FAQ – Antworten zum Voluntarismus

On 8. Oktober 2011, in FAQ, Voluntarismus, by FreiwilligFrei

 

 

Häufige Fragen

Wenn sich die erste Empörung gelegt hat, kommen häufig die gleichen Fragen.

Als Antwort auf die häufigsten Fragen habe ich ein Buch geschrieben, das sich komplett auf dieser Seite befindet. Der Titel: »Kein Zweck heiligt Zwang — Alternativen zur demokratischen Gewaltherrschaft«

»Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt, frei zu sein.«

Johann Wolfgang von Goethe

Vorab eine augenzwinkernde Warnung:

Was ist ein Voluntarist?

Ein Voluntarist will auf initiierende Gewalt und Zwang verzichten. Das klingt selbstverständlich. Wer wäre schon für Zwang und Gewalt? Jeder lehnt Dinge wie seelische Kindesmisshandlungen, Sklaverei, Raub und Erpressung ab, könnte man meinen. Der Voluntarist möchte jedoch, dass Erwachsene nicht nur bei privaten und geschäftlichen Begegnungen mit anderen Erwachsenen auf Gewalt verzichten — der Voluntarist möchte, dass die gleichen Regeln auch in der Familie und der Gesellschaft gelten.

Inwiefern herrschen denn in der Familie und der Gesellschaft Gewalt?

Initiierende Gewalt und Zwang sind die Grundlagen der Erziehung und der Politik. »Gewalt« rührt von dem althochdeutschen Verb »waltan« her, was so viel bedeutet wie »beherrschen«. Von Gewalt kann man also sprechen, wenn ein Einzelner oder eine Gruppe über andere herrscht und Gebote wie Verbote erlassen werden — so wie in der Erziehung oder der Politik. Schreiben Eltern dem Kind vor, dass es den Tisch zu decken hat oder wann es ins Bett gehen muss, ist das eine Form von Gewalt; wenn der Staat den Bürger zwingt, Steuern zu zahlen, auch wenn der das nicht möchte, ist das eine Form von Gewalt.

Aber da liegen doch keine bösen Absichten zugrunde? Nutzen Eltern und Politiker ihre Macht nicht zum Besten der Kinder und Bürger?

Der Voluntarist unterstellt allen die besten Absichten: Eltern, Politikern und auch Wählern, also denen, die die Politiker scheinbar legitimieren. Alle haben das Kindes- oder Allgemeinwohl im Auge. Sicher mag es Ausnahmen geben, aber das sind eben Ausnahmen. Die Zwangs- und Gewaltbefürworter haben Angst, dass Kinder ohne gewisse Zwangsmaßnahmen verwahrlosen und sich nicht zu reifen Menschen entwickeln. Ebenso haben sie Angst, dass die Menschen ohne das Gewaltmonopol des Staates zu noch größeren Gewaltopfern würden, weil dann auf Straßen Mord und Totschlag ausbräche. Steuern und freiheitsbeschneidende Gesetze seien da doch das geringere Übel. Die Zwangsbefürworter befürchten überdies, dass es ohne einen umverteilenden Staat zu extremen Reichtumskonzentrationen käme und »einfache Menschen« dann verarmen oder ausgebeutet würden.

Was gibt es denn daran auszusetzen, dass man armen Menschen helfen will?

Gar nichts, so lange man es mit seinem eigenen Geld tut oder andere ohne Drohungen davon überzeugt, sich freiwillig zu beteiligen. Womit ich Schwierigkeiten habe, ist das Umverteilen mit der Pistole oder — um es freundlicher auszudrücken — »Tue Gutes auf Kosten anderer«. Auch wenn es den meisten nicht bewusst sein mag, implizit steht dahinter der Gedanke: »Wirklich edle Zwecke heiligen auch ethisch fragwürdige Mittel.«

Verzicht auf Gewalt hört sich ja schön friedlich an, aber was tut ein Voluntarist, wenn er beispielsweise überfallen wird?

Wenn man sich gegen einen Angriff verteidigen will, ist eine verteidigende Anwendung von Gewalt gerechtfertigt. Man muss zwischen initiierender und verteidigender Gewalt unterscheiden. Initiierende Gewalt hält der Voluntarist nie für gerechtfertigt. Das gewaltfreie Prinzip der Voluntaristen lautet also:

Menschen können tun und lassen, was sie wollen, solange sie das Leben anderer Leute, deren Freiheit und Eigentum nicht verletzen.

Oder als Gebot formuliert: Du darfst niemanden verletzen, mit Drohungen zu etwas zwingen oder berauben.

Sind Voluntaristen auch gegen einen demokratischen gewählten Staat?

Jede Art des Staates — auch ein demokratisch gewählter — setzt sich über das Prinzip der Freiwilligkeit hinweg und nutzt systematisch initiierende Gewalt und Zwangsmittel gegen Bürger, die unschuldig sind, also nicht ihrerseits Gewalt initiiert haben. Alle Staaten zwingen den Bewohnern des jeweiligen Landes mit Waffengewalt Produkte und Dienstleistungen auf. Der Staat verspricht, seine Bürger mittels Polizei und Armee zu beschützen und dafür müssen die Bürger Steuern bezahlen, ob sie diese Dienstleistung wollen oder nicht. Sollte jemand die unverlangten Dienstleistungen nicht bezahlen, wird man ihm sein Geld mit Gewalt abnehmen und ihn in einem Gefängnis zusätzlich seiner Freiheit berauben. Wenn man sich gegen die Festnahme wehrt, werden die Staatsvertreter sogar Waffen einsetzen.

Voluntaristen möchten, dass für alle die gleichen Gesetze gelten und nicht andere für Träger von Uniformen. Wenn ein einzelner Bürger das tun würde, was die Staatsvertreter machen, würde man das räuberische Erpressung, Nötigung oder Freiheitsberaubung nennen:

  • Räuberische Erpressung
    »Räuberische Erpressung« laut Wikipedia:
    »Die Abgrenzung zum Raub ergibt sich nach der Auffassung der Rechtsprechung dadurch, dass beim Raub das Wegnehmen im Vordergrund steht, während sich der Täter der räuberischen Erpressung die Beute vom eingeschüchterten Opfer übergeben lässt.«
    Hier also: Zahle Steuern und Sozialabgaben in der Höhe, die wir für richtig halten, oder wir schicken dir bewaffnete Damen und Herren vorbei, die dich mitnehmen, einsperren und die bei deinem Widerstand »auch von der Schusswaffe Gebrauch machen« (das wäre bei umgekehrten Rollen dann übrigens der Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung).
  • Nötigung
    »Nötigung« laut Wikipedia: »Wer einen Menschen mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt.«
    Hier also: Wehrpflicht, Zivildienst und Schulpflicht
  • Freiheitsberaubung
    Hier: Gefängnis bei opferlosen Verbrechen wie Drogengebrauch, Glücksspiel, Wehr- und Ersatzdienstverweigerung, unter Volljährigen einvernehmliche Prostitution, Schulschwänzen und Weigerung gegen Schutzgeldzahlungen, also Schmuggeln, Schwarzarbeit und Steuerverweigerung.

Aber wir haben uns doch in freien Wahlen darauf geeinigt, dass jeder seinen Teil zum Gemeinwohl beitragen muss.

In einer Demokratie kann ich lediglich mitbestimmen, wer mir Gewalt antun darf, und ich habe einen winzigen Einfluss darauf, was mit dem erbeuteten Geld geschieht. Freiheit ist etwas anderes: Frei wäre ich, wenn ich vorher gefragt würde, ob ich an dem Projekt »Demokratie und Sozialstaat« teilnehmen möchte. Und natürlich müsste ein »nein« erlaubt sein. Allein durch die Tatsache, dass ich bei der Wahl meines Oberhauptes teilnehmen darf, verdient das derzeitige System noch lange nicht das Prädikat »freiheitlich«.
Nehmen wir an, ich bekäme in meinem Geschäft Besuch von der Mafia und die würden mir ein Angebot machen, das ich auch nicht ablehnen könnte: die regelmäßige Zahlung von Schutzgeld, dessen Höhe sich prozentual an meinen Einnahmen bemisst. Deren Angebot würde moralisch nicht auf einmal unbedenklich, wenn ich als Gegenleistung bei der nächsten Wahl des Mafiabosses teilnehmen dürfte. Das Mafia-Angebot würde ebenso wenig moralisch, wenn die Mafia einen Teil des erbeuteten Geldes der Wohlfahrt spenden würde. Übrigens fließt auch bei der Mafia ein Teil der Einnahmen in einen Fonds, der den betroffenen Familien zugute kommt, wenn ein Mafiosi ins Gefängnis kommt oder erschossen wird.

Wer mit der Politik unzufrieden ist, kann doch selbst Politiker werden und sich wählen lassen.

Wenn ich meine Metapher noch einmal bemühen darf: Ich glaube nicht, dass sich die von Schutzgeld-Erpressungen geplagten Mafia-Opfer besser fühlen, wenn man sie auf die Möglichkeit hinweist, dass man auch die Mafia infiltrieren, dort die Kontrolle übernehmen und sie dann moralisch bekehren kann.

Akzeptieren Voluntaristen nicht unser demokratisches System, indem sie weiter in Deutschland leben? Niemand hindert sie, das Land zu verlassen.

Wenn das Argument moralisch stimmig wäre, dürfte ich dann nicht auch von all meinen Nachbarn Schutzgeld erpressen und argumentieren, dass sie der Schutzgelderpressung zustimmen, weil sie schließlich nicht wegziehen?
Außerdem gilt: Selbst wenn ich mein eigenes Grundstück nie verlassen und völlig autarker Selbstversorger würde, bliebe ich ein Opfer von Nötigung und räuberischer Erpressung des Staates.

Die meisten Voluntaristen nutzen aber doch Errungenschaften des Staates wie zum Beispiel Straßen?

Dazu auch eine Gegenfrage: Verliert ein Sklave das moralische Recht, Sklaverei anzuprangern, wenn er von seinem Sklavenhalter ein Essen bekommen und es gegessen hat?

Es fällt einem sehr schwer, jemandem unvoreingenommen zu begegnen, der gegen unsere Demokratie argumentiert.

In unserer Geschichte gab es furchtbare Diktaturen und deshalb empfinden wir die Demokratie zurecht als Fortschritt. Wir fühlen uns zu lebenslanger Dankbarkeit verpflichtet und bekommen sofort Schuldgefühle, wenn wir demokratiefeindliche Gedanken hegen. Das Wort »demokratisch« ist zu einem Synonym geworden für Begriffe wie »menschlich«, »freiheitlich« und »sozial«. Demokratiekritisches erweckt dementsprechend sofort Assoziationen von Unmenschlichkeit, Unsicherheit und Ungerechtigkeit. Bei aller erlaubten Kritik an unserem derzeitigen System drehen sich die Gedanken deshalb immer im Kreis: Wir fragen lediglich, was die gerechteste Staatsform ist, wie wir die Demokratie verbessern können und welche Art der Politik am besten ist; auf die Idee, dass Staat, Demokratie und Politik das eigentliche Problem sind, kommen wir nicht. Wir haben gelernt zu glauben, dass Macht einfach nur auf viele Personen verteilt werden muss. In der Monarchie konzentriert sich die Macht auf einen, und wenn die Macht auf viele verteilt wird, so wie es in der Demokratie zu sein scheint, dann liegen wir richtig, so denken wir. Die Frage, warum überhaupt Macht sein muss, wird fast nie gestellt.

Wobei es natürlich nicht darum geht, wieder zu einer Monarchie zurückzukehren, sondern über die Demokratie hinauszuwachsen. Wenn wir in eine Krise geraten, erklären wir sie damit, dass eben die falschen Politiker an der Macht sind. Wir halten es für völlig normal, dass unsere Regierung Rechte besitzt, die wir einem Einzelnen nie einräumen würden. Sie darf entscheiden, was von unserem Eigentum wir behalten dürfen und was nicht, welche Handlungen uns erlaubt sind, zu welchen wir verpflichtet und welche verboten sind, und die Regierung entscheidet, welche Art von Buße wir tun müssen, wenn wir gegen ihre willkürlichen Regeln verstoßen haben. Da wir in freien Wahlen über all das gleichsam mitentschieden haben, betrachten wir alle Entscheidungen und Handlungen der Regierung als Entscheidungen und Handlungen von uns selbst an uns selbst. Das ist jedoch aus mehreren Gründen nicht richtig.

  • Zunächst wählt nur ein Teil der Menschen. Bei der Bundestagswahl 2002 beispielsweise waren von 82 Millionen Deutschen nur etwas mehr als 61 Millionen wahlberechtigt. Gewählt haben etwa 49 Millionen Deutsche, und 23 Millionen Stimmen haben der Regierungskoalition gereicht, zusammen die absolute Mehrheit zu erzielen. Die Repräsentanten von 28 Prozent der Menschen haben also in Deutschland das Sagen. Pech hat, wer nicht wählen darf, wem keine der Parteien wählbar erscheint, wer für die Verlierer gestimmt hat und wer noch nicht geboren ist, aber später sicher unter der jetzigen Politik leiden wird, weil er zum Beispiel schon als Säugling hoffnungslos verschuldet ist. Oft wird gesagt, die Demokratie sei eigentlich eine Diktatur der Mehrheit; eine akkuratere Beschreibung der Demokratie wäre allerdings: »Diktatur einer Minderheit«.
  • Selbst die 28 Prozent der Deutschen, die für die Regierung gestimmt haben, regieren sich natürlich nicht wirklich selbst. Sie haben für eine Partei gestimmt und nicht für einzelne Gesetze. Einmal gewählt, kann der Volksvertreter prinzipiell entscheiden, wie er will. Wie verkommen unsere Demokratie in Deutschland tatsächlich ist, hat der Professor für öffentliches Recht und Verfassungslehre Hans H. von Arnim in seinem Buch »Das System. Die Machenschaften der Macht« eindrucksvoll beschrieben. Ein Großteil der Macht liegt außerdem in den Händen Hunderttausender ernannter und nicht gewählter Bürokraten, denen der Volkswille ziemlich egal sein kann. Inzwischen sind das auch meist nicht einmal mehr Landsleute, sondern europäische Bürokraten, die auch nie demokratisch gewählt wurden.
  • Wenn wir die ersten beiden Punkte einmal außer acht lassen, bleibt immer noch das Problem, dass sich Demokratie moralisch nicht rechtfertigen lässt. Wenn ein einzelner Mensch nicht das Recht hat, einem anderen seinen Willen aufzuzwingen, dann ändert sich dieses Grundrecht auch nicht, wenn 1000 Menschen sich zusammenschließen, um den einen zu etwas zu nötigen, was er selbst nicht will. Ein kleines Gedankenexperiment zeigt, wo das moralische Problem der Demokratie liegt:

Stellen wir uns vor, ein kleines Flugzeug mit drei Personen stürzt auf einer einsamen Insel ab. Die Insassen überleben den Absturz und es waren glücklicherweise Vorräte für vier Wochen an Bord, die den Absturz auch unbeschadet überstanden haben. Da kein Notruf abgegeben werden konnte, ist nicht klar, ob und wann Rettung kommen wird. Die Meinungen zur Vorgehensweise gehen auseinander: Der Pilot will sich nicht auf eine Rettung von außen verlassen und plädiert dafür, gleich tätig zu werden, eine Hütte zu bauen, Wasser zu suchen, Fallen aufzustellen und sich autark zu machen. Die beiden anderen sind der Meinung, dass die Vorräte auf jeden Fall reichen bis Rettung eintrifft oder ein Schiff vorbeikommt. Man geht getrennte Wege. Die beiden legen sich zum Sonnen an den Strand und genießen den Urlaub mit Baden und Müßiggang. Der Pilot schuftet acht Stunden pro Tag und macht sich unabhängig.
Nach drei Wochen ist noch immer keine Rettung in Sicht und die beiden Müßiggänger werden unruhig. Wenn wir direkte Gewalt einmal ausschließen, haben sie jetzt zwei Möglichkeiten:

1. Die beiden haben einen gewissen Arbeitsrückstand zum Piloten, bis sie Unabhängigkeit von den mitgebrachten Vorräten erreichen. Diesen Rückstand könnten sie dadurch ausgleichen, dass sie in der verbleibenden Woche nicht acht Stunden am Tag arbeiten, sondern sechzehn. Wenn die beiden dem Piloten gegenüber zugäben, sich geirrt zu haben und um Tipps bäten, was es beim Werkzeug-, Hütten- und Fallenbau zu beachten gibt, würde sich dieser sicher kooperativ zeigen. Vielleicht würde er ihnen auch Werkzeuge und im Notfall auch Nahrung ausleihen.

2. Die andere Möglichkeit der beiden besteht darin, auf der Insel Demokratie auszurufen. Sie hätten zusammen die absolute Mehrheit und könnten durch Sozialgesetzgebung eine Umverteilung von der besitzenden Klasse zur bedürftigen Klasse herbeiführen. Diese Art des Zuammenlebens könnte sich sogar nachhaltig aufrecht erhalten lassen, wenn man den Piloten weiter bei Laune hielte. Dazu müsste man ihm zugestehen, nach Abzug seines Solidarbeitrages immer noch mehr zu besitzen als die Sozialhilfe-Empfänger.

Auch wenn sich die zweite Variante (Demokratie) aus der Sicht des Piloten wie Raub und Sklaverei darstellen würde — es ginge alles rechtmäßig und demokratisch zu. In diesem Beispiel wird deutlich, dass positives Recht, also durch Rechtsetzung von Menschen gemachtes Recht, nicht unbedingt etwas mit Gerechtigkeit zu tun haben muss. Das wissen wir spätestens seit der Nazi-Zeit, in der sich die damaligen Politiker, Richter und Offiziere auch damit rechtfertigten, nur nach geltendem Recht gehandelt zu haben. Dem positiven Recht steht das überpositive Recht gegenüber, das auch »Naturrecht« oder »Vernunftrecht« genannt wird. Dieses Recht beruht auf der Überzeugung, dass jeder Mensch von Natur aus — und nicht durch Konvention — unveräußerliche Rechte hat. Diese Rechte sind unabhängig von Geschlecht, Alter, Ort, Zeit, Staatszugehörigkeit oder der Staatsform, in der man lebt. Man kann diese Rechte am besten mit dem Recht auf Selbsteigentum zusammenfassen. Selbsteigentum bedeutet, dass über den Körper und die Lebensweise einer Person allein diese selbst zu bestimmen hat. Einschränkungen sind nur aus Notwehr statthaft. Daraus ergibt sich auch, dass die Freiheit eines Menschen seine Grenze in der Freiheit der anderen hat. An diesem Selbsteigentum darf sich auch nichts ändern, wenn sich eine Gruppe zusammenschließt. Bei der Beurteilung eines Lynchmobs wird kaum jemand gegen den ethischen Imperativ des Selbsteigentums protestieren. Nur wenn die Gruppe sehr groß wird und deren Repräsentanten sich »Staat« nennen, werfen die meisten auf einmal ihre moralischen Prinzipien über Bord und wollen nichts mehr davon wissen, dass niemand über den einzelnen Menschen bestimmen darf, weil der Mensch sich selbst gehört.

Neben den ethischen Erwägungen gibt es aber auch praktische (utilitaristische): Man versetze sich bei dem Inselbeispiel einmal in die Lage des Piloten und versuche nachzuempfinden, wie sich dessen Lust auf freiwillige Solidarität entwickeln wird, nachdem er gezwungen wurde, den Müßiggang der anderen Flugzeuginsassen zu subventionieren. Man vergleiche das mit seiner Motivation im ersten Fall, bei dem die beiden anderen nichts mit Gesetzesgewalt eingefordert, sondern um Hilfe gebeten haben.
Durch die erzwungene Solidarität wird die freiwillige Solidarität sinken. Die Empfänger der erzwungenen Sozialleistungen werden unselbstständig und abhängig. Das wiederum lässt sie irgendwann jedes Selbstwertgefühl verlieren, was sich nur einstellt, wenn man selbst Probleme löst. Es ist nur eine Frage der Zeit bis sich aggressive Langeweile breit macht. Selbst wenn diese »Hilfsbedürftigen« auf ein Leben ohne Arbeit blicken, kann man leicht sehen, dass man ihnen eigentlich einen Bärendienst erwiesen hat.
Dabei bleibt völlig unbenommen, dass es in jeder Gesellschaft tatsächlich Hilfsbedürftige gibt, und die Menschlichkeit gebietet es uns, denen Hilfe zuteil werden zu lassen. Allerdings muss diese Hilfe nicht erzwungen werden. Die freiwilligen Helfer sind dann auch sehr gut in der Lage, zu beurteilen, ob und in welchem Umfang Hilfe nötig ist.

Ok, ich verstehe jetzt die voluntaristische Argumentation. Aber was wäre die Alternative zu unserem jetzigen System?

Voluntaristen haben kein Gesellschaftssystem im Kopf, das irgendwie herbeigeführt werden soll. Das wäre wieder nur mit Zwang möglich, und von dem gilt es sich ja gerade zu befreien. Man kann nicht mit Zwang Freiheit herbeiführen. Genauso wenig kann man Gewalttätige mit Gewalt bekehren. Und man kann auch nicht politisch werden, um Politik abzuschaffen.
Eine freie Gesellschaft ergibt sich von alleine, wenn eine kritische Menge der Menschen Zwang und Gewalt in jedem Fall ablehnt, auch wenn die Gewalt angeblich einem höheren Zweck dient. Es geht nicht um das Ziel, sondern um die Mittel. Wenn man sich immer auf moralische Mittel beschränkt, wie sollte dabei etwas Unmoralisches herauskommen? Unmoralische Mittel hingegen verfehlen fast zwangsläufig ihre moralischen Ziele.
Ein Beispiel: In Deutschland bemühen sich die Bildungspolitiker seit den 60er Jahren um nichts mehr als um Chancengleichheit. Das Ergebnis: In keinem Land hat ein Kind aus den unteren Schichten so schlechte Aufstiegschancen wie in Deutschland (Stern.de: Das Märchen von der Chancengleichheit von Walter Wüllenweber).
Eine eindrucksvolle Dokumentation der Überlegenheit von privaten gegenüber staatlichen Schulen, findet sich in diesem Bericht:
> The Failures of State Schooling in Developing Countries (PDF)

Würden bei einem Verzicht auf die Schulpflicht nicht manche Kinder zuhause ungebildet verkümmern, weil deren Eltern sich überhaupt nicht für die Entwicklung ihrer Kinder interessieren?

Selbst wenn man in einigen Fällen nachweisen könnte, dass manche Kinder von einer Schulpflicht profitieren, kann das keine Pflicht rechtfertigen. Wo wäre die Grenze? Ist körperliche Nahrung nicht noch viel wichtiger als geistige Nahrung? Bei falscher Ernährung werden manche Kinder krank. Es könnte also Fälle geben, in denen manche Kinder von einer zentralen Essenspflicht profitieren würden. Eine Essenspflicht würde auch die Chancengleichheit verbessern. Es wäre ja ungerecht, wenn die Vorteile einer ausgewogenen, gesunden Ernährung nur den Kindern reicher Eltern zuteil würden.

Genau wie bei der Bildungspflicht, wüsste man bei einer Essenspflicht nicht, was die Konsequenzen wären. Vielleicht verlören auch hier viele die Lust am Essen und bekämen Essstörungen, die man dann HDD (hunger deficit disorder) nennen und medikamentös behandeln würde. Die Soziologen nennen das »law of unintended consequences«, das Gesetz der unbeabsichtigten Wirkungen, für das unzählige Beispiele gibt, in denen nach gut gemeinten Regierungsinterventionen am Ende genau das Gegenteil dessen passiert ist, was man erreichen wollte.

Wie würde es denn in der Praxis aussehen, wenn man sich nicht mehr an den Zielen, sondern den Mitteln orientierte?

Genau kann das keiner sagen. Eine voluntaristische Ordnung wäre für alles offen. Wenn zum Beispiel immer noch ganz viele Menschen ein Bedürfnis nach Demokratie hätten, dann könnten die sich zusammenschließen und gemeinsam vereinbaren, dass sie sich einen oder mehrere Führer wählen und dass diese Führer dann Regeln aufstellen können, nach denen sich die anderen zu richten haben. Der wichtigste Unterschied wäre allerdings: Für die, die sich nicht freiwillig der Demokratie-Gruppe angeschlossen haben, gelten die Regeln nicht.
Es könnte sich auch eine Kommunismus-Gruppe bilden, die vereinbart, dass alle in der Gruppe auf privates Eigentum verzichten. Das bestehende Vermögen sowie die laufenden Einnahmen in Form von Löhnen und Gehältern würden dem Kollektiv übertragen. Das Kollektiv würde dann Wohnraum, Nahrung und alle anderen Dinge zur Verfügung stellen, die fürs Leben gebraucht werden. Ich habe meine Zweifel, ob das eine sehr befriedigende und effektive Art des Zusammenlebens ist, aber wer das möchte und Leute zum Mitmachen findet, soll es haben — solange er es nicht anderen oktroyiert.
Denkbar ist natürlich auch eine Monarchie-Gruppe. Wer sich der anschließt, unterwirft sich einem König, der dann irgendwann durch seinen Sohn ersetzt wird und so weiter.

Das sind wohl eher Ausnahmefälle. Was würde wohl die Mehrheit der Menschen für eine Lebensform wählen?

Die meisten Menschen würden ziemlich sicher die Freiheit bevorzugen. Ich vermute, wenn der Staat heute seine Zwangs-Mitgliedschaft in eine freiwillige Mitgliedschaft umwandeln würde, dass dann fast alle austräten und keine Mitgliedsgebühr in Höhe der Hälfte ihres Einkommens mehr zahlen würden. Das Preis-Leistungs-Verhältnis der Produkte, die uns der Staat zu kaufen zwingt, ist einfach unbefriedigend. Unser Gesundheits-, Renten-, Rechts-, Sicherheits-, Verteidigungs- und Bildungssystem erfüllt unsere Bedürfnisse nach Sicherheit und Bildung nur ungenügend und zu teuer. Es gibt keine Leistung, die privat nicht besser und billiger angeboten werden könnte. In Geschäftszweigen, in denen Staaten ihr Monopol aufgeben, kann man sehen, dass die Preise sich im Mittel halbieren und die Qualität sich verdoppelt. Das liegt einfach daran, dass jedem Anbieter, der ein garantiertes Monopol besitzt, der Antrieb fehlt, ständig die Preise zu senken und die Produkte zu verbessern. Auf einem freien Markt sorgen die Kunden für diese Motivation; die wandern ohne Monopol einfach ab, und zwar zu einem anderen Anbieter mit einem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis. Beim Staat kommt noch hinzu, dass die Manager, sprich Politiker, nicht ihr eigenes Geld ausgeben, und fremdes Geld gibt sich zu einfach aus.

Wer kümmert sich um die Bedürftigen, wenn es keinen Staat mehr gibt?

Das ist der häufigste Einwand gegen eine freie Gesellschaft: »Was passiert, wenn ich Solidarität nicht mehr erzwinge?« Zunächst einmal: Zwang funktioniert hier nicht. Niemand kann Menschen zur Solidarität zwingen. In dem Moment, da jemand zu sozialem Verhalten gezwungen oder erpresst wird, ist sein Verhalten nicht mehr sozial. Schiller hat diese Erkenntnis in folgenden Satz gepackt:

Friedrich Schiller:
»Zur moralischen Schönheit der Handlung ist Freiheit des Willens die erste Bedingung, und diese Freiheit ist dahin, sobald man moralische Tugend durch gesetzliche Strafen erzwingen will.«

Genauso wenig kann ich mein Kind unter Strafe zwingen, gute Laune zu haben. Das wäre der sicherste Weg, ein dauerhaft missgelaunt und unfreundliches Kind zu bekommen. Sicher, Zwang kann kurzfristig funktionieren; wenn ich die Belohnung oder die Bedrohung hoch genug schraube, erziele ich Gehorsam. Aber zu welchem Preis? Und die Motivation hinter der gewünschten Handlung habe ich ohnehin nicht unter Kontrolle.
Empirische Daten bestätigen diese fast triviale Vermutung: In Ländern mit traditionsgemäß geringerer staatlicher Wohlfahrt ist das freiwillige Engagement für die Wohlfahrt deutlich ausgeprägter. Amerika ist immer noch ein gutes Beispiel, obwohl die Staatsquote dort inzwischen auch schon auf 40 Prozent angestiegen ist (Deutschland: über 50%).
Wenn ich etwas moralisch Gutes erzwinge, mache ich damit also eigentlich etwas kaputt. Jeder hat das schon zig mal an sich selbst erlebt: Es gab eine Tätigkeit, die man eigentlich gerne gemacht hat, und man verlor den Spaß an dem Tag, an dem die Tätigkeit zur Pflicht wurde, weil man zum Beispiel glaubte, damit Geld verdienen zu müssen.

Die Hoffnung ist also, dass ohne Staat die gleiche Solidarleistung wie heute erbracht würde?

Das weiß natürlich niemand genau. Aber wer wollte den Menschen unterstellen, dass sie zur Solidarität gezwungen werden müssen, weil sie sich sonst asozial verhalten würden? Nach dem Tsunami 2004 spendeten allein die Deutschen 670 Millionen Euro; wobei die 500 Millionen der Bundesregierung da nicht eingerechnet sind, denn das war keine freiwillige Spende. Da hat eine Person (Gerhard Schröder) das Geld anderer (der Steuerzahler) verschenkt . Bei der Elbeflut 2002 wurden auch 350 Millionen gespendet.
Die gute Nachricht ist jedoch: Es muss gar nicht genauso viel gespendet werden, wie man uns heute unter Androhung von Gewalt abnimmt, denn die Zahl der Bedürftigen wird erheblich sinken. Wenn man, wie im letzten halben Jahrhundert geschehen, Arbeitslosigkeit fördert, muss man sich nicht wundern, wenn man immer mehr davon bekommt. Heute erhält eine Familie mit zwei Kindern im Monat über 1500 Euro Lohnersatzleistungen. Wenn der Mann oder die Frau also auf dem Markt nicht erheblich mehr bekommen, werden sie nicht arbeiten gehen. Sicher, der Lohn für eine unqualifizierte Arbeit sinkt möglicherweise deutlich unter 1500 Euro; man muss aber keine Angst haben, dass ein Arbeitgeber seinen Angestellten so wenig zahlen kann, wie er Lust hat, die Arbeitnehmer also auf die Gnade ihrer Arbeitgeber angewiesen sind. Ist der Arbeitnehmer deutlich mehr wert, als er bezahlt bekommt, wird ein anderer Arbeitgeber ihn gerne zu einem höheren Lohn einstellen. Ohne gesetzlich festgelegten Kündigungsschutz ist der Markt auch erheblich flexibler. Heute wird sich ein Arbeitgeber dreimal überlegen, ob er einen älteren Mitarbeiter einstellt, den er vielleicht nicht so schnell wieder los wird. Strukturelle Arbeitslosigkeit wird es ohne Staat nicht mehr geben. Wenn die Unternehmen heute keine Menschen mehr einstellen, dann heißt das nicht, dass sie keine weiteren Arbeitnehmer mehr gebrauchen können, sondern nur, dass sich weitere Arbeitnehmer zu den heutigen Bedingungen (Lohnforderungen, Lohnnebenkosten, Kündigungsschutz, gesetzliche Anforderungen an den Arbeitsplatz etc.) nicht rechnen.

Die Leute, die Arbeit haben, verdienen »netto gleich brutto«, also erheblich mehr und werden es sich leisten können, gute Berufsunfähigkeits-Versicherungen abzuschließen. In einer freien Gesellschaft wird außerdem die Familie wieder an Bedeutung gewinnen, denn das war vor der Ära des Sozialstaats über Jahrtausende das klassische Sicherheitsnetz. Der kleine Teil der Menschen, der auch hier keine Hilfe bekommt, ist dann tatsächlich auf die freiwillige Hilfe Fremder angewiesen. Die werden aber erstens mehr zum Spenden zur Verfügung haben, zweitens wieder Spaß daran entwickeln, weil man sie nicht mehr zwingt, und drittens wird man sich mit privater Hilfe wieder besser profilieren können, da sie tatsächlich benötigt wird.

Wie werden sich denn die fühlen, die nun auf Almosen angewiesen sind?

Wer auf die Hilfe anderer angewiesen ist, wird sicher kein Anspruchsdenken entwickeln. Anspruchsdenken zerstört beim Gegenüber nämlich die Freude am Geben. Das ist der große Unterschied zwischen einer Forderung und einer Bitte. Nehmen wir an, mein Nachbar, mit dem ich befreundet bin, gerät in eine unvorhergesehene Notlage, weil seine Firma Bankrott macht. Er käme jetzt zu mir und sagte so etwas wie: »Hey, du verdienst so viel Geld und ich nichts. Du bist verdammt noch mal moralisch verpflichtet, mir etwas abzugeben.« Wie groß wäre dann meine Motivation ihm zu helfen? Wenn er allerdings um Hilfe bittet, statt sie zu fordern, würde ich ihn sicher nicht verhungern lassen. Ich werde ihm aber auch nicht den Rest seines Lebens einen 1500-Euro-Scheck garantieren, der ihm anonym zugestellt wird.
Heute wird sich ein Arbeitsloser nie wieder um Arbeit bemühen, wenn er von seinem Lohn Unterhalt für mehrere Kinder zahlen muss und weiß, dass der Staat auf jeden Fall für seine Kinder einspringt. Ihm ist klar, dass außer dem Staat an seiner Arbeit keiner gewönne. Diese Art der Fernstenliebe überfordert jeden. Wer von uns würde 40 Stunden in der Woche arbeiten, damit jedem Deutschen pro Monat 0,0025 Pfennige zukämen (2000 Euro Gehalt umgerechnet auf 80 Millionen Deutsche)?
Wir tun auch niemandem einen Gefallen, wenn wir ihm für den Rest seines Lebens das Dasein sichern. Für so jemanden verliert alles an Bedeutung. Die größte Motivation und das größte Glücksgefühl stellt sich bei uns Menschen ein, wenn wir uns einsetzen, um unser Leben zu verbessern und wir dabei erfolgreich sind. Wenn ich jemanden um diese Chance beraube und ihm lebenslang alimentierte Arbeitslosigkeit schenke, ist das sicher kein Akt der Barmherzigkeit.

Aber irgendwie will man den Menschen doch helfen.

Walter Wüllenweber hat 2004 in einem Artikel, für den er den Henri-Nannen-Preis bekam, eindrucksvoll und sprachlich brillant beschrieben, was es heißt, den Menschen die Zukunft zu nehmen. (Ende 2007 hat er dann mit dem schockierenden »Voll Porno« nachgelegt.) Seine Quintessenz lautet »Bildung«. Sein Lösungsvorschlag lässt sich auch mit dem bekannten chinesischen Sprichwort zusammenfassen: »Gib einem Hungernden einen Fisch, und er wird einen Tag lang satt; lehre ihn das Fischen, und er wird sein Leben lang satt.« Ich möchte das Sprichwort jedoch gerne umformulieren:
Schenke einem Hungernden keinen Fisch, schenke ihm auch kein lebenslanges Abo für ein Fischrestaurant, bringe ihm noch nicht einmal ungefragt das Angeln bei; halte ihn einfach nicht davon ab, sich das Angeln selbst beizubringen. Sollte er dich dabei eines Tages um Rat fragen, wirst du ihm gerne helfen.

Die Einstellung jeglicher Hilfe — wäre das auch die voluntaristische Philosophie im Umgang mit Entwicklungsländern?

Ja genau. Nehmen wir das Beispiel Afrika: Nach 50 Jahren Entwicklungshilfe befindet sich das Land in einem schlechteren Zustand als zu der Zeit, in der noch kein Geld floss. Die Lösung der Globalisierungsgegner und prominenter Popmusiker von Bono über Campino bis Geldof und Grönemeyer lautet im Gegensatz dazu: mehr vom Gleichen. Sie wollen also, dass den Menschen im Westen unter Androhung von Gewalt mehr Geld abgenommen wird, um damit eine Förderung auszuweiten, die nicht nur nichts nützt, sondern offensichtlich schadet. Alle Experten, die weder für eine Regierung arbeiten noch von Nichtregierungsorganisationen bezahlt werden, also wirklich unabhängig sind, sind sich einig, dass Entwicklungshilfe schadet. Das trifft auch — oder sogar ganz besonders — für die afrikanischen Experten zu. Sie wissen: Entwicklungshilfe bringt folgende Probleme mit sich, die sich einfach nicht vermeiden lassen:

  • Sie stellt tyrannischen Staatsoberhäuptern die Mittel zur Verfügung, ihre Völker zu unterdrücken.
  • Geld aus dem Ausland fördert eher die politische Industrie als die Wirtschaft oder die Produktivität vor Ort. Als Folge bemühen sich Afrikaner mit Potenzial eher darum, auch vom politischen Spiel zu profitieren und suchen ihr Glück in der Politik statt in der Wirtschaft. Politik schafft jedoch keinen Wohlstand. Das kann nur die Wirtschaft. Ein Bonmot, das in der Szene jeder kennt, lautet: Entwicklungshilfe ist das Alimentieren der Reichen in den armen Ländern durch die Armen in den reichen Ländern.
  • Eigenständige privatwirtschaftliche Lösungsansätze und freier Unternehmergeist werden durch regierungsamtlich installierte Hilfen eher verhindert. Es entstehen ausgedehnte Bürokratien und zentralisierte Planwirtschaft. Eigeninitiative wird so bei Mächtigen und Ohnmächtigen gleichermaßen gelähmt und eine Bettlermentalität genährt. Alle erwarten, dass ihre Probleme von anderen gelöst werden. Es ist natürlich auch nicht im Interesse der Hilfsindustrie, einheimische Lösungsansätze zu fördern, da sie von den afrikanischen Problemen lebt. Selbst Nichtregierungsorganisationen, die anfangs hilfreich waren, sind es inzwischen nicht mehr. Die Menschen haben die besten Absichten, aber nun hängen viele Mitarbeiter von der Existenz ihrer Hilfsorganisationen ab und machen sich gegenseitig Konkurrenz. In manchen Gegenden treten sich die Hilfsorganisationen schon gegenseitig auf die Füße, so viele sind es — 3000 allein im kleinen Benin. Die Entwicklungshelfer müssen ihre Jobs rechtfertigen und jeden Tag aufs Neue beweisen, dass Afrika hilfsbedürftig ist. Wenn ein westlicher Journalist etwas über Afrika erfahren will, fragt er die privaten Hilfsorganisationen und die berichten, wie wichtig weitere Hilfe ist.
  • Nahrungsmittelhilfen ersetzten die einheimische landwirtschaftliche Produktion, zerstören die Märkte und führen zu immer weiterer Abhängigkeit. Afrika hat die Fähigkeit zur Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln verloren, die es hatte, bevor Entwicklungshilfe erfunden wurde. Die Pro-Kopf-Nahrungsmittelproduktion ist seit 1962 immer weiter gefallen.
  • Wird ein Projekt mit fremden Steuergeldern finanziert, fühlen sich die Afrikaner dafür nicht in dem Maße verantwortlich, als wenn sie ihr eigenes Geld investiert hätten.
  • Wenn sich afrikanische Politiker an ausländischen Spenden bereichern, fühlen sich die afrikanischen Bürger nicht so bestohlen, als wenn man ihnen das Geld weggenommen hätte. Die Politiker hätten einen viel größeren Rechtfertigungsdruck, wenn sie nur die Steuern ihres Volkes zur Verfügung hätten.
  • Häufig überschneiden sich die Programme der UN-Filialen und rivalisierenden Organisationen; es kommt zu Mehrfachförderungen. Nach eigenen Angaben kostet die mangelnde Koordination die Vereinten Nationen rund sieben Milliarden Dollar pro Jahr.

Das Konzept der Entwicklungshilfe wurde als strategisches Instrument im Kalten Krieg erfunden, um Vorherrschaft und Einfluss aufrechtzuerhalten. Aus dem nehmenden Kolonialismus ist nun lediglich ein gebender Kolonialismus geworden. In Uganda und Tansania speisen sich zum Beispiel 50 Prozent des Staatshaushalts aus Entwicklungshilfe. In solchen Fällen hört die Führung nicht auf ihre Wählerschaft, sondern auf die Geldgeber und investiert seine Zeit lieber in Verhandlungen mit Spendern statt in das Problemlösen vor Ort. Wie wirksam das Modell von Milliardentransfers ist, kann man übrigens auch in den sterbenden Regionen der neuen Bundesländer studieren.

Zur Frage, welche Rolle der Kolonialismus spielt, schreibt Thilo Thielke im Spiegel: »Demokratie ist in Afrika ein relativ neues Phänomen. Bis in die sechziger Jahre herrschten fast überall die Kolonialmächte, danach Diktatoren entlang der Fronten des Kalten Kriegs: hier Mobutu, dort Mengistu. Massenmorde sah man den Herrschern nach, wenn nur die Ideologie stimmte. Dass in europäischen Medien ein schwarzer Toter weniger zählt als ein weißer, ist jedenfalls ein sich hartnäckig haltender Mythos. In Wahrheit zählt nämlich nicht das schwarze Opfer wenig, sondern der schwarze Täter. Wo sonst auf der Welt hätte man sich solche Leichenberge leisten können, ohne den Verlust der Reputation und internationalen Unterstützung zu riskieren? In Afrika geht das immer noch. Und das ist wenigstens ein Grund dafür, warum das Schuldbewusstsein der afrikanischen Alleinherrscher so unterentwickelt ist. Jahrzehntelang haben ihnen die Entwicklungshelfer souffliert, für all das von ihnen angerichtete Elend sei in Wirklichkeit das böse Erbe des Kolonialismus verantwortlich.«
Etwas später schreibt er: »Der Rest der Welt trägt aber wirklich eine Mitverantwortung für das Desaster. Dass afrikanische Führer viel Geld für Waffen, Luxuskarossen und teuren Schnickschnack haben, liegt auch daran, dass sie sich um das Gesundheitswesen, die Infrastruktur oder die Bildung nicht mehr zu kümmern brauchen, weil in Afrika praktisch alles, was unter die Fürsorgepflicht des modernen Staats fällt, von ausländischen Helfern übernommen wird.«

Was genau sollte man in Sachen Entwicklungshilfe also tun?

Wir sollten die Entwicklungshilfe beenden und beginnen, einfach Geschäfte miteinander zu machen. Um dem Anpassungsprozess etwas Zeit zu geben und keinen Umstellungsschock auszulösen, könnte die Entwicklungshilfe stufenweise auf null reduziert werden.
Länder kommen nicht durch Geld- und Gütertransfers zu Wohlstand, sondern nur durch produktive Arbeit, Arbeitsteilung und freien Handel. Im Laufe der Geschichte haben die meisten Gesellschaften den Weg aus der Armut ohne Hilfsgaben von außen geschafft. Jedes entwickelte Land war einmal unterentwickelt, andernfalls befänden wir uns ja auch heute noch in der Steinzeit.
Voraussetzung für die Entwicklung sind wie bei uns Selbsteigentum, gesicherte Eigentumsrechte und Vertragsfreiheit. Wohlstand kann nur entstehen, wenn sich Investitionen lohnen, und dafür müssen sich die rechtlichen Rahmenbedingungen erheblich verbessern. Aus dem Vergleich der Investitionsbedingungen in 175 Ländern hat die Weltbank eine Rangliste erstellt, und die Mehrzahl der Länder in Afrika liegt weit abgeschlagen im unteren Drittel. Damit sich die Rahmenbedingungen verbessern, muss der Druck auf die afrikanischen Regierungen erhöht werden. Ohne Entwicklungshilfe würden die bestehenden Machtstrukturen wahrscheinlich schnell gesprengt. Die derzeitigen Machthaber sind natürlich keine Opfer, sondern Täter, und sie sind nicht arm. In Afrika besitzen 75.000 Millionäre über 700 Milliarden Dollar. Weitere 400 Milliarden befinden sich in afrikanischen Privathänden außerhalb Afrikas.

Der nächste wichtige Punkt ist der Verzicht auf sämtliche Handelsschranken, Zölle und Exportsubventionen. Wenn die Industrieländer Zölle auf afrikanische Produkte erheben, ist das natürlich keine Entwicklungshilfe, sondern eine Entwicklungsunterdrückung. Die Industrieländer schützen hierdurch lediglich ihre einheimischen Anbieter. Wenn dann auch noch die Herstellung unserer landwirtschaftlichen Produkte und deren Export subventioniert wird, drückt das die Weltmarktpreise auf ein künstlich niedriges Niveau. Die afrikanischen Anbieter der gleichen Produkte — oder alternativer Produkte — sind dadurch nicht mehr konkurrenzfähig. Diese landwirtschaftlichen Produktions- und Exportsubventionen der Industrieländer betrugen im Jahr 2004 über 350 Milliarden Dollar. Dem gegenüber stand eine Milliarde Dollar an Landwirtschaftshilfe, die nach Afrika floss. Was die westliche Agrarpolitik anrichtet, lässt sich mit Entwicklungshilfe nicht reparieren. Besonders schädlich ist es, wenn die Industrieländer auf verarbeitete Produkte aus Afrika höhere Zölle erheben als auf Rohstoffe. Das senkt die Nachfrage nach Verarbeitung in Afrika und dann siedelt sich dort auch weniger ausländische Industrie an.

Die einzigen, denen ein freier Handel schaden könnte, sind Interessensgruppen wie zum Beispiel die Landwirte der Industrieländer, die politische Elite in Afrika und die Menschen, die von der Entwicklungshilfe leben, also Angestellte der Nichtregierungsorganisationen und Angestellte der Regierungen. In Deutschland arbeiten zirka 600 Menschen im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Statt anderer Leute Geld zu verschenken und damit Unselbstständigkeit und Elend zu fördern, könnten sich diese Leute zukünftig eine bezahlte Arbeit in Afrika suchen. Der kulturelle und Wissensaustausch, der dadurch entsteht, bereichert das Leben der Menschen nämlich tatsächlich, wie der kenianische Ökonom und Entwicklungshilfegegner James Shikwati sagt: »Bis jetzt ist es die Interaktion zwischen dem großen Bruder, der Geld hat, und dem kleinen Jungen, der um Geld bettelt. Wir sollten die Entwicklungshilfe beenden und beginnen, einfach Geschäfte miteinander zu machen. Das wäre ein Austausch zwischen Gleichen. Man würde dann beginnen, uns zuzuhören, anstatt uns zu belehren.«

Viele Länder in Afrika waren nach dem Ende ihrer Kolonialzeit auf dem gleichen wirtschaftlichen Niveau wie Südkorea oder Taiwan. Während die südostasiatischen Tigerstaaten nach dem zweiten Weltkrieg den Weg des Kapitalismus und des Freihandels gingen, entschieden sich die meisten afrikanischen Staaten für Abschottung und sozialistische bzw. nationalsozialistische Modelle. Das Ergebnis: In Südkorea liegt das Pro-Kopf-Einkommen neunmal höher als das in Ghana. Auch Indien und China, ehemals die Armenhäuser der Welt, haben ihre Armut deutlich verringern können. Das Wirtschaftswachstum war in den vergangenen Jahrzehnten in ganz Asien deutlich höher als in Afrika. Auch hier waren die marktwirtschaftlichen Reformen und der Öffnung für den Welthandel das Geheimnis und nicht die Entwicklungspolitik. »Die Hilfsgelder waren nicht maßgeblich für den Erfolg der Schwellenländer Asiens«, meint der Professor für Entwicklungsökonomie an der Universität Leipzig, Helmut Asche.

Bartholomäus Grill, Leiter des Afrika-Büros der Zeit schreibt in seinem Artikel »Schneepflüge für Guinea«, der die Misere gut zusammenfasst: »Strümpfe stricken für die Negerkinder, so steht es schon in Thomas Manns Buddenbrooks. Die postmoderne Variante bei den Popkonzerten von Bob Geldof heißt: Gitarren zupfen für die Afrikaner. […] man will irgendwie kompensieren, was der ›weiße Mann‹ den Verdammten dieser Erde angetan hat. Und dabei setzt manchmal die Vernunft aus.«

Das klingt alles so herzlos. Man möchte aber doch mit seinen Spenden einfach nur Gutes tun und kann nicht glauben, dass das verkehrt sein soll.

Diese Sorge ist verständlich. Marktwirtschaftlern blutet das Herz im Angesicht des Elends in der dritten Welt jedoch ebenso wie Politikern, die sich in der Entwicklungshilfe engagieren. Der ugandische Entwicklungsexperte Andrew Mwenda, der auch fordert, jegliche Entwicklungshilfe einzustellen, antwortet auf die Frage eines Journalisten, ob es denn überhaupt etwas gebe, was man tun könne: »Wenn sie partout Geld geben wollen, dann bitte nicht an die Regierungen, sondern direkt an unabhängige Universitäten oder Forschungseinrichtungen.« Daraufhin fragt Rolf Ackermann von der Wirtschaftswoche nach: »Passiert das nicht längst?« Mwenda: »Nur in ganz geringem Umfang. Weniger als fünf Prozent gehen direkt an private Institutionen. Wenn überhaupt, dann brauchen wir Hilfe, die den Menschen nützt, nicht den Regierungen.«

Es geht hier bei der Kritik ausdrücklich nicht um humanitäre Hilfe, die freiwillig geleistet wird. Folgende Geschichte von Marshall Rosenberg macht vielleicht deutlich, worum es Voluntaristen geht:

Stellen wir uns vor, dass ein Mann flussaufwärts spazieren geht, ganz in der Nähe eines Wasserfalls. Auf einmal sieht er, dass ein Baby im Fluss schwimmt und auf den Wasserfall zutreibt. Der Mann springt kurzentschlossen in den Fluss und holt das Baby heraus. Kurz danach entdeckt er das nächste Baby im Fluss, das dem sicheren Tod entgegen treibt. Wieder springt er in Wasser und rettet ein Leben. Kaum verschnauft, sieht er nun zwei Babys, die hilflos im Wasser paddeln. Mit Mühe schafft er es, beide herauszuholen. Aber es scheint verhext: Kaum kommt er am Ufer an, um die Babys abzusetzen, entdeckt er neue im Fluss. Die Zahl der Kinder nimmt permanent zu, und inzwischen schafft er es nicht mehr, alle zu retten. Manche stürzen den Wasserfall hinunter und ertrinken. Was soll der Mann tun? Ja, so brutal es klingt: Er muss aufhören, weiter ins Wasser zu springen und unmittelbar Leben zu retten, aber nur, um noch mehr Leben zu retten, indem er nämlich die Ursache der Tragödie ermittelt und abstellt. Er muss flussaufwärts laufen und herausfinden, wer die Babys ins Wasser wirft, und denjenigen davon abhalten.

Wer baut die Straßen, wenn es keinen Staat mehr gibt?

Diese Frage stellen sich tatsächlich die meisten Leute, wenn sie das erste Mal darüber nachdenken, wie der Alltag ohne Staat aussähe. Es beginnt damit, dass es keine öffentlichen Grundstücke mehr gibt. Jede Straße, jeder Platz, jeder Wald, jeder Fluss gehört entweder einem Einzelnen, einer Firma oder einer Gruppe, die sich freiwillig zusammen geschlossen hat. Wenn mir nun zufälligerweise ein kleines Stück Straße gehören sollte, dann rechnet es sich natürlich nicht, dort ein aufwendiges elektronisches Mautsystem zu installieren. Ich werde die Straße wahrscheinlich einem größeren Konsortium verpachten, das dann ein ganzes Wegenetz verwaltet, in dem sich die Installation von Mautsystemen rechnet.
Man würde also bei jeder Straßenbenutzung bezahlen müssen. Die Gebühren wären in der Regel jedoch nicht sehr hoch. Aber sie wären abhängig von der Nachfrage. Und das hätte eine Menge Vorteile: Heute zahlt jeder Mineralölsteuer proportional zu den gefahrenen Kilometern, unabhängig davon, welche Straße er zu welcher Zeit benutzt. Privat würde das natürlich keiner so organisieren. Auf einem Markt bestimmt bei einem gegebenen Angebot die Nachfrage den Preis. Die Nutzung von wenig befahrenen Landstraßen wäre sehr billig; wer jedoch zur Stoßzeit durch die Stadt fahren will, müsste deutlich mehr bezahlen. Auch die Autobahnen wären zur Urlaubszeit vergleichsweise teuer. Damit würden Staus der Vergangenheit angehören. Auch nach Unfällen würden die Straßen viel schneller geräumt, denn im Gegensatz zum Staat, hat ein privater Betreiber ein großes finanzielles Interesse daran, dass die Leute seine Straßen nicht umfahren werden.
Wer sich trotzdem zu den teuren Zeiten bewegen will, kann Fahrgemeinschaften, Busse und Bahnen nutzen, die dann mehr nachgefragt und privat sicher kundenfreundlicher und pünktlicher betrieben würden. Es wird sich sicher auch eine Menge des Güterverkehrs, der derzeit zu 70 Prozent auf der Straße stattfindet, auf Bahn und Schiff verlagern, denn das Betreiben eines Speditions-LKWs wird wahrscheinlich teurer, zumindest wenn er sich hauptsächlich tagsüber auf Autobahnen bewegt.

England lieferte bereits im 18. Jahrhundert ein gutes Beispiel für den Unterschied zwischen einem staatlichen und einem privaten Verkehrsnetz: Die öffentlichen Straßen waren schlecht gebaut und schlecht erhalten. Sie hätten niemals die industrielle Revolution ermöglichen können. Tatsächlich errichteten private Straßengesellschaften seit 1706 ein großes Netz, um das England die ganze Welt beneidete. An speziellen Toren wurde eine Maut erhoben, mit der sich die Straßen refinanzierten. Und weil alle davon profitierten, verbanden sich die Straßengesellschaften miteinander, um ein effizientes Straßennetz für das gesamte Land zu schaffen.
Zwischen 1800 und 1830 entstand in den nordöstlichen Staaten Amerikas auf die gleiche Weise ein großes Straßennetz. Und auch hier zeigte sich, dass private Erbauer und Eigentümer dem Staat weit überlegen waren.

Aber gäbe es nicht ein heilloses Durcheinander, wenn nicht mehr der Staat die Verkehrsregeln festlegen würde? Und ist das nicht auch der Grund, warum wir eben in manch anderen Wirtschaftsbereichen jemanden brauchen, der gleichsam ein Machtwort sprechen kann?

Natürlich könnte jeder Straßenbesitzer seine Verkehrsregeln völlig beliebig festlegen. Wer wollte, könnte rosarota Ampeln bauen, die die Weiterfahrt bei der Anzeige himmelblauer Wölkchen erlaubten. Prinzipiell könnte ein Straßenbesitzer, um Geld zu sparen, auch ganz auf Fahrbahnmarkierungen, Verkehrsschilder und Ampeln verzichten. Nur läge das nicht in seinem Interesse, wenn es dadurch öfter zu Unfällen käme. Die Autofahrer würden seine Straßen wo immer möglich umgehen. Die Betreiber der Straßen würden sich deshalb sehr schnell auf die Regeln einigen, die zu der Mischung aus Annehmlichkeit und Sicherheit führen würde, die die meisten Leute wünschen. Es ist jedoch ein Irrglaube, dass ein Mehr an Markierungen und Verkehrszeichen immer zu größerer Sicherheit führt. Reinhard Sprenger beschreibt in einem seiner Bücher wie sich jahrelang am Baldeneysee Fußgänger und Radfahrer einen Weg teilen. Als es eines Tages zu einem schweren Unfall kommt, dauert es nicht lange, bis die Behörden den Weg unterteilen und den Radfahrern einen eigenen Bereich zuweisen. Von diesem Tag an stieg die Unfallquote dramatisch an. Wie kann das sein? Vorher achtete man eben aufeinander, und seit die Radfahrer sich auf ihrem Radweg im Recht fühlen, fahren sie weniger umsichtig.

Wie würden in einer staatslosen Gesellschaft Konflikte gelöst? Wie sähe das Rechtssystem aus und gäbe es ohne Polizei nicht Chaos und Bürgerkrieg?

Beginnen wir mit einem einfachen Beispiel, bei dem ich einen Verkehrsunfall habe: Ich rufe meine Versicherung an, und die wird einen Agenten schicken, um den Unfall aufzunehmen und Beweise zu sichern. Mein Unfallgegner wird das Gleiche tun. Betrachten wir nun zunächst den Fall, bei dem wir beide Kunde der selben Versicherung sind. Hier kommt natürlich nur ein Agent, und die Versicherung wird nachher selbst entscheiden, wer Schuld hatte, also je nach Vertrag eine Selbstbeteiligung und künftig höhere Prämien zahlen muss. Die Versicherung wird sich bemühen, ein besonders faires Urteil zu fällen. Sie kann es sich nicht leisten, beispielsweise Großkunden dauerhaft zu bevorzugen, weil sich so etwas schnell herumspräche und die Versicherung die meisten Kleinkunden verlöre.

Sind die Unfallgegner Kunde bei unterschiedlichen Versicherungen, passiert Folgendes: Schon lange vor dem ersten Unfall einigen sich alle Versicherungsgesellschaften auf die Vorgehensweise in Konfliktfällen. Sie werden wahrscheinlich vertraglich festlegen, sich dem Urteil eines privaten unabhängigen Schlichters zu unterwerfen. Dieser Schlichter fungiert dann wie ein Gericht. Auch er wird bemüht sein, möglichst faire Urteile zu fällen, denn würde er beispielsweise immer die größeren Versicherungsgesellschaften bevorzugen, würden sich die kleineren künftig nicht mehr mit den anderen Gesellschaften auf diesen Schlichter einigen. Im Gegensatz zu den heutigen Gerichten, auf deren teure Urteile man oft Jahre warten muss, könnten Schlichter es sich nicht leisten, so mit ihren Kunden umzugehen und so ineffektiv zu arbeiten. Das geht nur, wenn man über ein Monopol verfügt, so wie die Gerichte heutzutage.

Wer gewährt die Sicherheit auf den Straßen, so wie heute die Polizei?

Zunächst werden die Besitzer der Straßen für Sicherheit sorgen, indem sie private Sicherheitsdienste beschäftigen. Wenn mir eine Geschäftsstraße oder eine Straße mit Wohnhäusern gehört, habe ich ein großes Interesse daran, dass die Leute dort nicht überfallen werden. Andernfalls käme keiner mehr zum Einkaufen und niemand würde dort wohnen wollen. Das Gleiche gilt, wenn mir ein Park oder Wald gehört. Entweder ich will das Gelände nur alleine nutzen, dann werde ich es bestimmt sichern oder ich möchte, dass andere Leute dort gegen Gebühr ihre Freizeit verbringen, dann werde ich auch dafür sorgen, dass möglichst wenige Verbrechen geschehen, um mir nicht das Geschäft zu verderben.
Aber nehmen wir mal an, dass sich in einem bestimmten Gebiet die Verbrechen häufen. In dem Fall werden die Versicherungen ein Interesse haben, dort die Verbrechensrate zu senken, denn jedes Verbrechen bedeutet für sie Kosten, weil die Opfer entschädigt werden müssen.

Aber wer hält einen Mörder davon ab, mich einfach umzubringen?

Natürlich ist das weiterhin möglich, und keine Art des gesellschaftlichen Zusammenlebens wird Morde je vollständig verhindern können. Keiner behauptet deshalb, dass nach dem Verzicht auf einen Staat paradiesische Zustände ausbrechen, in denen es keine schlechten oder verrückten Menschen mehr gibt. Man sollte deshalb einfach den Status quo vergleichen mit dem, was wäre, wenn es kein Gewaltmonopol mehr gäbe.

Heute werden Verbrechensopfer doppelt bestraft: Zunächst bekommen sie keine angemessene Entschädigung, und wenn es zu einer Verurteilung kommt, muss das Opfer mit seinen Steuern dem Täter Kost und Logis für die nächsten Jahre in der Haftanstalt finanzieren. In einer staatslosen Gesellschaft würden Verbrecher von den Schlichtern bei einem Schuldspruch wahrscheinlich zu hohen Strafen verurteilt, die dann aber nicht in irgendwelche Staatskassen flössen, sondern in die des Opfers, oder bei Mord in die der Erben. Wenn der Täter das Geld nicht besitzt, muss er dafür arbeiten — wenn nötig lebenslang. Eine Abschreckung gäbe es hier also genauso.

Was es jedoch ziemlich sicher nicht gäbe, wären Staatsanwälte, die Verbrechen verfolgen, in denen das Opfer kein Interesse an einer Verurteilung des Täters hat oder bei denen es gar kein Opfer gibt. Dazu gehören unter anderem das Glücksspiel, freiwillige Prostitution, das Einnehmen von Drogen und die Missachtung der Schulpflicht. Indem man diese gewaltlosen Betätigungen kriminalisiert, schafft man durch größere Gewinnmargen Anreize für Kriminalität. Die Illegalität verhindert jedoch Verträge, offenen Wissensaustausch und friedliche Konfliktlösungen; so kommt es dann zu tatsächlicher Kriminalität. Des Weiteren fördert man die Kriminalität, indem man legale Arbeit mit Steuern, Sozialabgaben, Zöllen und so weiter bestraft.

Jedes System, das die möglichen Gewinne bei Verbrechen verringert und den Gewinn der ehrlichen Arbeit steigert, wird die Kriminalität deshalb sofort erheblich verringern. Wenn wir von Verbrechen aus Leidenschaft einmal absehen, dann handeln auch Verbrecher ökonomisch. Verbrecherische Aktivität bedeutet Arbeit, und wenn man mit ehrlicher Arbeit mehr verdienen könnte, würde man nicht verbrecherisch tätig.

