„Ich halte den europäischen Sozialstaat für die größte kulturelle Errungenschaft, welche wir Europäer im Laufe des 20. Jahrhunderts aufgebaut haben.“ Diese Worte sprach der Altkanzler Helmut Schmidt anlässlich des 100. Geburtstages des Kaiser-Wilhelm-Institutes im Januar 2011 – und der bei weitem überwiegende Teil der Deutschen teilt diese Auffassung aus voller Überzeugung, da sie der Meinung sind, dass ein staatliches Existenzsicherungssystem (a) notwendig und (b) alternativlos ist.

So ist die Saat aufgegangen, deren Samen einst Otto von Bismarck als Begründer der Sozialgesetzgebung im Deutschen Kaiserreich mit seiner Absicht ausbrachte: „Mein Gedanke war, die arbeitenden Massen zu bestechen, den Staat als soziale Einrichtung anzusehen, die ihretwegen besteht und für ihr Wohl sorgen möchte.“

Durch diese ‚Bestechung‘ erreicht der Sozialstaat in seiner heutigen Form u.a. bei den ‚arbeitenden Massen‘ den Anschein einer moralischen Legitimation, da in den vergangenen 140 Jahren sich die Menschen so an einen vor- und versorgenden Staat gewöhnt haben, dass sie eine Existenzsicherung ohne diesen für schlichtweg unmöglich halten. Doch ist dem wirklich so? Das soll im Folgenden näher untersucht werden.

Zuerst ist dabei festzustellen, welcher Personenkreis einer Existenzsicherung bedarf.

  • zum ersten sind dieses Menschen, die aufgrund körperlicher und/oder geistiger Einschränkungen nicht dauerhaft in der Lage sind, selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen (nachfolgend ‚Invaliden‘ genannt).
  • zum zweiten handelt es sich hierbei um Personen, die durch den Ausbruch einer Krankheit zeitweise arbeitsunfähig werden (nachfolgend ‚Kranke‘ genannt)
  • zum dritten gehören zu dieser Gruppe alle, die temporär oder langfristig ohne Arbeitsverhältnis sind (nachfolgend ‚Arbeitslose‘ genannt)

Als nächstes ist das Ziel der Existenzsicherung zu bestimmen. Diesbezüglich legen wir – zugegebenermaßen willkürlich – einen Betrag in Höhe von 1.500,00 € pro Monat als Arbeitseinkommen-Ersatz für diesen Personenkreis fest. Unberücksichtigt bleiben zunächst die aufzubringenden Kosten für die Behandlung von Krankheiten sowie die zusätzlichen eventuellen Aufwendungen für die Pflege (adäquat: Kranken- und Pflegeversicherungs-Beiträge) und die Rücklagen, die im Alter für den Erhalt einer Rente dienen sollen.

Betrachten wir nun die in Frage kommenden Gruppen im Einzelnen:

TEIL I

  1. Invaliden

Innerhalb dieser Gruppe sind zu unterscheiden:

(a) die Kinder, die behindert geboren werden

In einer freiheitlichen Gesellschaft sollte es für jede schwangere Frau zur Normalität werden, sich freiwillig entsprechenden Untersuchungen zu unterziehen – denn die Information über eine eventuelle Behinderung ihres Kindes ist für sie von existentieller Bedeutung. Dabei obliegt es ihr (evtl. zusammen mit dem Kindsvater), sich für oder gegen das Austragen eines behinderten Kindes zu entscheiden; allerdings mit der Konsequenz, nach dessen Geburt für dieses Kind die volle Verantwortung tragen zu müssen – was im Extremfall über die gesamte Lebensspanne des Kindes dauern kann. Ein Anspruch auf einen Übertrag dieses Risikos auf eine anonyme „Gesellschaft“, die die Lebenshaltungskosten für dieses Kind übernimmt, ist in einer freiheitlichen Gesellschaft ausgeschlossen – diese wären allenfalls durch Spenden abzudecken, falls die Kindeseltern finanziell nicht in der Lage sein sollten, diese von sich aus aufzubringen.

Eine Privatversicherung für diese Risikoabdeckung existiert derzeit nicht – und es ist auch nicht anzunehmen, dass in einer freiheitlichen Gesellschaft eine solche ein Vertragsangebot offerieren würde, ohne den Versicherungsnehmer zur Risikominimierung zu verpflichten, d.h. eine Untersuchung während der Schwangerschaft zu fordern.

Mit einer solchen Klausel – zzgl. einiger anderer (die bspw. die Lebensführung der Frau während der Schwangerschaft betreffen / Grund: Reduzierung des ‚moral hazard‘) – wäre jedoch ein solches Vertragsangebot nicht nur denkbar, sondern sogar wahrscheinlich. Eine derartige Versicherung würde also finanzielle Risiken aus einer Behinderung eines Kindes decken, die (a) bei der Untersuchung während der Schwangerschaft nicht diagnostizierbar waren und (b) bei dem Geburtsvorgang verursacht wurden, ohne dass dem medizinischen Personal (Arzt bzw. Hebamme) ein Fehler nachgewiesen konnte (in diesen Fällen wäre deren Berufshaftpflicht-Versicherung zuständig).

(b) die Kinder, die nach ihrer Geburt invalid werden

Es kommen logischerweise nur zwei Ursachen für die Behinderung eines Kindes, das gesund geboren wurde, in Frage.

Dies ist erstens ein Unfall:

Schon heute ist es möglich, ein Kind ab Geburt gegen das finanzielle Risiko einer Invalidität aufgrund eines Unfalls zu versichern, da die staatliche Absicherung sich nur

auf den Bereich des Besuches öffentlicher Einrichtungen (Kindertagesstätten, Schule) sowie auf die Wege dorthin und zurück nach Hause erstreckt. Will man sein Kind darüber hinaus auch in den Freizeitaktivitäten abgesichert wissen, muss man den Schutz durch eine private Versicherung ergänzen – diese gilt dann meist 24h am Tag. Je nach Höhe und Umfang der der eingeschlossenen Risiken wäre es also schon heutzutage möglich, auf den staatlichen Schutz verzichten und diesen durch eine private Absicherung zu ersetzen.

Zu den Kosten: der monatlich zu zahlende UV-Beitrag für ein neugeborenes Kind hinsichtlich des oben näher beschriebenen Versicherungsumfangs (lebenslang zu zahlende Rente in Höhe von 1.500 Euro/Monat) – inklusive eine Dynamik von 2% pro Jahr (Inflationsausgleich) und 10.000 € Invaliditäts-Grundsumme mit Progression (für einmalige Ausgaben) – beträgt bei einer günstigen deutschen Versicherung 8,50 Euro.

… und zweitens eine Krankheit:

Die vorgehend beschriebene Unfallversicherung deckt nicht nur dieses Risiko, sondern versichert bspw. auch die finanziellen Folgen von Krankheiten, die durch Insektenstiche übertragen bzw. ausgelöst worden sind, sowie einige andere Risiken, die hier nicht weiter beschrieben werden können, das dies ‚den Rahmen sprengen‘ würde. Legt man auf die Absicherung des Krankheitsrisikos für sein Kind einen besonderen Wert, so ist es bereits heute möglich, eine weitergehende Deckung zu vereinbaren (Fachausdruck: Cross-Over-Produkt): eine Versicherung mit 1.500 Euro lebenslanger Rente pro Monat bei einem schweren Unfall mit mind. 50% Invalidität zzgl. einer einmaligen Kapitalleistung in Höhe von 50.000 €; sowie einer schweren Schädigung wichtiger Organe, dem Verlust von Grundfähigkeiten und einer Pflegebedürftigkeit ab Stufe 1 infolge von klar definierten Krankheiten kostet etwa 25,00 Euro pro Monat.

(c) Jugendliche bzw. Erwachsene

Der Abschluss einer Erwerbsunfähigkeit-Versicherung, bei der nicht auf den Grund für die Erwerbsunfähigkeit abgestellt wird (es sind also alle Ursachen eingeschlossen), ist heute bereits ab dem 15. Lebensjahr möglich. Versichert man dieses Risiko in diesem Eintrittsalter, ist für den Erhalt einer Erwerbsunfähigkeitsrente in Höhe von 1.500 € (einschließlich einer Erhöhung der Rente von 2% pro Jahr) bis zu einem Alter von 65 Jahren ein monatlicher Beitrag von ca. 42,00 € zu zahlen.

  1. Verdienstausfall bei Krankheit

Bei der Betrachtung einer Lohn-Ersatzleistung in Form eines Krankentage-Geldes (KTG) bleiben Kinder unberücksichtigt, da diese i.d.R. kein Einkommen erzielen – hier gibt es also kein Risiko, das es wert wäre, abgesichert zu werden.

Außerdem ist es nachweislich belegbar, dass bei der heutigen Regelung (die ersten 6 Wochen Lohnfortzahlung im Krankheitsfall durch den Arbeitgeber, danach Krankengeld von der Krankenkasse bis max. zu 78 Wochen) Montage, Freitage und sogenannten Brückentage den höchsten Krankenstand aufweisen, was wiederum auf den ‚Moral-Hazard‘-Effekt zurückzuführen ist. Wir schließen deshalb bei unserer Berechnung 7 Karenztage ein, was bedeutet, dass die finanziellen Einbußen der ersten Woche einer Krankheit aus Eigenmitteln ausgeglichen werden müssen; dafür erfolgt im Gegensatz zu dem ’staatlichen‘ KTG keine ‚Aussteuerung‘; d.h. man erhält das KTG ohne zeitliche Begrenzung – halt solange, wie die Krankheit andauert. Mit zunehmenden Alter und der damit einhergehenden steigenden Fähigkeit, Vermögen zu bilden, können zwecks Senkung der Beitragshöhe weitere Karenztage vereinbart werden.

Was kostet nun dieser Schutz? Nun, ein 18jähriger zahlt monatlich für den Erhalt von 50 € KTG (50,00 € x 30 Tage = 1.500 € pro Monat) bei einem leistungsstarken Versicherer zwischen 47,00 € (weiblich) und 70,00 € (männlich); ein 45jähriger für dieselbe Leistung zwischen 100,00 € (männlich) und 110,00 € (weiblich) – er bzw. sie kann den Beitrag aber auf bspw. 52,00 € (männlich) bzw. 58,00 € reduzieren, wenn wie vorgehend näher beschrieben, eine längere Karenzzeit gewählt wird (hier 28 statt 8 Tage).

Wir bilden also zwecks später zu erfolgender Aufrechnung ein Mittelwert und halten fest, dass ein Krankentagegeld in Höhe von 1.500,00 Euro pro Monat mit ca. 60,00 € monatlichen Beitrag zu Buche schlägt.

Zwischenfazit:

Um die vorgehend beschriebenen Leistungen und Preise mit denen der staatlichen Sozialversicherung vergleichen zu können, analysieren wir den Sachverhalt anhand eines Beispiel einer Muster-Familie, die aus einem jungen Ehepaar (Er: 30 Jahre alt, Sie: 25 Jahre alt) und zwei Kindern (5Jahre und 3 Jahre alt) besteht. Beide sind in Vollzeit (40 Std. pro Woche) als Arbeitnehmer berufstätig – er verdient derzeit brutto 2.500 € und sie 1.800 € pro Monat.

Der Ehemann zahlt somit für diesen Zeitraum 1.061,26 € (511,88 € Eigen- / 549,38 € Arbeitgeberanteil) und die Ehefrau 764,10 € (368,55 € Eigen- / 395,55 € Arbeitgeberanteil) in die Sozialversicherung ein – ergo ergibt sich ein Gesamtbeitrag für die Eheleute von 1.825,36 €.

Hinzugerechnet wird ein fiktiver Anteil, der sich aus den staatlichen Zuschüssen aus Steuermitteln, die die Eheleute ja anteilig aufbringen müssen, zur Sozialversicherung ergibt. Die Höhe dieser Zuschüsse beläuft sich z.Z. Auf 81 Mrd. € für die Renten- und 14 Mrd. € für die Krankenversicherung pro Jahr. Teilt man nun die Summe von 95 Mrd. € durch alle Steuerzahler (der Einfachheit halber stellen wir an dieser Stelle nicht auf die einzelnen Steuerarten ab, sondern verstehen unter dem Begriff ‚Steuerzahler‘ alle Mitglieder einer Gemeinschaft, die über irgendeine Art von Einkommen verfügen – also im Prinzip alle Erwachsenen), deren Zahl in Deutschland ca. 70 Mio. beträgt, so ergibt dies einen Pro-Kopf-Anteil in Höhe von 1.357 €, berechnet auf den Monat also ca. 113 €. Die realen Kosten für die staatliche Zwangsabsicherung dieser Familie belaufen sich demnach auf monatlich 2.051,36 € (1.825,36 € + 2 x 113,00 €); bezogen auf das reale Bruttogehalt in Höhe von 5.244,93 € (2500 € + 1800 € + die jeweiligen Arbeitgeberanteile) sind dies stattliche 40% vom Gesamteinkommen!

Diese Summe bildet den Ausgangspunkt unserer Berechnung – wir ziehen von dieser in der Folge die Aufwendungen ab, die für eine private Absicherung der beschriebenen Risiken anfallen würden.

