Tommy Casagrande

Das Amerika der Gründervater war ein Land, dass wie keines zuvor in seiner Geschichte, so vielen Begrenzungen der Staatsausweitung unterworfen war. Die Bundesstaaten waren weitgehend autonom und unabhängig von Washington. Nachdem Amerika seinen Unabhängigkeitskrieg gegen England gewonnen hatte, galt Amerika als Geburtsland der institutionalisierten Freiheit. Doch schon bald kamen jene wieder hervor, deren Absicht es war, die alte Ordnung, aus Privilegierten und Unterprivilegierten zu rekonstruieren.

Bevor es zum amerikanischen Bürgerkrieg kam, gab es relativ gesehen viel Freiheit in Amerika. Im Süden, mit Ausnahme der Sklaverei, wohl sogar ein wenig mehr als in den Nordstaaten, die Washington erlaubten, politischen Einfluss zu nehmen in jene autonome Bundesstaaten, die sich die Menschen zuvor durch ihren Kampf gegen die Engländer erkämpft hatten.

Kaum, dass die Amerikaner die englische Fremdbestimmung bekämpften, entleerten sie ihren Sieg jeden Sinnes, indem sie ihre bundesstaatliche Unabhängigkeit gegen die Fremdbestimmung von Washington eintauschten.

Die Sklaverei der Südstaaten war ein nicht-libertärer Zustand, eine inkonsequente Haltung jener Menschen, die im übrigen an der individuellen Freiheit und Unabhängigkeit ihrer Bundesstaaten festhielten. Die Sklaverei war eine Idiotie, eine Dummheit, eine Verleugnung der ansonsten erstrebenswerten Freiheitsprinzipien.

Diese schäbige Sklaverei der Südstaaten gab Lincoln in Washington die Möglichkeit, die Befreiung der Sklaven, die Idee eines geeinten freien Amerikas, im Volk zu säen. Dabei war es jedoch nur ein willkommener und vorgeschobener Grund um letztlich alle Bundesstaaten ihrer Autonomie und Unabhängigkeit berauben zu können.

An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass es Informationen darüber gibt, über die ich leider noch kein Buch in deutscher Sprache finden konnte, welche besagen, dass Lincoln durch eine wirtschaftliche Blockadepolitik den Wohlstand der Nordstaaten unter das der Südstaaten senkte, da sich die Südstaaten nicht an der Blockadepolitik beteiligen wollten und weiterhin ihren Wohlstand fördernden Freihandel mit der restlichen Welt betrieben. Leider sind mir diese Informationen nur durch hörensagen bekannt geworden und eine ausführliche Auseinandersetzung mit diesem Thema findet der geneigte Leser wohl eher bei amerikanischer libertärer Literatur.

Viele tapfere Soldaten die für die Ideen der Freiheit, wie sie Lincoln behauptete zu verfolgen, starben, sind für ihren eigenen Glauben an die Worte Lincolns gestorben. Denn wenn Lincoln daran geglaubt hätte, dass Freiheit das höchste Gut ist, hätte er gar keine Politik betreiben dürfen. Denn jede Politik beruht auf dem Prinzip, sich in das Leben anderer Menschen einzumischen. Darüber, dass Lincoln die Macht Washingtons jedoch gebrochen hätte, ist nichts bekannt. Im Gegenteil, er benutzte die Idee der Freiheit, um die bundesstaatliche Autonomie der Südstaaten, welche laut Verfassung gegeben war, zugunsten der zentralstaatlichen Machtfülle Washingtons zu brechen.

Der Denkfehler der Anhänger des nordstaatlichen Freiheitsprinzips ist folgender:
Wenn es irgendwo auf der Welt ungerechte Zustände gibt, dann muss die Nordstaatenarmee dort hingehen und diese Zustände beenden. Das ist die Mentalität der Weltpolizei. Frieden wird mit Krieg gebracht, Freiheit wird durch Bomben und Raketen gebracht, Demokratie lässt sich durch Gewalt erzwingen.
Warum nur den Süden befreien ? Warum nicht die gesamte Welt ?
Doch am wichtigsten ist vielleicht jene Frage, die so nahestehend scheint, dass man sie leicht übersieht. Warum nicht sich selbst befreien ?
Und anders gedacht; hätten nicht auch die Vertreter der Unfreiheit das selbe Recht, prinzipiell, ihre Unfreiheit jedem auf der Welt aufzuzwingen ?
Doch, vielleicht sind jene, die der Welt vorgeben Freiheit zu bringen und jene, die vorgeben Unfreiheit zu bringen, die selben ?
Gewalt zu initiieren ist kein befreiender Zustand, denn er kopiert die Methode, mit der die Unfreiheit geschaffen wurde. Gewalt abzuwehren, sich zu verteidigen ist ein Freiheits bewahrender Akt. Doch nur all zu gern wird Gewalt zu initiieren damit verwechselt sich selbst zu verteidigen. Und noch öfter wird eine Gewaltinitiierung damit gerechtfertigt, eine Verteidigung zu sein.

