Ordnung ohne Planung

On 23. Dezember 2013, in Gesellschaft und Politik, Videos, Voluntarismus, by FreiwilligFrei

Wenn Voluntaristen mit Etatisten diskutieren, behaupten die Etatisten schnell, dass die Gesellschaft (alternativlos staatlich) geplant und organisiert werden müsse. Die Begründung dafür ist, dass die Gesellschaft zu komplex sei, um sie sich selbst zu überlassen. Schnell wird ein Weltuntergangsszenario gezeichnet: Es würde sofort zu Willkür, Gewalt, totalem Chaos und „Anarchie“ kommen, wenn man die (alternativlose) staatliche Organisation und Planung entfernen würde. Dass Willkür, Gewalt und totales Chaos eigentlich das genaue GEGENTEIL von Anarchie sind – nämlich Anomie – lassen Etatisten bei solchen Diskussionen in ihrem Zustand emotionaler Empörung allzugerne unter den Tisch fallen.

Voluntaristen sagen hingegen, dass die Gesellschaft so komplex ist, WEIL sie nicht geplant wird, sondern sich hauptsächlich nach dem Prinzip der spontanen Ordnung organisiert. Sie werden nicht müde, diese Aussage mit einem Beispiel nach dem anderen aus der Gesellschaft, der Wirtschaft und der Natur zu begründen. Planung und Organisation durch das staatliche Gewaltmonopol, sehen sie als den größten Störfaktor für die Entstehung spontaner Ordnungen, die allen Individuen einer Gesellschaft – und dadurch der Gesellschaft als Ganzem – nützt:

Kann es Ordnung ohne Planung geben? – von Prof. Tom Bell, Chapman University

Habt ihr euch am Strand jemals gefragt: Wer ist hier verantwortlich? Wenn man genauer hinschaut, erkannt man ganz bestimmte Muster. In einem Bereich des Strandes gibt es zum Beispiel hauptsächlich junge Frauen. Nicht weit davon sind wahrscheinlich ein paar Jungs, die auf sich aufmerksam machen wollen.

Woanders findet ihr Eltern, die ihren Kindern dabei zusehen, wie sie in der Brandung spielen. Es gibt Bereiche mit blassen Touristen und andere mit sonnengebräunten Einheimischen.

Diese Mini-Nachbarschaften aus Strandbesuchern mit bestimmten Interessen kommen und gehen wie Ebbe und Flut. Niemand plant sie und trotzdem sind sie kein Zufall. Sie entstehen aus menschlichen Handlungen, aber nicht durch menschliche Planung.

Sozialwissenschaftler nennen dieses Phänomen „Spontane Ordnung“. Man findet sie überall: In Menschenmengen und Vogelschwärmen. In den Preisen auf einem freien Markt und in der Sprache, die wir sprechen. Im klassischen liberalen Denken spielt die spontane Ordnung eine wichtige Rolle.

Schauen wir uns an, warum das so ist.

Der Begriff „Spontane Ordnung“ wird erstmals von den Denkern der schottischen Aufklärung verwendet. Unter ihnen vom Wirtschaftswissenschaftler Adam Smith. Smith beschrieb, wie
„… Investitionsentscheidungen von einer unsichtbaren Hand zu Ergebnissen geführt werden, die nicht ursprünglich von der handelnden Person beabsichtigt waren. Obwohl jeder Einzelne vor allem an seinen eigenen Nutzen denkt, werden in der Summe gesellschaftlich nützliche Ziele erreicht. Und das ist meist sehr viel effektiver als die gesellschaftlichen Ziele selbst zu verfolgen.“

Der liberale Denker und Nobelpreisträger Friedrich Hayek betonte speziell den Unterschied zwischen geplanter Ordnung und spontaner Ordnung. Wir müssen beides verstehen, um gesellschaftliche Phänomene erklären zu können.