Da Versicherungen in einer staatslosen Gesellschaft weitestgehend auch die Polizei-Aufgaben übernehmen, steigt deren Anreiz, Verbrechen zu verhindern. Deren Versicherungsverträge werden Vorsorge deshalb besonders belohnen. Es wird sich also mehr als heute rechnen, sein Haus und übriges Eigentum mit wirksamer Sicherheitstechnik auszustatten.

Der größte Rückgang der Kriminalität ist jedoch durch den Wegfall der Waffenverbote zu erwarten. Dazu gibt es weiter unten eine eigene Frage.

Wer schützt uns davor, dass die größte Versicherung mit ihrer schlagkräftigen Einsatztruppe nicht irgendwann über ein Monopol verfügt und die schöne freie Gesellschaft unterjocht?

Das ist eigentlich eine treffende Beschreibung des jetzigen Zustandes. Zugegeben, wir dürfen alle paar Jahre mit darüber abstimmen, wer uns unterjocht, aber keiner würde bestreiten, dass der Staat ein Gewaltmonopol besitzt. Es ist daher etwas verwunderlich, wenn alle Welt aus Angst vor Monopolen nach einem Zwangsmonopol ruft. Wenn man die Menge des Unrechts, das weltweit verübt wird, genauer analysiert, dann fallen die privaten Verbrechen gegen die der Regierungen geradezu lächerlich aus. Im 20. Jahrhundert wurden 262.000.000 Menschen Opfer von Verbrechen, die im Namen von Regierungen begangen wurden. Mehr als eine Viertelmilliarde — das ist eine Menschenkette, die zehnmal um die Erde reicht.

Tatsächlich bilden sich auf dem freien Markt keine Monopole. Ab einer gewissen Größe werden Firmen nämlich ineffizient, weil sie zu unübersichtlich werden und nicht mehr zu führen sind. In unserem jetzigen Wirtschaftssystem können Firmen lediglich deshalb so groß werden, weil sie politischen Einfluss gewinnen und dann vom Staat Förderungen, Vorteile und Schutz erhalten. Mittelständische und kleine Firmen werden im Gegensatz dazu erheblich benachteiligt.

Bliebe noch die Möglichkeit einer gewaltvollen Übernahme der anderen Versicherungen. Krieg rechnet sich auf einem freien Markt jedoch nicht. Ein bewaffneter Konflikt kostet unglaublich viel Geld und der Ausgang des Konflikts ist immer ungewiss. Zunächst einmal müsste die große Versicherung all ihre Mitarbeiter, die keine kriegerischen Absichten haben, davon überzeugen, sich jetzt an einer gewaltvollen Verschwörung zu beteiligen. Die absolut überwiegende Mehrheit der Menschen könnte einen bewaffneten Überfall jedoch nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren. Käme es tatsächlich zu einem bewaffneten Konflikt, müsste die Versicherung ja all das zerstören, was sie eigentlich übernehmen will. Am Ende besäße sie wahrscheinlich weniger als zu Anfang des Konflikts. Kriege rechnen sich immer nur dann, wenn die, die über den Beginn eines Krieges entscheiden die Kosten nicht selbst tragen müssen. Unter dem Strich ist jeder Krieg auch für den Sieger fast immer ein Verlust. Lediglich, wenn die siegende Partei aus mehreren Gruppen besteht, wobei eine Gruppe die Kosten trägt und die andere die Gewinne einfährt, wird der Krieg für einige zu einem lohnenden Unternehmen. Dieses Gewinne-Einfahren kann zum Beispiel auch über Beteiligungen bei Waffenfirmen stattfinden. Das Problem, dass den meisten Menschen ihr Gewissen bewaffnete Konflikte verbietet, kann nur eine Regierung oder eine Sekte überwinden. In einem Wirtschaftsunternehmen können die Führer nie so eine starke Identifikation der Mitarbeiter mit ihren Kollegen erzielen und so einen starken Hass auf die Konkurrenz; einem Staat fällt die Patriotisierung seiner Bürger viel leichter. Bei jeglicher Art von Gruppen-Propaganda werden Mitarbeiter viel schneller argwöhnisch gegenüber dem Management als Bürger gegenüber ihrer Regierung.

Wie würde sich ein Land ohne Staat vor anderen imperialistischen Ländern schützen?

Eine staatslose Gesellschaft würde kein anderes Land bedrohen, also erst gar keine Aggressionen provozieren. Solche Aggressionen gehen immer nur von Regierungen aus, die ihre Kriege über Steuern, Staatsverschuldung oder Gelddrucken finanzieren können. Sollte eine einzelne Sicherheitsfirma oder Versicherung aus der staatslosen Gesellschaft ein anderes Land bedrohen oder überfallen, würden die Menschen in dem angegriffenen Land diese Firma nicht mit dem ganzen staatslosen Land identifizieren. Wenn mir heute ein Verbrecher aus einem anderen Stadtteil Schaden zufügt, werde ich mich auch nicht an seinen Nachbarn rächen.

Nehmen wir trotzdem einmal an, ein Diktator in einem Nachbarland würde gerne sein Territorium ausweiten und das Volk der staatslosen Gesellschaft versklaven. Das würde kein leichtes Unterfangen, wenn nämlich kein Staatsapparat mehr existiert und vor allem keine Staatshörigkeit mehr unter den Menschen, ist ein Land praktisch unregierbar. Die Besetzer hätten auch einen endlosen Guerillakrieg gegen gut bewaffnete Bürger zu führen, die im Namen der Freiheit sicher vereint gegen den Angreifer wären. Es wäre für imperialistisch gesinnte Regierungen also viel attraktiver, Länder zu überfallen, die erstens einen funktionierenden Staatsapparat haben, der einfach ersetzt werden kann, und zweitens ein Volk, das sich noch nicht vom Regiertwerden entwöhnt hat.

Gleichwohl würden sich wahrscheinlich die meisten Menschen wohler fühlen, wenn eine gemeinsame Landesverteidigung sichergestellt wäre. In diesem Fall lautet die erste Frage meist …

Wie will man die Menschen dazu bekommen, für eine kollektive Verteidigung zu zahlen, bei der keine Ausschließbarkeit möglich ist? Trittbrettfahrer, die nichts zahlen, würden schließlich auch von dieser Verteidigung profitieren.

Wenn es nur um Verteidigung geht, lässt sich das im Vergleich zu unseren heutigen Etats (2007 über 400 Milliarden Dollar allein in den USA) extrem günstig erreichen. Wenn die Menschen jedoch für die Verteidigung aufkommen müssen, ob sie wollen oder nicht, werden die Kosten explodieren, weil sich die Verantwortlichen nicht um maximale Effizienz bemühen müssen. Noch stärker steigen die Kosten, wenn man sich auch auf Angriffe vorbereitet, weil man in missionarischem Eifer die Welt retten möchte, indem man überall das eigene Gesellschaftsmodell installiert.

In der Geschichte unseres Planeten wurden Länder mit Atomwaffen noch nie angegriffen. Es reichen zur Abschreckung also ein paar gut platzierte Atomraketen. Wenn man deren Kosten auf die Einwohner verteilt, ergibt sich nicht mehr ein vierstelliger Betrag pro Einwohner und Jahr, sondern höchstens ein zweistelliger. Der häufigste Einwand ist in der Tat, dass die meisten Leute nur Geld geben werden, wenn sichergestellt wäre, dass auch alle anderen zahlen müssen. Dagegen spricht jedoch das tägliche Verhalten der Menschen: Die meisten geben Bedienungen Trinkgeld ohne diese Garantie. Viele spenden für wohltätige Zwecke ohne diese Garantie. Und außerdem entstünde ein gewisser sozialer Druck: Die Verteidigungsagenturen könnten Spenderaufkleber herausgeben, sodass jeder an seinem Auto oder seiner Wohnungstür dokumentieren könnte: Ich drücke mich nicht. So wie heute Unternehmen damit Werbung machen, dass sie ihre Arbeitsstätten trotz Mehrkosten ökologisch führen, so könnte man sich hier mit Verteidigungsspenden profilieren.

Wie absurd die derzeitige Situation ist, sollte jedem klar werden, wenn er sich Folgendes vor Augen führt: Mit einer kollektiven Verteidigung wollen wir uns davor schützen, dass uns andere Regierungen unseres Geldes und unserer Freiheit berauben. Was für einen Sinn hat es dann, einer Gruppe von Einheimischen die Macht zu geben, uns unseres Geldes und unserer Freiheit zu berauben, um das zu vermeiden?

Aber selbst wenn die Finanzierung sichergestellt wäre, habe ich Probleme mit der Vorstellung, dass private Agenturen Atomwaffen besitzen.

Wenn ein Unternehmen tatsächlich freiwillige Spenden für kollektive Verteidigung einnehmen will, dann wird es alles Erdenkliche für Transparenz und Kontrolle tun. Solche Firmen müssten unabhängigen Dritten gestatten, jederzeit und ohne Begrenzungen alles zu kontrollieren, was sie wollen. Klar, eine 100-prozentige Sicherheit wird es hier nicht geben, aber die Sicherheit muss nur größer sein als die, die wir jetzt haben. Die ist allerdings ziemlich niedrig, denn in unserem derzeitigen System gibt es drei Parteien: die, die den Krieg erklären können (Politiker), die, die vom Krieg profitieren (Rüstungsindustrie) und die, die den Krieg bezahlen (das Volk). Gruppen eins und zwei sind oft miteinander verwoben. Wenn ich als Politiker einen Krieg anzetteln kann, ohne die Kosten tragen zu müssen, dann ist meine Hemmschwelle natürlich sehr niedrig. Wenn ich durch die Verstrickung mit Rüstungsfirmen als Politiker bei einem Krieg sogar profitieren kann, dann habe ich gar keine Hemmschwelle, sondern eine Motivation.
Will hingegen jemand in einer Privatrechtsgesellschaft einen Krieg anfangen, muss er ihn auch selbst finanzieren. Das ist eine ziemlich gute Versicherung. Bei Kriegen ergibt sich nämlich auch für den Sieger kein Gewinn, wenn er die Kosten nicht auf andere abwälzen kann. Die zerstörten feindlichen Gebiete und das dezimierte Volk ist eher eine Last als eine Stütze.

Würde in einer Gesellschaft ohne Staat jeder private Person eine Waffe tragen dürfen?

Jeder, der sich nicht ausführlich mit der Forschungslage zum Thema Waffen beschäftigt hat, denkt: »Je weniger Waffen, desto weniger Gewalt.« Leider ist das ein Irrtum, wie sich empirisch zweifelsfrei nachweisen lässt. Der englische Slogan »if you outlaw guns, only outlaws have guns« bringt das Problem auf den Punkt: Ein Waffenverbot zerstört nicht von Geisterhand alle Waffen. Es sorgt nur dafür, dass man sich Waffen illegal beschaffen muss, und das ist für Verbrecher kein großes Problem. Bei einer Umfrage unter Verbrechern würde wahrscheinlich ein einstimmiges Votum für gesetzliche Waffenverbote herauskommen, denn das Leben eines Verbrechers wird erheblich einfacher, wenn er weiß, dass das gesamte Volk aus unbewaffneten Opfern besteht.

Gerne wird in diesem Zusammenhang darauf verwiesen, dass es in den USA mit einem verfassungsmäßigem Recht auf Waffenbesitz mehr Gewaltverbrechen gibt als in Deutschland, in dem eines der strengsten Waffengesetze Europas gilt. Hier werden jedoch Äpfel mit Birnen verglichen, weil die Kriminalität von erheblich mehr Faktoren abhängt als lediglich den Waffengesetzen. Um ernsthaft erforschen zu können, welchen Einfluss ein Waffenverbot auf die Kriminalität hat, muss man ein und dasselbe Land miteinander vergleichen, einmal mit und einmal ohne Waffenverbot.
In Großbritanien wurde beispielsweise der Schusswaffenbesitz vor einigen Jahren verboten, und die Zahl der Raubüberfälle und Morde mit illegalen Schusswaffen ist explodiert.
Amerika eignet sich auch gut zur Untersuchung dieser Frage, denn die Waffengesetze werden von den einzelnen Staaten unterschiedlich festgelegt und öfters geändert. Da sich Delikte von Raubüberfällen und Morden auf minder schwere Straftaten wie Diebstahl und Betrug verlagern, wenn man den Bürgern das verdeckte Tragen von Schusswaffen in der Öffentlichkeit erlaubt, gehen immer mehr Staaten dazu über, das Tragen von Waffen (»concealed-carry-permit«) nach einer entsprechenden Ausbildung zu erlauben.
In der amerikanischen Stadt Kennesaw gibt es sogar ein Gesetz, das den Bürgern vorschreibt, eine Waffe zu besitzen. Nachdem das Gesetz eingeführt wurde, ist die Kriminalität deutlich zurück gegangen.

Zugegeben: In zwei von fünf amerikanischen Haushalten gibt es Waffen und die Mordrate beträgt unglaubliche 5,9 Tote je 100,000 Menschen im Jahr. In der Schweiz besitzen jedoch auch 27 Prozent aller Haushalte eine Waffe, aber die Mordrate beträgt lediglich 1,1 je 100,000 Menschen. In Norwegen hat jeder dritte Haushalt eine Waffe und dort liegt die Mordrate sogar unter 1 pro 100,000. Die Kultur der Menschen scheint erheblich wichtiger zu sein als die Zahl der Waffen. Schließlich schießen Waffen nicht alleine — ein Mensch muss den Abzug ziehen. Wenn wir bei den Amerikanern die Morde mit Schusswaffen abziehen, liegt deren Mordrate immer noch weit über der der Schweizer und Norweger. James Bartholomew, ein Journalist, der für den Daily Telegraph schreibt, schließt nicht aus, dass das ein Echo auf das organisierte Verbrechen ist, das während der Prohibition in den USA entstand.

Noch ein paar eindrucksvolle Zahlen aus den USA: Der Staat New Jersey hat 1966 strikte Waffengesetze eingeführt und zwei Jahre später war die Mordrate um 50 Prozent gestiegen und die Raubdelikte um 100 Prozent. 1976 hat Washington D.C. die striktesten Waffenbeschränkungen in den USA eingeführt. Seitdem ist die Mordrate nach Angabe des National Center for Policy Analysis um 134 Prozent gestiegen, während die der gesamten USA in der gleichen Zeit um zwei Prozent gesunken ist.
Ein Fünftel aller Morde in den USA finden allein in vier Städten statt: New York, Chicago, Detroit und Washington D.C. All diese Städte haben Waffengesetze mit starken Einschränkungen.
Der Wirtschaftswissenschaftler Professor John R. Lott von der Universität von Illinois, Chicago, hat eine 18 Jahre umfassende Studie veröffentlicht, aus der eindeutig hervorgeht, dass die Zahl der Gewaltverbrechen in den US-Bundesstaaten mit völliger Waffenfreiheit geringer ist. Sein Buch »More guns, less crime« ist die Referenz zu dem Thema Waffengesetzgebung.

Interessant ist auch, dass die meisten Gewalttaten gar nicht mit den Waffen verübt werden, die man verbieten kann. In der Zeit von 1998 hat man eine Statistik der Tötungsdelikte und anderen Gewaltverbrechen im Großraum Frankfurt angefertigt, bei denen die benutzte Waffenart gemeldet wurde. Es wurden 753 schwere Straftaten ausgewertet. Das Ergebnis: Es werden fast so viele Straftaten mit Messern begangen wie mit allen anderen Waffen zusammen. Wenn die Tatwaffen Pistolen und Gewehre sind, stammen sie alle aus illegalem Besitz. Legal besessene Waffen spielen nur bei Polizisten eine Rolle. Sie nutzen einfach ihre Dienstwaffe für Straftaten. Pro Jahr geschehen bei uns in Deutschland knapp 50 schwere Straftaten (Raub, Mord und Mordversuch) mit legalen Waffen. Wer begeht die? Knapp 2,5 Millionen Bürger besitzen wenigstens eine legale Schusswaffe, und es gibt 250.000 Polizisten mit einer Dienstwaffe. Aus beiden Gruppen kommen die Hälfte der Straftaten. Das bedeutet, dass Polizisten mit zehn Mal größerer Wahrscheinlichkeit schwere Straftaten mit legalen Waffen begehen als zivile Waffenbesitzer. Das BKA schätzt außerdem dass wegen nachlässiger Leichenschau mehr als die Hälfte aller gewaltsamen Tötungen nicht als solche erkannt werden. Diese vielen Morde wurden sicher nicht mit Schusswaffen begangen, andernfalls wären sie wohl kaum übersehen worden. (Quelle)
Hier eine Tabelle der benutzten Waffen in Deutschland.

Waffenverbote dienen also nicht der Sicherheit der Menschen, sondern der Sicherheit der Regierung, denn ein entwaffnetes Volk ist erheblich leichter unter Kontrolle zu behalten als ein bewaffnetes. Aus diesem Grund haben die US-Verfassungsväter auch das Recht der Amerikaner auf eine Waffe festgeschrieben. Wilhelm Busch hat diese Erkenntnis in ein herrliches Gedicht verpackt:

Ganz unverhofft an einem Hügel begegneten sich Fuchs und Igel.
»Halt« rief der Fuchs, du Bösewicht!
»kennst du des Königs Order nicht?
Ist doch der Friede längst verkündet,
weißt du denn nicht, dass jeder sündigt,
der immer noch gerüstet geht?
Im Namen seiner Majestät,
geh her und übergib dein Fell.«
Der Igel sprach:
»Nur nicht so schnell.
Lass dir erst deine Zähne brechen,
dann wollen wir uns weiter sprechen!«
Also gleich zieht er sich rund,
schließt seinen dichten Stachelbund
trotzt so getrost der ganzen Welt,
bewaffnet, doch als Friedensheld!

Die Regierungen der westlichen Demokratien haben heute mit ihren Armeen die Möglichkeit, Völkern zu helfen, die von Tyrannen unterdrückt werden. Das ist doch etwas Gutes, und diese Möglichkeit gäbe es nicht mehr, wenn wir den Staat abschafften.

Der moralische Unterbau eines Angriffskrieges — selbst der zur Befreiung von Diktatoren — lautet auch: Der Zweck heiligt die Mittel. Ich werfe Bomben ab und töte damit unschuldige Zivilisten und Kinder, weil ich mit dem Sturz des Diktators ein höheres Ziel verfolge und somit mehr Leben zu retten erhoffe. »Töte einen, rette zehn«, lautet das Motto. Die unmittelbaren Wirkungen der Mittel sind dabei sicher — die Bomben werden größtenteils die Opfer des Diktators töten —, die mittelbaren Wirkungen sind aber immer unsicher. Selbst wenn der Diktator gestürzt ist, wird es den Überlebenden nicht unbedingt besser gehen. Das Verhältnis zwischen getöteten Zivilisten und Soldaten hat sich in den Kriegen des letzten Jahrhunderts auch dramatisch verschlechtert: Im ersten Weltkrieg gab es zehn Prozent zivile Opfer, im zweiten Weltkrieg schon fünfzig, in Vietnam siebzig, und im Irak sind es achtzig bis neunzig Prozent. Bei diesem Massensterben wird fast jeder Opfer in seiner Verwandtschaft und in seinem Freundeskreis beklagen, und so ist es nur verständlich, wenn bei den ehemaligen Opfern des Diktators jetzt Hass gegenüber dem neuen Angreifer entsteht. Genauso wird im Land des Angreifers Wut entstehen, denn nicht jeder werden mit dem Krieg einverstanden sein, aber alle werden mit zur Kasse gebeten. Ebenso wie sich das Verhältnis zwischen den zivilen und militärischen Opfern mit jedem Krieg weiter verschoben hat, so änderte sich auch das Verhältnis der Kosten für den Angreifer und den Verteidiger im letzten Jahrhundert erheblich. Mit fortschreitender Technik wird das Verteidigen im Verhältnis immer billiger und deshalb wird sich der Angreifer praktisch jedes Mal finanziell ruinieren, wenn er ein fremdes Land nicht nur zerstören, sondern einnehmen will. Das löst verständlicherweise Unmut im Land des Angreifers aus.

Auch auf die Gefahr zynisch zu klingen — muss man nicht auch die wirtschaftsbelebenden Effekte betrachten, wenn man die ökonomischen Folgen eines Krieges diskutiert?

Über diesen Mythos hat Frédéric Bastiat bereits im Jahr 1850 in seinem Essay »Ce qu’on voit et ce qu’on ne voit pas« (Das, was man sieht und das, was man nicht sieht) geschrieben. Henry Hazlitt hat die Gedanken über sichtbare und unsichtbare Kosten in seinem Buch »Economics in One Lesson« aufgegriffen und mit einer Parabel über ein zerbrochenes Fensterglas eines Bäckers erklärt:
Nachdem ein Vandale die Scheibe eines Bäckers eingeworfen hat, beginnen einige Gaffer über die ökonomischen Vorteile dieses Ereignisses zu philosophieren. »Die 250 Dollar, die so eine Scheibe kostet, kurbeln die Wirtschaft an. Der Glaser hat Einnahmen von 250 Dollar und wird diese vielleicht beim Schuster ausgeben. Jetzt hat der Schuster 250 Dollar zur Verfügung und kann diese wiederum woanders ausgeben. Das geht ewig so weiter und das Bruttosozialprodukt wird erheblich ansteigen.«

Natürlich wurde vergessen, dass der Glaser nach Abzug aller Kosten (Werkzeug, An- und Abfahrt, Glaseinkauf, Arbeit etc.) vielleicht nur noch 50 Dollar zur Verfügung hat. Wenn er mit dem Geld zum Schuster geht, hat der Schuster vielleicht noch 10 Dollar Gewinn und spätestens beim Metzger sind die Gewinne dann zu vernachlässigen. Bastiat und Hazlitt haben den Gedankenfehler der Gaffer jedoch besser erklärt: Man muss die Situation einfach aus der Sicht des Bäckers betrachten. Vor dem Vandalismus hatte er 250 Dollar und eine Scheibe. Nach dem Vandalismus und der Reparatur hatte er nur noch eine Scheibe. Vor dem Vandalismus plante er, einen 250-Dollar-Anzug bei seinem Schneider in Auftrag zu geben. Das geht jetzt nicht mehr. Die Gaffer haben also nur den Bäcker und den Glaser gesehen, aber nicht den Schneider, also nicht das, was mit dem Geld geschehen wäre, wenn es keinen Vandalismus gegeben hätte. Nach dem Vandalismus ist die Welt einfach um einen Anzug ärmer geworden. Der wird nämlich nie geschneidert. Die Menge der wirtschaftlichen Aktivität ist in beiden Fällen gleich: Im einen Fall hätte der Glaser 250 Euro Umsatz gemacht, im anderen der Schneider. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass das Geld mit Vandalismus verwendet wurde, um etwas zu ersetzen, und ohne Vandalismus wäre etwas Neues geschaffen worden.

Wenn also in einem Krieg für eine Billion Dinge zerstört werden, ist die Welt als Ganzes um eine Billion ärmer. Das Ankurbeln der Wirtschaft beim Wiederaufbau wäre sonst in neu zu produzierende Güter mit dem Wert einer Billion geflossen. Wäre es anders, müssten wir zum Bekämpfen einer weltweiten Wirtschaftsrezension ja einfach nur umherlaufen, Häuser anzünden, Autos demolieren und Fabriken in die Luft sprengen. Im Gegensatz zu einem Krieg blieben uns dann wenigstens die Toten und Verletzten erspart. Aber natürlich erkennt das jeder als Unsinn. Wenn ein Gewerkschafter heutzutage in einer Talkshow jedoch davon redet, dass zur Konjunkturbelebung die Binnennachfrage mit höheren Löhnen angekurbelt werden müsse, heult keiner im Publikum auf.
Es ist einfach die vorherrschende Meinung, auch in den Medien. Die New York Times soll als ein Beispiel von unzähligen dienen: »Wirtschaftswissenschaftler weisen darauf hin, dass Katrina zwar eine Menge akkumulierten Wohlstand vernichtet hat, aber im Endeffekt wird das wahrscheinlich einen positiven Effekt auf unsere Wachstumszahlen der nächsten Monate haben, während die Ressourcen gebündelt in den Wiederaufbau fließen.« (»Economists point out that although Katrina has destroyed a lot of accumulated wealth, it ultimately will probably have a positive effect on growth data over the next few months as resources are channeled into rebuilding.«) NYT 31.8.05
Auch wenn Keynes’ Theorie der antizyklischen Staatsinterventionen in der Fachwelt längst widerlegt ist, wird sie in der Presse und der Politik immer noch wie solides Grundlagenwissen behandelt. Nehmen wir an, dem Bäcker wäre nicht nur die Scheibe eingeworfen, sondern mit Ausnahme der Backstube der ganze Landen abgefackelt worden. Statt seinem Instinkt zu folgen und privat jetzt erst mal kleine Brötchen zu backen, würde Keynes’ volkswirtschaftliche Theorie auf seinen Einzelfall übertragen jetzt Folgendes fordern: Lasse dir ein paar Anzüge auf Kredit schneidern!
Wenn das extreme Ausgeben von Geld immer katalytische Funktion hätte, fragt man sich, warum sich die Regierung darauf beschränken sollte, das nur in Rezessionen und nur im Inland zu tun? Auf diese Weise müsste sich doch die ganze Welt retten lassen.

Wenn der Preis eines militärischen Eingriffes menschlich wie wirtschaftlich zu hoch ist, welche Lösung schwebt dann dem Voluntaristen vor, um ein fremdes Volk von seinem Diktator zu befreien?

Das Vorleben der einzigen Alternative des Zusammenlebens in Form einer voluntaristischen Gesellschaft ist die effektivste Lösung. Die Menschen in der Diktatur könnten einfach in das freie Land einwandern, dort leben und arbeiten. Die Integration von Ausländern wäre in einer Gesellschaft ohne Staat um ein Vielfaches unproblematischer. Da es keine Ansprüche auf Sozialhilfe gibt, würde die Allgemeinheit erstens nicht gegen ihren Willen finanziell belastet. Da es keine Regierung gibt, müssten die Einheimischen zweitens keine Angst haben, selbst zur Minderheit und dann irgendwann überstimmt zu werden. Und drittens müssten die Immigranten sich zumindest so weit integrieren (Sprache lernen, sich den Gepflogenheiten anpassen etc.), dass andere freiwillig für ihre Dienste zahlen.

Die produktivsten Arbeitskräfte würden von so einem freien Land am stärksten angezogen, und so stiege der Druck auf die anderen Länder sehr schnell, die Zügel auch lockerer zu lassen. Kein Diktator der Welt kann ein ganzes Volk gegen seinen Willen tyrannisieren. Die intellektuelle und moralische Entwicklung der Menschen ist also die stärkste Waffe gegen jede Form der Diktatur. Sicher, die Informationsbeschaffung in einer Diktatur ist schwieriger als in einem freien Land. Nur heute findet man selbst in so genannten freien Ländern zum Thema Politik, Wirtschaft und Philosophie nur kollektivistische Literatur, die vor zu großer Freiheit warnt. Wie soll dann das Volk in einem diktatorischen Staat den Schlüssel zu Wohlstand und Frieden entdecken? Es ist wie in der Erziehung: Prügeln und Predigen bringt gar nichts. Überzeugen kann nur die Philosophie, die man selbst lebt und die funktioniert, also Zufriedenheit erzeugt.

Apropos Warnung vor Freiheit. Mit einem staatlich unregulierten Markt verbinden die meisten Menschen die Zustände zur Zeit des Manchester-Kapitalismus: Verelendung, Ausbeutung, Hungerlöhne und Kinderarbeit. Das kann doch nicht unser Vorbild sein?

Es gibt ein Buch, das die öffentliche Meinung über den Manchaster-Liberalismus wahrscheinlich mehr geprägt hat als jedes andere Schriftstück, und das war »Die Lage der arbeitenden Klassen in England« von Friedrich Engels. Ein gutes Beispiel dafür, wie lange sich eine einmal fehlerhaft übernommene Informationen halten können, lieferte auch der Schweizer Gustav von Bunge, der 1890 den Eisengehalt von 100 Gramm Spinat mit 35 Milligramm angab. Generationen von Autoren haben diesen Wert einfach übernommen. Von Bunge hatte, anders als Engels, damit jedoch kein Ziel verfolgt. Er hatte den Eisengehalt richtig berechnet, aber seine Angaben bezogen sich auf getrockneten Spinat, und die wurden später irrtümlich frischem Spinat zugeschrieben, der zu etwa 90 Prozent aus Wasser besteht. Engels’ kommunistische Überzeugungen machten ihn jedoch zu keinem besonders geeigneten Geschichtsschreiber, wenn man sich eine objektive Darstellung der Wirtschaft wünscht.
Ja, es gab zu Beginn der Industrialisierung in der Zeit zwischen dem Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts unvorstellbares Elend, aber das lag nicht am Kapitalismus und an blutsaugenden Kapitalisten — im Gegenteil: Die Industrialisierung und dem Kapitalismus ebnete den Weg aus der Armut des Mittelalters, die sich durch die Bevölkerungsexplosion stark verschärfte. Von 1450 bis 1800 verdoppelte sich die Zahl der Menschen in Mitteleuropa, wobei sich das Reallohnniveau halbierte. Von 1800 bis 1900 hingegen verdoppelte sich die Zahl der Menschen noch mal, aber in dieser Zeit der Industrialisierung stiegen die Reallöhne um den Faktor 2,5.
Der Kapitalismus hat also nicht die Armut geschaffen, sondern er fand sie vor. Wenn sich dann in einer Stadt wie Manchester die Einwohnerzahl von 1750 bis 1830 mehr als verzehnfachte, lag das nicht daran, dass es den Menschen dort schlechter ging als auf dem Lande. Es ging den Menschen in Manchester in all dem Dreck, Gestank, Matsch und Gedränge natürlich nicht gut, aber sie zogen das Leben dort dem sicheren Hungertod auf dem Lande vor. Gleiches gilt für die Kinderarbeit: Wem will man Kinderarbeit als unmoralisch vorwerfen, wenn eine Familie ohne die Mitarbeit ihrer Kinder nicht überleben könnte? Wäre es ein Akt von Barmherzigkeit, wenn man in so einer Situation Kinderarbeit verböte? Beispiele von solchen Verboten in der dritten Welt zeigen, dass man die Kinder dann nur in illegale Arbeit mit noch schlechteren Bedingungen drängt oder sogar in die Prostitution, denn beides wird dem Verhungern verständlicherweise vorgezogen.
Wie der Arzt und Kritiker des Fabrikwesens Philipp Gaskel (»The manufacturing population of England«, London 1833) schrieb, hat sich die Lebensqualität der Menschen auch eher vermindert, als mit dem »Factories Regulation Act« die Kinderarbeit wesentlich eingeschränkt wurde. Die Ursache für die Armut lag in der mangelnden Produktivität, und die kann man durch Umverteilung nicht steigern. Der Weg aus der Armut führt über Arbeitsteilung und freien Handel. Industrialisierung und Kapitalismus erzeugen auch keine Schere, bei der die Armen immer ärmer und die reichen immer reicher werden. Das gilt heute genauso wie früher. Der folgende Film zeigt eindrucksvoll, dass es sich bei der viel zitierten Schere um einen Mythos handelt:

> Schere.mov

Herrscht in einer völlig unregulierten Wirtschaft nicht ein gnadenloser Wettbewerb, in dem sich nur Skrupel- und Rücksichtslose durchsetzen? Wäre Kooperation nicht besser als Konkurrenz?

In der Wirtschaft kann man — anders als in der Politik — keinen Zwang anwenden. Keine Firma, und sei sie noch so groß, kann mich dazu zwingen, ein Produkt bei ihr zu kaufen oder für sie zu arbeiten. Wenn ich etwas kaufe, dann tue ich das, weil ich mir davon einen Vorteil verspreche. Bei jeder wirtschaftlichen Transaktion gibt es deshalb immer zwei Gewinner: Wenn ich mir für einhundert Euro ein Produkt kaufe, dann ist mir das Produkt mehr wert als meine einhundert Euro — sonst würde ich sie nicht dafür eintauschen. Dem Verkäufer sind die hundert Euro jedoch mehr wert als das Produkt, andernfalls würde er nicht tauschen. Genauso wenig gibt es Verlierer in Fabriken: Wenn ich mich dafür entscheide, zu einem geringen Lohn einen stupiden Job in einer Fabrik anzunehmen, dann ist mir diese Arbeit zu diesem Lohn offensichtlich lieber als alle Alternativen.
Bei dem so genannten knallharten Wettbewerb in der Marktwirtschaft konkurrieren die Menschen ohne Zwang und Gewalt ausschließlich darum, die Wünsche und Bedürfnisse der anderen Marktteilnehmer bestmöglich zu befriedigen. Konkurrenz und Kooperation sind keine Gegenpole, bei denen ich mich für das eine oder das andere entscheiden muss. Auf einem Markt konkurrieren die Teilnehmer darum, miteinander kooperieren zu dürfen. Aldi und Tchibo konkurrieren darum, mit mir zu kooperieren. Beide möchten, dass ich einer ihrer regelmäßigen Geschäftspartner werde und zum Beispiel Telefonkarten bei ihnen kaufe. Aldi und Tchibo konkurrieren auf der anderen Seite auch um Netzbetreiber als Kooperationspartner.
Wir haben gar keine andere Wahl, als miteinander zu konkurrieren, denn einerseits sind die menschlichen Bedürfnisse grenzenlos, weil sich das Leben immer weiter verbessern lässt, und andererseits sind die Ressourcen auf unserem Planeten begrenzt, also knapp. Die einzige Wahlmöglichkeit die wir haben, besteht darin, friedlich oder mit Gewalt zu konkurrieren. Beim Stichwort Gewalt fällt einem als erstes Diebstahl, Raub und Betrug ein. Da sind sich jedoch alle einig, dass diese Methoden unterbunden werden müssen. Vergessen wird jedoch, dass Politik auch nichts anderes ist als Gewalt. Der Staat hält sich friedliche Konkurrenz beispielsweise mit Gewalt vom Leib, indem er die Menschen zum Erwerb seiner Produkte schlichtweg zwingt. Beispiel: gesetzliche Krankenversicherung oder Altersvorsorge. Dieser Zwang geschieht jedoch keinesfalls zum Vorteil der Menschen: Dürfte man sich privat versichern, könnte man viel passendere und erheblich günstigere Produkte finden.
Eine andere Methode nutzt der Staat, wenn er Konkurrenz schlichtweg verbietet, so zum Beispiel beim Glücksspiel. Lotto ist ein riesiges Geschäft und für private Anbieter illegal.
Eine dritte Methode des Staates kaschiert Zwang und Gewalt noch besser: Er bietet manche Produkte vermeintlich kostenlos oder konkurrenzlos günstig an: Kindergärten, Schulen und Universitäten. Der Trick besteht darin, über die Steuern einfach alle Menschen an den Kosten zu beteiligen, egal ob sie die Leistungen nutzen oder nicht. Wer private Angebote nutzen will, muss nun doppelt bezahlen — und das ist natürlich unlauterer Wettbewerb.

Aber wir wollen damit doch nur Ungerechtigkeiten vermeiden, die entstünden, wenn man den Markt sich selbst überließe. Es kann doch niemand bestreiten, dass es bei einem ganz freien Markt immer einzelne Fälle gäbe, in denen unzumutbare Härten aufträten.

Wenn wir diesen Gedanken einmal von aller Schminke befreien, dann bleibt Folgendes übrig: Weil wir Freiwilligkeit und friedlichen Methoden misstrauen, nutzen wir Zwang und Gewalt — und damit hoffen wir Ungerechtigkeiten zu vermeiden. Zwang und Gewalt bringen jedoch immer neue Ungerechtigkeiten hervor. Dazu ein Beispiel: Ist es nicht ungerecht, dass manche Menschen auf dem Heiratsmarkt riesige Vorteile gegenüber anderen haben? Wie sollen Mädchen mit Buckel, Hängebrüsten und Hasenscharte mit Angelina Jolie oder Halle Berry konkurrieren? Müsste der Staat hier nicht auch für Chancengleichheit sorgen? Die hässlichen Mädchen werden sich lebenslang mit den Hollywoodschönheiten vergleichen, und sicher wird es Fälle geben, in denen sich Mädchen aus Verzweiflung umbringen. Da ließen sich sicher einige Selbstmorde verhindern, wenn man die äußerlich Benachteiligten vor der gnadenlosen Konkurrenz schützte. Analog zum Jugendschutzgesetz gäbe es dann ein Gesetz zum Schutz der äußerlich Benachteiligten. Verbote wären denkbar, die zu attraktive Frauendarstellungen auf den Titelseiten der Magazine untersagen — Gleiches hätte in Film und Fernsehen zu gelten. Im Interesse des Gemeinwohls könnte man Männer mit Hilfe eines Diskriminierungsverbotes für unattraktive Frauen auch zu einer Quotenregelung verpflichten: Wer zwanzig Jahre mit einer besonders attraktiven Frau verheiratet war, der muss die nächsten zwanzig Jahre mit einer äußerlich benachteiligten Frau verbringen, andernfalls drohen Zwangsausgleichszahlungen in die Staatskasse, deren Höhe sich danach bemisst, wie weit über der durchschnittlichen Attraktivität die eigene Ehefrau liegt.
Um die Frauenrechtlerinnen gleich zu beruhigen: Alles Gesagte gilt natürlich auch umgekehrt. Die Benachteiligung eines Karl Dall gegenüber Menschen wie George Clooney und Richard Gere schreit ebenso nach staatlicher Intervention zur Herstellung von Chancengleichheit.

Um noch einmal auf die Frage zurückzukommen: Ja, es ist richtig, dass es in einer freien Gesellschaft Fälle gäbe, in denen unzumutbare Härten aufträten. Wer jedoch den Status Quo immer mit der Bemerkung verteidigt, dass die Alternativlösung auch nicht den Himmel auf Erden beschert, der unterliegt dem, was der Wirtschaftswissenschaftler Harold Demsetz »nirvana fallacy« genannt hat: Man vergleicht Verbesserungsvorschläge mit dem Nirvana und lehnt die Alternative wegen der Nachteile im Vergleich zum Paradies ab. Dass die Alternative aber vielleicht eine erhebliche Verbesserung der derzeitigen Situation geschaffen hätte, wird dabei entweder vergessen oder bewusst übersehen. Was auch gerne vergessen wird, ist Folgendes: Der derzeitige Zustand kann nicht als Vergleichsmaßstab dienen, weil er sich nicht aufrecht erhalten lässt. Alle Staaten verschulden sich extrem und verschenken Wohlstand auf Kosten der Zukunft. Wir müssten also zum Vergleich mit alternativen Gesellschaftsformen die Geschenke des jetzigen Wohlfahrtsstaates um die Menge der Schulden reduzieren. Wenn man jeder Familie ein paar hunderttausend Euro wegnähme, sähe unsere derzeitiges Gesellschaftssystem nicht mehr so rosig aus. Die implizite Staatsschuld auf Familien umgerechnet ergibt tatsächlich so einen Betrag.

Anderes Thema: Geld. Wer druckt und verwaltet in einer Gesellschaft ohne Staat eigentlich die Geldnoten und Münzen?

In allen Wirtschaftsbereichen nützen Monopole nur den Monopolisten und schaden dem Volk. Das ist beim Münzprägerecht nicht anders. Um die Zusammenhänge wirklich zu durchschauen, muss man verstehen, wie Geld funktioniert. Sobald die meisten Menschen jedoch das Wort Finanzpolitik hören, verdrehen sie die Augen und überlassen das Feld den so genannten Experten. Wer nichts weiß, muss alles glauben, und so haben die Vorsitzenden und Pressesprecher der Zentralbanken leichtes Spiel, wenn sie in ihren Presseberichten oder Interviews den grundsätzlichen Betrug ihrer Behörden verschleiern. Sollte der seltene Fall eintreten, dass ein Journalist einmal eine unangenehme Frage stellt, werden einfach mittels einiger unverständlicher Fachbegriffe ein paar Nebelkerzen gezündet und schon verlieren alle Zuhörer die Orientierung und das Interesse. Hier deshalb eine Schnelleinführung in das Geldsystem:

Bevor es Geld gab, haben die Menschen ihre Produkte miteinander getauscht. Der Jäger bot dem Sammler vielleicht ein viertel Schwein gegen einen Sack Nüsse oder getrocknete Beeren. Das Tauschen hatte jedoch gravierende Nachteile: Manche Objekte ließen sich nicht so einfach teilen wie ein Schwein. Nehmen wir an, der Jäger hatte in langer Handarbeit einen seltenen Faustkeil zurecht geklopft und wollte den gegen ein paar Vogeleier und einen Lendenschurz tauschen. Jemand der genau das besaß und gerade einen Faustkeil brauchte, war kaum zu finden, also musste man indirekt tauschen: das heißt, erst einen Sack Nüsse ertauschen und dann damit die Eier und den Lendenschurz. Bei dieser Art der Wirtschaft wird sich früher oder später eine Ware als Tauschmittel durchsetzen. Wichtig dabei ist, dass die Ware schon in kleinen Mengen wertvoll ist, andernfalls müsste man immer riesige Gewichte mit sich herumschleppen. Die Ware sollte nicht verderblich sein und ohne Wertverlust teilbar. Faustkeile und Nüsse bieten sich deshalb nicht an. In der langen Geschichte der Tauschwirtschaft experimentierten die Menschen mit Salz, Getreide, Tabak, Glasperlen, Muscheln und vielem anderen mehr. Auf Dauer stellte sich aber heraus, dass sich Gold, Silber und Kupfer am besten eigneten. Mit dieser Art Geld entstanden auch Preise. Man musste den Wert des Faustkeils nicht in allen anderen Waren ausdrücken (35 Vogeleier oder 7 Lendenschurze und so weiter), sondern einfach in der gängigen Tauschware zum Beispiel: zwei Säcke Salz oder eben eine Münze Silber. Mit dieser Art von Marktpreisen war die Grundlage für eine effiziente Arbeitsteilung und für Wirtschaftlichkeitsrechnungen geschaffen.

Ganz automatisch entstanden irgendwann die ersten privaten Banken. Wer zum Beispiel mehr Gold besaß, als er im Alltag brauchte, der wollte es sicher aufbewahrt wissen. Außerdem ließen sich größere Mengen Silber oder Gold nur schwer transportieren. Es bot sich also an, sein Gold und Silber in sicheren Lagerhäusern zu deponieren. Man bekam dafür ein Lagerschein, und das war gleichsam die Geburt des Papiergeldes. Jetzt konnte man seinen Handelspartnern statt der Münzen einfach den Lagerschein geben. Wenn das Lagerhaus einen guten Ruf hatte, weil man sich darauf verlassen konnte, dass man für den Schein jederzeit wieder sein Gold bekam, war der Schein praktisch so gut wie Gold. Der Goldbesitzer wird dem Lagerhausbesitzer eventuell auch gestattet haben, sein Gold zu verleihen, wenn er eine Weile auf seine Münzen verzichten konnte. So warf die Einlagerung sogar Zinsen ab.

Die Höhe der Zinsen ergab sich wie in jedem Markt durch Angebot und Nachfrage. Wenn die Leute viel sparten, und es ein großes Geld-Angebot gab, waren die Zinsen eher niedrig. Wenn die Leute weniger sparten oder die Nachfrage nach Geld groß war, stiegen die Zinsen. Das hatte einen beruhigenden Effekt auf den Markt. Um das erklären zu können, muss man etwas ausholen:

Eine Gesellschaft hat ein Interesse daran, dass das Angebot an Waren gut zu der Nachfrage passt. Gibt es zu viele Waren, wird Arbeit, Geld und Energie verschwendet, um Dinge zu produzieren, die nachher keiner kauft. Gibt es zu wenige Waren, entsteht ein Mangel und den Leuten fehlt es an Dingen, die sie eigentlich gerne hätten und sich auch leisten könnten. Beides ist unbefriedigend und nur wenn in einer Gesellschaft Angebot und Nachrage gut zueinander passen, arbeitet sie effizient. Dass ein Komitee mit der Frage, was und wie viel produziert werden soll, völlig überfordert ist, wissen wir spätestens seit dem Zusammenbruch des Ostblocks. Der Markt mit seinem Selbstregelungsmechanismus über Preise ist hier ein weit überlegenes Instrument. Produziert die Wirtschaft zu viele Waren, sodass das Angebot die Nachfrage übersteigt, sinken die Preise und es wird weniger produziert. Sinkt das Angebot zu weit ab, steigen die Preise; die machen es rentabler, mehr zu produzieren, und so wird das Angebot wieder steigen. In kleinen Wellenbewegungen wird sich dieses System immer ausgleichen. Diese Wellenbewegungen entstehen zum Beispiel dann, wenn neue Erfindungen auf den Markt kommen. Betrachten wir den letzten Internetboom: Die ersten Anbieter gründeten mit teilweise sehr guten Ideen Firmen und verdienten bei deren Verkauf mitunter ein Vermögen, auch weil sie anfangs kaum Konkurrenz hatten. Das zog weitere Anbieter an, die auch mit Internetangeboten reich werden wollten. Je mehr Nachahmer jedoch auf den Markt drängten, desto geringer wurden die Gewinnspannen, und irgendwann wurden die Überkapazitäten von einer Korrekturphase erwischt. Ist ein Boom besonders groß, wird die Korrektur entsprechend scharf. Dass diese Wellenbewegungen auf einem unregulierten Markt aber nicht zu groß werden, verhindert auch der Zins, der genau wie die Produktpreise für einen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage sorgt. Wenn die Menschen optimistisch in die Zukunft blicken, geben sie ihr Geld eher aus, als es zu sparen. Wird jedoch wenig gespart, ist das Geldangebot auf dem Kapitalmarkt eher gering, was die Zinsen auf ein hohes Niveau hebt. Hierdurch wird die Wirtschaft davon abgehalten, gleichsam heiß zu laufen und immer mehr zu investieren und zu produzieren. Je teurer nämlich das Geld, desto vorsichtiger werden die Unternehmer. Umgekehrt: Wenn die Menschen aus Angst vor einer düsteren Zukunft gar nichts mehr kaufen und nur noch sparen, werden die Zinsen durch das große Kapitalangebot auf dem Geldmarkt immer geringer. Das macht neue Investitionen schneller rentabel und die Unternehmen können günstige Produkte anbieten. Gleichzeitig werden die immer geringeren Zinsen die Leute davon abhalten, noch sparsamer zu werden, denn das Sparen lohnt sich dann kaum noch. So sorgt auch der Geldmarkt mit dem Zins als seinem Preissystem für eine Selbstregulierung.

Aber warum kommt es in unserer Marktwirtschaft zu so extremen Auf- und Abschwüngen?

Eine reine Marktwirtschaft hätte nur sehr leichte Schwankungen. Es gäbe ein gesundes, langfristiges Wachstum, das realtiv geradlinig verliefe, eben genau wegen der gerade erklärten selbstregulativen Elemente der Güterpreise und des Geldpreises, also des Zinses. Starke Schwankungen treten auf, wenn es Übertreibungen gibt, die der Markt zwangsläufig irgendwann korrigiert. Solche Übertreibungen entstehen, wenn Geld falsch investiert wird, also entgegen der eigentlichen Nachfrage. Im großen Stile passiert das jedoch nur, wenn die Geldmenge künstlich stark aufgebläht wird. Ist das der Fall, will das viele neue Geld irgendwo angelegt werden. Wenn alle rentablen Anlagemöglichkeiten ausgeschöpft sind, fließt das Geld in weniger rentable Geschäfte und irgendwann in unrentable.

Eine immer stärker wachsende Geldmenge mit zwangsläufigen Preissteigerungen zwingt außerdem alle Arbeitnehmer in die Rolle von Hobby-Investoren. Wenn die Geldmenge jedes Jahr stärker wächst als die Produktivität, ist es nicht sehr clever, sein Sauerverdientes zu Zinsen auf ein Sparbuch zu legen, die so niedrig sind, dass die Differenz zwischen Produktivität und Erhöhung der Geldmenge dadurch nicht ausgeglichen wird. Ein Beispiel soll das Verständnis des letzten Satzes erleichtern:
Nehmen wir an, die Wirtschaft würde um 3 Prozent wachsen, die Regierung die Geldmenge aber um 11 Prozent erhöhen. Wenn das Geld auf einem Sparkonto aber nur 4 Prozent Zinsen brächte, hätte man immer noch einen Kaufkraftverlust von 4 Prozent (3 – 11 + 4 = -4). Das eigene Geld muss also mindestens 8 Prozent pro Jahr erwirtschaften, um lediglich den Wert des Geldes zu erhalten. Da jede Anlage natürlich auch ein gewisses Risiko birgt und man sein Vermögen nicht nur erhalten, sondern es auch vergrößern möchte, braucht man deutlich höhere Renditen. Also werden für den Bürger riskante Spekulationen an der Börse interessant.

Bei einer hohen Inflation und niedrigen Zinsen wächst andererseits der Anreiz, sich zu verschulden, statt zu sparen. Das war auch einer der Gründe für die derzeitige Immobilienkrise in den USA: Wegen der großen Geldmengen, lockerte man die Voraussetzungen für Kredite und so bekam fast jeder eine Hypothek, auch wenn verfügbares Einkommen und Eigenkapital für eine solide Finanzierung viel zu gering waren. Da immer mehr Menschen als Nachfrager auf dem Häusermarkt auftraten, stiegen die Immobilienpreise schnell und lange. Sobald die eigene Immobilie auf dem Papier deutlich gestiegen war, schöpften viele den damit gestiegenen Kreditrahmen erneut aus, um sich nun auch noch schöne Urlaube, ein neues Auto und andere Konsumgüter zu leisten. Natürlich kann man nicht ewig über seine Verhältnisse leben — auch eine ganze Nation nicht. Sobald die ersten Fehlinvestitionen sich als solche herausstellen, begann eine langsame Kettenreaktion: Es platzen einige Finanzierungen, das Angebot auf dem Immobilienmarkt steigt, die Immobilienpreise sanken, dadurch platzen weitere Finanzierungen, die Nachfrage nach Häuserbaufirmen sank ebenso, dadurch werden viele ihren Arbeitsplatz verlieren und dann platzen weitere Kredite und so weiter. Die primäre Ursache hinter dieser ganzen Misere ist jedoch die aufgeblähte Geldmenge und die künstlich niedrig manipulierten Zinsen.

Wie kommt es denn zu den großen Geldmengen?

Was das Geldwesen angeht, kann man heute leider nicht mehr behaupten, dass wir in einer Marktwirtschaft leben. Es handelt sich vielmehr um eine reine Planwirtschaft, in der die Zinsen nicht demokratisch von allen Marktteilnehmern durch Angebot und Nachfrage bestimmt werden, sondern ein Komitee in der Zentralbank diese willkürlich festgelegt. Dieses Komitee entscheidet genauso willkürlich über die Geldmenge, indem es einfach so viel Geld für die Regierung drucken lässt, wie diese es gerade für richtig hält. Einen ganz entscheidenden Einfluss auf die Geldmenge hat auch das so genannte Teilreserve-Bankwesen. Um zu verstehen, was das ist, kommen wir zu unserem Lagerhausbesitzer zurück:

Die Lagerhausbesitzer hatten bis jetzt zwei Einkommensquellen:

  1. Goldbesitzer, die ihre Münzen und Barren nur sicher verwahrt wissen wollten, mussten eine Lagergebühr bezahlen.
  2. Die Goldbesitzer, die bereit waren, auf ihr Gold eine bestimmte Zeit lang zu verzichten, ermöglichten den Lagerhausbesitzern eine zusätzliche Einnahmequelle. Der Lagerhausbesitzer — wir nennen ihn jetzt Bankier — konnte das Gold gegen Zins an Investoren verleihen. Der Großteil des Zinses ging an den eigentlichen Besitzer des Goldes, aber einen gewissen Aufschlag als Vermittlungsgebühr konnte der Bankier mit Recht für sich behalten.

Die Bankiers kamen jedoch immer in die Versuchung, eine dritte Einnahmequelle zu nutzen: Da nie alle Leute gleichzeitig ihr ganzes Gold abhoben, das eigentlich nur zur Aufbewahrung abgegeben wurde, fiel es nicht auf, wenn der Bankier einen Teil dieses Goldes verlieh, das eigentlich nicht hätte verliehen werden dürfen. Man spricht hier vom Teilreserve-Bankwesen, weil die Bank in diesem Fall nur noch einen Teil der Einlagen als Reserve für Abhebungen besitzt. Beim Verleih dieses Goldes konnte der Bankier natürlich den vollen Zins für sich behalten, da der Einleger nichts von dem Verleih wusste. Es ging den Einlegern wie den heutigen Girokonto-Nutzern: Auch die glauben, dass ihr Geld sicher in der Bank aufbewahrt wird und sie es jederzeit abheben können. Wenn jedoch zu viele Girokonto-Besitzer ihr Geld gleichzeitig abheben wollen, zum Beispiel wegen einer Krise, reicht die Reserve der Bank bei weitem nicht aus. Heute ist das Teilreserve-Bankwesen sogar legal und die Mindestreserve liegt in der Regel bei lediglich zehn Prozent. Eine Bank, die von diesem Vorteil kein Gebrauch machen würde, wäre nicht konkurrenzfähig. Die Banken brauchen vor einem Ansturm ihrer Anleger auch keine allzu große Angst haben — und zwar aus folgendem Grund: Stellen wir uns vor, es gäbe einen Ansturm auf eine größere Bank und mit der üblichen Teilreserve käme es zu einem Bankrott, was den Vermögensverlust fast aller Anleger zur Folge hätte. In so einem Fall würden Anleger aller anderen Banken sicher auch ihr Geld abziehen wollen, und dann käme es bald zu einer nationalen oder sogar internationalen Bankenkrise. Also haben die Gemeinschaft der Banken und die Zentralbank ein großes Interesse daran, dass nie eine Bank in Zahlungsschwierigkeiten gerät. Droht ein Bankrott, werden die Gemeinschaft und die Regierung aushelfen. Da die Regierung selbst kein Geld verdient, hilft eigentlich der Steuerzahler aus. In einer Umgebung, in der eine Pleite deutlich an Bedrohung verloren hat, sinkt natürlich die Vorsicht, und es werden Kredite vergeben, die nie vergeben werden dürften. Der Fachbegriff hierfür lautet: »moral hazard.«

Wie stark erhöht sich denn die Geldmenge durch das Teilreserve-Bankwesen?

Das hängt von der Mindestreserve ab. Die folgende Grafik aus der Wikipedia zeigt, wie stark sich die Geldmenge bei den verschiedenen Mindestreserven vervielfacht.

Man kann die Zahl sehr einfach selbst berechnen, wenn man wie folgt vorgeht: Wir unterstellen in diesem Beispiel eine Mindestreserve von zehn Prozent, weil das in der heutigen Praxis der gängige Wert ist.
Eine Bank bekommt eine Einlage von 100 Euro. Sie darf nun 90 Euro verleihen. Bezahlt der Kreditnehmer mit diesem Scheck dann eine Rechnung und reicht der Rechnungssteller den 90-Euro-Scheck bei seiner Bank ein, kann die wiederum 81 Euro verleihen (90 minus 10 Prozent von 90). So geht es dann endlos weiter (€ 100 + € 90 + € 81 + € 72.90 + … ) und die Summe, die wie von Zauberhand aus den 100 Euro entsteht Zahl nähert sich 1000 Euro an.

Warum ist das Teilreserve-Bankwesen legal, wenn es so viele Nachteile hat?

Die so genannte Laffer-Kurve, benannt nach dem Ökonomen Arthur B. Laffer, beschreibt den Zusammenhang zwischen Steuersatz und Steuereinnahmen: Wird der Steuersatz von null an erhöht, steigen die Steuereinnahmen — allerdings nur bis zu einem bestimmten Punkt. Wird der Steuersatz über diesen Punkt hinaus weiter in Richtung einhundert Prozent erhöht, nehmen die Steuereinnahmen wieder ab, denn die Leute werden immer weniger arbeiten. Bei einem Steuersatz von hundert Prozent wird niemand mehr arbeiten.

Das Maximum der Steuereinnahmen lässt sich mit zunehmender Gewöhnung sicher immer weiter nach rechts verschieben, also erhöhen, aber jenseits der fünfzig Prozent wird es schwierig, dem Volk mehr Geld abzupressen. Früher hatten selbst Könige Mühe, den Untertanen mehr als den zehnten Teil ihrer Einnahmen abzunehmen. Der Staat leidet notorisch unter Geldmangel, weil er selbst kein Geld verdient und deshalb muss er ständig nach neuen Einnahmemöglichkeiten fahnden. Die unauffälligste Einkommensquelle, die er bis heute gefunden hat, ist das Drucken von Geld. Kaum jemand weiß zum Beispiel, dass die europäische Zentralbank die Geldmenge derzeit um elf Prozent pro Jahr erhöht. Was bedeutet das? Eine steigende Geldmenge schafft eine zusätzliche Nachfrage. Die Gütermenge also das Angebot ist jedoch gleich geblieben und dadurch steigen die Preise. Das Teilreserve-Bankwesen hat den gleichen Effekt: Es kommt mehr Geld in Umlauf, ohne dass die Gütermenge steigt, und auch hierdurch steigen die Preise.

Es war jedoch nicht ganz einfach, die Menschen daran zu gewöhnen, dass ihr Geld immer weniger wert wird. Heutzutage halten wir es für Gottgegeben, dass Preise ständig steigen. Widerstand regt sich erst, wenn die Preissteigerungen zu extrem werden. Dieser Zustand ist aus Sicht des Staates und der Banken paradiesisch; um ihn herzustellen, bedurfte es jedoch vieler Einzelschritte: Zuerst musste das freie Geld in Form von Gold- und Silbermünzen verstaatlicht werden. Angeblich zum Schutz vor Falschmünzern hat der Staat das Münzprägerecht an sich gezogen und seine Münzen zum gesetzlichen Zahlungsmittel gemacht. Die Annahmepflicht eines gesetzlichen Zahlungsmittels zwingt jeden Gläubiger, Tilgungen mit staatlichen Geld zu akzeptieren. Deshalb wird dann niemand mehr mit wertvollerem Geld bezahlen. Tatsächlich hatten die Herrschenden mit ihrem Monopol so ein viel leichteres Spiel, ihre Münzen mit immer mehr Fremdmetall zu entwerten — man musste sie schließlich akzeptieren. Früher oder später wurde der Betrug immer zu extrem, und es kam zu einer Währungsreform. Um den Himmel auf Erden für Staat und Banken in Form von reinem ungedeckten Zwangs-Papiergeld zu verwirklichen, musste man die Menschen noch von der Vorstellung entwöhnen, dass Gold und Silber Geld sind. Das geht nicht in einem Schritt. Man entmonetarisierte also zunächst das Silber, indem man den Wechselkurs zwischen Gold und Silber künstlich festlegte. In England fixierte man beispielsweise gegen Ende des 18. Jahrhunderts das Verhältnis von Gold zu Silber auf 1 zu 15,2. Auf dem freien Markt in Europa betrug das Verhältnis jedoch 1 zu 15. Es lohnte sich also, Gold nach England zu exportieren und Silber aus England zu importieren. Auf diese Weise floss innerhalb kürzester Zeit praktisch das ganze englische Silber ins Ausland. 1816 hatte man dann in England einen reinen Goldstandard. Der Preis für Gold war jetzt nicht mehr eine bestimmte Menge Silber, sondern wurde gemessen an einem Stück Papier, dem Pfund. Danach muss man die Golddeckung der Geldscheine nur noch immer weiter reduzieren und irgendwann ganz aufheben, so geschehen 1971 — und zwar weltweit. Seitdem können die Regierungen so viel Geld drucken wie sie wollen, so lange die Menschen nicht auf die Straße gehen.

Kommt es dann nicht zu einer Inflation?

Diese Frage impliziert ein fehlerhaftes Verständnis von Inflation: Inflation ist nicht die Preissteigerung. Inflation (Lateinisch: »das Sich-Aufblasen«) ist alleindie Aufblähung der Geldmenge. Die Preissteigerung ist nur eine Folge der aufgeblähten Geldmenge. Dieses fehlerhafte Verständnis kommt jedoch nicht von ungefähr, sondern es wurde gezielt verbreitet, um den Betrug mit dem Papiergeld besser zu kaschieren. Definiert man Inflation als Preissteigerung, wird die daraus resultierende Zahl erheblich kleiner ausfallen. Wenn die europäische Zentralbank die Geldmenge M3 von 8,6 Billionen um 11 Prozent erhöht, dann erhöht sie die Einkommen der europäischen Regierungen um 946 Milliarden Euro. Bei 310 Millionen Europäern sind das 3050 Euro pro Kopf oder 12.200 Euro bei einer vierköpfigen Familie. Diese Zahlen findet man jedoch nur sehr versteckt auf der Internetseite der europäischen Zentralbank. Drängen diese Fakten ins Bewusstsein der Menschen und würde man die Inflation korrekt mit dem Geldmengenwachstum angeben, könnte das großen Unmut bei den Menschen auslösen. Da redet man doch lieber von der Preissteigerung. Die fällt nämlich aus mehreren Gründen viel geringer aus:

  1. Die Produktivitätssteigerung vermindert die Preissteigerung.
  2. Man kann beim Warenkorb schummeln, der die Preissteigerung misst.
  3. Man kann die ins Ausland abfließenden Euros abziehen.