Zuerst unterstellen wir den Eheleuten, dass sie sich seit ihrer Jugendzeit gegen eine drohende Erwerbsunfähigkeit versichert hätten (wobei deren Eltern in den Anfangsjahren die entsprechenden Beiträge aufbringen würden): Sie hätten zu diesem Zweck monatlich jeweils 42,00 € zu zahlen; der Zwischenstand beträgt also 1.967,36 € (2.051,36 € – 2 x 42 €). Weiter nehmen wir an, dass sie seit ihrem Eintritt in das Arbeitsleben den Verdienstausfall bei Krankheit abgesichert hätten, hierfür wären jeweils 60 € fällig; der neue Zwischenstand beträgt demnach 1.847,36 € (1.967,36 € – 2 x 60 €). Nun betrachten wir die Kinder, die seit ihrer Geburt gegen die irreversiblen Folgen von Unfällen und Krankheiten abgesichert waren: deren Schutz belastet das Budget mit jeweils 25,00 €; dies ergibt also summa summarum einen Zwischenstand von 1.797,36 € (1.847,36 € – 2 x 25,00 €).

Schlussendlich spendieren wir den Eltern als Ausgleich zur gesetzlichen Unfallversicherung (die hierfür zu entrichtenden Beiträge sind bei der staatlichen Absicherung durch den Arbeitgeber zu leisten) eine private UV mit adäquaten Leistungen, für die der Mann 20 € (Gefahrenklasse B) und die Frau 15 € (Gefahrenklasse A) zu zahlen hätte, was das vorläufige Endergebnis in Höhe von 1.762,36 € ergibt.

Diese Summe steht uns also für die Behandlungen von Krankheiten, das Ansparen von Vermögen im Alter (Rente) und die Absicherung der Pflegefall-Risikos zur Verfügung. (der Faktor ‚Arbeitslosigkeit‘ ist an dieser Stelle bewusst ausgespart, da er in einer freiheitlichen Gesellschaft nicht über Geldleistungen, sondern anderweitig abgesichert wird; näheres dazu im Teil II).

  1. Die Kosten der Behandlung von Krankheiten

Im Gegensatz zu den Startpunkten bzgl. der vorgehend beschriebenen Risikoabsicherungen betrachten wir in diesem und im nächsten Fall die Beitragshöhe bei jetzigem Versicherungsbeginn und versichern die Familienmitglieder analog zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung (bei teilweise besseren Leistungen als diese) mit einer Selbstbeteiligung von 360 € pro Jahr.

Für diesen Schutz muss der Ehemann heutzutage monatlich ca. 180,00 € und die Ehefrau ca. 225,00 € pro Monat einplanen; für die beiden Kinder wären jeweils rund 70,00 € zu zahlen – sodass wir hinsichtlich dieses Risikos auf eine Gesamtbeitragshöhe von 545,00 € kommen, was einen neuen Zwischenstand von 1.217,36 € ergibt.

  1. Die Absicherung des Pflegefall-Risikos

Um eine Pflege-Rente, deren Leistungen den momentan von der staatlichen zugesagten Versorgung entspricht (1.500 € pro Monat / 100% bei Pflegestufe III, 60% bei Pflegestufe II und 40% bei Plegestufe I), zu erhalten, müsste der Ehemann einen Monatsbeitrag in Höhe von 14,50 € und die Ehefrau von 15,50 € bezahlen – somit erreichen wir den neuen Zwischenstand von 1.187,36 €.

  1. Der Risiko-“Puffer“

Bevor wir zur Vermögensbildung kommen, ziehen wir eine Sicherheitsbarriere gegen steigende Beiträge und zu leistende Selbstbeteiligungen bzw. abzugeltende Karenztage ein. Zur Vermeidung von dadurch akut auftretenden finanziellen Belastungen führen wir pro Monat einen Betrag in Höhe von 150,00 € ab, der verzinslich in einen Sparvertrag fließt. Auf das dort angesammelte Guthaben kann jederzeit Rückgriff genommen werden. Wir unterstellen, dass mit dem Ausscheiden aus dem Arbeitsleben und mit dem Beginn der Rente das hier angesammelte Guthaben vollständig von den Eheleuten verbraucht worden ist. Der neue Zwischenstand beträgt somit 1.037,36 €.

  1. Vermögensbildung / Rente

Die sogenannte ‚Eck-Rente‘ (Durchschnittsrente bei ununterbrochener Beitragszahlungsdauer von 45 Jahren) beträgt ab dem 01.07.2011 in Deutschland 1.236,00 € – dies soll unsere Zielvorgabe sein. Um 35 Jahre lang – vom Alter 65 bis 100 – eine Rente ausgezahlt zu bekommen, die zudem jedes Bezugsjahr um 2% steigt (Inflationsausgleich), ist bei einer unterstellten Verzinsung des Kapitalstocks von 3% eine Guthaben-Höhe von 436.000 € Voraussetzung.

Die Frage, die sich stellt, lautet: Welchen Betrag muss unser Beispiel-Ehepaar pro Monat über die Zeitdauer von 45 Jahren einzahlen, um bei einer durchschnittlichen Verzinsung des Guthabens von 3% am Ende dieser Laufzeit über 872.000 € zu verfügen? Die Antwort heißt: 771,00 € – also 266,36 € weniger als ‚Masse‘ zur Verfügung steht.

Mit diesen Aufwendungen würden also beide eine Renten in Höhe von 1.236,00 € erzielen – was in etwa 100% des Nettolohnes entspräche, den die Ehefrau momentan verdient (1.233,57 €) und 76% des Nettolohnes wäre, den der Ehemann heute auf sein Konto überwiesen bekommt.

Dies sind natürlich Traumwerte, die die staatliche Rentenversicherung nicht erreicht – hier liegt es im Ungewissen, welche Rentenhöhen in Zukunft gezahlt werden können. Glaubt man den Voraussagen, dass ab dem Jahr 2030 ein Rentenniveau (netto vor Steuern) in Höhe von 43% vom letzten Nettolohn gehalten werden kann, würde dies für unser Ehepaar bei gleichbleibenden Löhnen bedeuten, dass sie jeweils mit der etwaigen Hälfte dieser Nettolöhne als Rente rechnen könnten (von diesen müssten dann nach Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge gezahlt werden).

Somit sind realistischerweise (oder besser gesagt: optimistischerweise) lediglich staatliche Rentenhöhen nach heutiger Kaufkraft von insgesamt 811,44 € (1.622,87 € x 50%) und 616,78 € (1.233,57 € x 50%) zu erwarten, was einer Gesamtsumme von 1.428,22 € entspricht. Übertragen auf vorgehend beschriebene private Anspar-Modell bedeutet dies, das zu einer Auszahlung einer Summe von 1.428,22 € nach den oben beschriebenen Kriterien lediglich ein Kapitalstock von 504.000 € vorhanden sein muss. Um diesen über 45 Jahre aufzubauen, wäre bei einer 3% Verzinsung nur eine monatliche Einzahlung von 445,73 € notwendig.

  1. Schlussbemerkungen

Somit ist festzuhalten, dass das staatliche Sozialversicherungssystem selbst Mitbürger übervorteilt, die nicht zu den Spitzenverdienern gehören – im dargestellten Beispiel beläuft sich der Verlust für die Familie auf sage und schreibe 591,63 € pro Monat (Zwischenstand vor Vermögensbildung: 1.037,36 € abzüglich 445,73 € Rate als Gegenwert für die Rente) – und mit steigendem Einkommen wird der Verlust sogar größer! Und nun ist es ja nicht so, dass diese Überzahlung in einer höheren Leitung begründet werden kann – es ist eher das Gegenteil der Fall: bei sämtlichen beschriebenen privaten Absicherungen entspricht der Versicherungsumfang mindestens der der staatlichen Versorgung, in einigen Fällen liegt er sogar deutlich höher.

Sehr aufschlussreich ist auch die Prüfung nach ‚unten‘: Lohnt sich die staatliche Zwangsversi-cherung wenigstens für Geringverdiener? Wenn ja, könnte man – wenn man die ethische Komponente außer Acht lässt und dieses System lediglich aus dem Blickwinkel der Zweckmäßigkeit betrachtet – mit einigem Recht von einem sozialen Ausgleich sprechen.

Rechnen wir also nach und begrenzen dabei die Leistungen der fiktiven privaten Absicherung auf das Level, das die staatliche Versicherung vorgibt:

Ein Arbeitnehmer erhält für eine Vollzeittätigkeit 800,00 € Brutto (= 634,19 € Netto) im Monat. Seine Beiträge zur Sozialversicherung betragen 165,80 €; der Arbeitgeber zahlt zusätzlich 175,80 €. Zusammen mit dem anteiligen Bundeszuschuss zur Renten- und Krankenversicherung (siehe oben) in Höhe von 113,00 € erreichen seine Beiträge eine Gesamtsumme von 454,60 €.

Nun rechnen wir wieder ‚rückwärts‘: 454,60 € – 200,00 € Krankenversicherung (Mittel m/w) – 30,00 € KTG (Höhe: 750,00 €/Monat) – 21,00 € Erwerbsunfähigkeitsversicherung (Höhe: 750,00 €/Monat) – 15,00 € Pflegeversicherung (Höhe: 1.500,00 €/Monat) – 10,00 € Unfallversicherung – 50,00 € Risiko-Puffer = 128,60 €. Diese Summe als monatlichen Betrag mit 3%iger Verzinsung über 45 Jahre angelegt, ergibt einen Kapitalstock in Höhe von 145.410 €, der wiederum für die Auszahlung einer Monatsrente von 412,20 € (jährlich steigend um 2%) über 35 Jahre dienen könnte – dies ist mit einiger Sicherheit in etwa so viel wie ihm die staatliche Rentenversicherung zukünftig überweisen wird und nach heutigem Maßstab bis zur Höhe der „Grundsicherung im Alter“ aus Steuermitteln aufgestockt werden müsste.

Das Entlarvende daran ist, dass wir uns bei dieser Verdiensthöhe bereits auf Hartz4-Niveau bewegen: Ein ALGII-Empfänger hat seit dem 01.01.2012 einen gesetzlich verbrieften Anspruch auf den Erhalt von 374,00 € (Regelsatz). Zusätzlich werden vom Staat (bzw. Kommune) die Kosten für eine angemessene Wohnung sowie deren Heizung übernommen (diese setzen wir einmal pauschal mit 250,00 € an, da regional unterschiedlich hohe Kosten anfallen und diese somit nur geschätzt werden können). Rechnen wir nun noch Leistungen hinzu, die der Staat ausschließlich diesem Personenkreis gewährt – hier sei nur einmal als Beispiel die GEZ-Befreiung in Höhe von 18,00 € genannt – ergibt sich ein Transferleistung von 642,00 € pro Monat. Die Summe entspricht in etwa der Nettolohn-Höhe des 800€-Brutto-Verdieners, der seine Sozialversicherungsbeiträge selbst (zzgl. des AG-Anteiles) entrichten muss, während für den ALGII-Empfänger zusätzlich zu der erhaltenen Transfersumme Beiträge in Höhe von 115,00 € für die Krankenversicherung und 15,00 € für die Pflegeversicherung aus dem „Steuersäckel“ in die Sozialkassen gezahlt wird.

Es kann also mit Fug und Recht davon ausgegangen werden, dass das Sozialversicherungssystem nur einer kleinen Minderheit der Versicherten – und zwar den Geringstverdienern mit Familie – nützt und durchaus durch eine privatrechtliche Absicherung verlustfrei ersetzt werden könnte (solange man dieser Gruppe bspw. Beitragszuschüsse zahlen würde). Die einzige Ausnahme bildet die Versicherung der finanziellen Folgen der Geburt eines behinderten Kindes während der Schwangerschaft – hier kann leider kein Vergleich erfolgen, da es in diesem Bereich noch keine Angebote von Privat-versicherungen gibt. Da dieses Risiko jedoch überschaubar und zudem zeitlich begrenzt ist, dürfte sich eine zu zahlende Prämie im überschaubaren Rahmen bewegen.

Kommen wir schlussendlich zur prophylaktischen Behandlung von ‚beliebten‘ Einwänden:

Immer wieder gern wird von etatistischer Seite versucht, privaten Versicherungsunternehmen zu unterstellen, sie würde sogenannte „schlechte Risiken“ nicht decken – solange kein gesetzlich vorgeschriebener „Annahmezwang“ existieren würde – und in der Tat, ein solcher wäre mit voluntaristischen Prinzipien nicht vereinbar. Nach dieser Logik wäre also eine soziale Absicherung aller Mitglieder einer freiheitlichen Ordnung auf privatrechtlicher Ebene nicht möglich und aus diesem Grund benötige man den Staat.

