Angeregt und bearbeitet von Philipp A. Mende

Staatsgläubigkeit und Staatsmystifizierung haben Tradition in Deutschland, nicht nur hegelianische. Doch obwohl den Deutschen in Ost und West im vergangenen Jahrhundert bittere Lektionen darüber erteilt wurden, was aus jeder Art von Etatismus erwachsen kann: Viel hat sich nicht geändert. Es scheint ohnehin eine erschreckend lange Zeit zu dauern, bis die Menschen merken, auf welche Weise und in welchem Ausmaß der jeweilige Leviathan sie entmündigt. In diesem Zusammenhang mag es nützlich sein, einen Satz des nordkoreanischen Wissenschaftlers Chang Hae-Song anzuführen. Chang Hae-Song, einer der wenigen Menschen, denen bislang die Flucht aus Nordkorea gelungen ist, hat an der Kim-IL-Sung-Abteilung der Kim-IL-Sung-Universität Kim-IL-Sung-Philosophie studiert. Nach seiner Flucht wusste er zu berichten, dass es im Lande des Kim-IL-Sung (bzw. nach dessen Tod im Jahr 1994 im Land des Kim-IL-Sung-Sohnes Kim-Chong-IL) nur einen einzigen Knopf an den Radios des Landes für einen einzigen Kim-Chong-IL-Sender gibt sowie nur ein einziges Traktormodell aus dem Jahr 1958 und nur ein einziges Automodell, ebenfalls aus den 50er Jahren. Dieser Chang also gab die Stimmung der Bevölkerung im Lande Kim-IL-Sungs und Kim-Chong-ILs, wo die Menschen 1996 im Staatsrundfunk sowie im einzigen staatlichen Programm des Fernsehens darüber informiert wurden, wie man Gras und Wurzeln als Nahrung zubereitet, mit folgenen Worten wieder: „Langsam merken viele, dass etwas nicht in Ordnung ist.“
Man ist geneigt, über diesen Satz in schallendes Gelächter auszubrechen. Ob das angebracht ist, steht auf einem anderen Blatt. Denn die Deutschen, die innerhalb erinnerbarer Zeit zwei Weltkriege, zwei Staatsbankrotte und zwei Währungsreformen zu erleiden hatten, die den Zusammenbruch des Sozialismus-Kommunismus auf eigenem Boden und auf der ganzen Erde miterleben konnten, die tausend Milliarden aufgewendet haben, um den sozialistischen Bankrott ihrer Landsleute halbwegs zu heilen, die inzwischen weit mehr als die Hälfte ihres Lebens für den Staat arbeiten, die seit Jahrzehnten ungezählte Vermögensmilliarden durch Inflation verlieren, die ein Sechs-Millionen-Heer von Arbeitslosen durchfüttern müssen, die jeden Pulsschlag ihres Alltags mit Quittungen und Steuerbelegen dokumentieren sollen und die über die elementarsten Zielvariablen ihrer Existenz – wie Art und Ort der Bildung ihrer Kinder oder Dauer und Preis ihrer Tages- und Lebensarbeitszeit, oder die Aufteilung des Vorsorge-Budgets ihres Einkommens nach persönlichen Risikokalkülen – nicht selber entscheiden dürfen: Diese Deutschen sind vom Bewusstseinsstand der Menschen in Nordkorea (die ja, wie berichtet, „etwas gemerkt“ haben) noch ein trauriges Stück entfernt, denn sie haben eben noch nicht gemerkt, dass „etwas nicht in Ordnung ist“. Sie halten den alles-regulierenden und alles-bestimmenden und allgegenwärtigen Vorsorge-, Fürsorge- und Versorgungs-Staat für unverzichtbar, ja für einen humanitären und zivilisatorischen Kulminationspunkt nicht nur der deutschen, sondern sogar der gesamten Menschheits-Geschichte. Wer daran zweifelt, ist ein „Kalter Krieger wider den sozialen Frieden“, ein „Ellenbogen-Kapitalist“ und ein „Werte-Nihilist“ ohne den „Mindestkonsens der Demokraten“, der hat ferner ein „falsches Menschenbild“ und ist dem „finsteren Manchestertum des 19. Jahrhunderts“ verhaftet. (Es wäre, nebenbei bemerkt, eine Lehrstunde wert, zu erörtern, was denn am Manchestertum und am Neunzehnten Jahrhundert im Vergleich zum seligen Zwanzigsten so „finster“ war – oder nur sichtverdunkelt.)
Kurz: Wir haben uns daran gewöhnt, in einer Art „ptolemäischem“ (sozial-)staatszentristischen Weltbild zu denken. Und in diesem falschen Weltbild führen Überlegungen auch dann in die Irre, wenn sie „in sich“ logisch, vernünftig und schlüssig sein sollten.
Das beginnt bereits mit der Trennung der „ptolemäischen Kreise“ namens „Wohlfahrtsstaat“ und „Sozialstaat“ (ein später noch ausführlich zu behandelndes Thema). Kritik am Wohlfahrtsstaat ist heute gang und gäbe, ja sogar der Spezies der „Politisch Korrekten“ erlaubt, denn er impliziert die Vorstellung von wuchernder Bürokratie, von ausufernder Staatsverschuldung, überstrapazierten Sozialnetzen, Missbrauch der Sozialhilfe und Verdrängung des Leistungswillens. Kritik am Sozialstaat jedoch oder gar dessen strikte Ablehnung, das ist nicht erlaubt, nicht politisch korrekt, ja sogar unmoralisch und Kennzeichen eines „eiskalten Ellenbogen-Kapitalismus“. Wer generell gegen den Sozialstaat argumentiert (und nicht nur gegen seine „wohlfahrtsstaatlichen“ Auswüchse), gilt als Charakterschwein und als kaltherzige moralische Niete. Er setzt sich sogar dem Vorwurf aus, ein Aufrührer gegen den Geist der Aufklärung und gegen die moderne, von den Zwängen eines verstaubten Paternalismus befreite Gesellschaft zu sein.
In Wirklichkeit handelt es sich beim Wohlfahrtsstaat und beim Sozialstaat um ein und dasselbe Phänomen. Man kann sich den beiden Begriffen zwar mit einer graduellen Messlatte nähern und den Wohlfahrtsstaat als unerwünschte Übertreibung eines ansonsten edlen und unentbehrlichen Sozialstaates sehen, aber das ist nur Begriffsakrobatik. Entscheidend ist, dass beiden termini derselbe geistige Defekt zugrunde liegt, und zwar in der Theorie ebenso wie in der Praxis: Ist nämlich – hier beim Wohlfahrtsstaat wie dort beim Sozialstaat – das Band zwischen Leistung und Ertrag, zwischen Beitrag und Nutzen erst einmal prinzipiell zerrissen, dann kann der Kern aller Moral, die persönliche Verantwortung nämlich, nicht mehr stattfinden (und um Moral geht es ja angeblich beim Sozialstaat). Kollektive Verantwortung, holistische Verantwortlichkeit gibt es nicht und kann es nicht geben. Deshalb kann es auch niemals eine Kollektivmoral geben, und folglich ist auch die „Moral“ oder das Moralische des Sozialstaats dieselbe Schimäre wie die des Wohlfahrtsstaates. Alle anderen Parolen sind nur rhetorische Blüten aus der hochinnovativen Werkstatt politischer Falschmünzerei.
Dem trügerischen System „Sozialstaat“ entspricht die be-trügerische Münze mit dem Nominalwert „Verantwortung des Kollektivs oder für das Kollektiv“, besser bekannt als „Soziale Verantwortung“, passgenau. Was aber ist „Soziale Verantwortung“ – oder was soll das sein? Verantwortung für etwas, für sich selber oder für jemand anderen zu übernehmen, heißt immer, FREIWILLIG eine Verpflichtung zu übernehmen. Deshalb gehören Verantwortung und Freiheit oder Freiwilligkeit untrennbar zusammen. Man kann und man darf nicht jemanden für eine Handlung oder Unterlassung verantwortlich machen, die er unter Zwang oder bei Ausschluss seines freien Willens vorgenommen hat. Mit der Parole „Soziale Verantwortung“ wird den Bürgern oder bestimmten Bürgergruppen von der politischen Kaste eingeredet, sie hätten eine – meist in Geld oder Abgaben definierte – Verantwortung für andere Gruppen zu tragen. Was geschieht hierbei konkret? Einer Gruppe B (wie „Bezugsberechtigte“) wird gesagt, ihre Mitglieder seien für sich selber NICHT verantwortlich; eine Gruppe A (wie „Abgabenverpflichtete“) wird alsdann gezwungen, für die Bedürfnisse der Gruppe B einzustehen. Und die parolenschwingenden Cliquen P (wie „Politiker“) und F (wie „Funktionäre“) heften sich diese „Verantwortung“ als moralisches Verdienst an den Hut, obwohl andere sie einlösen müssen.