1. Abziehen der Produktivitätssteigerung
Wir werden immer produktiver und erzeugen jedes Jahr mehr Waren, in Europa knapp drei Prozent. Würde man die Geldmenge nun genau um den gleichen Anteil erhöhen, blieben das Verhältnis von Geld- zu Warenmenge gleich und damit die Preise unverändert. Hätte man die Geldmenge jedoch unverändert gelassen, wäre die Kaufkraft um knapp drei Prozent gestiegen, das heißt, das Geld hätte an Wert gewonnen. Inflation, also Geldmengenerhöhung stiehlt den Menschen immer Geld, auch wenn die Produktivität steigt und die Preise konstant bleiben.

2. Schummeln beim Warenkorb
Um die Preissteigerung zu messen, wird ein imaginärer Warenkorb zusammenstellt und jedes Jahr berechnet, um wie viel teurer, die darin befindlichen Produkte geworden sind. Die Zusammenstellung und Gewichtung der darin enthaltenen Produkte ist natürlich ziemlich willkürlich. Die Warenkörbe werden in allen Ländern von einer Regierungsbehörde zusammengestellt. Die Regierung ist jedoch daran interessiert, eine niedrige Inflation auszuweisen. Es liegt also ein Interessenkonflikt vor, und es ist ein leichtes, einfach die Produkte, die günstiger werden (Computer, Videokameras, Fernseher etc.) stärker zu gewichten und die Produkte, die viel teurer werden (Lebensmittel, Rohstoffe, Aktien) geringer zu gewichten — oder wie im Falle von Aktien, gar nicht mit in den Warenkorb zu nehmen.

3. Das zusätzlich gedruckte Geld fließt ins Ausland
In den letzten Jahren haben die Zentralbank in den USA (Fed) und die europäische Zentralbank die Geldmengen erheblich ausgeweitet. Die Preissteigerungen blieben jedoch — auch korrekt gemessen — vergleichsweise gering, wenn man von der Börsen und den Immobilien in den USA einmal absieht. Wie kann das sein? Das Geld wurde teilweise vom Ausland aufgesogen. Der amerikanische Dollar ist nun mal die Leitwährung der Welt, und die internationalen Exporteure fühlten sich nicht unwohl, wenn sie ihre Waren verkauften und dafür Dollar erhielten. Allein die Chinesen besitzen inzwischen eine Billion US-Dollar. Wenn die Chinesen diese Dollar irgendwann verkaufen sollten, würden die Preise in den USA so stark in die Höhe schnellen, dass sich die Inflation nicht länger verbergen ließe. In Europa fanden viele der zusätzlichen Euro durch die Öffnung des Ostblocks eine neue Heimat. Irgendwann ist jedoch auch der Markt im Ausland gesättigt und dann schlägt auch bei uns die Teuerung gnadenlos zu. Und auch hier darf man nicht vergessen, dass ohne Geldmengenausweitung bei gleichen Bedingungen unser Geld an Kaufkraft erheblich gewonnen hätte.

Ein weiterer unangenehmer Nebeneffekt der Inflation ist die so genannte kalte Progression. Stellen wir uns vor, es gäbe über einen Zeitraum von 7 Jahren eine addierte Inflation von 100 Prozent. Stellen wir uns weiter vor, einem Angestellten gelänge es, sein Gehalt in der selben Zeit zu verdoppeln, die Inflation also komplett auszugleichen und mit seinem Nettogehalt immer noch die gleiche Kaufkraft zu genießen. Doch weil er jetzt das Doppelte verdient, muss er wegen der Progression nicht nur absolut, sondern auch prozentual mehr Steuern zahlen.
Beispiel: Zu Beginn verdient der Angestellte 2000 Euro und zahlt 25 Prozent Steuern (500 Euro), darf also 1500 Euro netto für sich behalten. Nach sieben Jahren und 100 % Inflation verdient er nun 4000 Euro brutto. Hier muss er 35 Prozent Steuern zahlen, also 1400 Euro. Es bleiben ihm netto 2600 Netto, deren Kaufkraft ist jedoch nur noch halb so groß. Er verdient also in der Kaufkraft vor sieben Jahren ausgedrückt nur noch 1300 netto. Die kalte Progression hat ihn also um weitere 200 Euro beraubt.

Die amerikanische Regierung hat das Veröffentlichen der Geldmenge M3 im März 2006 einfach eingestellt. Angeblich sei die Zahl wenig aussagekräftig. Die amerikanische Seite shadowstats.com hat den Verbraucherpreisindex einfach mal so weiter berechnet, wie die Regierung es noch vor Clinton getan hat. Da sieht man dann, dass die neuen Rechenmethoden des amerikanischen Arbeitsministeriums die Teuerungsrate fast halbiert von knapp unter 8 Prozent auf offiziell etwas über 4 Prozent. Der Trick bestand einfach darin, den Warenkorb »geometrisch zu gewichten«, indem man Produkte, die sehr viel teurer geworden sind, einfach geringer gewichtet, und Produkte die sich nicht so sehr verteuert haben, höher gewichtet. Die Erklärung von Alan Greenspan lautete: »Wenn Steaks teurer werden, essen die Leute mehr Hamburger.

Braucht eine schnell wachsende Wirtschaft nicht eine flexible Geldmenge und werden sich die Menschen bei einer permanenten Deflation nicht zu Tode sparen?

Wir müssen bei diesen Fragen nicht spekulieren; es liegen schließlich empirische Daten vor: Zwischen 1820 und 1913 betrug die Verbraucherpreisinflation in den USA null Prozent, und im Vereinigten Königreich sanken die Verbraucherpreise gar, wenn man die 139 Jahre von 1800 bis zum Beginn des zweiten Weltkriegs betrachtet. In dieser Zeit ist die Wirtschaft natürlich auch gewachsen.

Auch wenn die Preise fallen, spart sich niemand zu Tode. Jeder kann das bei elektrischen Geräten (Computer, Mobiltelefone, Fernseher, Spielkonsolen) an sich selbst beobachten: Die werden immer billiger und immer besser. Trotzdem kaufen wir uns natürlich natürlich diese Produkte.
Wie schon weiter oben erklärt, wirkt der Markt auch hier stabilisierend: Wenn viele Menschen Geld sparen, fallen die Zinsen; die Firmen kommen günstiger an Geld für ihre Investitionen und können ihre Produkte günstiger anbieten. Das wiederum wird die Konsumenten motivieren, mehr zu konsumieren.

Wieso sind diese Zusammenhänge völlig unbekannt?

Mit Währungsfragen befassen sich hauptsächlich Volkswirtschaftler. Die sind jedoch fast ausschließlich Staatsangestellte und entweder bei Zentralbanken und ähnlichen Behörden angestellt oder als Professoren im Dienst von Universitäten. Und Professoren bekommen oft Forschungsaufträge von Währungsbehörden, mit denen sie sich profilieren können. Wer in der akademischen Welt die hier vorgetragene Haltung verträte, würde seiner Karriere empfindlich schaden.

Welche Wirkungen hat die Inflation denn auf die Menschen?

Bei der Entwicklung der Menschen scheint es für Erfolg und Zufriedenheit einen ganz entscheidenden Charakterzug zu geben, der in einer Inflationsgesellschaft erodiert oder sich gar nicht erst richtig entwickelt: Beim Marshmallow-Test wurden Vierjährige auf ihre Selbstbeherrschung untersucht, indem man ihnen einen Marshmallow anbot. Den konnten sie entweder sofort essen, oder sie bekamen einen weiteren Marshmallow, wenn es ihnen gelang, den ersten 20 Minuten lang nicht zu essen. Welche diagnostische Kraft dieser Test besaß, wurde 12-14 Jahre später deutlich, als man dieselben Kinder — nun Jugendliche — untersuchte: Zwischen denen, die sich das Bonbon geschnappt hatten und den anderen, die die Belohnung aufgeschoben hatten, zeigten sich große Unterschiede: Diejenigen, die mit vier Jahren der Versuchung widerstanden hatten, zeigten jetzt als Jugendliche größere soziale Kompetenz. Sie waren selbstbewusst, durchsetzungsfähig und besser in der Lage, mit Drucksituationen, Stress und Frustration umzugehen. Das Verhalten der Kinder, die damals nicht warten konnten, war eher entgegengesetzt: Sie waren druckempfindlich, weniger kontaktfreudig und mit ihrem eigenen Selbstbild unzufrieden. Die geduldigen Kinder hatten außerdem auf der Highschool die besseren Noten und schnitten beim Scholastic Assessment Test (SAT) für die Aufnahme bei amerikanisichen Universitäten signifikant besser ab.

Wer also nie gelernt hat, dass man sein Lebensglück steigern kann, wenn man die sofortige Zufriedenheit bisweilen einem späteren Glück opfert, der wird nie sein Potenzial ausschöpfen und wahrscheinlich auch unzufriedener sein als jemand, der Belohnungen aufschieben kann.

Selbstdisziplin kann sich nur dann gut entwickeln, wenn die Umwelt ein entsprechendes Verhalten besonders belohnt. Die Umgebung einer Inflation lehrt uns jedoch das Gegenteil: Das Hier und Jetzt wird wichtig. »Konsumiere jetzt, zahle später«, lautet das Motto, denn sich zu verschulden, ist sinnvoller, als zu sparen. Die Amerikaner sind der Welt auch hier wieder ein ganzes Stück voraus: Sie haben eine negative Sparquote und eine private Verschuldung von 12 Billionen Dollar, also 60.000 pro Amerikaner.

Wo sehen sich Voluntaristen im Parteienspektrum?

Das klassische Parteienspektrum von links nach rechts versperrt leider den Blick aufs Wesentliche. Da an den Rändern Parteien liegen, mit denen man sich als gebildeter Mensch unmöglich identifizieren kann, kommt man schnell zu dem scheinbar trivialen Schluss, dass die Wahrheit in der Mitte liegt. Man kann sich dann streiten — und die Parteien tun das ja ständig —, ob nun die SPD oder die CDU die Partei der Mitte ist. Aber wo sollte man auf dieser Achse eine voluntaristische Gesinnung platzieren?

Ein klareres Bild entsteht, wenn man aus dem eindimensionalen Modell ein zweidimensionales macht. Auf der einen Achse trägt man die innere Freiheit ab und auf der anderen die äußere, entsteht dieses Bild:

 

 

 

Was zur inneren und äußeren Freiheit gehört, zeigt die folgende Stichpunktliste, angelehnt an einen Test, den man in André Lichtschlags früherem Freiheitsforum machen konnte.

Innere Freiheit

    • Freie Schulwahl, Homeschooling, Unschooling und eigenfinanzierte Privatschulen. Keine Schulpflicht oder Staatsschulen.
    • Freie Presse, freies Radio und freies Fernsehen. Keine Zensur, Landesmedienanstalten oder GEZ-Gebühren.
    • Unbehinderter Drogengebrauch. Keine Prohibition.
    • Staatlich unreglementiertes Glücksspiel. Keine Verbote und staatliche Lizenzen.
    • Freie Religionswahl. Keine Amtskirchenprivilegien und staatliche Kirchensteuererhebung.
    • Freie Meinungsäußerung. Keine Gesinnungsschnüffelei oder Gesinnungsstrafrecht.
    • Unverletzlichkeit von Privatheit und Wohnung. Kein Verfassungsschutz und keine Staatspolizei.
    • Freiheit aller gewaltfreien Sexualbeziehungen. Keine Verbote von Prostitution oder Pornographie.

Äußere Freiheit

    • Freie Einwanderung. Keine Abschiebung, staatliche Hilfen oder Arbeitsverbote für Einwanderer.
    • Freiwilligkeit des Militärdienstes. Keine Wehrpflicht.
    • Freie Unternehmen. Keine staatliche Subventionen.
    • Freihandel. Keine Einfuhrzölle.
    • Freie Löhne. Keine Mindestlöhne und oder Gewerkschaften mit staatlichen Privilegien
    • Freier Handel. Keine Steuern oder Abgaben.
    • Freiwillige Hilfe im Ausland. Keine staatlichen Entwicklungshilfeprogramme.
    • Freiwillige Hilfe im Inland. Keine staatlichen Sozialhilfeprogramme.
    • Freies Geld. Kein staatliches Währungsmonopol mit Annahmezwang (gesetzliche Zahlungsmittel).
    • Ungehinderte Nutzung des Grundeigentums. Keine staatlichen Bauauflagen.
    • Recht auf Diskriminierung. Keine Anti-Diskriminierungsgesetze oder gesetzliche Frauenquoten

Ganz scharf lassen sich innere und äußere Freiheit nicht trennen, wie man am Beispiel der Anti-Diskriminierungsgesetze am besten erkennen kann. Dieses Thema betrifft innere wie äußere Freiheit. Man kann sich deshalb auch keine Haltung vorstellen, in der jemand für absolute innere Freiheit plädiert und für eine kompromisslose Einschränkung der äußeren — oder umgekehrt. Die Flächen links oben und rechts unten bleiben deshalb unausgefüllt.

 

Wenn man die Darstellung der verschiedenen politischen Haltungen daher auf einer Achse abtragen will, muss man das zweidimensionale Diagramm lediglich um 45 Grad drehen …

… und die beiden Achsen durch eine ersetzen. Jetzt ergibt sich wieder eine eindimensionale Darstellung, die jedoch eine erheblich bessere Orientierung liefert als das klassische Parteienspektrum von links nach rechts.

In dieser Darstellung liegen Kommunismus und Faschismus nebeneinander, und das kommt der Wirklichkeit viel näher, als wenn man sie an entgegengesetzten Enden platziert. Nicht ohne Grund nannte sich die deutsche Version des Faschismus »National-Sozialismus«. Viel besser treffen den Sachverhalt die Bezeichnungen »roter Sozialismus« und »brauner Sozialismus«, denn sie verdeutlichen die Verwandtschaft dieser beiden Formen der Diktatur. Beim roten Sozialismus werden die Produktionsmittel verstaatlicht; beim brauen Sozialismus bleiben die Produktionsmittel weitgehend in privater Hand, wobei der Staat hier die Kontrolle über marktregulierende Gesetze sowie hohe und progressive Steuern ausübt.

Faschismus hat zunächst einmal nichts mit Rassismus zu tun. Die nationale Komponente zeigte sich fast ausschließlich bei Hitler (vorwiegend in der Form des Antisemitismus) und war kein Bestandteil des italienischen Faschismus unter Mussolini oder des spanischen unter Franco.
Tatsächlich haben wir es beim Faschismus oder braunen Sozialismus nur mit einer versteckteren Form des Besitzes an den Produktionsmitteln zu tun. Die Regierung erlaubt zwar den Privatbesitz und spart sich damit das Risiko der eigenen Unternehmertätigkeit, behält jedoch die Kontrolle und nimmt sich den Großteil der Gewinne — bei Verlusten beteiligt sich die Regierung selbstverständlich nicht.

Wie in allen modernen demokratischen Staaten herrscht in Deutschland eine Gesellschaftsform, die aus einer Mischung von dreierlei Zutaten besteht: Kommunismus, Faschismus und Marktwirtschaft.

1. Kommunismus:
Der Staat besitzt das Eigentum an zahlreichen Produktionsmitteln. So befinden sich das Gesundheits-, Bildungs-, Renten-, Rechts-, Sicherheits-, Verteidigungs- und Verkehrssystem fast vollständig in staatlicher Hand.

2. Faschismus:
Die meisten demokratischen Staaten regulieren die Wirtschaft in einem Ausmaß, dass die Beschreibungen dieser Regulierungen in Form von Gesetzen und Verordnungen ganze Bibliotheken füllen. Außerdem hat der Staat das Monopol über den wichtigsten Bestandteil einer freien Marktwirtschaft: die Währung.

3. Marktwirtschaft:
Auch in den extrem regulierten Demokratien gibt es Inseln, in denen der Mensch kreativ und produktiv werden kann, wobei der Schwarzmarkt sicher die größte Insel ist.

Was uns von Diktaturen unterscheidet ist neben dem Wahlrecht und gewissen Grundrechten (wobei das Eigentumsrecht stark eingeschränkt ist) vor allem das Mischungsverhältnis. Weil sich eine kommunistisch-faschistische Marktwirtschaft oder eine rot-braun-sozialistische Marktwirtschaft natürlich nicht gut bewerben lässt, nennt man das Ganze lieber soziale Marktwirtschaft. Wolfgang Münchau, Gründer der Financial Times Deutschland, schreibt zu diesem Begriff in seinem Buch »Das Ende der sozialen Marktwirtschaft«:

»Hierbei handelt es sich um einen missverständlichen Begriff. Denn die soziale Marktwirtschaft ist weder sozial, noch ist sie eine Marktwirtschaft. Die soziale Marktwirtschaft ist ein deutscher Sonderweg unter den internationalen Wirtschaftssystemen. Charakteristisch für die soziale Marktwirtschaft sind auf keinen Fall die hohen sozialen Transferleistungen oder großzügige soziale Sicherungssysteme. Was die soziale Marktwirtschaft in ihrem Wesen ausmacht, ist eine vorkapitalistische Vetternwirtschaft, ein dicht vernetzter Klüngel von Banken, Unternehmen und Politik […]«

Bekannt wurde der Begriff unter Wirtschaftsminister Erhard. In einer Biografie über Erhard schrieb der amerikanische Wirtschaftshistoriker Alfred Mierzejewski:

»Der Markt sei sozial, weil er die Bedürfnisse der Menschen befriedige und ihren Lebensstandard anhebe. Der Wirtschafts-Nobelpreisträger Friedrich von Hayek fragte Erhard einmal nach diesem Konzept. Hayek berichtet, Erhard habe geantwortet: ›Ich hoffe, Sie missverstehen mich nicht, wenn ich von der sozialen Marktwirtschaft spreche. Ich meine, dass der Markt an sich sozial ist, nicht dass er sozial gemacht werden muss.‹ Erhard konkretisierte den Gedanken, indem er betonte, ›je freier die Wirtschaft desto sozialer ist sie auch‹.«

Handelt es sich beim Voluntarismus nicht um eine Utopie? Wie sollte man so eine Gesellschaftsform jemals durchsetzen können?

Zunächst müssen wir uns darauf einigen, was Utopie bedeutet. Der Begriff kommt aus dem Altgriechischen und lässt sich übersetzen mit: »der Nicht-Ort« (aus οὐ- u- = »nicht« und tópos = »Ort«). Wenn man also sagen will, dass Voluntarismus derzeit nicht existiert, dann ist das natürlich richtig. Oft schwingt in dem Begriff Utopie aber auch mit, dass diese Ideen unrealistisch sind. Man muss sich jedoch fragen, was wirklich unrealistischer ist: eine Gesellschaft, die ohne institutionalisierten und legitimierten Zwang auskommt, oder so etwas wie ein gerechter Staat oder eine freiheitliche Demokratie — beides vielleicht selbstwidersprüchliche Begriffspaare (Oxymora)?
Sicher mag die Wahrscheinlichkeit gering sein, dass wir uns in Kürze in eine voluntaristische Gesellschaft verwandeln, aber wenn diese Art des Zusammenlebens wünschenswert ist, weil moralisch und effizient, dann darf die Wahrscheinlichkeit der Verwirklichung keine Rolle spielen.
Wenn eine Gesellschaftsordnung ohne legalen Zwang und Gewalt noch nie getestet wurde, dann sollte das jetzige System, dass auf Zwang und Gewalt gründet, in der Rechtfertigungspflicht sein und nicht umgekehrt. So verlockend es auch ist, sich eine Welt auszumalen, in der man sich keine Sorgen um sein Wohlergehen machen muss, weil sich die anderen darum kümmern werden: Diese Art der Utopie ist ein Rezept für weltweites Unglück. In der extremen Form des Kommunismus hat es ein knappes Jahrhundert gedauert, bis es zum totalen Zusammenbruch kam. Die gemäßigte Variante des Sozialismus ist durch die Vermischung mit marktwirtschaftlichen Elementen robuster, aber auch sie hat den Zusammenbruch durch ständig steigende Staatsschulden in ihren Genen. In der Geschichte dieses Planeten ist der Staat in allen Ländern praktisch immer gewachsen und nie geschrumpft. Wir haben also gar nicht die Wahl zwischen dem Status quo und einem voluntaristischen Experiment. Wir haben nur die Wahl zwischen Tyrannei mit wirtschaftlichem Elend und dem mutigen Schritt in die Freiheit.

Wie aber ändert man eine Gesellschaft mit einer über Jahrhunderte eingefahrenen Tradition der Herrschaft durch Regierungen — ob nun demokratisch gewählt oder nicht?

Wer sich vornimmt, »die Gesellschaft« zu ändern, ist zum Scheitern verurteilt und damit zur Verbitterung und zur Frustration. Die beste Antwort zu dieser Frage stammt deshalb von Albert Jay Nock: »Wenn wir der Gesellschaft verbessern wollen, können wir nur eines tun: sie um eine Einheit verbessern.« (»The only thing we can do to improve society, is to present society with one improved unit.«) Wer ein gewaltfreies Leben ohne initiierende Gewalt führt, wird das Interesse seiner Mitmenschen wecken. Er muss niemanden missionieren. Natürlich würde er sich freuen, wenn die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sich änderten, sodass niemand mehr Opfer von institutionalisierter Gewalt würde, aber sein Lebensglück hängt nicht davon ab, ganz nach dem bekannten Gebet: »Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.«

Eine freie Gesellschaft ist aber nicht so undenkbar, wie es scheint. Wenn man über »die Gesellschaft« redet, darf man nicht vergessen, dass das nichts anderes ist als eine Gruppe von Individuen, die zur gleichen Zeit in einem bestimmten Gebiet leben. Werte und Handlungen jedes dieser Individuen hängen davon ab, welche Überzeugungen dieser Mensch in sich trägt: Was hält er für richtig und falsch? Was glaubt er hilft ihm und was den anderen? Es sind lediglich die Überzeugungen der Menschen, die darüber entscheiden, ob wir alle in Freiheit leben oder uns gegenseitig entmündigen und versklaven, ob wir anderen vertrauen oder sie bespitzeln und bewachen, ob wir auf Freiwilligkeit setzen oder auf Zwang und Drohungen, ob wir gewaltfrei miteinander kommunizieren oder die anderen mit Beschämung und Beschuldigungen zu steuern versuchen.

Die Kraft der Überzeugungen wirkt also in beide Richtungen: Wenn man einen Menschen dazu bekommen kann, eine bestimmte Überzeugung oder Handlung für moralisch gerechtfertigt zu halten, sind die Grausamkeiten, zu denen er sich hinreißen lässt, fast unbegrenzt. Es ist noch nicht so lange her, dass wir in Europa Hexen verbrannt haben und davon überzeugt waren, damit etwas Nötiges und Gutes zu tun. Damals war eine Demokratie, wie wir sie jetzt haben, so undenkbar wie heute eine Gesellschaft ohne Staat.
Natürlich kann man heute nicht mehr jedem Menschen jede Handlung als moralisch verkaufen. Ein zivilisierter westlicher Erwachsener wird sich inzwischen nicht mehr überzeugen lassen, dass Kannibalismus tugendhaft ist. Gleichwohl kann man mit sozialem Druck, Drohungen und permanenter Indoktrinierung von früher Kindheit an »viel erreichen«: Man kann noch immer fast jeden glauben machen, dass Angriffskriege bisweilen nötig sind, dass künstliche Linien auf einer Karte Menschen besser und schlechter machen, dass Leute in Uniformen anderen ungestraft Gewalt antun dürfen, auch wenn die Opfer dieser Uniformträger niemandem Schaden zugefügt haben, sondern zum Beispiel nur die falschen Pflanzen rauchen. Das Erschreckendste aber ist: Praktisch jeder ist noch heute davon überzeugt, dass manche Menschen nach dem Gewinn bei einem Beliebtheits-Wettbewerb auf einmal mehr Rechte haben als andere. Diese Gewinner von Belibtheits-Wettbewerben dürfen nun fast beliebige Vorschriften darüber erlassen, wie wir zu leben haben und sie nehmen sich das Recht, uns zu Sklaven zu machen, indem sie uns zunächst zehn Jahre in Indoktrinierungsanstalten schicken und darüber bestimmen, wann und vom wem wir was zu lernen haben. Danach nehmen sie ihren Sklaven allmonatlich einen Großteil der Früchte ihrer Arbeit ab. Wer sich dem widersetzt, kommt ins Gefängnis. Und wer sich sogar dagegen wehrt, wird notfalls auch erschossen. All das hält fast jeder für völlig normal. Kurz: Man kann Menschen immer noch problemlos davon überzeugen, dass Schlechtes nötig ist — und deshalb moralisch gerechtfertigt —, um einem guten, größeren Ganzen zu dienen.

Umgekehrt wirkt die Kraft der Überzeugungen aber auch im Guten: Was sollten die Politiker und Bürokraten tun, wenn Millionen von Bürgern sich der Schuld der stillen Zustimmung entzögen? Was würde passieren, wenn die Beteiligung bei den Beliebtheits-Wettbewerben auf einen lächerlichen Wert sänke? Was geschähe, wenn Arbeit im Dienst des Staates so verpönt wäre wie heute das Glücksspiel, Prostitution oder Steuerhinterziehung? Wie schnell bräche alles zusammen, wenn die Menschen den Betrug hinter dem Papiergeldsystem entdeckten und alle in Gold und Silber flüchteten?
Dabei müsste nicht gleich eine Mehrheit diese Haltung verinnerlicht haben; wichtig sind lediglich die Überzeugungen der Meinungsmacher: Journalisten, Intellektuelle, erfolgreiche Künstler, Prominente, Professoren, Superreiche, ehemalige Politiker und so weiter. Sie sind entscheidend, weil die Masse der anderen Menschen sich keine eigenen Gedanken über Gesellschaftssysteme macht. Sie richten sich nach denen, die sie für gebildet halten. Wenn die Mehrheit der Meinungsmacher das Potenzial der Freiheit entdeckt, könnte sich alles in einer Geschwindigkeit ändern, die sich heute noch keiner vorstellen kann. Wer hätte ein Jahr vor dem Mauerfall ahnen können, dass sich die DDR in kürzester Zeit in Luft auflösen wird?
Aber selbst wenn es erst nach der zweiten, dritten oder vierten Weltwirtschaftskrise zu einem Umdenken der Meinungsmacher kommen wird, es ändert nichts daran, dass jeder seine Überzeugung und damit sein Leben jetzt in dieser Sekunde ändern und auf initiierende Gewalt verzichten kann.

Gibt es geschichtliche Beispiele voluntaristischer Gesellschaften?

Staatslose Gesellschaften lagen alle in der vorindustriellen Zeit und lassen sich deshalb nicht mit heute vergleichen. Aber selbst, wenn es nie eine voluntaristische Gesellschaft gegeben hätte, kann das kein Grund sein, die Gedanken darüber zu verwerfen. Wenn man so argumentiert, hätte die Sklaverei nie abschafft werden dürfen, denn vor der ersten Abschaffung hätte man auch auf keine sklavenlose Gesellschaft zeigen können.

Wenn der Leser sich aber noch einmal das Wesen des Voluntarismus in Erinnerung ruft, nämlich der Verzicht auf initiierende Gewalt und Zwang, fällt ihm sofort eine derzeitige voluntaristische Gesellschaft ein: seine eigene. Die wenigsten Leser werden ihre Vermieter mit Waffengewalt gezwungen haben, die Miete zu senken. Kaum ein Leser wird seinen Freunden mit Gewalt oder Strafen drohen, wenn sie nicht mit ihm ins Kino gehen und nur wenige werden ihren Ehepartner in den Keller sperren, wenn der ihnen Zärtlichkeiten versagt. Die private Welt der allermeisten Leser ist also das beste Beispiel für eine funktionierende voluntaristische Gesellschaft.

Mit freundlicher Genehmigung: www.voluntarist.de

 

 

238 Responses to FAQ – Antworten zum Voluntarismus

  1. jimjune sagt:

    ich hab mal wieder ne frage, weil ich die ablehnung des demokratie-prinzips noch nicht so ganz nachvollziehen kann:
    nehmen wir an, ein kreuzfahrtschiff kentert, und es überleben genau 100 passagiere in genau 1 rettungsboot. 99 dieser passagiere wollen richtung süden paddeln, weil sie dort am ehesten rettung vermuten, aber 1 passagier will aus demselben grund richtung norden paddeln.
    wie würde dieser konflikt aus voluntaristischer sicht gelöst werden?

      • jimjune sagt:

        ok, da habe ich wohl aus versehen das klassische rettungsboot-szenario in reinkultur entworfen. 🙂
        in dem verlinkten artikel möche der voluntarist keine antwort geben auf diese rettungsboot-szenarien, weil man der meinung ist, diese szenarien sind sowieso nur das ergebnis eines falschen gesellschaftssystems oder eines vorausgegangenen fehlverhaltens sind. das trifft ja nun auf mein szenario nicht zu. selbst wenn, weiss ich nicht, warum deshlab der voluntarismus auf diese beispiele nicht anwendbar sein sollte. ich verstehe an diesem punkt einfach die voluntaristische argumentation bzw. die „verweigerung“ einer konkreten antwort nicht.

        • Rearden sagt:

          Du kannst immer ein Szenario konstruieren, in dem nur die Wahl besteht, sich zwischen zwei Übeln zu entscheiden. Beide Lösungen sind moralisch falsch.

          Da man sich für eine der beiden entscheiden MUSS, versucht man damit zu begründen, dass Philosophie keinen Wert hat.

          Wenn man nur die Möglichkeit hat, sich zwischen FALSCH und FALSCH zu entscheiden, kann auch der Voluntarismus kein RICHTIG herbeizaubern. Damit ist er aber nicht zu verwerfen. Oder?

          Dein Beispiel ist übrigens auch kein Plädoyer für die Demokratie. Denn wenn der Eine Recht hat, hat die Demokratie nicht zur optimalen Lösung geführt.

          Im Übrigen hat ja der Voluntarist auch nichts gegen Demokratie, sofern er nicht gezwungen wird, dabei mitzumachen. Es ist ja nichts dagegen einzuwenden, wenn z.B. im Verein abgestimmt wird. Man ist ja freiwillig im Verein, kann austreten oder nicht mitmachen ohne Gewaltanwendung befürchten zu müssen.

        • FwF-sandman sagt:

          Deine Boot-Frage unterscheidet sich von den üblichen Rettungsbooszenarien dadurch, dass keine Gewalt im Spiel ist.
          Der eine Typ in deinem Boot hätte die Möglichkeit, als einziger zu versuchen in die andere Richtung zu rudern. Das wäre natürlich Schwachsinn.
          Wenn ihm die Richtung der anderen nicht gefällt, hätter aber auch das Recht, gar nicht zu rudern. Die anderen dürften ihn nicht dazu zwingen. Du hast noch nicht so ganz verstanden, worum es bei der Philosophie des Voluntarismus eigentlich geht. Es geht um Moral und um Prinzipien.
          Es geht nicht darum, zu sagen, sich mit anderen durch Abstimmung auf etwas zu einigen wäre falsch. Falsch ist es, die Minderheit bei dieser Wahl mit GEWALT zum Mitmachen zu zwingen. Du hast in deinem Bootbeispiel ein Umfeld geschaffen, indem es keine Möglichkeit für den einen Typen gibt, in seine Richtung zubkommen, ausser ins Wasser zu springen. Die Verweigerung, diese Fragen ständig zu beantworten kommt daher, dass ich bereits einen Artikel darüber geschrieben habe und ausserdem gerne möchte, dass die Leute sich die Artikel in der richtigen Reihenfolge (Neu hier) durchlesen. Ich habe über diese ganzen Fragen darin so intensiv geschrieben, dass ich auch einfach nicht ständig in den Kommentaren alles noch hundertmal schreiben will.

          • FwF- infokriegerBerlin sagt:

            mal davon abgesehen, würde mich mal interessieren, wie groß das untergegangene boot gewesen sein muß, wenn ein rettungsboot schon 100 leute aufnimmt 😉

    • baxi sagt:

      Also ich würde das so sehen:

      Wer als nicht Wasser Wesen (z.B. Mensch) vorsätzlich auf das Wasser geht (z.B. auf einem Boot), der geht immer ein bewußtes Risiko ein. Nun wissen das dann auch die Boots Betreiber. Also ist die Lösung meines erachtens ganz einfach:

      Als Bootsbetreiber stelle ich Regeln auf, wie in einem Notfall zu verfahren ist, und wer mit meinem Boot fahren will, muss dem halt im Vorfeld zustimmen, oder ein anderes Boot mit anderen Regeln nehmen. Oder gar keins. Dabei spielt die Ausgestaltung der Boot-Notfall-Regeln eigentlich keine Rolle (Kapitän bestimmt, Demokratie…etc.), weil jeder auf dem Boot vorher ohne jeden Zwang zugestimmt hat.

      Wäre so etwas im Sinne des Voluntarismus?

      SG
      Frank

  2. Lorus sagt:

    Wenn die europäische Zentralbank die Geldmenge M3 von 8,6 Billionen um 11 Prozent erhöht, dann erhöht sie die Einkommen der europäischen Regierungen um 946 Milliarden Euro. Bei 310 Millionen Europäern sind das 3050 Euro pro Kopf oder 12.200 Euro bei einer vierköpfigen Familie. Diese Zahlen findet man jedoch nur sehr versteckt auf der Internetseite der europäischen Zentralbank.

    Kenn mir diese Zahlen bitte mal jemand belegen?
    Ich finde bei Wikipedia nur diese Zahlen (http://de.wikipedia.org/wiki/Geldmenge)
    Januar 2008 – M3 – 8.768 Mrd. Euro
    Januar 2011 – M3 – 9.494 Mrd. Euro

    Das sind „nur“ 726 Mrd. Euro und das entspricht einer Geldmengenerhöhung von 8,3% … allerdings über einen Zeitraum von 3 Jahren! Kein Vergleich zu 11% pro Jahr, der hier ja suggeriert wird …

  3. Grezel sagt:

    Wirklich gut gelungen, auch als Argumentationshilfe gut zu verwenden, einen Kritikpunkt haben ich, Du schreibst: „Schreiben Eltern dem Kind vor, dass es den Tisch zu decken hat oder wann es ins Bett gehen muss, ist das eine Form von Gewalt; “ Das riecht mir nach antiautoritären Erziehung der frühen Grünen die bekanntlich vollkommen in die Hose gegangen ist, selbstverständlich werde ich meinem Kind sagen, wann es zum Bett gehen etc. soll, das ist für mich keine Gewalt, sondern Erziehung.

    • FwF-sandman sagt:

      Hi Grezel,

      beim Umgang mit Kindern geht es vorrangig darum, ihre Bedürfnisse zu erkennen und als wertvoll anzusehen. Zumindest sehe ich keinen Grund, warum die Bedürfnisse meiner Kinder weniger wichtig sein sollten als meine eigenen. Wenn man das als Prinzip verinnerlicht hat, wäre es widersprüchlich, einem Kind zu sagen: „Du gehst jetzt ins Bett!“
      Bei dieser Aussage schwingt immer ein „weil ich es so will“ mit. Das Kind hat keine Möglichkeit der eigenen Entscheidung, ja noch nicht einmal eine Möglichkeit der eigenen Meinungsäußerung, die wäre dann nämlich „frech“.

      Wäre es nicht schöner, das Kind würde aus sich selbst heraus erkennen, dass es richtig ist, zu einer bestimmten Zeit ins Bett zu gehen, damit es am nächsten Tag auch fit ist? Das erreicht man nicht über die oben gezeigte Art der Autorität, die nur auf der Körpergröße beruht. (wenn du nicht, dann tu ich dir)

      Es gibt mehrere Arten der Autorität. Zum Beispiel wenn Du Deinem Kind schon oft Dinge wirklich begründet hast und sie treffen dann tatsächlich ein. Das Kind erkennt irgendwann, dass es gar keinen Grund gibt, innerlich gegen Deinen Wunsch (das Kind möge JETZT ins Bett gehen) zu rebellieren, wenn es Dich wie einen sehr klugen Coach ansieht, aber eine Mitsprachemöglichkeit hat. Wenn Du einem Kind gegenüber eine Bitte äußerst, solltest Du immer bedenken, dass eine Bitte auch abgelehnt werden kann. Sonst ist es ein Befehl. Kindern Befehle zu erteilen gewöhnt sie an die Struktur von Befehl und Gehorsam. Mir widerspricht das.

      Ich habe meine Kinder die ersten 10 Jahre falsch „erzogen“, was ich sehr bedauere. Seit 4 Jahren, machen wir in der Familie vieles anders und sind miteinander sehr viel glücklicher. Meine Kinder sind auch dadurch deutlich selbstständiger geworden.

      Gruß

      sandman

      • Zarathustra sagt:

        Ich denke, man verrennt sich da sehr schnell und schießt über das Ziel hinaus. Wenn wir entwicklungspsychologische Erkenntnisse nicht einfach ignorieren wissen wir, daß es ohne „Befehle“ in bestimmten Phasen der Kindererziehung nicht geht. Man lese z.B. Kohlberg* über die Stufen der moralischen Entwicklung des Kindes.

        In der präkonventionellen Phase brauche ich mit einem Kind nicht diskutieren, denn es KANN noch keine Einsicht zeigen. In der konventionellen Phase wird es einfach Dinge tun, weil ICH es sage und erst in der postkonventionellen Phase wird es Einsicht zeigen (können) oder eben nicht. Der Mensch entwickelt sich erst zu einem autonom handelnden und damit freien Subjekt, er ist es nicht einfach qua Geburt.

        Das ergibt m.E. auch keinen Widerspruch mit dem Voluntarismus, denn dieser setzt voll entwickelte, zu moralischen Urteilen fähige INDIVIDUEN bzw. Personen voraus – diese Bedingunen KANN ein Kind noch nicht erfüllen. Von daher ist Autorität von seitens der Eltern notwendig, ja sie wird sogar von den Kindern eingefordert, da sie eine notwendige Bedingung für die kindliche Entwicklung darstellt (bitte Autorität nicht mit autoritärer Erziehung verwechseln – erstere ist nämlich eine Zuschreibungskategorie, zweitere tatsächlich reine Machtausübung).

        *http://de.wikipedia.org/wiki/Stufentheorie_des_moralischen_Verhaltens

        • Heathen sagt:

          Man kann Kinder nicht erziehen. Einen Hund erziehe ich, ein Kind hingegen kann ich auf seinem Wege nur begleiten.

          • Umdenker sagt:

            Beides sind erst einmal Säugetiere mit bestimmten physischen und psychischen Eigenschaften, die sich mit der Zeit entwickeln, we schon von Zarathustra richtig beschrieben. Der Mensch ist natürlich in der Komplexität seines Gehirns einzigartig (was ihm gerne aber auch mal selbst im Weg steht), aber es ändert nichts an der Tatsache, dass Kleinkinder nicht von Haus aus als vernunftbegabte Wesen geboren werden. Kleinkinder haben am Anfang noch nicht einmal die Fähigkeit zur Empathie, weil diese sich erst später entwickelt. Da ist nix mit erklären und verstehen.

            Ich will nicht ausschliessen, dass dies ein evolutionäres Merkmal ist, dass wir mit einer früheren Konfrontation in sozialen wie intelektuellen Themen beschleunigen könnten, also das irgendwann Kinder von Haus aus mit diesen Eigenschaften geboren werden, aber aktuell ist es nun mal nicht so und das kann man nicht einfach ausblenden, weil einem die Realität nicht gefällt (sowas nennt sich dann nämlich Wahrnehmungsverzerrung).

  4. Zarathustra sagt:

    „Die meisten Voluntaristen nutzen aber doch Errungenschaften des Staates wie zum Beispiel Straßen?

    Dazu auch eine Gegenfrage: Verliert ein Sklave das moralische Recht, Sklaverei anzuprangern, wenn er von seinem Sklavenhalter ein Essen bekommen und es gegessen hat?“

    Ich würde diese Frage (die zu 99,9999% immer kommt, wenn ich staatskritisch argumentiere – interessanterweise immer zuerst Straßen 🙂 nicht mit einer Gegenfrage beantworten.

    Auch wenn die Infrastruktur durch gestohlenes Geld (Steuern, Abgaben) entwickelt wurde, so ist doch immer noch das entwendete Geld Eigentum der Bestohlenen und somit die dadurch geschaffenen Strukturen auch. Aus diesem Grunde haben die Menschen, egal ob sie den Voluntaristen sind oder nicht, ein Recht darauf, ihr Eigentum auch zu benutzen.

  5. AltFryRhätien sagt:

    Sehr interessantes Weltbild, dem ich mich schon lange zugeneigt fühle. Ich habe auch die empfohlene Einführung gut eingesehen.

    Was haltet Ihr – zugegebenermassen als Übergangslösung – von Kontrolle der Regierung durch direktdemokratische Instrumente (Gesetzesreferendum, Verfassungsinitiative), wie es sie in der Schweiz gibt? Oder sind Euch solche „exotischen“ Institute zu mühsam, um sie genauer anzuschauen (meine Erfahrung mit sonst diskussionsbereiten Deutschen). Es bräuchte einen Blick über die Grenze, und das scheint sehr (!) viel verlangt. Eigentlich erstaunlich, wo wir doch so nahe beieinander leben.

    Meine Meinung ist: besser als gar nichts, wie bis anhin bei Euch.

    • Hermann Messmer sagt:

      Der Blick über den Zaun, (der keiner ist), ist ja kein Problem.
      Wir haben in der Schweiz auch schon gearbeitet. Der Verwaltungsaufwand ist enorm um staatliche Vorschriften zu bedienen. Es ist eine andere Art des schleichenden Sozialismus.
      Der Glaube, ein Herrschaftsinstrument mit einem besseren Kontrollinstrumment zu beherrschen ist Teil des Herrschaftsinstrumentes. Der Glaube an das Herrschaftssystem bleibt erhalten.
      Ich lehne Herrschaft aber grundsätzlich ab.
      Wenn Du etwas zur Verbesserung 🙂 von Herrschaftssystemen tun willst, dann ist das der Weg:

      http://www.freiwilligfrei.info/archives/4109

      Sezession.
      Statt direktdemokratischer Instrumente genügt es in die Verfassungen reinzuschreiben, den Menschen zu erlauben, auf freiwilliger Basis mitzumachen oder eben auch nicht. Bitte zwing mich nicht zum mitmachen.
      Also nichts kompliziertes.
      Es genügt der Satz: Die Teilnahme ist freiwillig.
      Diesen Satz abzulehnen zeigt die wahre Maske der Herrschaftgläubigen.

      • AltFryRhätien sagt:

        @Hermann Messner: Von einem „Zaun“ habe ich nichts geschrieben. Es scheint Ihre Wahrnehmung zu sein, dass es einen „Zaun“ geben solle. Offenbar fühlen Sie sich hinter einem Zaun, der dann wieder „keiner sein soll“, obwohl kein Mensch einen solchen erwähnt hat. Ich kann das nur zur Kenntnis nehmen. Es passiert mir immer häufiger, dass Deutsche einfach etwas aus dem Nichts heraus interpretieren und dem Gesprächspartner ohne jede Berechtigung das Wort im Mund herumdrehen. So werden Sie keinen kritischen Menschen überzeugen können. Dazu müssen Sie sich schon etwas mehr anstrengen. Und vor allem Ihren Gesprächspartnern weder Begriffe, noch Worte unterschieben, die sie nie gesagt haben. Ich habe deutlich den Eindruck, dass Sie sich ihre Aufgabe einfacher vorstellen, als sie ist.

        • Hermann Messmer sagt:

          Ich würde mich freuen, wenn Sie auf meine Argumentation eingehen würden.
          Stattdessen unterstellen Sie, ich hätte geschrieben, Sie hätten das Wort Zaun verwendet. Ich habe das nicht geschrieben.
          Sie wollen das herauslesen um von Argumenten abzulenken?
          Gut abgelenkt Herr Politiker! Zieht bei mir leider nicht.

          Also, kein direktallegleichmitbestimmungdemokratisches Hokuspokus sondern Sezession. Lust darauf zu antworten?

          • AltFryRhätien sagt:

            Lieber Hermann
            Oliver erwähnt in seinen „Antworten“ den Umgang mit „Verbrechern“, also Delinquenten oder Straffälligen. Das setzt gesellschaftlich anerkannte Straftaten und ein für jedermann klar aufgestelltes Strafrecht voraus. Ein solches kann seinen Zweck nur dann erfüllen, wenn es für alle gilt, man sich also nicht durch Sezession davon lossagen kann. Der andere Weg, nämlich „nach der Tat erst Rat“ über die Strafwürdigkeit eines Verhaltens zu halten, ist in der Rechtsgeschichte versucht worden und gescheitert.

            Wenn das so ist, will ich aber auch ein Mitspracherecht dazu haben, welches Verhalten kriminalisiert wird und welches straffrei bleibt. Da gibt es nämlich heikle Grenzfälle zu entscheiden, wie zB. der in der Praxis zum Gesinnungsstrafrecht verkommene „Rassismusartikel“.

          • Hermann Messmer sagt:

            Lieber ??? „AltFryRhätien“
            „Das setzt gesellschaftlich anerkannte Straftaten und ein für jedermann klar aufgestelltes Strafrecht voraus. …“
            Worte wie „gesellschaftlich“ in der Kombination mit „anerkannt“ gehen von einem einzigen Willen aus. Wie kann soetwas bei Individuuen funktionieren? Es gilt also nur für diejenige Gruppe von Menschen die freiwillig zustimmen und eine Konsens haben.
            Diese Gruppe kann sich gerne auch zu soetwas wie „Gesinnungsstrafrecht“ verständigen. Derjenige der nicht zustimmt gehört ja nicht zu „gesellschaftlich anerkannt“!

            Im Kern möchtest Du aber Dein Rechtsverständnis, Deine Moral- und Strafvorstellung anderen Menschen aufzwingen.
            Der Artikel zeigt die Alternative. Es geht dabei nicht um „Strafwürdigkeit eines Verhaltens“ sondern um schlichte Abwehr von Angriffen. Das kann marktwirtschaftlich gelöst werden, wie im Artikel angesprochen. Ohne Staat versichere mich bei einem Anbieter gegen Angriffe von Dritten. Der Anbieter sorgt für meine Sicherheit in dem Umfang wie ich sie eingekauft habe.
            So wie bei einer Autoversicherung. Wer das rundum-Sorglospaket haben will, wählt die Vollkaskoversicherung. Wer mit weniger zufrieden ist, zahlt weniger und hat nur die Teilkaskoversicherung. Wer nur die Ansprüche anderer Menschen absichern möchte, wählt die Haftpflichtversicherung.

            „kann seinen Zweck nur dann erfüllen…“.
            Kein Zweck heiligt Zwang!

          • AltFryRhätien sagt:

            Lieber Hermann
            Richtig, Mann.

            >> In einer staatslosen Gesellschaft würden Verbrecher von den Schlichtern bei einem Schuldspruch wahrscheinlich zu hohen Strafen verurteilt, die dann aber nicht in irgendwelche Staatskassen flössen, sondern in die des Opfers, oder bei Mord in die der Erben. Wenn der Täter das Geld nicht besitzt, muss er dafür arbeiten — wenn nötig lebenslang. Eine Abschreckung gäbe es hier also genauso. <<

            Das habe nicht ich geschrieben, sondern das steht im obigen Artikel von Oliver. Wenn man diese Aussage weiterdenkt, müssten also diese "Schlichter" (die man dann aber genauso gut Richter nennen könnte) über Straftaten und deren Sanktionierung befinden. Worauf stützen sie sich dabei? Ohne Straftatbestände kommen sie nicht aus, denn wie gesagt hat ein solches Modell in der Geschichte Schiffbruch erlitten. Sollten Sie das dabei entstandene Institut der Rechtssicherheit mit Ihrem Modell einfach über Bord werfen wollen, würden Sie nach meiner Einschätzung dieselben Erfahrungen machen (müssen). Dass in der BRD ein heftiger Niedergang gerade dieses Rechtsinstitutes zu beobachten ist, ist mir nicht entgangen, ändert aber nichts an den aufgezeigten logischen Widersprüchen. In der Schweiz kämpfen wir seit 1848 um seine Erhaltung und Pflege; wir haben es also in 166 Jahren besser bewahrt, als die BRD in wesentlich weniger als der Hälfte dieser Zeit.

            Zudem sollen diese "Schlichter" die Macht und die Machtmittel dazu haben, den "Täter", in Wirklichkeit jedoch den Verurteilten (was mitnichten dasselbe sein muss) zu lebenslanger Zwangsarbeit zu bringen, anders kann man diese Passage nicht verstehen. Da will ich nur hoffen, dass diese "Gerichtsbarkeit" dann wenigstens öffentlich wäre, denn mit geheimer Kabinettsjustiz sind ebenfalls schlechte Erfahrungen gemacht worden. Das heisst nichts anderes, als dass diese "Schlichter" für ihr strafrechtliches Walten auch eine Prozessordnung brauchen, welche gewisse Rechte des "Täters" (recte Beschuldigten) vorsieht.

            P.S. Wenn ich von Mitsprache schreibe, meine ich damit nicht Zwang, sonst würde ich dieses Wort verwenden. Was "ich im Kern will", ist, dass ich dies nicht von Dritten beurteilt haben möchte.

          • AltFryRhätien sagt:

            Soviel zum Gesetzesreferendum. Und ohne Verfassungsinitiative können Sie gar nichts einfach „in die Verfassungen reinschreiben“. Diese Möglichkeit müssen Sie zuerst schaffen.

          • Hermann Messmer sagt:

            Wer eine Verfassung möchte, wer sowas zusammenschreibt, wer diese Verfassung für sein Leben braucht um mitsprechen zu können, derjenige muß als verantwortlicher Mensch dafür Sorge tragen, das er andersdenkende nicht gefangennimmt. Er muß also dafür sorgen, dass diese Verfassung nur für diejenigen gilt, die dieser Verfassung freiwillig zustimmen. Wenn dieses Prinzip nicht gilt, so kann ich mit dem gleichen Recht mit Gleichgesinnten eine Verfassung schreiben und unsere Regeln dir aufzwingen.
            Welches Prinzip ist geeignet eine Verfassung anderen Menschen aufzuzwingen?
            Bitte erkläre es mit einem widerspruchsfreien logischem Prinzip.

          • AltFryRhätien sagt:

            Es tut mir leid, aber Sie waren es, der von „in die Verfassungen“ (Plural) „reinschreiben“ geredet haben. Ich habe nur zu dieser konkreten Aussage Stellung genommen. Für die Belange des Strafrechts haben Sie Ihr Prinzip von mir oben dargestellt: die Rechtssicherheit. Ich gestehe Ihnen zu, dass die Politik versucht, es für alle mögliche und unmögliche andere Belange zu missbrauchen. Das aufzuzeigen ist Ihr Verdienst. Aber in Bezug auf den Umgang mit „Tätern“ scheint es noch nicht ganz durchdacht.

            ***

            Bei der Analyse des derzeitigen Finanz“systems“ vermisse ich übrigens eine schonungslose Darstellung des Hauptgrundes für die derzeitig masslose Aufblähung der Guthaben – und damit „Geld“menge – nämlich die Giralgeldschöpfung durch zügellos agierende Geschäftsbanken. Die Zentralbanken haben nur die Kontrolle über Papier und Münzen, ein verschwindend kleiner Teil der Geldmenge. Sie „drucken“ auch nicht, sondern setzen einfach per Buchungssatz im Computer neue Guthaben (und damit auch Schulden) in die Welt. Zudem braucht die Bedienung dieser Schulden immer wieder neue Schulden, weil der Zinsanteil im System fehlt. Dies ist der mathematische Grund dafür, dass Schulden insgesamt nie zurückgehen, was sich bei praktisch allen Staaten der Welt in der Schuldenentwicklung seit 1945 zeigt.

  6. Peter sagt:

    Freiheit ist immer eine Illusion, der auch die Voluntaristen erliegen. Alter Wein in neuen Schläuchen. Ich fühle mich in einer kleinen Gruppe keineswegs freier als im Staat. Dort hat man Regeln und diskussionen (auf die man vielleicht kein Bock hat) und muss auch mal Dinge machen die man nicht will und im Staat auch. So, das habe ich für mich als Fakt schon mal festgestellt. Wenn das jemand anders sieht, kann er das ruhig machen. Ich weiß aus Erfahrung jedenfalls, dass das für mich so ist. Nur mit dem Unterschied, dass in jeder Gruppe andere Regeln herrschen, der Staat aber sorgt für eine gewisse Sicherheit, es gelten größtenteils überall die gleichen Unfreiheiten. Deshalb konnten sich solche Großprojekte, wie das Internet auch überhaupt durchsetzen. Wegen Rechtssicherheit. Dass Recht nicht immer was mit Gerechtigkeit zu tun hat, brauch mir keiner zu sagen. Das ist in einer Gruppe auch nicht anders. Weil Gerechtigkeitsempfinden individuell ist.

    • Hermann Messmer sagt:

      In der kleinen Gruppe kann ich gehen oder die Leute aus meinem Haus bitten wenn sie versuchen mich zu zwingen „muss mal Dinge machen die ich nicht will“. Den Staat kann ich leider nicht aus meinem Haus werfen. Die Grundsteuer holt der sich jedenfalls und schickt auch den Schornsteinfeger und die GEZ wird er auch eintreiben obwohl ich keinen Fernseher habe. Wegen Deiner Sicherheit? Wegen Deiner Rechtssicherheit?

      Ich möchte Dich bitten Deine Grundprinzipen zu nennen damit ich Deinen Kommentar besser verstehe.

      • Peter sagt:

        Du kannst die aus dem Haus werfen, wenn die das mit sich machen lassen oder du (oder mehrere, je nachdem) der stärkere bist. Eines der beiden Punkte muss definitiv erfüllt sein. Nun weiß ich aber, dass nicht jeder Mensch vernünftig ist oder sein will. Vielleicht ist er sogar vernünftig, innerhalb seines eigenen Egos gesehen. Es kann letztlich also so oder so kommen, das ist offen. Natürlich kann man argumentieren, dass man sich einfach die richtige Gruppe suchen kann. Ist auch richtig. Das kann man aber genauso auf Staaten anweden, die auch nur große komplizierte Gruppen sind. Dass kleine Gruppen generell gewaltfreier sein sollen, stimmt einfach nicht. Das Zeigt die Geschichte, auf die man auch unbedingt schauen sollte, weil da viel Erfahrung drin steckt. Eine Gruppe hat auch Interessen, wie ein Staat auch, wie eine Einzelperson auch, nur kleiner. Interessen wollen durchgesetzt werden. Irgendeiner hat da immer die Arschkarte, anders geht es gar nicht. Wie ich schon im anderen Beitrag geschrieben habe, selbst essen geht nicht ohne Gewalt, wenn man es genau nimmt. Rechtssicherheit heißt, dass ich überall in Deutschland weiß wo ich dran bin, was ich kann und was ich nicht kann und der Staat dies garantiert.

        Ich bin sehr daran interessiert, wie man das zumindest minimieren kann, sehe hier aber keine Lösung. Dafür wird einfach zuviel an ganz weltliche und einfache Problemstellungen vorbei geredet. Die Augen verschließen kann keine Lösung für Probleme sein. Ich lobe dafür, dass man darauf gekommen ist, wie allgegenwärtig Gewalt ist, die folgerungen die daraus gezogen werden, halte ich aber für falsch. Absolute Freiheit ist immer eine Illusion, wie ich anderswo schon schrieb. Egal was man macht, egal was man will.

        • nlen sagt:

          Natürlich kann eine Gruppe auch Scheiße sein. Aber ein Staat ist immer schlechter als eine Gruppe, weil der ein Gewaltmonopol hat. In einem Staat gibt es keine Rechtssicherheit, nur RechtsUNsicherheit. In einer staatlenlosen Gruppe gibt es wenigstens eine Chance auf Justiz, wenn die Leute das so wollen.

          • Peter sagt:

            Scheiße kann jedenfalls beides sein, da sind wir uns demnach doch schon mal einig. In einem Staat gibt es aus Sicht aller, im besten Fall das was Konsens ist und in einer Gruppe auch… Wenn das nicht der Fall ist herrscht ein Diktator oder Alpha Männchen. Aus Sicht des Individuums, gibts im besten Fall entweder in einer Gruppe größtenteils was er sich vorstellt oder in einem Staat.
            So what?

            Warum in einer Gruppe mehr Sicherheit herrschen soll, muss du mir genauer erklären. Der Text hat es jedenfalls nicht. Ich sehe es eher umgekehrt. Erstmal, weil jede Gruppe anders ist. Ein Dorf weiter kann also was ganz anderes Recht sein als in dem wo man her kommt. So wie es früher war eben. Jetzt hat man immerhin eine Gewisse größe, so dass man sich relativ sicher sein kann hinter dem nächten Hügel keine anderen Regeln zu haben.
            Immerhin.
            Ist schon mehr als ohne Staat.

            In einer Gruppe werden Intrigen gesponnen.
            Der soziale Status ist da noch viel mächtiger als bei uns. Das ist schlecht. Denkst du, wenn da der Prügelknabe vom Gruppenbabo misshandelt wird juckt das einen?
            Ich jedenfalls nicht.

            Auch hat so ein Prozess(wenn es überhaupt einen gibt), nicht annähernd die Qualität unseres Systems. Dazu sind viel zu viele Gefühle mit im Spiel. Die Leute sind viel zu eng ineinander verwoben. Ne, da kann ich nur mit den Kopf schütteln, wenn einer glaubt das wäre besser.

            Wenn ich in der Gesellschaft was verbessern will, kann ich das also gleich im Staat machen, da erreicht man auch mehr. Dass der Staat nicht hart genug bestraft etc. sind keine Argumente gegen einen Staat, nur gegen das Strafmaß.

          • Hermann Messmer sagt:

            Das sich Besitzverhältnisse heute durch staatliche Gewalt oder der Gewaltanwendung eines Stärkeren verändern ist nun keine neue Erkenntnis. Ist das Dein gesamter Beitrag zur Diskussion?
            Ich kann aus Deinem Text keine Grundprinzipien die für Dich selbst gültig sind erkennen. Ich verstehe deshalb nicht, was Dein Beitrag hier tatsächlich sein soll.
            Was sind für Dich deine Grundprinzipien?

          • Peter sagt:

            Grundprinzipien, ist sehr allgemein.
            Unter welchen Aspekt denn? Das kann auch kein Alkohol trinken sein…
            Spontan:
            1. Die Welt so sehen wie sie ist. (zumindest versuchen)
            2. Einfach eine gute Zeit haben.
            3. Möglichst wenig Schaden zufügen. (Dafür muss man aber erstmal wissen, was alles Schaden ist. Das ist nämlich gar nicht so einfach und ganz ohne geht es niemals(ja, da nehme ich es sehr genau))

            Mein Beitrag besteht darin, dass ich die hier propagierte Vorstellung kritisiere. Nich allumfassend… sicher, ich will da ja auch kein Doktor draus machen.

            Warum, darf ich das nicht?
            Wenn ich hier irgendetwas definitiv falsches geschrieben haben sollte, dann kann man das ruhig schreiben. Ansonsten ist es eben meine Meinung und steht als solche. Ausführungen hab ich soweit doch wohl genug gemacht.

          • nlen sagt:

            „in einer Gruppe mehr Sicherheit herrschen soll,“

            Das habe ich doch erklärt. Wenn kein Gewaltmonopol besteht, darf jeder Macht-Koalitionen schmieden.
            Besteht ein Gewaltmonopol ist der Gewaltmonopolist Letztentscheider in allen Dingen, insbes. denen in die er selbst verwickelt ist. Ein Staat entscheidet immer zu seinen Gunsten und behindert die private Justiz, weil der Staat ja keinen Sinn für die privaten Bedürfnisse hat.

            Ohne Gewaltmonopol können sich nun diejenigen einigen, um eine private Justiz zu ermöglichen, die den Grundsätzen ihrer eigenen Kooperation entspricht. Also wenn ein Vertrag geschlossen wird, dann sind die Regeln für einen Vertrag justiziabel und immer die selben. Die Regeln sind nicht gesetzt, sondern sie werden durch freiwilliges Handeln angewendet. Ein Dieb oder ein Psychopath hat diese Möglichkeit nicht. Der müsste sich schon einer Mafia anschießen und Krieg führen, was aber teuer wäre. Deswegen hat Mafia auch immer nur in Verbindung mit Staat funktioniert. Wobei der Staat eh schon organisierte Kriminalität ist.

  7. HedwigDasHuhn sagt:

    Der Voluntarist geht, wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, davon aus, dass jeder Mensch sich autonom entscheiden kann, was er tun und lassen möchte. Da der Mensch aber ein Wesen ist, das von Natur aus sich sozial verhalten muss, um zu überleben, folgt daraus, dass diese Freiheit nur darin bestehen kann sich eine bestimmte Gruppe von Mitmenschen auszusuchen, mit denen er leben und deren gemeinsamen Regeln er befolgen kann. Natürlich kann er auch aus dieser Gruppe wieder austreten. Die Gruppe würde sich auf Dauer auf die effektivste Art ihres Zusammenlebens einigen (einigen heißt hier den Zustand des größten Einverständnis erzielen, so dass die Gruppe möglichst groß ist). Es entstünden somit unterschiedliche Tätigkeiten fußend auf den unterschiedlichen Talenten der Mitglieder, daraus resultiert eine Abhängigkeit von den anderen Mitgliedern der Gruppe. Diese ist rein freiwillig eingegangen und kann theorethisch ebenso freiwillig wieder verlassen werden. Aus solch einer Abhängigkeit entsteht immer ein Sachzwang.
    Es ist also imo nicht möglich sich eine Existenz ohne Gesellschaft vorzustellen. Ob diese Gesellschaft nun in der Art eines Staates verfasst ist, eine reine Formsache. Insofern ist die Abschaffung des Staates als Zwangssubjekt nicht vorstellbar.

