Über die Werbung

On 31. Juli 2012, in Gesellschaft und Politik, by FreiwilligFrei

von Tommy Casagrande

Immer wieder bekomme ich Dinge zu hören oder zu lesen, die abstrus und unlogisch sind. Im folgenden Falle beziehen sich derlei absurde Aussagen auf das Thema Werbung. Wenn ein Werbeplakat an einer Haltestelle hinge, sei man gezwungen, es anzusehen. Man kann nicht wegsehen. Es würde Zwang ausgeübt werden, allein, weil es dort hängt und man hinschaut. Diese unsinnige Behauptung möchte ich im folgenden Auseinandernehmen.

Werbung ist kein Zwang. Niemals. Wenn an einer Haltestelle Werbung hängt, bin ich nicht gezwungen hinzusehen. Ich kann woanders hinsehen. Niemand zwingt mich dazu, hinzusehen. Bei Zwang geht es um ein Verhalten, dass ein anderer Mensch mir gegenüber ausübt. Andernfalls könnte ich sonst argumentieren, dass ich gezwungen bin, eine Haltestelle oder einen Bus anzusehen. Denn das was man vermeintlich gezwungen ist sich anzusehen, ist nichts anderes als eine austauschbare Oberfläche. Denn unsere Augen sehen schlicht nichts anderes als Oberflächen. Somit gibt es keinen qualitativen Unterschied zwischen einer Haltestelle, einem Bus oder einem Werbeplakat. Wenn man sich auf die Argumentation einlässt, dass es sich um Zwang handelt, wenn ich ein Werbeplakat ansehe, dann muss man auch konsequent weiterdenken. Wenn DAS Zwang ist, dann ist es ebenso Zwang, dass ich die Haltestelle ansehe, die dort hingebaut wurde, wo das Plakat letztlich aufgehängt worden ist. Dann ist es aber in jedem Falle Zwang, wann immer ich etwas ansehe, weil mich die Existenz meiner Augen und das Vorhandensein meiner Sehkraft dazu zwingt, etwas anzusehen. Meine Beine zwingen mich wohin zu gehen, mein Appetit zwingt mich zu essen, die Lebensmittel selbst zwingen meinen Magen, Appetit anzuregen, ich wurde gezwungen zu leben, sonst wäre ich nicht geboren worden usw. usf. Zwang ist aber etwas ganz anderes und hat mit diesen Dingen nichts zu tun. Es existiert kein Unterschied zwischen einem Werbeplakat, einem Bus, einem Gullideckel oder einem Baum, wenn es um die Frage des Zwangs geht, weil man etwas davon ansieht. Ich bin nicht gezwungen mir etwas davon anzusehen, schlicht, weil mich niemand zwingt, mir irgendetwas davon anzusehen. Erst wenn das der Fall wäre, reden wir von Zwang. Die Beurteilung von Werbeinhalten ob sie moralisch sind oder ob sie unmoralisch sind, hängt häufig vom subjektivem Geschmacksempfinden ab. Ohne jedoch in die Subjektivität abzudriften lässt sich aber feststellen, dass Werbungen Kosten darstellen und von dem getragen werden, der die Werbung aufstellen lässt. Dieses Handeln gehört zur individuellen Freiheit eines Unternehmers. Moralisch handelt er, wenn er die Kosten selber finanziert, auch wenn er Dinge bewirbt, die viele für ungesund oder unsinnig halten. Unmoralisch ist hingegen jedwede Werbung, die zwangsfinanziert wird, egal ob ihr Inhalt von vielen Menschen als gesund oder gemeinschaftsdienlich bewertet wird. Niemand wird gezwungen, Inhalte, die auf Werbungen präsentiert werden zu kaufen. Und nur darum geht es. Wenn die Leute anfangen, Werbung zu kritisieren, weil es sich einfach um Werbung handelt, dann treffen sie eine willkürliche Unterscheidung zu den Informationen, die das herumstehen eines Baumes aufwirft, der seine eigene Schönheit bewirbt. Verknüpft sind werbefeindliche Gesinnungen mit dem antikapitalistischem Vorurteil, dass der Kaufmann Menschen manipulieren und ihnen künstliche Bedürfnisse nahelegen kann. Das ist aber dummes Zeug. Der Kaufmann, der selber für die Werbung bezahlt und am Gewinn interessiert ist, fährt gewinnorientierter, wenn er die tatsächlichen Bedürfnisse der Menschen aufspürt. Somit wäre es komplette Geldverschwendung, zu versuchen, künstliche Bedürfnisse zu erwecken. Theorethisch könnte ich auch behaupten, dass ich gezwungen sei, Bäume und Häuser anzusehen, weil es so viele von ihnen gibt. Zwar zwingt mich keiner aber sie sind da und ich schaue sie an. Und dann könnte ich behaupten, dass die Existenz dieser Oberflächenbeschaffenheiten meine Kreativität manipulieren, denn ich erhalte durch das was ich gezwungen bin zu sehen eine Vorstellung darüber, wie sich Formen, durch Menschenhand oder die Hand der Natur, entwickeln und zeigen können. Das entjungfert meine Kreativität, von Geburt an, denn seither kann ich die Welt nicht mehr so erfinden, in jeder Form, wie ich will. Ich würde durch das was ich sehe geschult und durch dieses geschult werden, werde ich meiner Freiheit beraubt, es mir anders vorzustellen.