 

Die „Soziale Verantwortung“ ist also – auch dann, wenn sie vom einzelnen Bürger ehrlich empfunden und als vernünftig erachtet wird – nur eine perverse begriffliche Spielart, bei welcher Verantwortung nicht übernommen, sondern abgeschoben wird. Es handelt sich hierbei nicht etwa um eine mysteriöse „höhere“ Verantwortung, sondern um Verantwortungslosigkeit als gesellschaftspolitisches Prinzip und als sozialpolitischen Imperativ. (Dass die Ausprägungen dieser Verantwortungslosigkeit mehrdimensional sind und auf welche Weise sie ihren Wirt, den Sozialstaat, in den finanziellen, moralischen und gesellschaftlichen Bankrott führen, ist bei Baader das Thema nachfolgender Kapitel)
Generell gilt: Wer in ein falsches, unnatürliches, erzwungenes, krankes oder in ein abergläubisches und verlogenes System eingebunden ist und sich darin bewegen muss, der denkt auch falsch (falsch im Sinne von wissenschaftlichem Irrtum oder im Sinne von kontraproduktiv zu den eigentlich gesetzten Zielen oder eigentlich erstrebten Zwecken), und zwar sogar dann, wenn sein Denken „in sich“ logisch und schlüssig sein sollte. Bei einem solchen „System“ kann es sich um ein physikalisches Weltbild (wie z.B. das geozentrische des Ptolemäus) handeln oder um eine Gesellschaftsorganisation (wie z.B. die kommunistische), um eine Wirtschaftsordnung (wie die planwirtschaftlich-sozialistische, die aber ebenfalls besser „Organisation“ als „Ordnung“ genannt werden sollte), um eine Gemeinschaft (z.B. eine Sekte), ein menschliches Zwangsbiotop (wie das Gefängnis), eine oktroyierte Mitgliedschaft (wie die Gesetzliche Krankenversicherung), eine „wissenschaftliche“ Irrlehre (wie die nationalsozialistische Rassenlehre oder weite Teile des Freudianismus), eine Monopolsituation (wie die staatliche Eisenbahn), oder um eine politische Ideologie (wie den Nationalismus) – und um vieles mehr. Wichtig ist die Tatsache, dass sich der Mensch in das jeweils vorgefundene kleine oder große System mehr oder weniger widerwillig einfügt, sich in ihm „einrichtet“, seine Planungen an den Gegebenheiten ausrichtet und schließlich in den Kategorien dieser seiner Welt auch denkt, seien sie auch noch so verbogen oder verfälscht. Es muss dann schon viel Schlimmes oder Unbegreifliches geschehen, bis er – wie jener erwähnte Chang Hae Song – „etwas merkt“.

