land zu betreten ist, durch ein Nadelöhr zu gehen.

M: Aber…

R: Darf ich frei rumreisen.

M: Natürlich darfst du frei reisen.

R: Nur mit einem Reisepass.

M: Gestattest du mir…

R: Nur mit einem Reisepass! Haben Tiere vielleicht Reisepässe.

M: Lass mich jetzt endlich mal zu Wort kommen!

R: Es ist inkongruent, dass wir wahrscheinlich demnächst zum Mond reisen und wir werden ein- und ausgesperrt von Reisepässen.

M: Sperr du lieber den Mund zu und lass mich mal zu Wort…

R: Und Redefreiheit? Wo ist die?

M: Du nimmst sie mir ja!

R: Und freier Wettbewerb?

M: Wir waren bei den Reisepässen!

R: Heute herrscht das Monopol!

M: Also gut. Kann ich jetzt…

R: Kann ich mich vielleicht auf dem Automobilmarkt durchsetzen gegen die Großkonzerne?

M: Da hätte ich etwas zu erwidern…

R: Keine Chance! Kann ich in den Kleinhandel gehen und mich gegen die Ladenketten durchsetzen?

M: Halt die Klappe!

R: Keine Chance! Monopole sind die Nemesis des freien Wettbewerbs. Und wenn ich siebzig Jahre zurückschaue…

M: Wo warst du denn vor siebzig Jahren?

anderer Junge: Da war im glitzernden Auge seines Urgroßvaters.

M: Alles sehr schön. Bist du jetzt fertig? Dann lass mich mal was sagen. Ich darf dir sagen, dass du ganz im Irrtum bist. Äh, äh, zunächst einmal… zu… zunächst einmal… jetzt weiß ich nicht mehr, was ich sagen wollte.

R: Und die Atombombe?

M: Aha…

R: So ein Verbrechen! Die Welt schreit nach Atomenergie.

M: Bravo!

R: Und ihr macht Atombomben!

M: Ich? Ich bin gegen Atombomben!

R: Ihr plant das Ende der Zivilisation, zerstört alles Leben auf diesem Planeten. Ihr seid stehengeblieben im 19. Jahrhundert!

M: Ich verlor… ich verlor meinen Thron, weil ich gegen Atombomben war!

R: Sie und Ihresgleichen halten Atombomben für die Lösung aller Probleme.

M: Hör zu, du Ratte!

R: Der heutige Mensch hat zu viel Macht. Das römische Imperium brach zusammen mit Cäsars Tod. Und warum? Wegen der Anballung von Macht. Der Feudalismus endete mit der französischen Revolution. Und warum? Wegen der Anballung von Macht. Und bald fliegt die ganze Welt in die Luft. Und warum? Wegen der Anballung von Macht. Das Monopol der Macht bedroht die Freiheit. Es degradiert und erniedrigt jedes Individuum. Und wo ist das Individuum?

M: Ich weiß es nicht!

R: Verloren im Terror, weil ihm gelehrt wird, zu hassen, statt zu lieben! Soll die Zivilisation überleben, so muss die Macht bekämpft werden bis Würde und Moral der Menschheit wieder hergestellt sind!

 

“As for politics, I´m an anarchist. I hate governments and rules and fetters.

Can´t stand caged animals.

People must be free.”
Charlie Chaplin

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16 Responses to Charlie Chaplin ein Voluntarist!? – Rupert und der König in New York

  1. Nullte_Instanz sagt:

    Passend zum Thema Charlie Chaplin, kann ich nur „The Great Dictator“ empfehlen! Beim anschauen bekomme ich immer wieder eine Gänsehaut. Und man bedenke das es schon über 70 Jahre her ist!

    Diese 4:30min kann ich nur jedem empfehlen, der Film selber ist natürlich ebenfalls großartig!

    In Englisch:
    http://www.youtube.com/watch?v=6FMNFvKEy4c

    Und Deutsch: (Ist aber meiner Meinung nach nicht so Überzeugend… )
    http://www.youtube.com/watch?v=W8_oWVRrrhU

    Gruß Phil

  2. Sebastian sagt:

    Yes – Es lebe die Revolution der Freiheit!

    Charlie Chaplin mit der besten Rede aller Zeiten:
    http://www.youtube.com/watch?v=8mjLQiw0Q5U

    • Hermann Meßmer sagt:

      @Sebastian

      Es ist eine Rede für die Demokratie. Was soll daran gut sein? Gleichheit und Brüderlichkeit. Wo bleibt das Individuum?