Ich hoffe, es ist jedem bewusst, dass die Kritik an Werbeplakaten im öffentlichen Raum keine Kritik am Zwang sein können.

 

13 Responses to Über die Werbung

  1. Manuel Barkhau sagt:

    Wieder erweist sich die Definition von Begriffen als wesentlich um mit Missverständnissen aufzuräumen. In diesem Zusammenhang ist es die verwechslung von Zwang mit Beeinflussung. An anderer Stelle wird von politischer Macht gesprochen verglichen mit ökonomischer Macht, wobei letzteres nichts weiter ist als Überzeugung durch ein Angebot, während ersteres „Überzeugung“ durch Gewaltandrohung ist. Es ist schon erstaunlich zu welchen sprachlichen Verneblungen Menschen bereit sind.

  2. van Angeren sagt:

    Wenn ein Werbeplakat an einer Haltestelle hinge, sei man gezwungen, es anzusehen. Man kann nicht wegsehen. Es würde Zwang ausgeübt werden, allein, weil es dort hängt und man hinschaut. Diese unsinnige Behauptung möchte ich im folgenden Auseinandernehmen.

    Was soll daran unsinnig sein?

    Wenn ich nicht weiß, dass irgendwo Werbung hängt, der ich ausweichen will, guck ich vielleicht hin. Das ist dann nicht mehr rückgängig zu machen.

    Einen Apfel zuviel in der Tüte bringe ich vielleicht zurück, ein Bild bleibt im Kopf. Und auch das, was ich damit verbinde.

    • FwF- infokriegerBerlin sagt:

      dein kommenatar ist unsinnig, denn was ist bitte zwang daran?

      und unterlasse bitte kommentare wie deinen letzten, den ich nicht veröffentlichen werde.
      rumpöbeln kannste in deinem eigenen blog, aber nicht hier mein freund.

    • Taylor sagt:

      Nehmen wir an mein Gesicht stört dich, nehmen wir an es ist eine Zumutung, müsste ich dann nicht nach der Logik der Werbe-Gegner in Zukunft mit einer Plastiktüte über den Kopf durch die Stadt laufen ?
      Was wenn dann einen dritten die Plastiktüte stört ? was wenn ein vierter nicht Plastiktüten, sondern biologisch abbaubare tüten fordert ?
      Oder was wenn mich Übergewichtige Depressiv machen ? müssen die jetzt wegen mir auf Zwangs Diät gesetzt werden ?

      wo fängt das Verbieten an und wo hört es auf ?

  3. mielia sagt:

    Hihi, war vielleicht Manuels Diskussion im Toberaum Anlass für diesen Artikel :-)?
    Hat mir, wie glaube ich jeder andere Artikel von Tommy gut gefallen, bis auf dass ich den Tonfall (im Allgemeinen) nicht leiden kann.
    Er ist mir zu angriffslustig, manchmal fast ‚militant’…
    … was können andere Menschen dafür, wenn sie unlogische ‚Logik‘ bisher nicht durchschaut haben?
    Ist ja schön, wenn du (vielleicht) weiter bist Tommy, aber müssen dann die, die noch nicht so weit sind, als dumm/dümmer dargestellt werden? (Das ist zumindest mein Eindruck, meine Empfindung, also eigentlich was persönliches, aber ich könnte mir vorstellen, dass sie bei anderen auch auftaucht.) (- Warst du schon immer so schlau, oder musstest du das auch erst lernen?)
    Da ist mir dann der Weg zu den aggressiven ‚Linken‘, die mich als Idioten, Bastard, menschenverachtendes (in ihrem Sinne vielleicht=kapitalistisches) Unwesen darstellen auch nicht mehr so weit.
    Ich würd mich aber freuen, wenn vielleicht gerade dazu nochmal ein Artikel kommen könnte… :-): „[…] dem antikapitalistischem Vorurteil, dass der Kaufmann Menschen manipulieren und ihnen künstliche Bedürfnisse nahelegen kann. Das ist aber dummes Zeug.“

    Ne gröbere Wortwahl zu verwenden, wenn Leute einfach nicht verstehen WOLLen, sondern lieber ihren Vorstellungen, ihrem Glauben nachhängen, find ich (noch) nicht schlimm (wie mMn z. B. bei van Angerens Post möglich wäre); aber allgemein, ständig, empfinde ich als anstrengend und degradierend, da komme ich viel besser mit den Tonfällen der 3 Seitenbetreiber zurecht.