    • funkeimdunkeln sagt:

      Der Sachzwang besteht sicherlich, aber er hindert dich ja nicht daran die Gemeinschaft zu wechseln. Der Sachzwang als solcher besagt ja nur, dass du mit anderen Menschen kooperieren musst, um Gewinne zu erzielen. Was du hier beschreibst ist das ganz allgemeine Prinzip der Arbeitsteilung, nach dem jede Gesellschaft, ob die kapitalistische oder die kommunistische Gesellschaft organisiert ist.

      Der entscheidende Unterschied zwischen einer Gesellschaft als Staat und einer Gesellschaft als Nicht-Staat ist das Fehlen von körperlichen Zwang, welche die Herrscher zum Erreichen ihrer Ziele ausüben.

      Dass Arbeitsteilung körperlichen Zwang impliziert halte ich im Übrigen für eine sehr fragwürdige Hypothese. Dieser Gedanke steckt tief in unseren Köpfen, weil wir aufgrund unserer Erfahrungen und unserer Erziehung große Schwierigkeiten haben Begriffe wie „Gewalt“, „Zwang“, „Freiheit“, „Macht“ sauber zu differenzieren und zu verwenden. Selbstverständlich kommt es im Zuge von Arbeitsteilung zu Hierarchien und Hierarchien implizieren die Möglichkeiten für die Menschen an der Spitze weitreichende Entscheidungen zu treffen. Damit entsteht automatisch Macht. Inwiefern jedoch diese Gegebenheit der großen Entscheidungsmöglichkeiten für einzelne Personen eine Entscheidung für die Anwendung von Gewalt impliziert, (ich sage es ja, wir müssen die Begriffe sauber differenzieren. „Gewalt“ ist etwas anderes als „Macht“) das ist eine ganz andere Frage.

      Mit freundlichem Gruß,
      Mirko

  8. Fragender sagt:

    Eigentlich eine sehr sympathische Einstellung. Was meines Erachtens völlig ignoriert wird, ist, dass es Probleme geben könnte, die zwar die gesamte Bevölkerung betreffen, aber nur zu einem milliardsten Teil das einzelne Individuum. Umweltschutz, Klimawandel, etc.
    Die Folgen der Meeresverschmutzung durch Plastik zum Beispiel lassen sich nur eindämmen, wenn alle darauf verzichten, und nicht manche sagen, ich halte mich nicht an die Gesetze, ich trete aus dem Staat aus.

    Das noch viel grundlegendere Problem ist das Eigentum. Was kann denn alles Eigentum sein? Die Luft zum Atmen? Tiere? Was ist mit deren Selbsteigentum? Land? Wenn Land, wie viel, bis zum Mittelpunkt der Erde? Was ist mit dem Luftraum über dem Grundstück? Bis wohin gehört er mir? Das kann ich alles nicht aus dem „Naturrecht“ herauslesen. Das alles muss positiv gesetzt werden. Wenn ich also unbedingt Eigentum will, brauche ich positives Recht. Ein Naturrecht auf Eigentum ist ein Widerspruch.
    Durch den Ersterwerb an Eigentum initiiere ich außerdem Gewalt, weil ich jedem anderen den Gebrauch untersage. Ich respektiere damit nicht das Recht anderer Personen an der Nutzung des entsprechenden Gegenstandes. Wenn aber der Ersterwerb von Eigentum schon Unrecht ist, kann kein Tausch und keine Schenkung daraus Recht machen.
    Wie soll „naturrechtlich“ überhaupt der Ersterwerb funktionieren? Muss ich einfach nur sagen: „Das Land bis dort am Horizont gehört jetzt mir?“ Wem müsste ich das sagen? Der Natur? Einem anderen Menschen? Warum sollte der andere das akzeptieren, wenn es ihn stark einschränkt.
    Kann ich jetzt einfach sagen: Die Luft der ganzen Welt ist mein Eigentum, weil sie bisher niemandem gehört? Moralisch korrekt könnte ich jetzt jedem verbieten mein Eigentum zu nutzen. Also jetzt bitte nicht mehr atmen.

    • FwF-Manuel sagt:

      Hallo Fragender,

      vielen dank für Deinen Kommentar, ich kann Dein Bedenken sehr gut verstehen. Zum Thema Klima und Umweltschutz möchte ich Dir gerne folgendes sagen.

      1. Ich sehe das größte Problem in der nicht Haftung oder im Gemeineigentum generell. Wenn wir mal zurück schauen gab es in den Kommunistischen bzw. Sozialistischen Ländern die größten Umweltverschmutzungen, wieso ist das so?
      Keinem gehört etwas, wieso sollte man dann auch darauf achten und sich dafür verantwortlich fühlen?

      2. Im Moment haben wir so etwas wie Konzerne, juristische Personen, Konzepte die keine Verantwortung mehr tragen. Meinst du ein Mensch auf der Erde würde ein Atomkraftwerk bauen, wenn er dafür haften müsste, und auch die Entsorgung ganz alleine in seiner Verantwortung liegen würde?

      In einer freien Gesellschaft würde es nur Menschen geben, Menschen die auch Unternehmer sind, aber eben immer und zu jederzeit für ihr Handeln haften müssen. Selbst der Geld geilste Sack würde hier ganz genau Risiken abwiegen.

      Natürlich spielt hier auch schon mit ein, dass es eben gerechtfertigten Besitz (Eigentum) gibt.

      Als Voluntarist hat man generell ein Problem mit einseitig gesetzten Regeln (Gesetze), insofern sollte in einer freien Gesellschaft auch die Definition von Eigentum nicht einfach gesetzt werden.

      Wenn wir uns vorstellen, alle Menschen bevorzugen die Kooperation und das Miteinander, dann ist es auch vorstellbar, dass man eben zusammen eine geeignete Definition von Eigentum findet. Alles andere wäre ja ein Widerspruch zum Voluntarismus in sich. Ich möchte auch nicht in einer Welt leben, in der jemand in einen See piseln kann und dann sagt, hey weg da das ist mein Eigentum.
      Ich denke man sollte versuchen einen begründbaren und in sich widerspruchsfreien, gerechtfertigten Besitz zu definieren, und dies dann als Eigentum akzeptieren.
      Wie so eine Eigentumsdefinition wirklich aussehen kann, weis sich nicht, aber mit freien Menschen in einer freien Welt, wird man dieses Definitionsproblem sicherlich im Konsens auf einer kooperativen Ebene lösen können.

      Ich hoffe dir hiermit meine Gedanken dazu kurz und knapp geschildert zu haben.

      lg Manuel

      • Fragender sagt:

        Zum ersten Punkt:

        Das verstehe ich, hier kann Eigentum natürlich förderlich sein. Aber in manchen Fällen nicht. Wenn ein Mensch Auto fährt, und damit die Luft verschmutzt, ist das vollkommen irrelevant. Wenn aber 7 Milliarden Auto fahren, kann niemand mehr atmen – überspitzt formuliert.
        Das Individuum geht verantwortungsvoll mit seinem Eigentum um, und schädigt die Umwelt nur minimalst. Aber die Masse der minimalen Schädigungen sind eben gravierend – für alle Menschen (nicht nur). Aus diesem Grund müssten zum Beispiel alle verpflichtet werden, das Autofahren einzustellen, bis eine harmlosere Variante erfunden wird (Wasserstoff zum Beispiel). Ist vielleicht ein blödes Beispiel, aber es soll nur illustrieren, dass eben unbedeutende und dem Individuum nicht anzulastende Schädigungen in der Masse zu Problemen führen. Dies bedeutet, es gibt Probleme, bei denen ein Sezessionsrecht schlimme Folgen für die Menschheit hätte.

        Zum zweiten Punkt:

        So wie ich das sehe, stellst du damit das Eigentum zur Disposition – was ich sinnvoll finde, aber dem bisherigen Tenor der Seite widerspricht. Wenn wir uns einigen, Voluntarismus heißt Nichtangriffsprinzip und freiwillige Kooperation, kann ich mich gut damit anfreunden (abgesehen vom ersten Punkt).
        Wenn Eigentum an Sachen (nicht Selbsteigentum) genauso auf Kooperation basiert, wie alles andere – also kein Naturrecht darstellt, macht das für mich deutlich mehr Sinn.

        Danke übrigens für die Antwort.

        • funkeimdunkeln sagt:

          „Dies bedeutet, es gibt Probleme, bei denen ein Sezessionsrecht schlimme Folgen für die Menschheit hätte.“

          Wer oder was legt fest, was „schlimme Folgen für die Menschheit“ sind?

          Es gibt Leute, die sind der Meinung, dass der Atheismus schlimme Folgen für die Menschheit mit sich bringt. Und andere Menschen wiederum sind der Meinung, dass der Islam schlimme Folgen für die Menschheit bringt. Die einen machen den Kapitalismus zum Sündenbock, die anderen den Kommunismus.

          Du bist der Meinung, dass Umweltzerstörung das ultimative Problem Nummer Eins ist. Ein anderer hingegen vielleicht nicht. Er ist vielleicht der Meinung, dass der Klimaschutz nur reine Propaganda ist und sieht Propaganda als das ultimative Problem Nummer eins.

          Hat nicht jeder das Recht auf sein Lieblingsproblem? Und hat nicht jeder Unrecht, wenn er sein Lieblingsproblem anderen aufdrängen möchte?

          Mit freundlichem Gruß,
          Mirko

    • Hermann Messmer sagt:

      Hallo Fragender,

      die Gedanken von Dir sind interessant. Manuel hat die wesentlichen Punkte schon beantwortet. Möchtest Du mehr von der grundlegenden Logik ohne „Naturrecht“ erfahren, so möchte ich folgende Lesehinweise geben:

      http://www.freiwilligfrei.info/archives/5908

      http://www.freiwilligfrei.info/archives/5304

      http://www.freiwilligfrei.info/archives/5786

      Liebe Grüße
      Hermann

  9. Chris sagt:

    „In einer freien Gesellschaft würde es nur Menschen geben, Menschen die auch Unternehmer sind, aber eben immer und zu jederzeit für ihr Handeln haften müssen.“

    Das klingt so formuliert etwas sehr individualistisch. Es gibt nur Menschen. Nein. Es wird doch auch Zusammenschlüsse von Menschen geben, in welcher Form auch immer. Und diese Menschen wiederum können dann gemeinsam Verantwortung tragen. Aber vielleicht war das ja auch so gemeint?

  10. Alexander Welzel sagt:

    Mir ist schon lange bewusst keine Freiheit zu besitzen. Seit ich überzeugter Gaianer bin habe ich wenigstens meine Glaubensfreiheit und habe mit der Verweigerung des mordenden und versklavenden Systems begonnen. Es hat mich zu einem Außenseiter gemacht. Ich treffe fast keine Menschen im Leben die frei und ehrbar leben können ohne andere auszunutzen oder ihnen gar zu schaden. Geborene Engel wären das wohl. Wer will sich dazu zählen und Materialismus, Perfektionismus und Faschismus ächten? Wer will Antimaterialismus, Future imperfect und freiwillige Freiheit leben?

  11. Uwe sagt:

    Hallo liebe Freunde,

    erst einmal ein großes Lob für Eure Arbeit, welche wir schon länger verfolgen. Wir sind in vergleichbarer Richtung unterwegs und würden gerne einen Austausch anregen – website siehe oben. (Infoseite: http://www.ddbagentur.de)
    Es wäre auch möglich in unserem Konferenzraum erste Gespräche zu führen: http://www.bunddermenschen.de/online-konferenzraum/
    Über einen Kontakt würde die Gemeinschaft der Menschen sehr freuen und mit diesem Wunsch verbleibe ich für heute – Uwe

    facebook: https://www.facebook.com/ddbagentur.de

  12. AD sagt:

    Als überzeugter Voluntarist bleibt mir dennoch eine unbeantwortete Frage:

    Der Anarchokapitalismus als Wirtschaftsform des Voluntarismusses setzt auf das ausschließlich freiwillige Eingehen und austragen von Verträgen, ultimative Vertragsfreiheit.
    Was aber passiert, wenn sich eine der beiden Vertragsparteien nicht an den Vertrag halten will oder halten kann? Wer treibt den Schaden(sersatz) ein, wer beziffert diesen?
    Alles was ich bisher dazu von Hoppe&Co. gehört habe, „Schlichterstellen, auf die sich die Parteien einigen“. Hmmm, was wenn der Vertragspartner, der nicht den Verpflichtungen nachkommen kann oder will diese nicht anerkennt?
    Beispiel: Ein Hauskredit. Der Ernährer stirbt, der Rest der Familie kann den noch ausstehen 50% Kredit nicht bedienen, will aber auch nicht ausziehen und verweigert daher jede Schlichtung (eine IMHO nur verständliche Reaktion). Was nun?
    mfG AD

      • AD sagt:

        Danke für die Videos (obwohl ich deren Inhalt zu Gänze kenne). Leider keinerlei Antwort auf meine Frage, nämlich:
        Wenn ein Vertrag bereits eingegangen wurde und Teilleistungen geflossen sind, jedoch die komplette Durchführung des Vertrags von einer Seite nicht erfüllt werden kann oder will, was dann?
        In meinem obigen Beispiel, was dann? Soll ich als Kreditgeber mir dann die brutalste Moskau-Inkasso-Firma mieten um die Kreditnehmer aus dem Haus zu vertreiben, habe ich ein Eigentumsanrecht auf das Haus, welches Sie zu 50% abgezahlt haben? Wie werden die Kosten für das Eintreiben verrechnet? Was ist mit dem Teilkredit?
        Sorry, aber so sehr die Videos sicherlich richtig sind, so sehr gehen diese aber eben gerade NICHT auf diesen Fall ein.
        Noch ein weiteres Beispiel: Ich setze mich (betrunken? spielt das eine Rolle ob fahrlässig oder grob fahrlässig?) ins Auto und fahre jemanden tot. Für was habe ich zu haften? Für die Beerdigungskosten und/oder für den Unterhalt der Angehörigen, welcher und für wie lange?
        Gruß, AD

        P.S.
        Und mit diesen ominösen „Versicherungen“ von denen Janich immer erzählt, die das dann alles schon irgendwie richten werden, kann ich so garnichts anfangen. Hört sich für mich schon mehr nach Ausflüchten an.

      • AD sagt:

        ….und so sehr ich doch vom Herzen Anarchist bin, so sagt mir mein Verstand, das Minarchismus doch weit praxisnäher ist und das Leben des Menschen erleichtert.
        Man denke nur an das Bürgerliche Gesetzbuch, bei dem zu weiten Teilen vermutlich jeder Voluntarist kein Problem hätte dieses bei einem Handel als Grundlage zu akzeptieren. Quasi eine normative/standarisierte AGB. Denn wenn alle Marktteilnehmer diese AGBs kennen, ist es sehr viel einfacher und angenehmer Handel zu treiben, als bei jedem Handel auf’s neue hunderte von Seiten an AGBs zu wälzen und irgendwelche Rechtsanwälte, Schlichterstellen und Versicherungen zu bemühen. Was nicht heißen soll, das es nicht auch Vertragsfreiheit außerhalb des Normativs gibt, jedoch das Normativ an sich eben die Interaktion massiv erleicht, wenn nicht sogar an sich erst möglich macht.

        • michael sagt:

          „….und so sehr ich doch vom Herzen Anarchist bin, so sagt mir mein Verstand, das Minarchismus doch weit praxisnäher ist und das Leben des Menschen erleichtert.“

          dazu muss ich dir mjit diesem meme eindeutig aufzeigen, wo dein logischer denkfehler ist:
          irrationalität des minarchismus

          „Man denke nur an das Bürgerliche Gesetzbuch, bei dem zu weiten Teilen vermutlich jeder Voluntarist kein Problem hätte dieses bei einem Handel als Grundlage zu akzeptieren.“
          gesetze sind todesdrohungen:
          https://www.youtube.com/watch?v=KP73-itWMes

          mit einem gewaltmonopol sein recht bekommen zu wollen, ist doch sehr praxisfern… weil der gewaltmonopolist schalten und walten kann, wie er will… siehe die realität.

          • AD sagt:

            Also den Minarchismus in die Ecke des Polizeistaats zu stellen ist schon ziemlich daneben.
            Insbesondere das BGB mit (Staats)Gewalt in Zusammenhang zu bringen ist einfach nur flach. So z.B. wenn im BGB erstmal grundsätzlich definiert wird, was Betrug, Diebstahl oder Raub ist, wo liegt eigentlich das Problem diese Begriffe zu definieren? Bin mal gespannt wie Janichs Versicherungen dann Betrug definieren, wenn es um sie selber geht. Und ja klar, der freie Markt wird’s dann regeln mit diesen ominösen Versicherungen („kannst ja die Versicherung wechseln, das beste setzt sich durch…“, bloß blöd wenn diese Dir nach zwanzig Jahren Einzahlen den Finger zeigt).

            Und nein, ich denke auch eine Landesverteidigung hat nichts mit Minarchismus zu tun, wenn jeder sich frei bewaffnen kann. Würde mal sagen die PDV Definition von Minarchismus ist ein Strawmen-Argument.

          • michael sagt:

            „Also den Minarchismus in die Ecke des Polizeistaats zu stellen ist schon ziemlich daneben.“

            kein argument

            „Insbesondere das BGB mit (Staats)Gewalt in Zusammenhang zu bringen ist einfach nur flach.“

            kein argument

            „wenn im BGB erstmal grundsätzlich definiert wird, was Betrug, Diebstahl oder Raub ist, wo liegt eigentlich das Problem diese Begriffe zu definieren? “

            kein argument

            “ Bin mal gespannt wie Janichs Versicherungen dann Betrug definieren, wenn es um sie selber geht.“

            kein argument

            „Und ja klar, der freie Markt wird’s dann regeln mit diesen ominösen Versicherungen („kannst ja die Versicherung wechseln, das beste setzt sich durch…“, bloß blöd wenn diese Dir nach zwanzig Jahren Einzahlen den Finger zeigt).“

            kein argument

            „Und nein, ich denke auch eine Landesverteidigung hat nichts mit Minarchismus zu tun, wenn jeder sich frei bewaffnen kann“

            deine subjektive meinung… auch kein argument

            „Würde mal sagen die PDV Definition von Minarchismus ist ein Strawmen-Argument.“

            leider auch kein argument… und vielleicht schaust du mal, was minarchismus bedeutet, bevor du versuchst, etwas reinzuimplizieren, was du „denkst“

            wenn du hier bist, um deine subjektive meinung kundzutun, ist es ok… aber tu bitte nicht so, als wärst du an inhalten interessiert.

            und komm jetzt bitte nicht damit, was DU „denkst“ was ein argument ist… informier dich, wie man sachargumente austauscht, dann können wir gerne diskutieren. danke

          • AD sagt:

            „wenn du hier bist, um deine subjektive meinung kundzutun, ist es ok… aber tu bitte nicht so, als wärst du an inhalten interessiert.“

            Ich hatte konkrete Beispiele mit konkreten Fragen gestellt (Fragen sind die Sätze die mit einem Fragezeichen enden). Bisherige Antworten von Deiner Seite? Nix.

            In diesem Sinne Danke für Deine Meinung.

        • michael sagt:

          „….und so sehr ich doch vom Herzen Anarchist bin, so sagt mir mein Verstand, das Minarchismus doch weit praxisnäher ist und das Leben des Menschen erleichtert.“
          nein, dein verstand, sollte er konistent und logisch denken, würde das nicht sagen, siehe das meme:

          hier wird eindeutig der bruch beim logischen denken deines verstandes klar.
          monopole machen IMMER schlechtere arbeit, als wettbewerb… das müsstest du wissen, wenn du logisch denkst.

          man löst probleme nie mit gewalt, weil es erstens unmoralisch ist und zweitens, es immer im prinzip das gegenteil produziert.

          deine bedenken stellen eine nachfrage auf dem markt dar… wenn nachfrage da ist, dann wird viele angebote geben und die besten angebote werden sich durchsetzen.

          das sind die gesetze der marktwirtschaft, die du als minarchist kennen solltest, pder?! 😉

          somit kannst du dir die frage eigentlich selber beantworten, wenn du logisch mit deinem verstand rangehst…

          ich helf dir aber etwas, da du hier probleme hast, logisch an die sache ranzugehen.

          erstmal: du weisst wie versicherungen funktionieren? ich hoffe, denn es gibt sie ja jetzt schon und es sollte für jemanden der die grundprinzipien der marktwirtschaft verstanden hat, kein problem sein.

          du machst mit jemandne ein vertrag und hast bedenken, bzw das risiko ist so gross, das du dich dagegen versichern willst.

          du als marktwirtschaftler und vernünftiger mensch, kannst mir ja mal sagen, wie das marktwirtschaftlich ablaufen würde…

          bzw. wenn du der versicherer wärst, wie würdest du dein angebot offerieren, damit du kunden für dieses problem bekommst??

          es ist immer einfacher, die rolle, des anbieters anzunehmen….probiers mal, solltest du schaffen, wenn nicht, helf ich dir weiter.

          • AD sagt:

            Schönes Beispiel von Dir, wie es dann nämlich läuft, so wie heute schon:

            Ich habe sämtliche Versicherungen gekündigt, da mir bewußt geworden ist, dass ich nur verlieren KANN. (Okay, ich bin noch in einer privaten Krankenversicherung ZWANGSversichert.) Das läuft nämlich in der Regel so ab: Beiträge kassieren und im Schadensfall auf irgendwelches Kleingedrucktes in irgendwelchen AGBs verweisen und wer im Gerichtsverfahren gewinnen würde, ist eigentlich auch schon von vornherein klar (es sei denn man hat Zeit,Geld&Nerven durch alle Instanzen zu prozessieren).
            Versicherer agieren nämlich so, dass sie darauf spekulieren die Masse über prämienbasierte Bauernfänger von Nebenan einzulullen (denn Schafe sind bekanntlich ängstlich&vergesslich) und im Schadensfall die „Einzelfälle“ unter den Tepich zu kehren. Das sieht man auch schon heute in der privaten „freien“ Versicherungswirtschaft, da hat sich nichts dran geändert und da wird sich auch niemals was dran ändern, egal welches Wirtschafts/Gesellschaftssystem. Und genau da haben wir dann nämlich das repräsentative Problem: Ein (Versicherungs)vertrag verspricht etwas, der eine zahlt, nachdem Zeit vergeht soll die Gegenleistung erbracht werden, der andere weigert sich jedoch. Und auch wenn Dich das Wort anwidern wird, da kommt der Begriff „Rechtsstaat“ ins Spiel, nämlich die Durchsetzbarkeit von Rechten aus freiwillig geschlossenen Verträgen.

          • michael sagt:

            „Das sieht man auch schon heute in der privaten „freien“ Versicherungswirtschaft, da hat sich nichts dran geändert und da wird sich auch niemals was dran ändern, egal welches Wirtschafts/Gesellschaftssystem.“

            das zeigt exemplarisch, wie festgefahren und lernresistent du bist…

            du kannst oder willst dich nicht, in einen anbieter reinversetzen, der ein bedürfnis eines kunden adressiert…
            dieses fehlende verständnis von angebot und nachfrage in einem freien markt, lässt dich zum etatisten werden, der lieber mit gewalt(monopol) dinge durchsetzen will, anstatt auf freiwillige kooperation zu setzen.

            https://www.youtube.com/watch?v=FH0n_6HjWnE

            https://www.youtube.com/watch?v=KJu7vpB4b9M

          • AD sagt:

            ich hatte Eingangs ein konkretes Beispiel mit dem Hauskredit genannt. Bisherige Antworten/Argumente: NIX.

            Also liebe Anarchos, wie gehe z.B. ich als Kreditgeber nun mit den Leutz in dem Haus um? (und bevor dieses Versicherungszeugs kommt: Nein, ich als Gläubiger als auch der Kreditnehmer haben sich vom netten Herrn Kaiser keine Versicherungspolice aufschwatzen lassen). Und nein, Vertrag ist Vertrag und als Kapitalist habe ich schließlich das Recht auf „Vertragstreue“ meine Interessen durchzusetzen. Kann ich die Leutz rausschmeißen und mit welchen Mitteln oder nicht? Wie wird der offene Kredit gegenüber dem Marktwert des Haus verrechnet? (und bevor irgendwer kommt, „aber das steht doch in dem Kreditvertrag….“ nein, tut es nicht, denn daran haben in diesem Beispiel die Parteien nunmal nicht gedacht, und die Familie, die dort wohnt, hat keinen Bock auf euren netten Schlichter von nebenan und deren „Reputation“ auf „dem freien Markt“ ist denen auch erstmal ziemlich egal).

            Konkrete Antworten gewünscht, statt nur den Link von Filmchen hinzuklatschen und gebetsmühlenartig „freier Markt“ zu wiederholen, denn damit hat die Problemstellung nunmal so rein garnix zu tun.

            Konkrete Antwort zu dem Beispiel wenn ich besoffen einen totfahre kam bisher auch nicht.

            Und im übrigen sage ich auch garnicht, dass obige Beispiele irgend ein Gewaltmonopol rechtfertigen, sie zeigen aber eindrucksvoll, dass eine gewisse Form von „Rechtsstaat“ nunmal sinnvoll und hilfreich sind. (genauso wie die Idee von Verkehrsregeln HILFREICH sein sollten, das hat rein garnix mit staatlichen Gewaltmonopol zu tun).

          • michael sagt:

            entweder du willst verstehen wie du dir selber fische fangen kannst, dann musst du interessiert sein, die prinzipien zu verstehen oder du verlangst von mir, das ich auf see fahre und dir den fisch raushole.
            zum zweiteren bin ich nicht bereit, weil du den fisch essen willst und als nächstes einen anderen fisch von mir gebracht haben willst…

            willst du selbstständig denken und verstehen oder möchtest du alles vorgekaut bekommen?

            bisher sitzt du da, machst deinen mund auf und willst gefüttert werden, anstatt dein hirn zu nutzen…
            du hast eine unselbsständige erwartungshaltung, die einem erwachsenen selbsständig denkenden menschen nicht entspricht.

            wenn du das nicht verstehen willst oder kannst, dann hat es keinen sinn, dass ich meine zeit verschwende.

            meine erfahrung mit solch unselbsständig denkenden menschen sagt mir, dass du wieder ausreden finden wirst und deine kindische erwartungshaltung beibehalten wirst… aber ich lasse mich auch gerne vom gegenteil überzeugen.

            die videos, geben dir so viel an die hand, dass du ganz andere fragen stellen müsstest, wenn du nur einen hauch von den inhalten verstanden hättest.

            entweder du zeigst echtes interesse, indem du fragen stellst, wo man sieht, dass du tatsächlich probierst die prinzipien zu verstehen oder du gehörst zu den vielen hirntoten menschen, die nur probieren Bestätigunsfehler zu suchen:

            „Der Begriff Bestätigungsfehler (confirmation bias) bezeichnet in der Kognitionspsychologie die Neigung, Informationen so auszuwählen, zu suchen und zu interpretieren, dass diese die eigenen Erwartungen erfüllen. Unbewusst ausgeblendet werden dabei Informationen, die eigene Erwartungen widerlegen (disconfirming evidence). Die betreffende Person unterliegt dann einer Selbsttäuschung oder einem Selbstbetrug

            also, widerleg meine annahme, oder schwirr weiter im universum der selbsttäuschung umher und verschwende nicht meine zeit, danke.

            und übrigens gab es lange vor dem staat rechtssysteme!
            https://www.youtube.com/watch?v=Od4lIJzpVZg

          • AD sagt:

            Nun, die Überschrift von diesem Post war „FAQ“.
            Hatte konkrete Fragen gestellt. Das Ende vom Lied: „Denk gefälligst selber, ich bin nur der große Zapdu, der die Angeln verteilt (sprich von anderen Leuten gemachte Videos postet die nix mit den Fragen konkret zu tun haben).“ Alles klar, besten Dank, und Tschüss.

          • michael sagt:

            es kommt garnicht darauf an, wer die videos gemacht hat, sondern es geht um die inhalte.

            nur zu deiner info, ich bin der grosse zapdu(was auch immer das sein soll), denn ich habe die videos gemacht 😉

            ich investiere lieber meine zeit in weitere videos für menschen die sich interessieren…
            es wäre ausserdem eine schande, wenn ich meine zeit weiter an solch denkresistente menschen wie dich vergeude… ich investier lieber
            meine zeit, in menschen, die die videos und inhalte ernst nehmen und zumindest versuchen, ihr wissen zu erweitern und selbständig denken wollen… denn davon gibt es genug! und denen widme ich mich jetzt.

            viel spass beim zombiedasein.

  13. rote_pille sagt:

    Wie wird das ohne Staat mit den Abgasen von Fabriken geregelt? Ein Fabrikbesitzer verbraucht knappe Ressourcen (saubere Luft) und seine Handlungen betreffen nicht nur ihn, sondern auch die Nachbargrundstücke, aber das Eigentumsrecht kann so oder so ausgelegt werden. Aus welchem Grund sollte er (angenommen er wohnt nicht in der Nähe) Filter einbauen um das zu verhindern? Die Nachbarn müssten letztlich Gewalt androhen um ihn dazu zu zwingen, in welcher Hinsicht wäre das besser als staatliche Regelungen?

    • michael sagt:

      wieso siehst du gewalt als einzige lösung?

      • rote_pille sagt:

        Wenn ich Fabrikbesitzer wäre, warum sollte ich meine Investitionskosten steigern um Filter einzubauen? Moralisch wäre das ja meine Pflicht, weil ich die Emissionen verursache, aber das Eigentumsrecht kann hier nicht klar definiert werden wie z.B. beim Grundbesitz, sodass es kein Prinzip gibt nach dem eine Einigung zustande kommen kann. Ich kann als Fabrikbesitzer jede Einschränkung ablehnen, weil die Grenze der Menge der Emissionen die ich verursachen kann völlig willkürlich gesetzt werden kann. Wie soll ein Grenzwert, mit dem die Anwohner auch einverstanden sind, gesetzt werden, ohne dass die Anwohner zu Zwangsmitteln greifen? Nach welchem Prinzip kann man nun objektiv beurteilen, ob die eingesetzten Zwangsmittel legitime (weil verteidigende) Gewalt darstellen, wenn das Eigentum nicht klar definiert ist (wofür der Staat sonst zuständig ist)?

        • michael sagt:

          der staat ist für den raub von eigentum zuständig.
          ein eigentumsräuber, kann per definition kein eigentum schützen.

          zu dem thema gibt es viele schriften und videos… einfach mal googeln.

    • Zef sagt:

      > Die Nachbarn müssten letztlich Gewalt androhen um ihn dazu zu zwingen, in welcher Hinsicht wäre das besser als staatliche Regelungen?

      „Government is not reason; it is not eloquence; it is FORCE“ (George Washington) – und das BY DEFAULT.

      Und aus diesem Grunde ist die „Church of Government“ die mit Abstand destruktivste Kirche der gesamten Menschheitsgeschichte.


      Das Wählen ist meine Losung, der Nerv meiner Lebensanschauung (Kierkegaard)

  14. Christian sagt:

    Das ist ein interessanter Einwand! Wobei die Regelung des Staates auch nicht objektiv ist, sondern eben einfach nur festgelegt. Wenn es aber keine Instanz gibt, die etwas festlegt, sondern dies allein den Menschen selbst überlassen bleibt, dann müssen diese unter sich aushandeln, was sie z.B. als legitimes Eigentum akzeptieren.

    Sie können versuchen sich auf die Logik von Selbsteigentum –> Eigentum einzulassen, aber dies scheint mir in vielen Fällen in der Realität nicht so eindeutig bestimmbar zu sein wie in der der Theorie. Wobei es immer dann funktioniert, wenn Verträge vorliegen, die zwischen zwei oder mehr Parteien geschlossen wurden und zugleich von allen anderen auch akzeptiert werden.

    Warum aber sollten Verträge von anderen, die nicht an deren Abschluss beteiligt waren, akzeptiert werden? Es könnte z.B. sein, dass ein Vertrag gefälscht wurde. Es könnte auch sein, dass ich mit den Bedingungen nicht einverstanden bin, unter denen ein Vertrag zustande gekommen ist, sei es, dass ich selbst beteiligt war oder auch andere.

    • rote_pille sagt:

      Natürlich ist die Regelung des Staates auch nicht objektiv – ich wollte nur zeigen, was wir Minimalstaatler meinen, wenn wir behaupten, der Zwang sei nicht aus der Welt zu schaffen. Wenn wir die Definition des materiellen Eigentums aus irgendwelchen Prinzipien herleiten könnten, dann gäbe es kein Problem und wir wüssten immer wer Recht hat und jede Gewalt könnte in die Kategorien „initiale Gewalt“ und „verteidigende Gewalt“ eingeteilt werden. Da es aber unmöglich ist, da nicht alle Menschen dieselbe Definition in sich tragen, wird sich auch in einer Anarchie immer jemand unterdrückt fühlen und am Ende würde der mit den besseren Waffen Recht bekommen. Der Staat übt denselben Zwang aus, wegen seiner Übermacht könnte es aber in diesem Fall nicht zu einem Gewaltausbruch kommen.

      • Zef sagt:

        > der Zwang sei nicht aus der Welt zu schaffen

        Das trifft auf die Hölle zu, aber doch nicht auf die Welt.
        Alles Werden geschieht durch Freiheit. Zwang kann Werden nur behindern. Er ist immer destruktiv, nie konstruktiv.

        „Der Teufel, den der Staat an die Wand malt, um sein eigenes Gewaltmonopol zu rechtfertigen, ist er selbst“ (David Dürr).

  15. Christian sagt:

    „Da es aber unmöglich ist, da nicht alle Menschen dieselbe Definition in sich tragen, wird sich auch in einer Anarchie immer jemand unterdrückt fühlen und am Ende würde der mit den besseren Waffen Recht bekommen.“

    Genau das Problem sehe ich auch, wenn Menschen selbst definieren müssen, was sie für richtig halten. Es werden sich sicherlich nicht alle Menschen darauf einigen, dass für sie die Selbsteigentums-Theorie mit allen Konsequenzen zu gelten hat. Dies würde eine ungeheure Uniformität der Menschen in ihrem Denken voraussetzen.

    Aber bedeutet dies auch zugleich, dass der Gedanke der Selbstbestimmung damit gestorben ist? Nein. Er kann sich aber eben nur auf die Menschen erstrecken, die sich zu einer bestimmten Form der Selbstbestimmung bekennen.

    Dies bedeutet entweder eine Gesellschaft, in der die Menschen die Möglichkeit haben, über ihr Zusammenleben frei zu bestimmen oder aber mehrere Gesellschaften, die parallel nebeneinander existieren und sich gegenseitig tolerieren. Ersteres bedeutet immer auch ein gewisses Maß an äußerem Zwang, weil sich nicht alle an die Spielregeln halten werden. Letzteres bedeutet ein Ausmaß an Selbstdisziplinierung gegenüber anderen, das möglicherweise nicht realisierbar ist.

    • Zef sagt:

      > wenn Menschen selbst definieren müssen, was sie für richtig halten.

      Aber genau das bedeutet es, ein moralischer Mensch zu sein und kein Roboter, der die Befehle anderer ausführt. Sich vor dieser Verantwortung zu drücken, ist zutiefst unethisch. Und auch nur so kann es kommen, dass im Grunde gute Menschen abscheuliche Dinge tun. Die Welt wäre sofort ein besserer Ort, wenn nur böse Menschen böse Dinge täten.


      Ich erschaffe mich nicht, ich wähle mich – absolut

      • Christian sagt:

        Bei Sartre hieß es glaub ich zur „Freiheit verdammt“ oder so ähnlich. Tatsächlich kann man aber eben ohne ein Bewusstsein von Freiheit nicht moralisch handeln, wie du richtig bemerkst, Zef.

        Worum es in unserer Diskussion geht, ist aber nicht die Notwendigkeit von Freiheit, sondern das, was darauf folgt: „Es werden sich sicherlich nicht alle Menschen darauf einigen, dass für sie die Selbsteigentums-Theorie mit allen Konsequenzen zu gelten hat. Dies würde eine ungeheure Uniformität der Menschen in ihrem Denken voraussetzen.“ Das ist gewissermaßen der Haken an der sonst so wunderschön und einleuchtend konstruierten Theorie.

        • Zef sagt:

          > die Selbsteigentums-Theorie

          Ich muss mich mit niemandem „einigen“, um ich selbst zu sein. Ich wähle mich selbst, und zwar absolut (in meiner absoluten Gültigkeit). Und diese absolute Wahl meiner selbst ist meine Freiheit. Gewiß kann ein anderer nun meinen, dass ich ihm gehöre. Dann haben wir einen Konflikt.

          Aber eins sollte klar sein: wer nach einer „Erlaubnis“ oder einer „Rechtfertigung“ (wie auch immer) schielt, um er selbst sein zu dürfen, der hat (sich) schon verloren, völlig unabhändig von der Anwort.

          >ungeheure Uniformität der Menschen in ihrem Denken

          Ach was. Es geht ums Selbst. Und jedes Selbst (sofern es auch es selbst sein will) ist einmalig. Orgineller gehts doch gar nicht.

          Wenn dein Selbst und deine Freiheit für dich ein Gedanken-Ding sind, dann ist das so. Für mich ist es lebendige Wirklichkeit, meine Existenz.

          Die „Selbst-Wahl“ ist dabei der alles entscheidende Freiheitsakt.

          „Während ich selbst als unmittelbare Persönlichkeit aus nichts erschaffen bin, so bin ich als freier Geist … dadurch geboren, dass ich mich selbst wählte“ (Kierkegaard)

          Nur so geht Freiheit aus Freiheit (und nicht aus „Notwendigkeit“ oder irgendeinem „Sacheigentum“) hervor.

          Aber du hast insofern recht: man kann’s tatsächlich auch lassen. Nur mich tangiert das nicht, wenn sich andere nicht selbst wählen.

          Ich erschaffe mich nicht, ich wähle mich – absolut.
          Und das ist kein „Glasperlenspiel“.

  16. Christian sagt:

    „Gewiß kann ein anderer nun meinen, dass ich ihm gehöre. Dann haben wir einen Konflikt.“

    darauf wird es hinaus laufen, wenn sich nicht alle darin einig sind, dass Selbsteigentum gilt… und dies ist der Fall, wo du auch hinsiehst. Wenn du dein Selbsteigentum erhalten willst, ist es in deinem Interesse, dich mit andren darüber zu einigen, sonst kommt es eben zum Konflikt mit möglicherweise üblem Ausgang für dich. Das ist deine Wahl.

  17. Zef sagt:

    > dass Selbsteigentum gilt

    Es „gilt“ nicht, es „ist“

    > und dies ist der Fall, wo du auch hinsiehst

    Ja, aber wo kommt es denn her?! Nur wer sich sich vollends zu eigen hat, als ethisch souveräne Entität, sieht auch die „Würde“ anderer Menschen. Wer allerdings „das Polizeigericht, das Schiedsgericht, eine Zeitung oder einige Honoratioren des Städtchens oder den Janhagel der Hauptstadt als letzte Instanz im Verhältnis zu sich selbst“ (Kierkegaard) hat, der hat das Ethische verloren (oder erst gar nicht erworben). Was du gegenwärtig völlig richtig siehst, ist der Bankrott des Ethischen (eine Folge der gerade in Deutschland alles überragenden (Staats-)Philosopie Hegels.)

    „Wie Papiergeld ein wichtiges Mittel im Austausch unter den Leuten sein kann, an sich aber eine chimärische Größe darstellt, falls in der letzten Instanz keine Valuta da ist: so ist die komparative, konventionelle, äußerliche, bürgerliche Auffassung des Ethischen in Handel und Wandel gewiss brauchbar; falls man aber vergisst, dass die Valuta des Ethischen, wenn es überhaupt irgendwo sein soll, in der Innerlichkeit des INDIVIDUUMS sein müsse, falls eine ganze Generation dies vergessen könnte, so ist sie, (selbst wenn man annehmen wollte …, dass es keinen einzigen Verbrecher, sondern lauter brave Leute gäbe,) so ist sie doch ethisch wesentlich verarmt und wesentlich eine Generation des Bankrotts“

    Here we are!

    Sicher wird es immer auch Menschen geben, die das Böse wählen. Aber die sich nicht das Problem. Das Problem ist die überwiegende Mehrheit an sich guter Menschen, deren Mindset systematisch aufs Unethische programmiert wurde, von Generation zu Generation (s.o.).

    Eine Sache solltest du noch berücksichtigen: es geht nicht darum, zunächst einen „Masterplan“ des Voluntarismus zu entwickeln (und den dann zu wählen). Voluntarismus/Anarchie ist kein neuer Masterplan! Es kann daher nur so sein, dass Menschen, die sich selbst gewählt haben, als ethisch souveräne Individualitäten, (durchaus viele verschiedene) Formen des konfliktfreien Miteinanders entwickeln (inklusive Abwehr derjenigen wenigen, die tatächliche das Böse wähen).

    Menschen, die sich selbst (und ihre Mitmenschen) in voller Gültigkeit erfassen, „ticken“ anders, sie haben andere Denk- und Sprachmuster. Ein ungeheurer Schub an Kreativität und Mitmenschlichkeit wäre sicher eine Folge.

    Wie die Wege, so das Ziel.


    „Most of the evil committed throughout history has come from the attempts to use „authority“ to accomplish good things“ (Larken Rose, The Most Dangerous Superstition)

  18. Christian sagt:

    „> dass Selbsteigentum gilt

    Es „gilt“ nicht, es „ist““

    Eine ausgezeichnete Fragestellung: „gilt“ Selbsteigentum oder „ist“ Selbsteigentum? Für jemanden, der felsenfest an die Theorie des Selbsteigentums glaubt, gibt es keinen Zweifel daran, dass Selbsteigentum „ist“, d.h. dass es einfach die Wahrheit „ist“. Die Frage, ob es auch „gelten“ sollte, d.h. ob es auch durch andere Menschen anerkannt werden sollte, stellt sich nicht. Und dies ist für Vertreter des Selbsteigentums sogar in doppelter Weise der Fall: 1. es ist egal, ob jemand der Wahrheit Glauben schenkt oder nicht. Dies ändert ja nichts am Wahrheitsgehalt! 2. Was andere denken ist sowieso egal, weil ich nur für mich verantwortlich bin und nicht für das, was andere denken und tun. Das ist ja gerade die logische Konsequenz des Selbsteigentums.

    Kann mir aber deshalb die Einstellung anderer Menschen zum Selbsteigentum egal sein? Kann es mir egal sein, ob andere Menschen meine Freiheit, selbst über mich zu entscheiden, akzeptieren oder nicht (egal ob sie nun an ein Selbsteigentum glauben oder nicht)? Wäre es nicht für mich als Selbsteigentümer ein friedvolleres Leben, wenn ich mit meinen lieben Mitmenschen Vereinbarungen treffen könnte, die darauf hinaus laufen, dass sie – aus welchen Gründen auch immer – mich über mich selbst bestimmen lassen? Warum sollte mich das nicht interessieren? Warum sollte ich erst dann aufmerken, wenn ich angegriffen werde, um dann – mit ungewissem Ausgang – von meinem Recht auf Selbstverteidigung Gebrauch zu machen?

    „Es kann daher nur so sein, dass Menschen, die sich selbst gewählt haben, als ethisch souveräne Individualitäten, (durchaus viele verschiedene) Formen des konfliktfreien Miteinanders entwickeln (inklusive Abwehr derjenigen wenigen, die tatächliche das Böse wähen).“

    Das sollten sie tun. Aber ich denke, dass dies allein zu selbstbezogen ist: Gemeinschaft mit Gleichgesinnten bilden und sich der Bösen erwehren, die das Leben dieser Gemeinschaft stören wollen. Warum sollten diese Menschen, die sich selbst gewählt haben, nicht auch versuchen ihren Verkehr mit der als Störung begriffenen gesellschaftlichen Umwelt mit Vereinbarungen zu regeln statt erst dann mit Gegengewalt aktiv zu werden, wenn sie Gewalt von außen verspüren?

    Die Frage, die die Antwort bringt lautet: Wie können Vereinbarungen mit anderen Menschen aussehen, die nicht meines Glaubens sind? Man müsste bereit sein, Kompromisse im Zusammenleben mit anderen Menschen zu schließen, die in der gleichen Gesellschaft leben. Wenn ich aber unverbrüchlich davon überzeugt bin, dass meine Wahrheit zu 100% zu gelten hat, dass ich in meinem Verhalten keinen Deut davon abweichen darf, dann wird es mir nicht möglich sein, Vereinbarungen mit anderen Menschen zu schließen, die nicht 100% meiner Vorstellung von Wahrheit entsprechen. Auch nicht freiwillig (!), weil jede Vereinbarung, die nicht zu 100% meinen Vorstellungen entspricht, von der reinen Lehre abfällt. Ich selbst bin dann quasi gefangen im strengen und reinen Gebäude meines Denkens.

    An diesem Punkt der Überlegung ist es allerdings auch klar, warum es nur die Möglichkeit gibt, für sich allein zu leben oder eine Gemeinschaft mit Gleichgesinnten zu bilden und diese Gemeinschaft gegen jeden äußeren Einfluss abzuschirmen. Es geht einfach nicht anders, weil man sonst die reine Lehre verraten würde. Es geht nicht darum, ob etwas „gilt“, sondern dass etwas „ist“.

    • rote_pille sagt:

      In der Anarchie hat man wenigstens Waffen mit denen man sich verteidigen kann. Mit Islamisten z.B. würde ich keine Kompromisse machen und eine „Schariapolizei“ könnte auch nicht problemlos durch die Stadt laufen wenn sie auf Bürgerwehren und private Sicherheitsdienste treffen würden die sie empfangen wie es sich gebührt.
      Die Zwänge und Konflikte kann man zwar nicht ausschalten, aber die Lösung der Konflikte erfolgt in der Anarchie viel direkter und lokaler. Frage ist nur, ob das System tatsächlich so viel negative Rückkopplung hat, sodass der Staat sich nicht selbst wiederherstellt? Überhaupt, ab wann gilt ein System als Anarchie? In jeder Anarchie wird es auch ein gewisses Maß an Zwang geben, wegen den Definitionsproblemen und den wegen schlechten Menschen. Wie groß darf dieses Maß sein? Wir könnten ja auch sagen, die Anarchie existiert schon, nur wir werden zu Unrecht von Leuten die sich als „Regierung“ bezeichnen unterdrückt.

      • Zef sagt:

        >Überhaupt, ab wann gilt ein System als Anarchie?

        Abgesehen davon, dass Anarchie nun gerade kein „System“, kein neuer Masterplan (übrigens der Gipfel der Uniformität) ist, würde ich in aller Kürze sagen: wenn da niemand ist, der irgendwelche Sonderrechte hat.

        Das ganze sog. Öffentliche Recht ist „Sonderrecht“, also „Recht“, das der gewöhnliche Sterbliche nicht hat.

        Auch in einer PrivatRechtsGesellschaft wird es „Anführer“ geben. Doch das werden solche sein, die durch ihr _Beispiel anführen (aufgrund ihres Wissens, ihrer Erfahrung, ihres Mutes usw) aber eben nicht durch _Befehl.

        Entweder „Markt“ oder „Befehl“ – ein Drittes gibt es hier nicht.

        • Christian sagt:

          „Entweder „Markt“ oder „Befehl“ – ein Drittes gibt es hier nicht.“

          Das klingt ja recht schmissig. Aber wieso soll es eigentlich nicht die freie Vereinbarung von Menschen untereinander jenseits von Markt und Kapitalismus geben? Gibt es für dich doch jetzt schon, wenn du z.B. einen Verein gründest oder einem beitrittst.

          • Zef sagt:

            >Aber wieso soll es eigentlich nicht die freie Vereinbarung von Menschen …

            Weil „freie Vereinbarungen“ immer „Markt“ sind. Auch wer sich zB freiwillig zum Lustsklaven macht, befindet sich damit auf dem Markt-Parkett.

            >wenn du z.B. einen Verein gründest

            Ja, oder zB eine BGB-Gesellschaft (auf der Grundlage eines echten! Gesellschaftsvertrages), deren Zweck (nur) die gemeinsame Organisation der individuellen Rechte auf legitime Verteidigung ist.

            Anderes als die „Neidgenossen“ könnte ich mir sogar vorstellen, dass diese Gesellschaft (natürlich im Rahmen der Möglichkeiten) ihre Dienste auch Fremden zur Verfügung stellt.

            Ideen, die wirklich gut sind, brauchen keinen Zwang. Die gehen weg (und finanzieren sich) wie die sprichwörtlichen „warmen Semmel“. Nur die „Machtfreaks“ kämen hierbei zu kurz. Gut so.

          • Christian sagt:

            Okay, wenn freie Vereinbarungen immer Markt sind, aber nicht alle freien Vereinbarungen ein kapitalistisches Wirtschaftssystem bedeuten, dann haben wir es bei freien Vereinbarungen also mit einem Markt jenseits des Kapitalismus zu tun. Es hat vielleicht tatsächlich etwas für sich, den Marktbegriff nicht auf Kapitalismus zu begrenzen.

          • Zef sagt:

            Ja, selbst der Kollektivismus ist kein Problem, wenn er nicht „autoritär“ ist. Sollen sie doch machen … 🙂

          • Christian sagt:

            Exakt! Die Leute sollen sich vereinigen, kooperieren, Vereinbarungen treffen etc. wie sie wollen und wie es ihnen notwendig erscheint. 🙂

        • rote_pille sagt:

          Auch in der Privatrechtgesellschaft wird es Leute geben, die mehr Rechte haben, einfach weil sie besser organisiert und bewaffnet sind. Mit dem Umweltbeispiel habe ich doch schon gezeigt, dass man nicht einmal objektiv feststellen kann, ob jemand Sonderrechte hat oder nicht, da die Definition des Eigentums nicht klar ist, und „Sonderrechte haben“ bedeutet soviel wie „fremdes Eigentum missachten zu können“. Wenn die Anwohner z. B. gut organisiert sind, wird der Fabrikbesitzer ohne weiteren Widerstand, de facto unter Androhung von Gewalt, einer Reduktion der Emissionen zustimmen, auch wenn diese in einem höheren Ausmaß als dem vereinbarten keine negativen Auswirkungen auf die Lebensqualität der Anwohner hätten. Es kann für den Fabrikbesitzer einfach billiger sein der Erpressung nachzugeben und mehr Filter einzubauen als die Sicherheitsmaßnahmen für die Fabrik zu erhöhen und das Risiko einzugehen, dass die Produktion durch irgendetwas gestört wird.
          Jetzt übertragen wir das mal auf den heutigen Staat: auch für uns Bürger ist es aus subjektiv gesehen einfacher, sich vom Staat unterdrücken zu lassen, als sich gegen die Gewalt zu wehren (sonst würden wir uns wehren). Zu solchen Situationen würde es unzweifelhaft auch in PRGs kommen, wie ich gezeigt habe. Habe ich das also richtig begriffen: das System „Staat“ ist gar nicht das Problem, sondern der mangelnde Widerstand der Menschen gegen Herrschaft, die dieses System ermöglicht?

          • Christian sagt:

            „auch für uns Bürger ist es aus subjektiv gesehen einfacher, sich vom Staat unterdrücken zu lassen, als sich gegen die Gewalt zu wehren (sonst würden wir uns wehren). “

            wieder mal ein interessanter Gedanke, dass es quasi eine „Kostenentscheidung“ ist, dass die Menschen dem Staat die Regelung ihrer Interessen übertragen. Einzuwenden wäre allerdings, dass es sich um keine individuellen Entscheidungen handelt, die dieser Übertragung zu Grunde liegen, sondern dass Menschen in das bestehende staatliche System hinein geboren werden, und dass sie sich mithin gar nicht ausgesucht haben, ob sie ihre Interessen tatsächlich dem Staat übertragen wollen.

            „das System „Staat“ ist gar nicht das Problem, sondern der mangelnde Widerstand der Menschen gegen Herrschaft, die dieses System ermöglicht?“

            Das scheinen mir zwei Seiten einer Medaille zu sein.

          • Zef sagt:

            >Auch in der Privatrechtgesellschaft wird es Leute geben, die mehr Rechte haben …

            Nein, es gibt dort kein Öffentliches Sonder-Recht.
            Was du beschreibst, hat nichts mit dem Prinzip zu tun: es gibt nur ein Privatrecht.

            > Habe ich das also richtig begriffen

            Das Problem ist, dass das (Sonder-)Unrecht des Staates von der Mehrheit (der Guten!) als „legitim“ erachtet wird.

            Würde dieser kollektive Aberglaube einfach nur aufhören, bräuchte es keine Revolution, keinen Widerstand, keine Wahl.

            Diejenigen, die da immer noch meinen, sie hätten ein Recht darauf, andere zum Subjekt ihres Masterplanes zu machen, werden dann von der Mehrheit (der Guten) einfach ignoriert, völlig gewaltfrei. Aus die Maus.

          • rote_pille sagt:

            „Recht“ war nicht das richtige Wort. Auf jeden Fall werden Leute immer beherrscht werden, wenn die dadurch entstehenden Unannehmlichkeiten geringer sind als der Preis des Widerstands. Das Beispiel mit dem Fabrikbesitzer, der faktisch beherrscht wird, weil ihm die Bewohner jegliche Emissionen untersagen ist ziemlich realistisch. Ob die Herrschaft die heutigen Ausmaße annimmt, hängt natürlich stark von der Meinung der Individuen ab, aber noch mehr von ihrer Bereitschaft Widerstand zu leisten. Wenn die Möchtegernherrscher nicht einsichtig sind, muss dieser Widerstand gewaltsam sein. Ich denke nicht, dass die Nazis sich um die Meinung der unterdrückten Völker geschert haben, als sie sie überfallen haben. Sie wurden auch nur durch militärische Gewalt aufgehalten.

          • Zef sagt:

            > Bereitschaft Widerstand zu leisten

            Der Bereitschaft Widerstand zu leisten, steht der Aberglaube an die „Legitimität“ einer Ruling Class erheblich entgegen.

            Die Nazi wären wohl kaum mehr als eine durchgeknallte Trachtentruppe geworden, wenn nicht die Mehrheit eigentlich guter Menschen Hitler als „Autorität“ angesehen hätten.

            Das war bei allen Super-Bösen so: Stalin, Mao, Pol Pot … die Mehrheit eigentlich nicht böser Menschen hat ihnen zugejubelt und war davon überzeugt, dass ihre Führer-Position „rechtens“ sei.

            Und noch heute glauben die meisten eigentllich guten Menschen, dass es völlig „rechtens“ ist via „demokratischer Wahlen“ Menschen gegen ihren Willen zum Bestandteil eines Master-Planes zu machen, ihr Leben danach umfassend zu regulieren und sie auszuplündern.

            Wenn das Prinzip „Arch“ einmal gesetzt ist, gibt es kein Halten mehr. Zwischen 1% Arch und 100% steht dann uU lediglich ein flottes Nacht-und-Nebel-Notstandsgesetz.

            Deshalb weichen Voluntaristen von dem Prinzip „An-Arch“ keinen Fussbreit ab.

            Nein, die Bösen sind nicht das wirkliche Problem, sondern der Aberglaube der mehrheitlich Guten.

          • Christian sagt:

            Mir fällt an dieser Stelle der Diskussion die FAQ-Antwort auf: „In unserer Geschichte gab es furchtbare Diktaturen und deshalb empfinden wir die Demokratie zurecht als Fortschritt. “ Was ist es, das uns Demokratie als Fortschritt gegenüber Diktaturen empfinden lässt? Gehen wir dabei in die Irre? Oder lässt sich in einer Demokratie gegenüber einer Diktatur tatsächlich ein Fortschritt sehen?

          • Zef sagt:

            > Oder lässt sich in einer Demokratie gegenüber einer Diktatur tatsächlich ein Fortschritt sehen?

            Ein bewaffnetes Volk kann man mit roher Gewalt praktisch nicht unterwerfen. Man muß es schon dazu bringen, mehrheitlich daran zu glauben, dass die Diktatur gut und richtig ist.

            FwF dazu einige gute Videos gemacht, zB hier: „Die Geschichte deiner Versklavung“ http://www.freiwilligfrei.info/archives/1138

            Zum Thema „Bereitsschaft zum Widerstand“ sagt Larken Rose in seinem mehrfach erwähnten Buch: „In fact, the belief in „democracy“ dramatically reduces the ability of people to resist tyranny, by limiting the ways in which they resist it.“

            Mein geistiger und spiritueller Kompass (Sören Kierkegaard), ein Gegner des Hegelianismus, fand die sog. „Links-Hegelianer“ sogar besser als die „Rechts-Hegelianer“, weil man bei denen schneller merkt, woran man ist.

            Ich wollte in jungen Jahren, Asche auf mein Haupt, Staatsrechtler werden und habe ebenfalls die peinlichsten Sachen von mir gegeben (so ala „Demokratie ist, wo wir uns alle selbst regieren“). Gäbe es keine Vergebung, ich würde dafür glatt in der Hölle schmoren 🙂

            Demokratie ist wie die Geschichte vom Frosch, der nicht merkt, dass er abgekocht wird, weil die Temperatur langsam erhöht wird. Schon tricky.

          • Christian sagt:

            ja, die Demokratiekritik ist klar. Aber wieso kann dann in den FAQ etwas stehen wie, dass Demokratie tatsächlich ein Fortschritt gegenüber einer Dikatur ist. Hier wird doch offensichtlich entgegen der sonstigen Erklärungen die Demokratie gegenüber der Diktatur präferiert. Auf welcher gedanklichen Basis geschieht dies?

      • Christian sagt:

        „In der Anarchie hat man wenigstens Waffen mit denen man sich verteidigen kann.“

        Wieso soll ich mir eigentlich Anarchie als waffenstarrendes Unternehmen vorstellen?

        „Überhaupt, ab wann gilt ein System als Anarchie?“

        Wem gilt ein System als Anarchie, wäre doch eher die Frage. Soweit ich weiß, gibt es keine Anarchie-Polizei, die dir sagt, was Anarchie ist und was nicht… Auch Leute, die die schönsten Anarchie-Theorien haben, schlagen sich diese um die Ohren…

  19. Zef sagt:

    >Die Frage, die die Antwort bringt lautet: Wie können Vereinbarungen mit anderen Menschen aussehen, die nicht meines Glaubens sind?

    You Rule You, I Rule Me

    Niemand hat das Recht, andere Menschen zu regieren. Ein solches „Recht“ existiert überhaupt nicht, es wird lediglich halluziniert. Anarchy ist was „ist“. Wirklichkeit, so wie sie ist, ist Anarchy. Und das ist das Gegenteil von „Lehre“, „Masterplan“ und „Kunstgriff“.

    >weil man sonst die reine Lehre verraten würde

    Deine Existenz (um die es geht) ist keine „Lehre“ (hoffe ich doch sehr).

    Das alles ist auch nicht „selbstbezogen“, denn die „Sozialität“ gehört zum einzelnen Menschen wie der zweite Arm. Die Vollendung in sich selbst ist zugleich auch die vollkommene Sozialität. Es braucht keine „Kunstgriffe“ und „Lehren“ und auch keine „Vereinbarungen“, um Mitmenschlichkeit borgmäßig einzuflanschen. Gerade weil man es mit Gewalt unternimmt, „Autorität“ künstlich zu intrudieren, zerstört man das Ethische in der Individualität.

    Und wer sich (und seine Mitmenschen) in voller Gültigkeit erfasst, als ethisch souveräne Entität, der kann, als eine seiner leichtesten Übungen, auch Kompromisse machen.

    Der Punkt aber ist:

    „There ist no tooth fairy, or Santa Claus, or magical entity called „government“, which can make an immoral species behave morally, or make a group of imperfect people function perfectly. And the belief in such entity, rather than being merely pointless and ineffective, _drastically increase the overall stupidity, conflict, injustice, intolerance, violence, oppression and murder in human society“ (Larken Rose, aaO).

    • Christian sagt:

      „Wie können Vereinbarungen mit anderen Menschen aussehen, die nicht meines Glaubens sind?

      You Rule You, I Rule Me“

      Was ich versucht habe zu sagen: es wird keine Vereinbarungen geben. Jeder macht seinen Kram für sich. Friedliche Koexistenz, soweit sich niemand bedroht fühlt.

      „Niemand hat das Recht, andere Menschen zu regieren. “ usw.

      da braucht es keine „Predigt“, denn was anderes schreibe ich auch nicht.

  20. rote_pille sagt:

    Ihr irrt euch, die Bereitschaft zum Widerstand ist nicht zu verwechseln mit der Nichtanerkennung der Legitimität einer Regierung. Eine Regierung kann auch einfach durch Angst regieren, der Staat kann auch eine Mehrheit mit Gewalt unterdrücken weil sich niemand traut, als Erster aufzustehen aus Angst vor Repressionen. Dahinter steht einfach nur eine Kosten-Nutzen-Rechnung: die Chance auf persönliche Freiheit ist geringer als die Kosten für einen Einzelnen, der damit rechnen muss in der 1. Phase seines Widerstands allein gegen die Gewalt zu sein. Das Volk ist zwar in der Überzahl, das nützt aber nichts, solange es kein organisiertes Vorgehen gibt, indem diese Überzahl zum Tragen kommt. Man denke nur an die alten Griechen, in deren Städten die Sklaven weit in der Überzahl waren und dennoch nichts machen konnten. Es ist schwer vorstellbar dass sie die Herrschaft als gerecht empfunden haben.
    Die Bereitschaft zum Widerstand gibt es erst wenn die Leute keine Angst mehr haben für ihre Freiheit auch zu kämpfen. Die Regierung muss Angst vor ihrem Volk bekommen, nicht umgekehrt.

