Die Frage, ob es objektiv gültige moralische Aussagen gibt, ist eine Jahrtausende alte Frage. Die Gültigkeit von moralischen Aussagen ist oft behauptet worden, aber die Begründungen waren meines Wissens ausnahmslos fehlerhaft, so dass die Gültigkeit jeder moralischen Aussage immer in Zweifel stand.

Stefan Molyneux beansprucht für sich, als erster Philosoph eine rationale Begründung für die Gültigkeit moralischer Aussagen ersonnen zu haben. Ich gebe ihm recht. Dies ist eine Leistung, die in ihrer Bedeutung gar nicht zu hoch eingeschätzt werden kann, da Menschen sehr stark durch moralische Überzeugungen geleitet sind. Wir tun fast alles, wenn wir nur glauben, es sei etwas Gutes.

Wenn es einen rationalen Weg gibt, moralische Urteile auf Gültigkeit zu prüfen, gibt es zum ersten Mal eine andere Möglichkeit, moralische Konflikte zu lösen als durch Machtausübung und Gewaltanwendung. Dann wäre unsere Hoffnung berechtigt, dass die intensivsten Konflikte unter Menschen irgendwann nur noch friedlich und argumentativ gelöst werden können.

In meinen Überlegungen zur Moral verwende ich Stefan Molyneux´ Argumentationsmuster. Sie sind auf Englisch veröffentlicht in dem Buch „Universally Preferable Behavior“.
http://www.freedomainradio.com/FreeBooks.aspx

Nachdem ich im vorigen Video (Link) Moral definiert habe, gilt es nun zu zeigen, dass sie nicht nur ein Hirngespinst ist, sondern dass es tatsächlich gültige moralische Aussagen gibt. Es geht zunächst darum, den Nachweis zu führen, dass man allein aufgrund vernünftiger Überlegungen ohne Bezugnahme auf subjektive Vorlieben einen Typ von Handlungen finden kann, der immer und überall besser ist als ein anderer Typ von Handlungen.

Mein Startpunkt ist die Frage: „Ist es besser, wahre Sätze in den Bestand seiner Überzeugungen zu übernehmen als falsche Sätze?“ Ich frage damit danach, ob eine Handlung universell einer anderen zu bevorzugen ist. Das wäre dann der Fall, wenn eine Handlung immer besser als die Alternative ist.
Das erfreuliche Ergebnis meiner Überlegungen ist, dass Wahres objektiv und absolut besser ist als Falsches – wer hätte das gedacht? Es geht uns natürlich allen so, solange wir einigermaßen bei Verstand sind, dass wir lieber zutreffende Überzeugungen haben als Irrtümern aufsitzen, aber ist es nicht befriedigend zu sehen, dass unsere Vorliebe auch mit einer objektiven Werthierarchie übereinstimmt?

Kurz gesagt, komme ich zu der Schlussfolgerung: Wahres ist gut, Falsches ist schlecht. Wahres ist dem Falschen gegenüber universell zu bevorzugen.

Nachdem die Existenz von universell zu bevorzugendem Verhalten nachgewiesen ist, stellt sich die Frage, ob es auch weitergehende moralische Regeln gibt, die uns genauer und konkreter sagen, welches Verhalten denn sonst noch universell zu bevorzugen ist. Das wird im nächsten Video gezeigt.

 

 

 

Moral 1 – Was ist das? Eine Begriffsdefinition

Moral 3 – Eine rationale Begründung libertärer moralischer Prinzipien

Moral 4 – Selbstverteidigung ist in Ordnung

 
Videoempfehlung:


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36 Responses to Moral 2 – Wahrheit ist objektiv und absolut besser als Falschheit

  1. Dreamer sagt:

    Subjektive Einflüsse fließen in jede Ent-Scheidung (ein Wort, dem schon die Trennung innewohnt) ein, da jeder Mensch auf einem eigenen, persönlichen Standpunkt steht. Dieser Standpunkt (man kann es auch die „Brille“ nennen, durch die derjenige blickt) richtet sich nach den eigenen Erfahrungen, Denkmustern oder auch einfach nur Gedanken, die ihm zum Zeitpunkt der Wahr-nehmung einfallen. Auch Gedanken sind hierbei nichts weiter als eine Wahrnehmung.

    Jener Standpunkt bestimmt also seinen Blickwinkel auf den, von ihm selbst durchaus als wahr und real wahr-(an)genommenen Teil der „absoluten Realität“ oder „absoluten Wahrheit“. Ein Subjekt kann zum Zeitpunkt X immer nur eine bestimmte Facette (als)wahr(an)nehmen und es wäre töricht wenn ein anderer behauptet, jener wäre damit im Unrecht, nur weil er sich selbst zum selben Zeitpunkt X auf einem anderen Standpunkt bzw. Blickwinkel befindet und eine entsprechend etwas andere Facette der „absoluten Realität“ wahrnimmt. Diese Facette kann sogar erheblich oder vollkommen von der wahr-genommenen Realität durch die „Augen“ des anderen abweichen!

    Natürlich sind persönliche Standpunkte keine Konstanten und es ist faktisch unmöglich, daß zwei Subjekte zum gleichen Zeitpunkt X exakt die selbe Wahrnehmung haben (dafür müssten die zwei ein- und dieselbe Person sein). Persönliche Standpunkte ändern sich und mit ihnen die Wahrnehmung. Diese Veränderung bezeichnet man auch als „Bewegung“, „Raum“ oder „Zeit“.

    Hierfür ein einfaches Beispiel aus dem Bereich der visuellen Wahrnehmung. Angenommen, da ist ein Kegel. Person A nimmt den Kegel zum Zeitpunkt X exakt vom Standpunkt unterhalb der Mittelachse wahr, schaut also nach „oben“. Was sieht Person A? Ganz eindeutig einen Kreis. Zum selben Zeitpunkt nimmt Person B den Kegel horizontal, also genau von der Seite wahr, sieht also ein Dreieck! Wer von den beiden hat recht? Wie können beide jetzt zur „absoluten Gewissheit“ gelangen, daß es sich bei der Figur um einen Kegel handelt? Dafür müssten sie beide zu einem Zeitpunkt X alle möglichen (das ist ein Ding der Unmöglichkeit!) Standpunkte mit Blick auf dem Kegel gleichzeitig wahrnehmen.

