In Diskussionen über menschliche Handlungen entsteht schnell ein pro und contra im Bezug darauf, wie schädlich etwas ist. Zumeist handelt es sich in solchen Diskussionen um das Rauchen oder um die Einnahme von Drogen. Was in diesen Diskursen leider unbeobachtet bleibt ist, dass dieser Diskurs lediglich um die utilitaristische Annahme der daraus resultierenden Konsequenz einer Handlung geführt wird. Hierbei argumentiert Person A pro und Person B contra diese menschlichen Handlung. Rauchen ist schädlich, sagt der eine, rauchen ist nicht so schädlich, sagt der andere. Drogen nehmen ist schädlich, sagt der eine, Drogen zu nehmen ist nicht so schädlich, sagt der andere.

Diese inhaltliche Auseinandersetzung ist aber eigentlich komplett irrelevant. Schädlich kann im Leben so vieles mehr sein als nur das Rauchen oder das Einnehmen von Drogen. Schädlich kann ebenso das Essen von zu viel Fleisch sein oder das Trinken von zu viel Alkohol. Es gibt wohl nur wenig im Leben, dass nicht schädlich sein kann, wenn man nicht aufpasst, wenn man es übertreibt, oder wenn man einfach das Pech hat, dass der Körper nicht so reagiert wie man glaubt, denn es gibt Dinge von denen man gar nicht weiß, dass man sie nicht verträgt. Schon heute wissen wir, dass der letzte stattgefundene Autounfall, der letzte stattgefundene Flugzeugabsturz nicht die letzten gewesen sein werden. Einfach deshalb, weil im Leben immer wieder Unfälle passieren, Fehler gemacht werden, falsch spekuliert wird. Es lässt sich keine absolute Sicherheit erlangen. Leben ist und bleibt Risiko.

Wenn man behauptet, diese Risiken müsse man reduzieren, so würde man inkonsequent handeln, wenn man sagt, Handlung A stellt ein Risiko dar, doch ich will, dass es verboten wird; und Handlung B stellt ebenso ein Risiko dar, aber ich möchte (noch) nicht, dass man es verbietet. Konsequenterweise muss man entweder die Position vertreten, dass ALLES auf eigenes Risiko erlaubt sein muss oder dass ALLES verboten werden muss. Der Standpunkt, sich weder für die eine, noch für die andere Position auszusprechen, führt zu einer inkonsequenten Haltung. Denn nach welchen Kriterien und Maßstäben verbiete ich Risiko A während ich Risiko B weiterhin erlaube? Diese Unterscheidung kann nur willkürlich erfolgen. Dies ist die Willkürlichkeit der Macht.

Seit Menger weiß man um die subjektive Wertlehre. Menschen bewerten subjektiv. Dies gilt nicht nur im Positiven sondern auch im Negativen. Es lässt sich keine objektive Hierarchie an Risiken erstellen, in denen das eine Risiko vor dem anderen Risiko steht. Man kann dies tun aufgrund der Wahrscheinlich empirisch belegter Daten, doch die Interpretation dieser Daten, selbst wenn sie eindeutig zu sein scheinen, basiert auf einer subjektiven Entscheidung darüber. Es lässt sich nun mal nicht für alle Menschen dieser Welt sprechen, somit lässt sich auch nicht für alle Menschen dieser Welt etwas absprechen. Menschen bewerten auch Risiken subjektiv. Selbst wenn politische Studien versuchen, im Einklang mit medizinischen Ergebnissen eine Art Objektivität zu gewährleisten, anhand derer sich Menschen orientieren können, so bleibt die Bewertung von Risiken dennoch subjektiv. Eine objektive Hierarchie, derart, dass sich ablesen lässt, welches Risiko für die Menschen größer ist, kann es nicht geben, wenn ich den Menschen zugestehe, selber bewerten zu dürfen, was sie als riskant empfinden. Die subjektive Wertlehre gilt somit auch für Risiken in der Welt. Und da beispielsweise Sicherheit ein menschliches Bedürfnis ist, aber die Möglichkeiten von Risiken in unserer organisch-lebendigen Welt nicht vorhersehbar und unendlich sind, die Ressourcen, ihnen zu begegnen jedoch nicht, muss es den Menschen selbst gestattet sein, für sich zu bewerten und zu entscheiden, wogegen sie ihre Ressourcen einsetzen, um sich zu schützen. Das heißt, ein Staat der sich anmaßt, objektiv die Gefahren und Risiken in der Welt zu definieren, sie hierarchisch zu ordnen und die Ressourcen der Menschen dafür einzusetzen ist kollektivistisch und totalitär. Es widerspricht der subjektiven Wertlehre und ist eine Anmaßung von Wissen, in dem vorgegeben wird, was als gefährlich einzustufen ist.

Letztlich haben derlei inhaltliche Diskurse für die Botschaft der Freiheit keine Relevanz, denn die Betonung liegt nicht darauf, ob etwas schädlich sein kann oder ob nicht, sondern ob mich ein anderer Mensch dazu zwingt oder ob ich es freiwillig mache und auch die Konsequenzen, das heißt, die Verantwortung dafür trage.

 

2 Responses to Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu erlangen, verliert beides

  1. Zef sagt:

    > die subjektive Wertlehre

    Das Leben zum Subjektivwerden benutzen

    Die Pointe liegt gerade in der Subjektivität
    und in der subjektiven Entwicklung der Subjektivität.

    Jede wesentliche Entscheidung liegt in der Subjektivität!

    “Die Aufgabe ist nicht, vom Individuum zum Geschlecht zu kommen, sondern vom Individuum aus durch das Geschlecht hindurch das Individuum zu erreichen”.

    “Hat die Subjektivität sich nicht selbst durch die Objektivität und aus ihr heraus gearbeitet, so wird alles Rufen nach einer anderen Individualität bloß ein Missverständnis sein” (Sören Kierkegaard).


    Das Wählen ist meine Losung,
    der Nerv meiner Lebensanschauung (S.K.)

  2. Elisabeth Alber sagt:

    Ich bin zufällig auf diese Seite gestosen! Ich finde sie einfach großartig!

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