  21. rote_pille sagt:

    Wie sieht die Ehe in einer Anarchie aus? Wie kann man heiraten, wenn es keine Behörden gibt (und man nicht gläubig ist)?

    • Zef sagt:

      >Wie kann man heiraten, wenn es keine Behörden gibt (und man nicht gläubig ist)?

      Das ist doch die klassische Situation eines gegenseitigen Vertrages: Zwei Parteien versprechen sich gegenseitig etwas 🙂

      Das ist mein heiliger Ernst: zwischen meine Braut und mich lasse ich weder Staat noch Kirche.

      • rote_pille sagt:

        Kann ich also jeden beliebigen Vertrag als Ehe bezeichnen?

        • Zef sagt:

          >Kann ich also jeden beliebigen Vertrag als Ehe bezeichnen?

          Ne, das gibts schon unterschiedliche. Es gibt einseitig verpflichtende und gegenseitig verpflichtende. Bei letzteren gibts nun auch wieder mehrere, halt je nach Gegenstand: Kaufvertrag, Dienstvertrag, Werkvertrag usw.

          Bei der Ehe nun versprechen sich die Eheleute gemeinsam die Hölle auf Erden. Das ist ihr spezieller Gegenstand. (Siehe auch § 1353 BGB, wobei man aber nie vergessen darf, dass das BGB die diversen Vertragsgestalten nicht er-funden hat.)

          Und wie das mit der Hochzeitnacht ist, das erkläre ich dir ein andermal.

      • Stefan sagt:

        Seitdem ich überzeugter Anarchist bin, erstaunt es mich immer wieder zu sehen, welche absurden Gedanken der staatliche Aberglaube produziert.

        Als nächstes kommt dann einer daher und fragt:
        Wie soll ich mir denn die Schuhe binden ohne Staat?
        Darf ich mir in Freiheit in der Nase bohren?
        Wer versohlt mir den Hosenboden, wenn ich beim Essen Rülpse?

        Wenn man sich von all diesem Nonsense befreit hat, ist es wirklich erschreckend zu sehen was so eine Gehirnwäsche bei Menschen anrichtet.

        • rote_pille sagt:

          In der Anarchie wird es keine gemeinsamen Normen geben, und die Ehe ist eine solche. Es können sich alle möglichen Leute zusammentun und ihren Vertrag als „Ehe“ bezeichnen, womit die Ehe damit Geschichte wäre.

          • Zef sagt:

            >womit die Ehe damit Geschichte wäre.

            Aber doch die Geschichte zweier Menschen, die ihr Leben miteinander teilen. Dieses „Ding“ ist uralt, viel älter als das BGB. Und auch wenn alle Gesetze dieser Welt abgeschafft würden, bliebe dieses „Ding“ bestehen, denn es ist keine Schöpfung irgendeines Gesetzgebers. Man kann es schließlich auch „Hurz“ nennen, und trotzdem bliebe es gleich.

          • Stefan sagt:

            DIN-Normen in einer menschlichen Beziehung sind wirklich traurig.
            Dieses Volk hat auf mich schon immer wie die Borgs aus Star Trek gewirkt.

    • Christian sagt:

      Diese Frage erstaunt mich auch ein wenig. Was ist die Ehe anderes als ein Vertrag? Es wird allerdings keine Steuervergünstigung geben…

      • Zef sagt:

        Ja, auch die BGB-Ehe ist selbstverständlich ein Vertrag (aber eben einer, den die Leute schon vor dem BGB, ja selbst schon vor dem Gesetz Mose geschlossen haben). Privat-Autonomie halt.

  22. rote_pille sagt:

    Wie können in einer freien Gesellschaft Kinder vor der Misshandlung durch ihre Eltern geschützt werden?

    • rote_pille sagt:

      Wäre es in einer freien Gesellschaft moralisch richtig, dem Nachbarn mit Gewalt das Kind abzunehmen, wenn man bspw. schwere Verletzungen oder Zeichen von Mangelernährung daran feststellt? Ich persönlich könnte das mit meinem Gewissen vereinbaren und mich nicht damit anfreunden wegzusehen.

      • Christian sagt:

        Ganz unproblematisch ist das mit der Gewalt aber auch nicht. Du kannst dich täuschen und damit selbst Gewalt intiieren. Und wenn sich mehrere zusammen rotten, wird es auch nicht mehr als eine Lynchjustiz. Die Menschen in einer freien Gesellschafz sollten ihre Angelegenheiten schon besser durch freie Vereinbarungen regeln.

        • rote_pille sagt:

          Mit der Unsicherheit muss man immer leben – die privaten Sicherheitsdienste könnten auch den Falschen beschuldigen und mitnehmen. Kleine Kinder können ihre Angelegenheiten leider noch nicht selbst regeln, weil sie vieles nicht verstehen.

  23. Bernhart sagt:

    Hallo allerseits,
    1)
    Hier wird offen und unverblümt für eine kapitalistische Gesellschaft geworben und sich nicht hinter Schlagworten (wie SPDCDUFDPGrüne, usw. es tun) wie „soziale“ Martwirtschaft versteckt.
    Das dient der Erkenntnisfindung und der Diskussion über den Kapitalismus und seiner (systemimmanenten?) Krisen.

    2)
    Man kann sich Gedanken machen, wie man Kapitalismus so modellieren kann, daß er funktioniert.
    Erschreckend sind die Antworten der sogenannten Experten.
    siehe dazu:
    http://www.kapitalismus-modell.de/

    3)
    Der Kybernetiker Prof.Peter Fleissner hat ein kapitalistisches System modelliert:
    http://peter.fleissner.org/homepage/default.htm

    4)
    4.1)
    Hier mein Anliegen:
    Gibt es zumindest ein Modell eines kapitalistischen Wirtschaftsystems, das systemimmanent nicht notwendig Krisen produziert?
    Meine Überlegungen dazu:
    Modellbeschreibung:
    Auf einer Insel leben eine bestimmte Anzahl Unternehmer. Außerdem gibt es genau eine Bank (Zentralbank, die auch Geld schöpfen darf oder Geschaftsbanken, die Giralgeld schöpfen können)
    Um die zu “hohen Löhne” als Verursacher einer Krise auszuschalten, mache ich maximal unternehmerfreundliche Annahmen:
    A1) Die Beschäftigten bei allen Unternehmen sind Sklaven, die keine Kosten verursachen und keine Löhne bekommen und deshalb auch nichts konsumieren.
    A2) Die Bank verleiht ihr Geld zu 0 Prozent Zinsen.
    Weitere Annahmen:
    A3) Jeder Unternehmer macht aus Wareneinsatz im Wert von X einen Warenoutput (d.h. Waren, die er alle verkauft) von 2X.
    Genauer: Von dem Wareneinsatz X konsumiert er einen Teil (z.B. essen, trinken) bzw. legt ihn als langlebige Anlageobjekte (z.B. Haus, Gold) an. Und von dem was noch übrigbleibt (= X – Konsum) produziert er Waren im Wert von 2X.

    4.2)
    Wie funktioniert dann der Warenautausch?
    Aus technischen Gründen setze ich voraus, daß ein Unternhmer U1 einmalig von außerhalb der Insel Waren (Wareninput bzw. Wareneinsatz) im Wert von W einkauft (das Geld borgt er sich von der Zentralbank der Insel).
    Danach wird das Unternehmen außerhalb der Insel physikalisch zerstört und daher nicht mehr in der Gesamtrechnung betrachtet.

    a1)
    Unternehmer U1:
    Wareninput: W
    Aus diesem produziert er (nach Abzug seines Konsums) Waren von
    Warenoutput: 2*1W = 2W
    Da er aus dem eingenommen Geld 2W die Bankschulden W zurückzahlen muss, hat er noch:
    Kontostand 2W-W = W
    Der Unternehmer U1 verkauft die Waren an eine bestimmte Menge von Unternehmen U2 dieser Insel zum Verkaufspreis 2W. Die einkaufenden Unternehmer leihen sich deshalb insgesamt von der Zentralbank Geld im Wert von 2W

    a2)
    Unternehmermenge U2:
    Wareninput: 2W
    Aus diesem produziert er (nach Abzug seines Konsums) Waren von
    Warenoutput: 2 * 2W = 4 W
    Aus dem eingenommen Geld 4W müssen die Bankschulden 2 W zurückgezahlt werden:
    Kontostand 4W-2W = 2W
    Die Unternehmermenge U2 verkauft die Waren an eine bestimmte Menge von Unternehmen U3 dieser Insel zum Verkaufspreis 4W. Die einkaufenden Unternehmer leihen sich deshalb insgesamt von der Zentralbank Geld im Wert von 4W

    a3)
    Unternehmermenge U3:
    Wareninput: 4W
    Aus diesem produziert er (nach Abzug seines Konsums) Waren von
    Warenoutput: 2 * 4W = 8 W
    Aus dem eingenommen Geld 4W müssen die Bankschulden 4 W zurückgezahlt werden:
    Kontostand 8W-4W = 4W
    Die Unternehmermenge U3 verkauft die Waren an eine bestimmte Menge von Unternehmen U4 dieser Insel zum Verkaufspreis 8W. Die einkaufenden Unternehmer leihen sich deshalb insgesamt von der Zentralbank Geld im Wert von 8W
    Usw. usf.

    4.3)
    Dieser idealisierte Mechanismus funktioniert also, weil ein Unternehmer immer Unternehmen findet, die alle seine Waren aufkaufen. Unter diesen Annahmen “funktioniert” also der Kapitalismus.
    Gibt es modelltheoretische Annahmen, die dieses kapitalistische Modell instabil werden lassen?
    Hier ein paar Annahmen:

    I1) Unternehmer sparen
    Ein Unternehmer findet nicht genügend viele andere Unternehmer, die alle seine Waren aufkaufen, weil z.B. andere Unternehmer ihr Geld lieber sparen, als Geld von der Bank auszuleihen, damit Waren einzukaufen und damit andere Waren zu produzieren.
    (sie sparen z.B. deshalb, weil sie darauf spekulieren, daß von ihnen produzierte Waren nicht alle verkauft werden).

    I2) Spekulationsblase
    Viele Unternehmer produzieren und kaufen Spekulationsobjekte, (man spekuliert auf hohe Gewinne dieser Waren), von denen sich dann später herausstellt, daß sie niemand mehr haben will (z.B. Tulpenzwiebel im 17. Jahrhundert in Holland).
    Wenn diese Anlageobjekte als Vermögen der Unternehmer keinen Wert mehr haben, bekommen sie keinen Kredit mehr von der Bank, weil die Unternehmen keine Sicherheit mehr haben und auch keine Aussicht auf den Verkauf ihrer Produkte Vermögen haben).
    Viele Unternehmen machen dann Pleite und die Produktion von Gütern „bricht“ zusammen.

    4.4)
    Frage:
    Wie bzw. mit welchen weiteren Mitteln kann dieser Modellkapitalismus so geregelt werden, daß er krisenfrei wird oder ist der Kapitalismus zwangsläufig krisenbelastet und damit besser durch ein anderes Modell zu ersetzen?

    mfg
    Bh

    • rote_pille sagt:

      Ich verstehe nicht wirklich, was mit dem Modell gezeigt werden soll. Es passieren Dinge, aber keiner weiß warum. Wieso produzieren die Unternehmen, wenn der Input genauso viel wert ist wie der Output? Wieso fangen sie plötzlich an zu spekulieren?
      Die mathematischen Modelle können Sie vergessen, damit können Sie Schätzungen machen, aber nicht das System verstehen. Sie müssen untersuchen, wie Menschen sich verhalten. Dazu müssen Sie annehmen, dass Menschen aus bestimmten Gründen produzieren- hier würde das bedeuten, Produktion findet nur statt wenn die eingesetzten Mittel geringer bewertet werden als der Output. Leider werden sie an diese Werte nicht so leicht rankommen, weil es sich um subjektive Annahmen handelt(*) – der Unternehmer produziert also schon, wenn er DENKT, dass das Ergebnis mehr wert sein wird als der Einsatz. Und da verstecken sich eine Menge böser Fallen… am besten ist es das Modellieren ganz sein zu lassen.
      (*Schauen Sie in Kapitel 3 von dem hier, da geht es um die subjektive Wertelehre : http://docs.mises.de/Menger/Menger_Grundsaetze.pdf )

      Sie können mit Regelungen in der Realität nichts erreichen, weil es keine objektiven Werte gibt (*), von denen Sie diese ableiten könnten um bspw. festzustellen wann Sie in einer Spekulationsblase sind. Das impliziert aber nicht, dass der Kapitalismus sehr krisenanfällig wäre – eine Krise tritt auf, wenn sehr viele Unternehmer sich gleichzeitig in ihrer Einschätzung der Nachfrage auf dem Markt und der Kreditbedingungen geirrt haben. Nur dann fangen die Menschen an, panisch Bargeld zu horten, was die Krisen sehr destruktiv macht. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist nicht sehr hoch – mächtige Akteure wie Zentralbanken oder Staaten sind jedoch in der Lage so massiven Einfluss auf das Wirtschaftssystem auszuüben (mit ihren „Regelungen“), dass sie diese Krisen selbstständig produzieren können (und es auch tun).

      • Bernhart sagt:

        >
        >Ich verstehe nicht wirklich, was mit dem Modell gezeigt
        >werden soll.
        >
        Es soll an dem Modell gezeigt werden, daß der Kapitalismus systemimmanent Krisen produziert.

        >
        >Wieso produzieren die Unternehmen, wenn der Input
        >genauso viel wert ist wie der Output?
        Vermutlich weil sie langfristig darauf spekulieren, daß das Verhältnis besser wird.

        >
        >Wieso fangen sie plötzlich an zu spekulieren?
        >
        Warum plötzlich?
        Jeder Unternehmer spekuliert immer.
        Er weiß ja nicht vorher (sondern erst nach der Produktion der Waren), ob diese auch verkauft werden.

        >
        >Die mathematischen Modelle können Sie vergessen,
        >damit können Sie Schätzungen machen, aber nicht das
        >System verstehen.
        >
        Das sehe ich anders. In der gesamten Wissenschaft werden Modellbildungen verwendet.
        An einfachen Modellen und Rechnungen kann man Einiges verstehen.
        Später kann man die Modelle komplexer werden lassen.

        >
        >Sie müssen untersuchen, wie Menschen sich verhalten.
        >Dazu müssen Sie annehmen, dass Menschen aus
        >bestimmten Gründen produzieren
        >
        Ja, dazu wurde hier ja schon Einiges gesagt.

        >
        >der Unternehmer produziert also schon, wenn er DENKT,
        >dass das Ergebnis mehr wert sein wird als der Einsatz. Und >da verstecken sich eine Menge böser Fallen…
        >
        Ja, denn beim Spekulieren kann man verlieren.
        Das sieht man in jedem Spielkasino.

        >
        >Sie können mit Regelungen in der Realität nichts erreichen,
        >weil es keine objektiven Werte gibt (*), von denen Sie diese
        >ableiten könnten um bspw. festzustellen wann Sie in einer
        >Spekulationsblase sind.
        >Das impliziert aber nicht, dass der Kapitalismus sehr
        >krisenanfällig wäre
        Doch, weil man durch spekulieren und zocken keine Regelung bestimmter Systemparameter hinbekommt.
        Zum Beispiel kann man durch eine reine Zufallsschaltung i.A. keine Zimmertemeperatur regeln.

        >
        >Nur dann fangen die Menschen an, panisch Bargeld zu
        >horten, was die Krisen sehr destruktiv macht. Die
        >Wahrscheinlichkeit dafür ist nicht sehr hoch – mächtige
        >Akteure wie Zentralbanken oder Staaten sind jedoch in der
        >Lage so massiven Einfluss auf das Wirtschaftssystem >auszuüben (mit ihren „Regelungen“), dass sie diese Krisen
        >selbstständig produzieren können (und es auch tun).
        >
        Bitte nicht die die hier hochgeschätzten _privaten_ Geschäftsbanken vergessen (Giralgeldschöpfung), die zum Kapitalismus dazugehören und an Spekulationsblasen mitwirken (bzw. erzeugen?)

        Ich suche immer noch ein Modell (bzw. Modellannahmen) eines _krisenfreien_ kapitalistischen Wirtschaftssystems.

        Oder wie muß ein kapitalistisches Wirtschaftssystem „konfiguriert“ werden, damit es krisenfrei arbeitet und was macht dich dabei so sicher (Beispielrechnungen oder einfache Modellannahmen, an denen man das nachvollziehem kann), daß es auch krisenfrei ist?

        mfg
        Bh

        • Stefan sagt:

          Die Antwort ist: Ihr Modell stimmt nicht, es ist falsch.

          In Ihrem Modell setzen Sie einen ständigen Wirtschaftswachstum voraus. Den benötigt der Kapitalismus aber ganz und gar nicht, auch wenn Ihnen Sozialisten immer etwas anderes erzählen. Kapitalismus (freie Marktwirtschaft und Recht auf Eigentum) funktioniert auch bei Stagnation und auch bei Rezession.

          Der grundsätzliche Fehler in Ihrem Modell:
          In Ihrem Modell wird suggeriert, dass durch bereits erzielte Gewinne immer mehr Gewinne erzielt werden müssen. Das stimmt natürlich nicht.

          Ein paar Grundlagen für ein besseres Modell der Volkswirtschaft:
          Alles was wir produzieren hat eine bestimmte Lebenszeit. Also Nahrung ist nachdem man sie gegessen hat weg und dann muss neue Nahrung produziert werden. Jede Maschine jedes Haus einfach alles hat eine bestimmte Lebenszeit, danach muss es entweder repariert oder neu produziert werden.
          Also der Wohlstand einer Gesellschaft stellt sich ein auf die Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft (Leistung aus der Physik ist Arbeit pro Zeit, übertragen auf die Volkswirtschaft wäre das z.B. produzierte Produkte pro Zeit).
          Um etwas zu produzieren muss man vorher investieren und damit sich eine Investition lohnt muss mehr herausspringen als man reingesteckt hat. Es muss also Gewinn erzielt werden, andernfalls hätte man die Investition besser gleich bleiben lassen können.
          Jetzt kommt der Punkt, an dem vor allem Sozialisten aussteigen. Woher kommt dieser ständige Gewinn und warum wird trotz ständigem Gewinn nicht alles immer mehr so wie in Ihrem Modell?

          Achtung jetzt kommt die unfassbare Realität 🙂
          Das Leben auf der Erde funktioniert so. Die Sonne strahlt ständig Energie auf die Erde. Mit Hilfe dieser Energie wachsen Pflanzen und diese werden von Tieren gegessen und wir Menschen essen Tiere und Pflanzen. Das ist alles Sonnenenergie die wir aufnehmen. Diese aufgenommene Energie benutzen wir um irgendetwas zu produzieren, wir arbeiten. Das Ergebnis der Arbeit wird als wirtschaftlicher Gewinn bezeichnet.
          Also der ständige Gewinn, der auch immer wieder vergeht (siehe oben die Lebenszeit aller Produkte), kommt zu einem großen Teil von der Sonne.

          Daraus folgt auch, dass selbst in einer stagnierenden Volkswirtschaft und auch sogar einer schrumpfenden Volkswirtschaft, alle Investitionen Gewinne erzielen können!

          Fazit: Ein gutes Modell der Volkswirtschaft muss berücksichtigen, dass ein Teil des ständigen Energiezuflusses in ein für den Menschen nützlichen Gewinn umgewandelt werden kann und alle Gewinne und alle Investitionen eine bestimmte Lebenszeit haben und immer wieder durch neue ersetzt werden müssen.
          In Ihren Modell oben kommt das nicht vor und deswegen ist es fehlerhaft.

          • Stefan sagt:

            Nachtrag zum besseren Verständnis:

            In Ihrem fehlerhaften Modell oben kumulieren sich die Gewinne in jedem Schritt. Daraus folgern Sie, die Gewinne gehen gegen unendlich, sie explodieren, was nicht möglich ist und es deshalb immer wieder zu Krisen kommt.
            In Wirklichkeit befinden sich aber die Gewinne und das vergehen oder verbrauchen der Gewinne immer im Gleichgewicht. Also erzielter Gewinn = verbrauchter Gewinn.
            Wenn die Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft steigt, dann erhöht sich der Gewinn und in gleichem Maße erhöht sich auch der Verbrauch.

            Ich drücke es mal nett aus. Ihr Modell oben ist Larifari Mumpitz. Das ist übrigens der gleiche Mumpitz den schon Karl Marx fabriziert hat. Die Folgen dieser fehlerhaften Betrachtung unserer Wirtschaft waren Hundert Millionen Tote und Hunderte Millionen Menschen wurden Jahrzehnte lang ihrer kompletten Freiheit beraubt. Und das alles wegen einem fehlerhaften Modell.
            Karl Marx war ein volkswirtschaftlicher Trottel.

          • Bernhart sagt:

            Hallo Stefan,
            1)
            >
            >Ein paar Grundlagen für ein besseres Modell der
            >Volkswirtschaft:
            >Alles was wir produzieren hat eine bestimmte Lebenszeit.
            >Also Nahrung ist nachdem man sie gegessen hat weg und
            >dann muss neue Nahrung produziert werden.
            >Jede Maschine jedes Haus einfach alles hat eine bestimmte Lebenszeit,
            >danach muss es entweder repariert oder neu produziert werden.
            >

            Das berücksichtige ich in meinem Modell durch den Konsum.
            Konsumieren bedeutet, daß nach einem bestimmten Zeitraum das Produkt physikalisch nicht mehr vorhanden ist (Nahrungsmittel: kurze Lebenszeit, langlebige Anlageobjekte: lange Lebenszeit).
            siehe A3) in meinem Posting:
            A3) Jeder Unternehmer macht aus Wareneinsatz im Wert von X einen Warenoutput (d.h. Waren, die er alle verkauft) von 2X.
            Genauer: Von dem Wareneinsatz X konsumiert er einen Teil (z.B. essen, trinken) bzw. legt ihn als langlebige Anlageobjekte (z.B. Haus, Gold) an. Und von dem was noch übrigbleibt (= X – Konsum) produziert er Waren im Wert von 2X.

            2)
            >
            >Um etwas zu produzieren muss man vorher investieren und
            >damit sich eine Investition lohnt muss mehr herausspringen
            >als man reingesteckt hat. Es muss also Gewinn erzielt werden,
            >andernfalls hätte man die Investition besser gleich bleiben lassen können.
            >

            Das mache ich doch:
            Output = 2X
            Input = X-Konsum
            also Output > Input
            Bei jedem Iterationsschritt häufen sich die Gewinne an (Das Konto der Unternehmer wächst).
            Wenn dies nicht vorausgesetzt wird, machen die Unternehmer auf Dauer Verluste und das Modell wird krisenbehaftet.

            Aber diese 2 Annahmen (Konsum und Output > Input) in dem Modell werden auch von der Mehrheit der Kapitalismusverfechter gemacht.
            Willst du denen dann auch die 10 hoch 8 Toten in die Schuhe schieben ?

            3)
            >
            >Daraus folgt auch, dass selbst in einer stagnierenden
            >Volkswirtschaft und auch sogar einer schrumpfenden
            >Volkswirtschaft, alle Investitionen Gewinne erzielen
            >können!
            >
            Das bezweifle ich.
            Ich bitte um eine Modellrechnung.
            Mfg
            Bh

          • Stefan sagt:

            „Das bezweifle ich. Ich bitte um eine Modellrechnung.“

            Spaßvogel. Ich versuchs mal auf die schnelle. In der klassischen Volkswirtschaft wurden aber schon vor 100 Jahren entsprechende Gleichgewichtsfunktionen aufgestellt. Da kannst du das bestimmt irgendwo nachlesen. Also hab jetzt keine Lust das nachzuschauen. Aber im Groben könnte das wie folgt aussehen.

            Output > Input;
            und
            Output = Konsum;
            Gesamtvolkswirtschaftlich betrachtet gibt es da keinen Unterschied ob der Produzent den Output verbraucht oder er selber nur einen Teil verbraucht und den anderen Teil investiert. Wenn er investiert verbraucht eben ein anderer diesen Teil vom Output. Also könnte man nicht nur den Gewinn als Konsum bezeichnen, sondern den gesamten Output. Man könnte es natürlich auch so betrachten, dass eine Maschine einen Teil vom Output wieder verbraucht (z.B. gefördertes Erdöl). Müsste man sauber definieren und auseinanderfieseln.

            Eine Investition:
            Gewinn = Output – Input;
            Gewinn > 0;
            Diese Differenz ist durch den permanenten Energiezufluss möglich(Sonne, Erdöl etc.)

            Eine Gleichgewichtsfunktion für die Volkswirtschaft:

            O(I) – I(t) = G(t)

            I: Summe aller Investitionen
            O: Output aller Investitionen
            G: Summe aller Gewinne
            t: Zeit

            Stagnierende Volkswirtschaft:
            Die Summe aller Investitionen bleibt über die Zeit t konstant.
            I(t) = konstant
            G(t) = konstant
            O(I) = konstant = Verbrauch oder Konsum
            Jede einzelne Investition macht Gewinne und alles wird mit der Zeit verbraucht.

            Schrumpfende Volkswirtschaft:
            Die Summe aller Investitionen geht zurück.
            I(t0) > I(t1)
            Alle Investitionen zu den Zeitpunkten t0 und t1 machen Gewinne.
            G(t0) > 0
            G(t1) > 0
            Aber die Summe aller Gewinne geht mit der Zeit zurück.
            G(t0) > G(t1)
            Also die Volkswirtschaft schrumpft.

            Bist du damit zufrieden? Da steht jetzt das gleiche was ich oben schon geschrieben habe. Daraus irgendwelche Differentialgleichungen zu bilden und diese dann auch noch zu lösen überlasse ich dir. Das schaffst du.
            Es kann natürlich auch sein, dass nicht mal ein Nobelpreisträger mit einem IQ von 200 die Differentialgleichung lösen kann. Dann kannst du nur so numerisch rumsimulieren. So mit Schirtt 1,2,3, so wie du oben. Dann musst du nur beachten, dass bei solchen nummerischen Simulationen bei jedem Schritt ein kleiner Fehler gemacht wird. Umso länger die Simulation läuft, desto Größer wird dann dein Fehler. Also wenn dann deine Simulation mit der Zeit auseinanderfliegt, z.B. die Gewinne explodieren, dann muss nicht unbedingt das zu Grunde liegende Modell falsch sein. Das liegt dann nur an deiner nummerischen Simulation.
            Aber das weißt du ja bestimmt alles, wenn du dich damit beschäftigt hast, oder?

          • Bernhart sagt:

            Hallo Stefan,
            1)
            >
            >In Ihrem fehlerhaften Modell oben
            >kumulieren sich die Gewinne in jedem
            >Schritt. Daraus folgern Sie, die Gewinne
            >gehen gegen unendlich, sie explodieren,
            >was nicht möglich ist und es deshalb immer
            >wieder zu Krisen kommt.
            >
            Die Gewinne gehen nicht gegen unendlich.
            Wenn man unter Gewinn G vereinfacht
            G = Output / Input
            versteht, dann gilt bei den Iterationsschritten in meinem Modell:
            G2= 4W/(2W-K)
            G3 = 8W/(4W-K)
            G4 = 16W/(8W-K)
            usw.
            Wenn der Konsum K > 0 konstant angenommen wird, dann ist die Folge
            G2, G3, G4. G5, ….
            monoton _fallend_ und geht gegen 2
            D.h. die Gewinne fallen.

            2)
            Wenn dir das nicht genügt, dann kannst du in dem Modell den Faktor 2 bei jeder Iteration auch kleiner werden lassen.
            Hauptsache der Gewinn ist größer 1.

            3)
            Wenn du also mit Stagnation nur meinst, daß Gewinne kleiner werden (aber >1), dann funktioniert mein Modell.
            Dass Gewinne kleiner (aber >1) werden können, bezeichne ich aber nicht als Krise.

            mfg
            Bh

          • Bernhart sagt:

            Nachtrag
            Hallo Stefan,
            1)
            >>
            >>Daraus folgt auch, dass selbst in
            >>einer stagnierenden Volkswirtschaft >>und auch sogar einer schrumpfenden
            >>Volkswirtschaft, alle Investitionen
            >>Gewinne erzielen können!
            >>
            >Das bezweifle ich.
            Ich ziehe diese letzte Aussage („Das bezweifle ich“) zurück, da ich jetzt verstanden habe, was du meinst.

            2)
            Ich will hier aber trotzdem nochmal auf eine „Kritik des Gleichgewichts“ von Ortlieb verweisen;
            1) Seite von H.Ortlieb
            http://www.math.uni-hamburg.de/home/ortlieb/

            2) Der eine Artikel auf der o.g. Seite
            http://www.math.uni-hamburg.de/home/ortlieb/Exit1CPOMarktMaerchen.pdf

            3) Der andere Artikel auf der o.g. Seite
            http://www.math.uni-hamburg.de/home/ortlieb/hb18MethFehlerVWL.pdf

            Mfg
            Bh

        • rote_pille sagt:

          Die privaten Geschäftsbanken schöpfen kein Geld, sondern Geldforderungen. Ohne die Zentralbank sind sie nicht in der Lage, die Menge an sofort fälligen Forderungen gegen sie auszuweiten, weil sie einen Run befürchten müssen, bei dem sie untergehen oder sich große Verluste beim Panikverkauf von Vermögenswerten einfangen würden, wenn die Menschen zu große Mengen Giralgeld einlösen wollen.

          • Bernhart sagt:

            Hallo rote_pille,
            >
            >Ohne die Zentralbank sind sie nicht in der Lage,
            >die Menge an sofort fälligen Forderungen gegen
            >sie auszuweiten, weil sie einen Run befürchten
            >müssen, bei dem sie untergehen oder sich große
            >Verluste beim Panikverkauf von Vermögenswerten
            >einfangen würden, wenn die Menschen zu große
            >Mengen Giralgeld einlösen wollen.
            >
            1)
            Verursachen die Zentralbanken die Krisen im Kapitalismus?

            2) Wenn ja, willst du diese abschaffen und wie soll das dann funktionieren?
            Welche Währung, usw?
            Ich bitte um Aufklärung.

            mfg
            Bh

          • rote_pille sagt:

            1) Ja, abschaffen.
            2) Die Währung wird frei gewählt. Es können bspw. dezentral Waren gelagert und darauf Zertifikate ausgegeben werden. Ein Beispiel wäre ein Depot für Edelmetalle, welches elektronische Guthaben für seine Benutzer und somit einen Zahlungsverkehr ermöglicht. Die Depotanbieter würden sich in Sachen Zahlungsverkehr von alleine schnell vernetzen um einen größeren Markt anzusprechen. Die Wahrscheinlichkeit von Betrug wäre sehr gering, weil die Depotanbieter, die die größte Transparenz die meisten Kunden anziehen würden.

          • rote_pille sagt:

            Zentralbanken sind eine große Störung im System. Ihre Zinsentscheidungen wirken wie Preiskontrollen (ich empfehle hiervon das Kapitel „Interventionismus“ zu lesen:
            http://www.mises.de/public_home/article/70/2 )
            Wenn man einen Kredit aufnimmt, dann tauscht man „zukünftige Güter“ (=das zurückgezahlte Geld) gegen „gegenwärtige Güter“ (=das geliehene Geld). Der Zins (Risiko ausgenommen) ist die Differenz der Wertschätzung dieser beiden Güterarten, sozusagen der Preis für die Zeit, die der Kreditnehmer durch die Kreditaufnahme erwirbt (er kann sein Projekt dank Kredit früher ermöglichen). Wenn eine Zentralbank daran rumpfuscht, oder den Banken durch ihre Möglichkeit Geld zu schaffen die Möglichkeit gibt, ihr Giralgeld in den Augen des Publikums als stets verlässlich darzustellen, beschädigt sie diesen Markt und verursacht die Krisen. Da ein großer Teil der Wirtschaft von Krediten abhängig ist, entstehen dadurch große Wirtschaftskrisen. Die Zentralbanken sind aber nicht schuld an jedem Übel im Land: die Massenarbeitslosigkeit geht zu einem großen Teil auf das Konto der staatlichen Einmischung in den Arbeitsmarkt und die Lohnpolitik zurück (der Rest ist der Finanzpolitik zu verdanken), die Medikamente sind teuer weil die Staaten Patente (=intellektuelle Monopole) verleihen, im Bildungssystem gibt es keinerlei Wettbewerb, etc. etc.

      • Christian sagt:

        >>In Ihrem Modell wird suggeriert, dass durch bereits erzielte Gewinne immer mehr Gewinne erzielt werden müssen. Das stimmt natürlich nicht.

        Ich würde eher sagen, Stefan, dass sich auf Dauer die eingesetzten Investitionen rentieren sollten, d.h. es muss mehr bei rumkommen als eingesetzt worden ist. Sonst häufen sich Schulden an bzw. Kredite, die nicht mehr abbezahlt werden können. Ob dabei auch die gute Sonne hilft?

        >>In Ihrem Modell setzen Sie einen ständigen Wirtschaftswachstum voraus. Den benötigt der Kapitalismus aber ganz und gar nicht, auch wenn Ihnen Sozialisten immer etwas anderes erzählen. Kapitalismus (freie Marktwirtschaft und Recht auf Eigentum) funktioniert auch bei Stagnation und auch bei Rezession.

        Recht auf Eigentum und freie Marktwirtschaft funktionieren auch bei Stagnation oder Rezession. Klar. Aber wie sieht ein Kapitalismus aus, der kein Wirtschaftswachstum mehr kennt? Diese Sonnen-Kapitalismus-Theorie ist ja gut und schön, aber das Tolle am Kapitalismus ist doch einfach, dass er Wohlstand schafft, der anders aussieht als dass alle paar Jahre mal eine neue Waschmaschine gekauft wird… Urlaubsreisen zu exotischen Zielen, Zweitauto, größerer Fernseher, Smartphones, Tablets etc. pp. Insgesamt gibt es natürlich immer wieder Phasen der Rezession (wie immer diese Krisenhaftigkeit auch erklärt werden mag), aber der Trend zu wirtschaftlicher Expansion durch kapitalistische Güterproduktion scheint mir unbestreitbar.

        >>Oder wie muß ein kapitalistisches Wirtschaftssystem „konfiguriert“ werden, damit es krisenfrei arbeitet und was macht dich dabei so sicher (Beispielrechnungen oder einfache Modellannahmen, an denen man das nachvollziehem kann), daß es auch krisenfrei ist?

        Bernhart, die Theorie des freien Marktes geht davon aus, dass sich immer wieder ein Gleichgewicht einstellt, das schwere Krisen verhindert. Angebot und Nachfrage gleichen sich aus. Wo dies vorübergehend nicht geschieht, nimmt der Markt selbst einen Ausgleich vor, da dauerhaft ohne Nachfrage kein Angebot geschaffen werden kann und Nachfrage immer zu einem Angebot führt, wenn dies irgend möglich ist und sich rechnet. Hier gibt es mMn auch schon einige Probleme, die z.B. daraus resultieren, dass bestimmte Nachfragen nicht reichen, damit sich ein bestimmtes Angebot rechnet. Dann wird es aber vermutlich kleinere Angebote geben, sofern Aussicht besteht, dass diese sich rechnen usw.

        Das hat mit einer „Zufallsschaltung“ nichts zu tun. Wenn der Markt keine eigenen Gesetze kennen würde, sondern vollkommen undurchschaubar und willkürlich wäre, dann wäre allerdings jegliche Idee vom freien Markt hinfällig und eine Konfigurierung unabdingbar. So aber sehe ich die Notwendigkeit einer Konfigurierung nur da, wo die Menschen selbst beschließen, an die Stelle des Marktes eine Planung zu setzen, weil sie dies für wünschenswert halten. Wenn z.B. in ländlichen Gebieten die Nachfrage nach Busverbindungen zu gering ist, um einen regelmäßigen Verkehr zu gewährleisten, der durch Fahrkartenverkauf gedeckt ist, könnten die Menschen in diesem Raum beschließen, dass sie gemeinsam Geld zusammen legen, um den Betrieb einer Buslinie weiter aufrecht zu halten.

        Ob aber ein freier, unregulierter Kapitalismus wirklich krisenfrei funktionieren würde, kann ich überhaupt nicht sagen. Die bestehenden Wirtschaftssysteme, die auf einer kapitalistischen Basis beruhen, zeigen sich krisenanfällig. Aber ob dies am Kapitalismus selbst liegt (wie Marx etwa vermutet hat) oder ob dies an staatlichen Eingriffen in die Wirtschaft liegt (wie man systemtheoretisch, aber auch aus marktliberaler Sicht vermuten könnte), weiß ich nicht. Man müsste es überprüfen…

        • Stefan sagt:

          „Recht auf Eigentum und freie Marktwirtschaft funktionieren auch bei Stagnation oder Rezession. Klar. Aber wie sieht ein Kapitalismus aus, der kein Wirtschaftswachstum mehr kennt?“
          In der Stagnation werden ausgelaufene Investitionen durch exakt die gleichen Investitionen ersetzt. Das kann ewig so weiter gehen. Also so lange die Sonne scheint 😉
          Wenn die Wirtschaft insgesamt schrumpft, gehen einfach die Menge der Investitionen zurück, aber jede einzelne Investition für sich kann trotzdem Gewinne erzielen.

          „aber der Trend zu wirtschaftlicher Expansion durch kapitalistische Güterproduktion scheint mir unbestreitbar.“
          Nein, das ist ja genau der Fehlschluss. Der Drang nach Expansion kommt z.B. durch die Gier der Menschen oder einiger weniger Menschen, aber nicht durch den Kapitalismus. Was ich dem Bernhart versucht habe damit zu erklären ist eben, dass die Krisenhaftigkeit NICHT Systemimmanent im Kapitalismus liegt. Wirtschaftliche Krisen können durch Naturkatastrophen hervorgerufen werden oder durch unsinniges handeln der Menschen. Am Ende der Tulpenzwiebel-Blase wurde einer einzigen Zwiebel der Wert eines ganzen Hauses beigemessen. Nachdem diese Blase geplatzt ist wusste man, das war ziemlich doof so zu handeln.
          Aber die mit großem Abstand am meisten unsinnigen Handlungen werden durch den Staat fabriziert. Der produziert auch die meisten und größten Krisen.

          „Diese Sonnen-Kapitalismus-Theorie..“
          Was ich beschrieben habe ist einfach nur die Realität. Diese Realität gilt exakt ganz genauso auch im Sozialismus oder in jedem anderen System welches man sich ausdenkt.
          Man kann die Realität nicht durch ein System überlisten. Man kann nur das beste aus der Realität machen. Wenn man die Realität allerdings falsche sieht, so wie das Bernhart oder Karl Marx in ihren Modellen gemacht haben, ist es unwahrscheinlich das man das beste aus der Realität macht.
          (Der Kürze wegen habe ich den Energiefluss auf die Sonne beschränkt. Die letzten Millionen Jahre hat der Mensch und alles andere Leben nur ausschließlich von der Energie der Sonne gelebt. Seit der industriellen Revolution kommt noch die Nutzung der Energie von Kohle, Erdöl und Erdgas hinzu. Diese Energie kann man aktuell dem für den Menschen nutzbaren Energiezufluss einfach dazu rechnen.)

        • Bernhart sagt:

          Hallo Christian,
          >
          >Bernhart, die Theorie des freien Marktes geht davon
          >aus, dass sich immer wieder ein Gleichgewicht einstellt,
          >das schwere Krisen verhindert.
          >Angebot und Nachfrage gleichen sich aus. Wo dies
          >vorübergehend nicht geschieht, nimmt der Markt selbst
          >einen Ausgleich vor, da dauerhaft ohne Nachfrage kein
          >Angebot geschaffen werden kann und Nachfrage
          >immer zu einem Angebot führt, wenn dies irgend
          >möglich ist und sich rechnet.
          >

          >Ob aber ein freier, unregulierter Kapitalismus wirklich
          >krisenfrei funktionieren würde, kann ich überhaupt
          >nicht sagen.
          >vermuten könnte), weiß ich nicht.

          >
          >Man müsste es überprüfen…
          >

          Zu dem Marktgleichgewicht mit den dazu benötigten Annahmen hat H.Ortlieb (jetzt im Ruhestand) vom „Zentrum für Modellierung und Simulation“ in Hamburg mehrere kurze und lesenswerte Artikel geschrieben, mit denen man sich unbedingt auseinadersetzen sollte. Ich habe die vor längerer Zeit gelesen, habe sie aber im Gedächtnis nicht mehr parat.
          Hier die Seite von H. Ortlieb und den Artikeln oder direkt die Artikel:
          1) Seite von H.Ortlieb
          http://www.math.uni-hamburg.de/home/ortlieb/

          2) Der eine Artikel auf der o.g. Seite
          http://www.math.uni-hamburg.de/home/ortlieb/Exit1CPOMarktMaerchen.pdf

          3) Der andere Artikel auf der o.g. Seite
          http://www.math.uni-hamburg.de/home/ortlieb/hb18MethFehlerVWL.pdf

          PS:
          Auf der Seite von H.Ortlieb gibt es auch noch andere Artikel

          mfg
          Bh

          • Christian sagt:

            Und was ist mit welcher Begründung die Quintessenz dieser Artikel?

          • Bernhart sagt:

            Hallo Christian,
            Du fragst nach dem Sinn der Artikel von C. P. Ortlieb. Hier meine Antwort:

            1)
            C.P. Ortlieb will mit seinen Artikeln zeigen, daß dieses Gleichgewicht nur unter bestimmten Annahmen gilt. Da diese Annahmen oft nicht gelten oder einfach so angenommen werden, kann man dann den (mathematisch bewiesenen) ”Gleichgewichtssatz” nicht zur Begründung eines Gleichgewichts verwenden. Aber vielen Ökonomen ist es egal, ob diese Annahmen zutreffen.
            Sie benutzen trotzdem diesen Satz, um die ”Harmonielehre des Marktes” zu propagieren und das ”Funktionieren” des Kapitalismus ideologisch zu rechtfertigen.

            2)
            Hier (auf dieser Seite der Voluntaristen) wird verbal begründet, warum das reine kapitalistische System sich ”selbst reguliert”
            Zitate dazu:
            ”So sorgt auch der Geldmarkt mit dem Zins als seinem Preissystem für eine Selbstregulierung.”
            ”In kleinen Wellenbewegungen wird sich dieses System immer ausgleichen.”

            Bernhart, die Theorie des freien Marktes geht davon aus, dass sich immer wieder ein Gleichgewicht einstellt, das schwere Krisen verhindert.

            Leider reichen rein _verbale_ Beschreibungen (und seien sie auch noch so leicht einzusehen, dem Alltagserleben entnommen und plausibel zu sein) nicht für die Begründung einer Selbstregulierung aus.

            Dazu ein Beispiel:
            In einem Kinderheim sind die Masern ausgebrochen. Jeden Tag wird sich die Anzahl der kranken Kinder erhöhen, weil nicht zu vermeiden ist, dass kranke und gesunde Kinder miteinander Kontakt haben.
            Die Anzahl der kranken Kinder am Tag i+1 (mit a(i+1) bezeichnet) hängt einerseits von der Anzahl der bereits kranken Kinder am Vortag i (mit a(i) bezeichnet) ab. Je mehr kranke Kinder es am Tag i hat, desto mehr kranke Kinder hat es einen Tag später.
            Die Anzahl der kranken Kinder am Tag i+1 hängt auch von der Anzahl der noch gesunden Kinder am Vortag i ab, denn es ist kein Zuwachs mehr möglich, wenn alle Kinder krank im Bett liegen.
            Also haben wir hier auch eine Art Selbstregulierung:
            Je mehr sich angesteckt haben, um so weniger hat es noch Kinder die sich neu anstecken können. (Wenn 30% krank sind, sind noch 100%- 30% gesund).
            Wenn man dies wie folgt formalisiert, ergibt sich die sogenannte Verhulst-Folge:
            a(i+1)= a(i) *(1-a(i)) * k
            wobei k eine Konstante ist.
            Wenn also a(i) bzw. a(i+1) gegen einen Grenzwert g gehen, dann gilt:
            g = g*(1-g) *k
            Durch Umformung kann man damit den Grenzwert g bestimmen und man hat seine intuitive
            Vorstellung mathematisch bestätigt bekommen.
            Leider ist diese naive Vorstellung _falsch_.
            Diese Verhulst-Folge hat es nämlich in sich:
            In Abhängigkeit des Wertes der Konstanten k, kann es einen oder mehrere Grenzwerte (das heißt dann genau genommen Häufungswerte – das bedeutet, daß das System zwischen mehreren Werten schwankt und alles andere als stabil ist) geben, bzw. die Folge (ab einem kritischen Wert von k) ”chaotisch” werden (”deterministisches Chaos), was dann mit einem Gleichgewicht gar nichts mehr zu tun hat.
            Meines Wissens kann es in nicht linearen Systemen (wie z.B. bei der Verhulst-Folge) chaotisches Verhalten geben.
            Deswegen reichen rein verbale, intuitiv einsichtige Beschreibungen nicht aus, um ein Gleichgewicht zu begründen.

            mfg
            Bh

          • Christian sagt:

            Ich finde es – vorsichtig formuliert – nicht ganz unproblematisch, Beobachtungen aus einem Systemzusammenhang (Gesundheit) in einen anderen (Wirtschaft) zu übertragen. Analogieschlüsse können veranschaulichen, aber nur, wenn die Basis der Beobachtung stimmt.

          • rote_pille sagt:

            Der Markt ist niemals im Gleichgewicht. Er strebt nur auf ein Gleichgewicht zu, wobei das GG ein Zustand ist, in dem keine weitere Handlung ökonomisch Sinn ergibt. Das kann man beweisen indem man sich vorstellt, man wäre im GG und dann die Reaktion auf eine einzige Datenänderung betrachtet. Es folgt immer, dass der Markt wegen dem Gewinninteresse der Individuen in ein neues GG zurückkehrt.
            Das GG-Modell soll nicht zeigen, OB der Kapitalismus „funktioniert“, denn die Frage wäre dann, für WEN er „funktioniert“, sondern WIE er funktioniert. Aus der Kenntnis der Funktionsweise können Sie dann schließen, dass es sehr unwahrscheinlich ist dass Krisen auftreten, denn Krisen sind nichts anderes als die plötzliche Erkenntnis, dass massiv fehlinvestiert wurde. Außerdem gibt es dann enorme Zinsschwankungen.
            Aus dem GG-Modell kann man nicht die Unmöglichkeit von Krisen herleiten – es kann sein, dass diese heftigen Schwankungen auf eine Änderung der Daten zurückgehen – das ist aber extrem unwahrscheinlich, weil keine bahnbrechenden Erfindungen gemacht wurden und selbst diese nie solche Verwerfungen nach sich zogen. Daraus schließt man dann, dass es vorteilhaft wäre die Marktakteure selbst zu untersuchen. Und der größte Marktakteur, der sich auch noch das Recht nimmt, mit Gewalt zu agieren (und damit die Marktlogik außer Kraft setzt) ist der Staat mit seinen Institutionen.

          • Stefan sagt:

            Der Mann hat nicht mal einen Wikipediaeintrag. Lies doch besser Texte und Bücher von renommierten und guten Leuten wie Hayek, Mises, Rothbard.

            Zitat Ortlieb:
            „…mit der heutzutage u.a. die neoliberale Arbeits-
            marktpolitik begründet wird…“
            Wer bei 50% Staatsquote und 250.000 Vorschriften das Wort „liberal“, egal in welcher Kombination, in den Mund nimmt, ist extrem Fakten- und Realitätsresistent.

            Ich vermute mal das ist einer dieser vielen sozialistisch, ideologisch verblendeten Pseudoökonomen. Seine Kritik an den Gleichgewichtsmodellen ist ja vollkommen lächerlich.
            Beispiel:
            Er mokiert sich darüber, dass in einer grundlegenden Überlegung, die Angebots- und Nachfragekurven monoton fallen/steigen. Schau mal darauf wie die Achsen in diesen Modellen skaliert sind. Nämlich gar nicht. D.h. die Kurven können irgendwie laufen. Das wird in dem Modell nicht vorgegeben.
            Der werte Herr Professor hat also noch nicht mal Stoff aus dem ersten Semester verstanden. Davon gibt es in Deutschland viele. Also lies doch lieber gute Literatur, als deine Zeit mit so einem Quatsch zu verschwenden.

          • Bernhart sagt:

            @ Stefan,
            #Zitat Stefan#
            Ich vermute mal das ist einer dieser vielen sozialistisch, ideologisch verblendeten Pseudoökonomen.
            #Ende Zitat Stefan#

            Ich vermute, daß Ortliebs Aufassungen und deine Ansichten konträr zueinander sind.
            Ich finde es aber gut, wenn jemand (z.B. so wie du) seine politischen Ansichten formuliert und nicht – wie oft in TV-Diskussionen – als unparteiischer, neutraler Experte vorgestellt wird, der – hoch über der Sache stehend – die absolute Wahrheit verkündet, die keine Alternative kennt.
            Allerdings kenne ich mittlerweile – nachdem du dich mehrfach dazu geäußert hast – deine Abneigung der politischen Linken und hoffe dass dies nicht zu einer “persecution mania“ ausartet und du dann nicht mehr als Diskussionspartner zur Verfügung stehen kannst (insbesondere korreliert vorpupertärer Cannabis-Abusus – den ich dir aber nicht unterstelle – stark mit schizophrener Paranoia).

            #Zitat Stefan#
            Seine Kritik an den Gleichgewichtsmodellen ist ja vollkommen lächerlich.
            Beispiel:
            Er mokiert sich darüber, dass in einer grundlegenden Überlegung, die Angebots- und Nachfragekurven monoton fallen/steigen. Schau mal darauf wie die Achsen in diesen Modellen skaliert sind. Nämlich gar nicht. D.h. die Kurven können irgendwie laufen. Das wird in dem Modell nicht vorgegeben.
            #Ende Zitat Stefan#

            Die Achsen wurden nicht skaliert, was aber keine Auswirkung auf seine Aussagen hat (auf beschrifteten x-Achsen steht normalerweise eine kleinere Zahl links vor der größeren Zahl; analoges gilt für die y-Achse; aber davon ist auszugehen).
            Die Kurven können also (unter dieser Voraussetzung) nicht “irgendwie“ laufen.
            Außerdem:
            Die Formalisierung eines mathematischen Sachverhaltes benötigt keine Veranschaulichung in Form von Kurven. Die Kurven dienen dem Verständnis und das ist aber auch schon alles.

            #Zitat Stefan#
            Der werte Herr Professor hat also noch nicht mal Stoff aus dem ersten Semester verstanden. Davon gibt es in Deutschland viele. Also lies doch lieber gute Literatur, als deine Zeit mit so einem Quatsch zu verschwenden.
            #Ende Zitat Stefan#

            Du machst es dir da allzu leicht und schadest “deiner Sache“, wenn du meinst dich in dieser unqualifizierten Form mit jemanden auseinanderzusetzen, nur weil der (vermutlich) der politischen Linken zuzurechnen ist.
            Wenn du für “deine Sache“, also den Voluntarismus, eintreten und kämpfen willst, musst du dich mit der Kritik von Ortlieb ernsthaft auseinandersetzen und sie nicht einfach so von oben herab abkanzeln.

            mfg
            Bh

          • Stefan sagt:

            Also Bernhart, ich habe jetzt 2 PDFs von dem gelesen und entschlossen, dass es Zeitverschwendung ist sich damit länger auseinanderzusetzen. Als Begründung habe ich 2 Sachen aus seinen PDFs genommen. Du hast keine Gegenargumente gebracht.

            Ich kann dir aus dem Gedächtnis noch ein Beispiel nennen. Er kritisiert z.B., dass die Modelle quasi behaupten würden nur und ausschließlich der Preis würde Angebot und Nachfrage beeinflussen. Das tun diese Modelle aber nicht. Es wird lediglich ein Zusammenhang zwischen Angebot/Nachfrage und dem Preis hergestellt. Ob irgendetwas anderes Angebot und Nachfrage beeinflussen könnte, darüber gibt dieses Modell keine Auskunft.
            Wer so argumentiert, wie dieser Ortlieb, hat meiner Meinung nach ein grundsätzliches Verständnisproblem mit solchen Modellen.

            Zitat Bernhart:
            „auf beschrifteten x-Achsen steht normalerweise eine kleinere Zahl links vor der größeren Zahl; analoges gilt für die y-Achse; aber davon ist auszugehen“

            Die Achsen können beliebig skaliert werden. Linear, logarithmisch wie auch immer. Wenn es in einem Modell keine Skalierung gibt, ist davon auszugehen, dass das Modell keine Aussage darüber tätigt. Also wie die Kurven in der Realität tatsächlich verlaufen, müsste im Experiment ermittelt werden.
            Ich bleibe dabei. Es ist vollkommen lächerlich ein Modell auf diese Art zu kritisieren. Das zeugt lediglich von Verständnisproblemen des Kritikers.

            Zitat Bernhart:
            „musst du dich mit der Kritik von Ortlieb ernsthaft auseinandersetzen“

            Nein, ich muss gar nichts und schon gar nicht muss ich mich mit jedem Nonsense auseinandersetzen. Wenn du und dein Ortlieb ernst genommen werden wollt, müsst ihr euch eben mehr anstrengen.

  24. Bernhart sagt:

    #Zitat Christian#
    Ich finde es – vorsichtig formuliert – nicht ganz unproblematisch, Beobachtungen aus einem Systemzusammenhang (Gesundheit) in einen anderen (Wirtschaft) zu übertragen. Analogieschlüsse können veranschaulichen, aber nur, wenn die Basis der Beobachtung stimmt.
    #Ende Zitat Christian#

    Das stimmt.
    Aber ich habe diese Übertragung nicht gemacht, sondern an einem Gegenbeispiel demonstriert, daß eine verbale Beschreibung nicht reicht, um in einem Modell das Vorhandensein eines Gleichgewichts „beweisen“ zu können.
    D.h. Intuitive Einsichten reichen für tiefere Erkenntnisse nicht aus.

    mfg
    Bh

  25. Christian sagt:

    prima, dann sind wir uns darin einig, dass intuitive Einsichten nicht für tiefere Erkenntnisse reichen und man sich vor falschen Analogieschlüssen hüten sollte!

  26. Bernhart sagt:

    @rote_pille
    #Zitat rote_pille#
    Aus dem GG-Modell kann man nicht die Unmöglichkeit von Krisen herleiten – es kann sein,
    #Ende Zitat rote_pille#

    Doch, da hast du etwas falsch verstanden:
    Unter den Annahmen dieses Satzes gibt es ein stabiles Gleichgewicht.
    Dieser Satz soll ja die Stabilität und die Harmonielehre der kapitalistischen Ökonomie rechtfertigen.

    #Zitat rote_pille#
    …vorteilhaft wäre die Marktakteure selbst zu untersuchen. Und der größte Marktakteur, der sich auch noch das Recht nimmt, mit Gewalt zu agieren (und damit die Marktlogik außer Kraft setzt) ist der Staat mit seinen Institutionen.
    #Ende Zitat rote_pille#

    Selbst wenn du den Staat bzw. die staatlichen Eingriffe abschaffst und man die reine Marktwirtschaft einführt, wird in dem Ortlieb-Artikel gezeigt, daß die Annahmen des GG-Satzes nicht immer gelten und dieser daher nicht zur Rechtfertigung der Krisenfreiheit des Kapitalismus verwendet werden darf.
    Dies tun aber die Verteidiger der Rechtfertigungslehre des Kapitalismus.

    mfg
    Bh

    • rote_pille sagt:

      Das GG-Modell ist ein Gedankenmodell, das GG kann nur auftreten wenn es keine weiteren Änderungen im System gibt, in der Realität also gar nicht.
      Bitte hier nachsehen
      http://docs.mises.de/Mises/Mises_Nationaloekonomie.pdf
      unter
      4.Teil 1 Kapitel S.235 “
      Die Gedankenbilder des einfachen und des endlichen Ruhezustandes
      und der gleichmäßigen Wirtschaft“

      Die Krisenfreiheit kommt nicht daher, dass wir annehmen, dass die Wirtschaft im GG ist oder jemals war, sondern weil die Behebung von Mängeln im kapitalistischen System profitabel ist und die Unternehmer die Wirtschaft aus diesem Grund in die richtige Richtung treiben WENN MAN SIE LÄSST.

      • Bernhart sagt:

        @rote_pille
        #Zitat rote_pille#
        Die Krisenfreiheit kommt nicht daher, dass wir annehmen, dass die Wirtschaft im GG ist oder jemals war, sondern weil die Behebung von Mängeln im kapitalistischen System profitabel ist und die Unternehmer die Wirtschaft aus diesem Grund in die richtige Richtung treiben WENN MAN SIE LÄSST.
        #Ende Zitat rote_pille#

        1)
        Danke für den Link.
        Ortlieb schreibt dazu:
        „Für das reale System ist ein Gleichgewicht nur dann relevant, wenn es in dem Sinne stabil ist, dass das System aus ungleichgewichtigen Zuständen zu ihm tendiert.“
        Grob gesprochen ist das Gleichgewicht beim Gleichgewichtssatz also ein „Attraktor“, zu dem sich das System im Lauf der Zeit zubewegt.
        So habe ich dich zumindest – in meinen Worten ausgedrückt – verstanden.
        Das funktioniert aber nur unter _bestimmten_ Annahmen und diese gelten (selbst wenn man die „Unternehmer lässt“) – nicht immer (siehe Gegenbeispiele Ortlieb).
        Man kann also nicht immer davon ausgehen, daß dieser „Attraktor „ angestrebt wird.

        2)
        Wenn ein kybernetisches System dazu noch Latenzzeiten – oder noch schlimmer – Totzeiten hat, kann es sich aufschaukeln. Von einem stabilen Zustand kann dann nicht mehr gesprochen werden. In der Volkswirtschaft gibt es den Schweinezyklus (durch Totzeit verursacht).
        Das Schweinezyklus-System schwingt zwar nur . Kann man das aber als stabil bezeichnen ?
        Kann man ausschließen, daß sich dieses System aufschaukelt bzw. es in einer kapitalistischen Ökonomie noch andere (Teil)Systeme gibt, die solche instabilen Eigenschaften aufweisen?
        Hat Ortlieb doch recht, wenn er meint, daß eine Harmonie- und Stabilitätslehre des freien Marktes vermittelt werden soll?

        Mfg
        Bh

        • rote_pille sagt:

          Es gibt absolut nichts, was die Unternehmer langfristig vom Profit abhalten wird. Was auch immer nachgefragt wird, der Markt wird es liefern. Selbst im Knast gibt es einen Markt. Dazu braucht es weder vollständige Information bei jedem einzelnen Marktteilnehmer noch den „perfekten Wettbewerb“ mit gleich großen Unternehmen, die einen relativ kleinen Marktanteil haben. Das zeitliche Element reißt es auch nicht raus. Die Anpassung geschieht nicht sofort, aber logischerweise immer schneller, je nötiger sie ist. Die vielen Millionen Datenänderungen auf dem Markt heben sich auch teilweise auf, außerdem versuchen die Unternehmer die Bedürfnisse auch vorauszusehen. Es schaukelt sich auch gar nichts auf, weil die Profite immer größer werden, je stärker der Mangel ist („negative Rückkopplung“).
          Wenn sie Mathematik lieben, dann hier eine Analogie dazu, warum die Schwankungen nicht so heftig werden: Stellen Sie sich vor Sie haben eine Münze mit idel verteiltem Gewicht die ständig von anderen Personen geworfen wird und entweder auf Kopf oder Zahl fällt. Nehmen wir nun an die Münze wird x Mal geworfen und zum Startwert 0 wird jedesmal 1 dazuaddiert, wenn sie auf „Kopf“ fällt. Der Erwartungswert des Ergebnisses wird x/2 sein. Die relative Abweichung davon wird für kleine x (nehmen wir mal 4) beträchtlich sein, wenn die Münze zufällig 3x auf Kopf fällt, was mit einer Wahrscheinlichkeit von immerhin 25% passiert, ist das eine Abweichung von 50%! Wenn x aber immer größer gewählt wird wie z.B. 4000, dann wird die Wahrscheinlichkeit, dass das Ergebnis 3000 ist, was dieselbe Abweichung zum Erwartungswert wie 3x Kopf bei 4 Würfen ergeben würde, 0,0…0irgendwas sein. Je größer ich x wähle, desto geringer wird die relative Abweichung vom Erwartungswert. Genauso ist das auf den Märkten: die Abweichungen vom Normalzustand werden alleine schon durch die schiere Menge der Marktteilnehmer sehr unwahrscheinlich sein.
          Wir können aus der Theorie nicht mit 100% Sicherheit krisenfreiheit garantieren (sondern nur 99,999% 😉 ), aber man muss einfach nur überlegen, wer heftigere Schwankungen verursachen wird: irgendein Privatunternehmen, welches sich durch freiwilligen Tausch über Wasser hält und somit in ihrer Entscheidungsfreiheit ziemlich, die allergrößten Unternehmen haben so 300.000 – 500.000 Mitarbeiter weltweit auf eine Bevölkerungszahl von 7.000.000.000 oder mehr (diese Monster sind zu einem großen Teil staatlich), die morgen alle kündigen können, wenn sie möchten und deren Möglichkeiten durch die Verpflichtung Gewinne zu erzielen beschränkt ist. Oder die Regierung, deren Aktivitäten man in % vom BIP misst, die ihre Forderungen gegenüber Millionen Einwohnern mit Gewalt durchsetzt und finanziert und die man auch sonst nicht los wird, es sei denn man verlässt das Land, was einem deutlich mehr Scherereien als eine Kündigung beschert.
          Die Ursache der heutigen Krisen sind (da bin ich mir 100% sicher) in den gewaltigen staatlichen Institutionen zu finden, die in der Lage sind das Marktergebnis zu verzerren und Anpassungen effektiv verhindern. Es ist eigentlich so offensichtlich: jede staatliche Rettungsaktion verhindert, dass unfähige Unternehmer und bankrotte Konzerne vom Markt verschwinden und der Umfang der Rettungsaktionen wird daher ständig größer. Die Zinsmanipulation WELTWEIT ist eine Verzerrung ungeheuren Ausmaßes, die österreichische Konjunkturtheorie beschreibt wie sie immer zu Krisen führt. Die H4-Hängematte und überflüssige Regierungsjobs nehmen den Leuten die Motivation sich an die Gegebenheiten anzupassen einen neuen Job zu suchen, was uns immer höhere Arbeitslosigkeit einbringt.