    Fazit: Absolute Wahrheit gibt es vielleicht, vielleicht auch nicht. Das keiner wirklich wissen. Es ist allerdings nicht abzustreiten, daß verschiedene Personen zu verschiedenen, konkreten Zeitpunkten verschiedene Facetten des Absoluten wahrnehmen. Sie haben also z.B. Recht, wenn sie sagen „Zum Zeitpunkt X war da dieses oder jenes“. Allerdings war es dann exakt in dieser Art und Weise einzig und ausschließlich in ihren eigenen Augenen, von ihrem eigenen Standpunkt aus gesehen so! Diese Einsicht führt den Moralbegriff, wie er hier definiert wurde (als „universell“ oder „absolut“) ad absurdum.

    • FwF-sandman sagt:

      Dreamer, leider gelingt Dir die Trennung zwischen Wahrheit und Erkenntnis nicht vollständig.

      „Absolute Wahrheit gibt es vielleicht, vielleicht auch nicht. Das keiner wirklich wissen. “
      Ich weiß mit absoluter Sicherheit, dass ich geboren wurde und Dir jetzt diese Zeilen schreibe. Dies ist objektive Wahrheit. Diese Erkenntnis hast Du noch nicht, das Du meiner Zeilen noch nicht gewahr wurdest.

      Wir alle fassen jeden Tag völlig subjektiv Ziele, die aus unseren individuellen Bedürfnissen resultieren. Wir bewerten unseren gegenwärtigen Zustand und empfinden beispielsweise Durst. Jetzt bewerten wir diesen Umstand und stellen uns vor, wie es wäre, keinen Durst zu haben. Der Zustand ohne Durst wird von uns bevorzugt. Mittels unserer Vernunft bringen wir jetzt unser Ziel mit einer entsprechenden Handlung in Einklang, die es wahrscheinlich macht, dass wir unser Ziel erfüllen. Wir stehen also vor der Wahl, etwas zu trinken oder nichts zu trinken. Da wir aus unserer Erfahrung wissen, dass heruntergeschluckte Flüssigkeit den Durst lindert, werden wir uns dazu entschließen, etwas zu trinken. Es hilft uns also in diesem Fall, die wahre Aussage „heruntergeschluckte Flüssigkeiten lindern den Durst“ in den Bestand unserer Überzeugung zu übernehmen und nach ihr zu handeln.

      Heikophilo beschreibt in seinem Video erstmal nur, dass es immer besser ist, wahre Aussagen in den Bestand der eigenen Überzeugung zu übernehmen und nicht nur, wenn man Durst hat.

      Das hat überhaupt nichts damit zu tun, ob man die Erkenntnis über eine objektive Wahrheit hat oder nicht. Es ist auch egal, welche Brille man trägt und wie man die Realität sieht. Würde man niemals objektive Wahrheit erkennen und sie bevorzugen, würde man sterben.

      Ist es jetzt etwas deutlicher geworden, worauf wir hinaus wollen?

    • heikophilo sagt:

      Hallo Dreamer,
      ich versuche mich auch an einer Antwort:
      An dem Beispiel mit dem Kegel, das du eingeführt hast, möchte ich deutlich machen, wo ich nicht mehr mitgehen kann.
      A sieht einen Kreis, B sieht ein Dreieck. Das ist ihre Wahrnehmung. Wenn A behauptet, „Ich habe den Wahrnehmungseindruck eines Kreises“, würde er doch absolut Wahres behaupten, oder?
      Genauso, wenn B behauptet, „Ich habe den Wahrnehmungseindruck eines Dreiecks“.

      Wenn du sagst, dass A oder B alle möglichen Standpunkte zugleich einnehmen müssten, geht es dir um „absolute Gewissheit“. Hast du den Eindruck, ich hätte behauptet, man könnte die erreichen?

      Ich sehe meine Überlegungen als fehlbar an, ich bin ja nicht der Papst. Ich versuche nur, möglichst voraussetzungsarme und logische Argumente zu verwenden, um zu meinen Schlussfolgerungen zu kommen, damit die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich vertue, möglichst klein ist, und damit es möglichst leicht ist, mir Fehler nachzuweisen. Klar, das ist alles ziemlich abstrakt, aber dennoch hoffe ich, dass man es schnell merken könnte, wo ich Fehler gemacht habe.

      Zurück zu dem Kegel. Wenn A und B den Kegel umrunden, befingern, herumdrehen, und so weiter, fände ich es ziemlich vernünftig, wenn sie die Hypothese wagen: „Es handelt sich um einen Kegel.“ Solange niemand mit Erkenntnissen aufwartet, die diese Hypothese erschüttern, wäre es vernünftig, davon auszugehen, dass diese Hypothese die absolute und objektive Wahrheit ist. Die Erkenntnis ist fehlbar, aber der Inhalt der Erkenntnis handelt von etwas Absolutem.

      Genauso wie bei physikalischen oder geometrischen Wahrheiten wie im Beispiel ist das im Prinzip bei moralischen Wahrheiten wie in meinem Video.

      Macht das so mehr Sinn?

  2. Dreamer sagt:

    Hallo FwF-Sandmann,

    Ich weiß mit absoluter Sicherheit, dass ich geboren wurde und Dir jetzt diese Zeilen schreibe. Dies ist objektive Wahrheit.

    Es handelt sich um eine, Deine, objektive Wahrheit oder Überzeugung, daß Du z.B. geboren wurdest. Du kannst der Überzeugung sein, mit absoluter Sicherheit zu wissen, daß dem so ist. Wahrheiten können sehr real, „objektiv“ und überzeugend sein. Der Mensch ist eine „Rechenmaschine“ – aus verschiedenen, einzelnen (zum Zeitpunkt der Berechnung immer schon vergangenen!) Eindrücken „berechnet“ er sich vor seinem geistigen Auge das Ganze. Er synthetisiert die verschiedenen, wahrgenommenen Eindrücke oder Facetten. Das ist auch vernünftig, schließlich ist er ein Planer und schätzt Wahrscheinlichkeiten oder zukünftige Entwicklungen ab! Je mehr Facetten in das berechnete Bild einfließen (manche reden auch von einem Puzzle), umso überzeugter ist er vom Ergebnis. Er selektiert dazu jene Wahrnehmungen, die in sein Bild passen.