Aus diesem ‚Dilemma‘ können mehrere Auswege führen:
(a) Es ist durchaus denkbar, dass Versicherungsunternehmen auf freiwilliger Basis eine Annahme-Garantie abgeben. Diese könnte dadurch finanziert werden, dass man den potentiellen Versicherungsnehmern neben den ‚Normaltarifen‘ sogenannte ‚PL-Tarife‘ (PL=Pool-Lösung) anbietet, die einen prozentualen Aufschlag (z.B. 5%) enthalten. Diese ‚Extraprämie‘ wird von den Versicherungsunternehmen in ein zentrales Kapital-Sammelbecken abgeführt, aus dem sich wiederum Gesellschaften nach bestimmten Kriterien Beträge als Ausgleich zur Annahme ’schlechter Risiken‘ entnehmen dürfen. Warum sollte aber ein potentieller Versicherungsnehmer einen ‚PL-Tarif‘ wählen, wenn er den gleichen Schutz doch preiswerter haben kann? Nun, weil er einen Wert (hier: freiwillige Einsicht in die Notwendigkeit des Versicherungs-Zugangs für alle, die er für wünschens- und erstrebenswert hält) einem anderen Wert (Beitragsersparnis) vorzieht.

(b) Es kann auch sein, dass nach dem Vorbild der heutigen „Bad Banks“ diese ’schlechten Risiken‘ in eine Extra-Versicherungsgesellschaft ausgegliedert werden. Diese wirbt dann zur Finanzierung der Leistungen für ihre Versicherten Spenden ein.

Ein ebenso beliebter Vorwurf, der zur Verteidigung der ‚umlagefinanzierten‘ Rente gegen die ‚kapitalgedeckte‘ Rente in die Debatte geworfen wird, ist die angeblich höhere Sicherheit der ersteren. Dazu sei folgendes bemerkt:

(a) Das ‚Argument‘, dass aufgrund der demografischen Entwicklung die deutsche Volkswirtschaft nicht in der Lage ist, Kapitalmassen einer größer werdenden Rentnergeneration aufzunehmen, da es immer weniger im Arbeitsprozess Stehende gibt, zieht nicht. Diejenigen, die so argumentieren, sehen nicht ‚über den Tellerrand‘ hinaus: es gibt weltweit aufstrebende Volkswirtschaften, in denen junge Menschen den Löwenanteil an der Bevölkerung stellen und die dringend Kapital benötigen. Als Beispiel sei hier Vietnam genannt: in diesem Land ist die Hälfte der Bevölkerung jünger als 15 Jahre.

(b) Das Ausmaß der immer wieder auftretenden Finanzkrisen, in deren Folge Kapitalvermögen im großen Stil vernichtet werden, hat im Wesentlichen eine Hauptursache: das ungedeckte Papiergeldsystem mit der ihm inhärenten, quasi unbegrenzten Möglichkeit der ‚Geldschöpfung aus dem Nichts‘. Eine voluntaristische Ordnung kennt ein solches Geldsystem nicht – hier existiert ein entnationalisiertes, sachwertgesichertes, freies Marktgeld.

(c) Bei der Kapitalanlage sollte die Diversifikation an oberster Stelle stehen; so ist die hier avisierte Verzinsung in Höhe von 3% p.a. realistisch zu bewerten – zumal Ludwig von Mises nachgewiesen hat, dass die Zentralbanken eines staatsmonopolistischen Währungssystem die Neigung besitzen, den ’natürlichen Zins‘ herabzudrücken (nachzulesen in: „Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel“). Somit ist bei einem Marktgeldsystem mit tendenziell höheren Zinsen zu rechnen.

  1. Fazit:

Es kann also als bewiesen angesehen werden, dass eine soziale Absicherung der Mitglieder einer freiheitlichen Ordnung nicht nur möglich, sondern im Vergleich zu der eines Wohlfahrtsstaates sogar überlegen ist. Diese ist eine Chimäre, die eine alternativlose Absicherung vorgaukelt und so die Macht von Politikern festigt. Ihre Wirkung beschränkt sich allein darin, einen ‚Wasserkopf‘ von Unproduktiven auf Kosten der Produktiven zu versorgen.Wir können nicht wissen, welche diesbezüglichen zusätzlichen Einrichtungen eine voluntaristische Gesellschaft hervorbringen wird – was wir aber nun wissen, ist die Tatsache, dass schon mit den Produkten der heutigen Versicherungswirtschaft dasselbe Ziel bei einem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis der Mittel erreicht werden kann und wir mit dieser Erkenntnis jedem Etatisten Paroli bieten können.

 

 

 

41 Responses to Die Existenzsicherung in einer freien Gesellschaft – Teil 1

  1. Thomw sagt:

    Du hast dir ja viel Mühe gemacht um deine Argumente gegen einen Staat zu stärken, aber wenn man mal über den großen Teich schaut, wo Privatversicherungen eine weitaus wichtigere Rolle zur Abicherungs spielen als hier, dann sieht es nicht so rosig aus. In den USA müssen jedes Jahr über 700.000 Menschen aufgrund einer Erkrankung Privatinsolvenz anmelden (Quelle : http://edition.cnn.com/2009/HEALTH/06/05/bankruptcy.medical.bills/). Private Versicherer sind eben auf Profit ausgerichtete Unternehmen, d.h. sobald sich etwas nicht mehr lohnt, entsteht eine Versorgungslücke. Und was noch viel schlimmer als eine Lücke ist, oftmals lohnt es sich für Versicherer rechtmäßige Ansprüche anzufechten, weil die Zeit dann das Problem „löst“. Sprich, man ist versichert, aber im Ernstfall stellt sich die Versicherung erstmal quer.

    Wenn man also mal die Realität betrachtet dann zeigt sich, dass private Versicherungen höchstens eine Ergänzung seien können.

    • isomorph sagt:

      Als Ergänzung zu was? Dem Staat? Nicht unbedingt.
      wie wäre es mit z.B. freiwilligen Genossenschaften, die freiwillige Versicherungen anbieten? Die also nicht profiorientiert sind, sondern alle Mehreinahmen zum Wohle ihrer Mitglieder reinvestieren werden.
      Etwas anderes macht bei Versicherungen eigentlich auch kaum Sinn.

      Welche überall wohl dort entstehen würden, wo der Markt Lücken nicht schließen kann, weil eine Schliessung dieser Lücken nicht profitabel erscheint, um diese Lücken trotzdem zu schließen.

      Ich denke, auch wenn ich es natürlich nicht 100%ig wissen kann, in einigen Bereichen wie z.B. grade bei einigen Versicherungen, würden sich solche sozialistischen und planwirtschaftlichen Organisationen sogar gegen profitorientierte Organisationen auf dem Markt durchsetzen. Auch ohne das man jemand zum mitmachen zwingen müsste.

    • Hermann Messmer sagt:

      Der Blick über den Teich ist nicht sehr erhellend. Es bleibt in dem Artikel völlig unklar was die Versicherung leistet und was eben nicht. Die private Krankenversicherung dort wird möglicherweise nicht die Verdienstausfälle ausgleichen.
      Dafür gibt es aber andere Vorsorgearten.

      Ich selbst bin privat versichert.

      Mich schützt kein Staat gegen Arbeitslosigkeit, Krankheit, Verdienstausfall… Deshalb habe ich eine private Krankenversicherung, eine Berufsunfähigkeitsversicherung, eine Unfallversicherung, eine private Rentenversicherung, Haftpflichtversicherung….
      So ähnlich wie im Artikel beschrieben.
      Zu meiner Realität gehört auch eine Sparsamkeit ganz besonders in jungen Jahren um so wenig wie möglich Kredite fürs Leben zu benötigen. Zu meiner Realität gehört auch der Plan B, wenn morgen etwas schief läuft.
      Private Versicherungen sind für mich wie für viele Selbständige keine Ergänzung sondern neben dem Ersparten und der Vorsorge für die Zukunft mein Schutz. Das ist Realität.
      Die privaten Versicherungen sind profitorientiert. Das ist ok, wer was leistet soll davon auch profitieren! Schön das es viele private Versicherungsgesellschaften gibt, so hält sich der Profit auch in Grenzen. Und bei Versicherungen mit einem zweifelhaften Ruf würde mich auch die geringere Prämie nicht locken. Auch das gehört zur privaten Vorsorge!
      Soviel zur Realität hier bei uns.

    • FwF- infokriegerBerlin sagt:

      hier mal ein exemplarisches beispiel, wie der staat die probleme löst:
      http://www.youtube.com/watch?v=6nEb2IflUdk&feature=plcp

  2. […] Die Existenzsicherung in einer freien Gesellschaft – Teil 1 […]

  3. Antinationale Kommunistin sagt:

    Ihr steht ja so auf Logik, also mal ein logischer Gedankengang, ausgehend von eine unbestrittenen Prämisse. Der Gedankengang behandelt erstmal nur die Ökonomie, und blendet den Staat quasi aus.
    Der Staat garantiert kraft seines Gewaltmonopols das Eigentum, also das ausschließende Verfügungsrecht über Sachen.
    Deswegen brauche ich, um an all die Dinge zu kommen, die nicht mir gehören, Geld. Denn Geld ist das allgemein anerkannte Äquivalent.
    Wenn ich nichts habe außer mich selbst, kann ich nur meine Arbeitskraft verkaufen, um an Geld, also das nötige Mittel um Essen etc. zu erlangen, zu kommen.
    Ich suche also jemanden, der ein Interesse an meiner Arbeitskraft hat, und dafür zahlen kann.
    Wenn ich hingegen genug Geld habe, kann ich fremder Leute Arbeitskraft und Rohstoffe kaufen, um das entstehende Produkt gewinnbringend zu verkaufen.
    Aus diesen beiden Perspektiven auf die Lohnarbeit ergibt sich ein Interessengegensatz. Die einen wollen möglichst viel Geld für ihre Arbeitskraft, um schön zu leben. Die Anderen wollen möglichst wenig Geld zahlen für die fremde Arbeitskraft, weil es ein Abzug von ihrem Gewinn ist.(Inwiefern das manchmal auch nicht gilt, sprengt den Rahmen).Ende der Ableitung. Etwas knapp hier ausführlicher.
    Aufgrund dieses Interessengegensatzes geht aktuell das Proletariat der dritten Welt vor die Hunde, und damals das deutsche bei Bismarck.
    Ihr habt Recht, wenn ihr ihn zitiert. Er wollte das deutsche Proletariat befrieden, aber es gab auch jede Menge Kapitalisten, die darum gebettelt haben, dass er endlich Arbeitsschutz und Sozialstaat erzwinge. Weil der Interessengegensatz bei leichter Ersetzbarkeit eben schnell zur physischen und/odder psychischen Zerstörung des Arbeiters führt, schrien die Kapitalisten nach dem Staat, dass er sie doch bitte beschränke. Sie selbst konnten sich die beschränkung nicht auferlegen, weil sie sich damit einen Konkurrennachteil eingehandelt hätten. Es ging nur als Maßnahme gegen alle. Die Ware Arbeitskraft musste für alle teurer werden.

    Außerdem würde ein privates Versicherungssystem bei jedem Lohnarbeiter die Kalkulation aufkommen lassen: Hm Restaurant oder Krankenversicherung? Und auch das ist nicht im Interesse der Erhaltung der nationalen Arbeitskraft. Diese ist aber Bedingung für den nationalen Reichtum, und der ist nunmal Inhalt des Staatsinteresses. Moral ist dem Staat egal.
    Ihr habt Recht

    • Ralf Karnowsky sagt:

      „Aus diesen beiden Perspektiven auf die Lohnarbeit ergibt sich ein Interessengegensatz. Die einen wollen möglichst viel Geld für ihre Arbeitskraft, um schön zu leben. Die Anderen wollen möglichst wenig Geld zahlen für die fremde Arbeitskraft, weil es ein Abzug von ihrem Gewinn ist.“

      Auf einem freien Markt spielt das individuelle ‚Wollen‘ des Arbeiters und des Unternehmers keine Rolle – das einzige, was zählt, ist das ‚Wollen‘ des Verbrauchers. Indem sich der Konsument die alles entscheidende Frage stellt: „Will ich dieses mir angebotene Gut kaufen?“ und an deren Beantwortung seine Handlung ausrichtet, fällt er das Urteil sowohl über die Höhe des Gewinns des Unternehmers als auch über die Lohnhöhe des Arbeiters; ja – er trifft sogar die Wahl darüber hinaus über die weitere Existenz des Anbieters und der mit diesem verbundenen Arbeitsplätze.
      Selbstverständlich ist der einzelne Arbeiter bestrebt, einen möglichst hohen Lohn zu erzielen. Gleichzeitig besteht aber sein Interesse darin, dass die Arbeiter anderer Branchen einen möglichst niedrigen Lohn erhalten – schließlich ist er nicht nur Arbeiter, sondern auch gleichzeitig Verbraucher, „der sich ein schönes Leben machen will“ (d.h. bei einer Verfügung über eine [maximierte] Geldmenge möglichst viele Güter zu erwerben) – was logischerweise nur funktioniert, wenn diese Güter zu niedrigen Preisen angeboten werden. Die Voraussetzung dafür sind wiederum ein niedrige Löhne, die ja Bestandteile der entsprechenden Güterpreise sind.
      Auch der Unternehmer ist bestrebt, den Nutzen der Leistung des Arbeiters (Hinweis: nicht dessen Arbeitskraft!) möglichst günstig einzukaufen, da deren Preis sich unmittelbar auf den Güterpreis des herzustellenden Produktes auswirkt. Andererseits hat er Interesse daran, dass Arbeiter außerhalb seines Unternehmens möglichst hohe Löhne erzielen, damit diese die von ihm und seinen Arbeiter hergestellten Güter erwerben können.
      Es ist also der Wettbewerb, der die Lohnhöhe des einzelnen Arbeiters bestimmt – so wie sich die einzelnen Arbeiter diesbezüglich unterbieten, um den erstrebten Arbeitsplatz zu besetzen, treibt der Wettbewerb unter den Unternehmer um die Arbeiter die Lohnhöhe wieder hinauf – bis sich ein Marktpreis einpegelt, der einem Gleichgewichtszustand zustrebt (aber diesen letztlich nie erreicht; aber das ist ein anderes Thema).