In Wahrheit führt das Nordstaatenprinzip dazu, so lange mit der Welt Krieg zu führen, bis alle weltlichen Zustände den Nordstaaten genehm sind. Eine leider sehr blutige Tragödie die letztlich auch nur durch einen Steuergeld raubenden, mit staatlichem Fiat Money operierendem Zentralstaat möglich ist.

Und ist es nicht Faktum, dass der amerikanische Zentralstaat, als Steuergeld raubendes zentralstaatliches Rattenloch, viel Leid in die Welt transportiert sowie Hass und Vorurteil gegenüber Kapitalismus und Freiheit verursacht hat ? Die wenigsten Menschen machen zwischen den Begriffen „USA und Kapitalismus“ sowie „USA und Freiheit“ einen Unterschied. USA und Kapitalismus sind zwei verschiedene Dinge. Genauso sind USA und Freiheit zwei verschiedene Dinge. Verständlicherweise sind viele Menschen der Meinung, dass Kapitalismus schlecht ist, wenn es jenes System repräsentiert, welches die USA verkörpern, doch das ist kein freier Markt und kein Kapitalismus. Zudem haben viele Menschen recht, wenn sie jene Freiheit nicht haben wollen, die sie mit den gesellschaftlichen Zuständen der USA identifizieren. Doch die USA sind kein Ort, an dem die individuelle Freiheit heiligen Schutz genießt.

Selbst wenn die USA den Mythos der Freiheit darstellen, so sind sie kein Ort der Freiheit mehr. Sie sind auch kein Ort des Kapitalismus. Sich nach dem Nordstaatenprinzip mit initiierender Gewalt in anderer Menschen Belange einzumischen, haben sie nicht nur der Welt als mahnendes und abschreckendes Beispiel gedient. Sie haben leider auch ihr eigenes Land vollkommen ruiniert. Moralisch und wirtschaftlich.

Die größte Moral ist die Freiheit. Wenn jeder Mensch jeden Mensch leben ließe wie er möchte, gäbe es weitaus weniger Konflikte auf unserer schönen Erde.

Das Nordstaatenprinzip hat nicht funktioniert, weil es mit Freiheit nichts zu tun hatte. Freiheit war nur der Köder, der die Idealisten ihr Herz und ihr Leben opfern ließ. Doch wie sehr fehlen Heute Idealisten ! Wie sehr mangelt es unserer Welt an einer aufrechten, moralischen Ideologie ! Wie sehr mangelt es an konsequenten, unbeirrbaren, festen Standpunkten ! Radikalismus bedeutet, an der Wurzel zu sein. In diesem Sinne gibt es nur sehr wenige Menschen, die in einer Idee verwurzelt sind. Leidenschaftslos, geistlos, ehrlos, sinnlos, sind viele Menschen geworden, sodass man nach einem Tag unter Menschen kaum umhin kommt, eine Gesellschaftskritik nach der anderen nieder schreiben zu wollen. Wichtig ist, dass man begreift, dass in den Menschen etwas besseres steckt als das was wir sehen und erleben. Es dringt bloß nicht aus ihnen heraus, weil die Bedingungen unter denen sie sich verhalten, ihre strahlende Natur zugunsten der seelischen Abstumpfung verwelken lässt.

Wir Menschen ähneln dem trockenem Holz dem zum brennen nur der Funke fehlt. Manchmal aber auch, wenn es den Funken geben könnte, kommt uns der Regen dazwischen, der das brennen verhindert.

Freiheit ist die Vorraussetzung aller Tugenden. Und Tapferkeit ist die Vorraussetzung um in einer unfreien Welt, seine Stimme zu erheben. Das Gewissen stellt die Bedingung dieser Tapferkeit dar, denn ohne Überzeugungen verliert sich schnell der Mut. Erkenntnis im Antlitz der Wahrheit bietet Wissen aus dem das Gewissen folgt. Die Einsicht, dass es eine Wahrheit gibt, die sich vom Unwahren unterscheidet, führt zu jener Eigenschaft, die einen Menschen antreibt. Man nennt sie Neugier. Bezweifle ich bereits, dass es eine Wahrheit gibt, so beruhen meine Handlungen als Mensch auf den Annahmen die andere Menschen mir vorgeben. Und nicht selten basieren die Annahmen anderer Menschen auf der Überlegung, dass sie diese Annahmen notfalls auch mit Gewalt durchsetzen können. Dass Gewalt zu initiieren falsch ist, wäre dabei die tiefste Einsicht, welche widerum die Akzeptanz des Wahrheitsbegriffes vorraussetzt.