    Um bei Deinem Beispiel zu bleiben.. daß Du geboren wurdest, kannst Du Dir nur aus verschiedenen Wahrnehmungen, wozu Dir entsprechende Gedanken einfallen, die besagen, daß Du sie mal gemacht hast, modellhaft berechnen. Da Du den längst vergangenen Vorgang Deiner Geburt wahrscheinlich (-> da spielt eine persönliche Wahrheit von mir mit rein, ich kann es nicht wirklich wissen, sondern immer nur von Wahrscheinlichkeiten oder berechneten Modellen ausgehen!) nicht selbst bewußt erlebt hast (sofern sie überhaupt stattfand, noch eine Berechnung!), hast Du als Berechnungsgrundlage womöglich folgenden „Input“ (reine Vermutung, die Aufzählung ist nur beispielhaft):

    – Da ist oder war eine Frau, die Deine Mutter genannt wird und sagt, sie hätte Dich geboren
    – Da ist oder war ein Mann, der Dein Vater genannt wird und sagt, deine Mutter hätte dich geboren
    – Da sind oder waren Omas, Opas, Tanten, Geschwister die sagen, deine Mutter hätte dich geboren
    – Da sind Geburtsdokumente
    – Da ist vielleicht sogar ein Arzt, der sagt, er hätte geholfen, Dich zur Welt zu bringen
    – Da sind vielleicht noch Fotos, wo Du, laut Aussage von Mutter und Vater, kurz nach Deiner Geburt abgebildet sein sollst (typischer Gedanke beim Anblick des Fotos: „Was, das soll ich sein?“)

    Jetzt tickt die Rechenmaschine und spuckt aus: „Juhu, ich wurde geboren!“ (vor soundsoviel Jahren). Wirklich absolute Gewissheit hast Du dann zwar immer noch nicht, aber diese Erkenntnis wird dann trotzdem gern als „absolut“ bezeichnet. Und wehe da kommt jemand daher und behauptet, sie wäre womöglich nicht absolut! Es ist einfach nur eine persönliche Wahrheit, eine Erkenntnis, ein Modell, eine These, ein Bild oder wie auch immer man es nennt.

    Da gibt es ein schönes Sprichwort: „Erstens kommt es anders ,und zweitens als man denkt!“. Völlig gleichgültig wieviele Facetten oder Indizien in ein berechnetes Modell einfließen und wie „sicher“ es auch immer und zur Prognose künftiger Wahrnehmungen geeignet zu sein scheint, es bleibt immer eine Restungenauigkeit. Das liegt in der Natur der Sache.

    Da wir aus unserer Erfahrung wissen, dass heruntergeschluckte Flüssigkeit den Durst lindert, werden wir uns dazu entschließen, etwas zu trinken.

    Ja, so tickt der Mensch. Der Denk-Vorgang, wie Du ihn beschreibst, trifft wahrscheinlich 😉 auf viele Menschen zu, auch auf mich. Wie Du schon geschrieben hast, liegt dem Ganzen eine Abschätzung zugrunde (-> „die es wahrscheinlich macht..“). Einfaches Gegenbeispiel: Es gibt auch Flüssigkeiten, die den Durst nicht lindern (z.B. Salzwasser). Wir handeln immer nur aufgrund von Thesen oder Modellen, um die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs einer Handlung abschätzen zu können.

    Ist es jetzt etwas deutlicher geworden, worauf wir hinaus wollen?
    Ich kann jetzt Deinen Standpunkt besser nachvollziehen.

    • FwF-sandman sagt:

      Dreamer,

      per Definition besagt das Wort „objektiv“, dass es sich nicht um MEINE Wahrheit handeln kann, dann wäre sie subjektiv. Objektiv wahr ist etwas auch ohne irgend eine Erkenntnis darüber durch ein Subjekt.

      Angenommen auf einer unbewohnten Insel fiele ein Baum um und es würde niemals ein Mensch diese Insel betreten und wissen, dass der Baum umgefallen ist. Die Tatsache, dass er gefallen ist, wäre trotzdem objektiv wahr.

      • Dreamer sagt:

        „Angenommen auf einer unbewohnten Insel fiele ein Baum um und es würde niemals ein Mensch diese Insel betreten und wissen, dass der Baum umgefallen ist. Die Tatsache, dass er gefallen ist, wäre trotzdem objektiv wahr.“

        Wäre sie das? Kann man mit absoluter Sicherheit wissen, ob da zum Zeitpunkt des Gedanken überhaupt eine Insel ist, wenn man sie nicht wahrnimmt? Vielleicht ist da eine Insel, vielleicht auch nicht. Nüchtern und objektiv betrachtet ist beides ist möglich – allen Berechnungen, Prognosen und Vermutungen zum Trotz.

        • FwF- infokriegerBerlin sagt:

          objektiv betrachtet

          nach deiner theorie, gibt es kein „objektiv betrachtet“ .

          • Dreamer sagt:

            Das stimmt, wenn man es ganz streng sieht. Ich denke, es ist trotzdem klar, was ich zum Ausdruck bringen wollte.

        • FwF-sandman sagt:

          Dreamer,

          es geht nicht um die Erkenntnis der Wahrheit. Auch vor den Menschen gab es Inseln mit Bäumen. Einer davon ist bestimmt mal umgefallen. Wenn ein Baum umfällt, ist er objektiv umgefallen.

          Das war jetzt mein letzter Versuch.

        • Bastii sagt:

          Die Realität ist konsistent und ändert sich nicht nach Wahrnehmung. Die insel ist immer da, egal ich einer hinschaut oder nicht. Dieser Fakt ist die einzige Möglichkeit Realität von Träumen zu unterscheiden, denn in Träumen sind DInge inkonsistent und können sich verändern.

  3. Dreamer sagt:

    Hallo heikophilo!

    Ich hab mich noch garnicht für Deine Videos bedankt, mit gefällt die Art, wie Du die Dinge rüberbringst (das erste Video fand ich besonders gelungen, runter mit der Fahne). Also: Danke!

    Das mit der menschlichen Wahrnehmung ist ein ziemlich komplexes Thema, weshalb mir manchmal die richtigen Worte fehlen, aber ich hoffe, was ich schreibe ist nachvollziehbar. Als angehender Lehrer muß ich mich auch damit beschäftigen, wie Lernen funktioniert und wie der Mensch allgemein tickt.

    A sieht einen Kreis, B sieht ein Dreieck. Das ist ihre Wahrnehmung. Wenn A behauptet, “Ich habe den Wahrnehmungseindruck eines Kreises”, würde er doch absolut Wahres behaupten, oder?

    Eben nicht, da er zu einem festen Zeitpunkt X nicht gleichzeitig die Wahrnehmung einer Facette des „absoluten Ganzen“ (was auch immer das sein mag) machen und eine entsprechende Behauptung aufstellen kann. Allein schon das Nachdenken darüber oder das Aussprechen einer Behauptung ist eine Bewegung, umgangssprachlich „vergeht“ also Zeit.