      Hast Du Rupert nicht zugehört? Wo bleibt das Inidividuum? Er fragt das. Rupert hat deutlich mehr kapiert.

      • Nullte_Instanz sagt:

        Hallo Hermann,

        ich hab den Text jetzt extra nochmal rausgesucht, und würde dich bitten ihn mal ganz in Ruhe zu lesen!

        Ich denke Du tust dem Chaplin da unrecht, es ist zwar richtig, dass er einmal das Wort Demokratie benutzt, aber dann in dem Zusammenhang was es auch wahrlich bedeutet! Mit Gleichheit meint er, das alle Menschen gleich sein sollten unabhängig von Religion, Hautfarbe oder Status.

        Und mit Brüderlichkeit, ist der Zustand gemeint den wir leben sollten, der Umgang untereinander. Der Gedanke ist doch wünschenswert, wenn ich mir vorstelle ich bin an einem Fremden Ort und brauche von Fremden Menschen Hilfe und sie behandelten mich wie einen Bruder und helfen mir.

        Wenn seine Ansprache tatsächlich einen Politischen Kern hätte (also für die Wahldemokratie wär), dann würde der gesamte Film keinen Sinn ergeben! Aber allein der Text schon, wäre im Aufbau in sich widersprüchlich! Den kompletten Film kann man sich sogar bei YouTube anschauen. (Ich fand ihn klasse)

        Gruß Phil

        • Hermann Meßmer sagt:

          Hallo Phil, das Wort Demokratie kommt zweimal als Schlachtruf : Im Namen der Demokratie!
          So schön mit Ausrufezeichen!
          Aber nochmal zurück zum Kern meiner Frage: Wo bleibt das Individuum? Das nicht „gleich“ sein will. Sondern was sehr idividuelles bleiben will? Jemand der nicht gastfreundlich ist. Der nicht „Brüderlich“ ist. Darf der das? Darf er anders sein?
          Ich gebe zu: Ich habe eine Allergie gegen alle Redner die Gott bemühen und die mir erzählen ich wäre „Gleich“.

          Und nicht Mutter Natur ernährt uns. Es sind fleissige Menschen die den Überfluß produzieren. Und zwar mit Maschinen! Maschinen bekommen in der Rede auch nicht die Bedeutung, die sie in Wirklichkeit für uns haben

          Es ist eine Rede für ein (Wahl-) Volk, für ein.Kinopublikum. Hätte so auch bei den Linken gehalten werden können. Anschliessend die Internationale bitte noch singen.

          Wo bleibt das Individuum?
          Liebe Grüße

      • Sebastian sagt:

        Hermann, du störst dich an dem Wort „Demokratie“? Chaplin sagt zweimal „Im Namen der Demokratie“… Was hat sich Chaplin im Jahre 1940, in dem dieser Auszug aus dem Film „Der große Diktator“ in den Kinos lief, wohl dabei gedacht bzw. unter der Begrifflichkeit Demokratie vorgestellt?

        Keine Ahnung, ist das in Anbetracht der gesamten Rede (sie war ja angeblich keine Drehbuchnummer, sondern eine spontane Improvisation Chaplins), die Chaplins umfassenden Freiheitsdrang auf eindrucksvolle Weise veranschaulicht, überhaupt von Belang?
        Die Rede ist immernoch ein Ausschnitt aus einem Kinofilm, kein wohlformuliertes politisches Statement!

        Ob Chaplin nun tatsächlich lupenreiner AnCap bzw. Voluntarist war (das Schlusszitat des Artikels legt dies nahe) interessiert mich grad nicht wirklich – ich persönlich halte diesen Auszug aus einem Kinofilm der 1940er Jahre für außerordentlich bemerkenswert!

        Gruß

  3. Liber Tine sagt:

    „As for politics, I´m an anarchist. I hate governments and rules and fetters. Can´t stand caged animals. People must be free.“
    Charlie Chaplin

  4. Zef sagt:

    >R: Sehen Sie sich um und Sie werden staunen, wie frei wir sind.

    Der Vogel im Käfig ist arm und hilflos.
    Er muss ständig frembekümmert werden.
    Man braucht ihn aber nur wieder fliegen zu lassen,
    sogleich ist er weder arm noch hilflos.


    Erhielte das Armenwesen das Recht, über ihn zu verfügen, so würde der Vogel allerdings arm; denn man würde wohl ihn mit so vielen Fragen wegen seines Auskommens plagen, dass er es selber fände, er sei arm (Kierkegaard, Christelige Reden 1848).