Teil 2: http://www.freiwilligfrei.info/archives/4358

(für Interessierte: Roland Baader – Fauler Zauber. Schein und Wirklichkeit des Sozialstaats)

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25 Responses to Roland Baader über das Denken in falschen Systemen (Teil 1)

  1. […] [11:55] Roland Baader: Über das Denken in falschen Systemen […]

  2. Zef sagt:

    >Staatsgläubigkeit und Staatsmystifizierung haben Tradition in Deutschland, nicht nur hegelianische.

    „Jedes Zeitalter hat seine Unsittlichkeit, diejenige unserer Zeit ist wohl eine pantheistisch ausschweifende Verachtung des einzelnen Menschen“

    „Soll im Dasein Ordnung gehalten werden …, dann muss zuallererst aufgepasst werden, dass jeder Mensch ein einzelner Mensch ist, sich bewusst wird, ein einzelner Mensch zu sein.

    Bekommen die Menschen erst Erlaubnis, zusammenzulaufen zu dem, was Aristoteles die ‚Tierbestimmung‘ nennt: zur Masse; wird darauf dieses Abstraktum dafür angesehen, ‚etwas‘ zu sein (während es doch weniger als nichts ist, weniger als der geringste einzelne Mensch): dann dauert es nicht lange, bis dieses Abstraktum Gott ist“ (Kierkegaard, Krankheit zum Tode).

    PS: Kierkegaard ist Gegendialektik zu Hegel –
    also nicht das „notwendige Andere“ im alles verwurstenden Prozess der „Mediation“, sondern das „Entweder-Oder, das Enten-Eller, das Aut-Aut“.


    „Für die Freiheit kämpfe ich daher, für die künftige Zeit, für das Entweder-Oder. Das ist der Schatz, den ich denen zu hinterlassen gedenke, die ich in der Welt liebe“ (S.K.).

  3. Edgar sagt:

    Viele gute Gedanken hier. Einer Aussage kann ich aber nicht zustimmen: „die Deutschen, […] die ein Sechs-Millionen-Heer von Arbeitslosen durchfüttern müssen“

    Das hat man so oft gehört, dass es fast „selbstverständlich“ klingt. Aber „Fakt“ ist es dadurch noch lange nicht. Faktisch bezahlen die Einkommens/Lohnsteuer und Sozialabgaben ja nicht die Arbeitnehmer, denn diese bekommen diesen Steueranteil ja gar nicht ausbezahlt, sondern der Unternehmer bucht diese inklusive des Arbeitgeberanteils als Ausgaben ab, und zahlt sie ans Finanzamt, um sie dann in den Preis des Produktes oder der erbrachten Dienstleistung einzurechnen. Faktisch zahlt alles der Konsument, der das Produkt oder die Dienstleistung kauft. Und an der Stelle, als Käufer und Konsument sind alle gleich. Ob arbeitslos oder Lohnsklave. Alle zahlen alle Steuern gemeinsam an der Kasse.
    Als Arbeitnehmer, der wenig von Buchhaltung und Unternehmensführung versteht, scheint es so zu sein, dass seine „Brutto-Netto-Gehaltsdifferenz“ irgendwie von ihm selbst erbracht oder geleistet wurde. So steht es in der Gehaltsabrechnung. Und aus dieser Gehaltsabrechnung meint man dann eine moralische Überlegenheit des „Gebenden“ über den „nur Nehmenden“ ableiten zu können.

    • Nino sagt:

      Das Bruttogehalt, ist der Betrag der den Wert der Arbeiters für den Arbeitgeber wiederspiegelt. Wenn es keine Steuern/Abgaben gäbe, würde der Arbeitnehmer den kompletten Betrag ausgezahlt bekommen.
      Demzufolge bezahlen nicht alle gemeinsam über den Konsum.

      Darüberhinaus, könnte man ist es eine Milchmädchenrechnung, dass der Arbeitslose ja auch Steuern bezahle und damit in den gleichen Topf einbezahlt.
      Es kommt auf den Netto-Betrag an: Demnach gibt es 2 Gruppen:
      1. Netto(Steuer)- Empfänger (Politiker, Arbeitslose …)
      2. Netto(Steuer)- Bezahler (Arbeitnehmer)

      • Edgar sagt:

        „Wenn es keine Steuern/Abgaben gäbe, würde der Arbeitnehmer den kompletten Betrag ausgezahlt bekommen.“

        Ich denke, das ist ein Trugschluss. Der Arbeitgeber ist ein Ökonom und kein Wohltäter. Er wird den eingesparten Steueranteil nutzen und den Produktpreis senken (so wie er ihn vorher auch erhöht hatte um den Steueranteil). Zumindest der erste Arbeitergeber, der das macht, bekommt einen Wettbewerbsvorteil und alle anderen müssten nachziehen.
        Der Arbeitnehmer hat hier kaum einen Hebel.

        • Philipp Hofmann sagt:

          „Er wird den eingesparten Steueranteil nutzen und den Produktpreis senken“

          Dadurch erhöht sich die Kaufkraft des Arbeitnehmers.

          • Edgar sagt:

            Ganz recht. Damit hätte er auch keinen moralischen Anspruch auf einen Netto->Brutto-Ausgleich.