    Der Zeitpunkt des Gedankens über eine Wahrnehmung wäre schon „später“, die Wahrnehmung also schon längst Vergangenheit. Was auch immer wahrgenommen wurde, kann sich dynamisch „in der Zeit“ ändern (Position, Form, Struktur ect.)! Dreht sich z.B. der Kegel entlang der Horizontalachse („Bewegung in der Zeit“) sind da (theoretisch) endlose Facetten oder Einzelbilder. Aus einigen davon berechnet der Wahrnehmer vor seinem geistigen Auge eine „Bewegung“, er kann jedoch niemals alle wahrnehmen! Es dürften so um die 50 bis 100 Wahrnehmungen pro Sekunde sein, damit der Film „flimmerfrei“ abläuft. So funktioniert „Zeit“, die selbst nichts weiter ist, als eine Berechnung (aus zwei oder mehr Wahrnehmungen) oder ein Konzept.

    Wenn du sagst, dass A oder B alle möglichen Standpunkte zugleich einnehmen müssten, geht es dir um “absolute Gewissheit”. Hast du den Eindruck, ich hätte behauptet, man könnte die erreichen?

    Wenn es um absolute Moral geht hatte ich schon den Eindruck. Möglich, daß ich es falsch aufgefasst habe, ich bin nicht unfehlbar.

    Ich versuche nur, möglichst voraussetzungsarme und logische Argumente zu verwenden, um zu meinen Schlussfolgerungen zu kommen, damit die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich vertue, möglichst klein ist, und damit es möglichst leicht ist, mir Fehler nachzuweisen.

    Das ist vernünftig und logisch, nur eben nicht absolut. Was immer dabei herauskommt ist eine These oder eine Theorie. Die ganze Mathematik zum Beispiel basiert auf einer handvoll Axiome (Annahmen), die ihrerseit aus Beobachtungen hervorgehen. Auch sie ist nicht unfehlbar, obwohl sie in sich selbst vollkommen logisch, schlüssig und widerspruchsfrei ist.

    Zurück zu dem Kegel. Wenn A und B den Kegel umrunden, befingern, herumdrehen, und so weiter, fände ich es ziemlich vernünftig, wenn sie die Hypothese wagen: “Es handelt sich um einen Kegel.” Solange niemand mit Erkenntnissen aufwartet, die diese Hypothese erschüttern, wäre es vernünftig, davon auszugehen, dass diese Hypothese die absolute und objektive Wahrheit ist. Die Erkenntnis ist fehlbar, aber der Inhalt der Erkenntnis handelt von etwas Absolutem.

    Da stimmen wir weitestgehend überein. Sicherlich kann man davon ausgehen, daß etwas absolut und objektiv ist (keiner wird einen daran hindern), trotzdem ist und bleibt diese Wahrheit in Wirklichkeit nichts weiter als eine fehlbare These, ein Modell, eine Berechnung oder wie immer man es nennt. Sie kann noch so gut sein und auf noch so vielen Aspekten beruhen, unfehlbar oder absolut ist sie nicht.

    Ich hoff mal, ich konnte etwas Klarheit schaffen. Das Thema ist so komplex wie es essenziell ist.

    • Nachfrage sagt:

      „Die ganze Mathematik zum Beispiel basiert auf einer handvoll Axiome (Annahmen), die ihrerseit aus Beobachtungen hervorgehen. Auch sie ist nicht unfehlbar, obwohl sie in sich selbst vollkommen logisch, schlüssig und widerspruchsfrei ist.“

      Es gibt schon gewisse Sätze der Mathematik, die ich als allgemeinverbindlich betrachten würde, weil sie einfach so grundlegend sind. Dabei denke ich an sowas wie den Unvollständigkeitssatz oder algebraische Gesetze.

      Wenn man die Sache mal „pragmatisch“ sieht läuft die Ablehnung der „absoluten Wahrheit“ entweder auf einen Relativismus hinaus oder man lehnt nur den Zusatz „absolut“ ab, verhält sich aber trotzdem so, als wenn es eine absolute Wahrheit gebe.

      Eine andere Frage ist, ob moralische Aussagen die selbe (objektive) Gültigkeit beanspruchen können wie mathematische oder naturwissenschaftliche Sätze. Die Gegner dieser Idee sind die Nonkognitivisten, die Anhänger Kognitivisten. Eine uralte philosophische Auseinandersetzung…

      • Dreamer sagt:

        Der Unvollständigkeitssatz ist in der Tat interessant. Er besagt „Jedes hinreichend mächtige formale System ist entweder widersprüchlich oder unvollständig.“ Der Beweis erfolgt übrigens mittels dem Lügner-Paradoxon. Er bedient sich dem formalen System der Aussagenlogik, ist also auch nur innerhalb von ihr schlüssig. Kann er dort ausbrechen und plötzlich universell oder absolut werden? Kann man sich selbst am Kragen aus dem Treibsand ziehen?

        Wenn man die Sache mal “pragmatisch” sieht läuft die Ablehnung der “absoluten Wahrheit” entweder auf einen Relativismus hinaus oder man lehnt nur den Zusatz “absolut” ab, verhält sich aber trotzdem so, als wenn es eine absolute Wahrheit gebe.

        Man kann der Überzeugung sein, daß die „absolute Wahrheit“ existiert. Das würde nichts daran ändern, daß sie nicht existiert. Egal welche Wahrheit man herholt, es gibt immer Gegenbeispiele, Ausnahmen, Un-Fälle (und seien diese noch so selten). Universelle Gültigkeit sehe ich bei keiner. Die Definition von Relativismus trifft es ganz gut, eben nur nicht absolut.

        • Bastii sagt:

          Was wäre denn das Gegenbeispiel zu 2+2=4? Das ist offfenbar universell gültig und wahr.

          • Dreamer sagt:

            Die Gleichung gilt nur unter der Annahme der Gültigkeit des Nachfolgeraxioms (-> Analysis) und innerhalb eines formalen Systems. Für das Nachfolgeraxiom gibts keinen Beweis, bisher jedenfalls.

          • Bastii sagt:

            Ich meinte eher die Tatsache, dass, wenn ich zwei Äpfel habe und noch zwei dazulege dann vier Äpfel vor mir liegen.
            Und soweit mein Matheverständnis geht sind Axiome per se unbeweisbar, sonst wären sie garkeine Axiome. Irgendwo muss man schließlich anfangen etwas als wahr anzuerkennen bevor man einen Beweis machen kann.

  4. F.iasko sagt:

    Hallo.

    Dreamer schreibt als angehender Lehrer muss ich wissen wie Menschen lernen und ticken. Das ist vernünftig.

    Meiner Meinung nach ticken Menschen so, dass sie wissen und verstehen wollen. Das ist die beobachtbare Natur der Hirnfunktion.

    Wenn ich Heikos Beiträge sehe und lese, dann verstehe ich immer.

    Wenn ich andere Beiträge lese dann verwirrt es mich.