  5. isomorph sagt:

    „Im Namen der …
    … jenigen, die unseren Führer gewählt haben.“ ?

    Wenn ich den kleinen Rupert so höre, dann kann ich nicht glauben, dass einem Charlie Chaplin solch ein Übersetzungsfehler ausversehen passiert ist. Wahrscheinlich war im klar, dass seine ganze Rede eh erst verstanden wird, wenn man diesen einen Fehler erkennt. Ich bin schon mal einer mehr.
    Doch Charlie Chaplin, der kleine Mann, war ein Genie. Der wusste, dass Demokratie auch in jedem Kanichenzüchterverein herrscht. Und dieser kleine Rupert, wie genial er globale Freihet fordert …

    http://globalefreiheit.de/globalefreiheit.html

    lg iso 😉

  6. Nullte_Instanz sagt:

    Hallo Hermann,
    ich verstehe jetzt was dich an der ganzen Sache stört. Wäre er ein Politiker der solche Phrasen drischt, würde eine Solche Rede bei mir ebenfalls Magenkrämpfe verursachen, ganz klar! Ich hab im Internet ein bisschen gelesen und eines steht fest, er verabscheute die Politische Klasse!!!

    ^^Chaplins satirische Slapstick-Parodie auf den Faschismus richtete sich symbolisch auch gegen die US-Staatsmacht und den Militarismus allgemein. Obwohl der Engländer Charlie Chaplin in den USA außergewöhnlich populär war, hielten ihn die Fanatiker im „Untersuchungsausschuss für unamerikanische Umtriebe“ (House Un-American Activities Committee) wegen seiner unangepassten Lebensauffassung für gefährlich. Ihm wurde mangelnde Verfassungstreue vorgeworfen. In den 1930er/1940er Jahren konnte man sich in den USA bereits mit der spöttischen Hinterfragung der herrschenden Gesellschaftsordnung als marxistisch oder kommunistisch verdächtig machen.

    Als er im September 1952 Amerika für für einen Kurzbesuch in England verließ, erreichte der FBI-Chef beim „Immigration and Naturalization Service“ am 18. September den Widerruf von Chaplins Wiedereinreisegenehmigung in die Vereinigten Staaten. ^^

    Das waren jetzt ein paar Ausschnitte… Ich möchte Dir (und allen anderen selbstverständlich auch) unbedingt diese Seite nahelegen! http://www.hcmi.de/2013/04/charlie-chaplin-als-ich-mich-selbst-zu-lieben-begann/
    Ich hatte das schon vor einiger Zeit mal in einem Buch gelesen (als Zitat) nur konnte ich es bis dato nirgends finden, ich meine aber auch das es eigentlich länger gewesen ist… Dort stand auch dass er nie einen Arrangement mit der Politik eingegangen wäre.

    Ich denke nicht das Charlie Chaplin all die Dinge und Aussagen als Schauspieler, sondern vielmehr als Mensch geäußert hat. Er ist ja immer konsequent bei seinen Überzeugungen geblieben sowohl als Schauspieler als auch als Mensch. Und da selbst heute der Zeitgeist für ein Teil seiner Aussagen noch nicht reif ist, denke ich nicht das er es aus Popularitäts Gründen getan hat!

    Gruß Phil

  7. Hermann Messmer sagt:

    Lieber Phil,
    ich will ganz bestimmt nicht Charlie Chaplin persönlich angreifen. Er war sicherlich ein toller Mensch mit einer lobenswerten Einstellung zur Freiheit.
    Es ging mir nur um den Inhalt dieser Kino-Rede, unabhängig davon, was es für eine große Leistung zur damaligen Zeit war.

    Liebe Grüße
    Hermann

    • Nullte_Instanz sagt:

      Hallo Hermann,
      ne das hatte ich auch nicht so verstanden! 😉 Und es ist auch nicht so das ich ihn um jeden Preis verteidigen möchte. Nur bin ich der Überzeugung das er als Mensch noch großartiger war, als er es als Schauspieler war. Des Weiteren ist er seiner und selbst unserer Zeit weit voraus gewesen!

      Deine Kritik an der Rede, hab ich im Nachhinein verstanden!

      Schönen Abend noch!
      Gruß Phil

  8. Spartacus sagt:

    Naja, da hab ich schon besseres gelesen.

    • FwF-sandman sagt:

      Spartacus, bitte nächstes mal etwas präziser schreiben, was genau Dir nicht gefallen hat, sonst könnten wir Dein Posting als als Troll-Spam empfinden und löschen.

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