          • HeterOekonom sagt:

            Warum auch moralischer Anspruch? Es zählt nur ein Anspruch aus einer Vereinbarung mit dem Unternehmer.
            Die Arbeitnehmer haben einen Hebel (oder besser: können haben) wenn das Phänomen „Arbeitslosigkeit“ schwindet und damit ihre Verhandlungsposition besser wird. Sofern der Bruttolohn eine Zahlungsbereitschaft darstellt, können die Arbeitnehmer diese auch erreichen.

            Zum Thema wer bezahlt:

            „Alle zahlen alle Steuern gemeinsam an der Kasse.“

            Sagen wir deine Arbeit ist 40 Euro „wert“. Dein Arbeitgeber würde dir diese 40 Euro geben für deine Arbeit. Davon musst du jetzt 20 abgeben, die bekomme ich. Ich bin arbeitslos.
            Wir gehen beide in den Laden und kaufen ein für insgesamt 40 Euro ein. Du und ich, Arbeitnehmer und Arbeitsloser, zahlen (im Sinne von legen Geld auf den Tisch) die Steuern. Du aber FINANZIERST unseren Konsum. Die 40 Euro kommen von dir. Ich konsumiere etwas, wofür ich nicht gearbeitet habe!
            Damit ist es wohl legitim zu sagen, dass du die Last der Besteuerung trägst und nicht ich. Oder?

            Ich stimme jedoch mit dem Text überein: Auf mich herabzublicken, nur weil ich arbeitslos bin, ist falsch. Vielleicht nehme ich das Geld nur an, weil die Bedingungen mich dazu treiben. Unter Umständen bin ich Opfer von Interventionen, weil diese mir verbieten oder es unmöglich machen, zu „meinen“ Konditionen zu arbeiten.
            Es gibt aber einfach Leute, die vielleicht nicht so ganz begründen können, was sie in ihrem Leben eigentlich tun und mit welchem Recht.

          • Edgar sagt:

            Ich hab einen eigenen Thread aufgemacht unter http://freiwilligfrei.yooco.de/forum/t.5897401-arbeitnehmer_fuettern_die_arbeitslosen_durch_ndash_ein_mythos.html

            Kannst du bitte da nochmal posten?

    • Rearden sagt:

      > um sie dann in den Preis des Produktes oder der erbrachten Dienstleistung einzurechnen. Faktisch zahlt alles der Konsument, der das Produkt oder die Dienstleistung kauft.

      Edgar, das ist leider ein Trugschluss. Der Unternehmer verlangt vereinfacht gesehen den Preis am Markt, der seinen Umsatz maximiert. Er verlangt den Preis, den er abhängig von der Konkurrenzsituation durchsetzen kann. Das hat nichts mit den Sozialabgaben zu tun.

      Wenn ich 10 Stück meines Produktes für je 100 Euro verkaufen kann, werde ich das tun, egal ob meine Kosten bei 30 oder 50 Euro liegen. Ich nehme den Marktpreis, den ich bekommen kann. Wenn die Kosten durch höhere Sozialabgaben auf 60 Euro steigen, kann ich mein Produkt nicht einfach für 110 Euro verkaufen, dann macht nämlich ein Konkurrent das Geschäft und ich bleibe auf meinen Waren sitzen.

      Anders herum wird ein Schuh draus. Der Arbeitnehmer kostet den Unternehmer den Bruttolohn plus Arbeitgeberanteile der Sozialabgaben plus Kosten für Berufsgenossenschaft und noch etwas Kleinkram. Das ist der Betrag, den der Arbeitnehmer erwirtschaften muss, damit sich seine Anstellung für den Unternehmer lohnt.

      Glaub mir, ich würde als Unternehmer gern in einer Welt leben, in der ich sämtliche höheren Kosten ganz einfach so auf meine Produkte umlegen kann, damit sie der Konsument bezahlt. Geht aber nicht.

  4. Edgar sagt:

    Ich find’s schade, dass wir jetzt diesen Artikel hijacken, um ein Randthema zu diskutieren. Kann ein Mod die Kommentare ins Forum verschieben?

  5. […] Roland Baader über das Denken in falschen Systemen (Teil 1) […]

  6. Ralph sagt:

    Interessant an dieser Diskussion ist ganz besonders, das sich die Diskutanten in genau derselben Situation befinden, wie die Menschengruppe in der genialen Parabel des Autors des Artikels. Im Vorfeld ist hier die Diskussion schon auf die Frage eingeengt, ob Arbeitslose zurecht durchgefüttert werden sollen oder nicht bzw. ob die Steuern aus denen diese Mittel bestritten werden müssen, beide Gruppen ähnlich belasten usw. ( wäre analog zu der Situation in der Parabel, wo man schon den falschen Weg durch den Fluss gewählt hat und nun technische Strategien zur Bewältigung der daraus resultierenden Probleme erörtert ). Dabei ist möglicherweise ein viel gravierenderer Umstand schon übersehen worden, nämlich der, dass möglicherweise unser Geldsystem als Ganzes schon im Vorfeld den Faktor Arbeit dermaßen zugunsten einer kleinen Gruppe von Superreichen belastet, die aus diesem System soviel an Energie für sich harausziehen können, das die Belange die hier diskutiert werden, dagegen völlig nichtig erscheinen müssen. ( Weg über die Brücke wird gar nicht mehr erkannt ). Insofern ist dieser Artikel sachlich richtig. Durch seine Fokussierung auf die Belange von Sozial- / Wohlfahrtsstaat, Sozial- / Krankenversicherungssystemen usw. ist die Wirkungsweise dann doch sehr einseitig, wie man an der folgenden Diskussion erkennen kann, was vermutlich aber von dem Autor so gar nicht beabsichtigt war. Die meisten Arbeitnehmer und Unternehmer befinden sich leider in der bedauerlichen Lage, das aus ihrem System Energie von einer Gruppe Individuen abgesaugt wird, die sich in einem ‚übergeordneten System‘ eingerichtet haben. Insofern sind eben alle Betrachtungen über die Sozialsysteme hier, aus dem untergeordneten System selbst heraus, möglicherweise falsch ( kicher..)