    Dreamer, wie kannst du überhaupt Entscheidungen treffen, wenn du dir nie ganz sicher sein kannst?

    Und wie kannst du als Lehrer deinen Schülern Sicherheit vermitteln?
    Oder sehe ich da etwas falsch?

    lg F.iasko

    • Dreamer sagt:

      Hallo F.iasko

      Es ist ein komplexes Thema (auf den ersten Blick) und kann verwirrend sein, wenn man neu darauf stößt. Ich bin zwar eher ein Freund davon, die Dinge so einfach wie möglich darzustellen, aber hier geht das nicht. Jedenfalls nicht, ohne wesentliche Aspekte auszulassen.

      Selbstbeobachtung: sofern möglich, richte ich mich bei meinen Entscheidungen nach den Gedanken, die mir dazu einfallen. Ist die damit verknüpfte Handlung mit ausreichend hoher Wahrscheinlichkeit zielführend, führe ich sie wahrscheinlich aus – zumindest, wenn ich gerade keine höhere Priorität habe. Beispiel: aufs Klo zu gehen, wenn ich mal dringend muss, hat für mich i.d.R. eine höhere Priorität als Zeitung lesen.

      Unabhängig davon, wie hoch die berechnete Erfolgswahrscheinlichkeit einer Handlung ist, bin ich nicht unfehlbar oder absolut. Soll heißen, ich liege auch öfters mal daneben. Das gilt genauso für meine persönlichen Wahrheiten, Erinnerungen, Gedanken, Modelle, Erkenntnisse u.s.w. Soll heißen, ich habe keinen Absolutheitsanspruch.

      Trotzdem kann ich anderen Leuten (möglichst brauchbares) Wissen vermitteln. Ob dieses Wissen im Einzelfall zu einer guten Prognose taugt, muß sowieso jeder für sich selbst abschätzen.

      Sicherheit ist übrigens auch nur ein Konzept, absolute Sicherheit gibt es aber nicht. Trotzdem kann man sich einer Sache sehr sehr sicher sein. So oder so, keiner kann sich wirklich aussuchen, welche Gedanken ihm in den Sinn kommen, insofern kann man da auch niemandem einen Vorwurf machen. Die Menschen sind wie sie sind.

      lG

      • FwF- infokriegerBerlin sagt:

        Sicherheit ist übrigens auch nur ein Konzept, absolute Sicherheit gibt es aber nicht.

        ist es absolut sicher, daß es keine absolute sicherheit gibt?

        • Dreamer sagt:

          Wenn ich sage, das wäre es, dann würde ich mich selbst widersprechen. Keine meiner Aussagen ist absolut sicher. Einschließlich der Aussage, daß „Keine meiner Aussagen absolut sicher ist“. In der Welt kann ich keine absolute Sicherheit sehen, und Du?

          • FwF- infokriegerBerlin sagt:

            dann würde ich mich selbst widersprechen.

            genau das sagst du aber !
            hier deine aussage:

            absolute Sicherheit gibt es aber nicht.

            in diesem sinne gebe ich dir recht! du widersprichst dir…

            Keine meiner Aussagen ist absolut sicher.

            ist es absolut sicher, daß keine deiner aussagen absolut sicher ist?

          • Dreamer sagt:

            Ich gebe nur meine subjektiven Erkenntnisse/Wahrheiten wieder. Irrtum ist immer möglich. Wiegesagt, ich bin nicht unfehlbar.

            Es ist nicht absolut sicher, daß es keine absolute Sicherheit gibt. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, jemals so etwas wie absolute Sicherheit erlebt zu haben, darauf gründet die Aussage.

  5. heikophilo sagt:

    Dreamer, ich habe den Eindruck in deinen Zeilen, dass du die Begriffe Erkenntnis und Wahrheit nicht sauber auseinander hältst. Dann wird es allerdings verwirrend.

  6. R.Apunzel sagt:

    Du erklärst sehr klar und verständlich, allerdings stimme ich Dir nicht zu. Ich finde, dass Du Dein Ziel zu Beginn der Argumentation schon so sehr vor Augen hast, dass Du weitere mögliche Verzweigungen mißachtest:

    Mal konkreter: Du stellst in Deinem Video eine These auf, konstruierst dazu eine Antithese und ziehst logische Schlußfolgerungen, die die Antithese ad absurdum führen. Daraus folgerst Du, dass die These stimmen muss. So weit so gut, ist das ja eine klassische Methode.

    Der Fehler liegt m.E. in der Konstruktion der Antithese. Deine These lautet: „Es ist richtig, wahre Thesen in den Bestand der Überzeugungen zu übernehmen.“ Antithese: „Es ist richtig, unwahre Thesen in den Bestand der Überzeugungen zu nehmen.“ Du hättest aber auch folgende Antithese nehmen können: „Es ist egal, ob man wahre oder unwahre Thesen in den Bestand der Überzeugungen nimmt. Wahr/unwahr ist ein unwichtiges Kriterium.“ Diese Antithese ist nicht so leicht zu demontieren. Daher finde ich Deine Argumentation teilweise richtig, aber im Ganzen doch unvollständig.

    Sollte ich jetzt irgendwas falsch verstanden haben, lasse ich meine Wahrnehmung gerne korrigieren.

    • FwF- infokriegerBerlin sagt:

      moralische aussagen sind allaussagen.

    • heikophilo sagt:

      Hi Rapunzel, ich freue mich, dass du mitgedacht hast. Solche Kommentare sind, auch wenn ich anderer Meinung bin, konstruktiv und erfreulich.

      Ich meine, dass du eine andere Frage gestellt hast als ich im Video. Meine Frage im Video ist nicht falsch, es ist halt nur eine bestimmte Frage, und ich denke auch, dass ich sie richtig beantwortet habe.

      Deine andere Frage geht etwas tiefer, fundamentaler, und das ist eine schöne Übung, klarzukriegen, wie es sich mit dieser Frage verhält.

      Deine Frage ist im Grunde: Ist es besser, bei der Auswahl von Überzeugungen das Kriterium Wahrheit / Falschheit (W/F) zu beachten oder ist es besser, es nicht zu beachten.

      Meine Argumentation zu dieser Frage wäre (nach bewährtem Schema):
      Wenn du das Kriterium W/F nicht beachten willst, muss du ein anderes Kriterium beachte/n, um deine Überzeugungen auszuwählen (zum Beispiel, dass die Überzeugung schön sein soll). Dazu musst du zutreffend einordnen, ob eine Überzeugung diesem Kriterium entspricht oder nicht, also im Beispiel: ob sie schön oder nicht ist. Das zutreffende Einordnen erfordert das Beachten des Kriteriums W/F, was im Widerspruch zum Ausgangspunkt steht, und das gilt für jedes denkbare Kriterium. Damit bleibt nur übrig, dass die Beachtung des Kriteriums W/F immer besser ist als die Beachtung irgend eines anderen Kriteriums.