    Nur meine persönliche Meinung.
    Und vermutlich hat’s grad wenig gebracht Tommy direkt zu adressieren, weil die fwf-Leute nur zitiert/übersetzt haben und Tommy selbst HIer den Artikel gar nicht veröffentlicht hat?

    Gruß,
    mielia

    • FwF- infokriegerBerlin sagt:

      hallo mielia

      ich habe tommy bescheid gesagt, hier mal vorbeizuschauen und seine meinung zu den kommentaren da zu lassen.

  4. Meine Gedanken fußen auf Ludwig von Mises und Milton Friedman. Der Rest ist eigenem weiterdenken geschuldet. Wenn man sich die Bücher dieser beiden Exponenten kauft und durchliest, wobei bei Milton Friedman im Bezug auf manche Themen mit Vorsicht zu genießen, dann hat man das Fundament meines Textes im Optimalfall verstanden.

    Zum andern:

    Werbung wird uns schon in der Schule als manipulatives Werkzeug der Kapitalisten (v)erklärt. Wer aber lehrt es uns in der Schule ? Lehrer die für den Staat arbeiten. Und der Staat ist ein Feind des freien Kapitalismus. Das heißt, man muss sich entscheiden zwischen der Freiheit, die auch die unternehmerische Freiheit beinhaltet, Ideen zu bewerben, die zu kaufen keiner gezwungen wird, oder dem Staat, dessen einziges Mittel stets der Zwang aufgrund seines Gewaltmonopoles darstellt, wo keiner die Wahl hat, sich dem Angebot zu entziehen, außer durch Akzeptanz von Strafen die darauf folgen.

    Zudem sind wirtschaftliche und politische Freiheit untrennbar miteinander verbunden. Man kann nicht politisch frei sein ohne wirtschaftlich frei sein. Wenn der Staat in die Wirtschaft eingreift, so werden die Menschen, sprich wir alle, dadurch auch politisch immer unfreier. Das liegt daran, weil Wirtschaft, früher noch Wirthschaft geschrieben, die Beschreibung des Umstandes ist, dass Menschen einander bewirten. Bewirten kann jeder jedem. Indem wir tauschen, handeln, das heißt Dienste leisten an anderen und umgekehrt, bewirten wir und wir werden bewirtet. Das impliziert in einer freien Gesellschaft aber mithin auch das bewerben von Ideen die wir haben. Dieses nennt sich Werbung.

    Grundsätzlich, praxeologisch gedacht, ist wirtschaften der Aspekt menschlichen Handelns, der uns zur Befriedigung der eigenen Bedürfnisse mit anderen Menschen und der Befriedigung derer Bedürfnisse zusammenbringt. Darum entsteht beim Tausch der Befriedigungen auch eine Befriedung, was man Frieden nennt.

    Wenn sich nun ein Staat in diese menschlichen Handlungen dazwischen schaltet und diese durch seine Gewalt stört, sodass die menschlichen Handlungen unfreier und die gegenseitigen Befried(ig)ungen reduziert werden, nimmt der Raum nicht friedlicher Kooperationen zu, die wir mit staatlichen Eingriffen umschreiben.

    Wer sich einerseits zur politischen Freiheit bekennt, andererseits aber Werbungen für ein manipulatives Werkzeug von Kaufleuten hält, deren Handlungen man politisch einschränken müsse, der argumentiert letztlich gegen die politische Freiheit und begibt sich in einen Widerspruch.

    Menschen können nicht politisch frei sein, wenn sie wirtschaftlich, das heißt in ihren Handlungen, durch Gesetze unfreier werden.

    • Fakt 1: Werbung ist übt keinen Zwang aus. Jeder hat die Chance nicht hinzuschauen.
      Fakt 2: Werbung ist manchmal manipulativ. Beispiele: „Nimm2, gesunde Vitamine naschen“; „Machen Sie mehr aus ihrem Geld….Ihre Bank xyz“; „Trinken sie viel Milch, das beugt Osteoporose vor“; ……
      Ist aber auch kein Problem, denn wir sollten mitlerweile soweit sein, Werbeaussagen zu prüfen und zu hinterfragen, bevor wir unsere Kaufentscheidungen treffen. Aber schwarz weiß Denken ist wie immer nicht angebracht. Es gibt in unserem System Kapitalisten, die auf den schnellen Gewinn aus sind und deswegen versuchen die Kunden zu manipulieren. Der komplette Bankensektor arbeitet manipulativ. Die Solar- und Windenergiebranche versucht uns zu manipulieren mit der Aussage, dass sie umweltfreundlich wäre. Meißt sind es aber die staatlich subventionierten oder gesetzlich anderweitig bevorzugten Branchen. Überall dort, wo der Markt wirklich frei ist, kommt man mit Manipulation nicht weit, da helfen nur harte Fakten.
      Es würde der Sache dienen, endlich von den Kampfbegriffen Kapitalismus, Sozialismus etc. Abstand zu nehmen. Unser System war schon vorher da und hatte auch schon vorher seinen Namen.
      FREIHEIT!