    • Edgar sagt:

      Ralph, da geb ich dir recht. Wie du bemerkt hast, lässt sich der Artikel bereits auf diesen Irrweg, Lohnsklaven gegen Arbeitslose auszuspielen, herab. Es ist nicht immer einfach, die Vogelperspektive beizubehalten. Aber wir arbeiten ständig daran. =)

  7. Apo sagt:

    „Wie du bemerkt hast, lässt sich der Artikel bereits auf diesen Irrweg, Lohnsklaven gegen Arbeitslose auszuspielen, herab.“

    Falsch. Am besten, Sie lesen den Artikel nochmals sorgfältig. Innerhalb eines (falschen) Zwangssystems baut sich immer mehr Zwang auf, so beispielsweise erzwungene Solidarität, was ein Oxymoron darstellt. Solidarität, die nicht freiwillig stattfindet, ist keine. Von daher entspricht es der objektiven Realität, dass die Arbeitslosen „durchgefüttert“ werden (müssen). Dem wäre nicht so, gäbe es einen (wie ebenfalls vom Auto gewünschten) freien Markt, in dem sich die aus Zwang und Gewalt resultierenden Probleme gar nicht erst ergeben könnten und würden. Ich empfehle Ihnen, Edgar, dem unten im Artikel angegebenen Buchtipp eine Chance zu geben.

    Bis dahin gilt:
    „Es ist nicht moralisch, auf Kosten anderer zu leben und das auch noch als ‚Anspruch‘ oder ‚Recht‘ zu verstehen; es ist nicht moralisch, dem einen unter Zwang etwas wegzunehmen, um es einem anderen zu geben und damit sein Wohlwollen kaufen zu können (Stimmenkauf); es ist nicht moralisch, unter Zwang etwas vom eigenen Einkommen oder Vermögen abzugeben und zu glauben, dies sei eine ‚karitative‘ Leistung; es ist nicht moralisch, vermittels der Macht monopolistischer Syndikate (Gewerkschaften) sein eigenes Einkommen auf Kosten der Einkommen, Erträge und Arbeitsplätze anderer in die Höhe zu treiben; es ist nicht moralisch, auf Kosten der Arbeitsleistung und der Ersparnisse anderer studieren, wohnen, arbeiten oder nicht arbeiten, krank feiern oder krank sein zu können; es ist nicht moralisch, andere für den eigenen Lebensabend versorgen und bezahlen zu lassen; es ist nicht moralisch, den einen aufgrund ihrer ‚höheren Leistungsfähigkeit‘ mehr wegzunehmen als anderen (progressive Steuer) – und dies auch noch für gerecht zu halten; es ist nicht moralisch, sich Güter und Dienste vom Staat auf Kosten anderer und auf Kosten künftiger Generationen geben zu lassen – oder dies einzufordern; es ist nicht moralisch, jemanden zu zwingen, anderen etwas angeblich oder tatsächlich ‚Gutes‘ zu tun; es ist nicht moralisch, andere für eigenes Unglück oder eigenes Versagen oder eigene Nachlässigkeit verantwortlich und haftbar zu machen; es ist nicht moralisch, Gleichheit und Gerechtigkeit nicht als Gleichheit vor dem Recht zu fordern, sondern aus Gründen des Neides und der Missgunst, der Habgier und der Bequemlichkeit. Alles das ist nicht moralisch, sondern unmoralisch. (…)“ (Roland Baader)

    Nette Grüße!

    • Ralph sagt:

      Das mit dem freien Markt ist so eine Sache. Ich wäre ja auch für freie Märkte. Das scheint aber leider genau so eine unrealistische Vorstellung zu sein wie der ‚echte‘ Sozialismus, der dann letztlich in einem real existierenden Sozialismus mündet, der sich sukzessive für die Teilnehmer in eine autoritäre Zwangsgesellschaft verwandelt. Der ‚freie Markt‘ ist Anfangs eine gute Sache. Mit der Zeit bilden sich dann aber Monopole und Konzentrationen von Zusammenschlüssen der Markt-‚Gewinner‘, die immer mächter werden. Unterstützt wird das anscheinend durch Eigenschaften des Geldsystems in sich. Außerdem ändern die Monopolisten dann über Lobbyarbeit die Spielregeln zu ihren Gunsten usw. Die Gruppe der Supergewinner dieses Systems ( die Vermögensverteilung spiegelt das wieder ) haben sogar ein Interesse an diesem Sozialsystem, weil es ihre Macht stabilisiert.

      Leider haben Ultraliberale oft ebensolche Scheuklappen wie die Sozialisten im Kommunismus, nur von der Gegenposition aus. Ideologische Verblendung ist nicht hilfreich, wenn man Zusammenhänge verstehen will. Allenfalls hilft es, in einem Verteilungskampf die Nase vorne zu behalten.