      Fazit: Bei diesem Sachverhalt einfach von einem antagonistischen Interessenkonflikt zwischen einem Arbeiter und einem Unternehmer auszugehen, wird deren Komplexität nicht gerecht und ist ‚zu kurz gesprungen‘.

    • Ralf Karnowsky sagt:

      „Er wollte das deutsche Proletariat befrieden, aber es gab auch jede Menge Kapitalisten, die darum gebettelt haben, dass er endlich Arbeitsschutz und Sozialstaat erzwinge.“

      Das ist durchaus richtig erkannt. Der Motiv dieser Forderungen ist in der Befriedigung ihrer Sonderinteressen zu verorten: den Wettbewerb zu drosseln (wenn es schon nicht möglich war, ihn ganz zu verhindern) – ein Unternehmer springt eben in jede Jauchegrube, wenn er Profite ohne Risiko erzielen kann.
      Der Wettbewerb der Unternehmer um die Arbeiter erfolgt bei Fehlen einer einheitlichen, zentralisierten Absicherung der letzteren nämlich nicht nur im Bereich der Lohnverhandlungen selbst, sondern darüber hinaus im Bereich der ‚Nebenleistungen‘ wie Absicherung im Krankheitsfall und Invalidität, Verdienstausfallentschädigungen, Urlaub etc. bis hin zur Verfügungstellung betriebseigener Kindergartenplätze. Durch den Ruf einer zentralisierten, staatlichen Regelung dieser ‚Nebenleistungen‘ wurde (letzten Endes erfolgreich) versucht, den Wettbewerb in diesem Bereich zu verhindern.

      Ich möchte an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen, einen weit verbreiteten Irrglauben zu revidieren. Dass der klassische Liberalismus den freien, unbehinderten Kapitalismus mit seinem Sondereigentum an Produktionsmitteln für die einzig mögliche, natürliche Ordnung hält, die Frieden und Wohlstand für alle bieten kann, bedeutet nicht gleichzeitig, dass er die Sonderinteressen der Besitzenden vertritt.

      „Die Vorstellung, als könnten die Besitzenden, wenn nur der Kapitalismus erhalten bleibt, ewig im Besitze verbleiben, entstammt einer Verkennung des Wesens der kapitalistischen Wirtschaft, in der das Eigentum stets auf dem Wege vom weniger tüchtigen zum tüchtigeren Geschäftsmann ist. In der kapitalistischen Gesellschaft kann Vermögen nur erhalten werden, wenn man es durch geschickte Anlage immer wieder von neuem erwirbt. Die sich schon im Besitze befinden, die Reichen, haben keinen besonderen Grund, die Aufrechthaltung des Zustandes der uneingeschränkten Konkurrenz aller zu wünschen; sie haben – besonders wenn sie nicht die ersten Erwerber des Reichtums, sondern Erben sind – vom Wettbewerb mehr zu fürchten als zu hoffen. Sie sind am Interventionismus besonders interessiert, der immer im Sinne einer Erhaltung der unter den Besitzenden gerade bestehenden Verteilung der Güter wirkt, aber nicht am Liberalismus, in dessen System es keinen Platz gibt für Rücksichtnahme auf (las Hergebrachte und auf seinen Träger, den alten Reichtum.“ (Ludwig v. Mises „Der Liberalismus“ S. 162)

      Der klassische Liberalismus wie der Voluntarismus verfolgt als Ziel eine Ordnung ohne Gewährung von Privilegien – ganz egal, von welcher Klasse oder Schicht Sonderinteressen angemeldet werden.

  4. Antinationale Kommunistin sagt:

    Hier ein interessanter Artikel dazu, warum sich bürgerliche Staaten zu Sozialstaatlichkeit bemüßigt sehen: Der bürgerliche Staat §5

    PS: Habe auch euren Text zur Wahrheit gelesen, schön dass es zu Zeiten allgemeinen Meinungspluralismuses noch Leute gibt, die es wichtig finden ein Argument zu machen. Die meisten wollen ja nur selbstdarstellerisch ihre Meinung referrieren und sind auf einen Austausch zwecks Wahrheitsfindung gar nicht mehr interessiert.

  5. isomorph sagt:

    Hallo,

    „Restaurant oder Krankenversicherung?“

    Ich schätze mal, die uns verbindende oder trennende Frage wird sein, ob sie diese Entscheidung dem Menschen überlassen wollen oder ihm aufzwingen? Ja oder Nein?

    Ansonsten fehlt mir in ihren Ausführungen die Möglichkeit einfach die Seiten zu wechseln, in dem von ihnen beschriebenen Interessenkonflikt, um diesen am sinnvollsten beizulegen. Der angeblich auch noch das Proleteriat der 3. Welt vor die Hunde gehen lässt, was ja eigentlich auch Quatsch ist, es sei denn sie zählen die Diktatoren der 3. Welt aller coleur zum Proletariat?

    Nun gut, was ist mit der Möglichkeit, von dem Geld, was durch den Verkauf seiner Arbeitskraft verdient wurde, nun die Seiten zu wechseln und davon selbst Arbeitskraft zu kaufen?

    Sie reden beispielsweise von Bismarck und Arbeitern, ohne offensichtlich dem zeithistorischen Hintergrund zu kennen, dass es nur 10 Jahre nach der Erfindung des Autos 1896, in Deutschland über 1000 private Automobilhersteller gab, von denen die meisten mit Geld gegründet wurden, dass die Gründer vorher durch den Verkauf ihrer Arbeitskraft verdient haben.

    Bis zum heutigem Tage, wird seit Bismarck dieser Werdegang jedoch kontinuierlich immer mehr erschwert, bis niemand mehr eine Möglichkeit hat, einfach die Seiten zu wechseln, um eben jenem Interessenkonflikt zu entkommen, durch Steuern, Verordnungen, Gesetze usw. weshalb wir heute auch keine 1000 Automobilhersteller haben. Und zwar nur dadurch.

    Also, Ja oder Nein?

    nich böse gemeint und viele liebe Grüße
    iso

  6. Antinationale Kommunistin sagt:

    @isomorph
    Ja oder Nein? Weder noch. Ich habe erklärt, warum ein bürgerlicher Staat ein Interesse an seiner Sozialstaatlichkeit hat. Ich bin gegen Verhältnisse in denen Sozialstaatlichkeit nötig ist, also weder noch.
    Einfach die Seiten wechseln? Wenn jemand gerade so viel verdient, seine monatlichen Konsumgüter zu finanzieren, dann bleibt da nicht viel, um eine Kapitalakkumulation anzustoßen. Die american dream Phrase „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ ist ideologischer Mumpitz.
    Der individuelle Seitenwechsel, der ja durchaus mal geschieht, setzt doch gerade vorraus, dass er nicht die Regel ist. Vorraussetzung dafür dass ich mit Kapital Arbeitskraft einkaufen kann, ist doch, dass es genug Leute gibt, die nix haben als ihre Arbeitskraft und auf so einen Tausch angewiesen sind.
    Übrigens ein Prolet ist a)frei von Produktionsmitteln b)juristisch frei (seine Arbeitskraft zu verkaufen, also kein Sklave/Leibeigener)…ich weiss nicht wie sie auf die Diktatoren kommen, die gehen doch gar nicht vor die Hunde? Aber die knapp Hunterttausend Hungertoten täglich, die schon. Und die sind auch Proletarier.

    @Ralf Karnowsky
    Ich habe nicht von individuellen Schrullen gesprochen, sondern die objektiven Gründe für Entscheidungen klar gemacht, indem ich auf die ökonmische Objektivität, den Klassengegensatz eingegangen bin. Da ist die Subjektivität relativ wurscht, weil sie diese Sachverhalte gegen die Subjekte objektiv gelten machen. Ob die nun individuell wollen oder nicht.Bsp- Ob ich Geld „like“, ist egal, dank staatlicher Gewalt brauche ich es.
    Außerdem die Höhe des Lohnes wird immer noch zwischen Arbeitern und Kapitalisten im Tarifstreit erkämpft. Der Verbraucher hat da nix zu melden, weil außer ein paar Lehrern und anderen wohlhabenden Gutmenschen, niemand sein spärliches Budget auch noch mit einem schlechten Gewissen belasten kann. Eben weil der Klassengegensatz den Lohn unten hält, hat auch das Gro der Verbraucher nicht die ökonomische Macht irgendwas per Kauf zu entscheiden.
    Weitere Argumente gegen die Konsumkritik

    • Ralf Karnowsky sagt:

      „hat auch das Gro der Verbraucher nicht die ökonomische Macht irgendwas per Kauf zu entscheiden.“

      Sie haben nicht den Hauch einer Ahnung davon, wie ein freier Markt funktioniert.

      „Klassengegensatz“

      Wenn Sie den Inhalt des ersten Teiles meiner Antwort auf Ihren Kommentar gelesen, verstanden und begriffen hätten, müsste Ihnen klar werden, dass es so etwas wie einen „Klassengegensatz“ zwischen Arbeitern und Unternehmern genauso wenig gibt wie einen „Klassenstandpunkt“ oder ein „Klassenbewusstsein“. Wenn sie unbedingt an diesem Terminus festhalten möchten: der „Klassengegensatz“ existiert höchstens zwischen Herstellern von Gütern und den Konsumenten.
      Entscheidungen werden immer von Individuen nach deren subjektiven Kriterien getroffen und Handlungen durch das „Vorziehen und Hintenanstellen von Werten“, die individuell gereiht sind, vollzogen.

    • isomorph sagt:

      Hallo, weder noch heisst genau was? Jain? Das ist doch Mumpitz und nicht Menschen, die es schaffen, sich hoch zu arbeiten, aAn solchen Menschen, wie Hermann, orientiere ich mich.

      Es gibt noch eine weitere Möglichkeit, um ihrem Interessenkonflikt zu entkommen, und zwar gleichzeitig Verkäufer und Käufer von Arbeit zu sein. Z.B. daheim einen ebayshop zu betreiben und nebenbei halt trotzdem noch ackern. Oder in seiner Freizeit in seiner Garage Autos zu bauen, während man tagsüber Versicherungen verkauft. Sowas wäre dann aber wohl verrat am Klassenkampf?

      Und wie ich auf Diktatoren komme? In dem ich sie verantwortlich mache für die hunderttausend Hungertoten in ihrem Land! Sie himmeln diese Diktatoren wahrscheinlich noch an, insofern diese nur irgendwie kommunistisch sind?

      g

  7. Anthraxit sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich bin doch erstaunt, das der im Text zur Wahrheit formulierte Anspruch und die hier offenbarte Diskussionskultur doch eine gewisse Divergenz aufweisen.

    Ich bin zwar kein Marxologe, doch so viel weiß ich schon von der marxschen Theorie, um feststellen zu können, dass sie Herr Karnowsky ihr doch gänzlich fremd sind. Sie werfen der „antinationalen Kommunistin“ vor, sie habe ihren Post nicht verstanden? Bei der Frechheit mit der sie das vortragen, bei der Arroganz mit der sie der Frau entgegentreten, ist es doch von einer gewissen Ironie, dass sie die Dame nicht verstanden haben. Ich will sie einmal zitieren Herr Karnowsky:

    „Auch der Unternehmer ist bestrebt, den Nutzen der Leistung des Arbeiters (Hinweis: nicht dessen Arbeitskraft!) möglichst günstig einzukaufen, da deren Preis sich unmittelbar auf den Güterpreis des herzustellenden Produktes auswirkt. Andererseits hat er Interesse daran, dass Arbeiter außerhalb seines Unternehmens möglichst hohe Löhne erzielen, damit diese die von ihm und seinen Arbeiter hergestellten Güter erwerben können.
    Es ist also der Wettbewerb, der die Lohnhöhe des einzelnen Arbeiters bestimmt – so wie sich die einzelnen Arbeiter diesbezüglich unterbieten, um den erstrebten Arbeitsplatz zu besetzen, treibt der Wettbewerb unter den Unternehmer um die Arbeiter die Lohnhöhe wieder hinauf – bis sich ein Marktpreis einpegelt, der einem Gleichgewichtszustand zustrebt (aber diesen letztlich nie erreicht; aber das ist ein anderes Thema).“

    Sie leugnen also gar nicht den kategorialen Gegensatz von Arbeit und Kapital. Die gegensätzlichen Interessen bzl. der Lohnhöhe sind ihnen durchaus bekannt. Stattdessen warten sie mit der Ideologie der knappen Güter auf. Sagen sie mal, glauben sie wirklich, dass Arbeitskraft (ja Arbeitskraft) ein knappes Gute sei? Kennen sie keine Arbeitslosigkeitsstatistiken? Das Kapital kauft so viel Arbeitskraft ein, wie es rentabel nutzen kann. Gleichzeitig hat es einen steten Rationalisierungsdrang, um zum Zwecke der Konkurrenzfähigkeit Lohnkosten zu sparen. Das heißt durch den technologischen Fortschritt wird ständig neue Arbeitskraft freigesetzt. Das einzige was dieser Tendenz entgegensteht, ist wenn die Akkumulation des Kapitals noch mehr Arbeitsplätze schafft, als sie durch Rationalisierung auslöscht.
    Deswegen gibt es meistens ein Überangebot an Arbeitskraft, weshalb ihr sogenannter „Gleichgewichtszustand“ ein Unsinn erster Güte ist. Zwischen ungleichen Kräften gibt es kein Gleichgewicht, zwischen unversöhnlichen Interessen keinen Kompromiss; sondern immer nur einen Vertrag als Ausdruck des aktuellen Kräfteverhältnisses.
    Vielleicht sollten sie einfach mal Marx lesen, bevor sie über ihn urteilen. Denn wenn sie seinen Beitrag zu Kritik der politiscen Ökonomie „gelesen, verstanden und begriffen hätten“, dann wüssten sie dass es einen Klassengegensatz gibt.