          • Bernhart sagt:

            @rote_pille
            #Zitat rote_pille#
            Unternehmer die Bedürfnisse auch vorauszusehen. Es schaukelt sich auch gar nichts auf, weil die Profite immer größer werden, je stärker der Mangel ist („negative Rückkopplung“).
            #Ende Zitat rote_pille#

            negative Rückkoplung ist keine hinreichende Bedingung für die Stabilität eines dynamischen Systems.

            #Zitat rote_pille#
            …dann hier eine Analogie dazu, warum die Schwankungen nicht so heftig werden: Stellen Sie sich vor Sie haben eine Münze mit idel verteiltem Gewicht die …
            #Ende Zitat rote_pille#

            Dahinter steckt der zentrale Grenzwertsatz, der einen Grenzwert postuliert.
            Aber dieser hat nichts mit dem dem neoklassischen Theoriemodell zu tun, außer der Annahme einer „Stabilität“ (Endzustand?)

            #Zitat rote_pille#
            Wenn sie Mathematik lieben, ….
            #Ende Zitat rote_pille#

            Die neoklassischen Theoretiker lieben die Mathematik!
            Als Anhänger der „freien Marktwirtschaft“ sollte man zumindest die Annahmen der Modelle dieser Theoretiker kennen und sich damit auseinandersetzen:
            #Zitat Stefan#
            …Das sind Luxusgüter. Bei diesen kann, bis zu einem gewissen Punkt; ein höherer Preis sogar eine höhere Nachfrage bedeuten. Aber selbst das schließt das Modell ja nicht aus.
            #Ende Zitat Stefan#

            Das Modell schließt diesen Fall aus (monoton steigende Abschnitte einer Nachfragefunktion).
            Das bedeutet, daß man nicht ausschließen kann (je nachdem, wie Angebots- und Nachfragefunktion konkret lauten), daß ein deterministisches Chaos vorliegt. Das führt dann aber sicher zu einer Krise:
            Das kapitalistische System wird dann neu „initialisiert“ („Neustart“ eines kapitalistischen Systems) und alles geht wieder von vorne los.
            Ob man das noch als Gleichgewicht und Stabilität bezeichnen kann, ist zu bezweifeln.

            mfg
            Bh

          • Christian sagt:

            Warum sollen Rückkoppelungen – negativ oder positiv – keine hinreichende Bedingung für die Stabilität eines Systems sein?

          • Bernhart sagt:

            @ Christian,
            1)
            Beispiel eines Regelkreises (Zentralheizung):
            Wenn die Temperatur abfält, reagiert der Regler dem entgegen indem mehr Heizmaterial verbrennt wird. Es wird wärmer. Wenn es zu warm wird, reagiert der Regler dem entgegen indem weniger Heizmaterial verbrennt wird. Es wird kälter. (analoger Mechanismus: Angebot und Nachfrage bei Gütern)
            Das nennt man eine negative Rückkopplung.

            2)
            Wenn die Temperatur abfält und der Regler so reagieren würde, daß auch weniger Heizmaterial verbrennt werden würde (oder sogar die Kühlung eingeschaltet wird), dann nennt man das eine positive Rückkopplung.
            (verantwortlich für autokatalytische Prozesse; exponentielles Verhalten)
            Es ist intuitiv ersichtlich, daß man mit einer positiven Rückkopplung die Temperatur nicht auf einen bestimmten Wert regeln kann, sondern der Wert „davonläuft“.

            3)
            Eine negative Rückkopplung ist aber nicht hinreichend für das Erreichen bzw. dem Anstreben) eines Gleichgewichts, denn wenn die Gegenreaktion z.B. zu heftig wird, kann das System sich aufschaukeln (z.B. bei einem reinen Integralregler oder bei einer Resonanzkatastrophe: z.B. Soldaten überqueren im Gleichschritt eine Holzbrücke ).

            Zitat Wikipedia:
            Falsch eingestellte Regler machen den Regelkreis zu langsam, führen zu einer großen Regelabweichung oder zu ungedämpften Schwingungen der Regelgröße und damit unter Umständen zur Zerstörung der Regelstrecke.

            4)
            Beim VWL-Beispiel „Schweinezyklus“ hat man auch eine negatrive Rückkoplung. Wegen der Totzeit der Regelstrecke gibt es aber kein „Gleichgewicht“.

            mfg
            Bh

          • rote_pille sagt:

            Als Anhänger der freien Marktwirtschaft stütze ich mich auf die Erkenntnisse der österreichischen Schule. Diese erklären das menschliche Handeln und sind deshalb den mathematischen Formeln, die nicht zwischen Ursache und Wirkung unterscheiden, vorzuziehen.
            Es gibt immer wieder kleinere „Krisen“ auf winzigen Teilmärkten, weil sie Angebot und Nachfrage nicht sofort perfekt anpassen können – Mangel an Information, Reaktionszeit, Monopolstellung von Unternehmen etc. Aber das bemerken Sie gar nicht. Wenn z.B. eine Naturkatastrophe eine große Fischflotte versenkt und der Fisch knapp wird, essen Sie eben Steaks. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass sich viele dieser „Krisen“ überlappen und daraus eine große Krise wird ist einfach so minimal, dass wir sie gar nicht in Betracht ziehen. Und selbst wenn: es gibt absolut nichts, was eine Regierung dagegen unternehmen kann. Sie würde es nur noch schlimmer machen, weil sie den Anpassungsmechanismus beschädigt. Ein „Neustart“ ist nur nötig, wenn die Währung selbst kollabiert, was sie manchmal auch tut weil sie eine Papierwährung unter Kontrolle der Regierung ist.

          • Bernhart sagt:

            @rote_pille
            #Zitat rote_pille#
            Als Anhänger der freien Marktwirtschaft stütze ich mich auf die Erkenntnisse der österreichischen Schule. Diese erklären das menschliche Handeln und sind deshalb den mathematischen Formeln, die nicht zwischen Ursache und Wirkung unterscheiden, vorzuziehen.
            #Ende Zitat rote_pille#

            1)
            Ob man Ursache und Wirkung nicht mathematisch formalisieren kann, bezweifle ich.
            (dazu können Fachleute sicher mehr sagen als ich).
            Ich will darauf aber auch nicht weiter eingehen.

            2)
            Eines will ich hier aber noch einmal festhalten:
            Diese mathematischen Modelle stammen nicht von Ortlieb, mir oder den Gegnern des Kapitalismus, sondern den Theoretikern der Marktwirtschaft-Apologeten.

            3)
            Wir können also (wenn gewünscht) die Diskussion über die mathematische Modellierung einer kapitalistischen Ökonomie (mit höherer Mathematik) beenden.
            Alternativ stelle ich eine verbal formulierte These zur Krisenhaftigkeit des Kapitalismus vor, die von dem linken Politologen Michael Heinrich formuliert wird:
            https://www.youtube.com/watch?v=tRwKhn1Bmnw
            Im Zeitraum von
            47:13 – 55.00
            (also nur ein paar Minuten unserer wertvollen Zeit) stellt er seine Gedanken dazu vor.
            Was meint ihr dazu ?

            mfg
            Bh

          • Christian sagt:

            „Ob man Ursache und Wirkung nicht mathematisch formalisieren kann, bezweifle ich.“

            weil? Mathematische Korrelationen sagen nichts über Kausalitäten aus. Es bedarf einer Theorie, die überzeugend darlegt, dass z.B. die Übereinstimmung der Entwicklung von Anzahl der Geburten und Anzahl der Klapperstörche kein Zufall ist.

          • rote_pille sagt:

            Sie können sich doch sicher vorstellen, dass die Marktwirtschaftler keinen geschlossenen Block bilden, sondern es durchaus auch nennenswerte Unterschiede zwischen ihnen gibt? Mich interessieren die Formeln der „pro-Markt“-Mainstreamökonomen überhaupt nicht, weil sie nicht mein Verständnis von der Wirtschaft erhöhen. Nein, mathematische Gleichungen sagen nichts über Ursache und Wirkung aus. Solche Modelle brauchen die BWLer um irgendetwas abzuschätzen, aber die Nationalökonomie kann man auch verstehen ohne Differentialgleichungen zu lösen. Den „mathematischen Ökonomen“ stehen „Österreicher“ genauso kritisch gegenüber wie die linken Opponenten.
            Jetzt zu Herrn Heinrich: die angeblichen Widersprüche:
            Also 1., er meint, es wäre problematisch, dass jeder Kapitalist versucht seinen Gewinn zu erhöhen, weil er dabei die Konsumkraft der Masse schwächt und damit seine eigenen Grundlagen zerstört. Warum ist das nicht so?
            Nun, es gibt einen Unterschied zwischen dem was Menschen WOLLEN und dem was sie auch DURCHSETZEN können. Wir könnten das Spiel auch umdrehen und sagen: Die Klasse der Händler versucht ihren Gewinn zu erhöhen indem sie möglichst billig einkauft und teuer verkauft, die Bauern versuchen dasselbe, ja auch die Drogendealer werden ihren Absatz und Gewinn erhöhen wollen. Wenn man genauer hinsieht bemerkt man: das ist das Ziel JEDEN Marktteilnehmers, auch sämtlicher Arbeiter. Und selbst wenn es einer Gruppe besonders gelingt, ihre Einkünfte relativ zu den anderen zu steigern, ist das noch lange kein Beinbruch, da die Kaufkraft nur zu dieser Gruppe transferiert wurde und deswegen noch lange keine Massenarbeitslosigkeit eintreten muss. Es ist das beschränkte BWL-Denken, welches so eine Vermutung überhaupt aufkommen lässt.
            Keynes, dieser Dilettant, hat in dieser Tradition auch von einer Doppelfunktion von Löhnen gesprochen – er hätte auch ruhig von der Doppelfunktion der Zinsen (die auch irgendwo ausgegeben werden) oder von der Doppelfunktion der Kartoffelpreise (die das Einkommen des Kartoffelbauern sind) sprechen können, aber dann würde sich seine ganze Theorie als belangloser Stuss herausstellen, nicht wahr? Und selbst wenn die Einkommen bei den Kapitalisten nicht verkonsumiert werden, werden stattdessen Produktionsmittel produziert und Menschen in diesen Industrien beschäftigt, die den künftigen Wohlstand erhöhen.
            2. macht er eine Unterscheidung zwischen Finanz- und Realinvestitionen. Wo kommen eigentlich die Zinsen auf den Finanzmärkten her? Logischerweise muss das Geld an jemanden verliehen werden, der irgendwas produziert und noch mehr Geld daraus macht. Mit reinen Transaktionen macht man nur Handelsgewinne, die es in der Realwirtschaft natürlich auch gibt, weil das auch eine wichtige Dienstleistung ist. Die Handelsgewinne müssen aber sinken, wenn zu viele in diesem Bereich konkurrieren. Letztendlich lebt der Großteil vom Geldverleihen.
            3. postuliert er eine Lücke bei den Investitionen. Er glaubt, die Kapitalisten würden nicht genügend investieren, um die abgezogenen Gewinne zu ersetzen, weil der erwartete Profit nicht hoch genug ist. Wissen Sie, wie hoch dieser Profit sein muss? Er muss so hoch sein, sodass der abgezinste Wert des Ergebnisses der Produktion den Wert der eingesetzten Mittel übersteigt. Der Zinssatz wird vorgegeben durch das geschätzte Risiko das eingesetzte Kapital zu verlieren + die Zeitpräferenzrate des Kapitalisten. Das ist pure Logik: ich tausche immer, wenn ich das was ich bekomme höher bewerte als das was ich hergebe. Es ist auch so, dass zukünftige Güter immer niedriger bewertet werden als gegenwärtige, da die Zeit für uns Menschen selbst einen Wert hat. Lassen wir die Risiken der Einfachheit halber kurz außer Acht, und nehmen nun an, die Erwartungen auf den Markt sehen schlecht für die Kapitalisten aus, es findet sich keine Möglichkeit Gewinne in Höhe ihrer Zeitpräferenzrate zu erzielen. Was wird passieren? Sie können ihr Geld (in bar) horten oder verkonsumieren. Der Konsum ist natürlich unproblematisch, die Ausgabe wird logischerweise das Preisniveau und somit auch die Gewinne erhöhen. Wenn das Geld gehortet wird, ist das auch kein Problem: Löhne und Gewinne fallen, die Relation zwischen ihnen kann sich ändern, es gibt jedoch keinen zwingenden Grund warum sie das tun sollte, und wenn viele solcher Vorgänge gleichzeitig stattfinden, können wir annehmen, dass sie gleichmäßig sinken (*). Durch die nicht getätigte Investition und den nicht getätigten Konsum gibt es aber eine Änderung, die nur zu Lasten der Lohnempfänger geht: die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt werden schlechter, da dieses Stück Produktion nicht mehr stattfindet. Im Endergebnis drückt das Verhalten des Kapitalisten also leicht die Löhne, bis die Zeitpräferenzrate wieder erreicht ist. Das geht natürlich auch umgekehrt: wenn der Gewinn höher ist als die Zeitpräferenzrate, machen die Unternehmer sich gegenseitig Konkurrenz um die Arbeitskräfte, weil jeder seine Produktion ausweiten möchte, und können den Kapitalisten immer weniger Zinsen bezahlen (die spielen aber mit, weil es sich aus ihrer Sicht immer noch lohnt). Dann steigen die Löhne bis die Gewinne nicht wieder auf dem durch die Zeitpräferenzrate gegebenen Niveau ist. Insgesamt ist dort keine Entwicklung festzustellen, die zu einer Krise führen müsste, ES SEI DENN ein mächtiger Akteur namens Zentralbank betritt das Spielfeld und senkt die Zinsen für das ganze System mit Gewalt. Das wirkt dann zunächst so, als sei auch die Zeitpräferenzrate gesunken, was den künstlichen Boom stimuliert, der auch die Ursache für die spätere Krise ist (=>siehe österreichische Konjunkturtheorie).

            (*)wenn sich das Verhältnis Löhne/Gewinne doch ändert, dauert die Anpassung halt nur kürzer oder länger. Eine anhaltende einseitige Änderung, die sich immer weiter selbst nährt ist unwahrscheinlich.

          • rote_pille sagt:

            Und bevor mir wieder unterstellt wird, ich würde in Punkt 3 irgendein Gleichgewicht implizieren: Nein, ich betrachte hier nur eine winzige Änderung, die ich mir herauspicke, damit ich die Sache einfacher erklären kann, um die Gegenkräfte aufzuzeigen, die nur durch diese Änderung selbst verursacht werden. Natürlich laufen in der Realität tausende Änderungen ab, während ein Anpassungsprozess an eine niedrigere Zeitpräferenzrate von im Computersektor aktiven Kapitalisten stattfindet, kann ein weiterer Anpassungsprozess an eine höhere Zeitpräferenzrate von im Bausektor tätigen Kapitalisten laufen, die es sich in der Zwischenzeit anders überlegt haben und ein neuer Anpassungsprozess an ihre aktuellen Wünsche initiiert wird. Es ist wurscht, eine Krise wird daraus nicht, genauso wenig wie ein paar Spaziergänger eine Brücke zum Einsturz bringen können, es sei denn sie werden gezwungen im Gleichschritt zu laufen (=staatl. Intervention)

    • rote_pille sagt:

      Kleine Hilfe: der GG ist bei Mises der „endliche Ruhezustand“.

    • Stefan sagt:

      Zum Gleichgewicht:
      Unter Einbeziehung aller Kräfte ist ein System immer zu jedem Zeitpunk im Gleichgewicht.
      Die gesamte Physik besteht ja fast nur aus Gleichgewichtsfunktionen. Das wurde nicht nur experimentell millionenfach bestätigt, sondern ist eben auch rein rational logisch.
      Was sollte es denn heißen, wenn ein System unter Einbeziehung aller Kräfte NICHT im Gleichgewicht wäre? Damit würde doch jemand nur behaupten es gäbe noch irgendeine „mystische“ Kraft, die es aus dem Gleichgewicht bringt. Oder man kennt diese Kraft einfach nur noch nicht.

      Also man könnte auch sagen der Markt ist auch dann im Gleichgewicht, wenn der Staat dort massiv eingreift. Aber der Gleichgewichtszustand ist eben ein wesentlich schlechterer, als wenn es diese Störung durch den Staat nicht gäbe.

      Aber an diesen Gleichgewichtsmodellen mehr schlecht als recht herum zu kritisieren, wie dieser Ortlieb, ist in Anbetracht der Erfahrungen sämtlicher Naturwissenschaft ziemlich albern.

      Bernhart, wer gegen freie Marktwirtschaft ist, der ist gegen Freiheit und damit ist er für Zwang, Unterdrückung, Ausbeutung und Sklaverei.

      • rote_pille sagt:

        Sie sollten nicht die Definition des GGs ändern, sonst wird das hier zu konfus. Die Kritik ist berechtigt, aber sie trifft uns Österreicher überhaupt nicht. Es ist nicht einmal so, dass wir sie abstreiten müssen, weil die Märkte in der Realität einfach nie im GG sein können, wie auch Mises beschreibt. Wenn wir sagen „die Märkte sind nicht im GG“ ist das nur eine umgangssprachliche Formulierung, wissenschaftlich korrekt wäre „den Märkten wird nicht erlaubt sich in Richtung GG zu bewegen“. Genau das kann man bzgl. der Zentralbank sagen, der GG-Zins wird beispielsweise auch auf dem freien Markt niemals „perfekt“ erreicht, weil es ständig Änderungen gibt (neue Konsumentenwünsche, technischen Fortschritt etc.), aber das fällt nicht ins Gewicht und verursacht keine Krise. Die Zentralbank sorgt dafür, dass sie der Zins auf dem Markt nicht in Richtung GG bewegen kann um sich an die Wünsche der Marktteilnehmer anzupassen. Sie ist marktfremd, weil sie Gewalt dafür anwendet.

      • Christian sagt:

        „Aber an diesen Gleichgewichtsmodellen mehr schlecht als recht herum zu kritisieren, wie dieser Ortlieb, ist in Anbetracht der Erfahrungen sämtlicher Naturwissenschaft ziemlich albern.“

        es geht aber um ökonomische Fragestellungen, nicht um Physik oder Chemie. Analogieschlüsse sind hier mit großer Vorsicht zu genießen.

    • Christian sagt:

      „Stabilität und die Harmonielehre der kapitalistischen Ökonomie“

      ja, wie ist es mit der Stabiligtät der kapitalistischen Ökonomie bestellt? Wir erleben Wirtschaftskrisen, aber eben immer innerhalb einer gemischten Wirtschaft, d.h. auf privatwirtschaftlicher Basis greift der Staat steuernd ein. Die Steuerungsversuche des Staates folgen allerdings nicht unbedingt der kapitalistischen Logik, sondern es werden externe Ziele wie z.B. Arbeitsplatzerhalt oder Umweltschutz verfolgt. Da stellt sich schon die Frage, wie sinnvoll da staatliche Eingriffe sind. Arbeitsplätze, die sich nicht rechnen, weiter zu erhalten, schafft immer größere ökonomische Ungleichgewichte, d.h. es wird mit der Zeit richtig teuer. Anders kann man es bei Umweltschutzmaßnahmen einschätzen, die zwar eine finanzielle Belastung der Unternehmen darstellen können, die aber gleichwohl nachhaltige Umwelteffekte erzielen können. Insgesamt aber dürften staatliche Eingriffe schon eine Belastung der ökonomischen Stabilität bedeuten. Allerdings kann man sich darüber streiten, ob die erzielten Effekte diese Belastung kompensieren.

      Überzeugte Anhänger einer freien Marktwirtschaft argumentieren allerdings auch, dass selbst ökologische Erfolge sich auf kapitalistischem Wege erzielen lassen, wenn etwa einfach mehr umweltfreundliche Lösungen nachgefragt werden. Das wirkt auch nicht ganz unplausibel. Allerdings bleibt hier die Frage der Effizienz bestehen, denn was nutzt es, wenn z.B. nur wenige Menschen bereit sind, umweltfreundliche Produkte nachzufragen. Freie Marktwirtschaftler müssten dann sagen: dann gibt es eben nicht mehr Umweltschutz, weil die Menschen ja nicht mehr wollen.

  27. Bernhart sagt:

    @Stefan,
    #Zitat Stefan#
    Ich kann dir aus dem Gedächtnis noch ein Beispiel nennen. Er kritisiert z.B., dass die Modelle quasi behaupten würden nur und ausschließlich der Preis würde Angebot und Nachfrage beeinflussen. Das tun diese Modelle aber nicht. Es wird lediglich ein Zusammenhang zwischen Angebot/Nachfrage und dem Preis hergestellt. Ob irgendetwas anderes Angebot und Nachfrage beeinflussen könnte, darüber gibt dieses Modell keine Auskunft.
    #Ende Zitat Stefan#

    Nein, er kritisiert nicht das Modell, sondern daß dieses Modell (besser die Modellannahmen) von vielen Ökonomen auf alle möglichen Bereiche angewendet wird, ohne die Annahmen konkret zu überprüfen:
    Zitat aus hb18MethFehlerVWL.pdf von Ortlieb:
    „Im Lehrbuch von Mankiw (2001) findet sich deswegen auf 850 Seiten das Diagramm aus Abbildung 2 (in der p nur von einer Variablen abhängt; Bh) insgesamt 91 mal, je nach Anwendungsbereich nur verschiedenen beschriftet, ohne dass der Autor sich die Mühe macht, die Modellannahmen für die jeweils betrachtete Situation erneut zu überprüfen oder zu begründen, …“

    #Zitat Stefan#
    Die Achsen können beliebig skaliert werden. Linear, logarithmisch wie auch immer. Wenn es in einem Modell keine Skalierung gibt, ist davon auszugehen, dass das Modell keine Aussage darüber tätigt. Also wie die Kurven in der Realität tatsächlich verlaufen, müsste im Experiment ermittelt werden.
    #Ende Zitat Stefan#

    Du verstehst da etwas total falsch.
    Das einfache Marktmodell besteht nicht aus einer Skalierung und hat damit auch nichts zu tun. Das Modell stammt nicht von C.P. Ortlieb und macht bestimmte mathematische Annahmen, wie z.B. die der(streng?) steigenden Monotonie der Angebotsfunktionfunktion f, die wie folgt formalisiert wird:
    x1 f(x1) < f(x2)
    Und diese formale Spezifikation hat gar nichts damit zu tun, wie und ob man die Achsen der Kurve K(f) skaliert bzw. beschriftet und ob man die Kurve überhaupt zeichnet. Die Kurve _veranschaulicht_ nur Monotonie.
    Ich vermute – nicht Ortlieb – sondern du hast ein Verständnisproblem.

    #Zitat Stefan#
    dein Ortlieb …
    #Ende Zitat Stefan#

    ??

    mfg
    Bh

    • Bernhart sagt:

      Nachtrag:
      Leider weiss ich nicht, warum die formale Spezifiaktion der Monotonie hier nicht richtig wiedergegeben wurde. Deswegen nochmals der halbformale Versuch:
      Aus x1 kleiner x2 folgt f(x1) kleiner f(x2)

      mfg
      Bh

      • Stefan sagt:

        Oh je, das artet wieder aus.

        Also ich kann beim besten Willen nichts nützliches aus diesen PDFs ziehen (also die 2 die ich gelesen habe; das MathScharlatanPS.pdf und das Exit1CPOMarktMaerchen.pdf). Das ist alles geschwurbeltes Wischi Waschi.

        Noch ein Beispiel aus Exit1CPOMarktMaerchen.pdf:
        „Wer 40 Stunden in der Woche für einen Stundenlohn von 8 Euro arbeitet und den wöchentlichen Lohn von 320 Euro zum (Über)leben dringend braucht, der wird bei einer Absenkung des Stundenlohns auf 6 Euro nicht weniger, wie vom neoklassischen Modell unterstellt, sondern mehr arbeiten wollen, damit das nötige Geld zusammen kommt.“
        Das ist ein ganz gravierender Fehler von Ortlieb. Es ist doch davon auszugehen, dass wenn der Lohn (also der Preis) sinkt, das Angebot zunimmt. Also der Arbeitnehmer bekommt mit einem niedrigeren Lohn mehr Angebote und kann auch mehr arbeiten.
        Ortlieb unterstellte dem Modell einfach mal das genaue Gegenteil. Das ist doch Unfug ohne Ende, was dieser Mann schreibt.

        Ich hab dir meine Meinung dazu gesagt und weiter werde ich mich mit diesem Quark nicht beschäftigen.

        Aber nochmal dazu:
        „Dieser Satz soll ja die Stabilität und die Harmonielehre der kapitalistischen Ökonomie rechtfertigen. “

        Die volkswirtschaftlichen Modelle beschreiben nicht den Kapitalismus, sondern die Realität. Das gleiche gilt auch im Sozialismus. In der DDR konnte man das z.B. daran sehen, dass die Geschäfte leer waren. Die Nachfrage war immens, das Angebot tendierte gegen Null.

        Stefan Molyneux hat mal ein schönes Video über die Geschichte Deutschlands gemacht. Das gibt es glaube ich auch hier auf freiwilligFrei in deutscher Übersetzung (musst du suchen).
        Dort beschreibt er eine Situation im Nachkriegsdeutschland. Damals hatten die Besatzer Lebensmittelpreise festgesetzt. Natürlich zu niedrig, damit ganz „sozial“ sich jeder diese Lebensmittel leisten kann. Das Ergebnis waren leere Geschäfte. Dann hat der damalige Kanzler die Amis gebeten diese Preisvorgaben fallen zu lassen. Das haben die dann auch getan, was dazu führte, dass 6 Monate später die Geschäft bis oben hin voll waren. Das war damals der Startschuss für das sogenannte Wirtschaftswunder.

        Soweit mir bekannt ist, erstellen die Marketingabteilungen größerer Konzerne alle ihre Angebots/Nachfrage-Kurven. Zumindest für deren wichtige Produkte. Und natürlich heißt fast überall ein höherer Preis, eine geringere Nachfrage. Von den Millionen von Produkten ist mir gerade eine Ausnahme bekannt, bei der das partiell nicht zutrifft. Das sind Luxusgüter. Bei diesen kann, bis zu einem gewissen Punkt; ein höherer Preis sogar eine höhere Nachfrage bedeuten. Aber selbst das schließt das Modell ja nicht aus.
        Die Kurven werden experimentell ermittelt und diese können die unterschiedlichsten Formen annehmen, je nach Produkt, Branche, Markt etc.
        Das ist die Realität. Ich halte mich daran und du orientierst dich an den Herrn Ortlieb. Ich wünsche dir viel Erfolg dabei.

        • Stefan sagt:

          Korrektur hierzu:
          „Das ist ein ganz gravierender Fehler von Ortlieb. Es ist doch davon auszugehen, dass wenn der Lohn (also der Preis) sinkt, das Angebot zunimmt. Also der Arbeitnehmer bekommt mit einem niedrigeren Lohn mehr Angebote und kann auch mehr arbeiten.“

          Besser sollte es heißen:
          Das ist ein ganz gravierender Fehler von Ortlieb. Es ist doch davon auszugehen, dass wenn der Lohn (also der Preis) sinkt, die NACHFRAGE zunimmt. Also es gibt bei niedrigerem Lohn mehr Nachfrage und der Arbeitnehmer kann auch mehr arbeiten.

          Ist hier etwas verwirrend mit den Begriffen. (Arbeits)Angebot ist hier nämlich Nachfrage. Der Satz von Ortlieb ist trotzdem nonsense.

          • Bernhart sagt:

            @ Stefan
            #Zitat Stefan#
            Korrektur hierzu:
            „Das ist ein ganz gravierender Fehler von Ortlieb. Es ist doch davon auszugehen, dass wenn der Lohn (also der Preis) sinkt, das Angebot zunimmt. Also der Arbeitnehmer bekommt mit einem niedrigeren Lohn mehr Angebote und kann auch mehr arbeiten.“
            Besser sollte es heißen:
            Das ist ein ganz gravierender Fehler von Ortlieb. Es ist doch davon auszugehen, dass wenn der Lohn (also der Preis) sinkt, die NACHFRAGE zunimmt. Also es gibt bei niedrigerem Lohn mehr Nachfrage und der Arbeitnehmer kann auch mehr arbeiten.
            Ist hier etwas verwirrend mit den Begriffen. (Arbeits)Angebot ist hier nämlich Nachfrage. Der Satz von Ortlieb ist trotzdem nonsense.
            #Ende Zitat Stefan#

            Du verwechselst hier einige Begriffe aus der VWL:
            Die Begriffe Angebot und Nachfrage bezogen auf den Arbeitsmarkt in der VWL ist gegenüber der Umgangssprache genau verdreht:
            Arbeitsangebot ist also das Angebot von Arbeitskraft durch die potenziellen Arbeitskräfte, also genau genommen das Arbeitskräfteangebot oder umgangssprachlich die Arbeitsstellennachfrage. Und die Arbeitsnachfrage ist die Nachfrage nach Arbeitskräften durch Arbeitgeber, also genau genommen Arbeitskräftenachfrage oder umgangsprachlich das Arbeitsstellenangebot.

            2)
            Die Angebotskurve ist im neoklassischen Modell monoton steigend:
            Bei geringem Lohn sind wenige Menschen bereit, ihre Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen, bei hohem Lohn sind aber viele dazu bereit.
            Ortliebs Kritik dazu hast du nicht verstanden:
            Bei einer Absenkung des Stundenlohns von 8 auf 6 Euro sind nicht weniger, wie vom neoklassischen Modell unterstellt, sondern mehr dazu bereit arbeiten zu wollen (damit das nötige Geld zusammenkommt). Die Kurve ist also nicht mehr monoton steigend.
            Damit sind die Annahmen des Gleichgewichtssatzes nicht mehr erfüllt.
            Wer produziert hier „nonsense“ und „gravierende“ Fehler ?

            3)
            Da hier offensichtlich keiner dazu bereit ist, dieses neoklassische Gleichgewichts-Modell mit seinen Annahmen (bzw. seiner mathematische Formulierung) verstehen zu wollen bzw. dieses neoklassische (nicht von den Linken) entwickelte Modell ignoriert, werde ich darauf verzichten, mich weiterhin anzustengen, es zu erklären versuchen.
            Offensichtlich hat es hier auch keinen Sinn, Ortliebs Kritik zu diskutieren, wenn keiner diese Kritik ernsthaft rezipieren und intellektuell verarbeiten will.

            #Zitat Stefan#
            …Das sind Luxusgüter. Bei diesen kann, bis zu einem gewissen Punkt; ein höherer Preis sogar eine höhere Nachfrage bedeuten. Aber selbst das schließt das Modell ja nicht aus.
            #Ende Zitat Stefan#

            Offensichtlich hast du – als überzeugter Anhänger der Marktwirtschaft – kein Interesse daran, das neoklassische (Rechtfertigungs)-Gleichgewichtsmodell dieser Marktwirtschaft verstehen zu wollen.
            (Die mathematische Formulierung findest du bei Ortlieb).
            Das ist aber deine _freie_ Entscheidung und diese muß von allen akzeptiert werden.

            mfg
            Bh

          • Stefan sagt:

            „Du verwechselst hier einige Begriffe aus der VWL:
            Die Begriffe Angebot und Nachfrage bezogen auf den Arbeitsmarkt in der VWL ist gegenüber der Umgangssprache genau verdreht:“

            Hab ich ja in meiner Korrektur geschrieben.

            Das neoklassische Modell besagt doch nicht, dass jemand weniger arbeiten will, wenn der Lohn sinkt. Das ist doch hanebüchener Quatsch. Der kann sich genauso gut eine andere Tätigkeit suchen und umschulen, weiterbilden, effektiver werden, selbstständig machen etc.
            Wenn in einer Branche das Lohnniveau sinkt, dann wird es da voraussichtlich weniger Leute geben die diese Arbeit anbieten werden. Aber die Leute die das vorher gemacht haben, machen dann eben was anderes. Etwas was sich mehr lohnt.
            Wenn er trotzdem in der Branche bleibt, wird er bei geringerem Lohn mehr Nachfrage haben und kann mehr arbeiten. Wenn er sich freiwillig darauf einlässt, ist das jedem selbst überlassen. Wenn das Allgemeine Angebot nach einer Tätigkeit gesunken ist, dann können die verbliebenen in dieser Branche wieder bessere Löhne aushandeln.
            Das ist Marktwirtschaft wie sie nun mal ist. Und das willst du und Ortlieb nicht verstehen. Was ich bei dem gelesen habe, ist absolut lächerliche Kritik.

            Aber das wichtigste ist nach wie vor:
            Die Alternative zur freien Marktwirtschaft ist Zwang, Unterdrückung, Ausbeutung und Sklaverei. Darauf läuft es immer hinaus, wenn man das freiwillige Handeln der Menschen regulieren, einschränken oder unterdrücken will.

            Das ist jetzt aber definitiv mein letzter Kommentar dazu. Weil es keinen Sinn macht. Du verstehst es nicht und der Herr Ortlieb auch nicht.

          • Bernhart sagt:

            #Zitat Stefan#
            Das neoklassische Modell besagt doch nicht, dass jemand weniger arbeiten will, wenn der Lohn sinkt. Das ist doch hanebüchener Quatsch.
            #Ende Zitat Stefan#

            Nein. Informiere dich bitte in irgend einem VWL-Buch (oder im Internet) der neoklassischen Theoretiker über den Verlauf einer Angebotskurve. Das wird schon in der Schule im Gemeinschaftskundeunterricht gepredigt und bis zum geht nicht mehr breit getreten.
            Ich kann mir nicht vorstellen, dass das alles an dir (als überzeugtem Marktwirtschaftler) unbemerkt vorbeigegangen ist.

            mit erstaunten Grüssen
            Bh

  28. Bernhart sagt:

    @ Christian
    #Zitat Christian#
    weil? Mathematische Korrelationen sagen nichts über Kausalitäten aus. Es bedarf einer Theorie, die überzeugend darlegt, dass z.B. die Übereinstimmung der Entwicklung von Anzahl der Geburten und Anzahl der Klapperstörche kein Zufall ist.
    #Ende Zitat Christian#

    Ja, eine Korrelation sagt nichts über die Kausalität aus.
    Aber warum soll man _prinzipiell_ nicht Ursache und Wirkung mathematisch formalisieren können?
    Es gibt andere mathematische Werkzeuge als die Statistik sie liefert.
    Ein gerichteter Graph könnte z.B. eine Wirkungskette formalisieren.
    Daß sich aber _alles_ formalisieren läßt und man ohne eine natürliche Sprache auskommen kann, das schliesse ich auch aus.

    mfg
    Bh

  29. Bernhart sagt:

    @ rote_pille#

    #Zitat rote_pille#
    Sie können sich doch sicher vorstellen, dass die Marktwirtschaftler keinen geschlossenen Block bilden, sondern es durchaus auch nennenswerte Unterschiede zwischen ihnen gibt?
    #Ende Zitat rote_pille#

    Ja, dann muß man eben genau seinen Standpunkt vorstellen.
    Man kann aber nicht einerseits – wie hier in dem Forum geschehen –
    mit den Angebots/Nachfrage-Kurven (und der zugrunde liegenden Mathematik) argumentieren und andererseits behaupten „die Kurven werden experimentell ermittelt und diese können die unterschiedlichsten Formen annehmen“.
    Das ist inkonsistent: Das Modell erlaubt eben nicht die unterschiedlichsten Formen!
    Oder soll “freiwillig frei – denken hilft“ auch bedeuten, einem freien Angebots- und Nachfragemarkt die logischen Gesetze ermitteln zu lassen?

    #Zitat rote_pille#
    Mich interessieren die Formeln der „pro-Markt“-Mainstreamökonomen überhaupt nicht, weil sie nicht mein Verständnis von der Wirtschaft erhöhen. Nein, mathematische Gleichungen sagen nichts über Ursache und Wirkung aus. Solche Modelle brauchen die BWLer um irgendetwas abzuschätzen, aber die Nationalökonomie kann man auch verstehen ohne Differentialgleichungen zu lösen. Den „mathematischen Ökonomen“ stehen „Österreicher“ genauso kritisch gegenüber wie die linken Opponenten.
    #Ende Zitat rote_pille#

    In der „österreicher Schule“ benutzt man (zumindest wird dies in dem Link unten behauptet) aber auch das Marshall-Kreuz und die übliche Angebots-Nachfrage-Gleichgewichts-Harmonielehre mit der zugrunde liegenden Mathematik
    Lehnst du diese dann auch ab und bist deshalb gar kein Anhänger der „österreicher Schule“?
    Ich bitte um Aufklärung.
    Siehe den lesenswerten, kritischen Artikel, mit dem sich die „Österreicher“ auseinandersetzen sollten (speziell dort):
    „Der Kapitalmarkt aus Sicht der Österreicher Schule“ im §13 in
    http://www.isw-muenchen.de/download/konjunkturtheorie-austria-hpb-2014.pdf

    #Zitat rote_pille#
    Jetzt zu Herrn Heinrich: die angeblichen Widersprüche:
    Also 1., er meint, es wäre problematisch, dass jeder Kapitalist versucht seinen Gewinn zu erhöhen, weil er dabei die Konsumkraft der Masse schwächt und damit seine eigenen Grundlagen zerstört. Warum ist das nicht so?
    #Ende Zitat rote_pille#

    Ich gebe kurz nochmals die Ausführungen von Heinrich, so wie ich ihn interpretiert habe:
    Ein Unternehmer leiht bei der Bank Geld: W + L
    W sind die Investitionsgüter
    L sind die Löhne der Angestellten in diesem Unternehmen (also auch der Unternehmerkonsum, denn er ist Beschäftigter seines Unternehmens und bekommt deshalb einen Lohn)
    Damit werden Waren produziert, deren Gesamtpreis größer als der Input ist: W + L + G
    (W + L werden nach dem Verkauf an die Bank zurückgezahlt übrig bleibt der Gewinn G).
    Waren im Wert von L werden von den Beschäftigten der Unternehmen (also auch dem Unternehmer; Unternehmerkonsum) gekauft, vorausgesetzt (best case) alle Beschäftigten geben ihren Lohn aus.
    Es bleiben noch Waren im Wert von W + G übrig.
    Diese sind Investitionsgüter (bzw. ein Teil davon können auch langfristige Anlagen sein), die (best case) von einem oder mehreren anderen Unternehmern gekauft werden müssen.
    Mit diesen Investitionsgütern _spekuliert_ der kaufende Unternehmer auf einen zukünftigen Gewinn.
    Wenn er meint, daß sich diese Spekulation nicht lohnt, legt er das Geld bei der Bank an und es gibt Waren, die nicht verkauft werden (Überproduktion).
    Je nachdem wie die Unternehmer spekulieren, kann es einen Boom geben (Kapitalverwertung lohnt sich) oder in Richtung Flaute gehen (Kapitalverwertung lohnt sich nicht, Geld wird gespart).

    Fall1: (negative Rückkopplung)
    Das System besitzt ein Gleichgewicht oder schwingt etwas.
    Beispiel:
    Unternehmer sparen Geld und investieren wenig –> es wird weniger produziert –> dadurch entstehen wieder Bedürfnisse –> Unternehmer investieren wieder –> usw.

    Fall2 (positive Rückkopplung):
    Wenn sich andere Unternehmer von der Spekulation „Geld sparen, nicht investieren“ anstecken lassen und deshalb „noch mehr Geld sparen, und noch weniger investieren“, schaukelt sich das System auf. Es gibt eine gewaltige Krise, die das System zerstören kann.
    Beispiel: Spekulationsblase (Es wird immer mehr investiert, auch in Waren, die später keiner mehr will, wie z.B. z.B. Tulpenzwiebel im 17. Jahrhundert in Holland).

    Bemerkung:
    Wie die Unternehmer spekulieren, ist meiner Meinung nach nicht determinierbar, und hat deshalb probabilistische Elemente (Spielcasino) . Es können deshalb verschiedene Fälle auftreten (u.a. die 2 von mir geschilderten), auch der einer totalen Krise mit Neustart.

    Jetzt zur Annahme von Heinrich (für meine Argumentation aber nicht relevant):
    Wenn die Konsumkraft der Masse geschwächt wird, werden auch immer weniger Konsumgüter angeboten und gekauft. Ein Unternehmer könnte dann zur folgenden Spekulation veranlasst werden:
    Warum soll ich Geld in Investitionsgüter stecken, mit den Konsumartikel produziert werden, die niemand kauft (geringe Kapitalverwertung). Also spare ich lieber mein Geld.

    #Zitat rote_pille#
    Lassen wir die Risiken der Einfachheit halber kurz außer Acht, und nehmen nun an, die Erwartungen auf den Markt sehen schlecht für die Kapitalisten aus, es findet sich keine Möglichkeit Gewinne in Höhe ihrer Zeitpräferenzrate zu erzielen. Was wird passieren? Sie können ihr Geld (in bar) horten oder verkonsumieren. Der Konsum ist natürlich unproblematisch, die Ausgabe wird logischerweise das Preisniveau und somit auch die Gewinne erhöhen. Wenn das Geld gehortet wird, ist das auch kein Problem: Löhne und Gewinne fallen, die Relation zwischen ihnen kann sich ändern, es gibt jedoch keinen zwingenden Grund warum sie das tun sollte, und wenn viele solcher Vorgänge gleichzeitig stattfinden, können wir annehmen, dass sie gleichmäßig sinken (*). Durch die nicht getätigte Investition und den nicht getätigten Konsum gibt es aber eine Änderung, die nur zu Lasten der Lohnempfänger geht: die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt werden schlechter, da dieses Stück Produktion nicht mehr stattfindet. Im Endergebnis drückt das Verhalten des Kapitalisten also leicht die Löhne, bis die Zeitpräferenzrate wieder erreicht ist. Das geht natürlich auch umgekehrt: wenn der Gewinn höher ist als die Zeitpräferenzrate, machen die Unternehmer sich gegenseitig Konkurrenz um die Arbeitskräfte, weil jeder seine Produktion ausweiten möchte, und können den Kapitalisten immer weniger Zinsen bezahlen (die spielen aber mit, weil es sich aus ihrer Sicht immer noch lohnt). Dann steigen die Löhne bis die Gewinne nicht wieder auf dem durch die Zeitpräferenzrate gegebenen Niveau ist. Insgesamt ist dort keine Entwicklung festzustellen, die zu einer Krise führen müsste,
    #Ende Zitat rote_pille#

    Damit wird eine Konkunkturschwankung erklärt. Das ist aber nicht die einzige Möglichkeit, wie sich das System verhält.
    Es kann aber auch den von mir oben geschilderten Fall 2 (einer zerstörerischen Krise) geben.
    Zumindest ist dies nicht auszuschliessen.
    Es gibt keine übernatürlich anmutende, selbstregulierende Kraft, die das System „ultrastabil“ werden läßt. Das System gleicht eher einem Spielcasino, in dem mehr oder weniger regelmäßig die Kugel auf Zero fällt.

    mfg
    Bh

    • rote_pille sagt:

      Um mir diese Datei durchzulesen werde ich etwas Zeit brauchen.

      „Wenn er meint, daß sich diese Spekulation nicht lohnt, legt er das Geld bei der Bank an und es gibt Waren, die nicht verkauft werden (Überproduktion).“ NEIN. Völlig falsche Denkweise.
      „G“ ist keine Menge von Waren, sondern ein Teil des Bargelds, welches der Unternehmer durch Verkauf seiner Waren erhalten hat. Die produzierten Waren mussten dafür schon verkauft worden sein. Wäre das Geschäft nicht zustande gekommen, würde das Bargeld aus G noch bei seinen vorherigen Besitzern rumliegen. Überproduktion gibt es nur, wenn der Unternehmer seine Kosten nicht mehr decken kann, also G nicht existiert.
      Der Unternehmer wird dann eine Entscheidung treffen müssen was er mit G macht: soll er das Geld für Konsum ausgeben, horten oder Investieren? Es ist überhaupt kein Problem, wenn er entscheidet es zu horten, es muss nicht heißen, dass Waren nicht verkauft werden, weil auch andere Individuen vor der gleichen Entscheidung stehen und diese sich möglicherweise dazu entscheiden, das gehortete Geld wieder in den Umlauf zu bringen, was wiederum dafür sorgt, dass die Nachfrage nicht sinkt. Die Konsum- und Investitionsausgaben schwanken natürlich, aber nur starke Schwankungen sind als Krise spürbar. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass solche plötzlich und unprovoziert auftreten.
      Zur positiven Rückkopplung: In einem freien System gibt es keine Garantien. Die Kapitalisten könnten sich theoretisch alle „anstecken lassen“, aber sie könnten theoretisch auch alle ihre Vermögen nehmen und z.B. den Armen überschreiben. Obwohl das auch eine Möglichkeit ist, würde dennoch niemand auf die Idee kommen zu behaupten, dass der Kapitalismus systematisch zu einer Gleichverteilung der Vermögen führt, einfach weil diese Möglichkeit existiert. Man muss sich einfach überlegen, wie ein normaler Mensch handeln würde, wenn er gerade das Geld in bar hätte und die Preise der Vermögenswerte anfangen abzustürzen – wenn ein paar Zitterer ihre Vermögenswerte verschleudern weil ihre Freunde das genauso machen, würde ich sie ihnen gerne abnehmen. Und je billiger sie sie abgeben, desto stärker würde ich zugreifen. Es gibt Kapitalisten die antizyklisch handeln wie z.B. Warren Buffet und damit auch sehr erfolgreich sind. Leider gibt es sogar viel zu wenige von denen, weil sie durch die ständigen Rettungsaktionen am Arbeiten (billig einkaufen wenn sich nur wenige trauen) gehindert werden. Außerdem würden sie wenn wir morgen eine Krise hätten erst ziemlich spät aktiv werden, weil alles so künstlich hochgetrieben wurde und zunächst die Gruppendynamik dominieren würde. Das ist aber nur möglich, weil der Staat viele Jahrzehnte lang eingegriffen und die falschen Anreize gesetzt hat.

      • Bernhart sagt:

        @ rote_pille
        #Zitat rote_pille#
        „Wenn er meint, daß sich diese Spekulation nicht lohnt, legt er das Geld bei der Bank an und es gibt Waren, die nicht verkauft werden (Überproduktion).“ NEIN. Völlig falsche Denkweise.
        „G“ ist keine Menge von Waren, sondern ein Teil des Bargelds, welches der Unternehmer durch Verkauf seiner Waren erhalten hat. Die produzierten Waren mussten dafür schon verkauft worden sein. Wäre das Geschäft nicht zustande gekommen, würde das Bargeld aus G noch bei seinen vorherigen Besitzern rumliegen. Überproduktion gibt es nur, wenn der Unternehmer seine Kosten nicht mehr decken kann, also G nicht existiert.
        #Ende Zitat rote_pille#

        Vermutlich habe ich mich nicht eindeutig und klar verständlich ausgedrückt. Deshalb versuche ich dies besser zu machen:
        Ein Unternehmer X leiht bei der Bank Geld: W + L
        Da er damit spekulieren und Profit machen _will_, produziert er damit Waren, die er danach zu einem Preis von
        W + L + G verkaufen _will_ und damit den Gewinn G machen _will_.
        Waren im Wert von L werden von den Beschäftigten des Unternehmers X gekauft, vorausgesetzt (best case) alle Beschäftigten geben ihren Lohn aus.
        Die Waren im Wert von (W + G) Euro sind dann aber noch _nicht_ verkauft.
        Diese müssen von einem anderen (auf Profit spekulierendem) Unternehmer Y gekauft werden (die Y dann als Investitionsgüter einsetzt), der dazu (wie Unternehmer X) Geld bei der Bank (und zusätzlich noch Geld L* für Löhne) leiht . Mit diesem _geliehenen_ Geld W + G + L* produziert er dann ebenfalls neue Waren und hofft wieder auf einen spekulierenden Unternehmern, usw. usf.
        Falls du dies anders modellieren willst, bitte ich um eine genaue Schilderung.
        Dies will ich zuerst geklärt haben, bevor ich auf die restlichen Punkt eingehe.

        mfg
        Bh

        • rote_pille sagt:

          Das Endprodukt muss von einem Konsumenten gekauft werden, der nicht auf monetären Gewinn spekuliert, sondern eine Erhöhung seines Wohlbefindens erreichen möchte (was doch ziemlich realistisch wäre?!). Die Konsumenten wiederum sind die Unternehmer selbst, die mit ihren Gewinnen die Produkte anderer Unternehmen kaufen, oder die Lohnarbeiter. Die Produktion muss ein Ziel haben.

          • Bernhart sagt:

            @ rote_pille
            #Zitat rote_pille#
            „Wenn er meint, daß sich diese Spekulation nicht lohnt, legt er das Geld bei der Bank an und es gibt Waren, die nicht verkauft werden (Überproduktion).“ NEIN. Völlig falsche Denkweise.
            „G“ ist keine Menge von Waren, sondern ein Teil des Bargelds, welches der Unternehmer durch Verkauf seiner Waren erhalten hat. Die produzierten Waren mussten dafür schon verkauft worden sein. Wäre das Geschäft nicht zustande gekommen, würde das Bargeld aus G noch bei seinen vorherigen Besitzern rumliegen. Überproduktion gibt es nur, wenn der Unternehmer seine Kosten nicht mehr decken kann, also G nicht existiert.
            #Ende Zitat rote_pille#

            Nochmals mein Erklärungsversuch:
            Die gesamten von den Unternehmen produzierten und zum Verkauf stehenden Güter können nicht allein nur von den Beschäftigten (mit ihren Löhnen) aufgekauft werden (sondern auch von den Unternehmern), denn sonst hätten die Unternehmer keinen Gewinn.
            (Begründung: Ein Unternehmer läßt z.B. die Beschäftigten 4 Stunden am Tag arbeiten, damit diese Produkte produzieren, die er ihnen sozusagen als Lohnersatz zukommen läßt, die restlichen Güter, die in den anderen 4 Stunden produziert werden, kassiert der Unternehmer)
            Also muß der Rest der zum Verkauf stehenden Güter von den Unternehmern gekauft werden, die sie als Investitionsgüter benutzen (um wieder damit Waren zu produzieren).
            Wenn sie nicht von den Unternehmern gekauft werden, bleibt von dem zum Verkauf stehenden Güter etwas übrig (Überproduktion).

            mfg
            Bh

          • rote_pille sagt:

            Sie vergessen das Zeitmoment einzubeziehen. Natürlich könnte niemals alles gewinnbringend verkauft werden, wenn alle Unternehmer gleichzeitig die Löhne auszahlen und dann zum Markt rennen und ihre Waren anbieten. Das passiert in der Realität jedoch nicht. Es bilden sich bei den Menschen immer wieder kleine Geldansammlungen, die es ihnen erlauben die Ware zu kaufen. Wenn ein Unternehmer seine Ware verkaufen will, erhalten die Menschen von anderen Unternehmern gerade ihren Lohn, und die Unternehmer speisen das Geld sofort wieder in den Kreislauf ein, sobald die Bezahlung erfolgt ist. Die gleiche Geldmenge wird wieder und wieder benutzt.
            Überproduktion tritt in geringem Umfang ständig auf, diese besteht aber nur in der Fehleinschätzung der Nachfrage von Seiten der Unternehmer und ist unvermeidlich, da kein Mensch die Zukunft vorhersehen kann.

          • Bernhart sagt:

            @rote_pille

            Meine Behauptung ist:
            Wenn Unternehmen nicht investieren, tritt Überproduktion auf, d.h. der „Warenberg“ wird nicht beseitigt.

            Begründung:
            Angenommen, es wurden Waren (Warenberg) produziert und die Unternehmer produzieren dann nichts mehr und es werden Waren nur noch den Beschäftigten gekauft (Warenberg abbauen).
            Da die Unternehmen nichts produzieren, brauchen sie keine Beschäftigen, denen sie Lohn zahlen müssen. Also müssen diese sich Geld von der Bank leihen.
            Dann kommt der Zeitpunkt, wo jeder Beschäftigte so verschuldet ist, daß ihm die Bank kein Geld mehr leiht.
            Dann können die Beschäftigten nur noch von ihrem Lohn (den sie aber durch eine wirtschaftliche Aktivität eines Unternehmers erhalten) Waren kaufen (Warenberg abbauen).
            Dem muß aber eine wirtschaftliche Aktivität eines Unternehmers _vorausgehen_.
            Eine wirtschaftliche Aktivität eines Unternehmers erhöht aber den Warenberg um I + G
            (I ist der Wert für Investitionsgüter, die der Unternehmer von dem Warenberg einkauft + Löhne. Auf die anschließend produzierten Waren schlägt er den Gewinn G drauf.)
            Der Warenberg wird also um den Wert I + G erhöht, danach geben die Beschäftigten (best case) ihren ganzen Lohn L aus und reduzieren den Warenberg um den Wert L.
            Also wurde er insgesamt um den Wert I + G – L verändert.
            Da G > 0 und I >= L, folgt
            I + G – L > 0
            D.h. Dadurch wird der Warenberg nicht auf 0 reduziert.
            Daraus folgt, daß die Unternehmer investieren müssen, um den Warenberg auf 0 zu drücken.
            Investitionen sind aber nichts Besonderes im Kapitalismus.
            Deswegen verstehe ich deinen Einwand nicht.

            Hier nochmals eine anderer Erklärungsversuch:
            Ein Unternehmer (auf einer Insel mit 2 Unternehmen) zahlt seinen Beschäftigten immer weniger, als die von ihnen produzierten Waren Wert haben (wenn er Gewinn machen will).
            Also müssen andere Unternehmen den Rest „wegkaufen“.
            Die Beschäftigen des anderen Unternehmens können es nicht, da sie mit ihrem kompletten Lohn die Waren „ihres“ Unternehmens kaufen.

            Falls du deinen Einwand immer noch aufrecht erhältst, bitte ich mir dies an einem 2 Unternehmer-Modell zu zeigen.

            mfg
            Bh

          • rote_pille sagt:

            Heilige Sch…e
            Natürlich müssen die Unternehmer investieren oder konsumieren. Wenn sie dem Wirtschaftssystem ständig Geld entziehen, ist es irgendwann am A….
            Das passiert aber nicht. Wenn immer mehr Geld zurückgehalten wird, dann gehen die Preise runter und der reale Wert des Geldes steigt. Die Wahrscheinlichkeit der Überproduktion steigt, weil das Geld nicht gleichmäßig aus dem System gezogen werden muss. Ein Schokoladenhersteller generiert eine Überproduktion, wenn seine Kunden sich dazu entscheiden auf Schokolade zu verzichten. Allerdings nur vorübergehend, denn im Kapitalismus ist Überproduktion unrentabel und die Unternehmen, deren Waren keinen Absatz finden, müssen dicht machen. Es braucht keinen Staat der das anordnet, der Markt bereinigt das von sich aus.

            Je mehr die Leute gespart haben, desto höher ist der reale Wert des Geldes, die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich mehr Konsum leisten können, steigt. Wenn die Investitionsneigung zurückgeht, steigt der Zinssatz, was die Investitionen wieder attraktiver macht, wie ich schon erklärt habe.
            Das Geld wird nicht komplett aus dem System rausgezogen, weil kein Reicher einen Nutzen davon hat Geld in bar zu halten. Ihm entgehen die Zinsen oder der Konsum. Das Unternehmen in ihrem Modell macht einen Gewinn und transferiert diesen auf das Konto des Besitzers, das was fehlt wird durch das Geld ersetzt welches andere Marktteilnehmer in der Kasse haben. Nicht nur die Löhne, sondern das was von vergangenen Löhnen noch übrig ist. Mit diesem unsinnigen Modell kann man nur zu falschen Ergebnissen kommen.

            Ein sinnvolles System ist eines mit einer Menge von Bargeld, welches immer im System ist. Bei einem Produktionsschritt passiert folgendes; der Unternehmer verschuldet sich, bekommt auf sein Kreditkonto eine negative Zahl eingetragen. Bei ein paar Marktteilnehmern wird eine Menge Bargeld genommen, ein positives Guthaben eingetragen und das Bargeld dem Unternehmer gegeben. Dann wird dieses Bargeld unter den Arbeitern aufgeteilt. Die Waren werden verkauft, d.h. von vielen Marktteilnehmern wird Bargeld an den Unternehmer transferiert, soviel, dass er den Kredit auszahlen kann (Bargeld an Gläubiger+Zins zurück, Guthaben und Schulden löschen), den Rest des Bargelds kriegt der Unternehmer. Das muss dann in einer Endlosschleife wiederholt werden, mehrere Schritte dürfen sich auch überlappen, aber nicht vergessen, dass die Unternehmen auch scheitern können (mit einer Wahrscheinlichkeit modelliert, die mit der Ungleichheit der Vermögen steigt). Das Modell ist immer noch schlecht, weil es für die verschiedenen Waren keine variablen Preise gibt, keine Konsumkredite und Privatinsolvenzen, aber meine Zeit ist leider zu begrenzt um ihnen den gesamten Programmcode zu beschreiben. Sie müssen auch selbst ein bisschen nach Lösungen suchen und uns nicht Satz für Satz aus der Nase ziehen.

          • Stefan sagt:

            Macht’s Spaß rote_pille? 🙂

            Diese Art und Weise, wie „links-sozialistische“ Ideologen versuchen die freie Marktwirtschaft zu kritisieren, kenne ich jetzt seit mindestens 20 Jahren. Im Prinzip ist es jedes mal das gleiche. Sie nehmen aus dem gesamten volkswirtschaftlichen Kreislaufprozess einen Teil heraus und stoppen in dem Moment, an dem es gerade in ihr kapitalismuskritisches Weltbild passt.
            Dann machen sie so eine kleine Simulation und mit Plus und Minus und Variablen soll das ganze dann wissenschaftlich aussehen. Es bleibt natürlich Humbug von vorne bis hinten.
            Du kannst dann mit ihnen diesen Prozess Schritt für Schritt durchgehen und ihnen erklären was alles fehlt oder falsch ist. Von diesem Schritt aus machen sie dann einen weiteren Simulations-Schritt, bei dem dann wieder alles möglich fehlt oder falsch ist.
            Irgend wann seid ihr dann im volkswirtschaftlichen Kreislauf, nach wochenlangen Diskussionen, wieder am Anfang angekommen. Ihr habt euch zusammen also im Kreis gedreht. Und dann fängt das wieder von vorne an.

            Mit einer Gleichgewichtsfunktion versucht man den gesamten Prozess insgesamt zu erfassen. Dann muss man sich nicht ständig im Kreis drehen. Wenn das jemand ablehnt oder nicht verstehen will, wie Bernhart, dann dreht ihr euch ewig im Kreis.
            Na ja, muss man mit Humor nehmen und nicht aufregen. Ich nenne das ganz hier jetzt „Bernharts ulkige Simulations Show“.

            Viel Spaß euch noch 🙂

          • rote_pille sagt:

            Ich gebe mir nur Mühe weil ich glaube, dass er’s unabsichtlich nicht kapiert. Wäre er ein Ideologe, dann wäre er vom Modell längst zu einem anderen Thema übergegangen und hätte die anderen typischen Vorurteile gebracht – Arbeitsplatzverluste durch Automatisierung, Zerstörung der Natur, pseudomoralische Kritik, Ängste etc. In dem Fall hätte ich nur gesagt: „scrollen Sie hoch“. Manchmal versteht man etwas nicht auf Anhieb, aber dann erkläre ich halt jedes Detail bis es Klick macht. Wo Zweifel ist, ist Hoffnung.

    • Stefan sagt:

      „Ja, dann muß man eben genau seinen Standpunkt vorstellen.
      Man kann aber nicht einerseits – wie hier in dem Forum geschehen –
      mit den Angebots/Nachfrage-Kurven (und der zugrunde liegenden Mathematik) argumentieren und andererseits behaupten „die Kurven werden experimentell ermittelt und diese können die unterschiedlichsten Formen annehmen“.
      Das ist inkonsistent.
      ….
      Angebots-Nachfrage-Gleichgewichts-Harmonielehre…“

      Bernhart, du hast wirklich ein grundsätzliches Problem mit der wissenschaftlichen Methode.

      Mal was erschreckendes für dich zu Wissenschaft allgemein:
      Wenn man ganz kleinkariert denkt, ist vermutlich jedes Modell aus allen Wissenschaften falsch. Puh. Ein Modell ist eine Abstraktion der Realität, es ist aber nicht die Realität.