    • mielia sagt:

      Danke @FwF-infokriegerBerlin für’s weiterleiten und
      Danke @Tommy für die Antwort.
      Erinnert mich daran, wieder mal bei praxgirl vorbeizuschauen.
      Man könnte nun vielleicht bei Verträgen und dass Werbung auch Vertragsgegenstände verspricht, die sie nicht hält, diskutieren, aber das werd‘ ich wenn wohl aufs Forum verschieben, da ich mich ja da nun angemeldet habe ;-). Außerdem gehe ich Gefahr da Begrifflichkeiten zu vermischen…

      Im Übrigen sehe ich es eigentlich Nicht ganz so wie Besucher, mir geht es (einfach nur) darum, dass womöglich auch andere der Tonfall abschreckt.
      Dass klare Kante vielleicht aber wichtiger als Kuschelargumentation gehalten wird, mag ich zwischen den Zeilen aber inzwischen auch herausgelesen haben (u. a. wo es um: >Warum nicht in einer Partei sein< ging.)

      Nochmal Danke, und
      Gruß,
      mielia

  5. Akura sagt:

    Guter Artikel und ich sehe das genauso, wäre ja noch schöner wenn mir einer Vorschreiben würde das ich mein Arbeitst-shirt *mit Werbung meines Ladens* erst in meinem Geschäft anziehen dürfe.
    Oder allgemein meine Schilder/Kundenstopper abhängen soll obwohl sie eigentlich nur rein informativ sind.
    Im Gegenteil schließlich müsste man so ein handeln ja erzwingen und den Leuten verbieten Werbung zu machen, das ist der eigentliche Zwang. Also jeder der so etwas fordert kann eigentlich nicht gegen Zwang sein.
    Wo würden wir da nur hinkommen? Möglicherweise empfindet ja jemand dann auch Kleidung oder Menschen zu sehen, als ungerechten Zwang. Dass letzte mal als ich sowas erlebte war in meiner Schule als man bestimmte Leute nicht ansehen durfte, wenn man keinen Ärger wollte.
    Ausserdem sollte man machen dürfen was man will, solange man keinen anderen damit Schadet! Solange es also keine Werbung wie in einigen asiatischen Großstädten gibt, die durch ihr flackern epileptische Anfälle verursachen, sollte man dieses Thema eigentlich hinter sich lassen.

    MfG
    Mike

  6. Besucher sagt:

    Mir geht es ähnlich wie mielia. Casagrandes Artikel sind selten wirklich überzeugend und bei diesem ist es offensichtlich, dass er von vermeintlich eigener Kompetenz eingenommen, gegen die Windmühle eines bloßen Begriffs Sturm läuft. Dass er sich dabei nicht nur gedanklich, sondern auch sprachlich überschlägt, ist – derweil er sich fühlbar selbst für klug hält – umso ungenießbarer. Sorry, das musste ich einfach mal los werden.

  7. Steffen sagt:

    Für mich ist der Staat bzw. die Regierung der Handlanger des gemeinhin als Kapitalismus bezeichneten Systems. In diesem System werden Menschen nicht zu freien, selbstdenkenden und kritischen Individuen erzogen, sie werden in den Schulen als von den Handlangern der Ausbeuterischen Großkonzerne betriebenen Indoktrinierungsanstalten zu Zahnrädchen im System gemacht, was meist auch funktioniert.
    Manche Menschen schaffen es, warum auch immer, dies zu durchschauen.

    Aber die meisten werden durch Webung (nicht jede!) manipuliert.

    Meine Meinung.

    • Steffen sagt:

      Wahrscheinlich sollte ich dazu schreiben, dass ich vom jetzigen System ausgehe. In einer anderen Gesellschaft kann das natürlich anders aussehen. Doch ist der Weg dorthin lang uns beschwerlich.
      Wenn Gier und Machtsucht verschwunden sind, Gegenseitige Rücksichtnahme und Vertrauen überall vorzufinden ist, brauchen wir uns keine Gedanken mehr machen, welches System wir wollen…

      Mir fehlt aber oft die Differenzierung zwischen dem Jetzt und dem, was kommen sollte.

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