    @isomorph
    Weder noch? Das heisst weder das eine, noch das andere?!? Gibt es Allah oder den heiligen Geist? Weder noch! „Weder noch“ ist die korrekte Antwort auf eine falsch gestellte Alternative. Also bitte. Sein sie meinetwegen polemisch, aber stellen sie sich doch nicht blöd.

    Wenn man gleichzeitig Verkäufer und Käufer von Arbeitskraft ist, dann geht man dem kategorialen Widerspruch von Arbeit und Kapital nicht aus dem Weg, sondern man vereint ihn in der eigenen Person. Bspw. Leute, die einen Ebayshop haben, organisieren ihre eigene Ausbeutung. Vgl. dazu Michael Heinrich, Einführung in die Kritik der polit. Ökonmie, Kapitel zum Klassenbegriff

    Diktatoren sind schuld am Hunger? Ist das ihr ernst? Der Grund das in Afrika gehungert wird, ist dass der materielle Reichtum kapitalistischer Gesellschaften Warenform hat. Das heißt alles hat einen Preis. Das heißt man kriegt nur zu Fressen, wenn man zahlen kann. In Afrika kann aber kaum einer zahlen. Und das ist nicht die Schuld von den dortigen Politikern, das ist wirklich dummer Moralismus und keine Wissenschaft.
    DENN die Summe die afrikanische Politiker in den letzten ca. 40 Jahren veruntreut, gestohlen haben beträgt ungefähr 140 Mrd. US$(Quelle Hamburger Abendblatt, „Korruption kostet Afrika Milliarden“ oder so ähnlich). Das macht durch 40 und nochmal durch 53 (Anzahl afrikanischer Staaten) 67 Millionen US$. Das ist ein feuchter Fliegenschiss im Vgl dazu, was ein Weltkonzern sich JÄHRLICH seine Konkurrenzfähigkeit kosten lässt. (Vgl. British Petroleum 20 Mrd. US$ alleine 2009) Hierzu lohnt es sich mal bei Hermann Lueers Buch Warum verhungern tgl. 100.000 Menschen? reinzuschauen.

    Außerdem: Wie kommen sie darauf, dass meine Vorrednerin Diktatoren gut fände? Packen sie mal ihr antikommunistisches Ressentiment wieder ein und lesen sie was da steht!
    Un fucking fassbar.

    • isomorph sagt:

      Hallo Anthraxit, Verstärkung für die antinationale Kommunistin, finde ich gut. Ich möchte versuchen frei zu antworten und dabei nicht nur zu widersprechen, sondern auch versuchen Gemeinsamkeiten zu entdecken.

      Ich hege zum Beispiel keinerlei Ressentiments gegen Kommunismus, sondern nur gegen Zwang. Darauf bezog sich auch die Frage an AK, möchte sie Menschen zu etwas zwingen, oder nicht? Was bedeutet, weder noch? Nur etwas Zwang, hier und da? Wie wäre es mit einem Bekenntnis Zwang minimieren zu wollen? Und die Frage, Ja oder Nein, gebe ich auch gerne an sie weiter. Und ich habe auch nicht behauptet AK mag Diktatoren, sondern nur gefragt, ob sie Kommunisten mag, wenn diese auch diktatoren sind.

      „Leute, die einen Ebayshop haben, organisieren ihre eigene Ausbeutung.“
      Hört sich im ersten Moment unlogisch an. Wie genau?

      „Und das ist nicht die Schuld von den dortigen Politikern, das ist wirklich dummer Moralismus und keine Wissenschaft.“

      Stimmt, das ist Politik und hat nichts mit Wissenschaft oder Moralismus zu tun. Schön dass wir uns einig sind über den Sinn von Politik und Politikern. Klar ist auch, dass diese Politiker von Ländern, in denen Menschen zu hunderttausenden verhungern, offensichtlich bestechlich sind. Also in Folge ihrer Studie, hat es ja ca. 140 Mrd. gekostet diese Politiker zu bestechen, von zumeist westlichen Großkonzernen, welche für ihre Verhältnisse nur einen Fliegenschiss dafür hinblättern mussten. So weit so einig, richtig?

      Der Punkt ist, dass aber nun nicht diese Großkonzerne die Menschen in solchen Ländern zu irgendwas direkt zwingt, sondern dieser Zwang von den örtlichen Politikern durchgesetzt wird. Genau wie mich hier zu lande kein Großkonzern zu irgend etwas zwingt, sondern … genau: die Politik.

      Kein privates Bankenkartell zwingt mich ihr Geld zu benutzen oder sonst irgend wozu, nein, es ist der Staat, der ein gesetzliches Zahlungsmittel vorschreibt, und mich entweder zur Teilnahme am Markt zwingt, z.B durch Steuern, oder vom Markt ausschliesst, z.B. durch Verordnungen und Gesetze usw.

      Also, wie sinnvoll erachten sie Politik, oder besser gesagt Zwang?
      Und nein, auch ich möchte von keinem Konzern zu irgend was gezwungen werden.

      lg

    • Hermann Messmer sagt:

      Hallo Anthraxit,
      brauchbare Arbeitskräfte sind ein knappes Gut.
      Die offizielle Arbeitslosigkeit liegt hier bei ca. 20%. Die tatsächliche liegt nach meiner Schätzung eher bei 30-40%.
      Zirka alle zwei Wochen steht ein Arbeitsloser in der Tür und möchte einen Stempel haben, dass er sich beworben hat, dass er sich um Arbeit bemüht hat. Diese Mitmenschen fragen zuallererst danach, dass sie diesen Stempel fürs Arbeitsamt brauchen. Manchmal erlauben wir uns zu fragen, was dieser Mitmensch gelernt hat. Die häufigste Antwort ist, dass er doch nur den Stempel braucht.
      Ich bin kein Intellektueller. Ich kenne sicher nicht soviele Literaturstellen zur Ökonomie wie Sie. Ich verdiene mir nur in dieser Ökönomie meine Brötchen.
      Zu Karl Marx „Das Kapital“ bin ich allerdings schon gekommen.
      Verstanden habe ich was in dessen Kopf vorgeht, mit meiner Wirklichkeit hat das aber nichts zu tun.
      Ich bin ohne Kapital ins Studium gegangen. Geerbt und gewonnen habe ich nichts.
      Deshalb bin ich dann 14 Jahre meines Lebens von Unternehmern ausgebeutet und geknechtet worden. Ich war mit Kollegen, Helfern, Schlossern und Elektrikern auf Montage. Den Mehrwert hat sich der Arbeitgeber doch glatt in die eigene Taschen gesteckt. (Nach Abzug von Steuern….)
      Heute bin ich seit 11 Jahren Unternehmer und beute meine Mitarbeiter aus.
      Das mit dem Klassengegensatz verstehe ich trotzdem nicht. Ich habe das zwar schon gelesen aber im Leben verstehe ich es nicht.

      Ihr könnt das noch mit so vielen Büchern begründen, ich halte es für eine faule Ausrede bei den Einen und bei den anderen für das Werkzeug um die Menschen zu spalten. Daraus entsteht dann die Kampfsprache die Feindschaft schafft und die Menschen vom Zusammenarbeiten abhält.

      Marx und Engels haben vorausgesagt, dass die Arbeiter gerade so viel bekommen, dass sie im Elend bleiben und es deshalb zur Revolution kommt. Es kam nicht so.
      Hier wäre in der Physik der Punkt an dem man schlicht und einfach die Theorie in den Papierkorb wirft. Es wird aber nicht gemacht weil einige sich um die Arbeit drücken wollen und andere die Menschen spalten und beherrschen wollen.

      Ich möchte frei bleiben und noch mehr frei werden. Ich brauche diese Klassen nicht.
      Zu welcher gehöre ich denn eigentlich dazu?
      Darf ich die den wechseln?
      Warum ist der Wechselwille so gering?
      Ist mir Marx den böse, weil ich mich nicht an seine Theorie halte?
      Ich kenne eure Antworten.
      Ich beute mich selbst aus. Ich habe Glück gehabt. Ich bin die Ausnahme der Regel usw.
      Ich denke dass kann man sich wirklich sparen, ich gehe jetzt ins Bett.

      Gute Nacht
      Hermann

      • freedomforce sagt:

        Ihr könnt das noch mit so vielen Büchern begründen, ich halte es für eine faule Ausrede bei den Einen und bei den anderen für das Werkzeug um die Menschen zu spalten. Daraus entsteht dann die Kampfsprache die Feindschaft schafft und die Menschen vom Zusammenarbeiten abhält.

        Es gibt eine Wechselwirkung aus destruktiver staatlicher Einmischung und vorhandenen Arbeitsplätzen, bei gleichzeitiger Subventionierung von Arbeitslosigkeit.

        Ausgehend davon, dass du es nicht nur mit Asis und Totalversagern zu tun hast, wie würdest du den in die Staatsfalle gelaufenden, helfen wollen, vorausgesetzt, Morgen hättet ihr Voluntaristen alle überzeugt, Leviathan zum Teufel zu jagen? Was wäre dein Metadon für die Ex-Junkies?

        • Hermann sagt:

          @freedomforce

          Ich mach mich dann mal als Drogenberater:
          Es geht darum den Ex-Junkies zu helfen.

          Nun, Du hast den berühmten Knopf von Murray Rothbart gedrückt. Ab morgen ist der Staat weg. Damit ist das gesetzliche Zahlungsmittel nur noch seinen Materialwert wert. Das Teilreservesystem der Banken geplatzt. Die Renten weg. Die Geldersparnisse weg. Das ist der absolute Hardcore-Weg. Wenn man nur seiner Angst im Bauch zuhört.
          Du hast aber auch was sehr Schönes geschrieben: „Morgen hättet ihr Voluntaristen alle überzeugt.“
          Das ist der Schlüssel zur Lösung. Ich als Voluntarist erzähle nichts von paradiesischen Zuständen. Der Schlüssel der Lösung ist die Verantwortung für das eigene Leben in die eigene Hand zu nehmen. Dabei steht es jedem frei sich einer kleinen oder großen Gemeinschaft Gleichgesinnter anzuschliessen. Wir werden wieder zusammenarbeiten und nach Lösungen suchen. Wir werden niemanden zu etwas zwingen. Wenn sich eine Gemeinschaft mit einem Euro-Geldsystem wohlfühlt, bitteschön, gar kein Problem. Ich muß ja dann nicht mitmachen. Wenn sich einer mit einer starken Security zu seinem Schutz erst richtig wohlfühlt, bitteschön, gar kein Problem. Er muß sich eben überlegen, wie er das aus eigener Arbeit oder genialen friedlichen Ideen ohne anstrengende Arbeit finanziert.
          Ansonsten sehe ich mich um, wie wir uns in unserer Familie helfen. Als der Cousine nun mal wirklich vor Jahren keine Lehrstelle gefunden hat, hab ich zum Telefonhörer gegriffen und um Hilfe geben, bei jemanden dem ich in der Vergangenheit auch geholfen habe. Als das Auto meiner Schwester plötzlich nicht mehr zu gebrauchen war, habe ich Ihr das Geld geliehen und einen Teil zum Geburtstag geschenkt.
          Die von Dir genannten „Assis und Totalversager“ haben es natürlich schwer. Um eines kommen sie nicht rum. Sie müssen sich einen Kopf machen, wie Ihr überleben aussehen soll. Wenn am Ende der Überlegung eine Vorstellung von Diebstahl und Plünderung rauskommt werde ich das Bekämpfen so gut ich kann. Wenn am Ende der Überlegung eine Vorstellung von Zusammenarbeit, und wenn auch nur mit sehr geringen Fähigkeiten, rauskommt, gibt es keine Probleme. Und wenn dann auch nur die Straße gefegt wird, oder die Äpfel vom Baum gepflückt werden. Ich werde helfen wo ich kann. Das ist dann auch meine Versicherung und Rente wenn ich mich mal nur noch mit geringen Fähigkeiten einbringen kann und keine entsprechende Versicherung haben sollte, weil was schief gelaufen ist. Und mein Beitrag zu einer friedvollen Umgebung. Diese Art von Rente funktioniert ohne Geld. Meine Eltern, meine Geschwister, meine Familie, wir werden uns gegenseitig helfen. Wir werden auch unseren Nachbarn helfen. Und die Anbieter von Sicherheit und Versicherungsleistungen für größere Probleme werden günstige Preise haben. Es würde sich ein soziales Gefüge bilden, so dass der Begriff sozial auch wieder zu was zu gebrauchen ist. Natürlich ist mir klar, dass die Welt nicht wie zu den besten schöngefärbten Großmutterzeiten aussehen würde. Der zunehmende Wohlstand verändert die Menschen. Familien die gut und über Generationen zusammenhalten werden Neid und Hass fördern. Hier ist freiwilliges abgeben ein guter Weg um Neid und Hass entgegenzuwirken.
          Hier muß jeder bei sich selbst mit der Friedfertigkeit anfangen, auch die von Dir genannten Assis und Junckies.
          Als Drogenberater deshalb meine Empfehlung, das Metadon nach dem Du gefragt hast:
          Die Lösung liegt in den friedvollen Händen jedes Einzelnen, mitgetragen von der Familie, von den Freunden, den Nachbarn und der regionalen Gemeinschaft.