      HeterOekonom sagt:
      9. April 2013 um 00:40
      „……Die Arbeitnehmer haben einen Hebel (oder besser: können haben) wenn das Phänomen “Arbeitslosigkeit” schwindet und damit ihre Verhandlungsposition besser wird.“

      Das gilt ja wohl nicht in einem System, in dem die Nachfrage nach Arbeit abnimmt, beispielsweise durch Automatisierung.

      Leider sind das Alles genau die Fragen, auf die Wirtschaftsliberale eben auch erfahrungsgemäß keine vernünftige Antwort haben. Wenn man in so einem System auf der Überholspur fahren kann, dann drückt man das halt einfach weg.

      • Edgar sagt:

        Ralph, ich stimme dir zu, dass man im jetzigen System dem Arbeitslosen nicht der Moralkeule kommen kann, wenn er kaum die Freiheit hat, sich sein Schicksal auszusuchen.

        „Außerdem ändern die Monopolisten dann über Lobbyarbeit die Spielregeln zu ihren Gunsten usw.“
        Eben nicht. Die Reduzierung von Staat geht einher mit einer Schwächung/Aufhebung von Lobbyismus, denn dieser klammert sich ja an gesetzliche „Spielregeln“. Im freien Markt hat die Lobby kaum Eingriffsmöglichkeiten, denn dieser wird idealerweise durch der Verbraucherwunsch gesteuert. Hier ginge es also nur über dessen direkte Manipulation durch Werbung. Wie dem begegnet werden kann – keine Ahnung.

  8. DallDall sagt:

    Wo gab es denn den freien Markt schon mal, am Honolulu Strand?, oder hat ihn
    „Sir“ Francis Drake erfunden?, nach dem Debakel im Paradies.
    Wie sieht er denn aus in der Realität?

    • FwF-sandman sagt:

      Ein sehr offensichtliches Beispiel eines freien Marktes zeigt sich im unbeeinflussten Leistungstausch.

      Wenn das Baby in der Nacht schreit, wird der hochschreckenden Mutter augenblicklich ihr Bedürfnis nach Ruhe klar. Das Baby bietet der Mutter Ruhe an, möchte aber als Gegenleistung Milch. So steht die Mutter auf, füttert das Kind, und geht danach für die nächsten Stunden in Ruhe weiterschlafen.

      Dieser Leistungstausch ist völlig unreguliert und erfolgt ungezwungen. Ein gutes Beispiel für einen freien Markt.

  9. Dole K. sagt:

    Sowas sollte man nicht öffentlich preisgeben.
    Demnächst kommt eine Gesetzesvorlage vom ZKBrüssel
    zur Besteuuerung, Begutachtung, Zertifizierung von Muttermilch
    inkl. Milchabgabegenehmigungsbescheinigung mit Gültigkeit 1Tag;
    das ganze gebührenpflichtig. Ende der Real Satire.
    Sie haben natürlich recht; im Sinne von- der Natur gerecht werden.
    Sobald wir den Weg der „natürlichen Intelligenz“ verlassen,
    entstehen Probleme oder sogenannter Sondermüll.

  10. Apo sagt:

    @Ralph

    Der Begriff des Monopols stammt aus der Zeit des Merkantillismus im 17. Jahrhundert. Damals zahlten die Geschäftsleute Bestechungsgelder an die Könige und Königinnen und bekamen dann das exklusive Recht, bestimmte Güter in einem bestimmten Gebiet zu verkaufen. Heute bedeutet Monopol das genaue Gegenteil: Anstatt des Staates soll heute der „freie Markt“ für Monopole verantwortlich sein (und ausgerechnet der Staat soll Monopole irgendwie verhindern).

    „Aber wie soll die Entstehung von Monopolen in einem freien Markt verhindert werden?“

    Die Kunden verhindern die Entstehung von Monopolen. Monopole entstehen nur, wenn die Kunden es wollen. Sicher kann ein Unternehmen einen hohen Marktanteil erreichen, wenn es ein besseres oder billigeres Produkt anbietet. Aber auch dann ist es extrem selten – wenn nicht sogar unmöglich -, dass es einen Marktanteil von 100% erreicht!! Normalerweise gelingt das nur, wenn ein Unternehmen mit einer neuen Innovation auf den Markt kommt, die einen komplett neuen Markt entstehen lässt. Und selbst dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis Konkurrenz aufkommt. Auch wenn ein Unternehmen einen Marktanteil von 90% erreicht, wird die Konkurrenz dafür sorgen, dass es seinen Marktanteil wieder verliert, sobald es überzogene Preise verlangt.

    „Aber was passiert, wenn ein Unternehmen zuerst mit Dumpingpreisen auf den Markt geht, um die Konkurrenz zu verdrängen und dann die Preise erhöht, wenn es 100% Marktanteil hat?“

    Dumpingpreise können funktionieren. Aber spätestens dann, wenn das Unternehmen die Preise erhöht, kommen die Konkurrenten wieder zurück.