Dem Nordstaatenprinzip mangelt es nicht am Glauben zur Wahrheit sondern der Erkenntnis, dass ich der Wahrheit nicht näher komme, wenn ich Gewalt benutze um die Welt zu verbessern.

Wenn wir alle dies erkennen würden, wären wir alle endlich frei.

 

8 Responses to Über das amerikanische Nordstaaten-Prinzip

  1. Kurt Gluth sagt:

    Ein gut gelungener Text, Michael. Dennoch:
    „Dem Nordstaatenprinzip mangelt es nicht am Glauben zur Wahrheit sondern der Erkenntnis, dass ich der Wahrheit nicht näher komme, wenn ich Gewalt benutze um die Welt zu verbessern.

    Wenn wir alle dies erkennen würden, wären wir alle endlich frei.”
    Nein, sorry. Wenn wir es erkennen und umsetzen/verwirklichen würden, wären wir frei … wenn überhaupt (denn das sind zwei vollkommen verschiedene Ereignisse – bei jedem Menschen).

    Du schreibst so schön „Wir Menschen ähneln dem trockenem Holz dem zum brennen nur der Funke fehlt. Manchmal aber auch, wenn es den Funken geben könnte, kommt uns der Regen dazwischen, der das brennen verhindert.”
    Nun… um es mal etwas süffisant zu modifizieren: Wir Menschen ähneln grünem Holz, das kurz zuvor aus einem soeben gefällten grünen Baum geschnitten wurde – will heißen: Das Holz muss zuerst Mal trockenen … und die Menschen reifen.
    Noch ist es lange nicht so weit, dass Menschen im Angesicht von Fehlern (gleichgültig ob eigenen oder den von Anderen ‚verbrochenen‘) aus diesen zu lernen versuchen. Und wenn, dann ist meistens ein weiterer Fehler das Resultat, da sie einem fehlerbehafteten Wertesystem gefolgt sind.
    Ich habe Zeit meines Lebens viele verschiedene Menschen in meinem Umfeld erlebt, zu denen ein paar ganz wenige zu den solcherart ‚perfekten‘ gerechnet werden konnten, die nicht nur den eigenen Fehlern ins Gesicht sahen, sondern diese auch stets bemüht waren abzustellen und sich dabei nur Mitteln bedienten, die dem hier geltenden Freiheitsverständnis genügten.

    Aber das war und ist eine verschwindend kleine Minderheit. Allein gestern habe ich wieder das volle Spektrum an menschlich gelebter Lernunfähigkeit erlebt. In Familien wird dieser Unsinn gelebt: Eltern machen Kindern zu Idioten, Kinder machen Kindeskinder zu Idioten,… und diese Vorgänge spielen sich in vielfacher Hinsicht ab.
    So lange also das Prinzip ‚Freiheit‘ nicht ganz unten (also im Volk – und damit bei uns, in unseren Familien, mit unseren Freunden und Bekannten,… usw.) beginnt, wird die Erkenntnis in der Masse der Menschen noch lange fehlen, die zum Begreifen des tieferen Sinnes unserer Diskussion hier von essenzieller Bedeutung ist. Vorher brauchen wir uns überhaupt keine Gedanken zu machen, solche Ideen auch nur ansatzweise zu verwirklichen.

    Denn, Michael, es waren Menschen, die in dem von Dir hier genannten Amerika die Augen vor den Tatsachen verschlossen (sie niemals offen hatten…?). Und Menschen werden es sein, die wieder die gleichen Fehler machen werden, stehen sie wieder vor einer vergleichbaren Wahl mit vergleichbaren ‚Verlockungen‘ … und vergleichbarer innerer Reife.

    Wenn es Bemühungen zu geben hat, die Situation ‚Staat‘ zu ändern, dann haben diese am Menschen und seinen völlig falschen Wertvorstellungen anzusetzen, an seiner Triebhaftigkeit, die ihn ‚den Kick‘ der Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit, in Aussicht stehende Macht-/Mittelgewinne der Redlichkeit und der Genügsamkeit den Vorzug geben lassen.
    Ja, in der Tat geben die Menschen mit großer Freude und Zufriedenheit ihre Verantwortung nur all zu schnell, gern und vollständig in die Hände derer ab, die sie fortan beherrschen – denn lieber zeigen sie mit dem Finger auf jene, maulen über sie und regen sich über sie (künstlich) auf, als stattdessen deren Entscheidungen selbst zu treffen – und damit selbst in der Verantwortung zu stehen.