„Obwohl es einmal eine Zeit gab, in der die Menschen glaubten, dass sogar die Sprachen und die Moral durch irgendein Genie aus der Vergangenheit „erfunden“ wurde, ist heute klar, dass sie aus einem Evolutionsprozess entstanden sind, dessen Ergebnisse niemand vorhergesehen oder geplant hat. …“

„… Wenn sich empörte Reformer über das wirtschaftliche Chaos beschweren und keinerlei Ordnung darin sehen können, dann liegt das daran, dass sie es sich nicht vorstellen können, dass es eine Ordnung geben kann, die nicht absichtlich herbeigeführt wurde.“

Keinen Unterschied zwischen geplanter und spontaner Ordnung zu sehen, führt zu dem, was Hayek „die verhängnisvolle Anmaßung“ nannte: Zum Anspruch, eine gesamte Gesellschaft zentral zu planen und zu organisieren – wie an einem Fließband oder wie in einer Militäroperation.

Die moderne Gesellschaft ist nicht komplex, weil sie organisiert wurde, sondern im Gegenteil: Sie ist komplex, weil sie durch spontane Ordnung entstand. Die Komplexität übersteigt bei weitem alles, was jemals durch gezielte Planung hätte erreicht werden können. Die moderne Gesellschaft planen zu müssen, weil sie so komplex ist, ist deswegen paradox.

Hayek und andere klassische Liberale zeigen uns also folgendes: Wenn wir das Prinzip der spontanen Ordnung nicht verstehen, verstehen wir auch nicht, wie Märkte oder Gewohnheiten funktionieren und wir verstehen nicht, wie die Gesellschaft selbst funktioniert.

Also wer ist verantwortlich für die Märkte, die Sprachen oder die Leute am Strand? Grundsätzlich alle, aber niemand Spezielles. Auf den ersten Blick ist es seltsam, aber es ergibt alles einen Sinn, wenn man einmal das Prinzip der spontanen Ordnung verstanden hat.

Original:
Can Order be Unplanned?

Quelle:
LearnLiberty.org – Learn about the ideas of a free society.
http://www.youtube.com/user/LearnLiberty
http://www.learnliberty.org

Übersetzung, Sprecher:
Peter Müller

Musik:
Revolution Void – Invisible Walls
http://www.jamendo.com/de/track/885439/a1.-revolution-void-invisible-walls
http://creativecommons.org/licenses/by-nc/3.0/

 

5 Responses to Ordnung ohne Planung

  1. Zef sagt:

    Ich bin Ehemann, Vater, Freund, Nachbar, Bekannter, Schaffender…
    Nicht künstliche Gesetze, sondern reale konkrete „Gestalten“ halten Tun und Erleben zusammen.

    „Gestalt“ ist Konsequenz, Vermittlung, Richtungsbestimmung durch die Folge von Erleben und Tun hindurch – das meint Struktur. Und das ist wirkliche Ordnung.

    http://www.wilhelm-salber.de/

    • depublished sagt:

      Mit anderen Worten: Wirkliche Ordnung entsteht aus individueller Interaktion und nicht durch ein kollektivistisches Diktat.

    • Zef sagt:

      Das Ganze bekommt seine Gestalt, seine Ordnung, sein „Heilesein“ vom Einzelnen – und nicht umgekehrt.

      Die Interaktionen von Einzelnen formen so etwa Gestalten/Ordnungen des Kaufvertrages, Werkvertrages, Dienstvertrages, Schenkungsvertrages. Es gibt auch Gefälligkeitsverhätnisse ohne Rechtsbindungswillen, auch die haben ihre Gestalt/Ordnung – und auch ihre Ästhetik, die sie anziehend oder abstoßend macht.