          Liebe Grüße
          Hermann

    • Ralf Karnowsky sagt:

      @Anthraxit, zu den ihren Kommentaren gegenüber meiner Person erspare ich mir den Kommentar, kommen wir also gleich zu den von Ihnen vorgebrachten Argumenten:

      (1) „dass sie die Dame nicht verstanden haben.“
      Wer die Rolle des Konsumenten in einer Marktwirtschaft derart geringschätzt und den „Klassengegensatz“ zwischen Proletariat und Unternehmertum als primären Widerspruch in einer kapitalistischen Gesellschaft so herausstellt wie AK, hat – und das wiederhole ich an dieser Stelle – das marktwirtschaftliche Prinzip nicht verstanden.
      Nach diesem ist der Ver- und Gebraucher der hergestellten Güter der „Dienstherr“ (Mises) des Unternehmers (und in der Folge auch des Arbeiters). Er schreibt:“Die Interessen der Unternehmer können nie von denen der Konsumenten divergieren; der Unternehmer schneidet um so besser ab, je besser er es verstand, die Wünsche der Verbraucher vorauszusehen.“ („Liberalismus“, S.144)

      „Stattdessen warten sie mit der Ideologie der knappen Güter auf.“
      Ich verstehe nicht, was Sie damit sagen wollen. „Güter“ sind per definitionem knapp. Wäre dies es nicht (also überall und jederzeit im Überfluss vorhanden), wären sie kein Gegenstand wirtschaftlichen Handelns und somit keine Güter.

      „Kennen sie keine Arbeitslosigkeitsstatistiken?“
      Selbstverständlich kenne ich diese – nur verfehlen Sie damit das Thema meines Artikels, der da lautet „… in einer freien Gesellschaft“. Warum die Arbeitslosigkeit in einer solchen Ordnung wesentlich niedriger sein wird und welche Existenzsicherungen gegen dieses Risiko existieren könnten, habe ich ausführlich in Teil II dargelegt. Somit ist die Arbeitskraft, die ich als Unternehmer einkaufen muss, sehr wohl ein knappes Gut (was in manchen Regionen Deutschlands heute schon ist!).

      „weshalb ihr sogenannter “Gleichgewichtszustand ein Unsinn erster Güte ist”
      Ich habe nie behauptet, dass eine solcher Gleichgewichtszustand realisiert wird – was, nebenbei gesagt – auch den Theorien der Österreichischen Schule der Ökonomie widersprechen würde.
      Ich zitiere mich selbst: „… bis sich ein Marktpreis einpegelt, der einem Gleichgewichtszustand zustrebt (aber diesen letztlich nie erreicht)“
      Das ist etwas völlig anderes als „ein Gleichgewichtszustand erreichen“.

      „Vielleicht sollten sie einfach mal Marx lesen, bevor sie über ihn urteilen.“
      Da machen Sie sich mal keine Sorgen. Wer mich kennt, der weiß, dass ich Marx besser kenne als so mancher Linker, der mit Marx’scher Terminologie herumschwadroniert.

  8. Beppo sagt:

    Um nochmal auf die arbeitsteilige Gesellschaft zu kommen:
    Ich habe hier 2,5ha Land mit Obstbäumen, Garten, autarker Wasserversorgung,
    effektiver Holzfeuerung etc.
    Unter einer freien Gesellschaft verstehe ich eine Gesellschaft der ABSOLUTEN SELBSTVERANTWORTUNG, in der jeder seine GRUNDBEDÜRFNISSE selbst zu decken in der Lage ist. D.h. die Bodenordnung müsste jedem Menschen natürlicherweise soviel Land zugestehen, damit er seine Grundbedürfnisse selbst decken kann und keiner einen Machtanspruch über ihn erheben kann.
    Ich brauche hier z.B. den ganzen Sommer lang keine Schuhe, muss nicht ständig etwas neues und „modisches“ haben und investiere nur in nachhaltige Güter
    (Bäume, Sträucher, langlebiges Handwerkszeug, wiederverwertbare Naturbaustoffe….sofern nicht selbst herstellbar) ich will nicht den Eindruck erwecken als sei ich schon 100%
    autark aber durchaus auf dem Weg dorthin. Diese Lebensweise muss natürlich
    ebenso FREIWILLIG sein wie alle anderen auch aber manche sollten sich auch Gedanken über ihre ANSPRÜCHE und ABHÄNGIGKEITEN machen, bevor sie über FREIHEIT nachdenken. Auch ein Leben in der Stadt wäre durch andere Technologien und Know How von vielen Abhängigkeiten zu entkoppeln, die nur Arbeit und Ressourcen und letztlich uns selbst (Gesundheit, Selbstbestimmung….)
    fressen. Auch viele Freidenker können hier noch nicht umdenken.
    Ich jedenfalls fühle mich, seit ich auf diesem Weg bin, gesünder, meine Wahrnehmung funktioniert schneller und besser und ich fühle eine zunehmende Verbindung zu einer natürlichen, ursprünglichen Wirklichkeit, die mir niemand mehr nehmen kann!

    • FwF-sandman sagt:

      „Unter einer freien Gesellschaft verstehe ich eine Gesellschaft der ABSOLUTEN SELBSTVERANTWORTUNG, in der jeder seine GRUNDBEDÜRFNISSE selbst zu decken in der Lage ist.“

      Die Annahme ist falsch. Auch in einer freien Gesellschaft wird es Menschen geben, die nicht in der Lage sein werden für sich selbst zu sorgen. Sie werden auf Hilfe angewiesen sein.

      „D.h. die Bodenordnung müsste jedem Menschen natürlicherweise soviel Land zugestehen, damit er seine Grundbedürfnisse selbst decken kann und keiner einen Machtanspruch über ihn erheben kann.“

      Wie kommst Du darauf? Diese Schlussfolgerung lässt sich mit der dem Nicht-Aggressions-Prinzip nicht vereinbaren. Sie ist auch widersprüchlich zum Recht auf Selbstbestimmung.

      Es wäre von Vorteil, Du würdest uns den Begriff „Machtanspruch“ exakt erläutern. Was ist Macht und was hat es mit einem Anspruch auf sich?

      „Diese Lebensweise muss natürlich ebenso FREIWILLIG sein wie alle anderen auch aber manche sollten sich auch Gedanken über ihre ANSPRÜCHE und ABHÄNGIGKEITEN machen, bevor sie über FREIHEIT nachdenken.“

      Wenn Du einerseits von „müssen“ und „Ansprüchen“ schreibst, und andererseits die Freiwilligkeit als übergeordnetes Kriterium darstellst, ergeben sich ebenfalls Widersprüche.

  9. Politische_Ponerologie sagt:

    Zitat:
    Mit einer solchen Klausel – zzgl. einiger anderer (die bspw. die Lebensführung der Frau während der Schwangerschaft betreffen / Grund: Reduzierung des ‘moral hazard’) – wäre jedoch ein solches Vertragsangebot nicht nur denkbar, sondern sogar wahrscheinlich. Eine derartige Versicherung würde also finanzielle Risiken aus einer Behinderung eines Kindes decken, die (a) bei der Untersuchung während der Schwangerschaft nicht diagnostizierbar waren und (b) bei dem Geburtsvorgang verursacht wurden, ohne dass dem medizinischen Personal (Arzt bzw. Hebamme) ein Fehler nachgewiesen konnte (in diesen Fällen wäre deren Berufshaftpflicht-Versicherung zuständig).
    Zitat-Ende

    Finde den Artikel an sich gut, wollte aber gerade zu diesem Zitat noch was anmerken:

    Einmal zeigen immer mehr Studien, dass diese ganzen Vorsorgeuntersuchungen (Ultraschall und Co) selbst ERHEBLICHE Risiken (Fehlgeburt, Frühgeburt, Missbildungen usw) bergen und es in den allermeisten Fällen ein vielfach geringeres Risiko dargestellt hätte gar nichts zu kontrollieren bzw. zu überprüfen. Kann dazu gerne mal einige gute Quellen nachliefern, wenn Interesse besteht. Mit dieser oben vorgeschlagenen Regelung würde dieses kranke System immer noch mehr und mehr aufgebläht werden. Richtige Begleitung einer Schwangerschaft sieht anders aus: Psychische Belastungen müssen erkannt und minimiert, die Ernährung bzw. Nährstoffzufuhr optimiert werden. Ein amerik. Wissenschaftlicher konnte in einer Studie z.B. feststellen, dass sich das Risiko einer Schwangerschaftsvergiftung (Gestose) praktisch fast auf Null senken lässt, wenn die Frauen ihre Ernährung langfristig umgestellt haben. Dieses Wissen findet leider keine Verbreitung, denn damit lässt sich nicht so gut Geld verdienen.

    Und andererseits stecken wir gerade was Punkt b, betriff in einem ziemlichen Dilemma: Denn Ärzte machen heute unzählige hirnrissige Eingriffe während der Geburt, die selbst nachweislich ein erhebliches Risiko bzw. sogar ein erheblich höheres Risiko für das Kind darstellen. Die Wahrheit ist: In vielen Fällen wäre es besser gewesen NICHT an der Geburt herumzumanipulieren – von den Geburtshelfern wird aber gerade das Gegenteil verlangt. Sie machen lieber unnötige Eingriffe, als abzuwarten, weil sie nur bei letzterem wirklich Ärger befürchten müssen.

    Ganz zu schweigen davon, dass ein Kaiserschnitt größere Einnahmen bietet, als eine normale, dh. komplikationsfreie Geburt und Geburtshelfer kaum noch eine Ahnung davon haben, was eine natürliche Geburt überhaupt ist bzw. wie diese unterstützt werden kann. Faktisch gesehen gibt es nur noch einen verschwindend geringen Anteil an Geburten die völlig ohne Wehenmittel, Dammschnitt, Zange, Saugglocke, PDA, Kaiserschnitt und Co auskommen. Dabei wäre es eher umgekehrt: Nur ein verschwindend geringer Prozentsatz hätte Eingriffe jedweder Art überhaupt nötig!

    An der Ignaz Semmelweis Frauenklinik in Wien (SFKW) zeigte sich die alternative Einstellungen bzgl. Geburten klar in ihren Statistiken: Bei fast 23.000 Geburten zwischen 1976-1985 gab es eine Kaiserschnittrate von kaum mehr mehr als einem Prozent (1,03%)! Bei insgesamt 42.500 Geburten lag die Kaiserschnittrate bei 1,3% und die vaginalen Entbindungsoperationen bei lediglich 3,1%!

    In Wien war im Durchschnitt die Rate der ZangenOPs mindestens dreimal so hoch, die der Kaiserschnittrate 10-mal so hoch! Heute haben wir in modernen Krankenhäusern eine Kaiserschnittrate zwischen 30-60%. Das sollte jedem zu Denken geben. Mehr dazu im Buch „Gebären ohne Aberglaube“ von A. Rockenschaub.

    • michael sagt:

      ich bin mir sicher, daß in einer voluntaristischen gesellschaft viele schwachpunkte des jetzigen krankheitssystems nicht mehr da wären.

  10. Politische_Ponerologie sagt:

    Zitat:
    In einer freiheitlichen Gesellschaft sollte es für jede schwangere Frau zur Normalität werden, sich freiwillig entsprechenden Untersuchungen zu unterziehen – denn die Information über eine eventuelle Behinderung ihres Kindes ist für sie von existentieller Bedeutung. Dabei obliegt es ihr (evtl. zusammen mit dem Kindsvater), sich für oder gegen das Austragen eines behinderten Kindes zu entscheiden;

    Auch zu diesem Teil möchte ich noch ein paar Punkte anmerken:

    – z.B. gibt es unzähliche falsch-positive Diagnosen, bei denen sich nach der Geburt herausgestellt hat, dass das Kind keinerlei Behinderungen aufweist. Es ist ein Tabuthema: Aber es werden auch haufenweise gesunde Babys abgetrieben.