      Problem gelöst? Ich meine schon. Und dann kann ich die Argumentation anzuschließen, die ich im Video gebracht habe. Man kann noch eine Stufe grundsätzlicher gehen, aber ich habe mich im Video dafür entschieden, einfach eine Frage rauszugreifen, um ein Beispiel zu haben. Es war nicht die grundlegendste aller Fragen, wie du hier gezeigt hast, und man kann noch weiter gehen: Ist es immer besser, überhaupt ein Kriterium zu beachten bei der Auswahl seiner Überzeugungen? Das wird schon bald absurd, aber die Frage ist natürlich berechtigt. Das zu beantworten wäre doch mal eine schöne Übung für jemanden, der Lust dazu hat.

      • mielia sagt:

        Hmm, also falls ich jetzt schon ein Stück weit in der Lage sein sollte im richtigen Schema zu denken, weil ich verstanden habe, ginge es meines Verständnisses nach darum, ob
        a) ein Kriterium zu beachten immer besser ist oder
        b) mind. 1 Fall existiert, indem ein Kriterium nicht zu beachten besser ist.
        Aber eine Überzeugung braucht doch immer mind. 1 Kriterium, sonst wäre sie doch keine Überzeugung (vmtl. daher herleitend, dass Überzeugungen durch das Anlegen von Kriterien entstehen?), oder?

        Ich hoffe, ich habe damit nicht verwirrend viel Falsches durcheinander gebracht^^.

        Gruß,
        mielia
        (PS: Könnte man vllt noch anschließen ob Überzeugungen überhaupt gebraucht werden :D?)

        • FwF-sandman sagt:

          Hallo Mielia,

          wenn ich ehrlich bin, habe ich nichts von dem verstanden, was Du geschrieben hast.
          Könntest Du Deine Frage vielleicht etwas präzisieren? Ich würde es Dir gerne genauer erklären.

          Gruß
          sandman

        • heiko philo sagt:

          Hallo mielia, du hast ganz korrekt im Schema gedacht, meines Erachtens nach. (Falls das nach der langen Zeit noch eine Rolle spielt.) Auch die letzte Frage zeigt, dass du genau da entlang denkst, wie ich auch. Man kann natürlich auch auf Überzeugungen, für die man immer mindestens 1 Kriterium braucht (nämlich wahr / falsch), verzichten. Aber dann redet man nicht mehr, man argumentiert nicht mehr, man handelt einfach. Streiten geht dann auch nur noch über Kämpfen. Kann man machen, ist aber keine Philosophie mehr. Und die habe ich hier versucht.

  7. Peter sagt:

    Hallo Heiko!

    Danke für Deine Offenheit!

    Im ersten Teil definierst Du Moral folgendermassen: „Moral zeichnet sich gerade dadurch aus, dass sie ohne Bezugnahme auf subjektive Vorlieben eingeht. […] Das heisst, die moralische Frage möchte herausfinden – sozusagen – welche Handlung objektiv, in Wirklichkeit besser ist. […]“ Du definierst Moral also mit dem Hinweis, dass sie subjektive Einschätzungen ausschliesst und dagegen auf allgemeingültigen, logischen, objektiven Grundlagen basiert.

    Hier im zweiten Teil sagst Du folgendes:

    „Geht Moral oder geht sie nicht. Gibt es Moral oder ist das alles nur ein grosser Spuk. Natürlich, es gibt Moral […] Wir werden das jetzt hier zeigen. Also die Aufgabe ist, ich soll alleine durch vernünftige Überlegungen, ohne Bezugnahme auf subjektive Vorlieben, zeigen, dass eine Handlung besser ist als eine andere, und zwar immer, für alle Zeiten, zu allen Orten, bei allen Gegenständen auf die sich die Handlung bezieht, ja und immer. Das ist doch ganz einfach: Also wir stellen uns die Frage: Was ist besser: Wahrheit oder Falschheit? Um jetzt das auf Handlungen zu bringen: Also, ich habe jetzt hier ne wahre und ne falsche Aussage und möchte jetzt entscheiden, ist es besser, eine wahre Aussage in den Bestand meiner Überzeugungen zu übernehmen, oder eine falsche Aussage in den Bestand meiner Überzeugungen zu übernehmen? Ist eigentlich ziemlich klar, aber wir wollen ja nicht einfach uns einig sein, dass das so ist (dass wir natürlich die Wahrheit bevorzugen) sondern wir wollen beweisen, dass allein durch vernünftige Überlegungen zu zeigen ist, dass es besser ist, die Wahrheit der Falschheit vorzuziehen.“

    „Ich mach‘ das indem ich gucke, geht den die Gegenthese: Also ich geh jetzt mal davon aus: Es ist besser, dass ich die Falschheit der Wahrheit bevorzuge.“ „[…] immer nur […] “

    „Falschheit und Wahrheit sind gleichwertig. […] Jetzt muss ich aber wieder unterscheiden zwischen Wahrheit und Falschheit. Das mach ich ja eh. Wenn mich die irgendwie interessieren, muss ich unterscheiden, also nicht neutral. Sonst würden Wahrheit und Falschheit nicht unterscheidbar sein. […] Also unterscheiden zwischen wahr und falsch ist schon wieder die Liebe zur Wahrheit: Ich bevorzuge die Wahrheit gegenüber der Falschheit. Und das kann ich nur konsistent durchhalten, wenn ich unterscheide und wenn ich die Wahrheit der Falschheit bevorzuge. Und das ist nur aus vernünftigen Überlegungen der Fall. Es geht nämlich gar nicht, das andere. Geht gar nicht. [..] Wenn ich überlege, wie geht den das, bleibt nur die Möglichkeit übrig, die Wahrheit der Falschheit vorzuziehen. Aus logischen Gründen! […] Aber wenn man vernünftig überlegt, bleibt einem nur die Wahl: Wahrheit ist besser als Falschheit. Und das ist ja die Definition von vernüftigen Überlegungen. Man kann als vernünftiges Wesen gar nicht anders, als zuzustimmen, dass die Wahrheit besser als die Falschheit ist. Das ist eine moralische Aussage, und das ist ja auch eine Grundansicht der Philosophie: Wahrheit ist der höchste Wert. Ehrlichkeit ist die wichtigste Grundtugend, also Wahrheit ist echt ne feine Sache. Und das kann man hier ganz logisch zeigen, ist ganz einfach, völlig logisch nachzuvollziehen, hoff ich mal. Wenn nicht bitte kritisieren! Und das schöne ist: Wir haben jetzt ein Beispiel dafür, dass es vernünftige Überlegungen ohne Bezugnahme auf subjektive Vorlieben (‚Ich wollte gerne die Wahrheit hassen.‘ Geht nicht!). Dass es möglich ist, eine Handlung ganz allgemein gegenüber einer anderen auszuzeichnen als immer absolut besser als eine andere. Ja, und das ist Moral. Das heisst: Moral ist möglich. Moralischer Subjektivismus ist Schrott, Moralischer Relativismus ist auch Schrott, Moralischer Nihilismus (was das beides letzendlich ist) ist Schrott, kann auf den Müllhaufen der Geschichte“