      Schießlich hat „der Markt“ selbst eine gestalthafte Ordnung und Ästhetik. Etwa so:

      “Der Mensch ist ein Kunstwerk”
      Ästhetik des Marktes

      “Früh gegen fünf Uhr beginnt der erste “Stand” auf dem Marktplatz seine Früchte und Gemüse zu dekorieren. Er verspricht Helle, Wärme, Fülle vor dem nächtlichen Hintergrund. Nach und nach beginnt dann die anfahrt zum Markt-Verkehr: die Vielfalt der Angebote wird gekramt, geordnet, präsentiert, mit Preisen und Werbesprüchen versehen.

      Alltagskunst, wie die runden Körbe und eckigen Kisten mit vielversprechenden Früchten und Gemüsen gefüllt werden, wie ihre Farben zueinander stehen, wie sich die Gerüche der Kräuter ausbreiten und wie das alles zum Anfassen verlockt.

      Dazwischen werden Kleider entfaltet, gehäuft, ausgehängt; modische Dessous zum halben Preis, darunter bunte und gemusterte Stoffe. Schmuck, schön ausgebreitet, ergänzt das. Dann kommt wieder etwas, das dazu beiträgt, die Kleider zu füllen: Milch, Käse, Fleisch, Brot, Hühner, Wild, auch ein Angebot von Fisch…

      Der Markt-Verkehr ist eine Wirkwelt…

      Der Weg ist ein ununterbrochenes Wirken: ausnehmen, sortieren, anfassen, riechen, wiegen, tauschen, zahlen, suchen, enttäuscht werden, finden, Passendes ergänzen, ‘vergessen’, was sich nicht einfügt” (Wilhelm Salber, Metapsychologie)

  2. „“Wohlstand für alle“ und „Wohlstand durch Wettbewerb“ gehören untrennbar zusammen; das erste Postulat kennzeichnet das Ziel, das zweite den Weg, der zu diesem Ziel führt.“

    „Der Markt ist besser als der Staat.“

    Ludwig Erhard

    Auch wenn der angebliche „Vater der sozialen Marktwirtschaft“ (der echte war der Freiwirtschaftler Otto Lautenbach, der leider zu früh verstarb) nicht wusste, wie die echte Soziale Marktwirtschaft (nicht eine kapitalistische Marktwirtschaft mit angehängtem „Sozialstaat“, sondern eine freie Marktwirtschaft ohne Kapitalismus, die den Sozialstaat zur Finanzierung kapitalismusbedingter Massenarbeitslosigkeit gar nicht nötig hat, weil sie prinzipbedingt und unabhängig vom jeweiligen Stand der Technologie für natürliche Vollbeschäftigung sorgt) zu verwirklichen ist, kannte er immerhin den Weg…

    Persönliche Freiheit und Sozialordnung

    …und das Ziel:

    Marktgerechtigkeit

    Dass die seitdem immer weiter auf dem Holzweg gewandelten „Spitzenpolitiker“ das längst verlorene Ziel heute aus eigener Kraft finden, kann ausgeschlossen werden; denn je höher die „gesellschaftliche Position“ in einer a priori fehlerhaften (kapitalistischen) Marktwirtschaft, desto geringer ist in der Regel das Begriffsvermögen des jeweiligen Patienten gegenüber dem eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation, der freien Marktwirtschaft (klassisch: Paradies) ohne Privatkapitalismus (klassisch: Erbsünde) – in der generell das negative Prinzip „Macht ausüben“ durch das positive Prinzip „Kompetenz beweisen“ ersetzt wird.

    Wir sehen also, dass sich Machtausübung (über andere Menschen, nicht über Dinge) und Kompetenz gegenseitig ausschließen; und die klassischen Bedeutungen in den Klammern entlarven die Religion (Rückbindung auf den künstlichen Archetyp Jahwe = Investor) als eine Institution zum Machterhalt – und damit zum Erhalt längst unnötiger Inkompetenz, die aus den Bewohnern dieses kleinen blauen Planeten das gemacht hat, was wir heute sind:

    Wohlstand für alle

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