    Bitte nehmt hier eine Tatsache endlich ein Mal zur Kenntnis (damit meine ich ALLE): Wenn auch ein Promille der Menschen einen guten Kurs eingeschlagen haben (und so viele sind es ganz sicher nicht!), so sagt das über die anderen 99,9% noch rein gar nichts aus. Diese 99,9% aber bestimmen den Kurs – zumindest so lange, bis das 1‰ einen Weg gefunden hat, entweder diese 99,9% zu überzeugen (und damit diese dazu veranlasst, sich entsprechend zu ändern), oder aber bis das 1‰ ‚zwingt‘ die 99,9% – und das ist ja offensichtlich ein Widerspruch zum Sinne des Ganzen.

    Und wenn hier immer wieder Leute der Meinung sind, Menschen hätten ja immer die Möglichkeit… tja, Möglichkeit ist nur selten Wirklichkeit. Wenn man Wirklichkeit benötigt, ist das also keine schlechte/ungünstige Alternative, sondern gar keine.

  2. fidel sagt:

    Hallo,

    in „Geschichte und Freiheit“ – einem Lord Acton Brevier – findet sich der Hinweis auf die wahren Gründe des Sezessionskrieges in Amerika.

    Vielen Dank für die anregenden Gedanken auf dieser Seite!

  3. isomorph sagt:

    Klasse Artikel!

    Zu erwähnen wäre vielleicht noch, dass zu Beginn des Krieges es auch im Norden Sklaverei gab und diese erst kurz vor Ende endgültig per Gesetz abgeschafft wurde. Zu diesem Zeitpunkt gab es auch im Süden, entgegen heutiger landläufig gemachter Meinung, starke Bestrebungen die Sklaverei abzuschaffen und es hätte wohl auch dort nicht mehr viele Jahre gebraucht, bis sich der Süden dem Zeitalter der Vernunft angepasst hätte.

    Passend wäre sicherlich auch die Erwähnung von Zwangsrekrutierungen gewesen, welche es ausschliesslich im Norden gab und von der sich die Bessersituierten bekanntlich für 300 Dollar freikaufen konnten. Während die Armee der Südstaaten sich ausschliesslich aus freiwilligen Milizen zusammensetzte.

    lg iso

  4. diridum sagt:

    wie prof. hüther es als neurologe immer wieder sagt, keine gewaltanwendung um die menschen dieser welt zu verændern , sondern die menschen begeistern.
    ihnen auf die richtige art geist geben, nehmlich „begeistern“.
    und dieses mal müssen wir uns für die liebe das licht und die wahrheit entscheiden und begeistern. „geist annehmen“

  5. Zef sagt:

    >Freiheit ist die Vorraussetzung aller Tugenden.

    „Wie man das Gute nicht ohne Freiheit vermag,
    so vermag man ohne Freiheit auch nicht darin zu bleiben“ (Kierkegaard).

    • Zef sagt:

      „Das Ethische abstrahiert nicht von der Wirklichkeit, sondern vertieft in die Wirklichkeit hinein; es operiert wesentlich mit Hilfe der spekulativ übersehenen und verachteten Kategorie: das Einzelsein“ (Kierkegaard).

      Das Ethische ist auf Individualität berechnet,
      nicht auf ‚Menge‘.

      Weil man man den einzelnen Menschen ’selbst‘ nicht denken kann, sondern nur den ‚Begriff‘ Mensch, kommt die intellektuelle Spekulation sogleich auf die Lehre von der Übermacht der Menge über das Individuum, während dieses Abstraktum in Wahrheit jedoch nichts ist, unendlich viel weniger als der geringste einzelne Mensch.

      „Dieser eine Mensch“ ist die Valuta des Ethischen.


      Das Gute lässt sich überhaupt nicht definieren.
      Das Gute ist die Freiheit. (Kierkegaard)

  6. gutmensch von sezcuan sagt:

    Allerding setzt solches Verlangen „Den Guten Menschen“ voraus. Da ein solcher aber schon in der Urzeit ausgerottet worden wäre und wir deshalb garnicht existent wären hat die Natur in weiser Vorraussicht einen solchen „Guten Menschen“ garnicht erst erschaffen. Beweis: Wäre Jonny auf dem Alexanderplatz nicht „Gut“ sondern „Böse“ gewesen, er würde aller Wahrscheinlichkeit nach noch leben! „Gute“ Tiere, also Haustiere, können nur durch den Schutz der Menschen überleben. In der freien Natur wären sie hoffnungslos verloren!

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