    Eine versuchte Zusammenfassung, die leider nicht in einer von mir erhofften Klarheit mündete:
    – Moral ist nur Moral, wenn sie Subjektives ausschliesst und auf allgemeingültigen, logischen, objektiven Grundlagen basiert.
    – Dann möchtest Du offenbar beweisen, dass es eine solche Moral gibt. (Du verwendest mehrere unterschiedliche Formulierungen, die es m.E. unklar machen, was Du eigentlich alles beweisen willst. Daher habe ich hier eine Zusammenfassung dieser Formulierungen versucht.) Du sagst z.B.:
    – „Was ist besser: Wahrheit oder Falschheit?“
    – „Um jetzt das auf Handlungen zu bringen: Also, ich habe jetzt hier ne wahre und ne falsche Aussage und möchte jetzt entscheiden, ist es besser, eine wahre Aussage in den Bestand meiner Überzeugungen zu übernehmen, oder eine falsche Aussage in den Bestand meiner Überzeugungen zu übernehmen?“
    – „wir wollen beweisen, dass allein durch vernünftige Überlegungen zu zeigen ist, dass es besser ist, die Wahrheit der Falschheit vorzuziehen.“
    – „Wahrheit ist objektiv und absolut besser als Falschheit“ (so der Titel des Videos und des Artikels)
    – Dann deutest Du eine „Gegenthese“ an: „Es ist besser, dass ich die Falschheit der Wahrheit bevorzuge.“ „[…] immer nur […] „: Tja, leider konnte ich keine konkret formulierte Gegenthese im Video finden; daher versuche hier einfach einmal, Deine Aussagen in eine solche umzuwandeln:“Es ist immer besser, falsche Aussagen den wahren Aussagen vorzuziehen.“ (Wenn ich mich mit dieser Interpretation geirrt habe, bitte ich um eine klare Formulierung der beabsichtigten „Gegenthese“.) Was ist wirklich bewiesen, wenn Du diese Aussage als widersprüchlich bewiesen hat? Dass diese nicht immer stimmt? Dass diese nie stimmt? Dass das Gegenteil (was ist das genau?) stimmt? Dass das „Gegenteil“ immer stimmt? Dass das „Gegenteil“ manchmal stimmt?
    – Du führst anschliessend vor, dass diese „Gegenthese“ zu „Widersprüchen“ („ich kann nicht die Falschheit lieben; ich brauch dazu die Wahrheit“) führt.
    – Dann beschreibst Du eine alternative „Gegenthese“(?), die Du behauptest zu widerlegen, (s.o.)
    – und Deine Schlussfolgerungen, die wiederum mehr oder weniger die ursprünglichen Behauptungen darstellen.

    Ich kann da beim besten Willen keinen Beweis von was auch immer (!) in diesem Video erkennen. „Bewiesen“ sehe ich höchstens, dass eine objektive Moral eine objektive Moral ist. Womit wir allerdings m.E. nicht viel gewonnen haben. Was ich in dieser „Argumentation“ erkenne, sind Strohballen (als vollständige Strohmänner möchte ich sie nicht bezeichnen), die angekogelt (nicht mal verbrannt) werden, zahlreiche m.E. vollmundige Behauptungen und m.E. plumpe Sprüche gegenüber Andersmeinenden. Leider keine logische (und schon gar keine schlüssige) Argumentation, keine Beweise. Was m.E. deutlich wird ist, dass das Video-Format nicht unbedingt das geeignetste Medium für eine logische Beweisführung ist. Ich würde mich ja freuen, wenn Du Deine Beweisführung mit einem klaren Ziel, was Du beweisen möchtest, mit klaren Aussagen und mit klar definierten Begriffen wiederholen könntest oder mir die Aussagen notieren könntest, die Deiner Meinung nach was auch immer beweisen. Was m.E. dabei insbesondere deutlich werden sollte, sind Deine beiden Thesen, sowie dass durch die Widerlegung der einen These die andere automatisch „wahr“ ist.

    Ich hoffe, Du störst Dich nicht zu sehr an meiner offenen Kritik Deiner Argumentation; ich habe mir diese erlaubt, da einerseits Du m.E. auch offen Kritik an von Anderen vertretenen Auffassungen geübt hast, und andererseits, da ich es ja subjektiv auch vorziehe, wahre Aussagen statt falsche Aussagen in den Bestand meiner Überzeugungen aufzunehmen (und dies auch anderen ermöglichen will).

    Grüsse,
    Peter

  8. zap sagt:

    Definition Moral von Heikophilo :
    „eine moralische Aussage ist eine Begruendete Aussage darueber wieso eine Handlung besser ist als eine andere Handlung, wobei in der Begruendung nicht bezug genommen wird auf subjektive Vorlieben, sondern nur bezuggenommen wird auf allgemeingueltige Erkenntnisse oder auf vernuenftige Ueberlegung“

    Definition Moral von Wikipedia :
    Moral bezeichnet zumeist die faktischen Handlungsmuster, -konventionen, -regeln oder -prinzipien bestimmter Individuen, Gruppen oder Kulturen. So verstanden, sind die Ausdrücke Moral, Ethos oder Sitte weitgehend gleichbedeutend und werden beschreibend (deskriptiv) gebraucht. Daneben wird mit der Rede von Moral auch ein Bereich von praktischen Urteilen, Handlungen oder deren Prinzipien (Werte, Güter, Pflichten, Rechte) verbunden. Eine so verstandene Unterscheidung von Moral und Unmoral ist nicht beschreibend, sondern bewertend.

    Bei beiden Definitionen geht es um eine Bewertung also um Werte.

    Die Frage die sich fuer mich daraus ergibt : Gibt es objektive Werte ?