    „Aber dann wird das Unternehmen den Wettbewerb wieder mit Dumpingpreisen bekämpfen. Und das macht es immer wieder, bis die Konkurrenten aufgeben und sie alleine auf dem Markt sind.“

    Ein Mechanismus, der das verhindert, ist die Reputation. Diese ist für die Kunden sehr wichtig. Wenn sie das Unternehmen gut finden, bleiben sie bei der Marke, und zwar auch wenn ein anderer ein vergleichbares Produkt für weniger Geld bietet. Sie wissen, dass man sich auf den guten Ruf des Unternehmens verlassen kann. Dann, wenn das Unternehmen die Preise ohne erkennbaren Grund erhöht, werden die Kunden verärgert reagieren. Das Kundenvertrauen geht verloren und kehrt auch dann nicht mehr zurück, wenn die Preiserhöhung wieder zurückgenommen wird.
    Eine weitere Möglichkeit, Dumpingpreisstrategien zu verhindern, ist, die Produktion einfach vom betreffenden Unternehmen zu einem geringeren Preis als die Produktionskosten aufzukaufen und sie mit Gewinn weiterzuverkaufen. So machen ausgerechnet die Konkurrenten Gewinn, während der Möchtegern-Monopolist Verluste macht. Mit dieser einfachen Strategie verliert er kontinuierlich Marktanteile an die Konkurrenz, bis er aufgeben muss. Ein gutes Beispiel dafür gab es im Markt für eine Chemikalie namens Brom. Herbert Dow, der Gründer von Dow Chemical, erfand eine Methode, um Brom billiger herzustellen als alle anderen Hersteller in den USA und in Europa. Ein durch die Regierung unterstütztes Kartell deutscher Bromhersteller fand das gar nicht gut. Das Kartell verfolgte eine Dumpingpreisstrategie, indem es Brom in den USA mit Verlust verkaufte, um Dow zu unterbieten. Als Dow herausfand, dass er mit Dumpingpreisen bekämpft wurde, beauftragte er seine Leute damit, das Brom einfach zu den Billigpreisen aufzukaufen, um es mit Gewinn weiterzuverkaufen. Das deutsche Kartell musste am Ende wegen der großen Verluste aufgeben.

    „Aber nehmen wir einmal an, dass ein Unternehmen trotzdem irgendwie ein 100%-Monopol erreicht hat. Wenn es jetzt die Preise erhöht, wird es ziemlich lange dauern, bis es ein Konkurrent schafft, es zu unterbieten.“

    Okay, nehmen wir also einmal an, dass ein Unternehmen tatsächlich ein 100%-Monopol erreicht hat. Das Unternehmen soll also das kurze Zeitfenster ausnutzen, das die Konkurrenz dazu braucht, um den Vorsprung aufzuholen. Es verlangt von seinen Kunden beliebig hohe Preise. Diese Annahme ist schlicht falsch. Die Investoren würden schnell merken, dass das Unternehmen seine Kunden mit überhöhten Preisen über den Tisch zieht. Es ist absehbar, dass bald Konkurrenz aufkommt und Marktanteile verloren gehen. Der Aktienkurs würde einbrechen, Finanzinvestoren würden das Unternehmen übernehmen und dessen Preisstrategie schnell beenden, bevor es seinen guten Ruf vollständig verloren hat.
    Selbst wenn es ein kleines Zeitfenster gäbe, in dem das Unternehmen überhöhte Preise verlangen kann, könnte es dieses nicht ohne weiteres tun. Je höher der Preis, desto mehr Kunden werden auf andere Produkte ausweichen oder überhaupt nichts kaufen. Bei einem Monopol auf Autos würden die Leute Lastwägen, Lieferwägen oder Motorräder kaufen. Bei einem Monopol auf Motorfahrzeuge würden die Leute einfach in die Nähe ihres Arbeitsplatzes ziehen und mit dem Fahrrad fahren oder zu Fuß gehen.

    Man kann mehr Geld damit verdienen, 1 Million Einheiten zum Preis von 100 Dollar zu verkaufen, als 1 Einheit zum Preis von 100.000 Dollar. Also auch wenn es keine Grenzen durch den Wettbewerb gäbe, so gibt es andere Grenzen durch Angebot und Nachfrage. Es gibt unzählige Beispiele dafür, wie großen Unternehmen unterstellt wird, Monopolstellungen zu missbrauchen. Aber nirgendwo im freien Markt gibt es Beispiele für Unternehmen, die eine Monopolstellung erreichen und anschließend ihre Preise um das Zehnfache oder so erhöhen und bei denen gleichzeitig die Konkurrenten nie wieder zurückkehren, um sie erneut zu unterbieten.
    „Standard Oil“ ist ein Paradebeispiel für ein böses Monopol, das auf einem freien Markt zustandekam. Zu den Spitzenzeiten erreichte das Unternehmen trotz seiner marktbeherrschenden Stellung nie mehr als 90% Marktanteil bei Erdölprodukten. Und willkürliche Preiserhöhungen gab es ebenfalls nie. 1869 – also vor „Standard Oil“ – lag der Preis für raffiniertes Erdöl bei 30 Cent pro Gallone. Bis 1897 war der Preis dank „Standard Oil“ auf 5,9 Cent pro Gallone gefallen – ein Preisrückgang um mehr als 80 Prozent.

    Ich habe bisher kein einziges Beispiel für ein Monopol des freien Marktes gefunden, das die Preise um das Fünffache oder so erhöht hat. Aber es gibt einen Haufen Beispiele für staatlich unterstützte Monopole, die ihre Preise ohne erkennbaren Grund deutlich erhöht haben. Wenn der Staat Konkurrenzschutz bietet, können Monopolisten endlich die Preise erhöhen, ohne befürchten zu müssen, dass sie Marktanteile an die Konkurrenz verlieren!

    Die Preise für verschreibungspflichtige Medikamente sind in den USA unverhältnismäßig hoch. Kein Wunder: Die „American Medical Association“ hat das staatlich garantierte Monopol auf die Verschreibung verschreibungspflichtiger Medikamente.

    In einigen Städten gibt es Taxi-Kartelle. In New York ist die Zahl der Taxi-Konzessionen auf 11.779 Stück festgelegt – seit dem Zweiten Weltkrieg! New York hält diese Zahl künstlich niedrig, so dass die bestehenden Taxiunternehmen ihre Preise massiv erhöhen konnten. Eine Taxi-Konzession in New York kostet erstaunliche 140.000 Dollar.