    – ebenso gibt es immer wieder Fälle von Babys die die „Abtreibung“ überleben und zum Sterben beiseite gelegt werden, jedoch durch das beherzte Eingreifen von irgendwelchen Schwestern oder Ärzten heute noch leben. Was passiert mit solchen Kindern in einer voluntaristischen Gesellschaft? Habt ihr da evtl. irgendwelche Ideen?

    die letzten zwei Punkte sind eher grundsätzlicher Natur:

    – Wer sich schonmal mit dem traurigen Thema Abtreibung näher befasst hat bzw. die von den Medien verschwiegene Seite kennt, kommt zwangsläufig zu dem Schluss, das Abtreibungen für diese Babys in vielen Fällen eine RIESEN Qual darstellen. Bei „richtigen“ Menschen legt man Wert darauf, dass diese in Würde und so sanft wie möglich sterben dürfen, gilt das für Ungeborene nicht? Zumal das Argument Föten im Mutterleib würden keine Schmerzen, keine Angst u dergleichen empfinden den derzeitigen Fakten eindeutig widerspricht. Wir lebten auch mal in einer Zeit da hat man normal geborenen Babys das Schmerzempfinden abgesprochen. Später hat man dies von Frühchen behauptet (ist erschreckenderweise noch nicht lange her), mittlerweile sind wir glücklicherweise eines besseren belehrt worden. Beim Thema Abtreibung hat sich da leider noch nicht viel geändert. Wann wird dies wohl geschehen?

    – Und darf es sein, dass in einer freiheitlichen Gesellschaft ungeborene Babys kein Recht auf körperliche Unversehrheit haben? Nur weil sie in dem Bauch einer Frau heranwachsen, darf doch nicht zwangsläufig ein Recht zum Töten abgeleitet werden? Da ist irgendwie der Wurm drin – passt für mich nicht ganz zusammen…

    • FwF-sandman sagt:

      Ich stimme Dir zu. Es wird immer Fehldiagnosen geben. Dennoch ist eine Gesellschaft, die auf Selbstverantwortung und Vertragsfreiheit beruht, deutlich besser in Lage, auch mit solchen Problemen umzugehen.

    • Ralf Karnowsky sagt:

      Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihre Ausführungen. – Sie ’stecken‘ in dieser Problematik sichtlich tiefer als ich, der auf diesem Gebiet lediglich ein Laie ist. Natürlich sollten die Fragen und Konstellationen, die Sie hier aufwerfen, in einer freiheitlichen Ordnung gründlich überdacht und erörtert werden.

      „Und darf es sein, dass in einer freiheitlichen Gesellschaft ungeborene Babys kein Recht auf körperliche Unversehrtheit haben? Nur weil sie in dem Bauch einer Frau heranwachsen, darf doch nicht zwangsläufig ein Recht zum Töten abgeleitet werden? “

      Das ist ebenfalls ein sehr interessanter Aspekt, zu dem es im libertären Lager die unterschiedlichsten Meinungen gibt: diese reichen von absoluten Abtreibungsverbot bis zur Möglichkeit der Kindstötung bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Baby den Bauch der Mutter verlässt (Stichwort: Selbsteigentum am Körper)
      Persönlich vertrete ich die Auffassung, dass eine Abtreibung gestattet sein sollte, solange der Fötus kein eigenes Bewusstsein ausgebildet hat ( ich bin – wie bereits gesagt – kein Mediziner; aber ich denke, dass dies der derzeitigen Regelung in Deutschland (bis zur 12. Woche) entspricht. Ich lasse mich aber in dieser Hinsicht eines Besseren belehren, wenn mir jemand seine Auffassung überzeugend darlegen kann.

      • Politische_Ponerolgogie sagt:

        @Ralf Karnowsky:

        Ich bin eher der Meinung das auch eine Abtreibung bis zur zwölften Woche eine willkürlich gezogene Grenze ist. Wer kann denn feststellen bzw. bestimmen, dass ein Baby bis zur zwölften Woche kein Bewusstsein hat, danach aber schon? Macht diese magische Zahl an Wochen das Leben schützenswerter oder wertvoller als das, was davor da war?

        Aber bevor ich weiterschreibe, bitte schau dir ersteinmal diese Bilder an, die die Entwicklung des Embryos bis zur zwölften Woche zeigen, damit du weißt wovon du sprichst: http://www.pro-leben.de/abtr/entwicklung3.php

        Bis zur achten Woche – dh. zehnte SSW – sind bereits alle Organe angelegt. Das Baby macht schon Atembewegungen und kann schlucken wenn es Fruchtwasser trinkt.

        Kennst du den Film „Der stumme Schrei“?

        Zitat:
        Dieser Film aus dem Jahre 1982 ist ein Klassiker – der echten Aufklärung. Er zeigt eine Ultra-Schallaufnahme von einer Abtreibung. Der entsetzte Zuschauer begreift, dass hierbei nicht irgendein „Gewebe abgesaugt“ wird, sondern dass ein Mensch auf grausame Art und Weise getötet wird. Die Aufnahme zeigt, wie sich der Embryo wehrt und vergeblich versucht den tödlichen Instrumenten des Abtreibungsarztes auszuweichen. Der junge Arzt, der vor laufender Kamera den Schwangerschaftsabbruch durchführte, war nach Betrachtung der Aufnahmen so schockiert, dass er sein blutiges Handwerk aufgab. Und auch für den Arzt Bernhard Nathanson, der die Filmdokumentation in Auftrag gab und als Moderator durch den Film führt, waren die Aufnahmen ein dramatischer Wendepunkt: Als einer der führenden Abtreibungsärzte der USA (über 40.000 persönlich durchgeführte Schwangerschaftsabbrüche) legte er die tödlichen Instrumente beiseite und engagiert sich seitdem für den Schutz des Lebens.

        Wer es selbst sehen möchte hier der Film: http://www.youtube.com/watch?v=-hdSblIKGRo

        • Politische_Ponerolgogie sagt:

          Zitat: Wer es selbst sehen möchte hier der Film: http://www.youtube.com/watch?v=-hdSblIKGRo

          Kannst man sich wirklich sicher sein, das dieses kleine Würmchen keine Schmerzen empfindet? Warum versucht es dem Abtreibungsinstrument, was es in Stücke reißen soll, auszuweichen? Warum beschleunigt sich der Herzschlag? Ich sehe da keinen leblosen Zellhaufen, der sich nicht drum kümmert, was da mit ihm geschieht, ich sehe einfach ein Baby das ein grausames Ende findet.

          Tut mir leid, wenn ich das so crass rüberbringe – ich möchte damit niemanden angreifen. Das ist einfach das, was ich davon halte.

        • Ralf Karnowsky sagt:

          Politische_Ponerolgogie

          „eine willkürlich gezogene Grenze“
          Zustimmung. Wie ich bereits andeutete, bin ich auf diesem Gebiet kein Experte und ich lasse mich gern auf eine andere „Grenzziehung“ festlegen (d.h. ich beharre nicht unbedingt auf der 12.Woche).

          Aber ich bitte, das Selbsteigentum der Mutter an ihrem Körper nicht aus den Augen zu verlieren, indem man die Rechte des ungeborenen Kindes verteidigt und das Selbsteigentum ‚unter den Tisch fallen lässt‘. Ich hätte z.B. arge moralische Bedenken, eine Mutter zu zwingen, ein Kind auszutragen, dass das Resultat einer Vergewaltigung ist.
          Einen sehr Interessanten Artikel zum Thema „Abtreibung“ verfasste Stefan Blankertz:

          http://www.freiheitsfabrik.de/venceremos-rothbarderos-5/

          Was mich den Punkt des Versagen der Abtreibung wählen lässt, an dem ein Bewusstsein – genauer gesagt: des eigenen Seins bewusst – entstanden ist, ist der Umstand, dass ich (und das ist wieder eine ganz persönliche Auffassung) einen Menschen, der bspw. rein hypothetisch ohne Gehirn geboren wäre, nicht als Menschen sehen würde, da ein ‚Menschsein‘ für mich an eine Persönlichkeit gebunden ist, für die wiederum die Existenz eines Gehirns Voraussetzung ist.

          • Politische_Ponerologie sagt:

            Hallo Ralf Karnowsky, 🙂

            das mit der Vergewaltigung ist sicherlich ein heikles Thema, aber dennoch: Was um alles in der Welt kann das Baby im Bauch für diese Situation?

            Ich denke einfach, auch ein von der Mutter abhängiges Bauch-Baby hat ein Recht zu Leben, egal wie dieses nun gezeugt wurde. Wenn die Frau das Kind aufgrund dieser traumatischen Erfahrung nicht annehmen kann, dann gibt es immer noch haufenweise Eltern, die sich sehnlichst ein Kind wünschen würden, aber nicht können. Es ist für mich einfach absurd, den Tod eines Menschen zu fordern, nur weil dieser mit einem traumatischen Ereignis in Zusammenhang steht.

            Zu der Sache mit dem Gehirn möchte ich gerne etwas ausführlicher antworten.

            An sich finde ich es erstmal einfach mehr als spekulativ ein Bewusstsein am Gehirn festzunageln – wir wissen noch viel zu wenig von unserer Umwelt und deren Bewohnern, als das wir uns da abschließende Urteile erlauben sollten. Zumal es bereits viele Hinweise gibt, die in eine komplett andere Richtung weisen. Ich möchte nur mal zwei Beispiele dazu herauspicken:

            – Quallen haben ein Nervensystem und Sinnesorgane aber kein Gehirn. Sind sie deswegen Automaten ohne Bewusstsein? Immerhin können sie Beute jagen, auf Feinde reagieren, Geschlechtspartner erkennen uvam. Seewespen (Würfelquallen) können ihre Opfer sogar sehen, obwohl niemand weiß, wohin die Bilder geliefert werden, da auch diese Qualle kein Gehirn besitzt. Jetzt komme ich von Quallen nochmal zum Baby: Schon zu beginn der vierten Woche nach der Befruchtung schließt sich das Neuralrohr (Anlage des Nervensystems). Am Ende der vierten Woche enstehen die ersten Hirnzellen. Vom 33. Tag an wird eine unterschiedliche Entwicklung des Rückenmark und Gehirn festgestellt. Ich verweise in dem Zusammenhang auch nochmal auf das in meinem (vor)letzten Beitrag genannte Video. Das gezeigte Baby zeigt vor der Tötung/Abtreibung durch seine Reaktionen viel eher, dass es sich seiner Selbst schon bewusst ist, und nicht, als ob dies nicht der Fall wäre.

            – Es gibt auch interessante Fälle von lebenden Menschen, die nachdenklich machen können. 1935 kam im New Yorker St. Vincent´s Hospital ein Baby zur Welt, dass sich 27 Tage in keinster Weise von den anderen Neugeborenen unterschied. Bis es starb und sich bei der Obduktion herausstellte, dass es kein Gehirn hatte. Ein anderer Fall, der im Developmental Medicine and Child Neurology – Magazin geschildert wurde, erzählt von zwei Kindern, die ohne Großhirnrinde auf die Welt kamen. Bis zu ihrem Tode durchliefen sie dennoch eine normale Entwicklung. Den letzten Fall zitiere ich kurz.

            Zitat:
            Eher aus Neugierde schickten die Amtsärzte der englischen Sheffield University ihren Patienten zur Schädeluntersuchung. Der Kopf des Studenten, den seine Kommilitonen als Super-Mathematiker bewunderten, schien ein wenig zu groß geraten.

            Als die Mediziner wenige Tage später die Computer-Röntgenbilder ansahen, waren sie entsetzt: Der junge Mann — Intelligenzquotient 126 — besaß so gut wie kein Gehirn.

            Verwirrt zogen die Ärzte den Spezialisten der Universität, Professor John Lorber, zu Rate. „Der Patient“, diagnostizierte der Neurologe, „hat einen Wasserkopf“ (Hydrozephalus) — eine Krankheit, bei der sich im Schädelinneren Nervenwasser ansammelt und so allmählich das Gehirn förmlich erdrückt.

            Rund 600 solcher Fälle hatte Lorber während der letzten Jahre untersucht; das Ergebnis, jüngst im US-Wissenschaftsmagazin „Science“ veröffentlicht, erstaunte die Fachleute: Trotz teilweise erheblich verkleinerten Gehirnvolumens waren viele seiner Patienten vollkommen gesund, andere wiederum litten an vergleichsweise geringen Störungen.
            ZitatEnde

            Hier der ganze Artikel: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14319714.html

  11. Robert sagt:

    Ungünstigerweise beginnt der Artikel mit einer außerst problematischen, um nicht zu sagen völlig inakzeptablen Prämisse, nämlich zum einen der Einstufung „behinderten“ (ab wann ist eigentlich jemand behindert?) Lebens als lebensunwert und zum zweiten der Verweigerung der natürlichen Rechte des Menschen (und der Tiere!), nur weil die Geburt noch nicht stattgefunden hat. Worin unterscheidet sich denn bitte das Baby 5 Minuten vor der Geburt zum Baby 5 Minuten nach der Geburt? Durchs Atmen, was noch? Wer maßt sich denn an den Zeitpunkt zu bennen, ab dem das Leben „beginnt“? Zum Thema Abtreibung selbst haben hier andere schon wichtige Einwürfe gemacht.
    So kann das mit der Freiheit nichts werden, denn Freiheit darf nur sein wo anderen kein Schaden zugefügt wird.