      Eine Analogie aus der Physik.
      a = F/m; (Beschleunigung ist Kraft durch Masse)
      Das ist eine Gleichgewichtsfunktion! Wenn die Kraft größer Null ist, dann ist das Gleichgewicht von dem System „Kraft und Masse“, dass die Masse beschleunigt.
      Also das Gleichgewicht ist kein Ruhezustand, es ist auch kein Optimum und es es auch keine Harmonielehre. Es ist ein Gleichgewicht der „Kräfte“. Nicht mehr und nicht weniger.
      Mit dieser Formel wird seit Newton erfolgreich in der Realität gearbeitet und für das allermeiste in unserem Alltag reicht das vollkommen aus. Damit wurden schließlich Dampfmaschinen, Flugzeuge und Autos gebaut. Aber jetzt der Schock. Seit Einstein wissen wir, wenn man unter anderem mit dieser Formel den Geschwindigkeitsverlauf eines Körpers berechnet, ist die Formel falsch, weil die Masse mit der Geschwindigkeit zunimmt. Bei Geschwindigkeiten weit unterhalb der Lichtgeschwindigkeit ist der Fehler einfach nur sehr klein.

      Was macht man jetzt in der Wissenschaft? Man erweitert sein Modell so, dass die neuen Erkenntnisse durch das Modell erfasst werden.

      Wenn man im Angebot/Nachfrage-Modell eine Ausnahme gefunden hat, wie z.B. bei Luxusgütern, dann erweitert man sein Modell mit eben dieser Ausnahme. In 99,9xx% aller Fälle wird aber trotzdem ein höherer Preis zu einer geringeren Nachfrage führen. Und auch bei Luxusgütern gibt es nur einen bestimmten Bereich in der Angebots/Nachfrage-Kurve, bei der die Nachfrage mit höherem Preis steigt. Ab einer gewissen Preishöhe geht auch hier wieder die Nachfrage zurück, wenn man den Preis noch weiter anhebt.
      Und natürlich ermittelt man den genauen Verlauf der Angebots/Nachfrage-Kurve für ein bestimmtes Produkt, Branche, Markt experimentell. Was denn sonst, zum Geier?

      In einer Schwerkraft-Gleichgewichtsfunktion wird die Gravitationskonstante doch auch experimentell ermittelt. Dann bekommt man schließlich einen Wert mit dem man arbeiten kann, ohne dass man gleich das gesamte Universum erfassen muss. Aber deswegen werfe ich doch nicht die grundsätzliche Überlegung komplett über den Haufen.

      Du spuckst hier zwar große Töne, aber ich schätze du bist noch sehr unerfahren. Das kann man bei dir an jedem 2. Satz sehen.

      Angebots-Nachfrage-Gleichgewichts-Harmonielehre = polemischer Mumpitz.

      • Bernhart sagt:

        #Zitat Stefan#
        Was macht man jetzt in der Wissenschaft? Man erweitert sein Modell so, dass die neuen Erkenntnisse durch das Modell erfasst werden.
        Wenn man im Angebot/Nachfrage-Modell eine Ausnahme gefunden hat, wie z.B. bei Luxusgütern, dann erweitert man sein Modell mit eben dieser Ausnahme. In 99,9xx% aller Fälle wird aber trotzdem ein höherer Preis zu einer geringeren Nachfrage führen. Und auch bei Luxusgütern gibt es nur einen bestimmten Bereich in der Angebots/Nachfrage-Kurve, bei der die Nachfrage mit höherem Preis steigt. Ab einer gewissen Preishöhe geht auch hier wieder die Nachfrage zurück, wenn man den Preis noch weiter anhebt.
        #Zitat Stefan#

        Ich versuch noch einmal klar zu machen, um was es geht:
        In dem Gleichgewichts-Modell folgt unter gewissen Annahmen A die Behauptung B, kurz:
        Satz_Alt: A –> B
        Jetzt stellst man fest, daß für einen bestimmten Fall nicht mehr A (z.B. momoton steigende Angebotskurve) gilt, aber man trotzdem unbedingt (aus ideologischen Gründen ?) die Behauptung B haben (retten) will. Dann muß man einen neuen Satz aufstellen, bei dem bei modifiziertem A (ich nenne es A*) auch wieder B folgt, also z.B:
        Satz_Neu: A* –> B
        Das Problem ist nur, daß man dann diesen „Satz_Neu“ _mathematisch beweisen_ muß.
        Ich habe zwar keine Expertise auf dem dazugehörigem mathematischen Gebiet, aber so einen Satz (mit Beweis !) „rotzt“ man nicht so einfach raus, wie du dir das vielleicht vorstellst.
        Und vor allem:
        Viele neoklassische Theoretiker haben ein Interesse (um die neoklassische Wirtschafslehre noch weiter zu rechtfertigen) die Annahme einer monoton steigenden Angebotsfunktion auch noch auf weitere (so wie du auf alle möglichen Kurven) auszuweiten, nur muß man aufpassen, daß dann der „Satz_Neu“ nicht falsch wird. Aber: Die modifizierten Annahmen mit denen „Satz_Neu“ richtig wird, schüttelt man nicht einfach so aus dem Ärmel.
        Schließlich haben die Theoretiker Arrow und Debreu einen Nobelpreis für die Formulierung hinreichender Bedingungen (für ein Gleichgewicht) erhalten.
        Das alles kannst du aber bei Ortlieb (oder sonst wo im Internet) nachlesen. Mach dies bitte, falls es dich interessiert.
        Wir können sonst noch ewig über diese Basics streiten.

        Es ist nicht schlimm, wenn man (aus ideologischen oder aus was für Gründen auch immer) eine Theorie (durch Modifikation seiner Voraussetzungen) „retten“ will, doch darf man dabei nicht die wissenschaftlichen Standards unterschreiten.

        mfg
        Bh

        • Stefan sagt:

          Also ich hab ja nicht behauptet, dass man das einfach so hinrotzen kann, wenn man richtig sauber wissenschaftlich arbeitet. Aber das ist hier eine Kommentarfunktion im Internet. Wir schreiben hier keine Doktorarbeit und nobelpreisverdächtig werden die Kommentare wohl auch nicht sein.

          Zitat Bernhart: „..aus ideologischen Gründen ?..“
          Ich weiß nicht ob du das realisiert hast, aber du bist hier nicht einfach auf einer Internetseite von Leuten die Kapitalismus wollen, sondern hier schreiben Leute die ihre Freiheit wollen, welche ihnen vom Staat gestohlen wurde. Also wir wollen überhaupt keinen Staat und auch sonst kein Herrschaftssystem.
          Also wir Voluntaristen/Anarchisten/Libertäre haben uns von sämtlichen (Herrschafts-)Ideologien verabschiedet. Das ist keine „neoliberale“ oder kapitalistische Ideologie, sondern schlicht und ergreifend Freiheit. Eine freie Marktwirtschaft ist einfach ein Teil oder Grundlage von Freiheit. Es gibt da kein dazwischen. Entweder man ist frei und dann kann man auch frei handeln und wirtschaften oder man ist nicht frei, dann ist man unterdrückt, ausgebeutet, beherrscht und versklavt.

          Also Leute, welche die freie Marktwirtschaft kritisieren, schreiben ganze Bibliotheken voll mit fadenscheinigen Begründungen, warum es schlecht sein soll, wenn derjenige der etwas verdient hat, auch selbst entscheidet, was er mit dem verdienten machen will. Oder wenn 2 Leute einen Handel betreiben, soll es besser sein, wenn eine Dritte Partei sich einmischt und den beiden Vorschriften macht.
          Das Ergebnis von jeglicher Kritik an der freien Marktwirtschaft ist, dass irgendwann jemand vor dir steht, dich bedroht und sagt „her mit dem Geld“(Steuern) oder „tut dieses oder jenes“(Pflichten) oder „das darfst du nicht“(Vorschriften; Markteintrittshürden), weil es besser sein soll, wenn der Räuber dein Geld ausgibt und dieser Räuber weiß auch noch gleich besser, wie du mit deinen Mitmenschen Handel betreiben solltest.
          Und das Ergebnis ist tatsächlich so banal. Das Ergebnis von Karl Marx war, dass ganze Völker hinter einer Mauer eingesperrt wurden, Millionen in Arbeitslager gesteckt wurden und auch Millionen ermordet wurden. Die Menschen durften nicht einfach wirtschaften, wie es normal wäre, sondern sie mussten den sozialistischen Herrscher erst fragen. Ich kenne Geschichten aus der DDR, da wurde den Leuten sogar die privaten Gemüsebeete von den Sozialisten zertrampelt, weil dafür ja die LPG zuständig war.

          Was wir heute in allen sogenannten demokratischen Rechtsstaaten haben, ist nur partiell besser. Was wir definitiv nicht haben ist Kapitalismus. Im besten Fall kann man noch von kapitalistischen Resten sprechen. Kapitalismus ist definitionsgemäß, Recht auf Eigentum und freie Marktwirtschaft (Wenn Eigentum wirklich respektiert werden würde, dann könnte es keine Steuern geben!). Wer das nicht will, der will die Menschen ausrauben und er will sie beherrschen, was einer Versklavung gleich kommt.
          Herrschaftsideologische Gründe liegen ausschließlich bei den Kritikern der freien Marktwirtschaft vor.

          Also, dass man bei einer Kritik an der freien Marktwirtschaft auch nur einen einzigen wertvollen Gedanken findet, ist für mich faktisch ausgeschlossen. Wenn der Ortlieb die volkswirtschaftlichen Modelle verbessern will, soll er das tun. Was ich bei ihm gelesen habe, war polemisches Geschwafel, gespickt mit staatsgläubiger Propaganda. Also wer angeblich fehlende Wissenschaftlichkeit bei anderen kritisieren will und solche Texte schreibt, sollte sich besser erst mal an die eigene Nase fassen.
          Wenn ich von dem Ortieb einen falschen Eindruck bekommen haben sollte, tuts mir Leid. Das kann ich mir allerdings nur schwer vorstellen, weil deren Ideologie mich mittlerweile regelrecht anspringt, wenn ich Texte von staatsgläubigen, sozialistischen Ideologen lese.

          • Christian sagt:

            Jegliche Kritik an einer freien Marktwirtschaft bzw. am Kapitalismus abzulehnen, erscheint mir etwas übertrieben. Die Freiheit des Unternehmers ist nicht automatisch die Freiheit aller Menschen. Aber man macht es nicht besser, wenn man diese Freiheit auch noch abschafft. Durch staatliche Eingriffe wird die Situation eher verschlimmbessert.

            Auch die Keule „siehe Ostblock-Kommunismus“ ist etwas übertrieben, denn staatlich organisiertes Wirtschaften ist ja auch in der westlichen Welt schon lange gang und gäbe. Wenn man noch einen Unterschied zwischen der ehemaligen UdSSR und den USA machen möchte, sollte man das schon in Rechnung stellen.

          • rote_pille sagt:

            Die Kritik müssen Sie aber an die Menschen richten, nicht an das System welches den Menschen erlaubt so zu sein wie sie sind, solange sie keinen angreifen. Wir haben schon geklärt, dass es niemanden gibt, der das moralische Recht hätte anderen seinen Vorstellungen von dem was gut sein soll aufzuzwingen.
            Wir kämpfen nicht nur für die Freiheit des Unternehmers, sondern die aller Menschen. Die Unternehmer stehen nur an vorderster Front, weil sich die meiste Aggression gegen sie richtet, aber die Unternehmer sind keine Kaste, in die man reingeboren wird, sondern eine persönliche Entscheidung, die jeder treffen kann.

          • Stefan sagt:

            @Christian

            Gut, wenn jemand meint ein Dienstleistungsgewerbe für Auftragskiller betreiben zu müssen, dann hat man natürlich alles Recht der Welt sich dagegen zu wehren. Solche Dinge sind aber im Grunde mit der voluntaristischen Philosophie abgedeckt.
            Alles was darüber hinausgeht, dient doch immer dazu, Konkurrenten über Lobbyismus Hürden in den Weg zu legen oder das Gewaltmonopol des Staates zu sichern.

            Zum Ost-Block:
            Ich hab ja geschrieben, dass der West-Block nur partiell besser ist. In manchen Bereichen ist er vielleicht sogar schlimmer als der Ost-Block damals. Z.B. die Kontroll- und Überwachungsdichte. Das liegt aber eher an den technischen Möglichkeiten der Herrscher heute.

            Wie rote_pille schon geschrieben hat, geht es nicht nur um die Freiheit der Unternehmer, sondern aller Menschen. Für mich gibt es gar keinen Unterschied zwischen Unternehmer und Angestellten. Das ist doch auch alles nur künstlich vom Staat erzeugt, damit er die Leute gegeneinander ausspielen kann. Jeder Angestellte ist Unternehmer, der seine Dienstleistung anbietet.

            Zu USA UdSSR:
            Das Problem ist doch, dass alle Staaten der Welt sich in immer extremere Tyranneien entwickeln. Wie sich die Polizei in den USA mittlerweile aufspielt, hat so gar nichts mehr mit dem „Land of the Free“ von einst zu tun. Wir haben 250.000 Vorschriften und jedes Jahr kommen 3000 neue dazu.
            Das ganze mündet dann wieder einmal in einem totalen Zusammenbruch der Wirtschaft und Gesellschaft. Dann gibt es wieder Krieg oder Bürgerkrieg. Wenn dann alles in Trümmern liegt, haben wir erst mal wieder einen Minimalstaat. Der fängt dann wieder an zu wuchern. Bis zum nächsten Kollaps.
            Das könnte man sich sparen, wenn man einfach mal die Herrschaftsgläubigkeit aufgibt.

          • Christian sagt:

            Kapitalismus ist keine individuelle Einstellungsfrage. Deshalb reicht es nicht, die Kritik „an die Menschen“ zu richten (obwohl sich ja schon welche angesprochen fühlen), sondern es geht um ein Verständnis des Wirtschaftssystems Kapitalismus und seiner allgemeinen Wirkungen auf die Menschen. Dass jeder individuell die Anforderungen eines Wirtschaftssystems verarbeitet bleibt dabei unbestritten: der eine passt sich an, der andere wehrt sich, ein anderer entwickelt Alternativen usw.

            Jeder Mensch hat besondere Fähigkeiten und Interessen. Diese sind jedoch nicht notwendig marktkompatibel, d.h. es herrscht nicht automatisch die Nachfrage nach den jeweils besonderen Fähigkeiten. Daher sind immer Anpassungsprozesse der Individuen nach Marktlage notwendig, sofern diese dazu in der Lage sind (praktisch wie mental).

            Dies bedeutet für mich jedoch nicht, dass ich quasi das Kind mit dem Bade ausschütten würde, d.h. die unternehmerische Freiheit beschränken würde. Denn dadurch würde ich das Wirtschaftssystem in seiner Funktionsfähigkeit beeinträchtigen.

            Eine Alternative wäre höchstens, dass ich mit anderen Menschen gemeinsam, eine zur Marktwirtschaft alternative Form des Wirtschaftens ausübe. Hier sprechen wir aber über Insellösungen, solange wir es gesamtgesellschaftlich mit der bekannten staatlichen Steuerung einer gemischten Wirtschaft zu tun haben oder mit einem utopischen reinen Kapitalismus.

    • rote_pille sagt:

      Jetzt aber zur Kritik:
      1. Die negative Zeitpräferenz.
      Tja, ich hatte auch erst Schwierigkeiten mit an den Gedanken zu gewöhnen, dass eine negative Zeitpräferenz unmöglich sein soll. Die Verwirrung kommt dadurch, dass die Definitionen nicht verstanden wurden. Der Satz bezieht sich nur auf die Höherwertung der Mittel. Da ist das Beispiel mit dem Kino: wenn Sie sich heute entscheiden morgen ins Kino zu gehen handeln sie heute nicht im Bezug auf die Mittel (hier 20 Euro). Das Bedürfnis morgen ins Kino zu gehen konkurriert nicht mit dem Bedürfnis heute ins Kino zu gehen um die 20 Euro, die Sie dafür ausgeben, weil dieses Bedürfnis gar nicht entstanden ist. Sie haben sich schließlich nicht entschieden morgen ins Kino zu gehen, weil Sie die 20 Euro morgen höher schätzen als heute, sondern weil es Ihnen morgen besser passt. Sie können morgen dann aus dem Haus gehen und das Geld auf dem Weg ins Kino einem Obdachlosen geben. Da haben Sie gehandelt, weil das Bedürfnis zu helfen stärker war als das Bedürfnis ins Kino zu gehen und folglich die Mittel dafür aufgebraucht wurden.
      Fortsetzung zum Rest der Kritik folgt, man braucht eine Weile um das zu verdauen…

    • rote_pille sagt:

      2. Zur Kritik am natürlichen Zinssatz/Urzins:
      Ich muss eine kurze Einleitung zum Gedankenbild der gleichmäßigen Wirtschaft geben und ein paar anderen Sachen geben: „Unternehmergewinne“ im österreichischen Sinne nicht zu verwechseln mit dem „Profit“ im marxistischen Sinne, der sich eigentlich aus Zins+Unternehmensgewinnen (die für Österreicher die Gewinne sind, die man aus einer spekulativen Tätigkeit bekommt) zusammensetzt. Wir definieren den Erwartungswert des Gewinns als Zins, alles was darüber hinaus anfällt ist Unternehmensgewinn, darunter hat man Unternehmensverlust (auch wenn der Gewinn immer noch positiv ist).
      Der Zins teilt sich dann nochmal auf in die Komponente aus der Zeitpräferenz (Urzins/natürlicher Zins), aus dem Risiko und die monetäre Komponente.
      Die gleichmäßige Wirtschaft ist ein Gedankenbild, indem sich immer wieder die gleichen Sachen mechanisch wiederholen. In der gleichmäßigen Wirtschaft fallen Unternehmensgewinns und alle Komponenten bis auf den Urzins weg, weil jegliche Unsicherheit in diesem Modell ausgeschaltet wurde – es kann kein Risiko geben, es kann keine monetäre Komponente geben, weil es kein Geld gibt, weil das Geld nur Sinn macht wenn man nicht genau weiß was man kaufen wird, und in der gleichmäßigen Wirtschaft gibt es ja keine Unsicherheit in Bezug auf die Zukunft. Die Ursache für den Urzins, die Höherbewertung der gegenwärtigen Güter, bleibt jedoch auch im Gedankenbild der gleichmäßigen Wirtschaft erhalten und somit auch dieser Urzins.
      In der gleichmäßigen Wirtschaft MUSS sich ein allgemeiner Zinssatz herausbilden, genauso wie sich allgemeine Preise müssen, weil es sonst Differenzen gäbe, bei denen Unternehmergewinne möglich wären (die es im Gedankenbild der gleichmäßigen Wirtschaft nicht geben darf). Die Austauschverhältnisse können sich logischerweise nicht ändern, da es keine Unsicherheit bezüglich der Zukunft gibt und eine zu erwartende Änderung bewirken würde, dass die im Preis steigende Ware sofort gekauft werden würde. Unter solchen Bedingungen kann man einen konstanten objektiven Tauschwert, gebildet aus den vielen subjektiven Wertschätzungen der Marktteilnehmer, annehmen.
      In der gleichmäßigen Wirtschaft verleihen die Leute so lange an andere bis die Mittel für die empfindlichsten Bedürfnisse nicht selbst an die Reihe kommen und der Eigenzinssatz nicht so hoch ist wie der Zinssatz, den der andere einem wegen seiner Zeitpräferenz gewährt.
      Hierzu ein Beispiel: Nehmen wir an, meine Bedürfnisse wären Nahrung, Kleidung und Fußball. Das Fußball-Bedürfnis kann ich am leichtesten aufschieben, mein Zinssatz dazu ist 5%, für die Kleidung ist es schon 20% und für die Nahrung unendlich. Jetzt habe ich bestimmte Mittel, um diese Bedürfnisse zu erfüllen, ich alloziiere sie natürlich so, dass die dringendsten Bedürfnisse Vorrang bekommen. Wenn ich mein Bedürfnis nach Kleidung voll erfüllen kann, ist mein Zinssatz 5%.
      Jetzt kommen ein paar Personen hinzu, die nur Nahrung haben und gerne Kleidung leihen würden, und bereit wären mir 10% zu bezahlen (so hoch ist deren Zeitpräferenz für die Mittel um dieses Bedürfnis zu erfüllen). Natürlich gebe ich es ihnen und schiebe mein Fußballbedürfnis auf. Wenn die mehr leihen wollen als ich für Fußball übrig habe, ist der Urzins genau 10%. Wenn nicht, liegt der Urzins irgendwo zwischen 10% und 5%, abhängig von der Information, über die die Personen verfügen. Für das ganze System. Diese Information ist im Gedankenbild der gleichmäßigen Wirtschaft übrigens immer die gleiche (sonst gäbe es Spekulationsgewinne).

      All das kann man nicht aus der Erfahrung herleiten, sondern nur aus der Logik. In den Axiomen waren praktisch schon sämtliche Ergebnisse enthalten.
      Fortsetzung folgt…

    • rote_pille sagt:

      (Sorry, der letzte Kommentar ist an der falschen Stelle gelandet, wollte nicht die Seite zuspammen)
      3. Die Liquiditätspräferenz
      Aus Zeitgründen verzichte ich auf die Paraphrasierung von Bekanntem und verweise ich auf Rothbards Werk
      https://mises.org/sites/default/files/Man,%20Economy,%20and%20State,%20with%20Power%20and%20Market_2.pdf
      ab S. 776. Alternativ kann man sich auch folgendes durchlesen:
      http://www.misesde.org/?p=9308
      Kürzer, aber nicht schlechter.
      Fortsetzung folgt.

  30. Bernhart sagt:

    @rote_pille
    #Zitat rote_pille#
    aber meine Zeit ist leider zu begrenzt um ihnen den gesamten Programmcode zu beschreiben. Sie müssen auch selbst ein bisschen nach Lösungen suchen und uns nicht Satz für Satz aus der Nase ziehen.
    #Ende Zitat rote_pille#

    Ich brauche keinen Programmcode.
    Ich suche nach einfachen Modellen (um das Prinzip zu verstehen) und weil ich nicht weiß, ob diese korrekt sind, stelle ich sie zur Diskussion.
    Deswegen Dank an alle, die ihre Zeit opfern, meinen Erkenntnishorizont zu vergrößern.

    #Zitat rote_pille#
    Ein sinnvolles System ist eines mit einer Menge von Bargeld, welches immer im System ist. Bei einem Produktionsschritt passiert folgendes; der Unternehmer verschuldet sich, bekommt auf sein Kreditkonto eine negative Zahl eingetragen.
    #Ende Zitat rote_pille#

    ok

    #Zitat rote_pille#
    Bei ein paar Marktteilnehmern wird eine Menge Bargeld genommen, ein positives Guthaben eingetragen und das Bargeld dem Unternehmer gegeben.
    #Ende Zitat rote_pille#

    Ist damit gemeint, daß diese Marktteilnehmer der Bank Geld leihen und diese Bank es dem o.g. Unternehmer verleihen ?

    #Zitat rote_pille#
    Dann wird dieses Bargeld unter den Arbeitern aufgeteilt.
    #Ende Zitat rote_pille#

    vermutlich nicht verschenkt.
    Ist dieses Bargeld also der Lohn, der unter den Arbeitern aufgeteilt wird ?
    Bis jetzt also das Unternehmerkonto mit L belastet und auf der Summe aller Arbeiterkonten L dazugekommen. Stimmt das so?

    #Zitat rote_pille#
    Die Waren werden verkauft, d.h. von vielen Marktteilnehmern wird Bargeld an den Unternehmer transferiert, soviel, dass er den Kredit auszahlen kann (Bargeld an Gläubiger+Zins zurück, Guthaben und Schulden löschen), den Rest des Bargelds kriegt der Unternehmer.
    #Ende Zitat rote_pille#

    Die Arbeiter bezahlen für die Lohnsumme L also diese Waren und das Unternehmerkonto kommt wieder L dazu. Es ist jetzt also wieder ausgeglichen.

    Die Beschreibung ist für mich nicht so präzise, daß ich sie verstehe und nachvollziehen kann.
    Deswegen meine folgenden Beschreibung mit der Bitte um feedback.

    Jede Tätigkeit eines Marktteilnehmers verändert den Zustand des Systems, der durch 4 Eigenschaften gekennzeichnet ist:

    (UK, BK, IK, WK )
    UK: Summe der Kontostände _aller_ Unternehmer
    BK: Summe der Kontostände _aller_ Beschäftigten der Unternehmer
    IK: Summe der Werte _aller_ getätigten Investitionen (Investitionsgüter + Löhne)
    WK: Summe der Werte _aller_ produzierten Waren

    Ich betrachte also nicht die Konten der einzelnen Vermögen, sondern die Summe der Konten.
    Dies kann man als globale Sichtweise auffassen.

    1)
    Anfangszustand des Systems
    (UK, BK, IK, WK )
    wobei UK = BK = IK = WK = 0

    2) Investitionsphase
    Ein Unternehmer leiht sich Geld für Investitionsgüter I und Löhne L:
    Dadurch wird sein Konto damit belastet und der Wert der Wert von IK damit vergrößert.
    (UK-I-L, BK+L, IK+I, WK )

    3) Produktionsphase:
    Der Unternehmer produziert mit den Investitionsgütern Waren, die verkaufen will.
    Die Investitionsgüter (I+L) sind danach weg , aber die Summe der Werte vergrößert sich um diesen Wert und zusätzlich noch um den Gewinn G.
    Dadurch wird sein Konto damit belastet und der Wert der Wert von IK damit vergrößert.
    (UK-I-L, BK+L, IK, WK+I+L+G )

    4) Verkauf an Beschäftigte
    Der Unternehmer verkauft einen Teil der Waren (Konsumgüter) an die Beschäftigten.
    Da nur diejenigen kaufen können, die einen Lohn bekommen (weil z.B. die Bank kein Geld mehr an die Beschäftigten verleiht,siehe mein letztes posting), vermindert sich das Warenkonto um L und gleichzeitigt wird UK um diesen Betrag vergrößert.
    (UK-I, BK, IK, WK+I+G )

    5) Verkauf an andere Unternehmer
    Der Unternehmer verkauft den restlichen Teil (mit Wert I+G) der produzierten Waren (als Investitionsgüter) an andere Unternehmern (damit er keine zu verkaufenden Waren mehr auf Lager hat) , wobei er dadurch IK erhöht.
    An UK verändert sich nichts, da des einen Geldausgabe des anderen Geldeinnahmen ist.
    (UK-I, BK, IK+I+G, WK)

    6) Ergebnis:
    Summe UK + IK + WK im Anfangszustand = UK + IK + WK = 0
    Summe aus UK , IK und WK am Schluss = UK + IK + WK + G = G
    Der Wert der Waren der Unternehmer + die Summe der Unternehmensvermögen hat sich also um G vermehrt.

    Wenn also nicht investiert wird wie bei 5), dann befindet sich noch unverkaufte Waren im Wert von (WK+I+G) auf dem Markt, also Überproduktion.
    Ich verstehe immer noch nicht, wo genau da einen Denkfehler sein soll und bitte um einen Korrekturvorschlag.

    mfg
    Bh

    • rote_pille sagt:

      Jetzt verstehe ich Ihren Denkfehler. Die Konsumenten können bei ihnen nicht kaufen, weil es bei Ihnen kein Bargeld, sondern nur Schulden und Guthaben gibt. Wenn Sie die Anfangsbedingungen so setzen, ist dieses Problem unlösbar. Es muss einen Fonds von Bargeld geben, der bereits vor der Produktion existiert hat. Aus diesem kann man den Gewinn auszahlen. Bei einem Warengeld ist so etwas gegeben.
      Verabschieden Sie sich von der Unterscheidung „Unternehmer“ und „Arbeiter“. Das sind nur ökonomische Funktionen, die jedes Individuum annehmen kann. Man initialisiert das System mit ein paar Individuen, die eine bestimmte Anfangsmenge Bargeld haben. Ein paar kann man als besonders unternehmungsfreudig bezeichnen, die werden dann die Unternehmer, unterscheiden sich aber nicht grundlegend von den Arbeitern. Jedes Individuum hat einen individuellen Schulden/Guthabenstand gegenüber jedem anderen Individuum und eine Bargeldmenge. Die Summe von Schulden und Guthaben (wenn Schulden negativ gezählt werden) ist anfangs 0, die Summe des Bargelds JEDOCH NICHT.
      Es ist sinnlos, Arbeiterklassen oder Unternehmerklassen einzuführen, weil die Interaktionen nur zwischen einzelnen Individuen stattfinden. Man muss das Geld zwischen diesen Individuen hin und- her schieben und nicht etwa zwischen den KIassen, deshalb machen die Größen UK, BK usw. keinen Sinn.
      IK und WK machen besonders wenig Sinn, da die produzierten Waren teilweise selbst Investitionsgüter sind. Wir können nicht angeben, was produziert wird und warum etwas in diesem System gekauft wird.
      Ich sage es sicherheitshalber noch einmal: es gibt keine Klassen in diesem System, nur Individuen.
      -Anfganszustand: 100 Individuen, alle haben eine bestimmte Menge G_i (Bargeld) die Summe des Bargelds ist viel größer als, die Summe welche in dem folgenden Produktionsprozess zirkulieren wird (selbst wenn Zins draufgeschlagen wird).
      -Eine Teilmenge namens „KAPITALISTEN“ davon, oder kurz „K“ entscheidet sich, das Bargeld an ein Individuum zu leiten welches -„BANKER“ (B) heißt. B bekommt das Bargeld (sein G_i steigt, die G_i’s der K’s sinken. Individuen aus K bekommen Guthaben gegenübr dem banker eingetragen, B bestimmt Schulden gegenüber Individuen aus K eingetragen.
      -Ein Individum, welches wird von nun an als Unternehmer (U) bezeichnen, nimmt bei B Kredit auf. Er bekommt Bargeld von B und eine Schuld gegenüber B, B verliert Bargeld und bekommt eine Forderung gegenüber U.
      -U stellt Arbeiter (A) ein und produziert. Die Individuen bekommen alles Bargeld, was U als Kredit erhalten hat, ausgezahlt. In diesem Modell gibt es leider keine Investitionsgüter, sie einzuführen würde noch größere Komplexität hereinbringen. U müsste für diese einen Teil des Kredits aufwenden, während ein anderer Unternehmer ihm hier seine Waren verkauft. Zur Modellierung müsste sich also die Verkaufsphase eines anderen Unternehmers mit der Einkaufsphase von U zeitlich überschneiden. Der Einfachheit halber nehme ich das heraus, SIe können sich selbst überlegen, wie Sie das hereinbringen. Gehen wir halt von einer sehr primitiven Wirtschaft aus, in der alles was hergestellt wird sofort konsumiert wird.
      -U verkauft seine Waren. Dazu wird eine Bargeldmenge von Individuen aus einer Teilmenge V genommen und an U geleitet. Damit die Produktion profitabel ist, muss diese mindestens so hoch wie der aufgenommene Kredit an den Banker+das was der Banker als Zins verlangt.
      -U zahlt Kredit zurück, d.h. er gibt dem Banker Bargeld, um Kredit+Zinsen zu bezahlen. Der Banker verliert die Forderung gegnüber U, U hat keine Schuld mehr gegenüber B.
      -B zahlt die Guthaben aus. (Ich weiß, in der Realität machen Banken das nicht, sondern das Guthaben bleibt meistens bestehen und wächst um den Zins. Aber um das zu modellieren, reicht es aus, den Produktionsprozess immer wieder neu zu starten. Ich will die Konten jetzt wieder in Ausgangsposition bringen und lasse den Banker die Kapitalisten auszahlen. Der Zins, den die Kapitalisten bekommen, ist geringer als der Zins, den U an B gezahlt hat.
      Somit haben wir am Ende wieder Schulden/Guthaben alle auf 0 und veränderte Barbestände:
      -Die Kapitalisten bekommen den Zins den B zahlt zu ihren G_i’s dazuaddiert
      -B bekommt die Zinsdifferenz aus dem was U gezahlt hat und was er als Zins an die K’s bezahlen musste
      -U bekommt das, was er als Überschuss erwirtschaftet hat, abzüglich des Zinses, den er an B zahlen musste
      -Die A’s bekommen ihre Lohnsumme zu ihren Bargeldbeständen dazuaddiert
      -Die V’s zahlen alles: Löhne, Zinsen, Unternehmergewinne. Zu den Verbrauchern kann eine Teilmenge der A’s und K’s oder sogar B dazugehören!
      Jetzt kann man diesen Prozess wiederholen, indem man den Individuen neue Rollen zuweist (gut, realistisch ist es, wenn man B festlegt und nur einen Teil als Unternehmer in Frage kommen lässt). Die reicheren Individuen werden wahrscheinlich auch nur noch als Kapitalisten fungieren wollen. Jeder Arbeiter kann die Rolle des Kapitalisten übernehmen, weil auch diese kleinere Summen sparen.

      • Bernhart sagt:

        @rote_pille
        #Zitat rote_pille#
        Jetzt verstehe ich Ihren Denkfehler. Die Konsumenten können bei ihnen nicht kaufen, weil es bei Ihnen kein Bargeld, sondern nur Schulden und Guthaben gibt. Wenn Sie die Anfangsbedingungen so setzen, ist dieses Problem unlösbar. Es muss einen Fonds von Bargeld geben, der bereits vor der Produktion existiert hat. Aus diesem kann man den Gewinn auszahlen. Bei einem Warengeld ist so etwas gegeben.
        #Ende Zitat rote_pille#

        Deinem Vorschlag gemäß setze ich die Konten am Anfang so hoch, daß durch wirtschaftliche Aktivitäten keine Schulden entstehen sollen und man daher auch keine Bank braucht, die Geld verleihen und Marktteilnehmer, die der Bank Geld geben.

        #Zitat rote_pille#
        Es ist sinnlos, Arbeiterklassen oder Unternehmerklassen einzuführen, weil die Interaktionen nur zwischen einzelnen Individuen stattfinden. Man muss das Geld zwischen diesen Individuen hin und- her schieben und nicht etwa zwischen den KIassen, deshalb machen die Größen UK, BK usw. keinen Sinn.
        #Ende Zitat rote_pille#

        Um zu zeigen, daß auf Dauer nicht nur die Beschäftigten (der Unternehmer ist in seiner Form als Angestellter seiner Firma in dieser Beziehung auch ein Beschäftigter) die produzierten Waren verbrauchen, benötige ich diese „technische“ Unterscheidung.

        #Zitat rote_pille#
        IK und WK machen besonders wenig Sinn, da die produzierten Waren teilweise selbst Investitionsgüter sind. Wir können nicht angeben, was produziert wird und warum etwas in diesem System gekauft wird.
        #Ende Zitat rote_pille#

        Wenn der Unternehmer in seiner Eigenschaft als Unternehmer (und nicht in der Eigenschaft als Beschäftigter des Unternehmens) etwas kauft, dann sind das Investitionsgüter.
        Wenn er aus diesen etwas produziert, dann sind es Investitionsgüter oder Konsgüter, also irgend welche Waren, die WK größer werden lassen.

        Also hier nochmals mein abgeändertes Modell und zum Schluss meine These

        (UK, BK, IK, WK )
        UK: Summe der Kontostände _aller_ Unternehmer
        BK: Summe der Kontostände _aller_ Beschäftigten der Unternehmer
        IK: Summe der Werte _aller_ getätigten Investitionen (Investitionsgüter + Löhne)
        WK: Summe der Werte _aller_ produzierten Waren

        Ich betrachte also nicht die Konten der einzelnen Vermögen, sondern die Summe der Konten.
        Dies kann man als globale Sichtweise auffassen.

        1)
        Anfangszustand des Systems
        (UK, BK, IK, WK )
        wobei UK > 0 und BK>0 und IK > 0 und WK > 0
        und die Konten durch die folgenden wirtschaftlichen Aktivitäten nicht negativ werden.

        2) Investitionsphase
        Ein Unternehmer leiht sich Geld für Investitionsgüter I und Löhne L.
        Dadurch wird UK nur mit L belastet (da der Kauf von Investitionsgütern den Stand eines anderes Unternehmerkontos vergrößert, verändert sich UK nicht auch noch um diese. Das war ein Denkfehler von mir). Der Wert von IK wird damit vergrößert und andererseits der von WK verringert.
        (UK-L, BK+L, IK+I, WK-I )

        3) Produktionsphase:
        Der Unternehmer produziert mit den Investitionsgütern Waren, die er verkaufen will.
        Die Investitionsgüter I sind danach weg und gleichzeitig vergrößert sich WK um I + L und dem Gewinn G.
        (UK-L, BK+L, IK, WK+L+G )

        4) Verkauf an Verbraucher.
        Um eine Überproduktion (bzw. den Warenberg nicht zu vergrößern) zu vermeiden, müssen vom Warenberg die Waren im Wert von L+G verkauft (verbraucht) werden.
        Wer kauft diese Waren im Wert von L+G ?

        Annahme: Nur die Beschäftigten kaufen diese Waren
        Dann wird BK um L+G verringert.
        (UK+G, BK-G, IK, WK )

        5) Ergebnis:
        Da nach Annahme (Anfangszustand) durch diese wirtschaftlichen Aktivitäten der Gesamtkontostand aller Beschäftigten nicht negativ werden soll, gilt immer noch:
        BK-G > 0
        Wenn man jetzt aber dieselben obigen Aktionen mehrfach hintereinander ausführen würde, ergäbe dies:
        BK-G-G
        BK-G-G-G
        BK-G-G-G-G,
        usw.
        Damit würde man irgendwann eine Verschuldung bekommen, die so groß wird, daß keine Bank bereit wäre, weiter Geld dafür zu leihen.
        These:
        Deswegen müssen irgendwann auch die Unternehmer sich an der Beseitigung des Warenbergs beteiligen, also konkret einen Teil (mindestens G) dieser Waren kaufen und als Investitionsgüter wieder zur Warenproduktion benutzen.

        Was soll an diese These „antikapitalistisch“ bzw. falsch sein?

        mfg
        Bh

        • rote_pille sagt:

          Sie setzen die Bargeldbestände so hoch, dass sie für EINE EINZIGE wirtschaftliche Aktivität ausreichen. Das ist eine äußerst realistische Annahme.
          Ihre Thesen, dass sich die Vermögen immer weiter aufstapeln, ist theoretisch nicht ausgeschlossen, wie ich nicht müde werde zu betonen, aber nur eine extrem unwahrscheinliche Möglichkeit (wenn die Regierung nicht nachhilft, und selbst dann gibt es Grenzen, hierzu würde ich Rothbards Gedanken über Monopole zu Rate ziehen). Wenn ein Reicher anfängt Bargeld zu horten verdient er nichts mehr und zehrt sein Kapital auf. Deshalb werden die Reichen es immer großteils investieren und zu Sach- oder Geldkapital machen. Wenn sich die wirtschaftlichen Aussichten für die Masse verschlechtern, weil die Armen sparen müssen, dann sinkt der Wert ihrer Sachvermögen, da die Produktionsmittel nur so viel wert sind wie die Gewinne die man aus ihnen zu ziehen hofft. Kreditausfälle häufen sich ebenfalls, sodass auch ihr Geldkapital sich verflüchtigt. Das nennt man dann, wenn der Prozess vorher lange genug von der Regierung behindert wurde, bis der Druck zu stark wurde, eine Krise. Es muss nicht zu einer Krise kommen, wenn man die Dinge einfach laufen lässt: wenn die Armen ihren Konsum ein wenig einschränken, weil die Reallöhne sinken und kein Konjunkturpaket folgt, haben die Kapitalisten sofort „auch was davon“. Die Vermögensverteilung schwankt dann hin und her.
          Der Systemreset, der ansteht weil die Regierung diesmal durch Sozialisierung von Billionen von Schulden alle Register gezogen hat und der Karren schon buchstäblich im Dreck versunken ist, ist die kapitalistische Antwort auf die Korruption der Staaten. Es ist kein Zufall, dass keine der großen Banken ohne die Regierung eine Chance gehabt hätte durchzukommen, wenn die Politik sie nicht gerettet hätte. Oder die Reichen hätten ihre privaten Kassen aufmachen müssen und Massen von dem Geld aus den guten Zeiten da reinschütten müssen.
          Machen Sie sich keine Sorgen, dass am Ende einige wenige alle Produktionsmittel besitzen. Das müssten die griechischen Götter persönlich sein. Die Aristokraten hatten früher sogar ein von der Regierung geschütztes Monopol an damals praktisch allen wichtigen Produktionsmitteln (Grund und Boden), und es sind viele trotzdem verarmt, während unglaubliche Werte aus dem Boden gestampft wurden. Der einzige Grund wieso sich diese Leute überhaupt an die Politik wenden besteht in deren Unfähigkeit ihre Position auf dem freien Markt beizubehalten.

          • Bernhart sagt:

            #Zitat rote_pille#
            Sie setzen die Bargeldbestände so hoch, dass sie für EINE EINZIGE wirtschaftliche Aktivität ausreichen. Das ist eine äußerst realistische Annahme.
            #Ende Zitat rote_pille#

            Man kann sie auch so initialisieren, daß sie für mehrere wirtschaftliche Aktivität ausreichen

            #Zitat rote_pille#
            Ihre Thesen, dass sich die Vermögen immer weiter aufstapeln, ist theoretisch nicht ausgeschlossen, wie ich nicht müde werde zu betonen, aber nur eine extrem unwahrscheinliche Möglichkeit…
            #Ende Zitat rote_pille#

            Die Vermögen stapeln sich nicht auf, sondern die Summe der Lohnkonten werden weniger.
            Aber dies muss nicht sein, wenn wie im folgenden Fall Unternehmer und Beschäftigte kaufen:


            x1)Produktionsphase: (wie im letzten Beitrag)
            Der Unternehmer produziert mit den Investitionsgütern Waren, die er verkaufen will.
            Die Investitionsgüter I sind danach weg und gleichzeitig vergrößert sich WK um I + L und dem Gewinn G.
            (UK-L, BK+L, IK, WK+L+G )

            x2) Verkauf an Unternehmer und Beschäftigte
            Um eine Überproduktion (bzw. den Warenberg nicht zu vergrößern) zu vermeiden, müssen vom Warenberg die Waren im Wert von L+G verkauft (verbraucht) werden.
            Die Beschäftigten kaufen Waren im Wert von L und die Unternehmer Waren im Wert von G. Dann wird BK um L verringert und UK um diesen Wert erhöht.
            (UK, BK, IK+G, WK )
            Wenn die Unternehmer und die Beschäftigten die produzierten Waren kaufen, funktioniert also alles Bestens:
            Der Unternehmer hat alle seine produzierten Waren verkauft und seinen Gewinn schon wieder investiert. Die Beschäftigten haben ihren Lohn für den Kauf von Waren ausgegeben.
            Der Kapitalismus kann also unter bestimmten Bedingungen funktionieren.

            Die von mir geschilderte Beschreibung“ ist noch keine Kritik am kapitalistischen System,
            sondern der Versuch einer sachlichen Schilderung, die unabhängig vom weltanschaulichen Standpunkt akzeptiert werden sollte.
            Wenn meine Beschreibung falsch sein sollte, bitte ich um Richtigstellung.

            mfg
            Bh

          • rote_pille sagt:

            Hier ist der Fehler: Sie beschreiben gerade nur EINEN EINZIGEN Produktionsprozess, also können sie nur einen einzigen Unternehmer und nur eine TEILMENGE der Arbeiterschaft an ihm teilnehmen lassen. Das bedeutet, dass die gesamten Waren dieses Prozesses an die Arbeiterschaft verkauft werden können, wenn ihre Bedürfnisse richtig eingeschätzt wurden, zu einem Preis der über den Lohnkosten liegt! Warum ist das so schwer zu begreifen, ein Pizzahersteller verkauft doch auch alle Pizzas ohne dass irgendwelche anderen Unternehmer ihm welche abkaufen müssen, um sie in ihr Geschäft zu investieren?!
            Bei dem Prozess findet eine Umverteilung der Mittel statt, von den Konsumenten, zu denen Individuen gehören, die jede Funktion annehmen können (Arbeiter, Unternehmer und Kapitalisten, ABER NICHT UNBEDINGT DIE AN DIESER PRODUKTION BETEILIGTEN ARBEITER, UNTERN. UND KAP’S UND IN DEN MEISTEN FÄLLEN SIND SIE ES AUCH NICHT!! GEWÖHNEN SIE SICH DAS KLASSENDENKEN AB!) zu den an der Produktion beteiligten Individuen (A., U., Kap’s). So what?
            Es laufen parallel noch x andere Prozesse ab, bei denen die Rollen anders verteilt sind. Das Geld aus den Gewinnen der anderen Prozesse ist nur umverteilt und nicht vernichtet worden. Es zirkuliert und mit jedem Tausch werden irgendwelche Bedürfnisse erfüllt. Eine Krise tritt erst auf wenn viele reiche Individuen, zu denen auch die gutbezahlten Angestellten gehören können, plötzlich entscheiden, dass sie das Bargeld was sie gerade bekommen haben weder verkonsumieren noch reinvestieren wollen. Dann steigt die Wahrscheinlichkeit für jeden einzigen Produktionsprozess, dass er unprofitabel wird, weil die Preise gesenkt werden müssen, während die Ausgaben zu einer Zeit stattgefunden haben, in der die Preise noch höher waren. Wenn Sie die Ursachen der Krise wissen wollen müssen Sie herausfinden, warum die Reichen auf einmal geschlossen so entscheiden.

          • Bernhart sagt:

            @rote_pille
            #Zitat rote_pille#
            Hier ist der Fehler: Sie beschreiben gerade nur EINEN EINZIGEN Produktionsprozess, also können sie nur einen einzigen Unternehmer und nur eine TEILMENGE der Arbeiterschaft an ihm teilnehmen lassen. Das bedeutet, dass die gesamten Waren dieses Prozesses an die Arbeiterschaft verkauft werden können, wenn ihre Bedürfnisse richtig eingeschätzt wurden, zu einem Preis der über den Lohnkosten liegt! Warum ist das so schwer zu begreifen, ein Pizzahersteller verkauft doch auch alle Pizzas ohne dass irgendwelche anderen Unternehmer ihm welche abkaufen müssen, um sie in ihr Geschäft zu investieren?!
            #Ende Zitat rote_pille#

            Dieser Fall wird doch von meinem Überlegungen berücksichtigt, denn BK ist die Summe aller Kontostände aller Beschäftigten des Wirtschaftssystems, also auch derer, deren Unternehmen nicht gerade in einer wirtschaftlichen Aktivität verwickelt sind.
            siehe letztes Posting:
            ———————–
            Annahme: Nur die Beschäftigten kaufen diese Waren
            Dann wird BK um L+G verringert.
            (UK+G, BK-G, IK, WK )
            ———————–

            #Zitat rote_pille#
            Bei dem Prozess findet eine Umverteilung der Mittel statt, von den Konsumenten, zu denen Individuen gehören, die jede Funktion annehmen können (Arbeiter, Unternehmer und Kapitalisten, ABER NICHT UNBEDINGT DIE AN DIESER PRODUKTION BETEILIGTEN ARBEITER, UNTERN. UND KAP’S UND IN DEN MEISTEN FÄLLEN SIND SIE ES AUCH NICHT!! GEWÖHNEN SIE SICH DAS KLASSENDENKEN AB!) zu den an der Produktion beteiligten Individuen (A., U., Kap’s). So what?
            #Ende Zitat rote_pille#

            Ich betrachte u.a.rein buchhalterisch die Summe aller Kontostände aller Unternehmer (=UK) und und die Summe aller Kontostände aller Beschäftigten (=BK), wobei nicht alle Unternehmer und Beschäftigten an jeder wirtschaftlichen Aktivität beteiligt sein müssen.
            Wenn du dieser Vorgehensweise das Prädikat Klassendenken verleihen willst, darfst du – besonders als Voluntarist – dir natürlich dieses Recht herausnehmen.

            #Zitat rote_pille#
            Es laufen parallel noch x andere Prozesse ab, bei denen die Rollen anders verteilt sind.
            #Ende Zitat rote_pille#

            Um das System nicht zu kompliziert werden zu lassen, ersetze ich parallel durch sequenziell.
            Man kann z.B. sagen, daß eine wirtschaftliche Aktivität 0,00001 Sekunden nach einer anderen wirtschaftlichen Aktivität stattgefunden hat (was einer Parallelität gleichkommt).

            Noch Einwände ?

            mfg
            Bh

          • rote_pille sagt:

            Es ist überhaupt nicht absehbar, wer zu den Konsumenten gehören wird. Die Abnehmer von Privatjets und Luxusvillas sind wohl eher bei den Unternehmern und Kapitalisten zu suchen – folglich würde die Bilanz für die Gesamtheit dieser Leute negativ ausfallen, wenn man sie zu einer Gruppe zusammenfassen würde. In diesem Produktionszyklus macht ein Unternehmer macht Plus, die Arbeiter machen alle +, und viele andere Unternehmer haben ein Minus, womit die Gesamtbilanz für die Unternehmer negativ ausfällt. Sie muss ja, denn die Gruppe der Arbeiter hat Lohn bezogen, aber nichts gekauft.
            Da wir keine Ahnung haben wie groß der Anteil an der Gesamtproduktion ist, den solche Produktionen annehmen, und es keinen Grund gibt anzunehmen dass im System immer dieselbe Gruppe von Individuen auf der gleichen Seite der Bilanz steht, ist jedes Modell, welches die monetären Gewinne der Produktionsprozesse stets auf Seiten der Unternehmer verortet falsch.

        • rote_pille sagt:

          Jetzt hätt‘ ich’s fast vergessen: die beschriebenen Effekte modellieren Sie, indem Sie die Konsumausgaben der Individuen mit ihren Einnahmen steigen lassen, und je ungleicher die Vermögensverteilung ist, desto mehr Prozesse müssen sie als verlustbringend wirken lassen – das wird dazu führen, dass die Vermögensverteilung früher oder später die Tendenz zur Konzentration verliert. Sie sehen schon, dass diese Modellierung vollkommen sinnlos ist, weil das Ergebnis schon in den Annahmen enthalten ist. Aus diesem Grund ziehen richtige Ökonomen die ganze Theorie aus logischer Deduktion. Was die Empirie angeht, das Aristokratenbeispiel dürfte die Stichhaltigkeit in der Hinsicht illustriert haben.

  31. Bernhart sagt:

    #Zitat rote_pille#
    … ist jedes Modell, welches die monetären Gewinne der Produktionsprozesse stets auf Seiten der Unternehmer verortet falsch.
    #Ende Zitat rote_pille#

    Dem widerspreche ich.
    In einem krisenfreien _Kapitalismus_ (alle produzierten Waren werden verkauft), ist die Summe
    aller Kontostände _aller_ Unternehmer +
    Wert _aller_ Investitionsgüter aller Unternehmer +
    Wert _aller_ produzierten Waren aller Unternehmer
    natürlich größer als vor einer wirtschaftlichen Tätigkeit und zwar um den Gewinn G.
    Wenn das nicht der Fall wäre, würde die Summe (dieser 3 Teile) immer auf Dauer kleiner und das kapitalistische System würde prinzipiell (unter keinen Bedingungen) NICHT funktionieren. Man hätte einer Dauerkrise, was ich aber nicht behaupte.
    Wenn du es nicht glaubst, mache ein Besipiel oder schaue die globale buchhalterische Bilanzierung in meinen Postings an.

    mfg
    Bh

    • rote_pille sagt:

      Ich habe Ihnen gerade eben ein Gegenbeispiel geliefert, bei dem die Summe der Kontostände aller Unternehmer nach dem Prozess geringer sein MUSS als vorher, obwohl alle Waren verkauft wurden. Das Produkt ist kein Investitionsgut, sondern wird von anderen Unternehmern verkonsumiert, sodass bei den Arbeitern ein Plus (der Lohn) bleibt. Folglich steht bei der Gruppe der Unternehmer ein ebenso großes Minus in der Bilanz, auch wenn ein einzelner Unternehmer natürlich im Plus sein wird. Lesen Sie das Gegenbeispiel noch einmal und antworten Sie sobald Sie die Möglichkeit seiner Existenz widerlegt haben.

  32. Bernhart sagt:

    #Zitat rote_pille#
    Ich habe Ihnen gerade eben ein Gegenbeispiel geliefert, bei dem die Summe der Kontostände aller Unternehmer nach dem Prozess geringer sein MUSS als vorher, obwohl alle Waren verkauft wurden. Das Produkt ist kein Investitionsgut, sondern wird von anderen Unternehmern verkonsumiert, sodass bei den Arbeitern ein Plus (der Lohn) bleibt. Folglich steht bei der Gruppe der Unternehmer ein ebenso großes Minus in der Bilanz, auch wenn ein einzelner Unternehmer natürlich im Plus sein wird. Lesen Sie das Gegenbeispiel noch einmal und antworten Sie sobald Sie die Möglichkeit seiner Existenz widerlegt haben.
    #Ende Zitat rote_pille#

    Bei meiner Buchhaltung (in meinen postings mehrfach erwähnt) spielt der Unternehmer 2 Rollen:
    1) Beschäftigter seines Betriebs, der in dieser Rolle Luxusvillen und Privatjets kaufen kann (und dessen Lohn deshalb auf BK verbucht wird)

    2) Unternehmer im eigentlichen Sinn, der investiert und Waren produzieren lässt.

    Dafür wurde kein Gegenbeispiel geliefert.

    mfg
    Bh

    • rote_pille sagt:

      So langsam glaube ich, der Stefan hat Recht gehabt. Also noch einmal gaaanz langsam:
      Wenn sie nur den Unternehmer betrachten, während er produziert und investiert, und alle Waren werden verkauft (also Gewinn erzielt), dann ist es doch klar, dass sich bei der Funktion (!) das Geld/die Guthaben immer weiter ansammeln werden, wenn niemand kommt und es wieder einsammelt. Das liegt in der Natur der Funktion. Genauso ist es klar, dass dasselbe bei einem Arbeiter passiert, wenn man ihn nur in seiner Funktion als Arbeiter betrachtet. Der Unternehmer wird hier immer verlieren, weil er ständig die Arbeiter bezahlen muss.
      Da wir es mit realen Menschen zu tun haben, die konsumieren müssen, werden diese das was sie in der Funktion des Unternehmers und der des Arbeiters verdient haben auch wieder ausgeben. Selbst wenn alle Unternehmer stets und ständig nur Gewinn mit ihren Geschäften machen, sobald der Gewinn ausgeschüttet wird, wird konsumiert und das Geld fließt zurück – sowie das durch Löhne verdiente Geld auch. Das war die individuelle Betrachtung. Die kollektive Betrachtung habe ich mit den Luxusherstellern schon wiederlegt. Ihr Modell macht einfach falsche Annahmen und folglich können nur falsche Dinge geschlussfolgert werden, egal wie man es dreht und wendet.

      Stellen Sie sich nur vor, wenn man die Menschen in zwei Teile spaltet und sie einerseits betrachtet während sie Waren oder Arbeitskraft verkaufen, und andererseits während sie konsumieren, dann wird man feststellen, dass sie in der 1. Funktion immer monetären Gewinn machen und in der anderen immer monetären Verlust! Und wissen Sie noch etwas: ich habe so ein rundes Teil erfunden, und glaube, dass ich es „Rad“ nennen werde! Und außerdem kann ich empirisch nachweisen, dass auf den Winter immer ein Sommer folgt!

      • Bernhart sagt:

        #Zitat rote_pille#
        So langsam glaube ich, der Stefan hat Recht gehabt.
        #Ende Zitat rote_pille#

        Ich weiß nicht, was er damit meint, aber auf gar keinen Fall geht es in diesem speziellen Punkt um eine „ideologische“ Auseinandersetzung.

        #Zitat rote_pille#
        “…ist jedes Modell, welches die monetären Gewinne der Produktionsprozesse stets auf Seiten der Unternehmer verortet falsch.“
        “…Das Produkt ist kein Investitionsgut, sondern wird von anderen Unternehmern verkonsumiert, sodass bei den Arbeitern ein Plus (der Lohn) bleibt. Folglich steht bei der Gruppe der Unternehmer ein ebenso großes Minus in der Bilanz, auch wenn ein einzelner Unternehmer natürlich im Plus sein wird. “
        #Ende Zitat rote_pille#

        Vielleicht habe ich mich falsch ausgedrückt (oder nicht so wie ich wollte):
        Natürlich muß die Summe UK+IK+WK aller Unternehmer nicht immer größer werden.
        (wenn sie z.B. alles verprassen)
        Diese Summe kann auch kleiner werden. Sie wird genau dann kleiner (uns sonst nicht), wenn der Privatkonsum (Luxusgüter, Villen, usw.) der Unternehmer größer wird als ihr Gewinn.
        Wenn der Gesamtgewinn der Unternehmer größer ist als dem Unternehmergesamtkonsum (nicht Investition), dann wächst auch UK+IK+WK.
        Wenn das nicht der Fall wäre, wären die Unternehmen schön blöde, wenn sie Waren produzieren würden.
        Welche Einwände gibt es dazu ?

        mfg
        Bh

        • rote_pille sagt:

          Wenn die Unternehmer in einem (beliebig definierten) Zeitraum mehr konsumieren wollen als sie durch ihre Tätigkeit verdienen – also ihr Privatvermögen aufzehren indem sie sich zum Beispiel ein teures Auto kaufen, welches ihre Einnahmen übersteigt – haben sie immer noch Anreiz zu produzieren, solange die Produktion selbst ihren Erwartungen nach Gewinn abwirft. Klar, ihre Gesamtbilanz wird für diesen Zeitraum nicht wieder positiv, aber es wird sicher nicht besser wenn sie ein gewinnbringendes Unternehmen dichtmachen, oder? Selbst wenn der Unternehmer mit dem Konsum übertreibt, wechselt seine Firma nur den Besitzer, solange deren Bilanzen in Ordnung sind. Konsum und Produktion laufen aus der Sicht des Einzelnen getrennt ab. Für Arbeiter gilt bezüglich der Arbeit dasselbe.

          • bernhart sagt:

            @rote_pille
            Ok, dann haben wir also keine Differenzen bzg. meines Modells?

            mfg
            Bh

          • rote_pille sagt:

            Das kommt ganz darauf an, ob Sie meine Ausführungen richtig verstanden haben.

          • bernhart sagt:

            @rote_pille
            Meine Behauptungen sind:

            B1)
            Jeder Unternehmer spekuliert darauf, daß aus seinen eingesetzten (eingekauften) Investitionsgütern Waren produziert werden, die dann auch _später_ verkauft werden. (wie in der Spielbank: zuerst wird Kapital eingesetzt, danach erst erkennt man, ob es sich gelohnt hat).

            B2)
            Ich betrachte den Fall, wenn Waren produziert werden und diese _danach_ zum Verkauf anstehen.
            Diese produzierte Warenmenge bei einer wirtschaftlichen Tätigkeit können _nur_ aus Konsumgütern, _nur_ aus Investitionsgütern oder Konsumgütern und Investitionsgütern bestehen.

            B3)
            Auf die Dauer können die Beschäftigten _allein_ diese produzierte Warenmenge nicht aufkaufen, da sie sich sonst immer mehr verschulden.

            B4)
            Auf die Dauer können die Unternehmer in ihrer Eigenschaft als Konsumenten (die nur konsummieren, nicht investieren) _allein_ diese produzierte Warenmenge nicht aufkaufen, da sonst auf Dauer pleite gehen würden.

            B5)
            Auf die Dauer müssen die Unternehmer in ihrer Eigenschaft als _Unternehmer_ dazu beitragen diese produzierte Warenmenge zu verrigern, indem sie von der produzierten Warenmennge Investitionsgüter kaufen.

            Welche Behauptung ist falsch?
            Was stimmt nicht?

            mfg
            Bh

          • rote_pille sagt:

            Lieber bernhart, sehen Sie sich bitte die Scrollbar am Rand der Seite an. ca. 50% davon (!) geht auf die Diskussion zwischen uns beiden und ein paar Einwürfen von Stefan zurück, wenn Sie es bis jetzt noch nicht begriffen haben, dann glaube ich, dass Sie es auch bei 90% nicht begreifen werden – es ist alles gesagt, lesen Sie es nochmal bis Sie es verstanden haben.
            Warum Sie kein Interesse daran haben es zu begreifen entzieht sich allerdings meiner Kenntnis. Der Titel der Seite sagt jedenfalls – man kann nur freiwillig frei sein.

          • Stefan sagt:

            Bernhart, du hast ein ganz hervorragendes Modell entwickelt, für ein Paralleluniversum, in dem Unternehmer eine eigene Spezies sind, die nur von Luft und Liebe leben. Seufz, da wäre ich auch gerne Unternehmer.

            Übrigens, wenn ein Unternehmer oder auch jeder andere Mensch, Unmengen Geld hortet, dann sind nicht etwa die anderen in der Volkswirtschaft die Verlierer, sondern nur derjenige der das Geld hortet. Zumindest in unserem Fiat-Money-System ist das so. Weil dann schmilzt sein Verdientes nämlich mit der Inflation dahin.
            Ein erfolgreicher Unternehmer hortet normalerweise kein Geld. Ein Unternehmer hat normalerweise nie genug Geld zum investieren. Deshalb ist der Normalfall, dass er sein ganzes Geld investiert und dann noch einen Bankkredit aufnimmt und dann noch schaut ob er zusätzlich ein paar private Investoren findet.
            Das ist auch so ein Nonsense-Gerücht, welches von der „links-sozialistischen“ Fraktion in die Welt gesetzt wurde, dass jemand der mit seinem Geld nicht konsumiert, der Wirtschaft schaden würde.

            Bist du jetzt eigentlich nach der ganzen Diskussion davon überzeugt, dass die freie Marktwirtschaft wunderbar funktioniert und keine Krisen verursacht?