    Ein weiteres Beispiel ist die Federal Reserve. Durch ihr staatlich garantiertes Monopol auf die Geldschöpfung aus dem Nichts wurde die Geldmenge um das 900fache (!!!!) aufgebläht – und das ist nur das Geld, das im Umlauf ist. Die Federal Reserve ist auch für die Boom-and-Bust-Zyklen verantwortlich, die große Depression und die Depression, die wir gerade erleben („Geldsozialismus“ von Baader lesen!).

    „Aber was ist, wenn ein Monopol einen bestimmten Rohstoff vollständig kontrollieren würde? Dann hätte der Wettbewerb gar keine Chance!“

    Das einzige Beispiel in der Geschichte, bei dem dieses auch nur annähernd gelungen ist, war die „De Beers Gruppe“. Das Kartell der Diamantenminen und Diamanthändler. Die Monopolstellung kam aber dadurch zustande, dass die südafrikanische und russische Regierung ihre Diamantenproduktion verstaatlicht haben und bestochen wurden, damit sie ihre Diamanten exklusiv über „De Beers“ handeln. Zu dieser Situation wäre es in einem wirklich freien Markt nicht gekommen.
    Wieder und wieder und wieder und wieder zeigt die Geschichte, dass es die staatlich gestützten Monopole sind, die ihre Kunden ausbeuten und nicht die Monopole, die auf freien Märkten entstehen. Wenn man Monopole ablehnt, dann wäre es auch widersprüchlich, sich ausgerechnet an das größte Monopol zu wenden, das es gibt – das ist der Staat – um Monopolbildungen zu verhindern, aber das erwähnte ich ja bereits. Es geht mir nur einfach tierisch auf den Sack. ^^

    Unternehmen, die schlecht wirtschaften und nicht mehr wettbewerbsfähig sind, schüren die Angst vor den bösen Monopolen des freien Marktes, damit der Staat eingreift und ihnen die Monopolstellung trotz ihrer Misswirtschaft sichert.
    Es sind nicht die freien Märkte, vor denen wir Angst haben sollten, sondern der staatliche Zwang. Er ist verantwortlich für: Preiskontrollen, die Monopole hervorrufen, für Tarife, exklusive Verträge, Steuersubventionen, Sondersteuern, Kreditbürgschaften, Konzessionen, Lizenzen, Genehmigungen, Zertifikate, Bailouts, Verstaatlichungen, usw. usf. – alles unter dem Vorwand des Verbraucherschutzes und der Sicherheit. Das ist es, wovor wir wirklich Angst haben sollten!

  11. Zef sagt:

    >Wer in ein falsches, unnatürliches, erzwungenes, krankes oder in ein abergläubisches und verlogenes System eingebunden ist und sich darin bewegen muss, der denkt auch falsch

    Und der er-findet auch Probleme und Bedürfnisse, die ohne das SYSTEM gar nicht bestehen würden. Um einen Gedanken von gestern noch mal aufzugreifen:

    Gerade Existentiell-Notwendiges gehört in Selbstbestimmung und Eigenverantwortung – „Brot, Schwert, Liebe“. Und so wie „Liebe“ sich freiwillig verbindet, können es auch „Brot und Schwert“ – aber horizontal, auf Augenhöhe, face2face und nicht vertikal, von oben herab durch ein künstliches System.

    Nie gab es so viele „Freiheiten“ wie heute. Und selten wurden Menschen so geschickt und komplett gegängelt wie heute. Wie passt das zusammen? In den westlichen Gesellschaften reduziert sich die wirkliche „Freiheit“ auf die freie Wahl zwischen Rasierwasser, Urlaubsorten, Katzenfutter, Lebensversicherungen. Alles andere nimmt ein bürokratisch-industrieller Komplex seinen Bürgern ab. (Wilhelm Salber, SeelenRevolution, http://www.wilhelm-salber.de/619_txt.html

    Glück und Zufriedenheit, inklusive Sicherheit, gibt es nur zusammen mit Selber-Machen, Selber-Leiden, Selber-Suchen – nicht durch einen System-Automatismus.

    Und was das „Soziale“ betrifft:
    Drei Dinge genügen, um dem ‚Sozialen‘ wirklich gerecht zu werden:

    „Erstens: Die Reichtumsmaschine freie Märkte und eigenverantwortliche Anstrengungen, die fast alle Bürger mit sich trägt und nur ganz wenige zurückläßt.

    Zweitens: Der in jeder echten Versicherung [zB auch in der KFZ-Haftpflicht, Anm Z] enthaltene Solidaranteil.

    Drittes: Die private Caritas, wenn man sie lebendig läßt, also nicht finanziell aushungert und durch erzwungene Kollektiveinrichtungen demotiviert“ (Roland Baader, Freiheitsfunken, S. 56)

    Es gibt nichts Existentiell-Notwendiges, was sich horizontal nicht realisieren ließe. Zwar lässt sich ein Fisch einfacher betrachten, wenn man ihn aus dem Wasser (seinem Lebenselement) heraus nimmt. Mit dem Leben des Fisches hat diese Prozedur aber überhaupt nichts zu tun.

    Es tut Menschen nicht gut, wenn man sie aus dem Wasser ihres Lebens herausnimmt und in ein künstliches System verfrachtet. Es gibt bei diesem Spiel keinen Gewinner, denn selbst die System-Maintainer werden zu Borgs.


    „Die Zeit der Unterscheidung ist vorbei,
    das ‚System‘ hat sie überwunden (Kierkegaard)

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