    • Ralf Karnowsky sagt:

      @Robert: Ich weiß nicht, was Sie gelesen haben – aber in dem Artikel steht nichts die Einstufung eines Lebens als „lebensunwert“.

      (1) Es liegt in der Entscheidung der Frau, ob sie eine solche Versicherung abschließen möchte oder nicht. Wenn sie einen solchen Vertrag eingeht, tut sie es freiwillig.
      (2)Hat sie einen solchen Versicherungsschutz, kann sie das behinderte Kind zur Welt bringen, ohne die Gemeinschaft finanziell zu belasten – die Mehraufwendung zahlt dann die Versicherung.
      (3) Besitzt sie keinen derartigen Schutz, kann sie sich sowohl für die Abtreibung als auch für das Austragen und die Geburt entscheiden. Nur muss sie (und der Kindsvater) im letzteren Fall die Mehrbelastungen selber tragen und kann nicht von der Gemeinschaft verlangen, für diese aufzukommen.

      Zur Abtreibung: bitte lesen Sie meinen Kommentar über dem Ihren – dort habe ich meine persönliche Auffassung niedergeschrieben.

      • Robert sagt:

        Sie schreiben:
        „Dabei obliegt es ihr (evtl. zusammen mit dem Kindsvater), sich für oder gegen das Austragen eines behinderten Kindes zu entscheiden“
        Falls das auch für nicht behinderte Kinder in gleichem Umfang gilt wäre das (rein logisch betrachtet, nicht moralisch) in Ordnung, andernfalls (und so hatte ich das beim durchlesen interpretiert) handelt es sich um einen Bewertungsunterschied (=unwert).

        Weiterhin:
        „dass in einer freiheitlichen Gesellschaft eine solche ein Vertragsangebot offerieren würde, ohne den Versicherungsnehmer zur Risikominimierung zu verpflichten, d.h. eine Untersuchung während der Schwangerschaft zu fordern.“
        Die Untersuchung wäre praktisch also Pflicht. Eine Versicherung ohne Untersuchungspflicht wäre ja nach Ihrer eigenen Einschätzung gar nicht möglich.

        „Eine derartige Versicherung würde also finanzielle Risiken aus einer Behinderung eines Kindes decken, die (a) bei der Untersuchung während der Schwangerschaft nicht diagnostizierbar waren“
        Daraus folgt: Diagnostizierbare Behinderungen sind nicht versichert und nicht versicherbar. Eltern ohne entsprechende Finanzkraft sind also in der Praxis zur Abtreibung gezwungen, falls nicht anderweitig Möglichkeiten existieren.

        Aber warum eigentlich sollte niemand eine Versicherung ohne Untersuchungspflicht anbieten? Die Beiträge wären natürlich höher, aber das Risiko ist ja nicht wirklich hoch, es sollte also bezahlbar bleiben. Für den Anbieter einer Versicherung ist ja letzlich nur das Verhältnis von Beitrag zu Risiko wichtig.

        • Ralf Karnowsky sagt:

          „Falls das auch für nicht behinderte Kinder in gleichem Umfang gilt wäre das (rein logisch betrachtet, nicht moralisch) in Ordnung,“

          Sie haben recht – eventuell ist diese Passage von mir etwas missverständlich formuliert worden, was darin begründet liegt, dass dieser Abschnitt explizit das Thema ‚ungeborene Kinder mit Behinderungen‘ abhandelt.
          Selbstverständlich gilt das Procedere auch für ‚ungeborene Kinder ohne Behinderung‘.

          Grundsätzliches: an alle Diskussionsteilnehmer
          Ich möchte an dieser Stelle keine ausschließliche Diskussion um das Thema „Abtreibung“ führen; es geht in meinem Artikel um – allgemein ausgedrückt – ‚ Absicherungen gegen Schicksalsschläge‘, die jedem Mitglied einer freien Gesellschaft widerfahren und die finanzielle Konsequenzen für den Betreffenden nach sich ziehen könnten. Dazu gehört logischerweise die Betreuung eines behinderten Kindes.

          „Eine Versicherung ohne Untersuchungspflicht wäre ja nach Ihrer eigenen Einschätzung gar nicht möglich.“

          Das stimmt nicht ganz. Ich habe geschrieben: „es ist nicht davon auszugehen“, was in etwa bedeutet: „ich nehme es nicht an“ – es handelt sich also um eine Hypothese und nicht um eine Behauptung.
          Meine 20jährige Erfahrung als Versicherungsmakler lässt mich zu dieser Annahme kommen.

          „Daraus folgt: Diagnostizierbare Behinderungen sind nicht versichert und nicht versicherbar. Eltern ohne entsprechende Finanzkraft sind also in der Praxis zur Abtreibung gezwungen,“

          Nun ja, der Sachverhalt wäre etwas komplexer:
          (1) Ich nehme als gegeben an, dass in den Klauseln des Versicherungsvertrages der Begriff „Behinderung“ spezifiziert werden würde in
          (a) ‚leichte Behinderungen‘ (wie z.B. Knochenfehlstellungen oder Down-Syndrom)
          In diesen Fällen würde die Versicherung nicht von einer Leistung zurücktreten, sondern den operativen Eingriff bzw. eine Rente bezahlen
          (b) ’schwere Behinderung‘ (z.B. massive geistige Behinderung)
          Für diese Fälle würde die Versicherung in der Tat in ihrem Vertragswerk vorab eine Ausstiegsklausel vereinbaren und die Eltern müssten bei fehlender Finanzkraft notgedrungen einer Abtreibung zustimmen, falls sie keine anderweitige freiwillige(!) Unterstützung in Anspruch nehmen könnten. Allerdings ist es dabei denkbar, dass der Beitragszahler in diesem Fall eine Beitragsrückerstattung erhält, sodass er zumindest keinen finanziellen Schaden erleidet.
          Positiv ist jedoch anzumerken, dass der Versicherungsnehmer ursprünglich zwar eine andere Intention zum Abschluss eines solchen Vertrages hatte, aber durch die von der Versicherung eingeforderten Untersuchungen und darauf basierenden Diagnosen rechtzeitig die Informationen über eine eventuell vorhandene Behinderung (sowie dessen Grad) erhält, aufgrund derer er seine Entscheidung treffen kann.
          Bei Nichtabschluss und unterstellter Versäumnis dieser Untersuchungen ist die Gefahr wesentlich größer, zu einem Zeitpunkt, an dem es zu spät für eine Abtreibung ist, ’negativ überrascht‘ zu werden.

          „Aber warum eigentlich sollte niemand eine Versicherung ohne Untersuchungspflicht anbieten? Die Beiträge wären natürlich höher, aber das Risiko ist ja nicht wirklich hoch, es sollte also bezahlbar bleiben.“
          Gute Frage – ich hätte überhaupt nichts gegen ein solches Angebot. Vielleicht ist ein solches darstellbar, nur glaube ich aus den oben dargelegten Gründen nicht daran – wissen kann ich es allerdings nicht.

    • Ralf Karnowsky sagt:

      @Robert,
      ich hatte zwar geschrieben, dass „an dieser Stelle keine ausschließliche Diskussion um das Thema “Abtreibung führen“ will, aber ich bin soeben auf einen so tollen Artikel gestoßen, der diese Problematik wesentlich weiter erfasst, als man dies an dieser Stelle könnte – und der fast deckungsgleich meine Position dazu widerspiegelt:

      http://www.blu-news.org/2012/11/21/individuum-oder-gesellschaft/

      • Robert sagt:

        @Ralf Karnowsky
        Danke für den Artikel! Mich hat der an Sache die logische Seite (nachdem die kleine Stolperfalle, die allerdings mein Gehirn zum Denken angeregt hat :-), nunmehr beseitigt ist) interessiert. Also die Frage, wie lassen sich „Freiheit und Schade keinem“ an einem so schwierigen Thema anwenden. Ich denke nun, man muss das eine vom anderen trennen. Vielleicht kann man so sagen: Das eine ist die Freiheit, das andere die Moral, aber die Freiheit ist die Vorraussetzung für die Moral.

        • Ralf Karnowsky sagt:

          @Robert
          „Das eine ist die Freiheit, das andere die Moral, aber die Freiheit ist die Voraussetzung für die Moral.“

          Sehr schön formuliert – ich sehe dies ebenso 🙂

  12. Steffen sagt:

    Die staatlichen Systeme (Rente und Gesundheit) funktionieren meines erachtens nicht, weil nur die „Geringverdiener“ einzahlen müssen.
    Ab einem bestimmten Verdienst darf man sich privat versichern und müsste nur noch einen Festwert, also keinen Prozentwerd einzahlen (Beitragsbemessungsgrenze).
    Und dann zahlen auch nicht alle ein – Ärzte, beamte u.a. haben eigene Kassen für die Rente.
    Für mich kein Wunder, dass das nicht gut klappt.
    Ich bin kein Freund des Staates, wie er heute existiert, aber alles zu privatisieren finde ich auch nicht gut.

  13. heikophilo sagt:

    Vielen Dank für diesen Artikel, Herr Karnowski! Er macht sehr schön deutlich, wie verschwenderisch der Staat mit unserem Geld umgeht. Wenn ich mir vorstelle, wie billig und effizient das Krankenversicherungssystem in einer privatrechtlich organisierten Gesellschaft wäre, käme noch eine größere Ersparnis dabei heraus. Ich freue mich schon auf die Lektüre des zweiten Teils.

  14. Michael H. sagt:

    Endgegen den landläufigen Meinungen es gibt Arbeitgeber und Arbeitnehmer, bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass es nur drei verschiedene Gruppen gibt. Zum Einen die Arbeitslosen, die sich in Arbeitslose ohne Geld und Arbeitslose mit so viel Geld, dass sie nie wieder arbeiten brauchen unterteilen und der Gruppe der Menschen, die fleißig sind und die Werte für die beiden Gruppen und sich selbst erschaffen müssen. Die letzte Gruppe unterteilt sich noch einmal in zwei Gruppen. Die erste Gruppe verrichtet unnütze Arbeit und schafft weder Werte noch stiftet diese Arbeit Sinn, das sind diejenigen, die nur Papier schmutzig machen und dummes Zeug labern. Erstere sind z.B. Mitarbeiter der Finanzagentur und aller Verwaltungen, zweitere sind z.B. Politiker.
    Uns sollte doch etwas größeres möglich sein, als der Europäische Sozialstaat in der zurzeit existierenden Form, oder? Da es sich allerdings nicht einmal um einen Staat handelt sondern sich zu einer Wirtschaftsregierung entwickelt, werden auch bald die Sozialleistungen in Europa in der Art angepasst werden, dass wir Zustände wie in den USA bekommen werden.
    Derzeit wird nur der Reichtum von fleißig nach reich verschoben und diejenigen, die heute noch fleißig sind, werden früher oder später in die erste Gruppe, also zu diejenigen dazu stoßen, die ich hier als Arbeitslose ohne Geld genannt habe.
    Die Bundesrepublik Deutschland ist ja nicht einmal ein Staat, also kann es nicht sein, dass wir von einem Rechtsstaat sprechen oder gar von Demokratie. Unsere Regierung ist ja gerade dabei, die Souveränität des Volkes abzugeben, ohne dass das Volk weiß, dass es seit 1945 nie souverän war (Interview Schäuble), dass die BRD 1990 abgeschafft wurde und seit dem als NGO (Nicht-Regierungs-Organisation, Siegmar Gabriel) bei der UN gelistet ist und unter die Feindstaatenklausel fällt, weil kein Friedensvertrag mit den Alliierte existiert. Zu Wenige wissen, dass der Geltungsbereich von GG, ZPO, StPO abgeschafft wurde, das OwiG nur auf Schiffen und Flugzeugen, die mit der Nationalfahne der BRD gekennzeichet sind, gilt und das die AO (Abgabenordnung), auf die sich die Gesetze im EStG und im UStG beziehen nie in Kraft getreten ist. (§ 415 AO) Es gibt keine Verfassung und unsere Politiker suggerieren uns über Worte wie Verfassungsgericht, Verfassungsorgane, verfassungsmäßige Rechte usw. ein, dass das GG unsere Verfassung ist und sie im Namen des Volkes handeln. Es gibt keine Staatlichen Gerichte mehr aber Niemand darf seinem gesetzlichen Richter entzogen werden. (Art. 101 GG)
    Wir leben in spannenden Zeiten und 95% der Bevölkerung verstehen garnichts. Wir sollten alle zusammen dafür sorgen, dass jeder über diese Dinge informiert ist, bevor die nächsten Wahlen stattfinden. Was meint Ihr dazu?

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