          • bernhart sagt:

            #Zitat Stefan#
            Bernhart, du hast ein ganz hervorragendes Modell entwickelt, für ein Paralleluniversum, in dem Unternehmer eine eigene Spezies sind, die nur von Luft und Liebe leben.
            #Ende Zitat Stefan#

            Dann hast du mich falsch verstanden. Wo soll ich das gemacht haben?
            Dies ist überhaupt nicht meine Absicht und darum geht es mir nicht.

            #Zitat Stefan#
            Ein erfolgreicher Unternehmer hortet normalerweise kein Geld. Ein Unternehmer hat normalerweise nie genug Geld zum investieren. Deshalb ist der Normalfall, dass er sein ganzes Geld investiert und dann noch einen Bankkredit aufnimmt und dann noch schaut ob er zusätzlich ein paar private Investoren findet.
            #Ende Zitat Stefan#

            Ja, in einer krisenfreien Marktwirtschaftf _muß_ er (auf Dauer gesehen) investieren, denn sonst werden die produzierten Waren (auf die Dauer gesehen) nicht verkauft (es gibt sonst Überproduktion).
            Wo soll ich das Gegenteil behauptet haben ?

            #Zitat Stefan#
            Bist du jetzt eigentlich nach der ganzen Diskussion davon überzeugt, dass die freie Marktwirtschaft wunderbar funktioniert und keine Krisen verursacht?
            #Ende Zitat Stefan#

            An dieser Stelle (Ursache der Krisen) sind wir noch gar nicht angekommen.
            Wir stecken immer noch an dem Punkt fest, wo es um die reine sachliche Darstellung ökonomischer, kapitalistischer Prozesse geht.
            Da sollte man sich – selbst unabhängig weltanschaulicher Differenzen vorausgesetzt – einigen können.

            mfg
            Bh

  33. bernhart sagt:

    @rote_pille

    #Zitat rote_pille#

    , wenn Sie es bis jetzt noch nicht begriffen haben, dann glaube ich, dass Sie es auch bei 90% nicht begreifen werden – es ist alles gesagt, lesen Sie es nochmal bis Sie es verstanden haben.
    Warum Sie kein Interesse daran haben es zu begreifen entzieht sich allerdings meiner Kenntnis. Der Titel der Seite sagt jedenfalls – man kann nur freiwillig frei sein.
    #Ende Zitat rote_pille#

    Leider verstehe ich es nicht, obwohl ich Interesse daran habe.
    Ich weiß leider nicht einmal, in welchem Punkt es hier genau „ideologisch bedingte“ Differenzen in den Ansichten gibt und wo mein „Denkfehler“ in der Darstellung der kapitalistischen Ökonomie sein soll, da ich in dieser Darstellung noch gar keine Kritik geübt habe.

    mfg
    Bh

    • rote_pille sagt:

      Ich habe den Denkfehler in ihrem Modell ausführlichst erklärt und weigere mich dieselbe Antwort erneut zu paraphrasieren. Lesen Sie sie erneut bis Sie es kapiert haben oder beschäftigen Sie sich mit Dingen, die Sie nicht überfordern, wir sind hiermit fertig.

  34. bernhart sagt:

    #Zitat rote_pille#
    Ich habe den Denkfehler in ihrem Modell ausführlichst erklärt und weigere mich dieselbe Antwort erneut zu paraphrasieren.
    Lesen Sie sie erneut bis Sie es kapiert haben oder beschäftigen Sie sich mit Dingen, die Sie nicht überfordern, wir sind hiermit fertig.
    #Ende Zitat rote_pille#

    Das ist schade, aber trotzdem vielen Dank für das bisherige feedback.

    mfg
    Bh

  35. bernhart sagt:

    Zitat von „FAQ Antworten zum Voluntarismus“
    „Der Markt mit seinem Selbstregelungsmechanismus über Preise ist hier ein weit überlegenes Instrument. Produziert die Wirtschaft zu viele Waren, sodass das Angebot die Nachfrage übersteigt, sinken die Preise und es wird weniger produziert. Sinkt das Angebot zu weit ab, steigen die Preise; die machen es rentabler, mehr zu produzieren, und so wird das Angebot wieder steigen. In kleinen Wellenbewegungen wird sich dieses System immer ausgleichen.“

    Ja, ja, alles wird sich ausgleichen und um ein Gleichgewicht pendeln.
    (so wie das Wetter überall auf der Welt um eine konstante Temperatur und einen konstanten Luftdruck schwankt – leider hält es sich nicht an diese Phantasie)
    Das sind Marktmärchen, um das Funktionieren der kapitalistischen Ökonomie zu rechtfertigen – also pure Ideologie.
    Schaut doch einfach mal über den Tellerrand eurer Ideologie und lest den Auszug des folgenden Artikels:

    ========================================================
    Artikel in „Spektrum der Wissenschaft“, November 2015, S. 18
    „Das Märchen von der Selbstregulation des Marktes
    Auf dem Energiesektor führt das freie Spiel der Kräfte zum Kollaps
    Die Wirtschaft ist – wie das Wetter – ein komplexes Phänomen, das sich nicht durch einfache Modelle beschreiben lässt.

    Doch während niemand auf die Idee käme, ein Klimamodell aufzustellen, in dem der lokale Ausgleich der Temperaturunterschiede global zu dauerhaft mildem Wetter führt, behauptet das Standardmodell der Marktwirtschaft genau dies: Angebot und Nachfrage pendeln sich in freiem Wechselspiel zu Preisen ein, welche die optimale Verteilung aller Güter garantieren.

    Spätestens die völlig überraschende Bankenkrise von 2008 hat den Ruf der gängigen einfachen Markttheorien angekratzt. Dafür stieg das Prestige so genannter Ökonophysiker, die seit rund 20 Jahren komplexe Modelle aus Strömungsforschung, statistischer Mechanik und Festkörperphysik auf Wirtschaftsprozesse anwenden und zeigen wie instabil diese sich verhalten. An der Universität Bremen hat nun eine Gruppe theorischer Physiker um Stefan Bornholdt die „Ökonophysik anpassungsfähiger Energiemärkte“ untersucht und in Simulationen demonstriert, dass solche Märkte zu katastrophalem Kollaps neigen (Physical Review E92, 012815, 2015).

    Ihr Modell beschreibt Individuen, die flexibel auf kurzfristig schwankende Energiepreise reagieren können, indem sie bespielsweise mit dem Anschalten der Waschmaschine warten, bis der Strom ein wenig billiger wird. Ein Marktwirtschaftler wird darin das ideale Mittel sehen, den Strombedarf einem Energieangebot anzupassen, das bei hohem Anteil von Wind- und Sonnenenergie rasch schwankt: wenn Strom aktuell knapp und somit teurer wird, drosseln die Verbraucher ihre Nachfrage und warten in der Hoffnung, dass der Preis mit steigendem Angebot bald wieder fällt. Doch wie die Simulation ergibt, pendelt sich auf diesem Markt gar kein Gleichgewicht ein, weil sich die Stromkunden wie beim Sommerschlußverkauf massenhaft auf die billigen Angebote stürzen und dadurch akuten Energiemangel erzeugen. Schon geringe Strompreisänderungen führen so zu derart drastischen Nachfragesprüngen dass sich Systemkatastrophen kaum abwenden lassen. In der Bremer Modellrechnung sieht der Computerwissenschaftler Alex Pentland vom Massachusetts Instiute of Technology in Cambridge keinen Ausnahmefall, sondern die Demonstration eines typischen Schwachpunkts einfacher Marktmodelle, die seit Adam Smith (1723 – 1790) auf ein Gleichgewicht bauen, das sich unabhängig voneinander handelte Akteure ganz von selbst einstellen soll.

    In Wirklichkeit, so Pentland, sind Instabilitäten wie Börsenblasen und Blitz – Crashes in einer modernen Gesellschaft vorprogrammiert – erst recht bei vielen mobil vernetzten Konsumenten, die sofort nachmachen, was anderen im Augenblick Vorteil verspricht (Nature 525, S. 190 – 191, 2015).“
    ….
    ===========================================================

    Die Wirklichkeit ist doch wohl komplizierter als freiwillige Ideologen sie zu wünschen gedenken …

    mfg
    Bh

    • Stefan sagt:

      Der Bernhart wieder. Und kommt gleich mit Spektrum der „Wissenschaft“ vorbei.

      Bernhart, unter den vom Staat finanzierten Wissenschaftlern gibt es unzählbar viele die fadenscheinige Begründungen suchen, damit der Staat in den Markt eingreift und den Leuten ihr Geld klaut.

      Zitat: „Spätestens die völlig überraschende Bankenkrise von 2008 hat den Ruf der gängigen einfachen Markttheorien angekratzt.“
      FAIL!
      Die Bankenkrise 2008 war eine vom Staat verursachte Krise. Wie fast alle Krisen. Schon vergessen, das amerikanische Sozial-Programm unter dem jeder Amerikaner ein Haus haben sollte?

      Zitat: „Ihr Modell beschreibt Individuen, die flexibel auf kurzfristig schwankende Energiepreise reagieren können, …“
      MEGA FAIL!
      Diese Physikusökonomen wollen also mit ihrem Modellchen zeigen, dass ein durch und durch staatliche durchmonopolisierter Energiemarkt nicht auf dem freien Markt funktionieren würde. Was für ein Unsinn.
      Auf einem freien Markt würde sich der ganze Energiemarkt anders entwickeln und natürlich so, das er funktioniert. Wie denn sonst? Wenn er nicht funktionieren würde, dann würden die Unternehmen doch pleite gehen.

      Zitat: „Schaut doch einfach mal über den Tellerrand eurer Ideologie..“
      Schau du doch endlich mal über den Tellerrand deiner Ideologie. Ich hab mir die staatlichen Eingriffe und Raubzüge schon mein ganzes Leben lang angeschaut. Das Ergebnis war immer das gleiche. Irgendjemand hat sich mit Hilfe staatlich induzierte Markteintrittshürden ein Monopol erstellt und sich dabei eine goldene Nase verdient.

      Aber wenn du gegen den freien Markt bist, dann bist du also dafür, friedliche Menschen mit Gewalt zu drohen und anzuwenden, wenn sie nicht das tun was der Herrscher Staat will.
      Beantworte bitte diese Frage: Bist du dafür Gewalt gegen friedliche Menschen anzudrohen und anzuwenden?
      Wenn du mit Nein antwortest, bist du natürlich auch für einen freien Markt.
      Wenn du mit JA antwortest, bist du ein Mensch der Gewalt gegen friedliche Menschen befürwortet. Dann bist du durch und durch unmoralisch und hast dich für jede weitere Diskussion disqualifiziert.

      • bernhart sagt:

        @Stefan
        >
        >Diese Physikusökonomen wollen also mit ihrem Modellchen
        >zeigen, dass ein durch und durch staatliche
        >durchmonopolisierter Energiemarkt nicht auf dem
        >freien Markt funktionieren würde. Was für ein Unsinn.
        >
        Nein, es wurde gezeigt, dass ein durch und durch freier Markt nicht funktionieren würde.

        >
        >Wenn er nicht funktionieren würde, dann würden die
        >Unternehmen doch pleite gehen.
        >
        Das passiert im Kapitalismus doch ab und zu, genauer regelmäßig (und wer trägt wohl die Folgen?) und er existiert immer noch.

        >
        >Aber wenn du gegen den freien Markt bist, dann bist du also
        >dafür, friedliche Menschen mit Gewalt zu drohen und
        >anzuwenden, wenn sie nicht das tun was
        >der Herrscher Staat will.
        >
        Wenn man nachweisen kann, dass ein vollständig ungeregelter freier Markt die Existenz von Menschen bedroht, müsste man diese Freiheit eben etwas einschränken.

        >
        >Beantworte bitte diese Frage: Bist du dafür Gewalt gegen
        >friedliche Menschen anzudrohen und anzuwenden?
        >
        Ich gebe dir mal ein extremes, konstruiertes, aber nicht unrealistisches Beispiel für einen fiktiven freien, ungeregelten Markt:
        In Ostdeutschland (ein freier Marlt vorausgesetzt) kaufen reiche Unternehmer ein 10 Km x10 Km großes, verlassenes Stück Land, befestigen ihre Grenze mit Stacheldraht und schiessen – Petri Heil, Frauke – auf jeden, der ihr freies Land unberechtigt betritt.
        Sie lassen darauf eine Fabrik errichten mit der – es lebe die freie Marktwirtschaft – „logischerweise“ Arbeitsplätze geschaffen werden und in der „logischerweise“ durch die Superstabilität garantierenden Selbstheilungskräfte hohe Umweltstandards erreicht werden und sich deshalb alle Menschen über diese Segnungen der Freiheit freuen.
        In diesem freien Land gibt es natürlich niemand, der überprüfen darf, was dort tatsächlich produziert und den lieben langen Tag so „gearbeitet“ wird.
        Da die „Freiheit“ ja das allerallerhöchste Gut auf Erden ist und natürlich nicht beschnitten werden darf, konnte leider nicht durch Kontrollen festgestellt werden, daß dieses „friedliche-freiheitliche“ Unternehmen der ISIS-AG dort Atombomben, chemische Bomben usw.herstellt und dort (in selbstmörderischer Absicht) hochgehen lassen will, mit dem Ziel Teile Europas radioaktiv und chemisch zu verseuchen.
        Die Freiheit ist aber so ein hohes Gut, daß die dort wohnenden Menschen dies auszuhalten haben. Die Selbstheilungskräfte des Marktes wirken auch hier, denn nach 100 000 Jahren ist das Land (vielleicht) wieder bewohnbar und die Radioaktivität hat sich von allein wieder runtergeregelt, denn ohne sttatliche Eingriffe vom aussen regelt sich alles wieder wie von selbst.
        Jedes noch so hohes Opfer rechtfertigt die Freiheit, nämlich die Freiheit egal was, wo und wie viel produziert wird, denn:
        Die Freiheit muß leben und wenn wir alle sterben.
        Beantworte bitte diese Frage:
        Bist du dafür Gewalt gegen diese freien Menschen anzudrohen (bzw. diese evtl. auch _nur_ zu kontrollieren) und anzuwenden?
        Wenn du mit Nein antwortest, bist du natürlich auch für einen freien Markt und das ist die Hauptsache!

        Mfg
        Bh

        • rote_pille sagt:

          Warum interessiert es Sie eigentlich, ob ein freier Markt funktioniert oder nicht, wo wir doch eh keinen freien Markt haben und es eher in die andere Richtung geht? Wie wäre es denn, wenn Sie und Gleichgesinnte uns ein Austrittsrecht geben und ermöglichen uns aus allen Ihren Systemen zu verabschieden? Ich zahle meinetwegen noch meinen Prokopfanteil an den Straßen, da ich die ich nicht umgehen kann, und Sie lassen mich in Ruhe mit sämtlichen Sozialsystemen, staatlichen Bildungssystemen, Gesundheitssystemen, Geldsystemen, Kriegen, Politikern, Waffengesetzen und bestimmen auch nicht welche Berufe ich zu welchen Bedingungen ausüben darf, wen ich zu welchen Bedingungen (meinerseits) einstellen darf oder was ich konsumieren darf. Ich greife Sie nicht an, Sie greifen mich nicht an. Ich nehme nichts von Ihnen, Sie nehmen nichts von mir. Ganz einfach. Es dürfte die Effizienz ihrer Systeme nur verbessern, wenn sie nicht mehr von Querulanten heruntergezogen werden.

          • bernhart sagt:

            >
            >Wie wäre es denn, wenn Sie und Gleichgesinnte
            >uns ein Austrittsrecht geben und ermöglichen uns
            >aus allen Ihren Systemen zu verabschieden?
            >
            Am besten wäre ein sozialökonomisches Experiment.
            Alle gleichgesinnten „Freiwilligen“ würden eine Insel kaufen bzw. einen eigen Staat gründen.
            Das wäre eine gute Möglichkeit unsere Thesen zu überprüfen.
            Gibt es so etwas ähnliches ?

            mfg
            Bh

          • rote_pille sagt:

            Natürlich nicht, sonst würden wir wohl dahinströmen. Aber warum sollten wir eigentlich gezwungen sein, unser Eigentum hier aufzugeben und auszuwandern? Ihr Etatisten seid es doch, die uns ständig Vorschriften machen wie wir zu leben und wem wir was zu geben haben. Wir können koexistieren, schreiben Sie nur in ihre Gesetze, dass keine bewaffneten Männer kommen und uns abholen, wenn wir uns aus ihren Systemen abmelden und nichts mehr dazu beitragen – dafür haben wir auch keine weiteren Ansprüche gegenüber diesen Systemen. Wo ist das Problem?

          • Stefan sagt:

            Hallo rote_pille,
            Das dahinströmen ist ja schon mal passiert. Nämlich als die Europäer Massenweise nach Nordamerika ausgewandert sind. Damals gab es noch freies Land.
            Das britische Empire konnte die natürlich nicht in Ruhe lassen und ist gleich hinterher. Und nach dem gewonnenen Bürgerkrieg haben sie dann leider ihr eigenes Herrschaftssystem aufgebaut. Sie haben sich von der freiheitlichsten Verfassung, die es jemals auf der Welt gab, hinters Licht führen lassen. Leider.

          • rote_pille sagt:

            Der meint „Staat“ hier nicht im Sinne von Gewaltmonopol, sondern als nur als zusammenhängende territoriale Einheit – so habe ich es jedenfalls gedeutet.
            Ist streng genommen ein Fehler meinerseits und ich hätte es wahrscheinlich lassen sollen, aber ich habe nicht genau hingesehen, weil er in seinen Beiträgen immer unsere Aussagen zitiert, was mich dazu anleitet sie teilweise zu überfliegen. So was kommt dann schon mal vor.
            Was ich sagen wollte: wenn es einen Ort gäbe an dem keine Regierungen – auch keine pseudolibertären- irgendeine Macht hätten, wäre das sicher ein beliebtes Auswanderungsziel. Natürlich glaube ich persönlich nicht daran, dass die auf einmal zulassen, dass man sich aus ihrem Dreckssystem herauskauft. Monopole können nur aufrechterhalten werden wenn man die Konkurrenz ausschaltet.

          • bernhart sagt:

            @Stefan
            >
            > Das dahinströmen ist ja schon mal
            >passiert. Nämlich als die Europäer
            >Massenweise nach Nordamerika
            >ausgewandert sind.
            >Damals gab es noch freies Land.
            >
            Nein, es hat auch schon jemanden gehört vermutlich den Indianern.
            Aber wenn irgendwelche „freiwilligfreie“ Unternehmer Land brauchen, um Profite daraus schlagen zu können, dann darf dieses natürlich enteignet, konfisziert und anderen mit Gewalt genommen werden. Wenn ein „Freiwilligfreier“ irgendwo hinkommt und jemand schon vor ihm dort war, der alles als seinen Besitz deklariert hat, nimmt er einfach alles Land, Wasser (vielleicht auch noch die saubere Luft), in Beschlag und redefiniert es als seinen Besitz. Und wenn die früheren Besitzer (z.B. Urvölker bzw. Einheimische) das nicht wollen: Was glaubt ihr, wie schnell die angeblich „freiwilligfreien“ Gewaltlosen freiwillig gewalttätig werden können ?

            mfg
            Bh

          • rote_pille sagt:

            Was soll die Demagogie hier? Wir haben nie gesagt, dass irgendjemand enteignet werden darf, für irgendwelche „Profite“. Hören Sie auf ihre schlechten Fantasien auf uns zu projizieren. Keiner von uns kann was dafür, dass die Leute damals, auch solche, die weniger Regierung wollten, kein Bewusstsein für den Wert von Menschen hatten, die nicht zu ihrer Kultur gehören. An der Vergangenheit lässt sich nichts mehr ändern, arbeiten Sie lieber daran, dass es nicht auch noch in der Zukunft passieren kann.

          • Stefan sagt:

            Zitat: „Nein, es hat auch schon jemanden gehört vermutlich den Indianern.“

            Bezüglich Landbesitz ist die voluntaristische Philosophie ziemlich nah an der der Indianer. Nämlich Land, als Lebensraum, gehört niemandem. Wenn jemand Land benutzt, z.B. Ackerbau oder ein Haus drauf stellt, dann respektiert man das natürlich.
            Außerdem könnte für dich noch das Buch „The not so wild, wild west“ interessant sein. Die ersten Siedler, welche aus der europäischen Herrschaft in die Freiheit geflohen sind, sollen im Großen und Ganzen sehr gut mit den Indianern ausgekommen sein. Schlimm wurde es erst, als die Staatskrake sich in den neu gegründeten USA breit gemacht hat. Dann begannen die Massaker.
            Das ist auch logisch, weil ein Herrschaftssystem keine freien Menschen dulden kann, die in seinem Einflussbereich leben. Deswegen mussten aus Sicht der Staatskrake auch die Indianer unter seine Fuchtel.

            Zitat: „Aber wenn irgendwelche „freiwilligfreie“ Unternehmer Land brauchen, um Profite daraus schlagen zu können, dann darf dieses natürlich enteignet,“

            Die Indianer wurden nicht von freiwillig freien Menschen massakriert, sondern von deinem bevorzugten Herrschaftssystem Staat.

            Bernhart, du wurdest dein Leben lang mit Herrschaftspropaganda voll gestopft. Von Geschichten über so tolle Prinzen und Prinzessinnen und glorreichen Königen, bis hin zum ach so tollen alles kontrollierenden „Rechtsstaat“. Man hat dir von klein auf erzählt, dass es gut ist, wenn jemand dir dein ganzes Leben vorschreibt und dir dein verdientes raubt. Die tollen Könige der Vergangenheit waren durch die Bank Psychopathen. Dein toller Staat wird von Psychopathen kontrolliert. Du vertraust dein Leben einem Haufen Psychopathen an und hoffst, dass dadurch irgendetwas besser wird.
            Deine Sprüche, wir sollen mal aufwachen, wirken auf uns ziemlich lächerlich. Jeder Voluntarist hier war selber mal staatsgläubig. Bis vor ein paar Jahren war ich das auch. Wenn man diese Gehirnwäsche erst mal los ist, dann ist man dagegen immun.

        • Stefan sagt:

          Jetzt hast du dir eine Ellen lange Geschichte aus den Fingern gesogen, nur um die Frage nicht beantworten zu müssen.

          Das Problem ist aber, dass die Menschen keine Ahnung mehr haben was Freiheit überhaupt bedeutet, ganz besonders in Deutschland. Das merkt man auch an deiner Geschichte.

          Ich verallgemeinere deine Geschichte mal. Vielleicht erkennst du ja dann was daran Nonesense ist:
          Irgendwo entsteht auf der Welt eine Bedrohung. Gegen diese Bedrohung möchten die Menschen sich organisieren. Aus freiheitlicher Sicht ist das ja kein Problem, sich gegen eine Bedrohung zu organisieren. Aber warum zum Geier sollte ich mich auf eine Art und Weise gegen diese Bedrohung organisieren, die mich selbst zum Sklaven werden lässt?
          Egal um was es geht, man kann jedes Problem lösen ohne sich selbst zum Untertanen degradieren lassen zu müssen.

          Jetzt möchte ich deine Geschichte noch einen Realitätscheck unterziehen:
          Die einzigen Organisationen auf der Welt, welche Atombomben bauen, sind Staaten. Das hat auch einen Grund. Der Bau einer Atombombe ist extrem kostspielig. Ohne ein Millionenvolk auszubeuten würde das vermutlich niemand tun.
          Die einzige Organisation, welche jemals Atombomben gegen unschuldige Menschen eingesetzt hat, war ein demokratischer Rechtsstaat. Kannst du mir in Anbetracht dessen erklären, was du mit deiner konstruierten Geschichte genau erreichen willst? Allen Anschein nach bietet die Organisationsform Staat keinen Schutz vor Atombomben. Ganz im Gegenteil, diese Organisationsform hat 1000de Atombomben produziert.

          • bernhart sagt:

            >
            >Jetzt hast du dir eine Ellen lange Geschichte aus
            >den Fingern gesogen, nur um die Frage nicht
            >beantworten zu müssen.
            >
            Kann ich nachholen.

            >
            >Bist du dafür Gewalt gegen friedliche Menschen
            >anzudrohen und anzuwenden?
            >
            nein.

            >
            >Wenn du mit Nein antwortest, bist du natürlich
            >auch für einen freien Markt.
            >
            Denkfehler. Wenn sich herausstellt, dass ein ungezügelter freier Markt extreme Nachteile nach sich zieht, bin ich gegen deinen freien Markt.

            >
            >Irgendwo entsteht auf der Welt eine Bedrohung. >Gegen diese Bedrohung möchten die Menschen
            >sich organisieren. Aus freiheitlicher
            >Sicht ist das ja kein Problem, sich gegen eine
            >Bedrohung zu organisieren.
            >
            Wie willst du das in meinem Beispiel machen, wenn dir die Freiheit der Unternehmer so unheimlich wichtig ist, daß du sie nicht einmal kontrollieren willst?

            >
            >Der Bau einer Atombombe ist extrem kostspielig.
            >Ohne ein Millionenvolk auszubeuten würde das
            >vermutlich niemand tun.
            >
            Der IS beutet ein ganzes Volk aus und hat sehr viel Geld. Er könnte auch schmutzige Waffen produzieren, mit dem er ganze Landstriche unbewohnbar machen könnte. Er könnte auch viele in der Sowjetunion entlassenen Kernphysiker kaufen. Wenn deine Phantasie nicht ausreicht, dir bestimmte Szenarien auszumalen, dann mach einfach mal Urlaub in der Gegend von Tschernobyl.

            >
            >Die einzige Organisation, welche jemals Atombomben gegen unschuldige Menschen
            >eingesetzt hat, war ein demokratischer
            >Rechtsstaat. Kannst du mir in Anbetracht dessen
            >erklären, was du mit >deiner konstruierten
            >Geschichte genau erreichen willst?
            >
            Vertrauen (in die Freiheit) ist gut, Kontrolle ist besser.
            Kontrolle vor Freiheit!

            mfg
            Bh

          • rote_pille sagt:

            Aufgezwungene Kontrollen SIND Gewaltanwendung. Wenn Sie mir nicht glauben, dann versuchen Sie irgendeinen Menschen gegen seinen Willen zu kontrollieren und berichten Sie mir dann welche Methoden Sie dafür eingesetzt haben. Ich denke, die Antwort kennen wir beide.

          • bernhart sagt:

            >
            >Aufgezwungene Kontrollen SIND >Gewaltanwendung.
            >Wenn Sie mir nicht glauben, dann
            >versuchen Sie irgendeinen
            >Menschen gegen seinen Willen zu
            >kontrollieren und berichten Sie
            >mir dann welche Methoden Sie dafür
            >eingesetzt haben. Ich denke,
            >die Antwort kennen wir beide
            >
            Genau das ist der Punkt:
            Man läßt (wie in meinem Beispiel geschehen) die ISIS-AG z.B. Europa zuminest teilweise radioaktiv verseuchen, weil diesen Halsabschneidern natürlich diese Freiheit NICHT genommen werden darf. Sie müssen das von selbst – natürlich freiwillig – einsehen. Wie gesagt:
            Die Freiheit muß leben, und wenn wir alle dabei sterben.
            Wacht endlich aus euren ideologischen Traumtänzereien auf, bevor es zu spät ist!

            mfg
            Bh

          • rote_pille sagt:

            ISIS gäbe es ohne die Kriegshandlungen der Regierungen überhaupt nicht. Genauso wenig wie die Taliban übrigens. Und die einzigen die bisher Atomwaffen eingesetzt haben waren – natürlich – Regierungen. Die Psychopathen, die das tun würden, kommen ohne Regierung ja eh nicht zu dieser Gelegenheit. Und es gibt auch viel weniger von denen, weil es ohne unsere „Interventionen“ weniger Krieg und damit auch weniger traumatisierte Kinder gibt.

            Was haben Sie eigentlich für ein Problem mit uns? Stellen wir in irgendeiner Hinsicht eine Bedrohung für Sie dar? Warum kümmern Sie sich nicht um die Leute, die ohne mit der Wimper zu zucken die Waffe auf Sie richten und Geld für alles mögliche verlangen würden, was Sie nicht unterstützen, anstatt auf die Leute einzuhacken die sagen, dass die kein Recht haben das zu tun? Ist das ein Stockholm-Syndrom?

          • bernhart sagt:

            >
            >Komplize ist man nur, wenn man
            >Ihnen durch Handlungen hilft.
            >
            Es gibt so etwas wie unterlassene Hilfeleistung (natürlich nicht für die Freiwilligen)
            Man wird auch zum „freiwilligen“ Komplizen, wenn man als „freiwilliger“ Schreibtischtäter Ideologien produziert, die Terroristen gewähren läßt (siehe mein Beispiel).

            >
            >Wenn Sie das anders sehen,
            >schnallen Sie sich SELBST
            >einen Revolver um und ab in den Irak.
            >
            Es gibt auch andere Möglichkeiten der Hilfe.
            Du kannst z.B. die Menschen in Kobane (Gesundheitszentrum) unterstützen.
            Spendenkonto findest du im Internet.

            >
            >Terroristen können Sie sowieso
            >nicht kontrollieren,
            >weil denen Ihre Gesetze egal sind.
            >
            Eine 100%-ige Kontrolle gibt es nicht.
            Das ist aber kein Grund, auf Kontrolle zu verzichten.

            >
            >Ja, was glauben Sie, wieviele
            >Terroristen werden die aufhalten wenn
            >sie als nächstes auch die Gaspistolen
            >und in ein paar Jahren wahrscheinlich
            >auch noch Essgabeln verbieten?
            >
            Wo lebst du?
            Glaubst du, daß man durch diese Verbote (Essgabeln verbieten) Terroristen aufhalten kann?
            Du willst keine Kontrolle dieser Verbrecher bzw. nur erlauben, daß man, nachdem diese alles zerstört haben, mit einer FrewiligenFrei-Bürgerwehr“ in „Notwehr“ diese bekämpfen darf.

            >
            >Wenn Sie angegriffen werden dürfen
            >Sie sich verteidigen oder andere Leute
            >engagieren das zu tun.
            >
            Dann kann es leider schon zu spät sein: Nur weil aus ideologischen Gründen Terroristen nicht kontrolliert werden konnten!

            >
            >ISIS gäbe es ohne die
            >Kriegshandlungen der Regierungen
            >überhaupt nicht.
            >Genauso wenig wie die Taliban
            >

            Auch du – als Freiwilligfreier – kannst dir die Welt nicht „freiwillig“ aussuchen oder backen und von Idealbedingungen ausgehen. Shit happens!
            Angenommen, die “ Freiwilligen“ hätten ein Stück Territorium, das sie verwalten können, dann hätten sie diese „Nachbarn“ und müssten sich damit auseinandersetzen.
            Aber vermutlich würde sich das auch wieder wie von selbst regulieren:
            durch den Glauben an den Gott der Selbstheilungskräfte.

            mfg
            Bh

          • rote_pille sagt:

            Meine Antwort finden Sie weiter unten, wegen Platzmangel. Schreibe gerade daran…

          • Stefan sagt:

            Zitat: „Denkfehler. Wenn sich herausstellt, dass ein ungezügelter freier Markt extreme Nachteile nach sich zieht, bin ich gegen deinen freien Markt.“

            Das ist kein Denkfehler. Wie willst du denn die Zügel an den freien Markt anlegen, wenn nicht mit Gewalt?
            Ein freier Markt heißt, die Menschen haben sich auf Eigentumsrechte geeinigt und dieses Eigentum können sie frei handeln. Wenn du keinen freien Markt willst, dann heißt das du respektierst nicht die Eigentumsrechte deiner Mitmenschen und das wiederum bedeutet, du willst sie mit Gewalt zu irgendwas zwingen oder ihnen ihr Eigentum rauben, unter Androhung von Gewalt.

            Zitat: „Wie willst du das in meinem Beispiel machen, wenn dir die Freiheit der Unternehmer so unheimlich wichtig ist, daß du sie nicht einmal kontrollieren willst?“

            Also erstmal habe ich nicht von der „Freiheit der Unternehmer“ geschrieben, sondern natürlich von der Freiheit für alle Menschen. Für mich persönlich gibt es keinen Unterschied zwischen Unternehmer und anderen Menschen. Jeder „Angestellte“ ist Einzelunternehmer, der seine Dienstleistung anbietet und damit Profit für sich erwirtschaften will.

            Mit deinem Beispiel hast du zu verstehen gegeben, dass dir bewusst ist, dass es böse Menschen gibt, die zu schrecklichen Dingen fähig sind. Und davor hast du Angst. Deine Lösung dafür lautet: Man braucht einen Staat, der alle kontrolliert, beraubt und beherrscht.
            Also die einzige Möglichkeit sich gegen diese bösen Menschen zu schützen siehst du darin, eine Organisation aufzubauen, von der alle glauben sie dürfe Dinge tun, welche „normale“ Menschen nicht tun dürfen. Also z.B. andere ausrauben (Steuern) oder Gewalt ausüben und androhen (Gewaltmonopol). Also die einzige Lösung die dir einfällt, für das Problem „böse Menschen“, ist eine Organisation, welche genau die Dinge tun darf, die böse Menschen gerne tun würden.
            Aus meiner Sicht ist das die dümmste Lösungsstrategie überhaupt. Diese bösen Menschen gehen dann einfach in diese Organisation und dann haben sie die komplette Macht über alle Menschen. Sämtliche Massenmorde der Geschichte wurden von Herrschaftssystemen durchgeführt, darunter auch demokratisch gewählte Machthaber.
            Also welche Verbesserung der Situation hast du erreicht, mit so einem Machtapparat? In Anbetracht der Geschichte absolut keine, sondern ganz im Gegenteil, es ist dadurch nur schlimmer geworden.

            Zitat: „Vertrauen (in die Freiheit) ist gut, Kontrolle ist besser.
            Kontrolle vor Freiheit!“

            Das ist immer das gleiche Spiel. Wer soll denn dann den Kontrolleur kontrollieren? Und wer kontrolliert dann den Kontrolleur vom Kontrolleur?
            Schau dir die Videos von freiwilligFrei an, vielleicht wirst du dann von diesem Aberglauben „Staat“ oder allgemein „Herrschaft“ befreit. Ich drück dir die Daumen dass es klappt.

          • bernhart sagt:

            >>
            >>Wie willst du das in meinem Beispiel
            >>machen, wenn dir die Freiheit der
            >>Unternehmer so unheimlich wichtig
            >>ist, daß du sie nicht einmal
            >>kontrollieren willst?“
            >>
            >….
            >Aus meiner Sicht ist das die dümmste
            >Lösungsstrategie überhaupt.
            >
            Du hast meine Frage nicht beantwortet.
            Du willst also die Halsabschneider und Unternehmer der ISIS-AG nicht kontrollieren, weil dir deren unternehmerische Freiheit des Verseuchens fremden Eigentums und Mordens anderer Menschen wichtiger ist als alles andere. Damit macht man sich „freiwillig“ zu Komplizen dieser Subjekte und ist nicht besser als diese.

            >
            >Das ist immer das gleiche Spiel. Wer
            >soll denn dann den Kontrolleur
            >kontrollieren?
            >Und wer kontrolliert dann den
            >Kontrolleur vom Kontrolleur?
            >
            Dass es dabei Probleme geben kann, will ich nicht bezweifeln. Diese Probleme sind aber kein Hindernis, auf Kontrollen zu verzichten!
            Ich drück dir die Daumen dass es klappt, die ISIS-AG völlig unkontrolliert und „freiwillig“ mit Hilfe der Selbstheilungskräfte der Märkte zu friedlichen, freiheitlichen Menschen werden zu lassen. Viel, viel Glück dabei.

            mfg
            Bh

          • rote_pille sagt:

            Niemand hat die moralische Pflicht Aggressoren aufzuhalten. Die sind für ihre Taten alleine verantwortlich. Man darf sie aufhalten, aber man muss nicht, wenn es einem nicht in den Kram passt. Komplize ist man nur, wenn man Ihnen durch Handlungen hilft. Das folgt aus dem NAP. Wenn Sie das anders sehen, schnallen Sie sich SELBST einen Revolver um und ab in den Irak. Dort sind eine Menge Menschen, die von irgendjemandem angegriffen werden, und Sie wollen doch nach ihren eigenen verdrehten Ansichten nicht als Mittäter
            gelten, oder?
            Terroristen können Sie sowieso nicht kontrollieren, weil denen Ihre Gesetze egal sind. Ja, was glauben Sie, wieviele Terroristen werden die aufhalten wenn sie als nächstes auch die Gaspistolen und in ein paar Jahren wahrscheinlich auch noch Essgabeln verbieten?
            Wenn Sie angegriffen werden dürfen Sie sich verteidigen oder andere Leute engagieren das zu tun. Es kann Ihnen auch jeder ohne Aufforderung helfen wenn es offensichtlich ist, dass Sie keine Einsprüche dagegen haben.

          • Stefan sagt:

            Zitat: „Du hast meine Frage nicht beantwortet.“

            Das ist mir bewusst. Ich wollte aber, dass du erstmal begreifst, dass deine vermeintliche Lösung „Staat“ gar keine Lösung ist, sondern die Situation nur schlimmer macht.
            Welche Organisationsform hat denn bereits Land radioaktiv verseucht und Atombomben geworfen?
            Welche Organisationsform hat denn den Bau von AKWs geschützt und die AKW-Gegner mit Gewalt an ihren Protest- und Verhinderungsaktionen behindert?

            Du willst den Menschen ihre Freiheit nehmen, weil du behauptest dadurch bestimmte Probleme lösen zu können. Also das absolut Mindeste ist ja wohl, erstmal zu verlangen, dass deine Strategie überhaupt eine Problemlösung darstellt.
            Wie ich dir schon geschrieben habe, zeigt die Geschichte, dass deine vermeintliche Lösung „Staat“ überhaupt keine Lösung ist. Diese Strategie verschlimmert die Situation sogar. Deswegen kann deine konstruierte Geschichte auch kein Argument für den Staat sein.

            Du verweigerst dich ziemlich stark, für die freiheitlichen Argumente zugänglich zu werden. Bitte schau dir doch erstmal die Videos an. Ich hab keine Lust alles hier im Kommentarbereich zu schreiben. Das wird sonst wieder eine endlose Diskussion.

            Zu deiner Frage:
            Man kann auch in Freiheit ein Unternehmen kontrollieren, z.B. indem man da einfach mal arbeitet. Oder Leute befragt die dort arbeiten. Bei größeren Unternehmungen, wie in deiner Geschichte, ist es nahezu unmöglich, das geheim zu halten.
            Außerdem wird ohne Gewaltherrschaft die Kapitalkonzentration nachlassen und nicht zunehmen, wie Marx das geglaubt hat. Eine Einzelperson würde gar nicht die finanziellen Mittel besitzen um so eine Unternehmung durchzuführen.
            Wenn böse Absichten einer Unternehmung publik werden, kann man die auch durch Boykott verhindern. Wenn ein Unternehmen andere Menschen massiv gefährdet, z.B. durch Verseuchung der Umwelt, hat man natürlich das Recht auf Notwehr.
            Wie du siehst hast du keine Ahnung von freiheitlicher Philosophie. Deswegen nochmal die Bitte, schau dir erst die Videos an.

        • Stefan sagt:

          Zitat: „Nein, es wurde gezeigt, dass ein durch und durch freier Markt nicht funktionieren würde.“

          Ich bin mit sehr sicher, dass das nicht gezeigt wurde. Ich hab den Artikel nicht gelesen und auch die Modellbeschreibung nicht. Anhand des Textes, den du hier eingestellt hast, ist mir jedenfalls sofort eine Lösungsmöglichkeit eingefallen, wie ein Zusammenbruch des Stromnetzes, der durch Smart Grid verursacht werden könnte, ausgeschlossen werden kann.
          Nämlich ganz einfach indem die Anbieter entsprechende Kontingente pro Haushalt festlegen. Also der Anbieter rüstet einfach ebenfalls auf „smart“ um, für jeden Haushalt. Wenn ein Haushalt mehr verbrauchen will, wird nur der entsprechende Haushalt vom Netz genommen. Dann bricht nicht das gesamte Netz zusammen.
          Wenn ein Haushalt nicht möchte, für längere Zeit vom Stromnetz abgetrennt zu sein, muss dieser seine Smart-Grid-Anlagen nur mit den Kontingentdaten der Anbieter füttern.

          Jetzt meine Frage an Dich, der du ja anscheinend die Modellbeschreibung gelesen hast:
          Wurden in dem Modell alle technischen Möglichkeiten berücksichtigt, die heute bereits machbar sind?

          • bernhart sagt:

            >
            >Man kann auch in Freiheit ein Unternehmen
            >kontrollieren, z.B. indem man da einfach mal
            >arbeitet.
            >
            Wenn man dort arbeiten darf.
            Glaubst du vielleicht, daß dich die ISIS-AG braucht und einstellt?
            In welchem Film bist du?

            >
            >Oder Leute befragt die dort arbeiten.
            >Bei größeren Unternehmungen, wie in
            >deiner Geschichte, ist es nahezu unmöglich,
            >das geheim zu halten.
            >
            Jeden Tag geschehen Schweinereien, die geheim gehalten werden und nicht ans Tageslicht kommen. Vor allem, wenn man keine Möglichkeit der Kontrolle hat!
            Wo lebst du?

            >
            >Außerdem wird ohne Gewaltherrschaft die Kapitalkonzentration nachlassen
            >und nicht zunehmen, …
            >
            Das ist pure Einbildung. Oder wie willst du das belegen?
            Alles reguliert sich von selbst.
            Wart einfach noch eine Weile, dann reguliert sich alles auf ein Gleichgewicht ein.
            Und dieser Gleichgewichtszustand – das Paradies – ist euer Freiwilligenmodell.

            >
            >Eine Einzelperson würde gar nicht die
            >finanziellen Mittel
            >besitzen um so eine Unternehmung
            >durchzuführen.
            >
            Natürlich nicht! Es ist eine Terrorgruppe!

            >
            >Wenn böse Absichten einer Unternehmung
            >publik werden,
            >kann man die auch durch Boykott verhindern.
            >
            Super Idee: Denn dieses schmutzigen Waffen, mit denen man ganze Landstriche Europas verwüsten kann, werden ja im Katalog der ISIS-AG zum Verkauf angeboten.
            Bitte aufwachen !!!

            >
            >Wenn ein Unternehmen andere Menschen
            >massiv gefährdet,
            >z.B. durch Verseuchung der Umwelt, hat man
            >natürlich das Recht auf Notwehr.
            >
            Natürlich! Wenn alles verwüstet und in die Luft gesprengt wurde, kann man NACHTRÄGLICH die toten Selbstmordattentäter durch ein „Freiwilligen-Kommando“ vor einem „Freiwilligen-Gericht“ zur Verantwortung ziehen und die Leichen dieser Verbrecher in den Knast sperren und einfach nur warten bis sich der radioaktive Fallout nach
            100 000 Jahren wieder von selbst runterreguliert hat.
            Woher kommt bloß diese ideologische Verbohrtheit ?
            Haben Sie euch in der DDR in den Knast gesperrt (Anti-Stockholm-Syndrom?)

            >
            >Wie du siehst hast du keine Ahnung von freiheitlicher Philosophie.
            >
            Doch, du hast wirklich plastisch dargestellt, was „freiheitliche Philosophie“ zur Konsequenz hat:
            Keinen Versuch machen, Terrorgruppen zu kontrollieren (auch wenn dies nicht vollständig möglich ist) und nachdem sie alles zerstört haben NACHTRÄGLICH in Notwehr zu bekämpfen.

            mfg
            Bh

          • Stefan sagt:

            Doch sagt er 🙂
            Nein, du hast keine Vorstellung von Freiheit. Du bist im Geiste ein devoter Untertan.

            Irgendwie schaffst du es nicht dich an frühere Argumente zu erinnern und dir dadurch ein Gesamtbild zu machen. Das war schon bei der ökonomischen Diskussion hier so.

            Für dich kurz und knapp:
            1. Mit der Idee Staat wird es nicht besser, sondern schlimmer.
            2. Heute ist der Planet mit Staaten überzogen und deine ISIS-AG ist entstanden. Hallo aufwachen!!
            3. Dein Staat hat gerade erst die ganzen Terroristen der ISIS-AG bei uns herzlich willkommen geheißen. Und jetzt musst du diese auch noch mit deinen Steuergeldern durchfüttern. Hallo aufwachen!!
            4. Bei uns ist vor 80 Jahren, ganz demokratisch gewählt, der Nationalsozialismus entstanden. Also demokratisch gewählter Terrorismus.
            5. Atombomben wurden bis jetzt nur von einem demokratischen Staat auf Unschuldige abgeworfen.
            6. Der Etatismus kommt gerade wieder in die nächste Endphase. Da kannst du die nächsten Jahre beobachten wie immer radikalere Strömungen nach oben kommen und dein Staat immer tyrannischer wird.

            Zur Kapitalkonzentration:
            Man kann historisch belegen, dass die Kapitalkonzentration um so stärker ist, desto extremer dass anwesende Herrschaftssystem ist. In Nordkorea gehört Einem Alles. Extremer geht nicht.
            Ich könnte dir das auch logisch herleiten. Das würde aber vermutlich etwas dauern und ob es was bringt, da habe ich so meine Zweifel.
            Hast du schon damit angefangen die ganzen Videos von freiwilligFrei auf YouTube anzusehen?
            Bevor du das nicht gemacht hast, habe ich eigentlich keine Lust mich hier mit dir endlos im Kreis zu drehen.

    • rote_pille sagt:

      Der Markt funktioniert nicht wie das Klima. Ihr klimatisches Gleichgewicht ist eine für die Physik völlig bedeutungslose Definition. Die Natur interessiert es nicht ob die Welttemperatur steigt oder fällt und sie reguliert sie auch nicht zu einem bestimmten Gleichgewicht. Es läuft alles nach den allgemeinen Naturgesetzen, wenn die zufällig dafür sorgen dass die Temperatur konstant bleibt, dann ist es so, wenn nicht wird sie eben schwanken.
      Der Markt hingegen ist nichts anderes als die freiwillige Interaktion von Menschen, und was das Ziel aller Menschen ist, wissen wir: ihre Bedürfnisse zu erfüllen. Und Menschen tendieren dazu auf die Probleme, die am meisten zu ihrer Unzufriedenheit beitragen die meiste Energie zu verwenden – wenn man ihnen nicht zusätzliche Hindernisse in den Weg legt und ihre Prioritäten verfälscht. Also vergessen Sie diese Analogien, die führen nirgendwo hin.
      Gerade den Energiesektor würde ich auch nicht als Beispiel für einen Markt auswählen, weil man die dort geltenden Paragraphen und umverteilten Milliarden wohl nicht einmal mehr zählen kann. Das dürften auch Leute aus anderen politischen Richtungen bemerken. Es ist auch völlig irrelevant, allein die Tatsache dass einige sich das Recht herausnehmen ihre (größtenteils grünen) Ansichten anderen mit Gewalt aufzuzwingen sind nicht tolerierbar. Das ist das primäre Argument für den freien Markt: Anarchisten haben keinen Bock auf Leute die Waffen auf sie richten und ihnen diktieren was sie zu tun und zu lassen haben oder an wen sie zu welchem Preis verkaufen dürfen. Was auch immer Sie im Energiemarkt anstellen wollen, machen Sie es mit Leuten die Sie von ihren Ideen überzeugen können. Ich bezweifle stark, dass ich die Kurve des Strompreises im Sekundentakt mitverfolge und meine Waschmaschine gerade zum optimalen Zeitpunkt synchronisiert mit Tausenden anderer Verbraucher anschalte. Wenn es sich hierbei um Probleme handelt, die durch „smarte“ Steuerung verursacht werden, dürfen Sie beruhigt sein: in der Telekommunikation sind ähnliche Probleme lange bekannt (wenn viele Leute gleichzeitig ihre Handys anschalten oder telefonieren wollen) und es gibt auch schon Lösungen dafür.
      Die Finanzkrise als völlig überraschend zu bezeichnen lässt nur den Schluss zu, dass Sie absolut nichts vom Finanzsystem verstanden haben. Ein kurzer Blick auf ein paar exponentiell steigende Kurven – siehe Schuldenstände der Industrieländer – hätte Ihnen eigentlich schon verraten müssen, dass da überhaupt nichts überraschend war, aber es große Anreize gab und gibt, es überraschend aussehen zu lassen. Und das war nur Teil 1 der Krise, der heftige Teil, in dem die Staaten und Währungssysteme selbst erwischt werden und bei dem wegen der demographischen Struktur die Bevölkerung um einige Prozent sinken wird, steht noch aus.

      • bernhart sagt:

        >
        >Der Markt funktioniert nicht wie das Klima.
        >
        Doch, wenn man die triviale Argumentation der Voluntaristen für voll nehmen würde, die immer wieder die negative Rückkopplung als Garant eines superstabilen Gleichgewichts bemüht.
        Das ist leider ein Denkfehler und so lange der nicht aus dem Hirn verschwindet, wird man den Artikel aus der Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“ nicht verstehen können.
        Aber das muß man auch nicht, denn keine Angst:
        niemand will einen Freien dazu zwingen.

        >
        >Also vergessen Sie diese Analogien, ….
        >
        Nein, so lange in dieser Einfachheit argumentiert wird, muß ich leider darauf bestehen.

        >
        >Gerade den Energiesektor würde ich auch nicht als Beispiel
        >für einen Markt auswählen, weil man die dort geltenden
        >Paragraphen und umverteilten Milliarden wohl nicht einmal
        >mehr zählen kann.
        >
        Zur Info:
        Das Modell geht von einem idealisierten freien Markt aus.

        >
        >Wenn es sich hierbei um Probleme handelt, die durch “smarte” Steuerung verursacht werden, dürfen Sie beruhigt
        >sein: in der Telekommunikation sind ähnliche Probleme
        >lange bekannt (wenn viele Leute gleichzeitig ihre Handys
        >anschalten oder telefonieren wollen) und es gibt auch schon
        >Lösungen dafür.
        >
        Wie sind dann diese Instabilitäten in diesem Modell eines freien Marktes zu erklären?

        mfg
        Bh

        • rote_pille sagt:

          1. Warum der Markt nicht wie das Klima funktioniert habe ich ausführlich erklärt. Lesen Sie es nochmal. Ein superstabiles GG habe ich nirgendwo postuliert, hören Sie bitte auf mir Worte in den Mund zu legen die ich niemals gesagt habe.
          2. siehe 1
          3. ich kenne die genauen Annahmen dieses Modells nicht, und einen Vertrauensbonus räume ich Ihnen nicht ein, wegen der schmutzigen Manipulation bei 1). „Idealisierter Markt“ ist eine ungenügende Beschreibung, denn für die Simulation brauchen Sie nicht nur das Wissen um die Marktbedingungen, sondern auch ein Modell für Angebot und Nachfrage. Und das können Sie beliebig auswechseln, bis es passt: denn wenn die Anbieter in der Realität merken, dass durch ihre Angebote das Netz ständig zusammenbricht, dann werden sie keine Regierung brauchen um neue Standards zu akzeptieren, die das Angebot dahingehend beeinflussen, dass so etwas ausgeschlossen wird. Menschen sind nun einmal keine Computer.
          4. Ich würde lieber von einem Modell des menschlichen Handelns sprechen.
          Es ist ganz einfach zu erklären: man baut keine riesigen Überkapazitäten auf, um eine temporäre Nachfrage zu stillen. Manche Arten von Mängeln kann man für eine kurze Zeit verschmerzen, weil ihre Behebung Mittel erfordern würde, deren Fehlen dann an anderen Stellen noch weniger angenehme Mängel verursachen würde.

  36. Christian sagt:

    Allein in allem liest sich das ganz spannend! Aber dann ich auf diesen Satz gestoßen:

    „In einer freien Gesellschaft wird außerdem die Familie wieder an Bedeutung gewinnen, denn das war vor der Ära des Sozialstaats über Jahrtausende das klassische Sicherheitsnetz.“

    Hieß es an anderer Stelle nicht „über die Demokratie hinauswachsen“? Und dann soll es in einer freien Gesellschaft zurück in die alten Abhängigkeiten von Familien gehen? Da fällt mir immer der alte Spruch von Karl Kraus ein: „Das Wort Familienbande hat einen Beigeschmack von Wahrheit.“

    Ihr seid nun keine Hellseher, aber die Zielrichtung Familie klingt für mich nicht nach Freiheit. Die Familie ist so ziemlich die einzige Vereinigung, die ich nicht frei wählen kann, weil ich in sie hinein geboren werde…

    • rote_pille sagt:

      Das ist so eine Sache die vollkommen missverstanden wird. Keiner wird die Menschen in die Familien hereinpeitschen. Doch familiäre Beziehungen sind meistens stärker als alle anderen und deshalb ist es wahrscheinlicher dass man von dort auch Hilfe bekommt, wenn man ohne gekaufte Absicherung in Not geraten sollte. Das sind nämlich die Leute, denen man (wahrscheinlich) keine Waffe an den Kopf halten muss, damit sie einem helfen.
      Kein Mensch auf der Welt hat die Pflicht Ihnen dabei zu helfen die Abhängigkeiten, die Sie selbst gewählt haben oder in die Sie durch Schicksalsschläge hereingeraten sind, zu überwinden. Wenn Sie sagen, jemand hat eine solche Pflicht, dann würden Sie wiederum seine Freiheit angreifen.

    • Christian sagt:

      nee, reinpeitschen wird wohl nicht gehen, wenn es eine freie Welt sein soll. Aber es kommt mir bei der Formulierung so vor, als sollte die Familie dann die Alternative zum Staat sein. Klingt für mich wie den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. In einer Familie, auf die ich angewiesen bin, steckt doch noch mehr und direktere Kontrolle drin. Aber vielleicht soll das auch nur die eher konservativen Leser für den Voluntarismus interessieren?

      • rote_pille sagt:

        Sie haben die falsche Vorstellung vom „Teufel“. Es geht nicht darum, die Menschen aus sämtlichen Abhängigkeiten zu lösen.

        Es würde zum Beispiel Leute geben, die ohne den Sozialstaat zu ihrer Familie zurückkehren würden, wo sie bevormundet werden. Aber solange sie niemand unter Androhung von Gewalt zwingt, in solchen Verhältnissen zu leben, also z.B. im Haus einsperrt, ist das deren Problem. Warum wohnen die denn bei ihrer Familien? Wenn es keine Gitter gibt müssen sie irgendwelche Vorteile darin sehen, wahrscheinlich müssen sie so keine Miete zahlen usw. Und? Es ist ganz normal, dass sie sich dann nicht aufführen können als wären sie der Herr im Haus. Ja, sie werden dann direkt kontrolliert, aber auf Basis von freiwillig erbrachter Leistung (ein Zuhause) gegen Gegenleistung (Wohlverhalten), die man ebenfalls nicht erbringen muss, wenn man auf die Leistung verzichtet. Kein anderer Mensch auf der Welt ist für deren Lage verantwortlich und deshalb kann ihm auch nicht die Aufgabe aufgebürdet werden, daran etwas zu ändern.
        Aus der Familie können Sie immer herauskommen – also im Sinne von umziehen – Sie können auch jeglichen Kontakt abbrechen, wenn das Ihr Wunsch ist. Keiner wird Sie in ein Gefängnis stecken wenn Sie das tun. Sie müssen nur dazu bereit sein die negativen Konsequenzen zu akzeptieren – von denen keine einzige Aggression gegen Sie oder Ihr Eigentum ist. Den Kontakt zum Sozialstaat können Sie hingegen nicht abbrechen – weil die Sie abholen werden wenn Sie sich dabei erwischen lassen. Und genau diese Gewaltanwendung ist der wahre Teufel.
        Die Familien bleiben auch ohne diese Gewalt erhalten, weil sie dadurch nicht zusammengehalten werden, auch wenn die Beziehungen nicht symmetrisch sind. Wenn man also die Abschaffung der Gewalt propagiert, dann ist es auch völlig logisch für die Beziehungen eine größere Zukunft zu prognostizieren, die mit weniger oder ohne Gewalt auskommen. Es deckt sich eben zufällig mit dem Konservativismus in diesem Punkt, weil die soziale Fürsorge überall auf der Welt wo sich der Staat nicht einmischt so funktioniert.

  37. rote_pille sagt:

    Also erstens, so etwas wie unterlassene Hilfeleistung EXISTIERT NICHT. Es gibt KEINE Pflicht irgendetwas zu verhindern, was man nicht durch EIGENE HANDLUNGEN selbst verschuldet hat. Wenn Person A Person B schlägt und Person C Person A nicht daran hindert, hat Person B nicht das Recht Person C zu schlagen. Person C schuldet Person B keinen Gehorsam. Wenn das Nichtstun von Person C nicht mit Gewalt abgewehrt werden kann, dann ist es auch nicht unmoralisch. Und selbstverständlich würde es zu einem Widerspruch führen, wenn Sie postulieren, dass C geschlagen werden darf, denn C könnte jede beliebige Person aus der Weltbevölkerung sein. Wenn A’s Aggression B’s Gewalt gegen sämtliche Menschen auf der Welt rechtfertigt, dann stimmt etwas nicht mit Ihrer Moraltheorie.
    Ich hoffe das ist schon so einleuchtend, dass ich es nicht weiter ausführen muss – aber wenn nicht, dann sollten Sie wissen, dass Sie mich ohne einen ausführliche Erklärung sicher nicht vom Gegenteil überzeugen werden. Zeigen Sie mir in diesem Fall die Moraltheorie, aus der die Prinzipien folgen, die das Schlagen von Person C (also jedem beliebigen Außenstehenden) erlauben würden. Denn wenn ihr PRINZIP falsch ist, dann muss ich absolut nichts gegen irgendjemanden unternehmen, auch nicht an irgendjemanden Spenden.
    Übrigens, ich bin Kroate. Was haben SIE persönlich eigentlich vor 25 Jahren getan, als mitten in Europa die kroatische Stadt Vukovar eingenommen und dort haufenweise Zivilisten ermordet haben? Wieviel haben SIE damals gespendet? Hm?

    Falls es Ihnen entgangen ist, es gibt immer mehr Kontrolle, um uns „vor dem IS zu schützen“. Warum Sie mit Widerstand dagegen ein so großes problem haben, erschließt sich mir nicht. Die Waffengesetze werden immer schärfer, und jetzt ist es auch noch ins Gespräch gekommen die Gaspistolen zu verbieten (was ich im letzten Beitrrag meinte, das mit den Essgabeln war SARKASMUS, schon mal davon gehört?). Denken Sie, der Staat erhöht mit diesen Maßnahmen unsere Sicherheit? Glauben Sie, die gewaltbereiten Kriminellen interessieren sich für ihre Gesetze?
    Was macht der Staat eigentlich so, während er dem Bürger sämtliche Verteidigungs- (und damit Widerstands-)möglichkeiten nimmt? Er verschenkt Sozialleistungen, was es Millionen Menschen aus Kriegsgebieten ermöglicht, sich hier niederzulassen, und verstärkt die Repression gegen alle die das kritisieren. Währenddessen schickt er Truppen, um die „Beliebtheit“ des Landes im Ausland zu „steigern“ (Vorsicht Sarkasmus!). Was glauben Sie, welche Auswirkungen hat das alles auf Ihre persönliche Sicherheit?
    Stellen Sie sich nun vor, Sie wären frei: die Asylanten würden nicht kommen, weil kein Geld vom Staat, und wenn welche kommen, dann müssen Sie arbeiten um zu überleben und haben keine Zeit für Training oder religiöse Verdummung, weil sie wahrscheinlich gar keine freiwillige Hilfe bekämen, wenn sie sich nicht zivilisiert verhalten. Kriegsgründe gäbe es weniger, weil keine Auslandseinsätze. Sie könnten auch in einen Gegend ziehen, in die die überhaupt nicht hereinkönnen, weil es keine Antidiskrimierungsgesetze, sondern Respekt vor dem Privateigentum gäbe. Und für Sicherheit können Sie soviel ausgeben wie Sie wollen.
    Natürlich würden Sie ziemlich schnell, nämlich dann, wenn Sie in den eigenen Geldbeutel greifen und für Ihre privaten Sicherheitswünsche bezahlen müssen, feststellen, dass ISIS nur Ihrer Wahrnehmung ein Problem ist, während in der Realität die Erhöhung der Verkehrssicherheit, die hier bei Weitem mehr Tote fordert als ISIS, eher relevant wäre.
    Wenn es ein Szenario gibt, bei dem Sie die überhaupt fürchten müssen, dann das wo die getarnt als Flüchtlinge – also von der Regierung, die Sie um Schutz anbetteln, unterstützt – hier einwandern. Ich habe jedoch nicht die kognitiven Dissonanzen, die mich dazu bringen würden, gerade den Leuten mehr Macht zu überlassen, die meine Probleme erst verursacht haben in der Hoffnung meine erhöhte Unterwürfigkeit würde nun auf magische Weise deren Pläne ändern und sie lösen. Wie es um Sie steht weiß ich nicht, aber Sie sollten vielleicht anfangen die URSACHEN der Probleme zu suchen, bevor Sie sich auf falsche Lösungen festlegen.

    • rote_pille sagt:

      *Zivilisten ermordet wurden (weil sie Unabhängigkeit von der serbisch-dominierten kommunistischen Förderation Jugoslawien wollten)

  38. rote_pille sagt:

    Vor einiger Zeit wurde mal die Frage gestellt, ob man sich in die Sklaverei verkaufen könnte oder welche Verträge erzwungen werden können. Das hier beantwortet die Frage detailliert:
    https://mises.org/library/libertarian-theory-contract-title-transfer-binding-promises-inalienability-0

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