    Im Video von Heikophilo wird dann der Moral die Wahrheit und der Unmoral die Falscheit zugeordnet. Das ist aber nicht folgerichtig, denn um Korrekt zu sein, muesste der Moral eben die Objektivitaet und der Unmoral die Subjektivitaet zugeordnet werden, das tut Heikophilo aber nicht. Spaeter geht es nur noch darum, ob Wahrheit objektiv ist oder subjektiv. Damit ist aber der Faden zur Moral abgeschnittenn, denn man redet nicht mehr von Moral sondern nur noch von Wahrheit. Und wenn sehr viele Individuen unabhaengig voneinander die gleiche Wahrnehmung haben, dann sagen wir es ist Wahrheit. Wir verstehen es dann als objektive Wahrheit. Das finde ich auch korrekt und die Wahrheit ist dadurch eine Sache die uns verbindet und wir verstehen sie dann als objektiv. Das ist aber bei der Falschheit ganz genauso. Dinge die niemand oder fast niemand wahrnimmt, deklarieren wir als Falsch und auch das kann uns verbinden. Deswegen finde ich die Analogie von Moral/Unmoral zu Wahr/Falsch nicht sehr gut.

    Moral als einen bewiesenen objektiven Wert anzusehen geht mir nicht so in den Kopf, denn ich denke, das Moral ein System von Werten ist und Werte an sich nicht objektivierbar sind, sondern nur fuer die Menschen gelten koennen, die sie aufgrund ihrer Konditionierung eben eine bestimmte Moral als objektiv ansehen. Das bedeut aber nicht, das diese Moral auch fuer andere Menschen objektiv ist.

    Wir sind hier im gleichen Problem, wie bei der Wertlehre von Marx, wo auch behauptet wird, es gaebe einen objektiven Wert. Noch bin ich da anderer Meinung.

    Vielen Dank an dich Heikophilo fuer die tollen Videos.
    gruss
    zap

    • michael sagt:

      „Unmoral die Subjektivitaet zugeordnet werden, “
      subjektiv wäre eine vorliebe, wie zb lieblingseissorte = erdbeereis.
      du könntest nicht sagen, erdbeereis als lieblingssorte ist unmoralisch oder falsch.

  9. heiko philo sagt:

    Für Peter, der sich als offen bezeichnet, aber mir etwas abwertend rüber kommt – ich bin drüber weg gekommen, aber habe es mir gemerkt: Ich bin lange raus aus dieser Art zu argumentieren, ich glaube auch nicht, dass es besonders wichtig ist, dass ich hier Recht behalte. Böse Menschen lassen sich nicht durch Moraltheorien bekehren, sondern nur durch Liebe, Anreiz oder Druck. Gute Menschen akzeptieren Moral / Ethik, was braucht man da Beweise.
    Trotzdem: Zwischen Wahrheit und Falschheit gibt es einen universellen Kontrast. Es gibt keine anderen praktisch interessanten Aussagen. Wahrheit kann man universell der Falschheit vorziehen. Falschheit kann man nicht universell der Wahrheit vorziehen. Wenn Moral / Ethik (ich gebrauche diese Begriffe hier und im Video synonym) irgendwas mit universeller Bevorzugbarkeit von Handlungen zu tun hat, und das ist die These hier, dann interessieren die Fälle von „manchmal bevorzugbar“ nicht und dann ist Wahrheit objektiv besser als Falschheit.

  10. Peter sagt:

    Hallo Heiko!

    Danke für Deine direkte Rückmeldung!

    „Für Peter, der sich als offen bezeichnet, ..“
    Ich habe meine Kritik als offen bezeichnet, nicht mich. Diese Einschätzung überlasse ich lieber anderen.

    „Ich bin lange raus aus dieser Art zu argumentieren, ..“

    Aus welcher Art zu argumentieren?

    „Böse Menschen […] Gute Menschen […]“

    Das fällt für mich in die gleiche Kategorie wie „links/rechts“.

    „Gute Menschen akzeptieren Moral / Ethik, was braucht man da Beweise.“
    Ihre eigene Moral, oder eine „objektive Moral“, die von anderen einfach postuliert wird?

    „Zwischen Wahrheit und Falschheit gibt es einen universellen Kontrast.“
    Ich denke, dem würden viele Menschen zustimmen,…

    „Es gibt keine anderen praktisch interessanten Aussagen.“
    ..dem m.E. eher weniger.

    „Wahrheit kann man universell der Falschheit vorziehen. Falschheit kann man nicht universell der Wahrheit vorziehen.“
    Ich freue mich, hier ein „kann“ lesen zu können.

    „Wenn Moral / Ethik (ich gebrauche diese Begriffe hier und im Video synonym) irgendwas mit universeller Bevorzugbarkeit von Handlungen zu tun hat, und das ist die These hier, dann interessieren die Fälle von “manchmal bevorzugbar” nicht und dann ist Wahrheit objektiv besser als Falschheit.“ und „… ich glaube auch nicht, dass es besonders wichtig ist, dass ich hier Recht behalte.“
    Ich sehe die riesige Bedeutung und die Auswirkungen, wenn man eine universelle Bevorzugbarkeit von bestimmten Handlungen (aka Universally Preferable Behaviour) beweisen würde. Daher halte ich es für umso wichtiger, die Argumentation und die Beweisführung ganz genau und sehr kritisch zu untersuchen und dabei jede wahrgenommene Unstimmigkeit klar und direkt anzusprechen und zu diskutieren. Wenn meine Kritik an den Argumenten und der Argumentationskette, die als Nachweise für solche „universell zu bevorzugende Handlungen“ vorgebracht werden, als Kritik an dem Menschen aufgefasst wird, der sie vorbringt, tut mir das leid. Wenn ich im Eifer der Diskussion auf Aussagen reagiere, die ausserhalb des Rahmens einer sachlichen Argumentation oder Diskussion platziert werden, und dabei ebenso mit meinen Aussagen ausserhalb dieses Rahmens lande, bedaure ich das und bitte darum, mir das mitzuteilen und mir das zu entschuldigen. Ebenso natürlich für den Fall, dass ich selbst initiiere, Aussagen ausserhalb dieses Rahmens zu platzieren.

    Grüsse,
    Peter

    • sandman sagt:

      Hallo Peter,

      ich glaube aus Deinen Kommentaren zu erkennen, dass Du Heikos Argumentation entweder nicht richtig verstanden hast oder irgendetwas in sie hinein interpretierst, was gar nicht enthalten ist. Beides mag auch zusammenhängen.

      Um sicher zu sein, bitte ich Dich, Heikos Argumentation und Ergebnis in wenigen Sätzen zusammenzufassen. Vielleicht kann ich dann eventuell vorhandene Missverständnisse ausräumen.

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